Ernährung Leckereien & Co.

Vorsicht bei Leckerlis aus getrockneter Leber!

© Bild: Jasper / The3Cats

Gefriergetrocknetes Fleisch ist einer der Geheimtipps unter Katzenliebhabern und wird von zahlreichen Katzen geliebt. Angeboten wird es in unterschiedlichen Sorten, darunter auch Hühnerleber. Außerdem werden im Fachhandel Produkte aus getrockneter Leber oder Leberpulver verkauft, die als Leckerei, als Appetitanreger über die Mahlzeiten oder als B.A.R.F.-Zusatz gegeben werden können.

Nun ist Leber jedoch auch ein beliebtes Supplement, um Vitamin A (und andere tolle Sachen) ans selbst zubereitete Katzenfutter zu bringen. Außerdem wissen wir, dass Vitamin A zu den fettlöslichen Vitaminen gehört, bei denen man eine Überversorgung nach Möglichkeit vermeiden sollte, um keine Hypervitaminose heraufzubeschwören. Bei einer Überversorgung mit Vitamin A kann es beispielsweise zu Skelettmissbildungen kommen.

Fertigfuttermittel (Alleinfutter) für Katzen und auch unsere selbst zubereiteten Rohfleischmahlzeiten sind in der Regel so zusammengestellt, dass die Samtpfoten ausreichend Vitamin A erhalten. Ein Zuviel ist auf Dauer schädlich. Was ist also von Trockenleberprodukten als Leckerli zu halten? Unbedenklich, weil sowieso alle Vitamine verlorengehen oder doch potenziell schädlich? Sehen wir uns das einmal genauer an.

Gefriergetrocknete Leber

Bei der Gefriertrocknung oder auch Sublimationstrocknung wird das gefrorene Produkt getrocknet, indem die Feuchte daraus im Vakuum direkt vom festen in den dampfförmigen Zustand übergeht und so entzogen wird. Naturprodukte werden so ohne Konservierungsstoffe haltbar. Die Trocknungsart an sich ist grundsätzlich nicht neu, sondern wurde bereits vor etwa 1000 Jahren in der Mongolei eingesetzt und war auch bei den Inkas in Peru bekannt.

Bei der Gefriertrocknung kann ein sehr niedriger Feuchtigkeitsgehalt von 1 bis 4 Prozent erreicht werden. Da die Moleküle im Gegensatz zu herkömmlichen Trocknungsverfahren nicht durch die Hitze belastet werden, bleiben Form, Struktur und Farbe, aber auch Vitamine, Aminosäuren, Geschmack und Aromen weitgehend erhalten.1 Sie ist grundsätzlich teurer als andere Trocknungsverfahren, wobei die Produktqualität durch die Einfrier- und Trocknungsgeschwindigkeit beeinflusst wird.

Wir haben also ein Leckerli, das von der Zusammensetzung (von der fehlenden Feuchtigkeit abgesehen) dem Original noch sehr ähnlich ist und noch einen Großteil der Vitamine enthält, die im Ursprungsprodukt enthalten waren. Mengenmäßig entspricht Gefriergetrocknetes etwa einem Viertel der Ausgangsmasse, d. h. 25 g gefriergetrocknete Hühnerleber entsprechen etwa 100 g frischer Hühnerleber. Gleiches gilt für gefriergetrocknetes Leberpulver.

Ein Stück gefriergetrocknete Leber eines beliebten Anbieters wiegt etwa 94 mg (Mittelwert). Nehmen wir das mal vier, liegen wir bei 376 mg frischer Leber für ein gefriergetrocknetes Stück. Als Leckerli werden drei bis vier Stücke bis zu zweimal am Tag empfohlen, macht 2256 bis 3008 mg frische Leber bei sechs bis acht Stückchen. (Bei manchen Produkten ist eine Fütterungsempfehlung angegeben, bei manchen nicht, bis hin zu der Empfehlung, dass so viele Leckerlis gegeben werden könnten, wie man möchte).

