Notfälle bei Katzen: So verhaltet ihr euch richtig

Dass es der eigenen Katze außerhalb der regulären Sprechzeiten akut schlecht geht, ist wohl eine Angst, die jedes Katzenpersonal begleitet und oft ist es in der emotionalen Ausnahmesituation, die ein Notfall nun einmal ist, schwer, einen kühlen Kopf zu bewahren und zielgerichtet zu agieren. Daher habe ich hier für euch einige Informationen zusammengestellt, die euch im Fall des Falles hoffentlich helfen werden. 

Wir beschäftigen uns in diesem Artikel damit, wie man den Besuch im Notdienst nach Möglichkeit von Vornherein vermeidet, wie ihr euch auf einen möglichen Notfall bestmöglich vorbereiten könnt, was ein Notfall eigentlich ist und wie ihr euch – sollte wirklich ein Besuch im Notdienst unausweichlich sein – korrekt verhaltet. 

© mirkosajkov / pixabay.com

Vorsorge ist besser als Nachsorge 

Es kann immer vorkommen, dass akut ein Notfall eintritt, aber grundsätzlich ist es immer besser, wenn man Krankheiten oder andere gesundheitliche Probleme erkennt, BEVOR es akut zu schwerwiegenden Problemen kommt, die einen Besuch im Notdienst erforderlich machen. 

Hier heißt es aufmerksam zu bleiben und die eigenen Tiere gut zu beobachten, denn leider merkt man Katzen Schmerzen oder Krankheiten oft erst spät an. 

Was kann ich konkret tun?

Ihr könnt bereits im Vorfeld einiges tun, um gesundheitliche Probleme rechtzeitig zu erkennen bzw. behandeln zu lassen. 

Regelmäßiger Check-up zu Hause

Ihr kennt eure Katzen am besten. Leider ist es aber so, dass einem – dadurch, dass man die Tiere ständig um sich hat – schleichende Veränderungen mitunter entgehen. Es macht daher Sinn, sich die eigenen Katzen regelmäßig genau anzusehen. 

Was kann ein solcher Check-up beinhalten?

  • Gewicht kontrollieren: Wiegt eure Katzen 1x im Monat an einem festen Tag (und am besten auch zu einer festen Zeit, z. B. vor dem Frühstück) und notiert euch das Gewicht. Dafür könnt ihr euch eine Tier- oder Babywaage zulegen. Um festzustellen, ob die Katze zu- oder abnimmt bzw. ihr Gewicht hält, reicht aber im Endeffekt auch eine normale Personenwaage aus.
  • Abtasten: Gewöhnt eure Katzen am besten frühzeitig daran, dass sie sich überall von euch berühren lassen, auch am Bauch und an den Pfoten. Zudem ist es eine gute Idee, mit der Katze zu trainieren, sich in die Ohren und ins Mäulchen schauen zu lassen.Umsetzen lässt sich so etwas hervorragend mit “Medical Training”. Wir üben das hier ganz entspannt von Klein auf nebenbei beim Schmusen, völlig stressfrei für die Katze. Wenn ihr das regelmäßig macht, fallen euch Veränderungen mit höherer Sicherheit auf und ihr könnt die Katze bei Bedarf eurem Tierarzt vorstellen.
  • Atemzüge zählen: Was man auch hervorragend nebenbei machen kann, ist es, zu prüfen, ob die Katze schneller oder langsamer als sonst atmet. Das ist z. B. bei Herzpatienten wichtig. Hierzu zählt ihr, wenn die Katze ruhig schläft, einfach 30 Sekunden lang die Atemzüge (1x Einatmen und 1x Ausatmen = 1 Atemzug) und nehmt das Ergebnis dann mal 2. Normalerweise sollte die Atemfrequenz zwischen 20 und 40 Atemzügen pro Minute liegen. Aber auch, wenn sie zwar im Bereich liegt, aber dennoch mehrmals höher ist als normal bzw. sich immer auch in Ruhe im oberen Bereich bewegt, macht eine Abklärung durch den Tierarzt Sinn.
  • Harn- und Kotabsatz im Auge behalten: Achtet darauf, ob eure Katze regelmäßig Harn und Kot absetzt. Hier sind auch die Konsistenz/Menge und eventuelle Beimengungen (z. B. Schleim oder Blut) oder ein ungewöhnlicher Geruch/ungewöhnliche Farbe von Interesse. Auch wenn eure Katze auffallend häufig Harn absetzt und/oder auffallend viel trinkt, macht eine Abklärung definitiv Sinn.
  • Tagebuch schreiben: In unserer hektischen Zeit und gerade, wenn man mehr als eine Katze hat, ist es schwierig, sich alles zu merken. Es ist daher eine gute Idee, ein Tagebuch anzulegen, in dem man besondere Vorkommnisse (z. B. Durchfall oder Erbrechen) notiert. So behält man den Überblick, wie häufig manches wirklich aufgetreten ist. Umso detaillierter man aufschreibt, umso leichter lässt sich ggf. ein Muster erkennen. Im Tagebuch könnt ihr auch das Gewicht und die Atemfrequenz vermerken. Ich nutze hierfür eine Google-Tabelle auf die ich bei Bedarf auch vom Smartphone aus zugreifen kann. 

