Katzenbücher, Rezensionen

Buchrezension: Typisch Kater – Star auf Samtpfoten (Marlitt Wendt)

Ein Buch, nur über Kater? Das interessierte uns natürlich. Auch wenn das hier ein reiner Katzenweiberhaushalt ist. Der Klappentext verspricht ein emotionales, als auch fachlich fundiertes Buch von Verhaltensbiologin Marlitt Wendt, ihres Zeichens Katerexpertin. Versprochen werden neben kompakten Informationen auch konkrete Hilfestellungen bei möglichen Problemen im Zusammenleben zwischen Mensch und Kater.

Allgemeines zum Buch

• Broschiert: 80 Seiten
• Autorin: Marlitt Wendt
• Verlag: Cadmos Verlag (28. August 2014)
• Sprache: Deutsch
• ISBN-10: 3840440211
• ISBN-13: 978-3840440212

Meine Meinung

Auf den ersten Blick war ich von „Typisch Kater“ sehr angetan. Es besitzt eine leichte, lockere Optik, die Kapitelüberschriften machen neugierig und lassen auf Humor der Verfasserin schließen und auch die sonst üblichen Katzenbilder wurden durch lustige Zeichnungen ersetzt, die das Buch optisch auf jeden Fall auflockern. Auch die Schreibweise ist sehr unterhaltsam und man merkt deutlich, dass man hier einen Katerfan vor sich hat. Alles in allem ist das Buch auch sehr leicht zu lesen, ich konnte es zeitlich nicht in einem Rutsch lesen, denke aber, je nach Lesetempo, viel länger als eine Stunde wird man nicht brauchen.

Inhaltlich gliedert sich das Buch in acht Kapitel sowie in einen Teil zur Entscheidung für oder gegen einen Kater und den Anhang mit Register und Impressum. Im ersten Teil geht es um die Faszination Kater an sich. Dort werden auch geschichtliche Hintergründe erklärt, warum es zum Beispiel ausgerechnet „Hokuspokus Fidibus, dreimal schwarzer Kater“ oder „Katerfrühstück“ heißt oder inwiefern die Fellfarbe womöglich Rückschlüsse auf die Katerpersönlichkeit geben kann. Im zweiten Kapitel geht es dann um den Unterschied zwischen Kater und Katze. Manches davon fand ich sehr interessant, wie etwa die Beschreibung des Geschlechtsdimorphismus, also den kleineren und größeren Unterschieden zwischen Katze und Kater, manches ist meiner Meinung nach nicht nur katerspezifisch, sondern kenne ich durchaus auch von den Katzendamen, z. B. die Kommunikation mit dem Menschen.

Kapitel 3 war dann für mich fast am interessantesten. In diesem Kapitel geht es darum, was den Kater eigentlich zum Kater macht und wie sich sein männliches Sozialverhalten entwickelt. Da tut sich nämlich im Mutterleib schon ganz schön viel. Wusstet ihr zum Beispiel, dass es einen Unterschied macht, ob ein Kater nur männliche Geschwister hat oder das einzige Katerchen unter lauter Mädchen im Katzenmutterbauch ist? Und dass es auch darauf ankommt, ob sich in der Gebärmutter Kater oder Katzenmädchen in direkter Nachbarschaft befinden? Nein? Dann solltet ihr das Buch lesen. 😉 Ist auch spannend, wenn man sein Leben nicht mit einem Kater teilt. Mit welchem Geschlecht das kleine Katerchen aufwächst, ist auch interessant, wenn es darum geht, zu entscheiden, welches Katerchen den eigenen Haushalt bereichern soll. Wie ihr vielleicht wisst, spielen Katze und Kater an sich recht unterschiedlich. Hat ein Kater nun vorwiegend männliche Geschwister oder gar kein weibliches Geschwisterchen, kommt dann aber zu einer weiblichen Katze, könnte es unter Umständen zu Missverständnissen kommen, weil der Kater die femininen Spielregeln schlicht nicht kennengelernt hat, steht im Buch geschrieben. Es folgen Erläuterungen zur Pubertät und zum Liebesspiel (Katergesang etc.).

