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Rollig trotz Kastration. Katzen mit Ovarrest- Syndrom

Ist eine Katze kastriert, wird sie nicht mehr rollig. Eigentlich. Denn manchmal geschieht etwas Seltsames. Samtpfoten, die seit kurzem oder teilweise auch schon seit mehreren Jahren kastriert sind, zeigen plötzlich wieder typische Anzeichen einer Rolligkeit und lassen sich teilweise sogar wieder decken. Verantwortlich für diese Erscheinung ist in den meisten Fällen das Ovarrest-Syndrom, auch bekannt als Eierstockrestsyndrom oder englisch Ovarian Remnant Syndrome, kurz ORS.

Um zu verstehen, was dabei im Körper der Katze passiert und um die folgenden Informationen besser zu verstehen, ist es ganz hilfreich, sich ein wenig mit dem Sexualzyklus der Kätzin zu beschäftigen. Seid ihr da schon fit, könnt ihr den folgenden kleinen Exkurs getrost überspringen.

Der Sexualzyklus der Kätzin

Katzen sind, wie es so schön heißt, saisonal polyöstrisch, das bedeutet es tritt unter natürlichen Bedingungen innerhalb eines Zeitraums regelmäßig eine Rolligkeit auf, wenn das Tier nicht bei der ersten Rolligkeit gedeckt wird. Dieses Zyklusgeschehen beginnt, wenn die Tage länger werden und Licht mindestens 12 bis 14 Stunden täglich einwirken kann.

Es setzt aus, wenn die Tage kürzer werden, in unseren Breitengraden in den Herbst- und Wintermonaten. Während der sexuell aktiven Zeit kommt die Katze (die keinen Zugang zum Kater hat) etwa alle 4 bis 30 Tage (durchschnittlich alle 2-3 Wochen) in die Rolligkeit. Speziell bei Wohnungskatzen kommt es – der Glühbirne bzw. dem Kunstlicht sei Dank – jedoch auch häufig vor, dass die „Winterpause“ (Anöstrus) zwischen den Zyklen ausfällt und die Katze durchgehend sexuell aktiv ist.

Alles in allem unterteilt man den Sexualzyklus in vier Phasen: Proöstrus, Östrus, Diöstrus bzw. Interöstrus. Die Pause zwischen den Zyklen wird als Anöstrus bezeichnet. Diese Phasen werden uns im Verlauf des Artikels noch häufiger begegnen und sehen wir uns hier an dieser Stelle noch ein wenig genauer an. Alles beginnt mit dem Proöstrus, der Vorbrunst.

Diese Proöstrusphase durch einen Anstieg des von 17ß-Östradiol im Blut der Katze eingeleitet. 17ß-Östradiol gehört zu den Östrogenen, also zu den weiblichen Sexualhormonen. Dieser Anstieg geht mit den ersten Verhaltensänderungen einher. Die Kätzinnen werden anhänglicher, reiben den Kopf, treten mit den Hinterpfoten, miauen vermehrt und zeigen eine geringere Aggressivität gegenüber Katern. Diese Phase dauert etwa ein bis zwei Tage und wird durch den Östrus abgelöst, in dessen Verlauf die Katze paarungsbereit ist und die typischen Rolligkeitssymptome mit Wälzen, verstärktem Miauen und Einnehmen der Deckposition zeigt. Der Eisprung findet bei der Katze induziert statt und wird durch einen neuroendokrinen Reflex ausgelöst, der durch das Eindringen des Penis stimuliert wird. Durch diesen vaginalen Reiz wird vermehrt LH (Luteinisierungshormon) aus dem Hypophysenvorderlappen (HVL) ausgeschüttet, was die Reifung der Eizellen und in Folge zum Eisprung führt. Damit der Eisprung ausgelöst werden kann, muss eine gewisse LH-Konzentration im Blut erreicht werden.

Dazu ist meist erforderlich, dass über mehrere Tage vermehrt Östradiol ausgeschüttet wird. Zudem reicht bei einigen Katzen eine einmalige Bedeckung nicht aus, um die notwendige LH-Konzentration zu erreichen. Sicherer für das Erreichen eines Eisprungs ist es, wenn die Katze mehrmals innerhalb kurzer Zeit gedeckt wird.

