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Der Katzenleberegel (Opisthorchis felineus) – ein eher unbekannter Parasit

Katzenleberegel sind ovale, lanzettförmige, relativ breite Saugwürmer (Trematoden), die eine Länge von etwa fünf bis dreizehn Millimeter erreichen. Sie sind die Erreger der Opisthorchiidose und befallen neben der Hauskatze auch andere Säugetiere, wie Fischotter, Füchse, Hunde, Nerze, Iltisse, Schweine oder Marderhunde, aber auch den Menschen.

© Elsa / pixelio.de

Die Gruppe der Opisthorchiidae ist mit etwa siebzig Spezies nicht nur eine der artenreichsten Trematodengruppen, sondern stellt auch die meisten der beim Menschen bisher nachgewiesenen Saugwürmer. Der Katzenleberegel gehört zu den bekanntesten Vertretern der Gruppe. Ursächlich für die Ansteckung ist der Verzehr von rohem oder nicht ausreichend erhitztem Süßwasserfisch.

Verbreitung der Katzenleberegel (Opisthorchis felineus)

Opisthorchis felineus kommt in den Fluss- und Binnenseegebieten Osteuropas und Asiens (Ukraine, Russland, Kasachstan) vor. Allerdings sind auch herdförmige Vorkommen in den baltischen Staaten sowie in nördlichen Gebieten von Polen und Deutschland bekannt. In Brandenburg waren 1999 in einem Endemieherd 16 % von 155 Katzen mit dem Katzenleberegel infiziert.1 . Füchse waren in mehreren nördlichen Bundesländern (Brandenburg, Berlin, Schleswig-Holstein) betroffen.

Begrenzt wird die Verbreitung durch das Vorkommen der bauchigen Schnauzenschnecke, B. leachi, die in Deutschland eher selten vorkommt und den Katzenleberegeln als erster Zwischenwirt dient. In Osteuropa und Westasien sind sie an das Vorkommen der Schnecke B. inflata gebunden.

Außerdem kommt der Egel in Nordamerika vor. Leberegelinfektionen ereignen sich dort nach Angaben von PetMD vor allem bei Katzen in Florida, auf Hawaii und in anderen tropischen und subtropischen Gebieten. In endemischen Gebieten sind 15 bis 85 Prozent der Katzen mit Zugang zu Zwischenwirten infiziert. Der typische Patient ist der junge Freigänger im Alter von 6 bis 24 Monaten.

Typische Zwischenwirte

Als erste Zwischenwirte gelten die Schneckenarten B.leachi und B. inflata. Pet MD2 spricht generell von Landschnecken als ersten und von Eidechsen und Fröschen als zweiten Zwischenwirten. Wir gehen hier jetzt vorwiegend von den Gegebenheiten im europäischen Raum aus. Die generelle Aussage, dass karpfenartige Fische hier als zweite Zwischenwirte dienen, stimmt nur bedingt.

So ergaben Untersuchungen, dass Karpfen, Karausche, Giebel, Gras- und Marmorkarpfen nach SCHUSTER 2001 für einen Befall mit Katzenleberegeln nicht empfänglich zu sein scheinen. Auch bei den weiteren Karpfenartigen scheinen manche Arten mehr und andere weniger gefährdet zu sein. Je nach Quelle werden Aland (Leuciscus idus) und dessen Zuchtform, die Goldorfe, Tapar, Plötze, Schleie, Rotfeder und Günster als häufige zweite Zwischenwirte genannt.

Entwicklung des Katzenleberegels (Opisthorchis felineus)

Die von den Endwirten im Kot ausgeschiedenen Eier müssen zur weiteren Entwicklung in stehende oder langsam fließende Gewässer gelangen, in denen geeignete Zwischenwirte zu Hause sind. Sind sie auf den Gewässergrund abgesunken, können sie dort von den Süßwasserschnecken aufgenommen werden. In der Schnecke entwickeln sich aus den Miracidien (Wimperlarven) in den Eiern Zerkarien, die an warmen, sonnigen Tagen wieder aus den Schnecken auswandern und im Wasser ihre charakteristische Schwebehaltung einnehmen. Durch Erschütterungen und Helligkeitsunterschiede, wie etwa durch einen vorüberschwimmenden Fisch, werden die Zerkarien zu Aufwärtsbewegungen veranlasst.

