Kleinkatzen

Pumas sind geselliger als bisher angenommen

Die wilden Katzen gelten mit Ausnahme der Löwen und den Verbänden männlicher Geparden in der Regel als Einzelgänger, die einander soweit möglich meiden und nur bei Begegnungen an Reviergrenzen, während der Paarungszeit und bei der Jungenaufzucht näher miteinander zu tun haben. Etwas, das auch immer wieder angeführt wird, wenn es um die Frage geht, ob es sich bei unserer Hauskatze nun um einen Einzelgänger handelt oder nicht. Eine neue Studie, die im Journal Science Advances lässt die seit über 60 Jahren gültigen Annahmen hinsichtlich der Katze als striktem Einzelgänger in freier Wildbahn nun in einem neuen Licht erscheinen.

Es ist die erste wissenschaftliche Arbeit, die die komplexen, dauerhaften und freundschaftlichen Interaktionen zwischen diesen wilden Katzen quantifiziert und eine ganz vielfältige Pumagesellschaft enthüllt, die weitaus toleranter und sozialer miteinander umgeht, als bisher angenommen. Es zeigte sich durch die Bilder und Videos, die im Rahmen der Studie erstellt wurden, unwiderlegbar, dass Pumas dieselben sozialen Strategien nutzten, wie geselligere Tiere, wenn auch über größere Zeiträume, als solche, die z. B. fest in Rudeln leben.

Die Forscher beobachteten im Rahmen der Studie Pumas im Bereich des Yellowstone-Ökosystems, Teilen des Grand Teton National Parks, des National Elk Refuge und des Brider-Teton National Forest mithilfe von GPS-Technologie und Kameras mit Bewegungsauslösern, die das Verhalten der Tiere filmten. Dabei konzentrierte man sich auf Nahrungsressourcen, da dort die Pumas am meisten miteinander interagierten und weil es den Forschern die Möglichkeit gab, zwischen „Geber“ und „Empfänger“ zu unterscheiden und so z. B. auch zu untersuchen, ob das Verhalten auf Gegenseitigkeit beruht.

Pumas teilen ihre Nahrung mit anderen Pumas

Im Rahmen der Studie zeigte sich, dass Pumas Nahrung miteinander teilten, was sich nicht allein durch ökologische und biologische Faktoren erklären lässt.

Es zeigte sich, dass:

  • jeder Puma Teil eines Netzwerks war, in dem Einzeltiere ihr Futter miteinander teilten.
  • dass sich jeder Puma mindestens einmal sein Futter mit einem anderen Puma aus der Studie teilte und auch häufig mit anderen Pumas die Nahrung teilte.
  • die Wahl, mit wem man die Nahrung teilte, nicht zufällig erfolgte oder auf Familienmitglieder beschränkt war. Stattdessen schienen sich die Pumas zu erinnern, wer mit ihnen in der Vergangenheit bereits Futter geteilt hatte und es war 7,7x wahrscheinlicher, dass sie mit diesen dann auch die Nahrung teilten. Etwas, das bisher nur bei geselligen Tieren dokumentiert ist.[1]
  • männliche Pumas mehr Fleisch erhielten als weibliche und vermutlich anders von den sozialen Interaktionen profitierten. Die Männchen bekamen Fleisch, die Weibchen hatten es wahrscheinlich leichter, einen Paarungspartner zu finden.
  • territoriale Kater ihren Machtbereich beherrschten und dem, wie alle Pumas im Lebensraum miteinander agierten, eine Struktur gaben. So bildeten alle Pumas im Territorium des Männchens gewöhnlich ein einziges Netzwerk, in dem es wahrscheinlicher war, dass das Futter untereinander geteilt wurde. Soziale Interaktionen außerhalb der Reviergrenzen kamen deutlich seltener vor. Kam es zum Verlust dieses Männchens, wurde das gesamte soziale Netzwerk gestört.

Lässt sich das Verhalten der Pumas auf andere Spezies übertragen?

Pumas verfügen, wie auch verschiedene andere Wildkatzenarten, über ein Potenzial für komplexe soziale Strategien, das größer ist, als man es von einem Einzelgänger erwarten würde. Das liegt u. a. darin begründet, dass sie Tiere jagen, die viel größer sind als sie selbst und zum anderen, dass sie relativ lange in relativ stabilen Territorien leben. Dies eröffnet Möglichkeiten für wiederholte Interaktionen mit Nachbarn im Laufe der Zeit, was wesentlich ist, um solche komplexen sozialen Strategien zu entwickeln.

Die Pumas im untersuchten Gebiet ernährten sich im Winter vor allem von Wapitis, eine große Beute für einen einzelnen Puma. Je nach Lebensraum ernähren sich Pumas aber auch von anderen (kleineren) Beutetieren, die sich nicht so ohne Weiteres teilen lassen. Die Frage ist, ob sich diese Pumas ebenso verhalten und wie es bei anderen Spezies, wie z. B. Leoparden aussieht. Das ist etwas, das die Forscher noch herausfinden müssen.

Was sich aus der Studie als Erkenntnis ziehen lässt, ist, dass auch Tiere, die seit jeher als Einzelgänger gelten, weitaus sozialer interagieren können, als bisher angenommen. Zumindest, wenn die Voraussetzungen stimmen. Das ist dann wieder etwas, was sich irgendwo auch auf unsere Haustiger übertragen lässt.

Referenz: Adaptive social strategies in a solitary carnivore By L. Mark Elbroch, Michael Levy, Mark Lubell, Howard Quigley, Anthony Caragiulo, Science Avances 2017; 3:e1701218

[1] Angesichts dessen, dass viele Forscher nach wie vor glauben, dass es Tieren an den kognitiven Fähigkeiten mangelt, sich an vergangene Erfahrungen zu erinnern und bezweifeln, dass Tiere zu strategischem Denken fähig sind, was für Handlungen auf Gegenseitigkeit notwendig ist, definitiv eine interessante Erkenntnis.

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