Nachwuchs

Kitten – das perfekte Abgabealter

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten, 18 Sekunden

In den letzten Wochen sind wieder jede Menge „Maikätzchen“ geboren worden, sei es aus Unfallwürfen, sei es aus geplanter Vermehrung oder aus der Zucht und in den meisten Fällen wird es wohl so sein, dass die meisten dieser Kitten bei neuen Besitzern einziehen werden. Allerdings sollte dies erst geschehen, wenn die Kätzchen dafür bereit sind.

Wann werden Katzenkinder gewöhnlich abgegeben?

Sieht man sich die Kleinanzeigen im Internet oder auch in der Zeitung so an, dann findet man die unterschiedlichsten Altersangaben. Teilweise müssen die Kitten schon ausziehen, wenn sie gerade mal angefangen haben, feste Nahrung zu sich zu nehmen, teilweise liest man Altersangaben von 12 bis 16 Wochen. Verankert in vielen Köpfen sind noch 8 Wochen als perfektes Abgabealter von Katzenkindern. Nur wer hat jetzt Recht?

Wann ist das perfekte Abgabealter?

In den ersten 4 Lebenswochen, in denen die Kitten voll gesäugt werden, ist ein Verbleib bei der Mutter unabdingbar. Und auch in der Zeit bis etwa zur 8. Woche nehmen Katzenkinder zwar schon nach und nach vermehrt feste Nahrung auf, besuchen aber immer noch regelmäßig die Milchbar, bis die Entwöhnung in der Regel mit 8-9 Wochen abgeschlossen ist. Viele Kitten trinken jedoch auch noch länger beim Muttertier. Rein in Bezug auf die Nahrung ist ein Katzenkind also mit 8 bis 9 Wochen soweit entwickelt, dass es ohne Muttermilch problemlos zurechtkommt.

Allerdings ist die Mutter für ihre Katzenkinder nicht nur Futterbar, sondern auch und vor allem Lehrerin und Erzieherin. Die Geschwister sind Spiel- und Trainingspartner, mit denen Jagd- und Sozialverhalten geübt wird. Und das nicht nur bis zur 8. Lebenswoche. Die Katzenkinder lernen gerade wenn sie nach der Entwöhnung selbstständiger werden untereinander, gegenüber der Mutter oder auch gegenüber anderen Katzen im Haushalt und gegenüber dem Menschen, das kleine 1×1 des Sozialverhaltens, das für das spätere Zusammenleben mit Halter und Katzenkumpeln von großer Bedeutung ist. Auch die geistige und körperliche Entwicklung schreitet in diesen Wochen nach der Entwöhnung noch weiter voran, die Kitten werden unabhängiger, was den Übergang ins neue Zuhause mit neuen Menschen für das Katzenkind einfacher macht.

Dazu kommt, dass ein Katzenkind in der Regel schon grundimmunisiert sein sollte, bevor es ins neue Zuhause umzieht. Geimpft wird in der Regel zweimal, einmal in der 8. und einmal in der 12. Lebenswoche. Eine Impfung ist immer eine Belastung für den Katzenkörper, die nicht geringer wird, wenn noch der Stress mit Umzug und Umgewöhnung dazukommt.

Was kann geschehen, wenn man ein Katzenkind zu früh von der Mutter trennt?

Eine zu frühe Trennung von Mutter und Geschwistern kann gesundheitliche und verhaltenstechnische Folgen nach sich ziehen, wie z. B.:

Höhere Krankheitsanfälligkeit: Kitten, die schon sehr jung umziehen, werden oft im neuen Zuhause gleich krank oder sind auch allgemein häufig krankheitsanfälliger, was wiederum höhere Tierarztkosten zur Folge hat.

Futtermittelallergie: Katzen, die zu früh abgesetzt wurden, haben grundsätzlich ein höheres Risiko irgendwann im Leben eine Futtermittelallergie zu entwickeln.

Verhaltensstörungen: Kitten, die zu früh von der Mutter getrennt wurden, zeigen in vielen Fällen Verhaltensstörungen. Viele nuckeln zum Beispiel an sich, an ihren Menschen (gerne am Ohrläppchen) oder an anderen Katzen, manche entwickeln ein Pica-Syndrom, andere reagieren mit Unsauberkeit oder aggressivem Verhalten. Viele spielen aggressiv, weil sie im Spiel mit ihren Geschwistern nicht gelernt haben, wie fest sie zubeißen dürfen.