[lightgrey_box] Buchtipp: Notfälle bei Katzen: Erkennen – Helfen – Leben retten

Autor: Dr. med. vet. Michael Streicher

  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3944431006
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3944431000

Link zum Buch*

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Regelmäßiger Check-up beim Tierarzt

Unabhängig davon, ob euch zu Hause etwas auffällt, sollte die Katze unbedingt mindestens einmal im Jahr (speziell bei älteren oder chronisch kranken Tieren gerne auch häufiger) dem Tierarzt vorgestellt werden und dort gründlich untersucht werden. Ein Blutbild kann dazu beitragen, Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen. 

Zudem sollten alle Katzen (wenn gesundheitlich möglich) grundimmunisiert sein. Gegen was man alles impfen lässt und wie oft man die Impfungen dann auffrischt, ist eine mehr oder weniger individuelle Entscheidung. Besprecht das am besten mit eurem Tierarzt. 

Gefahrenquellen erkennen und beseitigen

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Notfälle durch Kippfenster, Stürze aus dem Fenster, Giftpflanzen etc. lassen sich von Vornherein vermeiden, indem man diese Gefahrenquellen entsprechend erkennt und ordentlich sichert oder aus dem eigenen Heim entfernt. 

[red_box]Grundsätzlich gilt: 

  • Wartet nicht ab, wenn etwas anliegt, sondern lasst es lieber gleich abklären, um zu vermeiden, dass es im Notdienst akut wird. Wenn man lange genug wartet, kann ALLES zum Notfall werden. Das muss nicht sein! 
  • Vertraut auf euer Bauchgefühl. Wenn ihr das Gefühl habt, mit eurer Katze stimmt etwas nicht, dann ist das meist auch so, auch wenn ihr vielleicht konkret gar nicht sagen könnt, was euch stört. Auch dann macht eine Abklärung durch den Tierarzt in der Regel Sinn. 

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Vorbereitung ist alles

Trotz aller Vorsorge und Mühe kann es vorkommen, dass ein Notfall eintritt. Dann ist es von Vorteil, gut vorbereitet zu sein, um der Katze bis sie dem Tierarzt vorgestellt werden kann, möglichst gut helfen zu können. Im Zweifelsfall rettet ihr ihr durch gute Vorbereitung das Leben. 

Ein Notfall bleibt immer eine Ausnahmesituation, aber ihr könnt viel gezielter und ruhiger agieren, wenn ihr euch gut vorbereitet habt. 

Es gibt hier einige Dinge, die man konkret tun kann. 

Erste-Hilfe-Kurs besuchen

Wie beim Menschen gilt auch beim Tier, dass Erste Hilfe nach Unfällen aber auch generell Leben retten kann und einem ein Erste-Hilfe-Kurs umsichtiges Arbeiten in der emotional belastenden Situation erleichtert. Solche Kurse werden zum Beispiel von manchen Tierarztpraxen angeboten und vermitteln in Theorie und Praxis wie man etwa die Atmung kontrolliert, Eigensicherung betreibt, bei Vergiftungen, Verbrennungen, Hitzschlag, Unterkühlung oder Insektenstichen richtig reagiert und wie man korrekte Verbände anlegt. Auch Wiederbelebungsmaßnahmen werden meist besprochen. 

Leider gibt es derzeit mehr Erste-Hilfe-Kurse für Hunde als für Katzen. Aber im Zweifelsfall hilft auch ein solcher mehr, als gar keinen gemacht zu haben. 

[red_box]Achtung: Im Internet oder auch vor Ort wird auch viel Odel angeboten! 

Bitte fallt nicht auf (teure) Kurse herein, in denen euch z. B. suggeriert wird, ihr wärt mit homöopathischen Notfallarzneien gut vorbereitet und bräuchtet nichts weiter, wenn bei eurem Tier am Sonn- oder Feiertag oder mitten in der Nacht ein Notfall eintritt. 

