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Caracats – neue Wildkatzenhybriden in deutschen Wohnzimmern?

Dass der Mensch mit dem, was er hat, nur selten zufrieden ist, ist altbekannt. Und wie auch im Bereich Technik, Kleidung und anderen Konsumgütern ist es mittlerweile leider so, dass immer wieder neue Züchtungen notwendig zu sein scheinen, um „in“ zu sein und dem Katzenhalter den ganz besonderen Kick zu bieten.

Seit einiger Zeit sorgt ein neues Projekt im Internet für Aufruhr. Und zwar plant eine österreichische Maine Coon-Zucht die Zucht von Caracats, d. h. ein Karakal soll mit Kätzinnen der Rasse Maine Coon verpaart werden.

Was ist ein Karakal eigentlich?

Der Karakal, auch Wüstenluchs genannt, lebt in trockenen Habitaten, wie Halbwüsten, Steppen und Trockenwäldern und ist in großen Teilen Afrikas, über die Arabische Halbinsel, die Türkei, Persien (Iran), bis zum Aralsee und Nordwestindien beheimatet.

Karakale gehören zwar zur Familie der Kleinkatzen, sind jedoch mit einer Kopfrumpflänge von 65 Zentimetern plus 30 Zentimetern Schwanz und einer Schulterhöhe von 45 Zentimetern nicht gerade klein. Das Gewicht der Tiere liegt beim Kater zwischen 13 und 18 Kilogramm, Kätzinnen sind meist ein wenig kleiner und leichter.

Die Größe der Tiere wird in diesem Video im Vergleich zum Schakal recht schnell deutlich.

Obgleich Maine Coons ja nicht gerade klein sind, ist der Unterschied zum Karakal doch nicht zu übersehen.

Caracats – Gefahren bei der Verpaarung

Die Verpaarung von Wild- und Hauskatze ist für die Hauskatze und die aus der Verpaarung entstehenden Nachkommen alles andere als ungefährlich. So kann es durch den unterschiedlichen Geruch und die abweichende Körpersprache leicht zu Missverständnissen zwischen den beiden Tieren kommen, die mit Verletzungen oder gar dem Tod der Hauskatze enden können. Auch ein zu starker Nackenbiss beim Deckakt kann leicht den Tod der Kätzin bedeuten.

Überlebt die Kätzin die Deckung durch den Karakal bergen Austragung und Geburt der Föten weitere Risiken. So beträgt die Tragezeit eines Karakals beispielsweise 73 Tage, während diese bei der Katze nur bei 63 Tagen liegt. Trägt die Katze nun länger, ist die Gefahr groß, dass es durch zu große Föten zu Problemen bei der Geburt kommt. Ist die Tragezeit zu kurz, sind die Föten eventuell noch nicht richtig entwickelt und müssen oft von Hand aufgezogen werden, wodurch wiederum die Sozialisierung der Tiere schwieriger wird. Darüber hinaus ist die Sterberate der Föten im Mutterleib bei der Verpaarung von Wildtieren mit Hauskatzen sehr hoch.

Durch die Unterschiede zwischen den beiden Tierarten ist auch unvorhersehbar, wie sich die Nachkommen entwickeln, ob gesundheitliche Einschränkungen oder Erbkrankheiten auftreten etc. Was relativ gewiss ist, dass bei den Caracats, ähnlich wie bei der Savannah, auch hier die Kater der ersten fünf Generationen unfruchtbar sein werden.

Wurden Caracats bereits erfolgreich gezüchtet?

Im Jahr 1998 kam es in einem russischen Zoo erstmalig zu einer Verpaarung aus Karakal und Hauskatze. Genauere Informationen dazu konnte ich jedoch nicht finden. Darüber hinaus wurde im Jahr 2007 in den USA eine Abessinier mit einem Karakal gekreuzt. Das Resultat waren zwei Kitten, von denen jedoch nur eines überlebte. Die Verpaarung von Maine Coon und Karakal wurde bisher noch nicht durchgeführt.

Caracats – Wildkatzen auf dem Sofa?

Viele Züchter suggerieren, dass Wildkatzenhybriden genauso wie normale Hauskatzen gehalten werden können. Besonders in den ersten Generationen ist diese Aussage aber schlichtweg falsch. In den ersten Generation F1 und F2 ist es wahrscheinlich, dass auch bei Handaufzuchten das Wildkatzenwesen mit Eintritt der Geschlechtsreife zum Vorschein kommt. Die Neigung zu territorialem Verhalten und zum Markieren (auch bei kastrierten Tieren) ist ebenfalls stark ausgeprägt. Darüber hinaus sollte auch (und gerade) bei Wildkatzenhybriden eine artgerechte Ernährung mit Rohfleisch selbstverständlich sein.

Darüber hinaus ist die Haltung von Wildkatzenhybriden bis zur Generation F4 in der Wohnung schlichtweg nicht erlaubt. Mindestanforderung ist ein 15 m² großes Außengehege in Verbindung mit einem beheizbaren Innengehege von gleicher Größe. Dazu kommt, dass die Tiere unter die Artenschutzbestimmungen fallen und deshalb eine CITES-Bescheinigung sowie in vielen Bundesländern auch eine Haltungsgenehmigung notwendig sind.

