Mensch und Katze

Auf sich selbst achten, um auf andere achten zu können

Katzen sind für viele Menschen – und das zu Recht – vollwertige Familienmitglieder. Und so ist es für viele Katzenbesitzer, wenn auch leider nicht für alle, selbstverständlich sich um sein Tier auch dann noch zu kümmern, wenn dieses chronisch oder unheilbar erkrankt ist. Eine mitunter fordernde Angelegenheit. Eine Studie der British Veterinary Association hat nun die Auswirkungen der beim Menschen (z. B. bei der Pflege von demenzkranken Familienangehörigen bekannten) „caregiver burden“, also der subjektiven Belastung pflegender Angehöriger, untersucht, wenn es sich bei dem zu pflegenden Familienmitglied nicht um einen Menschen, sondern um den Hund oder die Katze handelt. Die Ergebnisse wurden im Journal „Veterinary Record“ der BVA veröffentlicht.

© StockSnap / pixabay.com

Die Pflege von Tieren mit chronischen oder unheilbaren Erkrankungen kann – so sehr man das Familienmitglied auch liebt – eine emotionale und je nach Fall auch körperliche Belastung darstellen. Und es ist vom Menschen bekannt, dass die Aufopferung für den Erkrankten die betreuende Person in die Depression und die soziale Isolation führen, deren Lebensqualität verschlechtern und die Entstehung von Angststörungen fördern kann. Das gilt nicht nur für den Angehörigen selbst, sondern im weiteren Sinne auch für medizinisches Fachpersonal. Dr. Mary Beth Spitznagel hat nun in Zusammenarbeit mit Kollegen von der Kent State University in Ohio untersucht, ob dies für Tierbesitzer ebenfalls gilt, die sich um ihre unheilbar oder chronisch kranke Katze (oder ihren Hund) kümmern. Dabei wurde auch die subjektive Belastung von Tierärzten untersucht, die nicht nur das Tier selbst, sondern auch dessen Besitzer oft von der Diagnose bis hin zum letzten Gang begleiten.

Hierzu wurden aus einer Gruppe von insgesamt 600 Hunde- und Katzenbesitzern jeweils 119 Tierhalter ausgewählt, deren Katze oder Hund chronisch oder unheilbar erkrankt waren und 119 Teilnehmer mit gesunden Tieren (Kontrollgruppe). Diese Teilnehmer wurden dann noch einmal nach Alter, Geschlecht und gepflegter Tierart aufgeteilt und mithilfe des Zarit Burden Interviews (ZBI) hinsichtlich Stress, Angst, Depression und Lebensqualität bewertet. Der verwendete Fragebogen kommt normalerweise bei Personen zum Einsatz, die sich um ältere Menschen kümmern.

Dabei stellte sich heraus, dass Besitzer chronisch oder unheilbar kranker Hunde oder Katzen, wie erwartet, einem hohen Stressniveau ausgesetzt waren und Hinweise auf Angststörungen oder Depression zeigten. Die Tierbesitzer berichteten auch von einer verminderten Lebensqualität. Unklar bleibt dabei, ob die erhöhte Belastung zu schlechterem psychosozialen Funktionieren führte, oder ob die Tierbesitzer mit erhöhtem Stressniveau die Pflege ihres Tieres bereits vor Ausbruch der Krankheit als Belastung empfanden.

Tierbesitzer übertragen Belastung auf Tierärzte

Der belastende Effekt, der mit der Pflege unheilbar oder chronisch kranker Tiere in Verbindung steht, betrifft – so die Forscher – auch die behandelnden Tierärzte. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn die Tierbesitzer ihre eigene Sorge nicht von der medizinisch notwendigen trennen können oder wenn sich die emotionale Belastung des Tierbesitzers gegenüber dem Tierarzt entlädt, indem dieser z. B. seine Wut oder Enttäuschung gegenüber dem Veterinär zum Ausdruck bringt. Hier soll weiter geforscht werden, um für Tierärzte bessere Betreuungsangebote und Selbstschutzmaßnahmen entwickeln zu können.

Auf sich selbst achten, um auf andere achten zu können

Das Thema Aufopferung ist im Tierschutz, aber auch unter Katzenbesitzer ein ganz großes. Und leider auch eines, das nicht nur einmal dazu geführt hat, dass Menschen ihrem Leben ein Ende gesetzt haben, weil sie keinen anderen Ausweg mehr sahen. Viel Kluges dazu, insbesondere auch zum Thema Burn-Out und zum Compassion Fatigue Syndrome (Mitgefühlerschöpfungssyndrom) haben die schlauen Miezen von The3Cats schon vor drei Jahren geschrieben. Den zugehörigen Artikel findet ihr hier.

Es ist richtig und sollte selbstverständlich sein, sein Tier auch dann noch zu pflegen, wenn es krank ist und/oder sein Leben dem Ende entgegengeht. Aber vergesst euch selbst dabei nicht, wenn es einmal so weit ist!

Nur wenn es euch gut geht, könnt ihr auch dafür sorgen, dass es demjenigen gut geht, um den ihr euch kümmern möchtet!

Nur wenn es euch gut geht, könnt ihr auch dafür sorgen, dass es demjenigen gut geht, um den ihr euch kümmern möchtet!

Ist der Punkt erreicht, an dem bei euch nichts mehr geht, weil die Akkus einfach leer sind… wer kümmert sich dann? Schafft euch Auszeiten, Zeiten, um einfach einmal den Kopf freizubekommen. Und wenn es nur ein kurzer Spaziergang oder ein heißes Bad ist, um die eigenen Akkus wieder aufzuladen und auch einfach mal durchatmen zu können. Vergesst eure Freunde und Familie nicht. Auch Sport kann ein gutes Ventil sein, um durchzuatmen und wieder neue Kräfte zu sammeln.

Und wenn ihr nicht selbst betroffen seid, sondern einer eurer Freunde, Verwandten oder Bekannten… dann schaut nicht weg, sondern seht, wie ihr demjenigen helfen könnt. Dafür braucht es oft gar keine großen Worte oder Taten. Ein offenes Ohr und/oder eine Schulter zum Anlehnen, das genügt…

Referenz: Spitznagel, MB., Jacobson, DM., Cox, MD., Carlson, MD.
(2017) Caregiver burden in owners of a sick companion animal: a cross-sectional observational study Veterinary Record Published Online First: 04 September 2017. doi: 10.1136/vr.104295

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