Feline Neonatale Isoerythrolyse

Probleme, Zucht

Feine Neonatale Isoerythrolyse

Wer sich mit der Katzenzucht beschäftigt oder darüber nachdenkt, seine Katze decken zu lassen und ihr einen Deckkater zu suchen, stößt früher oder später vielleicht auf den Begriff Blutgruppenunverträglichkeit bei neugeborenen Katzen, fachsprachlich Feline neonatale Isoerythrolyse (kurz FNI) oder auch Hämolyse des Neugeborenen. Im deutschsprachigen Raum ist die Erkrankung auch als Fading Kitten Syndrom bekannt. Sieht man sich aber im englischsprachigen Raum um, findet man den Begriff dort häufig zusammenfassend für sämtliche Gründe, warum Kitten sterben.

Eine Feline Neonatale Isoerythrolyse kann auftreten, wenn eine Katze mit Blutgruppe B, Welpen der Blutgruppen A oder AB wirft. Die Kitten erscheinen zunächst gesund, sterben aber oftmals in den ersten Lebenstagen. Eine Rettung ist meist nicht möglich. Um das Problem zu vermeiden, ist daher eine Blutgruppenbestimmung der Elterntiere vor einer möglichen Verpaarung unerlässlich. Grundsätzlich aber insbesondere bei Rassen, bei denen die Blutgruppe B gehäuft auftritt.

Welche Blutgruppen gibt es bei Katzen?

Unter einer Blutgruppe versteht man individuelle Unterschiede der Antigenstruktur auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen. Es sind bestimmte Glykolipide, die für die Blutgruppe verantwortlich sind. Bei Katzen sind die Blutgruppen A, B und AB (manchmal auch als C bezeichnet) bekannt.

Welche Blutgruppe eine Katze aufweist, wird genetisch bestimmt. Die Vererbung erfolgt nach dem Mendelschen Gesetz, wobei A über B dominiert. Die meisten Hauskatzen haben die Blutgruppe A (94,1 Prozent), die Blutgruppe B kommt in Deutschland mit 5,9 Prozent vor und die Blutgruppe AB lediglich mit 0,7 Prozent[1]. Bei Rassekatzen gibt es zwei Gruppen, die man trennen muss. In der einen Gruppe kommt nur Blutgruppe A vor, in der anderen sind auch die Blutgruppen B und AB vertreten. Die Blutgruppe AB gibt es nur in Rassen, in denen auch die Blutgruppe B auftritt. [2][3]

Verteilung der Blutgruppe B bei Rassekatzen (nicht vollständig)

Prozent (%) Rassen
20-45 Britisch Kurzhaar, Exotisch Kurzhaar, Chartreux, Cornish Rex, Devon Rex, Türkisch Van, Türkisch Angora.
11-20 Abessinier, Birma, Perser, Somali, Sphinx, Scottish Fold
1-10 Maine Coon, Norweger, Amerikanisch Kurzhaar

Die Blutgruppenverteilung ist je nach Rasse und Lebensort unterschiedlich. Auch die Zahlen unterscheiden sich je nach Studie und Zeitpunkt der Erhebung. Sie sind daher eher als Ansatzpunkt denn als verbindlich zu sehen.

Was hat es mit den im Blut zirkulierenden Antikörpern auf sich?

Bei Bluttransfusionen ist bekannt, dass dafür nur Blut derselben Blutgruppe verwendet werden darf, da es sonst zu einer Zusammenballung/Verklumpung (Agglutination) oder Auflösung (Hämolyse) der roten Blutkörperchen kommen kann. Eine mitunter lebensgefährliche Situation. Verantwortlich dafür sind die so genannten Iso- oder Alloantikörper, die aus einer Immunreaktion hervorgegangen und gegen das Blutgruppenantigen gerichtet sind, das die Katze jeweils nicht besitzt.

Jedoch ist die Verteilung dieser Antikörper unterschiedlich. So kommt es bei Katzen mit Blutgruppe A in 62 Prozent der Fälle zu keiner Verklumpung mit roten Blutkörperchen der Blutgruppe B, bei 36 Prozent zu einer nur geringen Zusammenballung (Grad +1 bis +2) und nur bei 2 Prozent zu einer schwerwiegenderen Verklumpung (Grad +3 bis +4).

