Ernährung

Kochen für die Katz‘

Geschätzte Lesezeit: 7 Minuten, 50 Sekunden

Die Doppeldeutigkeit der Überschrift ist nicht zufällig gewählt. Katzenernährung erhitzt (kleiner Kalauer) die Gemüter. Essen muss der Mensch und essen muss auch die Katz‘. Nur was? Ist Kochen überhaupt gesund? Wie kocht man richtig? Warum kocht man überhaupt? Das wollen wir uns in diesem Artikel einmal näher anschauen.

Jeder, der die Erkenntnis gewonnen hat, dass kommerziell hergestelltes Futter gewisse Nachteile in sich birgt, steht vor der großen Frage, was er denn statt Fertigkost füttern soll. B.A.R.F.en erfährt der Leser, das sei ganz toll, aber dass es vermutlich kein Spaziergang wird, das erfährt er auch. Und dann die Würmer im Fleisch, die Salmonellen und die ganzen anderen Krankheiten, die in rohem Fleisch stecken. (tun sie eigentlich nicht, aber das kann man an anderer Stelle bei Anika nachlesen)

Auf dem Weg zur perfekten Lösung begegnet einem an jeder dritten Ecke zwangsläufig mal das Wort kochen. „Dann koch doch.“ Wenn man das zum zwanzigsten Mal gehört hat, könnte man schon fast einen Schlager daraus basteln. „Dann koch doch. Und wenn Du nicht weiterweißt, dann koch doch.“

Und Kochen kann ja nicht so schwer sein. Also wird sich ein Rezeptbuch besorgt und munter drauflosgekocht. Und wenn Maunzi auf einmal so stumpfes Fell bekommt und immer so matt ist oder sogar Ausschlag bekommt, dann beschäftigt man sich etwas näher mit dem Kochbuch und stellt fest, dass es eigentlich gar nicht für eine artgerechte Ernährung geeignet ist und im Endeffekt sogar schlechter als Dosenkost. Kochbücher für Katzen gibt es nämlich viele. Oder kleine Beilagen in Katzenzeitschriften. „Gönnen Sie ihrem Liebling mal etwas ganz Besonderes.“ Da wird die Katze schnell zur Gourmetkatze gemacht. GUTE Kochbücher oder Beilagen gibt es dagegen allerdings nur sehr wenige. Und wenn ihr den Artikel zu Ende gelesen habt, dann wisst ihr auch wie man gutes Material erkennt.

Artgerechte Ernährung bedeutet in erster Linie den Nachbau der natürlichen Nahrung, welche die Katze zu sich nähme, wenn sie sich in freier Natur selbst versorgen würde. Wenn man sich die ursprüngliche Nahrung der Katze einmal genau anschaut, dann findet man einen sehr hohen Fettanteil1 . Fett liefert der Streunerkatze die Energie fürs Jagen, die Fortpflanzung, den Temperaturausgleich (Frieren) und wichtige Körperprozesse benötigt. Bei einem Haustiger fällt der Fettanteil dagegen geringer aus und der Proteinanteil (aus dem die Katze mittels Gluconeogenese ihre Hauptenergie Glucose verstoffwechselt) erhöht sich. Nicht aber der Kohlenhydratanteil, wie uns das so mancher Dosenhersteller gerne weismachen möchte. Leicht verdauliche Kohlenhydratanteile von bis zu 10% – mit Bedacht gewählt – sind aber für die Katze gut tolerierbar.

Damit haben wir schon ein wichtiges Kriterium für die Bewertung der Kochrezepte geschaffen – die Zutaten. Rezepte, die einen hohen Anteil an Kohlenhydraten haben (mehr als 10%) sind also fragwürdig.