Das ist ein Trugschluss. Macht einen sinnvollen Erste-Hilfe-Kurs, in dem ihr theoretisch und praktisch lernt, wie ihr im Notfall agieren könnt und fahrt dann schnellstmöglich zum Tierarzt ohne euch mit Globuli, Hausmitteln oder Googeln im Internet aufzuhalten. 

Und ganz wichtig: Unter gar keinen Umständen gehören Medikamente aus der menschlichen Hausapotheke (insbesondere Schmerzmittel wie z. B. Ibuprofen oder Paracetamol) in die Katze! [/red_box]

Bei Petinare findet ihr einen sinnvollen Onlinekurs zum Thema Feline Notfälle und Erste Hilfe im Notfall.

Ebenfalls empfehlenswert ist der Onlinekurs „Wiederbelebung bei Hund und Katze“  von fellomed.de.

Eine Hilfestellung können außerdem diese Erste-Hilfe-Karten bieten.

Hausapotheke und Erste-Hilfe-Set

Damit man im Notfall auch gezielt helfen kann, braucht es natürlich auch das richtige Zubehör. Was in so einem Erste-Hilfe-Koffer enthalten sein kann, habe ich hier schon einmal für euch zusammengefasst. Manche Tierärzte stellen auch Erste-Hilfe-Sets für ihre Kunden zusammen, die man käuflich erwerben kann. 

Speziell bei kranken Katzen wie zum Beispiel Epileptikern ist es auch wichtig, darauf zu achten, dass man a) Notfallmedikamente zu Hause hat und b) im Notfall weiß, wie man diese anwendet. 

Wie beim Verbandskasten und der Hausapotheke für den Menschen gilt hier auch, dass alles regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf ausgetauscht werden sollte. 

Alles Notwendige für den Fall des Falles parat haben

Tritt ein Notfall ein, dann kann es auf jede Minute ankommen. Achtet daher am besten darauf, dass ihr für den Fall des Falles alles Notwendige bei der Hand habt. 

Das umfasst u. a.: 

  • Kontaktdaten: Sucht euch die Nummern eures Haustierarztes und der nächsten Tierklinik(en) heraus, platziert sie gut sichtbar und/oder speichert sie auf eurem Smartphone ein. Wenn euer Tierarzt keinen (durchgehenden) Notdienst anbietet und/oder sich mit anderen Kollegen abwechselt, ist es kein Schaden, jeweils die Nummer der notdiensthabenden Praxis herauszusuchen und zu wissen, wohin man im Fall des Falles fahren muss.
  • Transport und Weg: Tritt ein Notfall ein, ist man aufgeregt und hat meist keinen Nerv (und keine Zeit) noch lange nach dem Weg zu suchen oder erst einen Fahrer oder eine Betreuung für die Kinder organisieren zu müssen. Klärt das daher am besten im Vorfeld ab.Ideal ist es, wenn möglich, den Weg zur Tierklinik einmal in Ruhe zu fahren und einfach einmal zu schauen, wie man dort am besten hinkommt, wo man parken kann und wo sich der Eingang befindet, um in der Ausnahmesituation, die ein Notfall nun einmal ist, nicht noch lange suchen zu müssen.Es ist auch kein Schaden, immer noch einen Plan B in petto zu haben, sollten gerade keine (weiteren) Patienten aufgenommen werden können. Gerade bei chronisch kranken Katzen macht es je nach Situation ggf. auch Sinn, vorab mit dem Haustierarzt abzuklären, wann es besser ist, direkt in die Klinik zu fahren, um keine Zeit zu verlieren.
  • Befunde und Co.: Gerade bei Katzen mit Vorerkrankungen ist es zu empfehlen, wichtige Befunde, eine aktuelle Medikamentenliste, eine Auflistung etwaiger Medikamentenunverträglichkeiten usw. in einer Mappe parat zu haben, wenn man im Notdienst eine andere Tierarztpraxis /Tierklinik aufsuchen muss, in der die eigene Katze noch nicht bekannt ist. So ist sichergestellt, dass man in der Aufregung nichts vergisst, was wichtig ist. 

Für finanzielle Absicherung sorgen 

Im Notdienst fällt zum einen immer die Notdienstgebühr (59,90 €) an und zum anderen muss für die tierärztliche Leistung (Untersuchung, Behandlung usw.) mindestens der 2-fache Satz der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) abgerechnet werden. Es kann aber auch der bis zu 4-fache Satz angesetzt werden. Das heißt, eine Behandlung im Notdienst ist immer teurer als zu den regulären Sprechzeiten.

