Interviews Tierische Berufe

Interview: Was macht eigentlich eine Tierhaarschmuckdesignerin?

Im mittlerweile nun schon sechsten Teil unserer Tierische-Berufe-Reihe erzählt uns Sonja Pilz von DNS Tierhaarschmuck mehr über einen kreativen Beruf. Denn Sonja stellt Schmuck aus Tierhaaren her. Wie man Tierhaarschmuckdesignerin wird und was man da so macht, erfahrt ihr im heutigen Interview.

© Sonja Pilz | DNS Tierhaarschmuck

Hexe: Hallo Sonja, herzlichen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, uns einige Fragen zu deinem Beruf zu beantworten. Stellst du uns kurz deinen Beruf Tierhaarschmuckdesignerin vor?

Sonja: Hallo, mein Name ist Sonja Pilz. Als Tierhaarschmuckdesignerin stelle ich Schmuckstücke aus Tierhaar her zur Erinnerung an ein geliebtes Tier und entwerfe stets neue Schmuckstücke in Gestaltung und Verarbeitung. Ein Schmuckstück mit den Haaren eines geliebten Tieres gibt zum einen die Möglichkeit, etwas von seinem Tier stets dabei zu haben und zum anderen eine Erinnerung an sein Tier zu bewahren.

Hexe: Wie müssen wir uns denn „einen Tag im Leben einer Tierhaarschmuckdesignerin“ vorstellen?

Sonja: Neben meiner hauptberuflichen Tätigkeit bin ich täglich zwischen 3 und 4 Stunden mit meinem Kleinunternehmen beschäftigt, entweder mit der Fertigung von Schmuckstücken oder mit allen anderen Aufgaben, die im Business anfallen (Buchführung, Materialeinkauf usw.). Einen zeitlich großen Teil macht die Kommunikation per Mail mit dem Kunden aus. Wenn es mal etwas ruhiger ist entwerfe ich neue Modelle. Ich experimentiere gerne und dabei entstehen schon einmal ungewöhnliche Schmuckstücke. Da wir im Familienkreis mit 6 Hunden, 8 Katzen und ein paar Pferdefreunden gesegnet sind, habe ich reichlich Material um meiner Kreativität freien Lauf zu lassen.

© Sonja Pilz | DNS Tierhaarschmuck

Hexe: Tierhaarschmuckdesignerin ist ja ein eher ungewöhnlicher Beruf. Wie bist du denn dazu gekommen? Bist du Quereinsteigerin und hast dein Hobby zum Beruf gemacht oder hast du eine Ausbildung im Bereich Schmuckdesign gemacht?

Sonja: Nach einem folgenreichen Sturz konnte ich nicht mehr als Hundetrainer arbeiten und musste sogar meinen geliebten Labbi weggeben. Das war sehr schwer für mich. Aber genau dieser Umstand war es, der mich auf die Idee brachte seine Haare in einer besonderen Art aufzubewahren. Die Idee kam im Bekannten- und Freundeskreis sehr gut an und schon bald kamen erste Aufträge. Ich besuchte Workshops zur Schmuckherstellung und erlernte den Umgang mit den verschiedenen Materialien. Ich würde mich als Quereinsteiger bezeichnen, der sein Hobby zu seinem Beruf machte.

© Sonja Pilz | DNS Tierhaarschmuck

Hexe: Wer sind denn so deine typischen Kunden? Einfach Tierfreunde oder auch Menschen, die von ihrem verstorbenen Tier eine besondere Erinnerung haben möchten z. B.?

Sonja: Ich würde sagen, dass 60% der Kunden ein Schmuckstück mit den Haaren ihres Tieres als Erinnerung haben möchten nachdem es verstorben ist. Erst dann wird den meisten Menschen bewusst, welche Lücke ein verstorbenes Tier im Leben hinterlässt und wie schmerzvoll dies ist. Ich hatte eine Kundin, deren geliebter Hund plötzlich und unvorhersehbar verstarb. Sie hatte keine Möglichkeit mehr Haare ihres Lieblings zu bekommen und so kratzte sie die verbliebenen Haare von der Schlafdecke des Hundes. Sie schickte mir eine vermeintlich große Menge an Haaren, doch es fanden sich mehr Deckenflusen als Haare in dem Umschlag. Es war sehr mühselig die einzelnen Haare aus dem Flusenknäuel zu sortieren, aber am Ende bekam sie ein schönes Schmuckstück ohne Flusen. Ich empfehle jedem Tierhalter zu Lebzeiten seiner Tiere ein paar Haare zu sammeln, dies bietet sich in der Zeit des Fellwechsels gut an.