Dagegen zeigten alle Blutproben von B-Tieren in Kontakt mit Blutproben der Blutgruppe A eine schwerwiegende Verklumpung (Grad 4+).[4]Bei AB kommt es in der Regel nicht zu einer Zusammenballung mit Erythrozyten (roten Blutkörperchen) der Blutgruppe A oder B.

In anderen Untersuchungen wiesen 46,9 Prozent aller Katzen mit Blutgruppe A keine Isoantikörper gegen B im Blut auf, jedoch 92,7 Prozent der Blutgruppe B Antikörper gegen A. [5]

Wie entsteht eine Feline Neonatale Isoerythrolyse (Fading-Kitten-Syndrom)?

Das „Fading Kitten Syndrom“ kann immer dann entstehen, wenn eine Kätzin mit Blutgruppe B mit einem Kater der Blutgruppe A verpaart wird. Die Trächtigkeit verläuft dabei zunächst symptomlos, da die Plazentaschranke als Gewebefilter den Blutkreislauf der Kätzin von dem der Kitten trennt. Denn durch diese Trennung können während der Trächtigkeit keine Antikörper aus dem Blut der Mutter in das der Katzenwelpen übergehen.

Die Probleme beginnen, wenn die Katzenwelpen mit Blutgruppe A nach der Geburt Kolostrum aufnehmen. Das Kolostrum ist die Erstmilch der Katze. Es enthält viele Proteine, Enzyme, Vitamine, Mineralien, Wachstumsfaktoren, Aminosäuren und Antikörper, stärkt die Katzenkinder und unterstützt deren Abwehrkräfte.

Mit den Gammaglobulinen des Kolostrums gehen aber auch Anti-A-Antikörper über die Darmwand ins Blut der Kitten über. Ein solcher Übergang kann nur in den ersten 16 Stunden nach der Geburt stattfinden, danach sind die Darmwände der Welpen für die mütterlichen Antikörper nahezu undurchlässig.[6]

Feline neonatale Isoerythrolyse: die einzelnen Verlaufsformen

Sind die Antikörper ins Blut der Kätzchen gelangt und kommt es zu einer Felinen Neonatalen Isoerythrolyse unterscheidet man drei Verlaufsformen, die perakute, die akute und die subklinische Form.

Perakuter Verlauf:Die gesund geborenen Kätzchen sterben symptomlos innerhalb der ersten drei Lebenstage.

Akuter Verlauf: Im akuten Verlauf zeigen die Katzenwelpen Schwäche und Gewichtsverlust. Durch die Verklumpung und Auflösung der roten Blutkörperchen kommt es zu einer Anämie und durch Schädigung der Leber zu einer Gelbsucht. Im Blut und Urin sind demnach erhöhte Bilirubingehalte und freies Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) nachweisbar und es wird rötlich-brauner Urin ausgeschieden.

Subklinischer Verlauf: Der subklinische Verlauf der Felinen neonatalen Isoerythrolyse ist selten und führt während der zweiten Lebenswoche der Kitten aufgrund von Durchblutungsstörungen (Ischämie) zum Absterben der Schwanzspitze.

Wie die Erkrankung verläuft und ob es zu einer FNI kommt, hängt davon ab, wie hoch der Antikörpertiter der Kätzin ist und wie viel Erstmilch betroffene Kätzchen aufgenommen haben. Bei einem hohen Anti-A-Antikörpertiter der Mutter sind die Kitten natürlich besonders gefährdet. Hat die Kätzin zwar Blutgruppe B, aber einen niedrigen Antikörpertiter sind seltener Komplikationen zu erwarten. Weist das Muttertier die Blutgruppe A oder AB auf, tritt in der Regel keine Blutgruppenunverträglichkeit auf.

Wie kann man das „Fading-Kitten-Syndrom“ behandeln?

