Peer Wandinger von Selbstständig im Netz hat zu einer Blogparade aufgerufen, an der ich mich gerne beteiligen möchte. Schließlich geht es dabei um ein Thema, das mich selbst betrifft und mir auch am Herzen liegt.
Selbstständig bin ich nun seit August 2007, also seit etwas mehr als drei Jahren und (gottseidank muss ich sagen) konnte ich in der Zeit vorwiegend positive Erfahrungen sammeln. Leider waren auch einige negative Erfahrungen darunter, die ich jedoch auch irgendwo nicht missen möchte, da ich durch diese viel für mich lernen konnte.
Positives an der Selbstständigkeit
Positive Aspekte hat die Selbstständigkeit durchaus, sonst hätte ich mich wahrscheinlich nicht dafür entschieden.;-)
Flexibilität
Was die Arbeitszeiten angeht ist man um einiges flexibler. Inwieweit man von dieser Flexibilität Gebrauch machen kann, ist allerdings wieder eine ganz andere Frage. Bei mir sind die Arbeitszeiten eigentlich grundsätzlich mit denen von normalen Angestellten zu vergleichen, je nachdem wie viel zu erledigen ist.
Diese Flexibilität weitet sich natürlich auch auf solche Dinge wie Urlaubszeiten aus. Wer es sich als Selbstständiger leisten kann, mehr als 30 Tage im Jahr Urlaub zu machen, kann dies guten Gewissens tun, ohne Rücksicht auf den Urlaub von Kolleginnen oder gar dem Chef nehmen zu müssen. Auch einfach mal ein freier Nachmittag oder schnell einmal am Vormittag einkaufen zu gehen ist möglich, wenn es die Kapazitäten zulassen.
Flexibel kann man außerdem auch sein, was den Arbeitsplatz angeht. Sitzen Angestellte häufig bei brütender Hitze im Büro kann ich im Home-Office frei wählen, ob ich mein Büro nicht lieber in den Garten oder auf die Terrasse verlege.
Verdienst
Hat man als Angestellter ein festes Einkommen, so kann es schon eine ziemliche Umstellung sein, wenn man plötzlich nur noch einen Bruchteil dessen verdient. Da ich mehr oder weniger direkt vom Studium aus in die Selbstständigkeit gesprungen bin, war der Verdienst (so klein er am Anfang auch war) auf jeden Fall von Beginn an ein positiver Aspekt und ist es auch heute noch.
Nette Kunden
Ich hatte eigentlich von Anfang an das Glück zum größten Teil Kunden zu haben, wie man sie sich als Selbstständiger nur wünschen kann. Mit der anderen Seite hatte und habe ich leider auch heute noch immer wieder zu kämpfen. Aber auch als Angestellter hat man nicht nur nette Kunden und darüber hinaus häufig auch nicht so nette Mitarbeiter und Vorgesetzte.
Negative Aspekte in der Selbstständigkeit
Selbstständig = selbst und ständig?
Diesen Spruch höre ich häufiger und gerade am Anfang hat er sich doch schnell bewahrheitet. Arbeiten am Wochenende, an Feiertagen, spätabends war lange Zeit Alltag. Für Freizeitbeschäftigungen, Ehrenämter oder auch einfach mal nur Faulenzen war wenig Zeit. Das notwendige Zeitmanagement und damit verbunden auch die Einsicht, dass Arbeit nicht alles ist im Leben, muss man erst einmal lernen. Wenn nicht, kommt es zwangsläufig irgendwann zum Burnout und monatelange Pausen kann man sich gerade zu Beginn der Selbstständigkeit kaum leisten. Ständige Ausfälle wegen Krankheit sind ebenfalls nicht gerade förderlich, wenn man als Einzelkämpfer Einkünfte erzielen muss.Trotz allem Zeitmanagement kommt es auch immer wieder zu Phasen, die Arbeiten am Wochenende oder nach Feierabend notwendig machen.