Dazu kommt häufig eine ganz enge Bindung an ihren Menschen, was sich im ersten Moment vielleicht sehr schön anhört, aber spätestens, wenn der Mensch einmal das Haus verlassen muss, rasch ins Gegenteil umschlägt, wenn die Katze aus Verlustangst panisch wird oder in Abwesenheit des Besitzers die Einrichtung zerlegt. Diese Probleme zu behandeln oder das unerwünschte Verhalten / die Verhaltensauffälligkeiten wieder abzustellen (wenn überhaupt möglich) ist in 4 Wochen eher nicht zu erreichen, die man hätte warten müssen, um dem Kätzchen einen perfekten Start ins Leben zu ermöglichen.

Bei vielen Wildkatzenarten dauert es übrigens bis etwa zur 16. Woche, bis der Nachwuchs eigene Wege geht. Bei der Falbkatze, der direkten Vorfahrin unserer Hauskatze, wird der Nachwuchs beispielsweise bis zum Alter von 12 Wochen gesäugt und geht erst mit 5-6 Monaten eigene Wege.

Mein Kitten wurde zu früh von der Mutter getrennt – was tun?

Häufig gehen Katzenhalter erst auf die Suche nach Informationen im Netz, wenn bereits ein Kätzchen zu früh bei ihnen eingezogen ist. Teilweise ist die frühe Trennung von Mutter und/oder Geschwistern auch nicht zu vermeiden, etwa bei Handaufzuchten. Was tut man in diesem Fall?

Nun, wenn die Möglichkeit besteht, ist es oft eine gute Idee, das Kitten noch einmal für einige Wochen zu Mutter und Geschwistern zurückzubringen, was sich in der Praxis leider oft als schwierig gestaltet, da Katzenbesitzer, die ihren Nachwuchs so früh abgeben, leider in vielen Fällen froh sind, dass die Kitten so früh wie möglich vermittelt wurden. Die Aufzucht von Kitten ist ja nun nicht gerade eine günstige Angelegenheit.

Ist dies nicht möglich, sollte euer Kätzchen schnellstmöglich einen gut sozialisierten Katzenkumpel im Alter von mindestens 12 Wochen bekommen, damit es a) nicht allein ist und b) das an Sozialverhalten nachholen kann, was durch die frühe Trennung versäumt wurde. Häufig übernehmen auch bereits im Haushalt befindliche Katzen diese Aufgabe. Jedoch ist diese Alternative immer nur die zweitbeste Lösung, die beste Lösung ist es in den allermeisten Fällen nach wie vor, ein Kitten mindestens 12-13 Wochen bei Mutter und Geschwistern zu lassen und das Kätzchen komplett geimpft zu übernehmen bzw. gleich einem Geschwisterpärchen im richtigen Alter ein neues Zuhause zu geben.

Und ja, es gibt natürlich Katzen, die mit 6 oder 8 Wochen von der Mutter getrennt wurden, aber trotzdem keinen „Schaden“ haben und wunderbare Katzen geworden sind oder aber sie haben eine Auffälligkeit, die von den Haltern jedoch nicht mit der zu frühen Trennung in Verbindung gebracht wird. Dennoch ist es für Katze und Halter am angenehmsten und sinnvollsten ein wenig Geduld zu haben und dem Katzenkind diese paar Wochen mehr mit Mutter und Geschwistern zu erlauben. Mit einer Katze das Leben zu teilen, ist im Normalfall eine langfristige Entscheidung, bei der es zum Wohl des Tieres auf ein paar Wochen nicht ankommen sollte, oder?

In welchem Alter sind eure Katzen bei euch eingezogen?

(Bild: (c) asrawolf / pixelio.de )

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  1. Bei Shadow weiß ich nicht wie alt er war, wie er sein Nest verlassen musste.

    Nur bei Felix weiß ich, dass er mit 12 Wochen seine Mutter verlassen hatte. Eine Woche später ist er wieder eingezogen, wurde zurück geholt. Die Dame bei der er zuerst eingezogen ist, hat denen am Telefon die Ohren voll gejault (macht im Blumentopf, knabbert Kabel und und und). Dann war er eine Woche dort und dann kam er zu mir.