Im Kapitel 4 geht es dann hauptsächlich um das Revier und die Streifzüge des Katers, also um Freigängerkater. Auch durchaus lesenswert, auch wenn sich so manch Wohnungskaterhalter im Laufe der folgenden Seiten und Kapitel vielleicht Gedanken macht, inwiefern sich Kater überhaupt tiergerecht als Wohnungskatzen halten lassen. Kapitel 5 widmet sich dann dem häuslichen Markieren, auch hier würden wir vieles nicht auf Kater beschränken (Toilettenanzahl, -form etc.). Ob man bei Unsauberkeit erst einmal die häuslichen Toilettenbedingungen überprüfen und je nach Zeitaufwand wertvolle Zeit verliert oder doch lieber gleich zum Tierarzt geht, wäre ebenfalls zu überlegen. Wie ernst man dem Tipp nimmt, dass man in der Erziehung immer nur dem Kater nachgeben sollte, nun ja… ☺

Im 6. Kapitel folgen Probleme, die speziell mit Katern auftreten können. Hier wird beispielsweise beschrieben, dass sich „durch die hormonelle Umstellung MEIST auch der gesamte Stoffwechsel umstellt“. Tja, meist. Es wäre interessant zu erfahren, wovon dies abhängig ist. Da der Kater nach der Kastration einen niedrigeren Energiebedarf hätte, soll das Futter erarbeitet oder wohl auch reduziert werden. Zum Erarbeiten wird als Beispiel der Futterball genannt. Nassfutter oder Rohes aus einem Futterball zu pfriemeln, funktioniert eher weniger und Trockenfutter für ein Katerchen, das seine Figur halten soll? Dazu kommt, dass die Katerkastration ja üblicherweise dann stattfindet, wenn sich der Kater noch im Wachstum befindet und dazu vielleicht auch noch ein wenig Energie brauchen könnte. Auch etwas, das man so pauschal meiner Meinung nach nicht sehen kann. Sehr wichtig fand ich wiederum den Hinweis, auffälligem Miauen nachzugehen, da hinter dem Katzenjammer auch ernsthafte Erkrankungen stecken könnten. Ob Katervergesellschaftungen, ob nun mit Männlein oder Weiblein, wirklich pauschal so schwierig sind… hm… ich kenne beides und das sowohl bei Katern, als auch Katzen.

Im 7. Kapitel geht es dann noch einmal um die Hormone, speziell das männliche Geschlechtshormon Testosteron. Auch hier ist sehr schön erklärt, was im Inneren des Katzenmannes so vorgeht und worauf das Hormon so alles Einfluss hat. Auch die Stresshormone werden durchaus laienfreundlich erklärt. Hier kommt ebenfalls durch, dass Wohnungskaterhaltung eigentlich nicht so geeignet ist und in Kombination mit anderen Faktoren (Lärm, unpassender Mitbewohner etc.) über Stress schwere gesundheitliche Folgen (z. B. Tumorneigung) haben kann. Daneben ist in Verbindung mit Wohnungshaltung auch vom „Boreout-Syndrom“ die Rede, also dass sich Kater chronisch langweilen würden und geistig unterfordert seien, auch wenn die Wohnung noch so abwechslungsreich ist. Was sicherlich stimmt, ist, dass es am Menschen liegt, dem Kater das Wohnungsleben so angenehm wie möglich zu gestalten. Aber das gilt nicht nur für Kater. Im letzten Kapitel geht es dann noch um die Kastration und seit der Entscheidungsfindung für oder gegen einen Kater weiß ich nun immerhin endgültig, dass die Emma im Herzen Kater ist. 😉

Alles in allem ein sehr unterhaltsames und auch informatives Buch, das sich durchaus zu lesen lohnt. Schön hätte ich es gefunden, wenn der Wohnungskater ein wenig mehr Aufmerksamkeit erhalten hätte. So fehlen mir zusätzlich zu den allgemeinen Tipps ein bisschen konkrete Lösungsansätze, wie man die Wohnung gezielt katerfreundlich gestalten kann. Nicht jeder Kater kann schließlich – aus welchem Grund auch immer – Freigang genießen. Quellen für die gemachte Aussagen oder auch Tipps zum Weiterlesen hätte ich ansonsten noch schön gefunden. Aber trotz der Kritikpunkte ein nettes Katerbuch, das in dieser Form definitiv einzigartig ist. Spannend fände ich, wie so ein Katerbuch aussehen würde, wenn es ein Mann schreibt. 😉

Neugierig geworden? Hier könnt ihr Typisch Kater: Star auf Samtpfoten kaufen*.

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