Wissenschaft

Studie: Die Verbindung zwischen Fellfarbe und aggressivem Verhalten der Hauskatze

Die Fellfarbe soll Aufschluss darüber geben, wie aggressiv eine Katze sei. Und ausgerechnet die Dreifarbigen sollen am angriffslustigsten sein. So die Meldung in diversen englischsprachigen Medien. Wir haben uns die Originalstudie The Relationship Between Coat Color and Aggressive Behaviors in the Domestic Cat angesehen, da wir wissen wollten, was denn da wirklich untersucht wurde und wie aussagekräftig das alles ist. Die gewonnenen Erkenntnisse möchten wir gerne mit euch teilen.

Dreifarbige Katzen sollen besonders aggressiv sein.

Warum wurde diese Studie überhaupt durchgeführt?

Dass die Fellfarbe mit bestimmten Eigenschaften in Verbindung gebracht wird, ist nichts Neues. Dazu wurde auch schon geforscht und es stellte sich heraus, dass es bei verschiedenen Hunderassen, Silberfüchsen, Nerzen und Wanderratten eine Verbindung zwischen sozialem oder aggressivem Verhalten und der Färbung des Fells zu geben scheint.

Zur Katze gibt es zu diesem Thema bisher nur wenige wissenschaftliche Arbeiten. Neben der aktuellen gibt es eine aus dem Jahr 2011, in der jedoch keine Verbindung zwischen Fellfarbe und Verhalten nachgewiesen werden konnte.12 Was es gibt sind Annahmen/Vorurteile bestimmte Fellfarben betreffend. So sollen Glückskatzen ein bisschen „verrückt“ sein (Anm. d. Red.: Ähm nun ja, was soll ich sagen… * hust * ), rote Katzen eher freundliche, lebenslustige Gesellen sein, während man den Schwarzen zumindest im englischsprachigen Raum nachsagt, dass sie eher wild und unberechenbar wären. Und bei den „Torties“ hat sich für ihr stures, unabhängiges und unverhersehbares Verhalten im Englischen sogar ein eigener Begriff etabliert: „Tortitude“.

Diese (erworbene) Wahrnehmung trägt möglicherweise dazu bei, dass Katzen mit bestimmten Fellfarben – wenn es beispielsweise um die Adoption von Tierheimtieren geht – häufiger übersehen werden. Nachgewiesen ist, dass speziell schwarze Katzen tendenziell länger warten müssen, bis sie ein Zuhause gefunden haben.34 Unklar ist jedoch, ob hier nur ästhetische Gründe zugrundeliegen oder eben auch die oben beschriebene Wahrnehmung.

Im Rahmen der vorliegenden Studie wurde nun untersucht, ob eine Beziehung zwischen der Fellfarbe und aggressivem Verhalten besteht.

Wie wurde dies in der vorliegenden Studie untersucht?

Grundlage dieser Studie war eine etwa 20-minütige Umfrage über Survey Monkey, die über verschiedene Kanäle (u. a. Facebook) beworben wurde. Man konnte 4 Monate lang an der Umfrage teilnehmen.

Die Teilnehmer konnten dabei mithilfe verschiedener Skalen das Verhalten ihrer Tiere in verschiedenen Situationen bewerten und beurteilen und wie häufig und in welchen Situationen ihre Katzen welches aggressive Verhaltensmuster zeigen. Katzen unter einem Jahr wurden ebenso wenig berücksichtigt wie Katzen, die ausschließlich draußen leben.

Als Fellfarben konnten die Teilnehmer zwischen schwarz, schwarz-weiß, grau, grau-weiß, tabby, „Katzen mit Rot und Schwarz“ (Calicos, Torties, Torbies), Points und „Anderen“ wählen.

Insgesamt kamen so 1274 auswertbare Fragebögen zustande. Die meisten Teilnehmer waren Frauen (1126 Frauen/130 Männer), bei den Katzen war die Verteilung ausgewogener. 657 Kater standen hier 617 Katzen gegenüber.

Zu welchem Ergebnis kam die Studie?

