Ernährung Katzen barfen

Tutorial: Katzen barfen für Anfänger (Teil 4) – Fleisch

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten, 3 Sekunden

Nachdem wir uns in den letzten drei Teilen mit den Vorabüberlegungen und dem notwendigen Zubehör beschäftigt haben, geht es nun langsam ans Eingemachte. 😉

Denn heute beschäftigen wir uns mit dem Hauptbestandteil jeder B.A.R.F.-Mahlzeit, dem Fleisch.

Was verstehen wir unter Fleisch?

Diese Frage mag sich für manchen etwas seltsam anhören, aber Fleisch ist nicht gleich Fleisch. So geht es hier vornehmlich um Muskelfleisch, zu dem aber auch Herz und Magen der Beutetiere gezählt werden. Diese Bestandteile bilden die Hauptproteinquelle für unsere Stubentiger. Innereien wie Leber, Milz etc. werden gesondert behandelt.

Welches Fleisch kann verfüttert werden?

Grundsätzlich kann jedes im Handel erhältliche Fleisch roh verfüttert werden, außer Schweinefleisch (auch Wildschwein). Dieses kann den für Katzen (sowie Hunde und Frettchen) tödlichen Aujeszky-Virus enthalten.

Darüber hinaus werden immer wieder Stimmen laut, dass man Geflügel wegen der Salmonellengefahr nur gekocht geben darf. Das ist so nicht richtig. Natürlich besteht bei der Fütterung von rohem Fleisch auch immer die Gefahr von Salmonellen, die man jedoch ganz einfach dadurch verringern kann, dass man zum einen frisches Fleisch verwendet und zum anderen die beim Umgang mit rohem Fleisch üblichen Hygienemaßnahmen einhält. Es ist aber weder notwendig, die Putzlappen nach jedem Zubereiten von B.A.R.F.-Portionen zu entsorgen, noch die Küche nach jedem Umgang mit rohem Fleisch mit Sagrotan zu schrubben, das nur zur Beruhigung.

Katzen sind außerdem keine Aasfresser und haben eine feine Nase dafür, welches Fleisch verdorben und nicht mehr genießbar ist. Und sollte es doch zum Verzehr von mit Salmonellen belastetem Fleisch kommen, ist der schnelle Stoffwechsel der Katze darauf weitaus besser ausgerichtet, als zum Beispiel der des Menschen. Bei chronisch kranken Katzen, Kitten, trächtigen und säugenden Katzen kann es sinnvoll sein, Geflügelfleisch sicherheitshalber zu kochen, um den Körper im Fall des Falles nicht zusätzlich zu belasten.

Es wird oft empfohlen, Fleisch von Pferd, Rentier und/oder Strauß bei der täglichen Fütterung zu meiden, da es eventuell einmal zur Gabe im Rahmen einer Ausschlussdiät brauchen könnte. Mittlerweile kann man im Handel auch Fleisch exotischer Tiere, wie z. B. Känguru, Antilope, Zebra, Lama und Springbock kaufen. Mit diesen wäre man im Falle einer Ausschlussdiät unter Umständen besser beraten, da man hier auf jeden Fall relativ sicher sein kann, dass die Katze mit diesen noch nie Kontakt hatte. Oft weiß man zwar, was man an normalem Futter bereits gegeben hat, kann sich jedoch zum Beispiel an die Inhaltsstoffe von einzelnen Leckereien nicht mehr erinnern, die ja auch vermehrt mit Fleisch oben genannter Tiere angeboten werden. Bei Katzen aus zweiter Hand kann man häufig auch nicht mehr nachvollziehen, was denn im alten Zuhause genau gefüttert wurde, aber Fleisch exotischer Tiere dürfte wohl eher selten sein.

Was natürlich ebenfalls gefüttert werden darf, sind ganze Futtertiere, wie Mäuse, Eintagsküken, Wachteln etc.

Welches Fleisch eignet sich für den Anfang?