Eine infizierte Schnecke kann am Tag bis zu 800 Zerkarien ausscheiden, die bei Wassertemperaturen von 16 bis 18 Grad bis zu 48 Stunden überleben können. Gelingt der Kontakt mit einem geeigneten zweiten Zwischenwirt dringen die Zerkarien in dessen Haut ein, kapseln sich im Gewebe unter der Haut und in der Muskulatur ein und entwickeln sich zu Metazerkarien. Als Metazerkarien können sie jedoch auch auf der Haut haften und sich in der Hornhaut der Augen ansiedeln. Letzteres verschlechtert vermutlich die Sehtüchtigkeit der Fische, was sie zu einer leichteren Beute macht. Eine hohe Zystendicke findet sich auch in den Flossen der betroffenen Fische. Es wird vermutet, dass die Metazerkarien lebenslang in den jeweiligen Fischen verbleiben.

Da nur wenige der produzierten Eier überhaupt wieder in ein geeignetes Gewässer gelangen, besitzen die Egel eine hohe Reproduktionsfähigkeit. Die Eier können auch weniger optimalen Bedingungen trotzen. So überleben sie im Hochsommer auf der Bodenoberfläche bis zu fünfzehn Tage und in feuchter Umgebung sogar mehr als 100 Tage. Im Labor bei Raumtemperatur sollen die Eier auch nach 18 Monaten noch infektiös gewesen sein. Starker Regen und Überschwemmungen sorgen dafür, dass die am Gewässerrand befindlichen, eihaltigen Hinterlassenschaften in geeignete Gewässer gelangen. Strukturen der Eihülle erlauben außerdem die Haftung an Wasserpflanzen, wo sie wiederum von den Schnecken beim Abgrasen der Algenrasen aufgenommen werden können.

Befall mit dem Katzenleberegel (Opisthorchis felineus)

Nimmt ein Endwirt die Metazerkarien mit dem Fisch auf, schlüpfen die Parasiten im Darm und bewegen sich durch den Hauptgallengang (Ductus choledochus) in Gallengänge und Gallenblase. Dort werden sie geschlechtsreif. Hin und wieder erreichen die Katzenleberegel auch die Pankreasgänge.

O. felineus sorgt bei Befall zu Anfang für eine Ablösung von Schleimhautschichten in den Gallengängen und dringt in die Zellen der Gallengangswand und das Gewebe in Umgebung der Leberpforte ein. Später kommt es zu einer krankhaften Vermehrung der Zellen im Gallengangsepithel und zu polypenähnlichen Gebilden in den Gallengängen. Diese verdicken sich und auch im Lebergewebe kommt es zu einer Bindegewebsvermehrung. Der Befall kann sich in verschiedenen Erkrankungen der Galle, darunter Gallengangsentzündungen und Gallensteine, äußern.

Bei Mensch, Hund und Katze sind zudem Fälle bekannt, in denen die Wucherungen entarteten und sich zu Gallengangs- und Leberzellkrebs entwickelten. Dabei spielen neben den Parasiten wohl auch Nitrosamine eine Rolle. Bei starkem Befall sind vor allem die die knoten- und zystenartig erweiterten Gallengänge auffällig.

Symptome bei Katzenleberegelbefall

Das klinische Bild der Opisthorchiidose hängt von der Intensität des Befalls, dem Ort der Ansiedlung, dem Alter und der Konstitution des Wirtes sowie von Art und Schwere zusätzlicher Schäden (z. B. Mangelernährung, Infektionskrankheiten) ab. Symptomloses Trägertum ist ebenso möglich wie massive Infektionen, die mit der Verschlechterung des Allgemeinzustandes einhergehen.

