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Katzenseuche – Ansteckung, Symptome, Vorbeugung

Die Panleukopenie, auch unter den Namen Katzenstaupe, infektiöse Enteritis der Katze, Agranulomatose, Aleukozytose und Katzenpest bekannt, ist eine häufig tödlich verlaufende Viruserkrankung, die vornehmlich durch das Feline Parvovirus (kurz: FPV) verursacht wird.

Empfänglich für das Virus sind neben allen Katzen (Feliden), auch Schleichkatzen (Viverriden), Bärenartige (Ursiden) und Waschbären (Procyoniden). Eine Vermehrung des Virus ist auch in Marderartigen (Musteliden) möglich. Das Virus kommt weltweit vor und wurde erstmals 1928 isoliert und 1965 durch Dr. Bob Johnson in einer Zellkultur gezüchtet. In den meisten Fällen sind Jungtiere bis zu etwa 5 Monaten betroffen.

Das Feline Parvovirus

Beim kleinen felinen Parvovirus, dessen Durchmesser bei lediglich ca. 20 nm liegt, handelt es sich um ein unbehülltes, einsträngiges DNA-Virus, das auch außerhalb der Katze sehr stabil ist und bis zu einem Jahr auf infizierten Gegenständen überleben kann1 . Es ist sehr unempfindlich gegenüber Umwelteinflüssen und kann nur durch bestimmte Desinfektionsmittel (z. B. Natriumhypchlorit, Formalin, Glutaraldehyd) zerstört werden.

Das Canine Parvovirus (verantwortlich für die Parvovirose bei Hunden) soll aus dem felinen Parvovirus entstanden sein2 und kann auch Katzen infizieren, bei denen es für klinische Symptome sorgt (in Deutschland etwa 5 % der an Katzenseuche erkrankten Tiere, in Japan bis zu 80 %). Sowohl CPV als auch FPV sind zu mehr als 98 % identisch, wobei Hunde in Bezug auf das feline Parvovirus keine klinischen Symptome zeigen. Jedoch könnten sie theoretisch durch Katzen angesteckt werden, die das canine Parvovirus in sich tragen. Es wird übrigens die Theorie vertreten, dass das canine Parvovirus, das feline mit der Zeit verdrängen wird3 .

Das Feline Parvovirus wurde 1997 auf der Marion-Insel (Südafrika) eingesetzt, um die dortige Katzenpopulation auszurotten, die sich aus fünf Hauskatzen entwickelt hatte, die 1949 zur Bekämpfung einer Mäuseplage auf die Insel gebracht wurden. Durch den Einsatz des Virus wurde die Zahl der Katzen bis 1982 von etwa 3400 auf ca. 600 reduziert.

Katzenseuche (Panleukopenie) – Ansteckung und Verlauf

Katzenseuche betrifft in den meisten Fällen Katzenwelpen und kommt häufig in ländlichen Gegenden vor, wenn dort wenig geimpft wird. In manchen Gebieten sind im Sommer und Herbst sehr viele Erkrankungen zu verzeichnen, was darin begründet liegt, dass zu dieser Zeit die Mai- und Herbstkätzchen anzutreffen sind. Gefährdet sind vor allem Jungtiere, bei älteren Tieren kommt es oft nur zu leichtgradigen Symptomen4. Allerdings kann das Virus das Immunsystem so schwächen, dass eine „Bagatellerkrankung“ zum Tod führen kann. Besonders gefährdet sind hier Katzen, deren Immunsystem bereits geschwächt ist, z. B. Katzen mit FIV oder FeLV.

Katzenseuche (Panleukopenie) – Symptome

Bei einer Infektion mit Panleukopenie kommt es zu einer drastischen Verringerung der weißen Blutkörperchen (Leukoyzten). Die offensichtlichen Symptome können variieren, manchmal tritt der Tod auch ein, bevor klinische Symptome deutlich wurden.

Häufig kommt es zu klinischen Symptomen im Bereich des Magen-Darm-Trakts, wie starken, wässrig bis blutigen Durchfällen und Erbrechen (auch blutig). Dazu können Fieber, Mattigkeit, Dehydration (Austrocknung), Fressunlust, Nasenausfluss und Bindehautentzündung kommen.