Der Eisprung findet rund 24-36 Stunden nach dem Deckakt bzw. nach Erreichen der kritischen LH-Konzentration statt. In dieser Zeit kann die Katze von verschiedenen Katern gedeckt werden und Kitten aus einem Wurf können demnach auch unterschiedliche Väter haben. Nach dem Eisprung bilden sich aus den Follikelzellen die Gelbkörperzellen und geben Progesteron ab, das für die Aufrechterhaltung der Trächtigkeit entscheidend ist.

Hat zwar ein Eisprung, aber keine Empfängnis stattgefunden, bilden die Gelbkörper dennoch über 30-40 Tage das Steroidhormon Progesteron, danach tritt wieder eine Rolligkeit auf. Eine Phase, die man als Diöstrus bezeichnet. Während des Diöstrus erreicht der Progesteronspiegel nach 11-15 Tagen sein Maximum und sinkt dann bis zum 40. Tag wieder auf das Basalniveau ab. Während dieser Zeit kann es zu einer Scheinträchtigkeit kommen.

Erfolgt kein Eisprung bilden sich die Follikel im Eierstock wieder zurück, ohne sich zu öffnen. Es kommt zu einer Pause von etwa 4 – 22 Tagen, die unter bestimmten Bedingungen (z. B. bei hohen Umgebungstemperaturen) auch deutlich länger ausfallen kann. Diese Pause bezeichnet man als Interöstrus. Fällt der Interöstrus aus und gehen die Östren mehr oder weniger fließend ineinander über, spricht man von einer Dauerrolligkeit. Während des Interöstrus bleiben die Konzentrationen von Östradiol und Progesteron auf konstant niedrigem Basalniveau.

Ovarrest-Syndrom bei der Katze – Geschichte

Der erste Fallbericht eines Eierstockrestsyndroms bei der Frau wurde 1962 von Kaufmann veröffentlicht. Das Syndrom an sich wurde 1970 erstmals von Shemwell und Weed1 beschrieben, die zeigten, dass die Eierstockrinde, der Cortex ovarii, funktionsfähig bleiben kann, wenn sie an anderer Stelle im Bauch implantiert wird. Sie implantierten dabei die Rinde der entfernten Eierstöcke von vier weiblichen Katzen ins Bauchfell der seitlichen Bauchwand. Vier Monate später beobachteten sie, dass zwei der Katzen Rolligkeitssymptome zeigten und zwei weitere Eierstockzysten mit follikulärer Aktivität aufwiesen. Das verbliebene Eierstockgewebe war weiterhin funktionsfähig und verursachte klinische Symptome eines Proöstrus, Östrus, Scheinträchtigkeit oder sogar Paarung, die ohne Trächtigkeit endete.

Ovarrest-Syndrom bei der Katze – Risikofaktoren

Die Rasse und das Alter bei der Kastration scheinen das Risiko für das Eierstockrestsyndrom bei der Katze nicht zu erhöhen. Miller untersuchte zwischen 1988 und 1992 46 Fälle bei Hunden und Katzen. Er stellte fest, dass unter den von ihm untersuchten Tieren kein Tier ein ORS aufwies, das unter 4 Monaten kastriert worden war und dass sich die Eierstockreste gleichmäßig auf beide Eierstöcke verteilten.

Frühere Untersuchungen kamen zu einem ähnlichen Ergebnis, während es auch Hinweise darauf gibt, dass ORS insbesondere wenn eine seitliche Kastration (über die linke Flanke) durchgeführt wurde, häufiger am rechten Eierstock vorkam, wenn nur ein Eierstock betroffen war. Demirel und Acar merken daher an, dass eine Kastration über die Mitte, wie sie bei uns vornehmlich praktiziert wird, das Risiko für das Entstehen eines Eierstockrestsyndroms verringern könnte2.

Laut Miller3 gibt es keinen Beweis dafür, dass die Länge des Schnitts oder das Gewicht des Tieres (übergewichtig vs. normalgewichtig) das Risiko für die Entwicklung eines ORS bei der Katze erhöhen. Demirel und Acar4 halten es dagegen für möglich, dass das Auftreten des Eierstockrestsyndroms an beiden Eierstöcken mit einem kürzeren Schnitt und/oder einem zu kaudal gesetzten Schnitt in Verbindung steht. Wallace5 sieht Übergewicht, ebenso wie eine Gebärmutterentzündung nicht in Verbindung mit dem ORS, wohingegen laut Naiman et al.6 und Demirel und Acar7 das Risiko bei Übergewicht erhöht sein kann, weil das Gewebe schlechter einsehbar ist.