Der Betrag muss in der Regel sofort bezahlt werden, speziell wenn man euch noch nicht kennt, und auch Ratenzahlung ist nicht immer möglich. Viele Tierärzte bieten – gerade für Fremde – keine mehr an, nachdem sie in der Vergangenheit leider viel zu oft auf den Kosten sitzengeblieben sind. 

Je nachdem, worum es sich handelt, kann ein solcher Notdiensteinsatz preislich durchaus auch im vierstelligen Bereich liegen. Das heißt, im Fall des Falles muss ein entsprechendes finanzielles Polster vorhanden sein, damit eurem Tier adäquat geholfen werden kann. Dass dieses vorhanden ist, liegt NICHT in der Verantwortung des Tierarztes (und nein, der ist auch nicht schuld oder muss euer Tier aus Tierliebe kostenlos behandeln), sondern in EURER Verantwortung. 

Sorgt daher bitte unbedingt dafür, dass ein ausreichendes finanzielles Polster vorhanden ist und/oder schließt für eure Tiere mindestens eine OP- besser noch eine Vollversicherung ab. Ist für euer Tier nicht schön, ist für euch nicht schön und ist für den Tierarzt nicht schön, wenn man eurer Katze eigentlich helfen könnte, es dann aber an den finanziellen Mitteln scheitert. Hier findet ihr einen umfassenden Überblick zum Thema Krankenversicherungen für Katzen

Achtung: Auch bei versicherten Tieren muss man – abhängig von der Versicherung und den Erfahrungen des jeweiligen Tierarztes mit derselben – häufig erst einmal in Vorleistung gehen, bevor man den Leistungsfall bei der Versicherung einreichen kann. 

Handelt es sich wirklich um einen Notfall?

[pullquote]Die Kapazitäten im Notdienst sind für Notfälle da.[/pullquote]

Der NOTDIENST ist für NOTFÄLLE da, die nicht bis zu den regulären Sprechzeiten warten können, da andernfalls erhebliche gesundheitliche Schäden, erhebliches Leid oder der Tod zu befürchten sind. 

Dazu zählen z. B.: 

  • Lähmungen / plötzliche Lahmheit mit deutlichen anhaltenden Schmerzen 
  • Hitzschlag
  • Augenverletzungen
  • anhaltendes Miauen oder andere Zeichen, dass die Katze akut (starke) Schmerzen hat
  • Atemnot oder erhöhte Atemfrequenz (besonders bei Herzpatienten)
  • deutlich veränderte Schleimhäute 
  • auffallende Schwäche/Lethargie
  • Kreislaufkollaps
  • Krampfanfälle
  • starke, unstillbare Blutungen
  • (schwere) Verletzungen, offene Frakturen etc.  (z. B. durch Autounfall, Fenstersturz, Kippfenster etc.)
  • kein Harnabsatz
  • Nahrungsverweigerung (länger als 24 Stunden)
  • (große) Bissverletzungen / blutende Verletzungen (> 3 cm und bluten nach 10 min immer noch)
  • Verschlucken von Fremdkörpern oder (gefährlichen) Substanzen / Vergiftungen
  • starker (blutiger) Durchfall / schwallartiges, mehrmaliges Erbrechen mit zunehmender Schwäche (v. a. Jungtiere)
  • hohes Fieber (> 40°C)
  • Geburtsstörungen 
  • Myiasis (Fliegenmadenbefall)

Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. 

Was sind keine Notfälle und gehört nicht in den Notdienst?

Dazu zählen zum Beispiel: 

  • gesundheitliche Probleme, die bereits seit Tagen bestehen und mit denen es dem Tier nicht auffallend schlecht geht, z. B. Erbrechen, Durchfall, Niesen,… 
  • Krallenverletzungen/abgerissene Krallen 
  • kleine Verletzungen, bei denen die Blutung nach 10 Minuten steht (z. B. kleine aufgekratzte Wunden)
  • leichte Lahmheiten z. B. Humpeln, wenn sich das Tier versprungen hat, das nach einigen Stunden (etwa 2-3) besser wird.
  • Befall mit Flöhen, Zecken, Würmern… (Ausnahme: Fliegenmadenbefall IST ein Notfall!)
  • Rolligkeit
  • die Jahresimpfung, Vorsorgeuntersuchungen etc. 

