Fertigfutter

Was macht das Guarkernmehl im Katzenfutter?

Sieht man sich die Zusammensetzung von Katzenfutter so an, dann findet man ja häufig Inhaltsstoffe, mit denen man im ersten Augenblick nichts anfangen kann und sich fragt, warum diese denn nun für die Katze von Bedeutung sein sollen. Einer davon ist Guar, Guaran oder auch Guarkernmehl, das man auch in eigentlich hochwertigem Katzenfutter findet.

Wo kommt Guarkernmehl her?

Guarkernmehl wird aus der Guarbohne (Cyamopsis tetragonolobus) gewonnen, einer Nutzpflanze aus der Familie der Hülsenfrüchtler, die etwa zwei Meter hoch wird und ca. 10 cm lange Hülsenfrüchte mit ovalen, etwa 5 mm großen Samen bildet. Der Ursprung der Guarbohne liegt vermutlich in Indien oder Zentralafrika. Heute wird sie hauptsächlich in Indien und Pakistan angebaut.

Das Guarkernmehl wird aus dem Samen der Bohne nach Entfernung von äußeren Schichten und des Keimlings durch Zermahlen gewonnen.

Wofür wird Guarkernmehl verwendet?

Guarkernmehl wird in vielerlei Bereichen verwendet, unter anderem in der Pharma-, Kosmetik- und Papierindustrie, als Tabakzusatzstoff, zur Mehlbehandlung, als Füllstoff und als Gelier- und Verdickungsmittel.

In der Lebensmittelindustrie findet man Guarkernmehl beispielsweise in Speiseeis, Backwaren, Suppen, Soßen, Konfitüren und Marmeladen, Gelees, Obst- und Gemüsekonserven, Desserts und Milchmixgetränken, vielen Proteinshakes und Diätpulvern. Und natürlich kommt es auch in Katzennahrung zur Anwendung. Hier wird es vorwiegend als Stabilisator und Dickungsmittel eingesetzt. Häufig findet man es auch unter der Bezeichnung E412.

Neben Guaran finden sich im Guarkernmehl 10 bis 15 % Wasser, 5 % Protein, 2,5 % Rohfaser und unter 1 % Asche.

Wie wirkt Guarkernmehl?

Guaran ist ein pflanzlicher Schleimstoff und quillt im Magen auf. Dadurch kann das Hungergefühl verringert werden. Daher auch der häufige Einsatz in Diätmitteln für Menschen.

Guar ist unverdaulich, geschmacksneutral und kann sowohl in kaltem als auch warmen Wasser aufgelöst werden. Es soll, zumindest beim Menschen, den Blutzuckerspiegel regulieren und für verbesserte Sättigung sorgen.

Einfluss auf die Verdauung

In großen Mengen kann Guarkernmehl die Darmflora verändern und Bauchkrämpfe und Blähungen auslösen. Von der amerikanischen FDA wurde es wegen zahlreicher Berichte in Bezug auf die Schädigung von Speiseröhre, Magen und Darm beim Menschen als riskantes Schlankheitsmittel eingestuft.

Durch Guarkernmehl, ebenso wie durch andere lösliche, nicht visköse und nicht fermentiere Fasern (z. B. Pektine, Inulin, Oligofructose) kann es grundsätzlich zu einer unerwünschten Verschlechterung der Kotqualität, häufigerem Kotabsatz und zu einer geringen Steigerung der Kotmenge kommen. Guarkernmehl wird aber auch häufig als Präbiotika eingesetzt, um die Darmflora zu verbessern und etwaigen Verdauungsbeschwerden vorzubeugen oder diese zu behandeln (z. B. in diversen Diätfuttermitteln).

Lösliche und gut fermentierbare Fasern, zu denen das Guarkernmehl gehört, werden in verschiedenen Bereichen des Magen-Darm-Traktes zu Kohlenstoffdioxid, Wasserstoff, Methan und in kurzkettige Fettsäuren abgebaut. Das Mehl kann sehr viel Wasser binden1.

Guarkernmehl und Allergien

Die Samen der Guarbohne sind grundsätzlich giftig und enthalten unter anderem Saponine, Fluoressigsäure und allergene Eiweiße, die durch die Erhitzung und das Extrahieren oft nicht gänzlich deaktiviert werden können. Aus diesem Grund kann Guarkernmehl allergische Reaktionen begünstigen oder sogar fördern. Bei Katzen, die auf Soja allergisch reagieren, kann es zu Kreuzallergien kommen.

Weitere Risiken

In der in der Lebensmittelindustrie verwendeten Menge gilt Guarkernmehl als unbedenklich, allerdings führt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit bei E412 im Bereich Futtermitteln keine Höchstgrenze2 auf. Auch im englischsprachigen Raum konnte ich dazu bisher nichts finden, es liegt also der Verdacht nahe, dass man sich, einmal wieder, mehr oder weniger blind auf die jeweiligen Hersteller verlassen muss.

Bei Guarkernmehl aus Indien besteht nach §34d Futtermittelverordnung3 ein grundsätzliches Einfuhrverbot, da das Risiko einer Verunreinigung mit Pentachlorphenol und Dioxin4 besteht. Auch Guarkernmehl aus anderen Quellen kann mit Dioxinen belastet sein.

Fazit: Guarkernmehl gilt in geringer Konzentration grundsätzlich als unbedenklich, kann jedoch schädliche Auswirkungen auf den Organismus der Katze haben. Auch gibt es keine eindeutigen Grenzwerte für Futtermittel. Eine Zugabe als Präbiotika zur Aufrechterhaltung einer gesunden Darmflora sollte bei hochwertigen Futtermitteln eigentlich nicht nötig sein. Entsprechend halte ich persönlich die Zugabe von Guarkernmehl für bedenklich, vor allem da es durchaus auch Alternativen gibt, die mit weniger Risiken verbunden sind.

(Die hier genannten Informationen umfassen meinen derzeitigen Kenntnisstand zu o. g. Thema. Sie stellen keine Beratungsleistung dar.)

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Referenzen:
  1. Einfluss von Rohfaser auf die Haarausscheidung mit dem Kot bei der Katze und auf die Kotmenge beim Hund []
  2. Emulgatoren, Stabilisatoren, Verdickungs- und Geliermittel []
  3. Einfuhrverbot für Guarkernmehl und Erzeugnisse daraus []
  4. Umweltbundesamt, Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften 1, Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften 2 []
  1. Danke für diesen wie immer informativen Beitrag!

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