Warum Caracats züchten?

Sicherlich Wildkatzenhybriden, wie etwa die Savannah, sind wunderschöne Tiere und auch immer noch etwas Besonderes. Aber gibt uns der Wunsch nach etwas Neuem wirklich das Recht, in die Natur einzugreifen und wild verschiedene Arten zu verpaaren, ungeachtet der Risiken, die damit verbunden sind?

Warum lässt man den Karakal nicht einfach in seiner Heimat leben und sich mit seinesgleichen verpaaren, wie von der Natur so vorgesehen?

Diese beiden Videos zeigen meiner Meinung nach recht deutlich, dass diese wunderschönen Katzen in die freie Wildbahn gehören und eine artgerechte Haltung als Haustier doch wohl eher Utopie ist. Wie kann sich jemand Katzenfreund nennen, der diese Tiere oder die aus einer Verpaarung entstandenen Nachkommen in Gefangenschaft hält, gar nicht davon zu reden, dass diese Nachkommen ungeachtet aller Risiken und aus rein egoistischen Gründen entstehen sollen?

(Bild: caracal hunting in the serengeti von nickandmel2006 unter der CC)

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  1. Ich hatte diesen Bericht über die Planung der Zucht auch schon vor Kurzem auf Facebook veröffentlicht und die Frage gestellt, was davon zu halten ist. Bin auch eindeutig dagegen, dass eine solche Zucht betrieben wird.
    Da frage ich mich ernsthaft, was als Nächstes kommt…
    LG Nine

  2. Tja, was als nächstes kommt? Im „Zuge des Fortschritts“ wird uns wohl noch so einiges erwarten, von dem wir bisher nicht zu träumen wagen. Auch wenn vieles wohl eher Alpträume sein werden… 😡

  3. M. Sobolewski

    Toll geschrieben, endlich einmal jemand der die Haltung der Wildkatzenhybriden nicht beschönigt. Ich finde es auch abartig, dass die Babies den Müttern nach der Geburt weg genommen werden, um sie von Hand aufzuziehen, um so eine Gewöhnung an den Menschen von Anfang an zu erreichen. Wir haben Tiere in sämtlichen Farben, Größen und Charakteren, wir brauchen in dieser Zeit keine weiteren lebendigen Wohnzimmerdekorationen, für die später der Tierschutz und die Auffangstationen zuständig sind und meistens dann auch wir alle als Steuerzahler.

  4. Petra Mross

    Hervoragender Artikel, der beschreibt, daß die Welt keine weiteren Experimente braucht, um irgendwelche „Sonderwünsche“ zu erfüllen! Ich (Katzenliebhaber) bin sonst kein so extremer Gegner was Katzenzucht betrifft, bin ich doch selber Halter von MC-Katzen. In diesem Fall allerdings stellen sich mir die Haare auf, wenn ich zur Rechtfertigung höre, dass die MC plötzlich im Schnitt 69!!! Tage trägt – da sie sehr groß ist!!! Mit wieviel Fantasiefakten will „diese Cattery“ ihr Vorhaben noch beschönigen??
    Es gab und gibt keinen sinnvollen Grund die Maine-Coon mit dem Karakal zu verpaaren – außer der einer neuen lukrativen Geldeinnahmequelle!
    Ich hätte da dann noch eine weitere Idee: man möge dann, um die Caracat sicher zu halten – Schlange & Igel kreuzen – gibt einen prima Stacheldraht…………..!!!

  5. Brigitte Müller

    Zur Zeit bemühen sich große Tierschutzorganisationen um ein Verbot der Haltung von Zirkustieren, und im krassen Gegensatz dazu starten selbst ernannte ‚Tierexperten‘ ein Caracat-Zuchtprogramm. Das macht mich fassungslos!

    Haben Züchter nicht schon genug Unheil angerichtet, u.a. mit der Manxkatze, die aus orthopädischer Sicht ein Krüppel ist, aber leider heute noch in England, Skandinavien, USA und von einem österreichischen Züchter produziert wird? Und was ist mit der bedauernswerten haarlosen Sphynx, die ohne die Hilfe des Menschen gar nicht überleben könnte?

    Angesichts der Millionen bedürftiger und gequälter Katzen ist es unverantwortlich, dass weiterhin mit der „Ware Tier“ auf so schaurige Weise experimentiert und verdient werden darf.

    Die hohe Zahl der auf Tierportalen angebotenen Rasse-Geschöpfe gibt einen eindeutigen Hinweis darauf, dass wir keine weiteren Tiervermehrer brauchen.

    Wer unbedingt sein Ego aufpolieren will, soll einen gescheiten Beruf erlernen, regelmäßig für den Tierschutz spenden und endlich begreifen, dass „Die Schöne und das Biest“ nur ein Volksmärchen ist. Und wer Tiere wirklich von Herzen liebt und respektiert, der belässt sie so, wie die Natur sie geschaffen hat.

