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Tollwut bei Katzen – Symptome, Verlauf, Impfungen

Tollwut, auch als Lyssa, Rabies, Wutkrankheit oder Rage bekannt, wird von vielen Katzenhaltern als die schrecklichste aller Katzenkrankheiten empfunden. Jedoch fehlt oft das Wissen, um die genauen Hintergründe der Erkrankung und Unsicherheit, ob im eigentlich tollwutfreien Deutschland eine Impfung gegen die Viruserkrankung notwendig ist und ob jede Katze, die speichelt, gleich tollwütig ist. In diesem Artikel sehen wir uns an, was es mit der Tollwut auf sich hat, wie hoch die Gefahr im deutschsprachigen Raum wirklich ist und wie die Katze vor der tödlichen Erkrankung am besten geschützt werden kann.

By Content Provider(s): CDC/Dr. Daniel P. Perl [Public domain], via Wikimedia Commons

Allgemeines zur Tollwut

Bei der Tollwut, die bereits seit 2300 v. Chr. bekannt ist, handelt es sich um eine Erkrankung mit einem RNA-Virus aus der Familie der Rhabdoviridae, das die meisten Warmblütern infizieren kann. Pflanzenfresser und Vögel sind eher selten betroffen. Bei Vögeln ist hierfür die höhere Körpertemperatur verantwortlich.

Die meldepflichtige Erkrankung war bis ins 19. Jahrhundert hinein übrigens unter dem Begriff „Hundswut“ bekannt. Der Begriff „Tollwut“ kam nach dem Stand der heute verfügbaren Quellen erstmals um das Jahr 1810 herum zum Einsatz.

Folge der Viruserkrankung ist in den meisten Fällen eine tödliche Gehirnentzündung (Enzephalities). Derzeit gelten Deutschland, Österreich und die Schweiz als tollwutfrei, jedoch trat in Deutschland im Jahr 2010 ein Tollwutfall bei einem illegal aus Bosnien eingeführten Hund auf.

In Europa gilt der Fuchs als Hauptüberträger, in Indien übernehmen diesen Part streunende Hunde.

Tollwut – Ansteckung der Katze

Die Ansteckung erfolgt in den meisten Fällen über Bisse tollwütiger Tiere oder kleinere Hautverletzungen. Allerdings ist auch eine Ansteckung über die Schleimhäute (Mund, Augen) möglich.

Die Inkubationszeit hängt vom Alter der Katze, der Eintrittsstelle, dem Virusstamm und der Dichte der Nervenenden an der Eintrittsstelle an und kann von zwei Wochen über mehrere Monate und in Einzelfällen bis hin zu über einem Jahr dauern. Die Virusausscheidung beginnt 1 Tag vor bis 3 Tage nach Auftreten der ersten Symptome und dauert bis zum Tod an, der rund 5 Tage nach Auftreten der ersten Symptome eintritt.

Krankheitsverlauf

Nach Kontakt mit einem tollwütigen Tier dringt virushaltiger Speichel in die Wunde ein und wandert über die Nervenbahnen ins Gehirn. Dort vermehrt sich das Virus massiv und verteilt sich dann über die Nervenbahnen von Neuem im Körper. Im Speichel eines infizierten Tieres ist es oft bereits fünf bis zehn Tage vor Ausbruch der Erkrankung nachweisbar. Man unterscheidet eine aggressive und eine stumme Verlaufsform.

Symptome

Die Symptome sind oft untypisch und treten selten alle zusammen auf. Sobald eines der Symptome auftritt und der Verdacht auf Tollwut besteht, ist es unerlässlich, sofort einen Tierarzt aufzusuchen.

Grundsätzlich unterteilt man den Verlauf der aggressiven Form der Tollwut in drei Stufen:

Das Prodromalstadium – die 1. Stufe

Die erste Stufe dauert etwa 1 bis 2 Tage und ist durch Verhaltensänderungen gekennzeichnet. Die Katze wird vielleicht unruhig, miaut grundlos oder ist übertrieben schreckhaft oder plötzlich zutraulich. Oft benagt oder beknabbert sie die Bisswunde. Ungleichmäßig geweitete Pupillen, Speicheln und Würgen, evtl. erschwerter Harnabsatz oder gesteigerter Geschlechtstrieb können vorkommen. Die Körpertemperatur ist erhöht.

Das Exzitationsstadium – die 2. Stufe


In der 2. Stufe sind Muskelzuckungen, Koordinationsstörungen der Hinterbeine, vermehrter Speichelfluss, Schluckbeschwerden, Aggressivität (Fauchen, gekrümmter Rücken) möglich. Oft sind die Katzen zerzaust, mit Speichel beschmiert, das Fell ist schmutzig. Blutiges Erbrechen und gehäuftes, oft heiseres Miauen können ebenfalls vorkommen. Das Exzitationsstadium dauert 2 bis 4 Tage an.