Symptome treten meist erst bei starkem Befall auf (als Richtwert wird eine Zahl von mehr als 100 Egeln genannt):

Als klinische Symptome gelten u. a.:

– Erbrechen,
– Appetitlosigkeit
– Abmagerung/starker Gewichtsverlust
– Gelbsucht
– Verdauungsstörungen
– Ödembildung / geschwollener Bauch
– Vergrößerte Leber
– Bauchwassersucht
– Speiseröhrenblutungen
– Erbrechen von Galle
– Autoimmune Reaktionen
– Fieber

Diagnose des Katzenleberegelbefalls

Der Befall wird über den Ei-Nachweis in der Kotprobe oder im Saft des Dünndarms diagnostiziert. Nach dem Tod können die Parasiten in den Gallengängen und der Gallenblase nachgewiesen werden. Allerdings scheiden die Egel nicht ständig Eier aus, es kann also vorkommen, dass mehrere Proben negativ sind, aber dennoch ein Befall vorliegt.

Mittlerweile kann die Diagnose auch durch PCR3 erfolgen. Mit molekularen Methoden, wie der Polymerase Chain Reaction (Restriktionslängenpolymorphismen) können sämtliche Entwicklungsstadien der einzelnen opisthorchiiden Leberegel eindeutig bestimmt werden4 .

Therapie und Bekämpfung des Katzenleberegelbefalls

Befallene Katzen werden mit erhöhten Dosen von Praziquantel behandelt. Praziquantel befindet sich zum Beispiel im bekannten Wurmmittel Droncit. Sherding (1994) empfiehlt eine tägliche Dosis von 40mg/kg für drei aufeinanderfolgende Tage. Das von Bowman (1999) noch empfohlene Hexachlorophen wird aus verschiedenen Gründen nicht mehr verwendet.

Vorbeugung gegen Katzenleberegelbefall

Fisch aus Risikogebieten sollte erhitzt (>70 ° C) oder vor Verfütterung der Fische an die Katzen tiefgefroren werden (-10°C 5 Tage oder -28°C 3 Stunden). Die eingekapselten Metazerkarien reagieren gegenüber Pökeln, Marinieren und Trocknen unempfindlich und sterben auch bei Kühlschranktemperaturen nicht ab. In kühl gelagertem Fisch bleiben die Metazerkarien bis zu eine Woche infektiös und sollen bei Temperaturen von -11 bis -15°C sogar bis zu einen Monat überleben. Bei 50°C bleiben isolierte Metazerkarien bis zu fünf Stunden am Leben, während sie bei 80°C nach 5 Minuten absterben.

Fisch und Rohfütterung

Karpfenartige Fische sind thiaminasehaltig und sollten daher ohnehin nicht oder nur relativ selten roh auf dem Speiseplan stehen. In Risikogebieten empfiehlt es sich, den Fisch zu kochen oder zu braten, dann ist auch die Thiaminase kein Thema mehr.

Bedeutung als Zoonose

In Deutschland werden immer wieder Fälle von O. felineus-Befall beim Menschen beschrieben (Mecklenburg-Vorpommern). In Italien wurde 2011 ein Fall bekannt, bei dem mehrere Menschen nach einem Restaurantbesuch mit einem Katzenleberegelbefall zu kämpfen hatten5 . Laut Angaben der WHO sind außerdem in Russland und Asien ca. 10 Millionen Menschen mit Opisthorchis-Arten (O. felineus und O. viverrini) infiziert.

Weitere Informationen

Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin
Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie für die Veterinärmedizin
Pharmakotherapie bei Haus- und Nutztieren

(Die hier genannten Informationen wurden sorgfältig nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert und umfassen meinen derzeitigen Kenntnisstand zu o. g. Thema. Sie stellen keine Beratungsleistung dar.)

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Referenzen:
  1. Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin – Peter Deplazes, Johannes Eckert, Georg von Samson-Himmelstjerna, Horst Zahner []
  2. Pet MD – Katzenleberegel []
  3. PCR []
  4. Landesmuseum.at []
  5. Bericht Katzenleberegelbefall Italien []

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