Mensch & Katze

Die Sibirische Katze – DIE Lösung für Allergiker?

Rassenportrait: Sie stammt aus den Weiten Sibiriens und Russlands – die Sibirische Katze, vor 1991 Sibirische Waldkatze. (Das „Wald-„ wurde gestrichen, um Verwechslungen mit der Norwegischen Waldkatze vorzubeugen). Sie ist eine der wenigen Naturrassen; womit ich meine, dass das Rassenbild nicht züchterisch beeinflusst wurde, sondern so in der freien Natur vorkommt.

In Deutschland wird sie seit 1987 gezüchtet, in der Sowjetunion schon etwas länger. Sie gilt als sehr gesund, robust und frei von rassetypischen Erbkrankheiten.

Die Größe wird als mittel bis groß beschrieben, die Beine sind nicht allzu lang, der Körper ist muskulös. Die großen rundlichen Pfoten tragen so genannte „Schneeschuhe“, also Fellbüschel zwischen den Zehen. Die weit gesetzten Ohren sind oben leicht abgerundet und tragen manchmal kleine Fellbüschel, immer aber lange feine Haarbüschel, die aus der Ohrmuschel ragen. Das halblange, dichte Fell besteht aus wasserabweisendem Deckhaar und Unterwolle und fühlt sich seidig an.

Typisch ist die „Halskrause“, wo das Fell um den Hals herum üppiger ist, genauso wie an den Hinterbeinen („Hose“) und am Schwanz. Im Winterfell sind Sibirer, besonders wenn sie ins Freie dürfen, sehr viel voluminöser und sehen wirklich beeindruckend aus, im Sommer ist ihr Fell weniger dicht und fast ohne Unterwolle, aber Halskrause und Hose/Schwanz behalten trotzdem ihre Fülle.

Die Kopfform ist abgerundet und harmonisch. Die Augen sind leicht schräg gestellt, die Farben sollen einheitlich sein und zum Fell passen, von grün bis gelb/gold ist alles erlaubt. Die Fellfarben sollen ebenso natürlich sein, rein gezüchtete Farben wie chocolat, cinnamon, lilac oder fawn sind nicht erlaubt. Der Weltverband FIFe verbietet auch die Point-Färbung, da bei ihm die Point-Variante der Sibirischen Katze als eigene Rasse anerkannt ist und Neva Masquarade heißt.

Die Fellpflege erledigen sie großteils selbst, hin und wieder durchkämmen schadet aber nicht, um Verfilzungen zu vermeiden, besonders im Fellwechsel und bei Katzen mit (gesichertem) Freigang.

Vom Charakter her gefällt mir an den Sibirern, dass sie verschmust und anhänglich sind, aber auch „wilde“, natürliche Charakterzüge aufweisen – sie klettern, jagen und springen für ihr Leben gern und bewegen sich überhaupt meist viel, haben aber dann wieder ihre Phasen, wo sie anschmiegsam ihrem Menschen gegenüber sind. Sie sind ihren Bezugspersonen gegenüber sehr treu und gesellig anderen Katzen gegenüber, wobei sie aber oftmals nicht direkt mit anderen Katzen kuscheln wollen, dazu ist ihre natürliche Unabhängigkeit zu groß.

Ein Sibirer ist anhänglich, lieb und zugänglich, vorausgesetzt, er wurde im Kittenalter gut sozialisiert. Für diese Katzen gilt, was für alle anderen Rassen auch gilt: Da Katzen gesellige Tiere sind (keine Einzelgänger, wie die Volksmeinung immer noch lautet), soll man sie nicht alleine halten, sondern ihnen mindestens einen Katzenkumpel zur Seite stellen.

Eine hypoallergene Rasse?

Die Sibirische Katze weist eine Besonderheit auf: Man munkelt, dass sie sich für das Zusammenleben mit Personen eignet, die auf Katzen allergisch reagieren. Aktuell gibt es dazu keine wissenschaftliche Studie, jedoch einige Erkenntnisse und Erfahrungen.

Bei Labortests in den USA wurde festgestellt, dass Sibirer wesentlich weniger von dem Protein FelD1 in ihrem Speichel (und auch im Urin und den Talgdrüsen) aufweisen. Dieses Protein ist für mehr als 60% der Katzenallergien verantwortlich. Und der Speichel der Katze, nicht die Haare an sich, ist es auch, der Allergiereaktionen auslösen kann. Durch die Fellpflege der Katze gelangt er auf die Haare.