© Sonja Pilz | DNS Tierhaarschmuck

Hexe: Angenommen, unser Personal möchte jetzt ein Schmuckstück aus unserem Fell fertigen lassen. Wie müssen wir uns dann den weiteren Ablauf vorstellen? Jetzt bei dir z. B.. Wir schreiben dir eine Mail oder rufen dich an und wie geht es dann weiter? Muss uns unser Personal dann Löcher ins Fell schneiden? Wie lange dauert es, bis das fertige Schmuckstück dann bei uns ist?

Sonja: Oh nein, bitte keine Löcher ins Fell schneiden :-). Meist sehen sich die Kunden Schmuckstücke auf meiner Homepage an und suchen sich dort etwas aus. Ich finde es aber auch ganz toll, wenn die Kunden eigene Vorstellungen haben. Manchmal möchten Kunden etwas Besonderes ohne eigene Vorstellung wie das Schmuckstück aussehen soll, dann wird mir ein Budget vorgegeben und ich entwerfe etwas noch nicht Dagewesenes. Für gefilzte Arbeiten kann ich nur ausgekämmtes Haar verwenden. Möchte man das Haar hinter Glas zur Geltung bringen bietet sich immer das Deckhaar an. Auch hierzu finden sich ausführliche Informationen auf der Homepage. Die Haare müssen mir nun zugeschickt werden und die Fertigung dauert etwa 3-5 Tage, bei zu beschaffendem Material kann es auch deutlich länger dauern.

© Sonja Pilz | DNS Tierhaarschmuck

Hexe: Und die Kosten? Nach was richten sich die denn? Auch nach der Tierart oder nur nach dem Schmuckstück, das gearbeitet werden soll?

Sonja: Die Kosten richten sich zum einen nach dem Arbeitsaufwand und zum anderen nach den verwendeten Materialien. Ich persönlich verwende am liebsten Edelstahl bei den Kleinteilen, weil diese haltbarer sind als Modeschmuckmaterialien. Der Mehrpreis bewegt sich in einem moderaten Rahmen von 8-10 Euro. Bei all meiner Leidenschaft zur Tierhaarschmuckherstellung möchte ich, dass die Schmuckstücke für jedermann bezahlbar sind. Bei Sonderwünschen kann der Preis dann auch höher sein. Ich liebe diese Tätigkeit und mein größter Lohn ist es, wenn die Kunden mir schreiben wie glücklich und dankbar sie für ein solches Erinnerungsstück sind.

Hexe: Das war es auch schon. Liebe Sonja, wir danken dir, dass du unsere Fragen so ausführlich beantwortet hast, wünschen dir und deinen Lieben alles Gute und hoffen, dass du noch vielen Menschen mit deinen Schmuckstücken eine Freude machen kannst.

Über Sonja Pilz

© Sonja Pilz | DNS Tierhaarschmuck

Tiere begleiten Sonja Pilz bereits ein ganzes Leben und ein Leben ohne Tiere ist für sie undenkbar. Aktuell lebt sie mit 3 zauberhaften Maine Coons und einem kleinen Jack Russel zusammen. Sonja Pilz hat eine Ausbildung als Problemhundetherapeutin und Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen absolviert.

“Ich bin auf alles neugierig und suche immer wieder neue Herausforderungen”, sagt sie über sich.

Hauptberuflich arbeitet sie im Bereich der Altenpflege. Mit der Fertigung von Tierhaarschmuck entdeckte sie ihre Kreativität und damit eine neue Leidenschaft. Sie versteht, wie sehr ein Mensch sein Haustier lieben kann und wie wertvoll ein solches Schmuckstück für die Besitzer sein kann. Über ihre Angebote und Arbeiten könnt ihr euch auf ihrer Homepage oder auf Facebook informieren.


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Madame, Diva und manchmal auch "Mäkeltrudi". Hexe ist die First Lady im Bürokatzenteam von Haustiger und der Grund, warum es dieses Magazin heute gibt. Ihre Tätigkeit als zertifizierte Bürofachmieze ist eigentlich unbezahlbar, Hühnchen im Haus zu haben, schadet aber trotzdem nicht.

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