Die Erfahrung des Tierarztes spielt bei der Häufigkeit des Syndroms laut Miller keine Rolle. In den Untersuchungen von Miller waren weniger als die Hälfte der vorgestellten Katzen von Tierärzten operiert worden, die ihre Ausbildung innerhalb der letzten 5 Jahre abgeschlossen hatten. Demirel und Acra nennen mangelnde Erfahrung jedoch neben Übergewicht oder einem zu kleinen Schnitt als mögliches Risiko für die Entstehung eines ORS. Auch Alcigir et al.8 gibt mangelnde Erfahrung als mögliche Ursache an.

Laut Heffelfinger9 spielten weder das Alter, noch die Rasse, noch das Vorhandensein anderer Faktoren, wie Übergewicht, Gebärmutterentzündung, Trächtigkeit oder eine Entzündung des Eileiters eine Rolle.

Ovarrest-Syndrom bei der Katze – Symptome

Erste Symptome zeigen sich bei der Katze durchschnittlich nach 2-3 Jahren, wobei teilweise bereits nach 4 Tagen oder auch erst nach 9 Jahren wieder Symptome aufgetreten sind.10

Die Symptomatik ähnelt im Endeffekt der einer Rolligkeit. Die Tiere rufen nach dem Kater, rollen sich auf dem Boden, präsentieren ihr Hinterteil, treten mit den Hinterbeinen auf der Stelle und ziehen Kater magisch an. Hat die Katze Zugang zum Kater lässt sie auch die Begattung durch den Kater zu, ohne dass es jedoch zu einer Trächtigkeit kommt.

Die Zyklusdauer und –häufigkeit ähnelt meist dem normalen Sexualzyklus, kann aber auch unregelmäßig sein. Es kann sein, dass die Katze über Monate und Jahre nach der Kastration keinerlei Rolligkeitsanzeichen zeigt, bevor der Sexualzyklus wieder aufgenommen wird.11 Liegt eine Begleiterkrankung, wie etwa eine Gebärmutterentzündung vor, kann es auch zu anderen Symptomen, wie etwa vaginalem Ausfluss kommen. Grundsätzlich gilt, treten bei einer kastrierten Katze plötzlich wieder Anzeichen einer Rolligkeit auf, sollte ORS in Betracht gezogen und die Katze einem Tierarzt vorgestellt werden.

Ovarrest-Syndrom bei der Katze – Ursachen

Für die Entstehung eines Eierstockrestsyndroms bei der Katze kommen nach aktueller Lehrmeinung drei Ursachen in Betracht:

  • Die Eierstöcke wurden nicht komplett entfernt
  • Bei der Entfernung ist versehentlich Eierstockgewebe im Bauchraum gelandet
  • Es ist zusätzliches Eierstockgewebe vorhanden

 

Die Eierstöcke wurden nicht komplett entfernt

Ein Ovarian Remnant Syndrome kann auftreten, wenn ein Eierstock oder beide Eierstöcke nicht vollständig entfernt werden und dadurch funktionelles Eierstockgewebe im Katzenkörper verbleibt. Durch einen Operationsfehler kann es vorkommen, dass die Eierstöcke nicht vollständig entfernt werden und funktionelles Eierstockgewebe im Katzenkörper zurückgelassen wird. Das kann laut Sontas et al.12 unter Umständen durch einen zu kurzen Schnitt begünstigt werden, der es erschwert, die Eierstöcke richtig zu sehen, zu erreichen und abzubinden. Es ist auch möglich, dass die Eierstöcke falsch abgebunden werden oder kann an der anatomischen Lage des rechten Eierstocks liegen. Anatomisch befindet sich der rechte Eierstock und das rechte Gebärmutterhorn mehr kranial als ihre linken Gegenstücke, was sie anfällig dafür macht, dass sie vom Operateur während der OP vergessen werden. In den Berichten von Pearson13, Prats14 und Wallace15 war es denn auch häufiger der rechte Eierstock, der als Rest vorhanden war. Bei Miller dagegen waren beide Seiten in etwa gleich häufig betroffen.

