Wissenschaft

Studie: Katzen können Erinnerungen bewusst abrufen

Eine der Fragen, die immer wieder einmal für heiße Debatten sorgt, ist die, wer denn nun klüger ist, Katzen oder Hunde. Wenn ihr unsere vier Redaktionskatzen fragt, ist die Antwort klar. Japanische Forscher haben nun etwas herausgefunden, was wir schon lange geahnt hatten, aber bisher noch nicht bewiesen war. Nämlich, dass Katzen ein episodisches Gedächtnis besitzen und möglicherweise sogar Gefallen daran finden, sich aktiv an vergangene Erlebnisse zurückzuerinnern. Das zugehörige Paper wurde im Journal Behavioral Processes veröffentlicht.

© ThePixelman / pixabay.com

Wir Menschen verfügen über ein episodisches Gedächtnis, was jetzt vereinfacht gesagt, bedeutet, dass wir uns nicht nur an vergangene Ereignisse zurückerinnern, sondern diese auch mit angenehmen oder weniger angenehmen Details verbinden können. Wir können uns also zum Beispiel nicht nur daran erinnern, dass letzten Sommer die Geburtstagsparty von Großonkel Gustav stattgefunden hat, sondern z. B. auch daran, dass wir es lustig fanden, als die unsympathische Tante Trude kopfüber ins Kinderplanschbecken gefallen ist. Der Mensch rekonstruiert solche vergangenen Ereignisse bewusst, etwa um in Erinnerungen (an den letzten Urlaub, ans erste Date o. ä.) zu schwelgen. Diese Art episodischer Erinnerung ist immer mit einer bestimmten Einstellung zu einem Ereignis verbunden, also für jede Person ganz individuell. Tante Trude wird sich ganz anders an diese Geburtstagsfeier erinnern als Großonkel Gustav, dem es – mit Verlaub gesagt – eine diebische Freude bereitet hat, Trude so patschnass vor sich zu sehen. 😉

Aber kommen wir zur Wissenschaft. Man weiß von Hunden, dass sie ein solches episodisches Gedächtnis besitzen. Die Forscher wollten nun herausfinden, ob dies bei Katzen ebenso ist und ob diese Erinnerungen an Erfahrungen speichern, verarbeiten, bewusst abrufen und nutzen können. Dies würde bedeuten, dass Katzen eine Art Bewusstsein besitzen, etwas das Tieren ja gerne einmal abgesprochen wird.

Hierzu wurden 49 Katzen über einen längeren Zeitraum mit verschiedenen Futtersorten in unterschiedlichen Futterschalen gefüttert. Als sich herauskristallisiert hatte, welches das Lieblingsfutter der jeweiligen Katze war, wurde dieses immer in einer bestimmten Schale gereicht. Dann wurden die Schüsseln getauscht und es zeigte sich, dass die Katzen zielsicher die Schüssel ansteuerten, in der sie das Lieblingsfutter vermuteten. Andere Experimente zeigten ebenfalls, dass sich Katzen nicht nur daran erinnern konnten, wo sich die jeweiligen Futterschüsseln befanden und was darin enthalten war, sondern auch wussten, welche Schüssel sie bereits durchsucht hatten. Die Katzen waren – so die Forscher – demnach in der Lage, bewusst Einzelheiten vergangener Ereignisse abzurufen, was dafür spricht, dass sie ein episodisches Gedächtnis besitzen. Auch bei anderen psychologischen Tests, wie etwa der Reaktion auf menschliche Gesten, Gesichtsausdrücke und Emotionen standen die Katzen Hunden in nichts nach.

Weitere Untersuchungen sollen nun zeigen, wie lange sich Katzen an bestimmte Ereignisse zurückerinnern können.

Referenz:

Saho Takagi et al, Use of incidentally encoded memory from a single experience in cats, Behavioural Processes (2017). DOI: 10.1016/j.beproc.2016.12.014

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