Kommen wir mal zu den Zutaten im Einzelnen:

Fett – liefert Energie und die sog. Fettsäuren sowie die fettlöslichen Vitamine – es sollte tierischer Herkunft sein, da Katzen keine pflanzlichen Öle für den Grundbedarf verwerten können. Gute Möglichkeiten sind fetteres Fleisch, Gänseschmalz, Schweineschmalz oder Fettabschnitte
Fleisch – liefert Energie und Proteine in Form von Aminosäuren – enthält in rohem Zustand Enzyme, welche entscheidend beim Verdauungsvorgang mitwirken.
Kohlenhydrate – fungieren in erster Linie als Ballaststoffe, können durch einzelne Bestandteile im verwendeten Gemüse aber auch unterstützend bei bestimmten Krankheiten sein. Wirklich benötigt werden Kohlenhydrate von der Katze nicht.

Wenn wir einem (Roh-)Fleischfresser gekochte Nahrung anbieten, dann kommt unweigerlich die Frage nach Nährstoffverlusten auf. Oder sagen wir besser, sie SOLLTE aufkommen.

Die Nährstoffe, welche die Katze benötigt, sind Aminosäuren mit Taurin in vorderster Front. Dieses kann die Katze nicht selbst bilden und muss es über die Nahrung aufnehmen. Bei den Mineralstoffen steht Calcium ganz vorn. Da man Knochen niemals gekocht geben sollte, da sie sonst splittern, ist die Zugabe von Calcium beim Kochen ein umso wichtigerer Aspekt. Bei der Rohfütterung kann Calcium durch Knochen zugeführt werden, die in rohem Zustand elastisch sind und von der Katze gut verarbeitet werden. Die Vitamine im Fleisch sind vornehmlich fettlöslich, heißen also A,D,E und K.

Wenn wir uns die möglichen Faktoren angucken, wie ein Verlust entstehen kann, dann sind mit „Oxidation, Temperatur, Licht,“ gleich 3 von 9 Faktoren beim Kochen relevant. Die Gefahr der Oxidation besteht darin, dass eine kleinere Oberfläche, die dem Sauerstoff ausgesetzt wird, wie z.B. Rindergehacktes, einen höheren Vitaminverlust hat, als eine größere Oberfläche wie z.B. Rindergulasch. Die Temperatur ist die Hitze, die beim Kochen der entscheidende Unterschied ist. Das Licht spielt ebenfalls eine Rolle. Empfindliche Öle zum Beispiel werden daher gerne in braunen Flaschen geliefert, die wenig Licht durchlassen.

Wenn wir uns jetzt einmal anschauen, was allein der Faktor „Hitze“ bewirkt, dann finden wir ab 40 °C eine Denaturierung bei den Enzymen, deren enzymatische Aktivität dadurch stark abnimmt – bis zur totalen Deaktivierung. Dies betrifft ebenso die fettlöslichen Vitamine, die rund zu einem Drittel verlorengehen können2 , die Fette können bei Erhitzung unliebsame Stoffe bilden und die Aminosäuren bekommen Bruchstellen in ihrer chemischen Struktur. Die Bioverfügbarkeit von gekochtem Fleisch sinkt im Vergleich zum rohen Zustand.

Rohes Fleisch, der Hauptbestandteil der Rohfütterung, dem sog. B.A.R.F., hat eine besonders hohe Bioverfügbarkeit für die Katzen. Bioverfügbarkeit bedeutet, wie gut alle Bestandteile eines Lebensmittels aufgespalten und verwertet werden können und wird in Prozent angegeben. Beim rohen Fleisch/Fett liegt diese für die Katze bei 95 %. Es werden also nahezu alle enthaltenen Fettsäuren, fettlöslichen Vitamine, Enzyme und Aminosäuren aufgespalten und verwertet. Daher ist die Portion bei der Rohfütterung auch immer geringer als bei gekochtem Fleisch.

Wenn unbedingt gekocht werden soll, was zum Beispiel bei einer Futterumstellung Sinn macht um den Übergang von (gekochtem) Dosenfutter auf Rohfutter zu erleichtern, oder bei älteren oder kranken Tieren, die kein besonders gutes Immunsystem haben, um mit den Bakterien fertig zu werden, dann sollte möglichst schonend bei niedrigen Temperaturen gekocht werden. Für gewöhnlich machen Katzen mit Bakterien durch den kurzen Verdauungstrakt und die gegenüber dem Menschen höhere Magensäure kurzen Prozess. Ein besonders gravierender Befall könnte aber auch für die Katze lebensgefährliche Folgen haben.

