Sinn und Unsinn von Spezialfuttermitteln
Stellen wir uns einmal vor, Kater Findus, drei Jahre alt, kastriert, EKH, kurzes rotes Fell, ein bisschen pummelig ist gerade auf seinem Morgenspaziergang und hätte nun Lust auf ein kleines Frühstück. Er lauert vor einem Mauseloch und schafft es Tatsache, dass er das flinke Tier zwischen die Krallen bekommt. Doch zu früh gefreut, plötzlich piept die Maus: “He du, ich bin eine Seniorenmaus für Katzen ab 8 Jahren, lass mich sofort los!”. Also lässt der liebe Findus seine Beute natürlich laufen und ärgert sich wieder einmal darüber, dass diese Seniorenmäuse nicht einfach ein entsprechendes Schild an ihr Mausloch machen.
Er wandert weiter und weiter und sieht einen Vogel, der allzu unbekümmert über die Wiese hüpft. Findus sieht seine Chance gekommen und Tatsache, auch das Vögelchen wird zur leichten Beute für den Stubentiger. Der Kater, begeistert über seinen Erfolg, möchte nun endlich frühstücken, doch da flötet der Vogel: “He he, ich bin ein Vogel speziell für Langhaarkatzen, du hast kurzes Fell, also lass mich gefälligst los!”. Wieder muss Findus sein Frühstück knurrenden Magens ziehen lassen.
Er läuft weiter über die Wiesen und fängt an diesem schönen Morgen auch noch so einiges, allerdings keine Beute, die für ihn bestimmt ist. So erwischt er eine Kittenmaus, einen Fisch, speziell für Wohnungskatzen, ein Kaninchen für trächtige und säugende Katzen und sogar eine Maus, die nur Katzen der Rasse Maine Coon fressen dürfen. Findus ist ziemlich verzweifelt und es sollten noch einige Stunden vergehen, bis er schließlich eine Maus für erwachsene, kastrierte EKH-Kater mit leichtem Übergewicht gefunden hatte…
So würde das im normalen Leben niemals ablaufen, meint ihr? Aber wieso gibt es dann Futtermittel für alle Lebenslagen, wenn in freier Wildbahn Katzen doch einfach Mäuse, Vögel und anderes Getier fressen würden, egal ob sie nun männlich oder weiblich, jung oder alt, Rassekatzen oder einfache Hauskatzen sind?
Nun, diese Frage könnte man ganz einfach damit beantworten, dass damit gutes Geld zu machen ist, aber sehen wir uns die Bedürfnisse der einzelnen Katzengruppen doch einmal genauer an.
Energiebedarf unterschiedlicher Katzengruppen
Je nach Alter, Aktivitätsgrad, Fortpflanzungszustand, Körperkondition, Rasse, Temperament und Umweltbedingungen unterscheidet sich der Energiebedarf von Katzen grundsätzlich.
So liegt der tägliche Energiebedarf erwachsener Katzen nach der Kastration 24 – 33 % unter dem von potenten männlichen und weiblichen Katzen. Beim Energiebedarf von männlichen und weiblichen Katzen bestehen grundsätzlich nur geringfügige Unterschiede.
Durch den geringeren Energiebedarf haben kastrierte Katzen grundsätzlich ein höheres Risiko, dass sie mit Übergewicht zu kämpfen haben, jedoch hat sich ergeben, dass die meisten Katzen in der Lage sind, ihre Futteraufnahme an den geringeren Energiebedarf anzupassen.
Die körperliche Aktivität einer Katze nimmt ebenfalls Einfluss auf den täglichen Energiebedarf, allerdings ist der Unterschied zwischen bewegungsaktiven und ruhigen Katzen weitaus geringer, als beim Hund. Grundsätzlich können also sehr aktive Katzen einen höheren Energiebedarf haben, als eher ruhige Exemplare. Entsprechend können unterschiedliche Katzenrassen auch einen unterschiedlichen Energiebedarf besitzen. Auch die Umgebungstemperaturen haben Einfluss auf den Energiebedarf der Katze.
Kitten, Deckkater, Katzen während der Rolligkeit, trächtige Katzen und Katzen während der Säugeperiode haben ebenfalls einen erhöhten Energiebedarf, wobei säugende Katzen, gefolgt von Katzenkindern, den höchsten Energiebedarf haben.
Der Energiebedarf von älteren Katzen kann niedriger sein (teilweise bis zu 40 %), allerdings kommt es hier, wie so oft, immer auf die einzelne Katze, deren Temperament, Bewegungsdrang und mögliche (altersbedingte) Erkrankungen an. Ob Unterschiede im Energiebedarf von Wohnungskatze und Freigänger bestehen, kommt ebenfalls auf das Temperament der Katze an. Eine Katze, die zwar Freigänger ist, aber draußen den ganzen Tag entspannt, hat nicht zwangsläufig einen höheren Energiebedarf, als eine aktive Wohnungskatze.
