Katzen – Babesiose, in Deutschland eine echte Gefahr?

Die Babesiose, auch unter den Namen Piroplasmose oder Hundemalaria bekannt, ist eine Krankheit, die von Zecken übertragen wird und unter den Heimtieren vor allem Hunde betrifft. Aber auch andere Haussäugetiere, wie Pferde, Rinder und Schafe, aber auch Katzen können betroffen sein1 .

Katzen – Babesiose, welche Babesien kommen vor?

Am häufigsten treten Infektionen mit Babesien bei Feliden in tropischen Ländern, insbesondere in Südafrika auf2, wobei verschiedene Babesienarten bei Katzen vorkommen. Bei Haus- und Wildkatzen wurden Babesia felis, Babesia leo (beide vorwiegend Afrika), Babesia herpailuri, Babesia pantherae (vorwiegend bei Wildkatzen in Südafrika) und Babesia cati (Indien) nachgewiesen3 . Dazu kommen große Babesien, die bei Katzen in Spanien, Portugal und Israel nachgewiesen wurden und dem Erreger ähnlich sind, der für die Krankheit beim Hund verantwortlich ist. Diese Babesien, die bei den Katzen in Israel diagnostiziert wurden, werden als B. canis ssp. presentii oder als verwandt mit Babesia canis bezeichnet4 . In Spanien und Portugal scheint es sich um B. canis canis-Arten gehandelt zu haben.

Grundsätzlich wird in anderen europäischen Ländern relativ selten über Katzen-Babesiose berichtet5. Fallbeschreibungen liegen aus Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Polen (erster Fall 2010) und vereinzelt auch aus Deutschland vor6. Dagegen kommen in tropischen Ländern und insbesondere im Süden Afrikas Babesien-Infektionen bei Katzen häufig vor7. Auch in Thailand und Simbabwe tritt Katzen-Babesiose vermehrt auf.

Die einzelnen Babesienstämme treten regional unterschiedlich auf. Babesia canis ist mit Subtypen weltweit zu finden.

Katzen – Babesiose, welche Zecken übertragen die Krankheit?

Die gute Nachricht vorweg, die in unseren Breitengraden häufigste Zecke, der Gemeine Holzbock ist nicht für die Übertragung der felinen Babesiose verantwortlich. Als Überträger von Babesia canis canis gilt die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) und D. maginatus. B. gibsoni wird durch die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus), Haemaphysalis bispinosa und H. longicornis übertragen. Die weiteren Unterarten der B. canis, B. rossi und B. vogeli werden durch die Braune Hundezecke (rossi) und Haemaphysalis laechi (vogeli) übertragen. Wer sich die Tiere genauer ansieht, wird schnell erkennen, dass es sich nicht nur um weiße Zecken handelt, wie immer wieder angenommen wird.

Durch welche Zecken die für Katzen vor allem relevanten Stämme B. felis und B. cati übertragen werden, ist bis dato nach meinem Wissen nicht bekannt. In den Fokus gerückt ist Haemaphysalis leachi, jedoch scheint es noch keine gesicherten Erkenntnisse zu geben. Diese kommt bei uns jedoch nicht vor, sondern vorwiegend südlich der Sahara. In einer thailändischen Studie wurden 1490 streunende Katzen auf Babesien untersucht. In fast allen Fällen handelte es sich um B. canis vogeli-ähnliche Sequenzen (98 %), was auch für Haemaphysalis leachi sprechen könnte.

Grundsätzlich können selten sowohl die Auwaldzecke als auch die Braune Hundezecke bei der Katze vorkommen, jedoch scheint eine Infektion mit Babesia canis canis (auch was den bereits erwähnten Subtyp) angeht, nicht wirklich eine Rolle zu spielen.

Katzen – Babesiose, was geschieht bei einer Infektion?

Die Übertragung der Babesien erfolgt über den Speichel der weiblichen Zecke beim Saugakt. Im Anschluss daran werden die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) infiziert. Um eine Infektion mit Babesia canis auszulösen, muss eine Zecke längere Zeit am Tier saugen. Zecken können über mehrere Generationen Träger sein.

Nach einer Inkubationszeit von meist 10 bis 21 Tagen kommt es zu den typischen Symptomen der Katzen-Babesiose.

Katzen – Babesiose, welche Symptome treten auf?

Bei kranken Katzen kommt es zuerst zu Schwäche, die Tiere leiden unter Blutarmut (Anämie) und sind teilnahmslos. Das Fell wird struppig. Oft fressen die Tiere nur wenig oder stellen die Futteraufnahme ein. Es tritt Blut im Urin und manchmal auch Durchfall auf. Besonders bei chronischem Verlauf können Fieber und Gelbsucht ebenfalls auftreten. Im Laufe der Krankheit kommt es zu Leber- und Nierenversagen. Zahnfleisch, Zunge und Nase sind durch die Anämie oft weiß. Vergrößerte Lymphknoten können ebenfalls vorkommen. Als weitere Symptome werden beschleunigter Herzschlag und Atmung, Lungenödeme und Störungen des zentralen Nervensystems beschrieben. Katzen scheinen die Krankheit grundsätzlich besser zu kompensieren als Hunde, es kann auch vorkommen, dass trotz Infektion keine Symptome auftreten.