Abgetötet werden die Bakterien oder das Aujeszky-Virus im Schweinefleisch bei 60°C. Die Katze wird sich aber früher oder später über nicht totgekochtes Fleisch freuen und wenn man bei geeigneten Fleischsorten das Fleisch nicht ganz durchgart, dann hat sie auch noch etwas „Rohstoff“, den sie leichter verwerten kann.

Davon abgesehen sollte mit möglichst wenig Fett oder Flüssigkeit gekocht werden, damit die austretenden Fleischsäfte, die auch Nährstoffe enthalten, noch in den Napf dazugegeben werden können. Dafür bietet es sich an in wenig Wasser zu „braten“ oder bei fettarmen Fleischsorten in ein wenig Fett. Wenn das Gargut mäulchentauglich abgekühlt ist, werden die Zusatzstoffe dazugegeben.

Eine interessante Möglichkeit bei niedrigen Temperaturen zu kochen bietet das Sous-Vide Verfahren, bei dem im eingeschweißten Folienbeutel beim Garen im Wasserbad bei niedrigen Temperaturen der maximale Schutz der Vitamine versprochen wird. Ebenso sollen Aroma und Geschmack nahezu vollständig erhalten bleiben. Wer sich für diese praktische Methode entscheidet, da größere Mengen auf einmal vorbereitet werden können, der sollte unbedingt extra dafür geeignete Vakuumbeutel verwenden, da normale Plastikbeutel Weichmacher enthalten (können), die beim Kochen auf das Gargut übergehen.3 Röstaromen, wie sie beim Braten bei Temperaturen über 140° entstehen, sind für den Menschen erwünscht, für die Katze allerdings weniger.

Dass die Mineralmischungen, Omega-3-Öle und Taurin erst nach dem Kochen dazugegeben werden versteht sich von selbst. Ebenso, dass nicht jeden Tag Miezis Lieblingsthunfisch gegeben wird, sondern dass der Speiseplan genauso abwechslungsreich gestaltet wird, wie man es auch bei seinem eigenen Speiseplan tun sollte.

Ein weiterer Vorteil beim Kochen ist, dass deutlich mehr Fischsorten verwendet werden können als bei der Rohfütterung – mit dem Problem der Thiaminase muss man sich nicht beschäftigen. Ebenso wenig mit gekochtem Eiklar, bei dem im rohen Zustand das Avidin Sorgen bereitet. Eier können in das Rezept ebenso eingebaut werden. Auch das bei der Rohfütterung so verpönte Schweinefleisch kann problemlos verwendet werden, da der mögliche Aujeszky-Virus beim Kochen abgetötet wird. Nur zu viel Leber, die sollte man auch beim Kochen nicht verwenden, da die Gefahr einer Vitamin-A-Überdosierung besteht.

Wenn man zum Verfeinern gekochten Schinken oder bereits gekochte Krabben oder Krebsfleisch aus der Kühltheke verwenden möchte, bitte unbedingt darauf achten, dass diese keine Konservierungsstoffe des Typs E210 bis 213 enthalten. Diese sind für Katzen schon ab einer Dosierung von 5 Promille giftig.

Ein gutes Rezept enthält also:

– 150-200g Fleisch (auch Fisch oder Meerestiere)
– max. 15-20 g gekochtes und zerkleinertes oder püriertes Gemüse
– extra Fett bei Verwendung von fettarmem Fleisch in Form von Gänseschmalz, Schweineschmalz (ohne Salz oder Zwiebeln) oder Fettabschnitten
– Mineralstoffmischung (wie ein Supplement beim BARFen)
– Taurin, falls dieses nicht in der Mineralstoffmischung enthalten ist.
– Omega-3-Öl (Lachsöl, Fischöl, etc.)

sowie als Empfehlung für die ersten 4 Wochen:
– Verdauungsenzyme
– Pre-/Probiotika

Im Fachhandel für BARF-Zusätze oder im Tierarzneimittelsortiment bei Apotheken hat man eine große Auswahl möglicher Produkte, oder man recherchiert ein wenig und kann diese durch geeignete Lebensmittel ersetzen.