Versicherungen und sonstige Katastrophen
Als Selbstständiger fällt der Arbeitgeberanteil der Sozialversicherung erst einmal weg, d. h. Kranken- und Pflegeversicherung sind erst einmal ein gutes Stück teurer, als für einen Angestellten. Arbeitslosenversicherung und Rentenversicherung sind auch so eine Sache.
Darüber hinaus fühlt man sich gerade, wenn man solch einen “exotischen” Beruf hat wie meine Wenigkeit auf den diversen Ämtern doch so manches Mal wie Asterix auf der Suche nach dem Passierschein A38. Bisher konnten wir jedoch irgendwann alles zur Zufriedenheit sämtlicher Beteiligter lösen.
Auch sonst fällt als Selbstständige natürlich so einiges an Bürokratie an. Buchhaltung, Umsatzsteuererklärung, Zusammenfassende Meldung etc. will alles ordnungsgemäß erledigt werden, was nicht nur Zeit, sondern häufig auch so manchen Nerv kostet.
Unsicherheit
Als Angestellte weiß man stets, wann das nächste Gehalt eingeht und kann dementsprechend planen. Als Selbstständige kann man die monatlichen Einkünfte nach einiger Zeit auch ungefähr einschätzen, jedoch weiß man nie so genau, was das nächste Quartal bringt und ob nicht irgendwann einmal die große Flaute über einen hereinbricht. Generell kann man jedoch natürlich auch als Angestellter plötzlich seinen Arbeitsplatz verlieren.
Weniger nette Kunden
Vor Kunden, die nicht oder nur nach mehrmaliger Aufforderung zahlen oder in anderer Hinsicht unliebsame Zeitgenossen darstellen, bleibt wohl kaum ein Selbstständiger verschont. Auch ich durfte hier so meine Erfahrungen machen.
Ständige Erreichbarkeit
Wer selbstständig von zu Hause aus arbeitet, hat immer Zeit, meinen zumindest die lieben Mitmenschen. So wird generell angenommen, man hätte ja stets Kapazitäten dies und das zu erledigen, kann stets Taxi- und Kurierdienst spielen und ist auch sonst immer und zu jederzeit verfügbar. Den Mitmenschen begreiflich zu machen, dass man nicht nur zu Hause sitzt, sondern dort auch arbeitet, ist häufig gar nicht so einfach und dauert einige Zeit.
Fazit: Von vielen Seiten vernehme ich häufig Neid im Bezug auf meine Selbstständigkeit. Schließlich ist man sein eigener Herr, kann arbeiten wann und wo man möchte und verdient auch noch gut dabei. Sicher, die Punkte sind alle irgendwo wahr, aber die negativen Seiten werden leider oft zu schnell übersehen.
Aber wie heißt es so schön: Ich bereue nichts…

18. September 2010 um 06:25 Uhr
Danke für den ausführlichen Beitrag, wirklich interessant (für mich als nicht selbstständige)
Darf ich fragen was du als Selbstständige tust?
18. September 2010 um 08:31 Uhr
Ich bin ausgebildete Übersetzerin, betexte aber auch Webseiten, schreibe Pressemitteilungen und lauter so Sachen.
Guckst du hier: abel-translations.de
lg
Anika
18. September 2010 um 08:54 Uhr
Wow interessant
Pingback: Auswertung der Blogparade “Positive und negative Erfahrungen in der Selbständigkeit” > Existenzgründung, Selbständig > Positive und negative Erfahrungen, Erfahrungen, Selbständigkeit, Existenzgründung
22. März 2011 um 16:54 Uhr
Hallo Anika, ich habe mich gefreut, dass ich über deinen Bericht hier gestolpert bin. Ich denke nämlich auch schon seit längerem über eine Selbstständigkeit nach. Vielleicht werde ich das Abenteuer ja doch noch wagen… Viele Grüße Nico