Ernährung Fertigfutter

Hundefutter für die Katze?



Auf den ersten Blick scheinen Hund und Katze im Hinblick auf die Ernährung sehr ähnlich zu sein, handelt es sich doch, zumindest taxonomisch gesehen, bei beiden um Karnivoren, also Fleischfresser. Kein Wunder, dass sich viele Katzenhalter überlegen, ihre Katzen mit Hundefutter zu ernähren, ist dieses doch günstiger und dazu in größeren Abpackungen erhältlich, was gerade im Mehrkatzenhaushalt ein Argument sein kann. Allerdings ist eine Katze kein kleiner Hund. Sehen wir uns die Unterschiede zwischen Katze und Hund in Bezug auf die Ernährung doch einmal etwas genauer an.

Jagdverhalten

Die Katze macht in freier Wildbahn allein Jagd auf viele kleine Beutetiere, die über den Tag verteilt frisch verzehrt werden, während Wölfe oder Wildhunde im Rudel auch größere Beutetiere erlegen können.

Verdauungsapparat

Die Anzahl an Schneidezähnen, hervorstehenden Eckzähnen und Reißzähnen ist bei Hund und Katze gleich, allerdings besitzt die Katze weniger Prämolare (vordere Backenzähne) und Molare (hintere Backenzähne). Der Magen der Katze ist im Vergleich zum Hund kleiner und weist kaum Speicherfunktion auf. Der Darm ist kürzer, so beträgt die Dünndarmlänge in Relation zur Körperlänge bei der Katze etwa 4:1 beim Hund 6:1. Es wird angenommen, dass die Resorptionsfähigkeit im Darm beim Hund um etwa 10 % höher ist als bei der Katze, was zur besseren Verwertbarkeit pflanzlicher Bestandteile beim Hund beiträgt. Katzen werden im Gegensatz zu Hunden nicht von Zucker angezogen und stehen dem Geschmack von Pflanzenprodukten grundsätzlich ablehnend gegenüber.

Stoffwechsel

Der Stoffwechsel der Katze hat sich im Laufe der Evolution perfekt an fast 100 % tierische Nahrung angepasst, während Hunde noch eine größere Menge an einfachen Kohlenhydraten im Futter gut verstoffwechseln können. Bedingt durch ihren einzigartigen Stoffwechsel hat die Katze ständig einen hohen Bedarf an hochwertigen Proteinen (etwa doppelt so hoch, wie beim Hund), der durch tierische Nahrung gedeckt werden muss.

Dieser hohe Proteinbedarf ist nicht die Folge eines speziellen Bedarfs einer bestimmten Aminosäure, sondern wird durch eine außergewöhnlich hohe Aktivität bestimmter Leberenzyme (Transaminasen und Desaminsasen) hervorgerufen. Die Katze ist im Gegensatz zum Hund nicht in der Lage ihren Stoffwechsel an eine geringere Proteinzufuhr anzupassen und reagiert insbesondere auf einen Mangel an den Aminosäuren Arginin, Taurin, Methionin und Cystin sehr empfindlich.

Darüber hinaus können Katzen einen hohen Fettanteil in der Nahrung verdauen und ausnutzen. Außerdem können sie Arachidonsäure, eine mehrfach ungesättigte Fettsäure, die zu dem Omega-6-Fettsäuren gehört, anders als der Hund, nicht aus Linolsäure bilden. Arachidonsäure muss von der Katze über die Nahrung aufgenommen werden. Oft ist von der Zugabe tierischer Fette auch die Akzeptanz des Futters abhängig. Vorgezogen werden Studien zufolge Futtermittel mit einem Fettgehalt zwischen 25 und 40 Prozent.

In Zusammenhang mit dem speziellen Stoffwechsel der Katze steht auch, dass Hunde weitaus besser fasten können, als unsere Stubentiger.

Der Vitaminbedarf der Katze unterscheidet sich ebenfalls von dem des Hundes. Für die Katze ist die Zufuhr von Vitamin A über die Nahrung essenziell, das sie nicht, wie Hund oder Mensch aus beta-Karotin bilden kann. Vitamin D muss ebenfalls zwingend über die Nahrung aufgenommen werden. Der Bedarf an Vitamin B3 (Niacin) und Vitamin B6 (Pyridoxin) über die Nahrung ist bei der Katze 4x höher als beim Hund. Hunde können Taurin selbst bilden, ebenso wie teilweise Niacin (Vitamin B3).