Haben die Katzenkinder bereits Kolostrum der Mutter getrunken und über die Darmwand aufgenommen, ist eine Behandlung kaum noch möglich. Zwar kann man versuchen, die Katzenwelpen mit Transfusionen mit Erythrozytenkonzentrat frei von Anti-A-Antikörpern zu behandeln, jedoch entwickelt sich die Feline Neonatale Isoerythrolyse sehr schnell und die meisten Kätzchen sterben im perakuten oder akuten Verlauf.

Was kann ich tun, wenn bereits eine Risikoverpaarung stattgefunden hat?

Ist es durch Unwissenheit bereits zu einer Risikoverpaarung gekommen oder wurde eine solche bewusst herbeigeführt, müssen die Katzenkinder mindestens in den ersten 16 Stunden (teilweise werden auch 24 oder 48 Stunden empfohlen) von der Mutter getrennt und mit Ersatzmilch ernährt oder durch eine geeignete Amme mit Blutgruppe A gesäugt werden. So wird die Aufnahme der Anti-A-Antikörper über das Kolostrum der Mutter verhindert.

Die Vererbung der Blutgruppen folgt den Mendelschen Regeln. Die Blutgruppe A ist damit dominant über die Blutgruppen AB und B. Ist also die Kätzin reinerbig für B (genetisch b/b) und der Kater reinerbig für die Blutgruppe A, weisen alle Kätzchen die Blutgruppe A auf. Sind beide Elterntiere reinerbig für B, besitzen auch alle Katzenwelpen die Blutgruppe B.

Ist der Kater aber mischerbig für die Blutgruppe A (genetisch a/b) hat die Hälfte der Kitten die Blutgruppe B, die andere Hälfte die Blutgruppe A, demnach müssten eigentlich nur die Katzenwelpen mit der Blutgruppe A während der ersten 16 Stunden getrennt werden. Die Bestimmung der Blutgruppe über das Nabelschnurblut der Kitten (Testkärtchen) funktioniert in der Praxis allerdings nicht immer.

Ist die Blutgruppe der Elterntiere nicht bekannt, hat aber bereits eine Verpaarung stattgefunden, sollte diese schnellstmöglich bestimmt werden, um gegebenenfalls entsprechende Vorkehrungen treffen zu können.

Wie kann ich eine Blutgruppenunverträglichkeit bei Kitten von Vornherein vermeiden?

Am sichersten ist es, Risikoverpaarungen von Vornherein zu vermeiden und sich vor der Deckung umfassend zu informieren. Neben umfassendem Wissen über Genetik, Aufzucht und artgerechte Katzenhaltung gehören zu einer seriösen Zucht mit vernünftigem Ziel zahlreiche weitere Untersuchungen (z. B. auf vererbbare Krankheiten) und eben auch eine Blutgruppenbestimmung der Elterntiere.

(Ein vernünftiges Ziel ist zum Beispiel den Fortbestand einer Rasse zu sichern oder diese zu verbessern. Beispiele für nicht sinnvolle Ziele sind: „Ich möchte meine Katze decken lassen, weil die Rolligkeit nervig ist“, „Ich möchte, dass meine Kinder einmal das Wunder der Natur erleben.“, „Ich möchte, dass meine Katze einmal Mutterglück erleben darf.“ oder „Ich möchte meine hübschen Katzen verpaaren, weil sich die Jungtiere bestimmt gut verkaufen lassen.“)

Wer grundsätzlich und insbesondere bei Katzen, bei denen häufig die Blutgruppe B vorkommt, einfach Kater und Katze zusammenbringt und hofft, dass alles gut geht, handelt grob fahrlässig und nimmt billigend den Tod der Katzenwelpen und je nach Fall auch der Mutter in Kauf![/green_box]

Referenzen

[1]HAARER, M., GRÜNBAUM, E.G. (1993): Blutgruppenserologische Untersuchungen bei Katzen in Deutschland. Kleintierpraxis 38: 195-204.

[2]GIGER, U., BÜCHELER, J., PATTERSON, D.F. (1991A): Frequency and inheritance of A and B blood types in feline Breeds of the United States. J. Hered. 82: 15-20.