100 Gramm Hähnchenleber enthalten laut Datenbank 3290 µg (Mikrogramm) Vitamin A2 . Da die Bedarfswerte für Katzen meist in IE (internationale Einheiten) angegeben sind, rechnen wir das um.

Bei Vitamin A wird mit folgender Formel gerechnet:

1 µg = 3,33 IE
3290 µg = 10.956 IE

100 Gramm frische Hähnchenleber enthalten also etwa 10.956 IE. Da bei der Gefriertrocknung wohl ein kleiner Anteil Vitamine (etwa 10 %)3 verlorengeht, wären wir bei 9860.4 IE für 25 g gefriergetrocknete Leber.

Der Tagesbedarf einer „normalen“ Vier-Kilo-Katze liegt je nach Quelle bei:

2400 IE (Meyer)
400 IE (Horzinek)
300 IE (Strombeck)
400 IE (Uni Zürich)

Das heißt, wir können theoretisch allein mit 25 Gramm gefriergetrockneter Leber den Vitamin A-Bedarf über fast 25 Tage decken, wenn wir mit 400 IE rechnen.

Nehmen wir jetzt den Wert aus der Fütterungsempfehlung unserer Leckerei von oben pro Tag, wären 2,3 – 3 g (2256 bis 3008 mg) Leber von 100 g etwa 2,3 – 3 %. Wieder umgerechnet auf IE sind das 251,9 – 328,7 IE. Ziehen wir die 10 % Verlust wieder ab, sind wir bei ca. 226,8 – 295,8 IE.

Wenn ihr nun jeden Tag Leckerlis mit gefriergetrockneter Leber gemäß der Empfehlung füttert, seid ihr damit allein schon fast beim Tagesbedarf.

Durch Erhitzen getrocknete Leber (Dörren und Co.)

Beim Trocknen unter Hitzeeinwirkung (im Dörrautomat z. B.) kommt es unter anderem auf die Temperatur an, wie viele Vitamine verloren gehen. Genaue Zahlen sind bisher nicht aufzufinden, die „Food and Drug Administration“ spricht von 40 % Verlust an Vitamin A bei Fleisch, das für 5 Minuten bei 200 Grad Celsius frittiert wurde4. Bei 50 Grad sollen die Vitamine weitgehend erhalten bleiben. Trockenprodukte aus dem Fachhandel werden zum Schutz vor Salmonellen und Co. immer bei höheren Temperaturen (jenseits der 50-Grad-Marke) getrocknet.

Allerdings solltet ihr auch hier nicht vergessen, dass die Produkte konzentriert sind, d. h. 100 g Trockenleber entsprechen je nach Trocknungsart etwa 300 – 500 g frischer Leber.

300 g frische Leber enthalten 32868 IE Vitamin A
500 g frische Leber enthalten 54780 IE Vitamin A

Bei einem maximalen Verlust von 40 Prozent Vitamin A wären:

60 Prozent von 32868 IE noch 19720,8 IE,
60 Prozent von 54780 IE noch 32868 IE.

100 g Trockenleber enthalten also bei einem angenommenen Verlust von 40 % noch etwa 19720,8 – 32868 IE Vitamin A.

Gehen wir nun von 1 g Trockenleber am Tag aus wären wir schon bei 197,21 bis 328,68 zusätzlichem Vitamin A aufwärts pro Tag. Auch eine Zahl, mit der man locker schon fast den Vitamin-A-Tagesbedarf einer Katze decken könnte, der durch das normale Futter ohnehin schon abgedeckt ist.

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Referenzen:
  1. http://www.freezies.de/gefriertrocknung.htm []
  2. http://ndb.nal.usda.gov/ndb/foods/show/800?fg=&man=&lfacet=&count=&max=&qlookup=&offset=&sort=&format=Full&_action_show=Apply+Changes&Qv=1&Q1941=0.07 []
  3. http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/stahlt_ws05.pdf []
  4. http://www.fda.gov/ohrms/dockets/98fr/04-11502.html []
  1. Pingback: Kochen für die Katz‘ * Haustiger - Katzen verstehen

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