Bei der Entfernung landete versehentlich Eierstockgewebe im Bauchraum

Wie eingangs bereits erwähnt, stellten Shemwell und Weed bereits 1970 experimentell fest, dass Eierstockgewebe auch an anderer Stelle im Bauchraum funktionsfähig bleiben kann. Es kommt vor, dass Gewebe, das versehentlich in die Peritonealhöhle, also die Bauchfellhöhle, gelangt, revaskularisiert wird. Das bedeutet, es sprießen über das Bauchnetz oder die Serosa der Bauchorgane wieder Blutkapillaren in das Gewebe ein und gewährleisten dessen Versorgung. So versorgt kann es seine Funktion wie ein Eierstock wieder aufnehmen161718 Eierstockreste, die experimentell im Abdomen vernäht oder frei hinterlassen wurden, konnten wieder mit Blut versorgt werden und nahmen in etwa 90 % der Fälle das Follikelwachstum wieder auf.

Es ist zusätzliches Eierstockgewebe vorhanden

Nur vereinzelt gibt es Berichte über Eierstockgewebe im breiten Gebärmutterband. Zusätzliches Eierstockgewebe wird als zusätzlicher Eierstock oder ektopisches Eierstockgewebe bezeichnet, das sich in der Nähe der normalen Eierstöcke befindet und mit diesen auch verbunden sein kann.19 Wichtig zu wissen ist hier, dass zusätzliches Eierstockgewebe aktiviert werden kann, wenn die normalen Eierstöcke entfernt wurden. Diese zusätzlichen Eierstöcke können eine geringe Größe haben.

Das Eierstockgewebe kann weiterhin einem Zyklus nachgehen, auch wenn die Gebärmutter entfernt wurde.

Ovarrest-Syndrom bei der Katze – Diagnosemöglichkeiten

Die meisten Katzen mit Ovarrest-Syndrom werden dem Tierarzt vorgestellt, weil sie, obwohl kastriert, plötzlich wieder Rolligkeitssymptome zeigen. Der Tierarzt führt dann weitere Untersuchungen durch. Hier sind ein Vaginalabstrich, eine Hormonmessung, Ultraschall oder auch eine Probelaparotomie denkbar. Es wird empfohlen, mehrere dieser Verfahren anzuwenden, um die Diagnose Eierstockrestsyndrom vor einer OP weitmöglichst zu sichern.

Der Vaginalabstrich

Das Vaginalsekret der potenten, weiblichen Katze weist je nachdem in welcher Phase sie sich befindet, eine andere Zusammensetzung auf. Hat man eine Katze im Interöstrus, Anöstrus oder eine kastrierte Katze ist das Sekret eher verwaschen und weist ein niedriges Schleimhautepithel auf.

Im Proöstrus ist das Sekret nach wie vor verwaschen und weist verhornte Schleimhautepithelzellen auf. Diese Verhornung (Keratinisierung) nimmt im Östrus ab und das Sekret wird klar. Wer sich vielleicht schon einmal mit natürlichen Verhütungsmethoden, wie etwa der symptothermalen Methode, beschäftigt hat, dem kommt das vielleicht bekannt vor.

Man kann also an sich durch einen Vaginalabstrich bei einer kastrierten Katze Schlüsse ziehen, ob in dieser ein Zyklusgeschehen „stattfindet“. Demirel und Acar weisen jedoch darauf hin, dass der Vaginalabstrich zwar die Diagnose Ovarrest-Syndrom unterstützen kann, jedoch auch ein Eierstockrest vorhanden sein kann, obwohl die Katze keine Auffälligkeiten im Abstrich zeigt.

Die Hormonmessung

Als wichtigste Sexualhormone bei der Kätzin gelten zum einen 17ß-Östradiol und zum anderen Progesteron, das Gelbkörperhormon. Diese Hormone sind je nach Zyklusphase unterschiedlich konzentriert und können Hinweise auf funktionelles Eierstockgewebe geben.