[3]GRIOT-WENK, M.E., GIGER U. (1995): Feline transfusion medicine. Blood types and their clinical importance. Vet. Clin. North Am., Small Anim. Pract. 25: 1305-1322.

[4]BÜCHELER, J.; GIGER, U. (1993): Alloantibodies against A and B blood types in cats. Vet. Immunol. Immunpathol. 38: 283-295.

[5]HAARER, M. (1992): Die klinische Bedeutung der Blutgruppen bei der Katze. Diss. Vet. Med., Justus-Liebig-Universität Gießen.

[6]CASAL, M.L., JEZYK, P.F., GIGER, U. (1996): Transfer of colostral antibodies from queens to their kittens. Am. J. Vet. Res. 57; 1653-1658.

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Experiment: Wie Katzen eigene und fremde Kitten unterscheiden können, es aber nicht immer tun.

Aus der Wissenschaft

Experiment: Wie Katzen eigene und fremde Kitten unterscheiden können, es aber nicht immer tun.

Einen Wurf Kitten großzuziehen, ist für eine Kätzin mit großem Aufwand verbunden und kostet ordentlich Energie. So kann der Kalorienbedarf während der Säugeperiode verdreifacht sein. Dennoch nehmen Katzenmütter oft auch fremde Kitten an. Durch ein Experiment im Rahmen einer kürzlich durchgeführten Studie wurde nun untersucht, inwiefern Katzenmütter eigene und fremde Kitten unterschiedlich behandeln und ob sie diese in den ersten Tagen voneinander unterscheiden können.

Kitten Experiment

© TanjaVdB / pixabay.com

Hierzu wurden drei Experimente durchgeführt, an denen insgesamt 19 weibliche Katzen (darunter 12 Mixe, 4 Perser, 2 Bengalen und 1 BKH) im Alter von einem bis vier Jahren teilnehmen. Die Katzen lebten in Privathaltung in Mexico City und hatten alle vor kurzem mindestens drei Junge geboren. Alle Kätzinnen hatten Zugang zu separaten Räumen in ihrem Zuhause, in denen sie ihren Wurf aufzogen. Zehn waren Freigänger, 9 Wohnungskatzen. Bei 17 der 19 Katzen lebten auch noch andere Samtpfoten im Haushalt. Alle wurden zweimal täglich mit handelsüblichem Nassfutter gefüttert und regelmäßig gegen Parasiten behandelt. Wasser, Milch, Trockenfutter und Katzentoilette standen zur freien Verfügung. Zusätzlich hatte jede Katze ein Katzenbett in einem großen Karton und mit kleinem Eingang als Wurfkiste zur Verfügung. Alle Experimente wurden in diesem separaten Raum in der Nähe der Wurfkiste durch eine Person durchgeführt, die den Katzen vertraut war.

Das erste Experiment

Im ersten Experiment wurde untersucht, wie Katzenmütter mit eigenen und fremden Kitten verfahren, die in der Nähe der Wurfkiste platziert werden. An diesem nahmen 12 weibliche Katzen teil, von denen 5 bereits mehrmals geworfen hatten, bei 5 war es der erste Wurf und bei 2 war die Vorgeschichte nicht bekannt. Die Kitten waren zu diesem Zeitpunkt maximal 7 Tage alt.

Als die Mutter aus eigenem Antrieb den Raum mit der Wurfkiste verlassen hatte, wurden zwei eigene und zwei fremde Kitten in Plastikbehältern mit einem Tuch aus dem jeweiligen Nest einen Meter von der Wurfkiste entfernt platziert. Dabei wurde soweit wie möglich versucht, Kitten zu wählen, die hinsichtlich Geschlecht und Farbe mit den eigenen identisch waren.

Nach nur wenigen Sekunden fingen die Kitten an zu weinen, wodurch die Mütter in den Raum zurückkehrten. Die Mütter begannen sofort nach ihrer Rückkehr an den Kitten zu schnüffeln und inspizierten die fremden Katzenkinder früher und länger, was zeigt, dass die Mutter erkannte, dass sich unter den Kitten nicht nur ihre eigenen befanden. Nichtsdestotrotz brachten 7 von 12 Katzen alle 4 Kitten zurück ins eigene Nest, 2 brachten nur 2 Kitten zurück (jeweils ein eigenes und ein fremdes) und 3 Katzen keines der Jungtiere.