Und nein, die Jahresimpfung ist auch dann kein Notfall, bei dem man Samstagabend um 22 Uhr im Notdienst vorstellig werden muss, wenn man am nächsten Tag in den Urlaub fahren möchte oder da eben gerade Zeit hat. (Und falls du jetzt gerade ungläubig den Kopf schüttelst: Ja, solche „Spezialisten” gibt es und das gar nicht mal so selten.) 

Nochmal: Die Kapazitäten im Notdienst sind für NOTFÄLLE da. Bitte zeigt so viel Respekt dem diensthabenden Personal und auch den Patientenbesitzern mit wirklichen Notfällen gegenüber, dass ihr das Angebot nur dann in Anspruch nehmt, wenn ihr es auch wirklich akut braucht. 

“Aber ich bin mir nicht sicher, ob es ein Notfall ist oder bis zur Sprechstunde warten kann.”

Solche Fälle gibt es. Ruft in solchen Fällen im Zweifelsfall an und fragt nach, ob ihr vorbeikommen sollt. Alles aus der vorgenannten Liste ist aber definitiv (z. B. Jahresimpfung, Floh- und Wurmbefall, Rolligkeit …) oder zumindest mit großer Wahrscheinlichkeit kein Notfall. 

Es ist ein Notfall! Und nun?

In Notfällen gilt es nach Möglichkeit so wenig Zeit wie möglich zu verlieren. Im Idealfall habt ihr euch gut vorbereitet und könnt Erste-Hilfe-Maßnahmen und die notwendigen Schritte zügig einleiten. 

Meist ist es so, dass Notfälle telefonisch angekündigt werden sollen. Ist dem der Fall, erfahrt ihr dann das weitere Vorgehen. Teilweise ist es auch so, dass telefonisch niemand erreichbar ist. Dann gibt es im Normalfall eine Bandansage, die über das weitere Vorgehen aufklärt. Häufig lässt sich im Vorfeld auch über die Internetauftritte der einzelnen Praxen/Kliniken etwas zum Ablauf im Notdienst herausfinden. Richtet euch bitte nach diesen Vorgaben. Das erleichtert den reibungslosen Ablauf und im Endeffekt auch die schnellstmögliche Behandlung eures Tieres.

Wichtig: Bei Vergiftungen kann es hilfreich sein, Teile der aufgenommenen Substanz/Pflanze und/oder ggf. Erbrochenes mitzubringen, um gezielt(er) agieren zu können. 

Last but not least: Bitte benehmt euch anständig!

Ein Notfall ist immer eine emotionale Ausnahmesituation, in der verständlicherweise die Nerven blank liegen. 

ABER: Es kann nicht sein, dass das diensthabende Personal im Notdienst beschimpft und bedroht oder sogar tätlich angegangen wird! (außerhalb des Notdienstes auch nicht versteht sich) 

Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass Notdienst angeboten wird. Das Angebot wird eher kleiner als größer und die Wege und Wartezeiten dadurch zwangsläufig immer länger. Auch in den Kliniken sind die Kapazitäten irgendwo begrenzt und mehr und mehr Kliniken geben ihren Klinikstatus auf, weil sie keine durchgängige Erreichbarkeit über 24 Stunden mehr ermöglichen können oder wollen. 

Also benehmt euch! Ihr habt es mit Menschen zu tun, die sich am Wochenende, nachts oder an Feiertagen (also in Zeiten, in denen ihr vermutlich Freizeit habt) für euch hinstellen und sich bemühen, eurem Tier in einer akuten Notlage zu helfen. 

Seid dankbar und zeigt Verständnis dafür, dass die Stabilisierung von Patienten eben dauern kann und dass ggf. nach Dringlichkeit gearbeitet werden muss. Liegt bei eurem Tier ein lebensbedrohlicher Notfall vor, möchtet ihr ja auch, dass diesem schnellst- und bestmöglich geholfen wird. 

Der Notdienst ist NICHT der richtige Ort, um über Geld zu streiten, die Coronabestimmungen auszudiskutieren oder über Wartezeiten zu meckern (kann man sich auch sonst beim Tierarzt alles sparen übrigens). 

Ihr geht dorthin, weil ihr möchtet, dass eurem Tier geholfen wird. Also schätzt es bitte auch wert, dass sich im Fall des Falles jemand für euch hinstellt und das für euch tut. 

Helft, wenn ihr dazu aufgefordert werdet, aber lasst die Leute ansonsten in Ruhe ihre Arbeit machen. 

Danke! 