  6. Vielen Dank für das positive Feedback zum Artikel.

  7. Petra Mross

    Liebe Anika,

    ich glaube im Namen Aller hier schreiben zu dürfen: das ist unsere Meinung, unsere Achtung und Liebe zum Tier! Ja, auch ich finde z.B. Geparden wunderbar und träume manchmal, so ein excelentes Tier an meiner Seite sitzen zu haben!! Aber was maßen wir Menschen uns an – aus Träumen an die Natur – qualvollen Realismus auf Kosten anderer Lebewesen zu betreiben!? Irgendwann ist SCHLUSS mit LUSTIG!! Danke, danke für den Schritt nach vorne, liebe Anika………….

    herzlichst
    Petra Mross

  8. Tyrone Gerhart

    Guten Abend
    Toller Blog, aber leider sehe ich nur die hälfte.Ist Euch das bekannt?
    Liegt das an meinem Safari?

    aus

  9. Nein, das liegt an der Seite. Wir kämpfen hier seit ein paar Wochen mit einigen technischen Schwierigkeiten und suchen händeringend nach dem Fehler.
    Die Beiträge sind in den Kategorien alle vorhanden, werden nur auf der Startseite nicht immer angezeigt.

    Entschuldigt bitte die Umstände, ich hoffe wir können das Problem bald lösen.

    vg

    Anika

  10. Dieses Vorhaben sollte auf alle Fälle VERBOTEN WERDEN – doch fürchte ich das alle Petitionen dagegen im Sand verlaufen werden. Wir schaffen es ja nicht mal Tiertransporte, qualvolle Massentierhaltung und Legebatterien ein für alle mal zu verbieten. Und selbst wenn in Europa die Kreuzung von Raubkatzen mit Rassekatzen verboten wird, gibt es diese armen Geschöpfe leider schon längere Zeit in den USA und wenns ums Geld machen geht werden die, die es verdienen wollen, auch einen Weg finden es in Europa zu verdienen und es wird auch sicher genug wahnsinnige geben die sich so eine Katze dann halt aus den USA holen.

  11. Also ich halte diese Idee für absurd. Ich habe selbst auch eine Maine Coon und die ist schon wild genug. Außerdem wie raffgierig muß man sein, einem Tier so etwas anzutun. Ich finde auch daß diese Kreuzung untersagt gehört! Genauso wie die Katzen mit den kurzen Beinen. Eine Katze muß springen können um wirklich glücklich zu sein. Jede Katze sieht gerne von obe n runter oder bringt sich in Sicherheit. Es gibt schon genug Rassen. Da muß man nicht noch Neue züchten.

  12. Hallo @ all,

    man braucht sicherlich keine neuen Katzenrassen, da es schon genug gibt. Zumal der Weg wie man zu den neuen Katzenrassen kommt sehr fraglich ist bezügl. Tier- und Artenschutz.
    Aber auch wenn wir solche Vorhaben verurteilen darf man nicht vergessen, dass unsere heute so beliebten „Rassekatzen“ auch irgendwann und irgendwo gezüchtet wurden. Und jeder der keine domestizierte Wildkatzennachkommen neben sich sitzen hat, sollte die Vergangenheit und den Weg der Zucht bis zu dem Rassetier das wir heute kennen, verurteilen.
    Hätten wir vor 100 oder 200 Jahren gelebt, was würden wir über die Herauszüchtung der heute allgegenwertigen Rassekatzen sagen? Wohl das gleiche was wir jetzt über die Hybridkatzenzucht sagen 😉

  13. Also meiner Meinung nach sind ALLE Rassekatzen Ergebnisse selbstherrlicher Möchtegern-Götter und alle Zuchttiere haben so ihre „Macken“.. Mutationen durch Inzucht herausgezüchtet und gefördert. Ein wirklicher Katzenfreund hält Abstand von Rassekatzen und vielleicht gänzlich von Katzenhaltung, da diese notwendigerweise atypische Verhaltensweisen mit sich bringt. Die Natur hat Katzen nicht als Schmusetiere hervorgebracht!! Egal wie klein und putzig, in ihnen steckt ein kleiner ‚Tiger‘ der jagen und frei sein will.

  14. Es ist unglaublich, was sich da gewissen Menschen einfallen lassen! Wie wäre es, wenn man sich darauf besinnen würde, bestehende Rassen auf ein gesundes Mass zurückzuzüchten? Rassekatzen müssen so gezüchtet werden, dass man sich bei ihrem Anblick vorstellen kann, dass sie in der Wildnis überleben könnten. Also, eine optimale Kopfform mit einwandfreier Atmungsmöglichkeit, korrekter Ohrenstellung (zwecks Kommunikation) und Körperform (keine „Dackelkatzen“) und ein selbstpflegendes Fell. Da gäbe es viel zu tun!!! Hier sollte man sich Gedanken darüber machen, nicht, wie man die Katzenliebhaber noch mehr erschrecken könnte.

    Beatrix

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