    Also somit 12 W, aber hier in der 14. Woche

    LG
    Marlene

  2. also meine 2 rabauken hatten eine schwierige kindheit.
    aber mal von anfang an: ich habe einige babyklamotten meines sohnes übers internet verkauft. meine beste freundin war so nett mit mir zu der adresse zu fahren. als wir ankamen traf uns fast der schlag als uns die hochschwangere in ihre versaute wohnung lies. ich dachte mir nur „oh mein gott. das arme baby“ als wir dann anfingen die babysachen auf dem bett auszubreiten lugte darunter plötzlich ein kleines halbverhungertes und verfilztes fellknäuel hervor

  3. also meine 2 rabauken hatten eine schwierige kindheit.
    aber mal von anfang an: ich habe einige babyklamotten meines sohnes übers internet verkauft. meine beste freundin war so nett mit mir zu der adresse zu fahren. als wir ankamen traf uns fast der schlag als uns die hochschwangere in ihre versaute wohnung lies. ich dachte mir nur „oh mein gott. das arme baby“ als wir dann anfingen die babysachen auf dem bett auszubreiten lugte darunter plötzlich ein kleines halbverhungertes und verfilztes fellknäuel hervor. ich sprach die besitzerin darauf an und sie meinte nur sehr trocken „ja irgendwann waren es mal 5 kitten. jetzt sind es glaub ich nur mehr 3. wo die mutter ist weiss ich nicht. die war jetzt schon ein paar tage lang nicht mehr da. vielleicht is sie ja draussen überfahren worden. is auch egal“
    als sie die babyklamotten dann in den schrank räumte sahen wir plözlich was mit den anderen 2 vom wurf passiert ist. mir kamen die tränen. ich fragte sie weiters was sie mit den verbliebenen kätzchen machen wolle und ob die zu haben sind. gott sei dank sagte sie ja. ich bin mit meiner freundin sofort zum nächsten tierbedarfsgeschäft gerast und habe sämtliches zubehör gekauft das ich für den anfang brauchen würde. wir fuhren zurück und holten die 3 armen verschreckten kitten da raus. meine freundin nahm sich das weibchen (sie hat schon 2 ausgewachsene männchen daheim) und ich behielt mir die 2 kater. erster weg für uns war der tierarzt. dieser stellte fest dass alle unterernährt sind, zudem hatte das weibchen gebrochene vorderpfoten. er schätzte die kleinen auf ca 6 wochen.
    wir haben sie aufgepeppelt, gebadet und nun sind sie mittlerweile 6 monate alt und gut entwickelt. sowohl körperlich als auch sozial. und bis auf ihre enorme faszination was wasser angeht (sie lieben es zu duschen und zu baden) wäre mir bis jetzt keine abweichung gegenüber anderer katzen aufgefallen. von den verschreckten kleinen hungerhaken ist nichts mehr übrig. jetzt sind sie 2 verschmuste verspielte faule stubentiger die unser leben bereichert haben.

  4. Ralph Moffat Oefler

    Ich bin Diener / Personal von 4 Katzen … Bauernhofkatze – Span. Notfellchen – Somalikater und Maine Coon-Kater. Alle 4 waren über 4 Monate alt als sie bei mir einzogen. Bei den beiden Rassekatzen haben die Züchter eh auf mindestens 16 Wochen bis zur Abgabe bestanden … und das ist / war auch gut so. In speziellen Ausnahmefällen (Muttertier bei Geburt gestorben oder hat das Jungtier verstoßen) kann die Abgabe auch früher geschehen, was aber viel Verständnis für das Jungtier bedeutet und mit Erziehungsarbeit verbunden ist. Außerdem eine Abgabe als Einzeltier ein völliges NoGo …..

  5. Hallo!
    Meine 2 Geschwister-Kitten habe ich im Alter von 5 Wochen und 5 Tagen „gerettet“. Ich wurde reingelegt. Und wie im Artikel steht, wurden meine Kitten krank und ich hatte hohe Tierarztkosten. Aufgefallen ist mir, dass beide sehr auf Menschen bezogen sind. Mittlerweile sind sie geneu 14 Wochen alt und beide entwickeln sich prächtig. Da ich im 4. Stock wohne, dürfen sie nur in der Wohnung bleiben. „Mira“ ist zuckersüß und hat sich schon einige dieser typischen Katzen-Eigenschaften angeeignet. „Kyra“ hat vor ein paar Wochen angefangen, an meinem Ohrläppchen zu nuckeln. Und zwar jedes Mal, wenn Kuschelzeit ist. Sie hat auch nicht diese typischen „Katzen-Eigenschaften“, wie Mira sie hat und wie man sie so im Internet liest. Jedoch sind beide putzmunter, spielen sehr viel miteinander und flitzen durch meine Wohnung. Sie sind beide sehr liebevoll und fremden Menschen gegenüber nicht scheu, oder schüchtern. Ich habe 2 Maine Coon Mischlinge. Ich liebe beide über alles und ich bin zuversichtlich, dass sie später dann als waschechte Katzen durchgehen werden, auch wenn sie einen schlechten Start ins Leben hatten.

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