Zum Weiterlesen: Ist der Tierärztliche Notdienst zunehmend vor dem Aus? – Der Beginn der Triage in der Tiermedizin! – Tierarztpraxis Dr. Sommer

(zuletzt aktualisiert: 18.11.2023)

Katze sucht Kater – wenn die Katze rollig wird

Ist die Katze rollig, ist sie paarungsbereit und kann von einem Kater erfolgreich gedeckt werden. Doch die Rolligkeit ist für die Katze auch mit Risiken und Gefahren verbunden. Das gilt auch für die liebestollen Kater, die dem Ruf der willigen Kätzin folgen. Oft werden sie dabei  in Katerkämpfen verletzt oder stecken sich mit lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten an. Leider werden auch jedes Jahr viele von ihnen im Liebesrausch Opfer des Straßenverkehrs.

Darum ist es wichtig, dass du deine Katze oder deinen Kater rechtzeitig beim Tierarzt zur Kastration vorstellst. In diesem Artikel erfährst du, woran du erkennst, ob deine Katze rollig ist, wie lange das dauert, wann und wie oft Katzen rollig werden und was du tun solltest, wenn die Rolligkeit bei deiner Katze eingetreten ist.

Katze rollig

Wann wird eine Katze rollig?

Katzen sind saisonal polyöstrisch, was bedeutet, dass eine Katze unter natürlichen Bedingungen nur innerhalb eines bestimmten Zeitraums rollig wird. Dieser Zeitraum beginnt, wenn die Tage länger werden und die Tageslichtlänge zwischen 12 bis 14 Stunden erreicht hat.

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DAS HEISST ES IST SPÄTESTENS JETZT AN DER ZEIT, DEINE KATZE KASTRIEREN ZU LASSEN, FALLS NOCH NICHT GESCHEHEN!
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Werden die Tage kürzer, was in unseren Breitengraden in den Herbst- und Wintermonaten der Fall ist, setzt die Rolligkeit der Katze aus. Gesteuert wird das Ganze über die Zirbeldrüse, die das Schlafhormon Melatonin bildet. So viel zu den natürlichen Gegebenheiten. Durch Kunstlicht kommt es jedoch gerade bei Wohnungskatzen häufig vor, dass diese Winterpause zwischen den Zyklen ausfällt und die Katze das ganze Jahr über rollig wird.

In welchem Alter wird eine weibliche Katze das erste Mal rollig?

Im Schnitt tritt die erste Rolligkeit bei Katzen mit etwa sechs Monaten ein. Damit wird die Katze schon rollig, weit bevor sie körperlich ausgewachsen ist. Allerdings können Katzen auch noch weitaus früher geschlechtsreif werden. Ich kenne mehrere Fälle, in denen Katzen im Alter von gerade einmal sechs Monaten bereits ihren ersten Wurf bewältigen mussten und von denen leider kein einziger komplikationslos ablief. Die Trächtigkeit der Katze dauert etwa zwischen 60 und 65 Tagen. Du kannst dir jetzt ganz leicht ausrechnen, in welchem Alter diese Jungkatzen gedeckt wurden.

Wie läuft die Rolligkeit der Katze ab?

Der Sexualzyklus der Katze lässt sich in vier Phasen unterteilen: Proöstrus, Östrus, Diöstrus/Interöstrus und Anöstrus. Der erste Schritt ist der Proöstrus, die Vorbrunst, der durch einen Anstieg von 17ß-Östradiol (ein weibliches Sexualhormon) im Blut der Katze eingeleitet wird.

Bereits in der Vorbrunst zeigt die Katze erste Verhaltensänderungen. Sie wird anhänglicher, reibt ihr Köpfchen an Gegenständen und dem Menschen, tretelt mit den Hinterpfoten, miaut mehr als sonst und zeigt sich Katern gegenüber weniger aggressiv.

Nach etwa ein bis zwei Tagen folgt der Östrus und die Katze ist bereit zur Paarung. Zu dieser Zeit weiß dann in der Regel auch der Letzte, dass die Katze rollig ist. Rollige Katze rufen laut und beständig nach den Katern, rollige Katzen markieren, sie wälzen sich auf dem Boden und nehmen die typische Paarungsposition ein, indem sie den Oberkörper flach auf den Boden drücken und den Hinterleib anheben.

Gerade Wohnungskatzen werden in der Zeit häufig auch sehr erfinderisch und versuchen alles in ihrer Macht stehende, um aus der Wohnung zu entkommen. Eine sehr stressige Situation für die Katze selbst, für ihre Halter und für die Nachbarn, die du euch durch eine rechtzeitige Kastration auf jeden Fall ersparen solltest!
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Anmerkung: Das ist der typische Ablauf. Doch Katzen sind Individuen. Nicht alle verhalten sich so auffällig. Bei manchen läuft die Rolligkeit auch still(er) und teilweise sogar unbemerkt vom Menschen ab. [/lightgrey_box]

Wie lange sind Katzen rollig?

