Krankheiten

Chinaseuche: Kann sich meine Katze mit RHD/RHD-2 anstecken?

RHD ist etwas, das man als Kaninchenhalter nie erleben möchte. Derzeit wird in der Presse insbesondere über die mutierte Form RHD-2 vermehrt berichtet. So macht sich auch der ein oder andere Katzenhalter Gedanken darüber, ob sich die eigene Katze – sei es nun als Freigänger oder durch rohes Kaninchen beim Katzen barfen – mit RHD oder RHD-2 anstecken kann. Hier könnt ihr als Katzenhalter entspannt bleiben.

Katzen können sich auch bei direktem Kontakt zu Kaninchen nicht mit RHD anstecken. (Bild: Maryns_Spleen /pixabay.com)

Was ist RHD/RHD-2?

Die Rabbit Hemorrhagic Disease (RHD) auch bekannt als hämorrhagische Kaninchenkrankheit, Chinaseuche oder Virale Hepatitis der Kaninchen ist eine systemische Infektionskrankheit, die durch ein Virus aus der Familie der Caliciviren, genauer gesagt, ein Lagovirus, ausgelöst wird, das in verschiedenen Varianten vorkommt. Neben der „klassischen Form“ trat 1996 die Variante RHDVa des Virus auf und 2010 schließlich die neue Variante RHDV-21. Das Feline Calicivirus ist dem Genus Vesivirus zugeordnet und hat mit RHDV für unsere Zwecke soweit nichts zu tun.

Wie wird RHD/RHD-2 übertragen?

Kaninchen können sich durch Kontakt zu erkrankten Tieren direkt sowie durch lebende und nicht-lebende Überträger indirekt anstecken. Eine indirekte Übertragung kann z. B. über den Menschen und andere Säugetiere (auch die Katze), blutsaugende Insekten oder auch Dinge wie verunreinigtes Grünfutter, Gerätschaften oder infizierte Stallungen erfolgen. Der natürliche Ansteckungsweg ist fäkal-oral (d. h. über den Darm ausgeschiedene Erreger (z. B. im Kot) werden über den Mund aufgenommen).

Kann sich meine Katze bei direktem Kontakt zu infizierten Kaninchen oder durch rohes Kaninchenfleisch mit RHD/RHD-2 infizieren und krank werden oder sogar sterben?

Nein. Kaninchen sind die einzigen Tiere, die sich mit dem RHD-Virus, ganz gleich welche Variante, infizieren können. Zwar wurden in den Blutproben untersuchter Katzen Antikörper gegen das Virus2gefunden, jedoch konnte in gezielten Fütterungsversuchen weder eine Vermehrung des Virus im Organismus der Katze nachgewiesen werden noch zeigten die Katzen Krankheitssymptome ganz gleich welcher Art.3

Wie liefen diese Fütterungsversuche ab?

Um festzustellen, ob sich RHDV in der Katze vermehrt und für klinische Symptome sorgt, wenn diese mit RHD-infizierte Kaninchen fressen, wurden die Tiere mit Leber RHDV-infizierter Kaninchen gefüttert. Nach 10 Tagen erfolgte eine Antikörperbestimmung, die zeigte, dass Katzen, die während der Zeit 4x Leber bekommen hatten, höhere Antikörpertiter aufwiesen, als diejenigen, die nur einmal Leber RHDV-infizierter Kaninchen bekommen hatten. Obwohl mit hohen Mengen des RHDV gearbeitet wurde, konnte weder eine aktive Vermehrung des Virus festgestellt werden noch entwickelten die Katzen Krankheitssymptome.

Stellt RHD/RHD-2 eine Gefahr für den Menschen oder andere Tiere im Haushalt dar?

Nein. Nach aktuellem Kenntnisstand geht weder für den Menschen noch für andere Tiere im Haushalt eine Gefahr aus. Das gilt auch für die Verarbeitung von rohem Fleisch beim Barfen. Zwar wurde u. a. auch in den inneren Organen von Waldmäusen (Apodemus sylvaticus) und Algerischen Hausmäusen (Mus spretus), die sich in der Nähe von Kaninchenbauten aufhielten, in denen RHD-infizierte Wildkaninchen gefunden wurden, virale DNA nachgewiesen, jedoch gibt es bis dato keinerlei Anhaltspunkt auf eine Virusvermehrung in anderen Säugetieren außer dem Kaninchen.

Fazit: Sollte eine Katze (z. B. im Freigang) Kontakt zu infizierten Wildkaninchen haben und/oder diese verzehren oder bei der Rohfütterung Fleisch infizierter Kaninchen aufnehmen, erkrankt sie nicht. Theoretisch könnte sie – neben vielen anderen Möglichkeiten – jedoch als Überträger des Virus auf eigene Kaninchen dienen.

Dass Fleisch RHD-infizierter Kaninchen in den Handel gelangt, ist als eher unwahrscheinlich zu betrachten. Die Erkrankung wird in einem Bestand nicht unbemerkt bleiben. Zudem sind Organveränderungen bei infizierten Kaninchen nach Schlachtung deutlich erkennbar.

Für den Menschen stellt RHD/RHD-2 ebenso keine Gefahr dar.

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Referenzen:
  1. Rabbit Hemorrhagic Disease, College of Veterinary Medicine der Iowa State University, Version Juni 2016 []
  2. Henning J., Davies P. R., Meers J. (2006) Seropositivity to rabbit haemorrhagic disease virus in non-target mammals during periods of viral activity in a population of wild rabbits in New Zealand. Wildlife Research 33, 305-311. https://doi.org/10.1071/WR03061 []
  3. T Zheng, G Lu, A.M Napier, S.J Lockyer, No virus replication in domestic cats fed with RHDV-infected rabbit livers, Veterinary Microbiology, Volume 95, Issues 1–2, 29 August 2003, Pages 61-73, ISSN 0378-1135, http://doi.org/10.1016/S0378-1135(03)00135-4. []

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