Messung des Östradiolspiegels

Bei einer Katze, die sich nicht in der Rolligkeit befindet, oder kastriert ist, liegt der Östradiolspiegel im Blut unter 20 pg/ml. Kommt die Katze in die Brunst übersteigt er die Basalkonzentration und erreicht Maximalwerte von 40-80 pg/ml. Ein erhöhter Östradiolspiegel kann bei der kastrierten Katze demnach ein Hinweis auf ein Ovarrest-Syndrom sein. Der Östrogenspiegel kann bei Stress erhöht sein, da die Nebennieren winzige Mengen Östrogene absondern können. Zudem gibt es täglich, wöchentlich und sogar jahreszeitabhängige Schwankungen. Eine Messung des Östrogenspiegels allein, ist demnach nicht ausreichend.

LH-Test

LH wird von der Hypophyse auf Stimulation von GnRH gebildet. Es kommt zu einem so genannten LH-Peak, der etwa 24 bis 48 Stunden, selten länger, andauert. Der Eisprung folgt etwa zwei bis drei Tage später. Die LH-Spiegel, die im Blut zirkulieren werden beim fortpflanzungsfähigen Tier durch Östrogen bzw. Steroidhormone rückgekoppelt. Dieses negative Feedback fehlt bei Tieren, die kastriert sind und der LH-Spiegel bleibt konstant hoch. Weist ein eigentlich kastriertes Tier niedrige LH-Konzentrationen auf, kann dies einen Hinweis auf noch vorhandenes, intaktes Eierstockgewebe geben. LH-Tests werden für Tiere bislang nur sehr vereinzelt angeboten und sind z. B. bei synlab möglich.

Bestimmung des Anti-Müller-Hormons (AMH)

Das Anti-Müller-Hormon (kurz AMH) spielt vor allem während der Embryonalentwicklung bei der sexuellen Differenzierung (Männlein/Weiblein) eine wesentliche Rolle. Nach der Geburt reguliert AMH beim weiblichen Tier die Follikelreifung. Bei der (vollständig) kastrierten Katze liegt die AMH-Konzentration liegt der Referenzwert bei < 0,1 ng/ml, beim unkastrierten Tier bei >2,0 ng/ml.
Mittels AMH-Bestimmung kann folglich ebenfalls untersucht werden, ob ein Tier kastriert oder nicht kastriert ist bzw. ob noch funktionelles Eierstockgewebe vorhanden ist.20

Gut zu wissen: Die genannten Verfahren können auch angewandt werden, um bei Tieren mit unklarem Fortpflanzungszustand (z. B. Fundkatzen) zu bestimmen, ob diese kastriert sind oder nicht.

GnRH-Stimulationstest

Eine Möglichkeit zur Bestimmung der Östradiolkonzentration und damit zum Nachweis von eventuell noch vorhandenem Eierstockgewebe ist der GnRH-Stimulationstest oder auch Gonadotropin-Releasinghormon-Test.

GnRH ist ein Hormon, das im Hypothalamus gebildet wird und die Freisetzung von LH (luteinisierendes Hormon) und FSH (Follikel-stimulierendes Hormon) regelt. LH löst neben anderen Funktionen den Eisprung aus, während FSH die Reifung des Eis im Eierstock anregt.

Bei einem GnRH-Stimulationstest wird der Östradiolwert vor und nach der gezielten Gabe von GnRH gemessen. Es wird untersucht, ob der Östradiolspiegel durch das GnRH stimuliert werden konnte. Ist dies der Fall, kann dies ein Hinweis auf möglicherweise noch vorhandenes, intaktes Eierstockgewebe sein.
Nicht-invasiv („ohne die Katze aufzuschneiden“) ist keine zuverlässige Diagnosefindung möglich (und während einer Laparotomie erschwert), wenn sich die Katze nicht im Östrus befindet. Nicht jede Katze zeigt deutliche Rolligkeitssymptome oder einen regelmäßigen Zyklus.21

Bildgebende Verfahren

Eine Ultraschalluntersuchung kann zum Auffinden zystischer Strukturen oder hypoechogener Massen im Bereich der Eierstöcke nützlich sein, um das Vorhandensein eines Eierstockrests zu bestätigen. Durch die geringe Größe der Eierstockreste und die Gegebenheiten des umliegenden Gewebes bleiben die Reste dem Untersucher jedoch häufig verborgen, weshalb eine Ultraschalluntersuchung allein zur Diagnosefindung in der Regel nicht ausreichend ist. Ähnliches gilt für eine Röntgenaufnahme des Bauchraums.22

Operative Verfahren

Eine Probelaparotomie, also die operative Öffnung der Bauchhöhle zu Diagnosezwecken, kann an sich ebenfalls durchgeführt werden. Es macht jedoch Sinn, den Verdacht auf einen Eierstockrest durch andere, nicht-invasive Methoden im Vorfeld zu bestätigen. Während der Probelaparotomie können eventuell vorhandene Eierstockreste gleich im Rahmen der Operation entfernt werden.