Wie lange Katzen auffallend rollig sind, ist individuell unterschiedlich. Mit rund fünf Tagen darf man aber schon rechnen, bis das Spektakel vorüber ist. Ist ein unkastrierter Kater vorhanden, findet in der Zeit in der Regel der Deckakt statt.

Damit der Eisprung erfolgen kann,  muss zunächst eine bestimmte Konzentration des luteinisierenden Hormons (LH) gebildet werden, dessen Ausschüttung durch den eindringenden Penis stimuliert wird. Der Eisprung findet etwa 24 bis 36 Stunden nach dem Deckakt statt.

Während dieser Zeit kann die Katze von verschiedenen Katern gedeckt werden und es kommt vor, dass Katzenwelpen in einem Wurf von unterschiedlichen Vätern stammen. Nach dem Eisprung bilden sich aus den Follikelzellen die Gelbkörperzellen und geben Progesteron ab. Die Rolligkeit ist vorüber.

Wie oft werden Katzen rollig?

Wurde ein Eisprung ausgelöst, ohne dass es zu einer Trächtigkeit kam, wird über 30 bis 40 Tage weiterhin Progesteron gebildet (Diöstrus). Danach beginnt die Rolligkeit erneut. Wurde die Katze nicht gedeckt und auch kein Eisprung ausgelöst, dauert die Pause (Interöstrus) zwischen den Rolligkeiten etwa 4 bis 22 Tage.

Selten schon nach der ersten Rolligkeit, häufiger nach aufeinanderfolgenden Rolligkeiten ohne Deckung, kann sich der Abstand zwischen den einzelnen Rolligkeiten immer weiter verringern, bis der Interöstrus schließlich komplett ausfällt. Man spricht dann von Dauerrolligkeit. Eine Dauerrolligkeit bedeutet nicht nur großen Stress für die Katze, sondern bietet auch gesundheitliche Risiken.

Eierstockzysten, Krebserkrankungen der Sexualorgane und Gebärmutterentzündungen sind dafür nur einige lebensgefährliche Beispiele. Oftmals magern die Katzen zudem stark ab, zeigen unerwünschtes Verhalten und die Harmonie unter den Katzen im Haushalt leidet.

Meine Katze ist rollig – was kann ich machen, damit das aufhört

Ist deine Katze rollig, kannst du das wohl oder übel aussitzen oder die Rolligkeit medikamentös durch den Tierarzt beenden lassen. Eine Kastration während der Rolligkeit führen die meisten Tierärzte nur sehr ungern durch. Denn die Organe sind während dieser Zeit stärker durchblutet (höheres Blutungsrisiko während der Operation). Sobald die Rolligkeit vorüber ist, solltest du deine Katze aber schnellstmöglich kastrieren lassen.

Keinesfalls solltest du deine Katze in dieser anstrengenden Situation einfach aus dem Haus lassen oder über eBay-Kleinanzeigen oder im Bekanntenkreis nach einem Deckkater suchen! Damit löst du zwar dein akutes Problem, schaffst dir aber weitaus größere neue. Glaub mir.

Deckung, Trächtigkeit und Geburt sind mit zahlreichen Risiken verbunden. Diese können im schlimmsten Fall den Tod deiner Katze (und/oder der Katzenwelpen) bedeuten. Deshalb bevor du auch nur im Entferntesten an einen Wurf denkst, erst sehr, sehr gründlich informieren und alle Eventualitäten abwägen. Unter anderem muss man sich einen verantwortungsvoll geplanten Wurf mit allem was dazugehört auch leisten können. (Dass es schon mehr als genug Katzen gibt, die ein Zuhause suchen und man daher nicht unbedingt neue in die Welt setzen lassen muss, kommt noch erschwerend hinzu).

Ist deine Katze rollig und das obwohl sie eigentlich kastriert ist, leidet sie vielleicht unter dem Ovarrest-Syndrom. Das solltest du zeitnah tierärztlich abklären lassen.