Dadurch gibt es wirklich Menschen, die auf andere Katzen oder Rassen allergisch reagieren, mit Sibirern jedoch beschwerdefrei zusammenleben können.
Es hängt natürlich immer davon ab, wie stark man allergisch ist (bei sehr starken Allergikern treten anscheinend schon schwache Symptome auf, allerdings meist viel schwächer als bei anderen Katzen) und manchmal auch davon, ob es sich um ein Jungtier, ein Männchen oder Weibchen oder ein kastriertes Tier handelt.

Viele Katzen der Wiener Zucht „von Sibikoschka A“, aus der wir unsere vier Lieblinge haben, leben bei Allergikern, die keine Probleme damit haben. Sonja Grünsteidl, die Züchterin, behält es sich allerdings vor, bei Allergikern einen dreistufigen Test durchzuführen, um zu testen, ob man auf die Katzen reagiert – nur wenn dieser ohne Reaktion absolviert wurde, bekommt die Person eine Katze verkauft. Da leider die Studien fehlen, schließe ich hier einige Erfahrungsberichte zum Thema an. Im Vorfeld sei gesagt, dass es natürlich auch eine Menge Leute gibt, die die Allergieverträglichkeit von Sibirern anzweifeln oder schlicht nicht glauben.

Das mir am besten bekannte Beispiel ist mein Mann. Er reagiert auf Katzen mit Hautausschlag, leichten Atembeschwerden, geröteten Augen und Schnupfen. Beim Bluttest ist seine Allergiestufe sogar sehr hoch (die Allergie ist also ärztlich bestätigt).

Als wir unsere ersten beiden Sibirer bekommen haben – nach absolviertem, negativem Allergietest in der Zucht natürlich – merkte er nichts, obwohl sie reine Wohnungskatzen waren. Die Katzen durften (und dürfen) überall hin, sie schlafen mit uns im Bett, liegen am Sofa, kuscheln mit uns, sitzen im Bad neben uns. Als wir zwei Jahre später dann noch zwei Sibirer adoptierten, haben wir über Allergie schon gar nicht mehr nachgedacht. Er lebt nun völlig beschwerdefrei mit vier Sibirischen Katzen zusammen, ohne jede Einschränkung. Und durch diese ständige „Immunisierung“ ist es nun sogar soweit, dass er andere Katzen weniger bis gar nicht mehr spürt.

Auch eine Freundin hat zwei Sibirer aus derselben Zucht. Da sie eine starke Allergikerin ist, bleibt ihr Schlafzimmer katzenfrei. Mit dieser Lösung leben sie und die beiden Katzen glücklich und problemlos zusammen. Eine andere Freundin hat erst vor einigen Monaten zwei Sibirer gekauft und lebt ebenso ohne Einschränkung mit ihnen in der Wohnung zusammen. Solche Beispiele gibt es viele. Natürlich kann es immer mal sein, dass jemand doch allergisch reagiert. Daher ist das vorherige Testen, bevor man sich die Katze anschafft, extrem wichtig!

Aber abgesehen davon ist diese Rasse eine wunderbare potentielle Lösung für Katzenliebhaber mit Allergie (oder Partner mit Allergie)!

Es versteht sich von selbst, dass man eine seriöse Zucht auswählen muss und auch am besten dort testet, wo man kauft – es ist nicht bewiesen, aber möglich, dass verschiedene Abstammungen und Linien verschiedene Grade an Allergie auslösen können. Die Sibirische Katze kann daher nicht als generell hypoallergen beschrieben werden, da es von verschiedenen Faktoren abhängt.

Quellen:

https://www.sibiland.at/ -> Allergie
https://cattery-siberian.weebly.com/hypo-allergenic-cat.html
https://siberianresearch.com/Allergies.html

(Bilder und Text: © Lena)

Anm. d. Red.: Lena kennt ihr bereits aus unserer Interviewreihe. Sie hat sich netterweise bereiterklärt ein wenig mehr zum Thema Sibirische Katze und Allergie zu erzählen. Liebe Lena, vielen Dank für diesen interessanten Beitrag!

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über

Ich heiße Lena, bin 26 Jahre alt, seit drei Jahren verheiratet und lebe mit vier Sibirischen Katzen zusammen. Ursprünglich stamme ich aus Tirol, bin aber auch halbe Deutsche und lebe nun seit fast 7 Jahren in Wien. Ich studiere Geschichte und beende diesen Sommer mein Studium, von Beruf bin ich Buchhändlerin. Außerdem schreibe ich gerne.

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