Treten jedoch Symptome auf und wird die Katze nicht oder zu spät behandelt, endet die Erkrankungen in den meisten Fällen tödlich8 . Junge Katzen unter drei Jahren scheinen häufiger betroffen zu sein, auch wird vermutet, dass eine Co-Infektion mit FIV/FeLV oder Mikoplasmen die Symptomatik der Babesien verstärken oder einleiten könnte. Ein bestimmtes Geschlecht oder bestimmte Rassen scheinen nicht häufiger betroffen zu sein, als andere9.

Auch klinisch genesene Tiere können lebenslang chronische Träger des Erregers sein.

Katzen – Babesiose, wie wird die Krankheit diagnostiziert?

Eine Diagnose erfolgt durch einen Organismennachweis im Blutausstrich, unter dem Mikroskop können die einzelnen Erreger auch unterschieden werden, was für die weitere Behandlung von Bedeutung ist, da die einzelnen Erreger auf verschiedene Wirkstoffe unterschiedliche reagieren.

Katzen-Babesiose, wie wird behandelt?

Zur Behandlung der Katzen-Babesiose ist noch nicht allzu viel bekannt. Verschiedene Quellen empfehlen Primaquine-Phosphat, jedoch kommt es bei oraler Gabe relativ häufig zu Erbrechen. Wird nur eine geringfügig zu hohe Menge des Präparats gespritzt, endet dies für die Katze tödlich. Daneben werden je nach Erreger noch weitere Behandlungsmöglichkeiten empfohlen, hier ist in jedem Fall ein im Idealfall mit Babesiose vertrauter Tierarzt zu Rate zu ziehen.

Katzen-Babesiose, wie vorbeugen?

Auch wenn für Katzen in Deutschland nur ein sehr geringes Risiko zu bestehen scheint, an feliner Babesiose zu erkranken, ist ein wirksamer Zeckenschutz gerade für Freigänger unumgänglich, da nicht nur die Babesiose, sondern auch andere durch Zecken übertragbare Krankheiten eine Gefahr für Katze und Halter darstellen können. Zusätzlich ist es sinnvoll, die Katzen nach dem Freigang täglich auf Zecken zu untersuchen und diese schnellstmöglich richtig zu entfernen. Zur richtigen Zeckenentfernung können der Tierarzt oder THP sicherlich Ratschläge geben.

Weiterführende Infos (auch vieles für Hundehalter)

Diplomarbeit, ab Seite 14 zum Thema Babesiose
Babesioseinfektionen bei Hund und Katze
Babesiose
Babesiose: Die kleine Schwester der Malaria
Babesiose bei einer Katze
Zeckenbefall
Auwaldzecke
Feline Babesiosis – An Overview
Feline Babesiosis in Cats
Feline Babesiosis / veterinaryworld.org
Clinical and clinico-pathological changes in feline babesiosis
Infection with a proposed new subspecies of Babesia canis in domestic cats

(Die hier genannten Informationen umfassen meinen derzeitigen Kenntnisstand zu o. g. Thema. Sie stellen keine Beratungsleistung dar.)


Referenzen:
  1. Hornok et al., 2007; Kim et al.,2007; Martins et al., 2008; Beelitz et al., 2008; Hirsch und Pantchev 2008 []
  2. (Uilenberg, 2006; Bosman et al., 2007 []
  3. Taboda, 1998 []
  4. Criado-Fornelio et al., 2003; Baneth et al., 2004 []
  5. Dennig, 1969; Hoffmann et al., 1971; Bourdeau 1996; Criado-Fornelio et al., 2003 []
  6. u.a. Moik und Gothe, 1997 []
  7. (Uilenberg, 2006; Bosman et al., 2007 []
  8. (Futter und Belonje, 1980; Futter et al., 1981; Taboda, 1998 []
  9. u. a. Schoeman et al. (2001) []
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Anika

Katzenpersonal bei Haustiger
Mein Name ist Anika Abel und ich verdiene meine Mäuschen als Texterin, Übersetzerin und Autorin mit Fokus auf grüne Themen. Katzen sind mein Spezialgebiet. Vielleicht ist mein Name dem ein oder anderen aus den Zeitschriften "Pfotenhieb" und "Geliebte Katze" ein Begriff. Als Katzenpersonal aus Überzeugung beschäftige ich mich bereits seit einigen Jahren sehr eingehend mit Katzen und ihren natürlichen Bedürfnissen und musste schnell feststellen, dass diese häufig nur wenig Berücksichtigung finden. Besonders in Bezug auf die gesunde Ernährung unserer Stubentiger wird dies deutlich. Oft halten sich Mythen auf Katzenwebsites, in Foren oder Büchern über Jahre, die jeglicher wissenschaftlicher Grundlage entbehren. Mit meinen Artikeln möchte ich Katzenhaltern dabei helfen, mehr über die ihnen anvertrauten Geschöpfe herauszufinden und diesen ein möglichst artgerechtes Leben zu ermöglichen. Ihr möchtet mehr über mich erfahren oder habt einen Auftrag für mich? Dann schaut doch mal unter textnatur.com vorbei.