Die Angaben fürs Kochen gelten selbstverständlich auch für die teilweise beliebten Snacks, bei denen vorwiegend Mehle vermischt werden und nur ein geringer Teil aus Fleisch besteht. Gesunde Snacks kann man zum Beispiel durch das Dörrverfahren aus reinem Fleisch herstellen, oder Rezepte verwenden, die den obigen Anforderungen entsprechen.

Die Gerichte lassen sich auch vorkochen und dann portionsweise einfrieren. Anschließend im Kühlschrank wieder aufgetaut und bei Zimmertemperatur mit den Zusätzen serviert könnte dies auch eine akzeptable Möglichkeit sein, seine Katze zu ernähren. Von der beutefrischen Ernährung ist man damit jedoch schon recht weit entfernt, wenn auch nicht so weit, wie bei Dosenkost.


Roh gefressen wird aber auch.

Ein wirkliches „Fresserlebnis“ jedoch wird die Kochmethode auch nicht bieten. Ein frisches Stück Fleisch oder ein Hühnerflügel mit Knochen, das/den die Katze stolz wegträgt und genüsslich zerbeißt ist einfach viel näher dran an der natürlichen Ernährung und der psychologische Faktor ist bei einer Katze, die vornehmlich in der Wohnung lebt und kaum Höhepunkte hat, bei denen sie ihr natürliches Verhalten ausleben kann, nicht zu verachten.

Empfehlenswerte Bücher zu diesem Thema sind:

Katzen gesund ernähren (Dr. med. vet. Michael Streicher)
Wegweiser Katzenfutter – Artgerechte Nahrung für Stubentiger (Lena Landwerth)

Für alle die sich nicht zutrauen, eigene Rezepte entwickeln zu können, gibt es sogar spezielle Ernährungsberater für Katzen, aber auch da ist Vorsicht geboten. Ernährungsberater darf sich bei Haustieren jeder nennen. Manche möchten auch einfach nur eine der vielen Futtermarken vertreiben, für die sie eine nicht geringe Provision bekommen. Ein sehr solides Angebot bietet die Ludwig-Maximilian-Universität in München4 . Eine Beratung – zu empfehlen insbesondere bei bereits vorhandenen Krankheiten – kostet je nach Aufwand zwischen 60 und 120 Euro (zzgl. MwSt).

Liebe Silke, vielen Dank für deinen ausführlichen und interessanten Artikel.

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Referenzen:
  1. Studie: Estimation of the dietary nutrient profile of free-roaming feral cats: possible implications for nutrition of domestic cats – Esther A. Plantinga, Guido Bosch and Wouter H. Hendriks []
  2. Buch: The nutrition handbook for food processors – C. J. K. Henry, C. Chapman []
  3. http://de.wikipedia.org/wiki/Vakuumgaren []
  4. http://www.ernaehrung.vetmed.uni-muenchen.de/service/ernaehrungsberatung/eb_hunde/index.html []

über

Silke schreibt in ihrem Blog The 3 Cats über ihre 3 sehr extrovertierten Katzen, oder besser gesagt die 3 Katzen schreiben selbst über den Unfug, den sie anstellen, über Katzenernährung und über andere wichtige Themen. Silke ist eigentlich Verfechterin der Rohfütterung aber hat sich heute mal mit dem Kochen von Katzenfutter beschäftigt.

  1. Super Artikel – wie immer, Silke. 😉 Die Ernährungsberatung bei der LMU kann ich aus persönlicher Erfahrung mit meinen beiden CNI-chen sehr empfehlen. Sie sind gründlich, richten sich flexibel auf persönliche Wünsche ein (das bitte rein, das aber raus), erklären unermüdlich bei noch so doofen Fragen, warum was gut oder auch schlecht ist und sind immer freundlich. 🙂

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