Kleinkatzen

Alles andere als wasserscheu – die Fischkatze (Prionailurus viverrinus)

Die Fischkatze, die im Englischen „Fishing Cat“, im Französischen „Chat Pêcheur“ und im Spanischen „Gato Pescador“ heißt, gehört zur Gattung der Altkatzen (Prionailurus), zu der auch die Bengalkatze, die Flachkopfkatze und die Rostkatze gehören.

© Anika Abel

Sie zählt zu den größten der kleinen Katzen und gilt als sehr wehrhaft. Es ist bekannt, dass sie sich in die Enge getrieben unter anderem auch gegen große Hunde verteidigen kann. Und das obwohl sie nur etwa doppelt so groß ist, wie unsere Haustiger.

Wie alt die stark gefährdeten Katzen in freier Wildbahn werden, ist nicht bekannt. In Gefangenschaft erreichen die Tiere ein Alter von bis zu zwölf Jahren.

Verbreitung und Lebensraum der Fischkatze (Prionailurus viverrinus)

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Die Fischkatze kommt von Indien bis Südostasien vor, was Sri Lanka, Malaysia, Thailand, Java, Pakistan, Bangladesch, Westbengalen und den Terai-Duar-Gürtel am Fuße des Himalayas in Indien und Nepal miteinschließt.

Die Tiere leben hauptsächlich in Feuchtgebieten und in der Nähe von Flüssen und anderen Gewässern in bis zu einer Höhe von 2100 Metern. Die Reviere der Kater sind mit rund 22 km2 deutlich größer als die der Katzen (4-8 km2).

Aussehen der Fischkatze (Prionailurus viverrinus)

Die Fischkatze ist unter den Kleinkatzen eine der größeren. Es handelt sich um kräftig gebaute Tiere mit relativ kurzen Gliedmaßen, einem gedrungenen Körper und einem kurzen Schwanz. Der Kopf ist lang und mit kurzem, geflecktem Fell bedeckt. Die Ohren sind kurz und rund mit schwarzer Rückseite und einem markanten weißen Fleck. Die Schnurrhaare der Tiere sind relativ kurz.

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Das Fell der Fischkatze ist olivgrau bis braun. Rücken und Flanken der Katzen besitzen weiße und schwarze Tupfen. Der Kopfbereich ist gestreift, wobei die Streifen im Nackenbereich der Fischkatze auslaufen. Das Fell ist grob, besonders dicht und wasserundurchlässig. An der Bauchseite sind die Haare länger. Ebenfalls in Anpassung an das Leben am Wasser befindet sich zwischen den Zehen der Katze eine Art Schwimmhaut. Anders als die meisten anderen Katzen kann die Fischkatze ihre Krallen nicht vollständig einziehen.

Die Kater von Prionailurus viverrinus sind deutlich größer als die Kätzinnen. Die Tiere erreichen je nach Geschlecht und Größe ein Gewicht von etwa 6,3 bis 11,8 Kilogramm.

Verhalten der Fischkatze (Prionailurus viverrinus)

Anders als die meisten anderen Katzen schwimmen Fischkatzen häufig und waten auch häufig in seichten Gewässern umher oder fangen tauchend und schwimmend Fische, Frösche, Krebstiere, Wasserschnecken und Enten sowie andere Wasservögel.
Daneben locken Fischkatzen ihre Beute aber auch gezielt an, indem sie mit der Pfote auf die Wasseroberfläche klopfen und so Insektenbewegungen nachahmen. Nähern sich Fische dann, schöpft sie sie mit ihren Pfoten mit einem gezielten Schlag aus dem Wasser.

Ihre Passion für das Wasser legt die weitestgehend nachtaktive Fischkatze auch in Gefangenschaft nicht ab. So wurden die Tiere dabei beobachtet, dass sie Rindfleisch, das ihnen gereicht wurde, erst ins Wasser brachten und es dann aus diesem wieder herausholten, bevor sie es fraßen. Gleichermaßen verfuhren die einzelgängerischen Tiere, die sich nur zur Paarung treffen, mit Wachteln.

Ernährung der Fischkatze (Prionailurus viverrinus)

Prionailurus viverrinus ernährt sich hauptsächlich von Fischen, aber auch von Vögeln, Insekten, Nagetieren, Reptilien und Amphibien sowie größeren Säugetieren, etwa bis zur Größe eines Lammes. Aas wird ebenfalls nicht verschmäht. Berichte aus dem frühen 20. Jahrhundert besagen, dass die Katzen auch Hunde, Kälber und Säuglinge geholt hätten. Inwiefern dies der Wahrheit entspricht oder im Reich der Mythen und Legenden einzuordnen ist, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen.

Nachwuchs und Fortpflanzung der Fischkatze (Prionailurus viverrinus)

Die Paarungszeit der Fischkatze liegt normalerweise im Januar und Februar. Nach einer Tragzeit von 63 bis etwa 70 Tagen bringt die Kätzin meist zwei Jungtiere zur Welt. Teilweise kommen auch kleinere oder größere Würfe (bis etwa vier Kätzchen) vor. Die jungen Fischkatzen wiegen bei der Geburt zwischen 100 und 173 Gramm und nehmen im Idealfall etwa 11 Gramm pro Tag zu. Wie unsere Haustiger sind sie bei Geburt blind und hilflos. Die Augen öffnen sie um den 16. Tag, mit etwa 53 Tagen nehmen die Kätzchen auch feste Nahrung. Entwöhnt wird der Nachwuchs mit etwa vier bis sechs Monaten und hat im Alter von etwa acht bis neun Monaten die Erwachsenengröße erreicht. Selbstständige Wege gehen die jungen Fischkatzen im Alter von etwa zehn Monaten und werden mit zehn bis zwölf Monaten dann auch selbst geschlechtsreif.

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In Gefangenschaft wurde beobachtet, dass die Männchen die Aufzucht der Jungen unterstützen. Ob dies auch in freier Wildbahn der Fall ist, ist nicht bekannt.

Gefährdung der Fischkatze (Prionailurus viverrinus)

Die Fischkatze gilt als stark gefährdet (IUCN). In freier Wildbahn leben nur noch rund 10.000 Tiere. Problematisch für die Populationen ist wie so oft der Mensch durch Zerstörung des Lebensraums der Tiere und aktive Verfolgung (Wilderei, Vergeltungstötungen). Probleme, die in den letzten 15 Jahren zu einem vermuteten Rückgang der Population um 30 Prozent geführt haben. Man erwartet derzeit, dass die Zahlen in den nächsten 15 Jahren um weitere 30 Prozent zurückgehen werden.


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