Der Test dauerte so lange, bis entweder alle Kitten ins Nest zurückgebracht worden waren, fünf Minuten, nachdem das letzte Kitten zurückgebracht worden war oder nach 5 Minuten, wenn die Mutter keines der Kitten zurück ins Nest brachte. Es zeigten sich keine auffallenden Unterschiede in der Behandlung eigener und fremder Katzenkinder.

Das zweite Experiment

Im zweiten Experiment wurde untersucht, ob Katzenmütter allein am Geruch zwischen eigenen und fremden Katzenjungen unterscheiden können. An diesem Test nahmen 13 Katzenmütter teil, von denen 8 auch schon beim ersten Experiment mit von der Partie waren. Bei diesem Experiment wurden der Mutter drei unterschiedliche Kitten aus dem eigenen Wurf und ein fremdes Kitten präsentiert, wobei die Jungtiere in ein Tuch gewickelt wurden und die Katzenmutter nur die Analregion beschnüffeln durfte. Auch hier wurde versucht, Geschlecht und Farbe möglichst identisch zu halten. Die Kitten waren zu diesem Zeitpunkt maximal 8 Tage alt und blieben für das menschliche Ohr während des Tests stumm. Auch hier wurde die Analregion des fremden Kittens deutlich länger beschnüffelt, als bei den eigenen Jungtieren.

Das dritte Experiment

Um sicherzustellen, dass die Katzenmütter ihre Jungen wirklich nur anhand des Geruchs von fremden unterscheiden konnten, wurde am Folgetag noch ein drittes Experiment durchgeführt, an dem 11 Kätzinnen teilnahmen. Hierbei wurden Wattestäbchen an Rücken, Bauch, der Analregion, den Backen und unter den Achseln der Kitten gerieben und der Mutter zum Schnüffeln überlassen. Auch hier schnüffelte sie wieder deutlich länger am Wattestäbchen mit dem Geruch des fremden Kittens, was bestätigt, dass Katzenmütter ihre eigenen Jungen nur anhand des Geruchs von fremden unterscheiden können. Nicht klar ist, ob die Kitten einen eigenen Geruch besitzen, der von der Katze erkannt wird oder sie vielmehr ihren eigenen Geruch erkennt, der an den Katzenkindern haftet.

Fazit

Katzenmütter können anhand des Geruchs eigene von fremden Kitten unterscheiden, behandelten sie in der Praxis jedoch gleich. Das ist unter anderem interessant, da es für eine Kätzin einen Mehraufwand bedeutet, neben den eigenen auch noch fremde Kitten großzuziehen und dies prinzipiell auch dazu führen könnte, dass die eigenen Kinder nicht mehr adäquat versorgt werden können, weil mehr "Mäuler zu stopfen sind".

Ein Verhalten, das sich möglicherweise dadurch erklären lässt, dass das Weinen eines Kittens in der Nähe des Nests für die Kätzin ein so starker Antrieb ist, dass er andere Sinne überlagert und sie so dazu bringt, das Kitten ins Nest zu bringen, obwohl sie erkennt, dass es nicht zu ihrem Wurf gehört. In freier Natur ist es auch eher selten, dass sich fremde Katzenkinder in der Nähe des eigenen Wurfes aufhalten. Zudem zeigte eine Studie vom August 2016, dass weibliche Katzen generell anders auf Kittenlaute reagieren als Kater.

Darüber hinaus stellt ein weinendes Kitten außerhalb des Nestes möglicherweise auch eine Bedrohung für den eigenen Wurf dar, da es Räuber oder Artgenossen anlocken kann. Verhält sich das Kitten im Nest der Katze ruhig, schützt das auch den eigenen Nachwuchs.