Salopp gesagt, das Fleisch, das die Katze frisst. 😉 Allerdings haben viele Katzen bei der Umstellung auf Rohfutter mit Rindfleisch Probleme und reagieren auf den Verzehr mit Erbrechen.

Besser verträglich sind zu Beginn Geflügel, Kaninchen und teilweise auch Lamm. Es kann vorkommen, dass eure Katzen das Kauen von größeren Fleischbrocken erst lernen müssen. Daher ist es oft sinnvoll, mit Hack oder wirklich klein geschnittenem Fleisch zu beginnen. Versuch macht klug, viele Katzen kommen auch sofort mit größeren Fleischbrocken zurecht.

Was ist mit Knochen?

Knochen oder auch Gräten beim Fisch sind kein Problem, so lange sie nicht gekocht (oder anderweitig erhitzt) werden. In rohem Zustand können auch Geflügelknochen gefüttert werden, ohne dass ihr Angst haben müsst. Das beste Beispiel dafür ist der Speiseplan unserer Katzen in freier Wildbahn, der ebenfalls Vögel (zu etwa 10 %) und zu einem sehr geringen Teil (unter 0,5 %) auch Fisch umfasst.

Wie ist das mit Fisch?

Fisch ist so eine Sache, da viele Fischarten Thiaminase oder auch eine recht hohe Menge an Vitamin D3 enthalten. Bei einer zu häufigen Fütterung von Fisch kann es daher zu einem Mangel an Vitamin B1 (thiaminasebedingt) und/oder auch zu einer Überversorgung mit Vitamin D3 kommen. Auch Schwermetallbelastung, Radioaktivität (nach Fukushima) und der Aspekt Tierschutz (Überfischung, Haltungsbedingungen in Aquakulturen) sind Punkte, die man bei der Gabe von Fisch bedenken sollte.

Auch wenn man manche Probleme mit dem nötigen Wissen und einer guten Portion Erfahrung umgehen kann, rate ich gerade B.A.R.F.-Anfängern erst einmal davon ab, neben dem zur Supplementierung notwendigen Fisch noch weitere Fischmahlzeiten zu geben. Später kann man den Speiseplan der Katzen dann gut auch durch häufigere Fischmahlzeiten ergänzen, wenn man die entsprechenden Besonderheiten beachtet.

Nur Fleisch von einer Tierart füttern?

Ausgewogenheit ist beim Katzen barfen das A und O. Deshalb ist es sehr wichtig, dass ihr z. B. nicht nur einen Monat lang Rindfleisch füttert, sondern darauf achtet, dass eine ausgewogene Mischung aus Fleisch unterschiedlicher Tierarten besteht.

Ihr solltet auch darauf achten, dass ihr auch innerhalb einer Tierart für Abwechslung sorgt, d. h. dass ihr bei den Fleischteilen (also z. B. Hähnchenschenkel, Hähnchenrücken, Hähnchenbrust usw.), aber auch beim Alter der Tiere und unter Umständen auch bei deren Aufzucht abwechselt, da die Zusammensetzung des Fleisches je nach Herkunft variieren kann.

Woher bekomme ich mein Fleisch?

Ideal ist natürlich der Erwerb beim ansässigen Biobauern oder auch regionalen Metzger. Mir ist allerdings durchaus bewusst, dass dies nicht für jeden Katzenhalter finanziell machbar ist. Weitere Möglichkeiten sind der Supermarkt oder auch Futterfleischlieferanten, über die ihr z. B. online Fleisch bestellen könnt. Uneingeschränkt empfehlen können wir z. B. Tackenberg*.

Denkt aber daran, dass Fleisch aus Massentierhaltung, besonders Geflügel (z. B. Pute) häufig stark belastet (u. a. Antibiotika) ist und das Biofleisch aus dem Supermarkt auch nicht zwangsläufig aus artgerechter Haltung stammt. Dies nur als Zusatzinformation.

(Letzte Aktualisierung: 04.11.2014)

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