Ungefähre Richtwerte Bedarf an umsetzbarer Energie/Katze (Ruheumsatz)1
Sehr ruhige Katze: 60 kcal/kg Körpergewicht
Mäßig aktive Katzen: 70 kcal/kg Körpergewicht
Sehr aktive Katzen: 80 kcal/kg Körpergewicht
Kitten mit 5 Wochen: 250 kcal/kg Körpergewicht
Kitten mit 5 Monaten: 130 kcal/ kg Körpergewicht
Kitten mit 7,5 Monaten: 100 kcal/kg Körpergewicht
Trächtige Katze (am Ende der Trächtigkeit): Erhaltungssatz (Ruheumsatz) + 25 %
Säugende Katze: Erhaltungssatz + 30 – 90 % (je nach Laktationswoche und Wurfgröße)
Unkastrierte erwachsene Katzen: 1,4-1,6 x entsprechender Erhaltungssatz
Kastrierte erwachsene Katzen: 1,2 – 1,4 x entsprechender Erhaltungssatz
Ältere Katzen: 1,1 – 1,6 x entsprechender Erhaltungssatz
Was bringen mir diese Erkenntnisse nun in der Praxis?
Durch den unterschiedlichen Energiebedarf einzelner Katzengruppen, ist es für euch als Katzenhalter notwendig, die täglichen Futterportionen an die Bedürfnisse eurer Katze anzupassen. Das heißt zum Beispiel, dass Kitten und säugende Katzen in der Regel mehr Futter erhalten, als ein kastrierter Wohnungskater. Ziel sollte sein, dass eure Katze ihr Idealgewicht hält und weder übergewichtig wird, noch abmagert. Regelmäßiges Wiegen ist hier zur Kontrolle hilfreich. Die oben genannte Werte sind lediglich Richtwerte, die zur groben Orientierung dienen, und vermutlich nicht 1 zu 1 auf eure Katze übertragbar.
Fütterungsempfehlungen sind ebenfalls immer nur mehr oder weniger grobe Schätzwerte und nicht prinzipiell so für jede Katze gültig. Auch hier gilt es immer abzuwägen, ob die Empfehlung für eure Katze geeignet ist, oder nicht.
Aber wäre das mit Spezialfuttermitteln nicht viel einfacher?
Einfacher bestimmt, wie immer, wenn man den eigenen Verstand ausschaltet und blind Versprechungen glaubt, die von Unternehmen stammen, die vor allem Profit machen möchten. Allerdings nicht unbedingt gesünder. Sieht man sich diese speziellen Futtermittel für alle Lebenslagen so an, dann sieht man schnell, dass die Zusammensetzung für einen Fleischfresser ganz gleich welchen Alters, nicht wirklich geeignet ist.
Für eine gesunde Ernährung einer Katze, ungeachtet zu welcher Gruppe sie zu zählen ist, ist es vor allem essenziell, dass diese an die natürlichen Bedürfnisse der Katze angepasst ist. Genaueres dazu findet ihr in unserem Artikel: Was ist gutes Katzenfutter?.
Es ist auch bezeichnend, dass Hersteller hochwertiger Katzenfuttermittel kein Futter für verschiedene Katzengruppen anbieten, sondern ausschließlich Futter, das für jedes Alter und alle Lebenslagen geeignet ist, wie in der Natur auch.
Anmerkung: Dieser Artikel bezieht sich nicht auf Diätfuttermittel für kranke Katzen, die durchaus in vielen Fällen ihre Berechtigung haben. Es kann in Einzelfällen auch sinnvoll sein, z. B. auf hochwertiges Kittenfutter zurückzugreifen (einige Hersteller bieten solches an), um Katzen zu päppeln oder Katzen mit sehr hohem Energiebedarf (z. B. trächtige/säugende Katzen) zu unterstützen. Für die Katzen in den meisten Haushalten jedoch, ist hochwertiges Nassfutter für alle Lebenslagen oder B.A.R.F. (hier kann man noch besser auf die Bedürfnisse der einzelnen Katze eingehen) in auf den Energiebedarf der einzelnen Katze abgestimmter Menge das Futter der Wahl.
(Bild: (c) January 2nd von Reiver unter der CC.)
- “Klinische Diätetik der Kleintiere” (Hand, Thatcher, Remillard, Roudebush) und “Ernährung von Hund und Katze – Leitfaden für Tierärztinnen und Tierärzte (Case, Carey, Hirakawa) [↩]
29. August 2011 um 08:07 Uhr
Toller Artikel. Klasse Story
LG Tina

31. August 2011 um 11:51 Uhr
Wirklich toller Bericht
Felix ist mit seinen 12 Jahren ein Senior und nein, er bekommt kein Seniorenfutter (ab 7 Jahren)
Hatte unsere TÄ mal gefragt, ob das muss -> nöööö – hätte ich eh nicht gemacht 
Barfen bei Felix … der Kerl streikt dann
LG
Marlene