Eine Probelaparotomie sollte versucht werden, wenn sich die Katze nach Stimulation im Proöstrus, Östrus oder Diöstrus befindet und die Follikel oder der Gelbkörper zusammen mit den versorgenden Blutgefäßen vergrößert sind, wodurch das Auffinden des Eierstockrests erleichtert wird. Im Diöstrus ist das Blutungsrisiko aufgrund der niedrigeren Östradiolspiegel geringer, als im Proöstrus oder Östrus.

Therapie

Empfohlen wird die operative Entfernung des Eierstockgewebes durch einen in dieser Hinsicht erfahrenen Chirurgen im Zuge der Probelaparotomie mit anschließender histopathologischer Untersuchung des entnommenen Gewebes.

Empfohlen wird die operative Entfernung des Eierstockgewebes durch einen in dieser Hinsicht erfahrenen Chirurgen im Zuge der Probelaparotomie mit anschließender histopathologischer Untersuchung des entnommenen Gewebes.

Nach kompletter Entfernung aller Eierstockreste verschwinden die klinischen Symptome in Verbindung mit den Östrus oder Proöstrus.

Ist die operative Entfernung nicht erfolgreich, nicht möglich oder vom Besitzer nicht erwünscht, kann auch eine medikamentöse Behandlung in Erwägung gezogen werden. Die Behandlung kann durch Gestagenpräparate, die zur Verhütung des Östrus eingesetzt werden, erfolgen („die Pille“). Hier sollte man jedoch die möglichen unerwünschten Nebenwirkungen bedenken (z. B. Gewichtszunahme, Wesensänderungen, Veränderungen am Geschlechtsapparat oder am Gesäuge (Vergrößerung, Tumore) oder auch Gebärmutterentzündung, wenn diese bei der eigentlichen Kastration nicht mit entfernt wurde, bzw. Entzündung des Gebärmutterstumpfes). Speziell da es in diesem Fall nicht um einen kurzfristigen/vorübergehenden Einsatz der Präparate geht, sondern um eine dauerhafte Medikation.

Eine andere Möglichkeit wäre das Setzen eines Deslorelin-Implantats („Kastrationschip“), wenn keine OP erfolgen kann/erfolgen soll.

Wird die Katze nicht behandelt, gelten im Endeffekt ähnliche Risiken wie bei der unkastrierten Katze (erhöhtes Risiko für Neubildungen am Gesäuge und Granulosazelltumoren, möglicherweise Gebärmutterentzündung bzw. Entzündung des Gebärmutterstumpfes).23

Differenzialdiagnosen / Mögliche andere Ursachen

Neben einem Eierstockrestsyndrom können an sich auch andere Ursachen für Rolligkeitssymptome oder für Symptome, die auch beim Ovarian-Remnant-Syndrom auftreten können.

Die Fachliteratur nennt242526 :

Tumor der Nebenniere. In den Nebennieren wird ebenfalls in kleinen Mengen Östrogen produziert. Tumore der Nebenniere, die große Mengen dieser Hormone bilden, könnten möglicherweise wiederkehrende Rolligkeitssymptome verursachen.
– Verhaltensstörung.
Hormoncremes. In den USA gab es vor einigen Jahren vermehrt Fälle, in denen eigentlich kastrierte Katzen plötzlich wieder Rolligkeitssymptome zeigten. Schuld daran war die Verwendung von Hormoncremes der Besitzer, die über deren Hände von den Tieren aufgenommen wurden.

In der Regel ohne Rolligkeitssymptome, wenn nicht in Verbindung oder als Folge von ORS:

„alles, was mit blutigem Scheidenausfluss einhergehen kann“, z. B. Neubildungen in der Scheide, Scheidenentzündung, Stumpfpyometra, Trauma oder eine Störung der Blutgerinnung.

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Referenzen:
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