Zunächst einmal zeigte sich, dass die Scores hinsichtlich aggressiven Verhaltens bei allen Katzen sehr niedrig ausfielen und dass die Unterschiede zwischen den einzelnen Fellfarben gering waren.

Die Katzen mit rot und schwarz im Fell führten hier bei den Kätzinnen die Liste an, während bei den Katern, die schwarz-weißen Exemplare leicht die Nase vorn hatten. Beim Handling (bewertet wurden Bestrafung, „Liebkosen“ und Bürsten) führten die Calicos, Torties und Torbies, die „Tiger“ (braun, grau, schwarz) und die grau-weißen, während in Bezug auf die Tierarztbesuche keine Fellfarbe besonders hervorstach.
Alles in allem scheinen Kätzinnen etwas „biestiger“ zu sein, als Kater.

Wie aussagekräftig ist die Studie?

Die Aussagekraft der Studie ist durch verschiedene Faktoren eingeschränkt. So sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Fellfarben sehr gering und die Bewertung erfolgte subjektiv durch die Halter. Es gibt keine objektiven Beobachtungen der Katzen oder auch der Teilnehmer an sich. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass sich die Unterschiede durch unterschiedliche Interpretation von Verhaltensweisen durch die Halter ergeben.

Die Umfrage wurde nicht bei einer zufälligen Auswahl Katzenhalter durchgeführt, sondern bei Menschen, die leicht über die jeweiligen Kanäle zu erreichen waren und daher vermutlich sehr interessiert an Katzen im Allgemeinen und ihren Katzen im Speziellen sind.

Dazu kommt, dass einige Katzen nur recht schwach vertreten waren. So gab es zum Beispiel wenig rote und weiße Kätzinnen und allgemein wenige ganz graue Katzen. Darüber hinaus können natürlich auch Rasse, Kastration, heimisches Umfeld und andere Faktoren zur Entwicklung von aggressivem Verhalten beitragen, die im Rahmen der Umfrage nicht ermittelt werden konnten.

Um die Beobachtungen zu stützen oder auch zu widerlegen, sind – aufgrund genannter Einschränkungen – nach Meinung der beteiligten Forscher weiterführende Untersuchungen nötig.

Fazit: Den medialen „Hype“ um die Studie kann ich nicht wirklich nachvollziehen.

Alles in allem lagen die durchschnittlichen Werte

beim Alltäglichen Umgang auf einer Skala von 0 – 20 bei 1,8.
beim Handling auf einer Skala von 0-27 bei 3,4.
bei Tierarzt auf einer Skala von 0 – 9 bei 1,7.

Also schon einmal von sich aus sehr geringe Werte. Dazu kommt, was bewertet wurde. Fauchen beim Tierarzt zum Beispiel. Hat meine Katze Schmerzen oder fühlt sich anderweitig unwohl beim Tierarzt = aggressives Verhalten in der Bewertung. Fasse ich der Katze an den Bauch, und „fange“ mir eine = aggressives Verhalten in der Bewertung.Für mich persönlich hat das mehr etwas von freier Meinungsäußerung. 😉

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Referenzen:
  1. Dantas-Divers, L. M. S. (2011). Questions about coat color and aggression in cats (author response). Journal oft he American Veterinary Medical Association, 239, 1288-1289 []
  2. Dantas-Divers, L. M. S., Crowell-Davis, S. L., Alford, K., Genaro, G., D’Almeida, J. M., & Paixao, R. L. (2011). Agonistic behaviour and environmental enrichment of cats communally housed in a shelter. Journal oft he American Veterinary Medical Association, 239, 796-801. []
  3. Lepper, M. K., Kass, P. H., & Hart, L. A. (2002). Prediction of adoption versus euthanasia among dogs and cats in a California animal shelter. Journal of Applied Animal welfare Science, 5, 29 – 42 []
  4. Kogan, L. R., Schoenfeld-Tacher, R., & Hellyer, P. W. (2013). Cats in animal shelters: Exploring the common perception that black cats take longer to adopt. Open Veterinary Science Journal, 7, 18 – 22 []
  1. Pingback: Lieb-Links im November: Fellfarbe, Übergewicht und ein bißchen Halloween - Felis fidelis

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