Das Abwehrsystem ist durch die starke Abnahme der weißen Blutkörperchen stark geschwächt. Ohne Therapie liegt die Sterberate zwischen 25 und 75 %.

Die Übertragung erfolgt direkt von Katze zu Katze, wobei alle Ausscheidungen und Sekrete infizierter Katzen (z. B. Nasensekret, Kot, Urin) virushaltig sind, kann aber auch über die Umgebung oder zum Beispiel auch über Kleidung und Schuhe des Katzenhalters erfolgen. Grundsätzlich ist die Aufnahme des Virus oral, über die Luft oder über Kontakt mit Schleimhaut und Wunden möglich.

Danach folgt die Vermehrung im Zellkern der betroffenen Zelle. Dafür benötigt es Funktionen, die während der Zellteilung vorliegen. Aus diesem Grund werden besonders Zellen im Darm, Lymphgewebe und Knochenmark angegriffen. Selten werden auch die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und die Blutplättchen (Thrombozyten) befallen.

Da sich das Virus auch in Plazentazellen vermehrt, kann es über den „Mutterkuchen“ zu einer Infektion der Feten im Mutterleib kommen. Im ersten Drittel der Trächtigkeit führt dies meist zum Absterben der Feten, zu einem späteren Zeitpunkt kann das Gehirn der ungeborenen Kätzchen geschädigt werden und bei den Kitten beispielsweise Ataxie auftreten. Dass diese Behinderung kein Grund zum Einschläfern ist, beweist die liebe Sari tagtäglich in eindrucksvoller Weise.

Die Inkubationszeit beträgt bei Katzenseuche zwei bis zehn Tage.

Katzenseuche (Panleukopenie) – Diagnose

Bei fehlender Impfung, passendem Alter, entsprechenden klinischen Symptomen und charakteristischem Verlauf liegt der Verdacht auf Katzenseuche nahe.

Eine sichere Diagnose ist jedoch nur mittels Laboruntersuchung möglich, um die Leukopenie nachzuweisen. Eine elektronenmikroskopische Untersuchung des Kots oder auch ELISA-Test und Immunchromatografieverfahren sind ebenfalls dazu in der Lage, FPV nachzuweisen.

Eine histopathologische Untersuchung von Dünndarm, Lunge, Niere, Lymphknoten, Milz und Kleinhirn abgestoßener Feten kann neben anderen Diagnosetechniken darüber hinaus Klarheit bringen.

Bei für Katzenseuche typischen Symptomen sollten Fremdkörper im Darm, FIP, FECV, FeLV, Katzenschnupfen und FIV ausgeschlossen werden.

Katzenseuche (Panleukopenie) – Behandlung

Die Behandlung der infizierten Tiere zielt in erster Linie auf die Stabilisierung der kätzischen Patienten. Die betroffenen Katzen werden meist stationär aufgenommen und erhalten neben einer Flüssigkeitstherapie gegen die drohende Austrocknung teilweise Blut und andere Flüssigkeiten, um die Blutarmut (Anämie) und den Mangel an weißen Blutkörperchen zu beheben. Hinzu können Medikamente gegen das Erbrechen kommen.

Antibiotika dient zur Bekämpfung von Sekundärinfektionen. Interferon, Feliserin und Serum-Antikörper stellen ebenfalls Möglichkeiten dar, das Virus zu bekämpfen. Durch eine intensive Behandlung ist es möglich, viele erkrankte Tiere zu retten.

Grundsätzlich ist es sehr wichtig, dass infizierte Katzen streng von anderen Katzen getrennt und isoliert werden. Strikte Hygienemaßnahmen sind notwendig, um die Weiterverbreitung des stabilen Virus zu verhindern. Als wirksam und praktisch erwies sich in diesem Zusammenhang die Verwendung einer 0,175% Natriumhypochloritlösung.5

Dabei ist zu beachten, dass auch genesende Katzen das Virus noch vier bis sechs Wochen ausscheiden können.

Katzenseuche – Vorbeugung

Die wirksamste Vorbeugung gegen die Panleukopenie ist die Schutzimpfung, die bereits seit Jahrzehnten in Gebrauch ist und daher als sehr verlässlich gilt. Zur Verfügung stehen inaktivierte Impfstoffe und Lebendimpfstoffe (meist in Kombination mit der Schnupfenimpfung). Aber auch ein Einzelimpfstoff ist verfügbar. Grundsätzlich sollte man Impfstoffen ohne Adjuvantien den Vorzug geben.