Referenz: Bánszegi, O., Jacinto, E., Urrutia, A. et al. Can but don’t: olfactory discrimination between own and alien offspring in the domestic cat. Anim Cogn (2017). doi:10.1007/s10071-017-1100-z

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Rollig trotz Kastration. Katzen mit Ovarrest- Syndrom

Fortpflanzung

Rollig trotz Kastration. Katzen mit Ovarrest- Syndrom

Ist eine Katze kastriert, wird sie nicht mehr rollig. Eigentlich. Denn manchmal geschieht etwas Seltsames. Samtpfoten, die seit kurzem oder teilweise auch schon seit mehreren Jahren kastriert sind, zeigen plötzlich wieder typische Anzeichen einer Rolligkeit und lassen sich teilweise sogar wieder decken. Verantwortlich für diese Erscheinung ist in den meisten Fällen das Ovarrest-Syndrom, auch bekannt als Eierstockrestsyndrom oder englisch Ovarian Remnant Syndrome, kurz ORS.

Um zu verstehen, was dabei im Körper der Katze passiert und um die folgenden Informationen besser zu verstehen, ist es ganz hilfreich, sich ein wenig mit dem Sexualzyklus der Kätzin zu beschäftigen. Seid ihr da schon fit, könnt ihr den folgenden kleinen Exkurs getrost überspringen.

rollig trotz kastration

Der Sexualzyklus der Kätzin

Katzen sind, wie es so schön heißt, saisonal polyöstrisch, das bedeutet es tritt unter natürlichen Bedingungen innerhalb eines Zeitraums regelmäßig eine Rolligkeit auf, wenn das Tier nicht bei der ersten Rolligkeit gedeckt wird. Dieses Zyklusgeschehen beginnt, wenn die Tage länger werden und Licht mindestens 12 bis 14 Stunden täglich einwirken kann.

Es setzt aus, wenn die Tage kürzer werden, in unseren Breitengraden in den Herbst- und Wintermonaten. Während der sexuell aktiven Zeit kommt die Katze (die keinen Zugang zum Kater hat) etwa alle 4 bis 30 Tage (durchschnittlich alle 2-3 Wochen) in die Rolligkeit. Speziell bei Wohnungskatzen kommt es – der Glühbirne bzw. dem Kunstlicht sei Dank – jedoch auch häufig vor, dass die „Winterpause“ (Anöstrus) zwischen den Zyklen ausfällt und die Katze durchgehend sexuell aktiv ist.

Alles in allem unterteilt man den Sexualzyklus in vier Phasen: Proöstrus, Östrus, Diöstrus bzw. Interöstrus. Die Pause zwischen den Zyklen wird als Anöstrus bezeichnet. Diese Phasen werden uns im Verlauf des Artikels noch häufiger begegnen und sehen wir uns hier an dieser Stelle noch ein wenig genauer an. Alles beginnt mit dem Proöstrus, der Vorbrunst.

Diese Proöstrusphase durch einen Anstieg des von 17ß-Östradiol im Blut der Katze eingeleitet. 17ß-Östradiol gehört zu den Östrogenen, also zu den weiblichen Sexualhormonen. Dieser Anstieg geht mit den ersten Verhaltensänderungen einher. Die Kätzinnen werden anhänglicher, reiben den Kopf, treten mit den Hinterpfoten, miauen vermehrt und zeigen eine geringere Aggressivität gegenüber Katern. Diese Phase dauert etwa ein bis zwei Tage und wird durch den Östrus abgelöst, in dessen Verlauf die Katze paarungsbereit ist und die typischen Rolligkeitssymptome mit Wälzen, verstärktem Miauen und Einnehmen der Deckposition zeigt. Der Eisprung findet bei der Katze induziert statt und wird durch einen neuroendokrinen Reflex ausgelöst, der durch das Eindringen des Penis stimuliert wird. Durch diesen vaginalen Reiz wird vermehrt LH (Luteinisierungshormon) aus dem Hypophysenvorderlappen (HVL) ausgeschüttet, was die Reifung der Eizellen und in Folge zum Eisprung führt. Damit der Eisprung ausgelöst werden kann, muss eine gewisse LH-Konzentration im Blut erreicht werden.