Warum also kein Hundefutter für Katzen?

Katzen sind keine kleinen Hunde, sondern stellen ganz eigene Bedürfnisse an ihre Nahrung. Das bedeutet, das Futter muss so beschaffen sein, dass es die Katze mit allem Notwendigen versorgt.

Nun ist Hundefutter jedoch, wie der Name schon sagt, für Hunde gemacht und es wird beispielsweise kein Taurin zugesetzt. Ein Mangel an Taurin führt jedoch über kurz oder lang zu schweren gesundheitlichen Schäden und zum Tod der Katze. Auch bei allen anderen Bestandteilen orientiert man sich an den Bedürfnissen des Hundes, nicht an denen der Katze.

Hundefutter kann also nie ein geeignetes Futter für die Katze sein, sondern bei vorwiegender Fütterung sogar zum Tod der Katze oder zumindest zu schweren gesundheitlichen Problemen führen.

Quellen

Klinische Diätetik der Kleintiere (Hand, Thatcher, Remillard, Roudebush)
Ernährung von Hund und Katze (Case, Carey, Hirakawa)

(Bild: © www.haushaltstipps.net / pixelio.de )

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  1. Gut geschrieben, aber doch sehr vereinfacht. Generell stimme ich Dir durchaus zu, besonders jene Katzenhalter, die sich nicht näher mit der Ernährung ihrer Katze auseinandersetzen (wollen) bleiben ganz bestimmt besser bei KATZENfutter.
    Allerdings sehe ich in Abwechslung den wichtigsten Schlüssel zu gesunder Ernährung der Katzen. Jedes Futter, auch das beste und hochwertigste Alleinfuttermittel, hat so seine Stärken, aber auch seine Schwächen. Mal gibt es recht wenig Geschmacksrichtungen, mal ist das Futter etwas hoch im Vitamin-A-Gehalt (das ja, als fettlösliches Vitamin gespeichert wird und bei Hypervitaminose A zu durchaus ernsthaften Schäden führt), mal ist es etwas niedrig im Tauringehalt oder oder oder. Ich bin der Überzeugung, dass nur dann gesund gefüttert wird, wenn man möglichst abwechslungsreich füttert, natürlich möglichst unter Verzicht auf minderwertige Futtersorten.
    Im Rahmen einer solchen, abwechslungsreichen Fütterung sehe ich überhaupt kein Problem darin, insbesondere im Vielkatzenhaushalt, wenn es AB UND ZU mal eine Dose hochwertiges Hundefutter gibt. Es gibt ohnehin nur sehr wenige Hundefutter, die die feinen Katzengaumen für genießbar erachten 😉 😉
    Ich habe während der Kittensaison als Pflegestelle bis zu 25 Katzen zu füttern, und da kommt es durchaus mal vor, dass ich eine große Dose hochwertiges Hundefutter mit einem Kilo Hackfleisch mische, Taurin zusetze, und das dann so serviere. Natürlich nicht täglich, nicht mal an zwei Tagen nacheinander, denn ich will es ja abwechslungsreich halten. Aber so 1x in der Woche kann das schon vorkommen, und ich kann keinerlei nachteilige Auswirkungen entdecken. Es versteht sich von selbst, dass für diese „Mixtur“ kein Billigfutter aus dem Supermarkt in die Näpfe kommt, schließlich kaufe ich beim Katzenfutter auch keinen Billigschrott.
    Was die Zugabe von Taurin angeht:
    ich bin mir nie so ganz sicher, ob bzw in welcher Menge das vom Hersteller zugefügte Taurin NACH dem Konservierungsvorgang noch bioverfügbar ist. Taurin ist immerhin hitzeempfindlich. Darum gebe ich gern JEDER Mahlzeit meiner Katzen zumindest ETWAS Taurin zu, so in etwa, als würde man ein Gericht ganz leicht mit Puderzucker bestreuen. Also unabhängig davon, ob ich Nassfutter aus der Dose oder BARF füttere. Da Taurin nicht lange gespeichert wird, sollte eine Überversorgung unproblematisch sein.

    LG

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