Offizielles Impfprogramm: Die offiziellen Impfprogramme empfehlen bei Kitten eine Grundimmunisierung bestehend aus drei Impfungen zwischen der 8. und 16. Lebendwoche im Abstand von jeweils etwa 4 Wochen. Eine weitere Impfung wird mit 15 Monaten empfohlen, gefolgt von Auffrischimpfungen alle drei Jahre. Bei erwachsenen Katzen werden zwei Impfungen im Abstand von drei bis vier Wochen empfohlen, denen eine Impfung ein Jahr später folgt. Danach wird ebenfalls eine Auffrischung alle drei Jahre empfohlen.

Impfstoffhersteller empfehlen meist zwei Impfungen in der 8. und 12. Lebenswoche und in Folge eine jährliche Auffrischung. Purevax von Merial besitzt eine Zulassung für drei Jahre.

Kritik an den Impfprogrammen

SCOTT und GEISSINGER erwiesen im Verlauf ihrer Studien 1997 und 1999, dass nach zweimaliger Impfung mit dem inaktivierten Seucheimpfstoff noch 7,5 Jahre später ausreichend schützende Antikörper im Blut der geimpften Katzen nachweisbar waren. Darüber hinaus gehen US-Experten davon aus, dass die Grundimmunisierung sogar lebenslangen Schutz bietet. Untersuchungen im Auftrag von Pfitzer6 und Intervet7 ergaben, dass auch nach drei bis vier Jahren noch ein vollständiger Impfschutz gegen Seuche bestand.

Mögliche Nebenwirkung der Katzenseucheimpfung

– allergische Reaktionen wie Durchfall, Erbrechen und Atembeschwerden
– anaphylaktischer Schock mit Herz-Kreislaufversagen
– Risiko der Impfsarkombildung bei inaktiven Impfstoffen mit Adjuvantien
– Schrumpfung der Thymusdrüse bei Impfung mit Lebendimpfstoffen (keine schädlichen Folgen zu erwarten)
– vorübergehende Herabsetzung des Abwehrsystems
– frisch geimpfte Katzen können vorübergehend Viren über den Kot ausscheiden (theoretisch gefährlich für abwehrgeschwächte Katzen)

Fazit: Die Grundimmunisierung ist auf jeden Fall zu empfehlen. Eine jährliche Impfung ist im Normalfall nicht notwendig, da der Schutz, wenn man sich die Studien ansieht, höchstwahrscheinlich weitaus länger gegeben ist.

Grundsätzlich bietet die Katzenseucheimpfung guten Schutz, wenn auch keinen 100%igen. In Tierheimen und Zuchten wird trotz Impfung hin und wieder von Impfdurchbrüchen berichtet.

Monika Peichl empfiehlt in ihrem Buch „Haustiere impfen mit Verstand“ die Verwendung adjuvansfreier Lebendimpfstoffe. Diese sollten jedoch bei Katzen mit Immunschwäche (FIV, FeLV etc.) und trächtigen Katzen nicht verwendet werden.

Weiterführende Informationen

Die feline Panleukopenie – eine retrospektive Studie
Katzenseuche – Feline Panleukopenie
Katzenkrankheiten herausgegeben von Wilfried R. Kraft,Ulrich M. Dürr,Katrin Hartmann
Vakzine-assoziierte Fibrosarkome bei der Katze
– Feline Vaccination Update

(Die hier genannten Informationen umfassen meinen derzeitigen Kenntnisstand zu o. g. Thema. Sie stellen keine Beratungsleistung dar.)

zuletzt aktualisiert: 12.07.2014

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Referenzen:
  1. laut JOHNSON, 1966, 1969 []
  2. TRUYEN; 1999 []
  3. MOCHIZUKI et al. 1996; TRUYEN, 1996; TRUYEN et al.. 1996a; IKEDA et al., 2000 []
  4. „Krankheiten der Katze“ – Horziniek, Schmidt und Lutz []
  5. Virucidal disinfectants and feline viruses – American Journal of Veterinary Research (1980) []
  6. Douglas Mouzin, 2004 []
  7. Thomas Gore, 2006 []

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