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Wichtige Hinweise zur Rolligkeit der Katze und zur Kastration

  1. Lass deine Jungkatze(n) so früh wie möglich kastrieren, besonders wenn sie Kontakt zu unkastrierten Katern hat (wenn z. B. ein Geschwisterpärchen bei dir lebt). Durch eine Kastration VOR EINTRITT DER GESCHLECHTSREIFE sind erwiesenermaßen KEINERLEI NACHTEILE zu erwarten, weder bei der Katze noch beim Kater!
  2. Lass dir nicht einreden, deine Katze oder dein Kater könnten erst mit 6 bis 9 Monaten geschlechtsreif werden und vorher würde sowieso nichts passieren. Es gibt genügend Beispiele, dass dem nicht so ist!
  3. Lass dir nicht einreden, deine Katze müsste einmal rollig gewesen sein oder sogar einmal Junge bekommen haben, bevor du sie kastrieren lassen kannst. Das sind Ammenmärchen!
  4. Verlass dich nicht darauf, dass du es schon rechtzeitig bemerken wirst, wenn deine Katze(n) soweit sind. Viele Kätzinnen rollen beim ersten Mal still. Und auch du beobachtest deine Katzen nicht 7 Tage die Woche/24 Stunden am Tag und siehst, wann dein Kater vielleicht das erste Mal seine Deckfähigkeiten erprobt!
  5. Auch wenn dir deine rollige Katze entwischt ist und/oder du nicht weißt, ob sie gedeckt wurde, kann sie in der Anfangszeit nach einer möglichen Deckung ohne Weiteres noch kastriert werden. Sprich mit deinem Tierarzt darüber.

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Buchrezension: Krankheiten der Katze

Katzenkrankheiten Katzenkrankheiten beschäftigen viele Dosenöffner, so auch uns. Die im Herbst 2014 erschienene Neuauflage von „Krankheiten der Katze“, herausgegeben von Hans Lutz, Barbara Kohn und Franck Forterre, früher oft nur als „der Horzinek“ bekannt, ist seit vielen Monaten unser stetiger Begleiter und aus der Haustiger-Redaktion ebenso wie aus Katzvard als topaktuelles Nachschlagewerk nicht mehr wegzudenken. Da wird es Zeit, euch diesen Tausendsassa für den interessierten Katzenhalter, der gerne mehr als allgemeines „Geplänkel über Katzenkrankheiten“ erfahren möchte und sich gerne anhand fundierter Quellen informiert, endlich einmal vorzustellen. (mehr …)

Narkose bei der Katze – welche Möglichkeiten gibt es?

Früher oder später sehen sich viele Katzenhalter damit konfrontiert, die eigene Katze in Narkose legen zu lassen, sei es aufgrund von Krankheiten oder in Hinblick auf „Routineoperationen“, wie etwa die Kastration. Natürlich sind hier die meisten Samtpfotenhalter recht aufgeregt und wünschen sich die risikoärmste Narkoseart für ihre Katze. Um diese zu bestimmen, ist es wichtig, die verschiedenen Narkosemöglichkeiten zu kennen. (mehr …)

Wie viel darf ein Tierarzt berechnen?

Ziemlich regelmäßig liest man in Foren Fragen, wie viel denn diese und jene Behandlung beim Tierarzt kostet und ist dann häufig erstaunt, dass doch große Unterschiede zwischen den einzelnen Tierärzten zu herrschen scheinen.

Jedoch ist es so, dass sich alle praktizierenden Tierärzte in Deutschland nach der GOT zu richten haben und bei wiederholter Unterschreitung der Mindestsätze empfindliche Strafen (genannt waren 250.000 €) zu erwarten sind.

(mehr …)

Zahnwechsel bei Katzen – vom Milchgebiss zu den bleibenden Zähnen

Nicht nur u. a. der Mensch, sondern auch die Katze hat ein Milchgebiss, das im Zuge des Erwachsenwerdens nach und nach durch bleibende Zähne ersetzt wird.

Die ersten Milchzähne brechen meist im Alter von zwei bis drei Wochen durch, mit acht Wochen ist das Milchgebiss, das aus 26 Zähnen besteht, im Regelfall vollständig.

Mit etwa vier bis sechs Monaten folgt der Zahnwechsel der Katze, währenddessen die Milchzähne von den nachstoßenden, bleibenden Zähnen verdrängt werden. Diese sorgen im Normalfall für eine Auflösung der Milchzahnwurzel und die Milchzähne fallen aus. Die Molare (hintere Backenzähne) fehlen beim Milchgebiss und erscheinen erst beim bleibenden Gebiss, das dann aus 30 Zähnen besteht. Der Zahnwechsel ist in der Regel spätestens in einem Alter von acht Monaten abgeschlossen. (mehr …)

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