Das Lähmungsstadium – die 3. Stufe

Im letzten Stadium verlieren die Tiere ihre Aggressivität wieder, werden zunehmend kraftloser und verweigern Futter und Wasser. Nach einem bis zu einem Tag andauernden Todeskampf verendet die Katze. Eine Kieferlähmung wie beim Hund ist bei der Katze nicht bekannt.

Es werden nicht immer alle 3 Stufen durchlaufen, auch sind die einzelnen Stufen nicht immer klar voneinander abgrenzbar. Bei der stummen Verlaufsform entfällt das Exzitationsstadium.

Therapie

Eine Therapie ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, die Tiere können nur von ihrem Leiden erlöst werden.

Impfung

Die wirksamste Vorbeugung gegen eine Tollwut bei der Katze stellt die Impfung dar. Hierbei sollte man beachten, dass bereits seit 2006 Impfstoffe mit Mehrjahreszulassung auch in Deutschland erhältlich sind. So besitzen die deutschen Tollwutimpfstoffe von Essex (Rabdonum) und Pfizer (Enduracell) eine Zulassung von vier Jahren, Merial und Intervet eine von drei Jahren, während Virbac immerhin für die Dauer von zwei Jahren zugelassen ist. Es ist daher in keinem Fall notwendig, jährlich Katzen gegen Tollwut zu impfen.

Darüber hinaus enthalten Tollwutimpfstoffe Adjuvantien, die u. a. im Verdacht stehen, Impfsarkome auszulösen. Daher sollte die Tollwutimpfung nach Möglichkeit ins Bein gegeben werden, da man das zur Not entfernen kann, sollte es zu einem Sarkom kommen. Zwingend notwendig ist eine Tollwutimpfung meist bei Mitnahme von Katzen ins Ausland. Bei Freigängern kann die Impfung auch in fuchstollwutfreien Gebieten oder in Gebieten mit bekannter Fledermaustollwut sinnvoll sein, da sich Wildtiere nicht an Landesgrenzen halten.

Seit 2011 ist in Deutschland auch ein adjuvansfreier Tollwutimpfstoff von Merial erhältlich. Purevax Rabies schützt für mindestens drei Jahre1 und ist auch so beim Paul-Ehrlich-Institut gelistet. Empfohlen wird eine Erstimpfung im Alter von 12 Wochen, gefolgt von einer Wiederholungsimpfung ein Jahr nach der Grundimmunisierung. Danach sind laut Beipackzettel Impfungen alle drei Jahre ausreichend. Lasst euch hier nicht vom Tierarzt verunsichern und die nächste Tollwutimpfung auch in den EU-Heimtierpass eintragen.

Der Vollständigkeit halber ist auch zu erwähnen, dass bei nachweislich geimpften Tieren keine Tötungspflicht besteht, wenn sie Kontakt mit infizierten Tieren hatten.

Weiterführende Informationen

  • Verbreitungsgebiet der Fledermaustollwut in Deutschland
  • Saanti: Wenn der Kater vor Wut schäumt – Fledermaustollwut bei Katzen – the3cats
  • (zuletzt aktualisiert: 19.06.2017)

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    Referenzen:
    1. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23059358 []
    1. Sehr interessanter Artikel, wobei ich hoffe, dass unseren Katzen das erspart bleibt…
      Bei den Symptomen möchte ich vielleicht noch einen Tipp hin zufügen den mir ein Arzt nach der Behandlung eines Katzenbisses (die ganze Story gibts hier: http://www.citypets.de/hauskatzen-ratgeber/katzen-haltung/476-katzenratgeber-verhalten-bei-katzenbiss.html) gab: Katzen, die sich mit Tollwut infiziert haben, bekommen Angst vor Wasser, scheuen also Wasser noch extremer als es schon ihrer normalen Art entspricht. Wir konnten das ausschliessen, da unser Kater als reiner Stubentiger keine Möglichkeit gehabt haben konnte, sich anzustecken.

    2. Hallo Thomas,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Ja, Aquaphobie (also Wasserscheu) kann bei Tollwut grundsätzlich auch auftreten, habe dazu in den Quellen im Zusammenhang mit Katzen allerdings kaum etwas gefunden. Werde mich aber noch einmal eingehend mit diesem Symptom beschäftigen und den Artikel ggf. entsprechend erweitern.

      lg

      Anika

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