Mensch & Katze

„Is doch nur ne Katze!“

Beschäftigt man sich ein bisschen eingehender mit Katzen und ihren besonderen Bedürfnissen, sei es was die Ernährung angeht, die Gestaltung der Wohnung oder selbstgemachtes Spielzeug hört man ihn häufig, den Ausspruch. Aber auch, wenn man in manchen Monaten das Gehalt mehr oder weniger direkt an den Tierarzt überweist oder um die verstorbene Katze trauert, wie um einen Menschen. „Ist doch nur ne Katze!“ Eben.

Mädi

In Verbindung mit der Ernährung

Katzenernährung kann so einfach und günstig sein. In den Supermarkt marschiert, Packung Trockenfutter gekauft, Milch lässt sich vom Eigenbedarf abzweigen und schon hat der Vierbeiner was zu beißen bzw. zu schlabbern. Hin und wieder könnte man vielleicht noch ein paar Reste vom eigenen Essen abzweigen.

„Is doch nur ne Katze und früher haben die auch nichts anderes bekommen.“

Sehr richtig und eben weil’s ne Katze ist, braucht sie für Katzen geeignetes Futter, am besten Rohes (B.A.R.F.).

In Verbindung mit der Haltung

„Ach, was braucht so ne Katze schon. Nen Katzenkumpel, Kratzbaum, Körbchen, Spielzeug oder gar nen Catwalk? Wofür denn? Is doch nur ne Katze und früher hat’s das auch alles nicht gegeben.“

Genau, is ne Katze und ne Katze hat gewisse Ansprüche an ihre Lebensumgebung, eben weil se doch nur ne Katze ist. Und dazu gehören (bis auf wenige Ausnahmen) ein Katzenkumpel, Kratzgelegenheiten, Rückzugsmöglichkeiten und gerne auch die „dritte Dimension“, um die Wohnung für die Katze ansprechender zu gestalten, um nur einige Punkte zu nennen.

In Verbindung mit der Gesundheit

Jeder kann einmal krank werden oder sich verletzen. Das gilt für Mensch wie Tier. Ist die Katze gesundheitlich angeschlagen und erfordert die Behandlung zahlreiche Tierarztbesuche, manchmal leider auch erfolglose, stößt man ebenfalls häufig auf Unverständnis.

„Is doch nur ne Katze. Wie kannst du nur so viel Geld für die ausgeben? Hol dir doch einfach ne Neue, bekommt man doch an jeder Ecke nachgeworfen.“

Letzteres stimmt leider, die Anzeigen „Katze zu verschenken“ oder „Katze umständehalber abzugeben (wegen Allergie etc.)“ werden nicht wirklich weniger.

Und oft wird auch nicht weiter nachgeforscht, ob der Interessent so wirklich geeignet ist, hauptsache das Tier ist weg. Was mit den so erworbenen Tieren dann häufig passiert, davon können Tierschutzvereine und Tierheime ein Lied singen. Wer sich für eine Katze entscheidet, übernimmt Verantwortung für das Wohlergehen eines Lebewesens. Das zu bewahren manchmal eine teure Angelegenheit ist. Günstiger ist die Anschaffung einer Stoffkatze. Ist dann auch wirklich nur ne Katze, die definitiv nie einen Tierarzt brauchen wird. Der Geldbeutel dankt… die Seele wohl weniger. Wer sein Leben mit Katzen teilen darf und diese als die Geschöpfe sehen kann, die sie sind, wird wissen, was ich meine.

In Verbindung mit dem Verlust

Die Lebenserwartung der Katze ist kürzer als die des Menschen. Manche sterben auch sehr jung, sei es durch Krankheiten, Unfälle oder aus anderen Gründen. Und wie jedes Geschöpf, das den eigenen Weg begleitet, vermisst man in der Regel auch die eigene Katze schmerzlich und trauert entsprechend. Viele, wie um jedes andere Familienmitglied, das schon und vielleicht zu früh gehen musste. Auch ein Punkt, den nicht jeder zu verstehen scheint.

„Is doch nur ne Katze. Wie kannst du um so ein Vieh heulen? Hol dir doch einfach ne Neue!“

Als ob Lebewesen einfach so austauschbar wären… Eben weil es nur ne Katze ist, ist der Verlust mitunter so schmerzhaft. Für viele ist die Katze Familienmitglied, Freund, Seelentröster (manchmal der einzige) und keine Katze kann Ersatz für eine andere sein, aber viele gibt es, die ein liebevolles Zuhause suchen und gerne den nun leeren Platz übernehmen. Das Testament einer Katze finde ich in diesem Zusammenhang sehr schön.

Seid ihr dem Ausspruch auch schon begegnet? Wenn ja, in welchem Zusammenhang und wie habt ihr darauf reagiert?

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  1. Hallo Anika,
    wie recht du hast.*seufz*
    Habe zur Zeit zwei kranke Fellnasen. (Diabetes, und Allergie)
    Die verständnislosen Blicke sind überall.

    Liebe Grüße
    Carmen

  2. Ist leider häufiger so… Aber wichtig ist ja, was man selbst möchte und nicht, ob die anderen dafür Verständnis haben, finde ich.

  3. Meine Sternenkatze Ananda adoptierte ich, als ich 17 war.
    Leider adoptierte SIE meinen Vater, und blieb fast genauso lange bei ihm wie ich alt war, als ich sie adoptierte.

    Beide kümmerten sich rührend umeinander und waren unzertrennlich.
    Sie war seine Ärztin, wenn es um nächtliche Unterzuckerung ging. Mein Vater war damals bereits insulinpflichtiger Diabetiger
    .Ananda bemerkte Unterzucker und weckte ihn dann mit sanften Pfotenstupserln ins Gesicht. Natürlich bezahlte mein Vater zwei große Operationen, als Ananda erkrankte, keine Frage!

    Als sie starb, begleitete mein Vater sie und hielt sie in seinen Armen.
    Er weinte fast vier Wochen lang jeden Abend um sein „Kind“. Die innige Liebe zwischen diesen beiden Wesen war selbst für Außenstehende deutlich erkennbar.

    Seine Bekannten und Freunde benutzten genau die o. g. Worte:
    „War doch nur `ne Katze- hol dir `ne Neue.
    „Was denn- soviel Geld für `ne Katze ausgeben????“
    „Kratzbaum? Steigehilfe (als sie nicht mehr gut springen konnte)??? Man kanns auch übertreiben…“
    „So `ne blöde Katze kriegste auf jedem Bauernhof, stell dich nicht so an.“

    Meine Mutter fand Ananda auch nett, aber hatte nicht diesen engen Bezug zu ihr.
    Mein Vater nahm nie wieder ein Tier zu sich, obwohl er es heute (87 Jahre) bereut…

    Ananda wurde 17,5 Jahre alt…

  4. Hallo Tina,

    das ist eine richtig schöne, wenn auch traurige Geschichte und zeigt sehr eindrucksvoll, wie innig die Beziehung zwischen Mensch und Katze werden kann.

    Schade, dass manche Menschen das nicht zu verstehen scheinen… *seufz*

    lg

    Anika

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