Dazu ist meist erforderlich, dass über mehrere Tage vermehrt Östradiol ausgeschüttet wird. Zudem reicht bei einigen Katzen eine einmalige Bedeckung nicht aus, um die notwendige LH-Konzentration zu erreichen. Sicherer für das Erreichen eines Eisprungs ist es, wenn die Katze mehrmals innerhalb kurzer Zeit gedeckt wird.

Der Eisprung findet rund 24-36 Stunden nach dem Deckakt bzw. nach Erreichen der kritischen LH-Konzentration statt. In dieser Zeit kann die Katze von verschiedenen Katern gedeckt werden und Kitten aus einem Wurf können demnach auch unterschiedliche Väter haben. Nach dem Eisprung bilden sich aus den Follikelzellen die Gelbkörperzellen und geben Progesteron ab, das für die Aufrechterhaltung der Trächtigkeit entscheidend ist.

Hat zwar ein Eisprung, aber keine Empfängnis stattgefunden, bilden die Gelbkörper dennoch über 30-40 Tage das Steroidhormon Progesteron, danach tritt wieder eine Rolligkeit auf. Eine Phase, die man als Diöstrus bezeichnet. Während des Diöstrus erreicht der Progesteronspiegel nach 11-15 Tagen sein Maximum und sinkt dann bis zum 40. Tag wieder auf das Basalniveau ab. Während dieser Zeit kann es zu einer Scheinträchtigkeit kommen.

Erfolgt kein Eisprung bilden sich die Follikel im Eierstock wieder zurück, ohne sich zu öffnen. Es kommt zu einer Pause von etwa 4 – 22 Tagen, die unter bestimmten Bedingungen (z. B. bei hohen Umgebungstemperaturen) auch deutlich länger ausfallen kann. Diese Pause bezeichnet man als Interöstrus. Fällt der Interöstrus aus und gehen die Östren mehr oder weniger fließend ineinander über, spricht man von einer Dauerrolligkeit. Während des Interöstrus bleiben die Konzentrationen von Östradiol und Progesteron auf konstant niedrigem Basalniveau.

Ovarrest-Syndrom bei der Katze - Geschichte

Der erste Fallbericht eines Eierstockrestsyndroms bei der Frau wurde 1962 von Kaufmann veröffentlicht. Das Syndrom an sich wurde 1970 erstmals von Shemwell und Weed ((Shemwell, R. E. and Weed: J. C. 1970. Ovarian remnant syndrome: Obstetrics and Gynecology, 39: 299-303)) beschrieben, die zeigten, dass die Eierstockrinde, der Cortex ovarii, funktionsfähig bleiben kann, wenn sie an anderer Stelle im Bauch implantiert wird. Sie implantierten dabei die Rinde der entfernten Eierstöcke von vier weiblichen Katzen ins Bauchfell der seitlichen Bauchwand. Vier Monate später beobachteten sie, dass zwei der Katzen Rolligkeitssymptome zeigten und zwei weitere Eierstockzysten mit follikulärer Aktivität aufwiesen. Das verbliebene Eierstockgewebe war weiterhin funktionsfähig und verursachte klinische Symptome eines Proöstrus, Östrus, Scheinträchtigkeit oder sogar Paarung, die ohne Trächtigkeit endete.

Ovarrest-Syndrom bei der Katze - Risikofaktoren

Die Rasse und das Alter bei der Kastration scheinen das Risiko für das Eierstockrestsyndrom bei der Katze nicht zu erhöhen. Miller untersuchte zwischen 1988 und 1992 46 Fälle bei Hunden und Katzen. Er stellte fest, dass unter den von ihm untersuchten Tieren kein Tier ein ORS aufwies, das unter 4 Monaten kastriert worden war und dass sich die Eierstockreste gleichmäßig auf beide Eierstöcke verteilten.

Frühere Untersuchungen kamen zu einem ähnlichen Ergebnis, während es auch Hinweise darauf gibt, dass ORS insbesondere wenn eine seitliche Kastration (über die linke Flanke) durchgeführt wurde, häufiger am rechten Eierstock vorkam, wenn nur ein Eierstock betroffen war. Demirel und Acar merken daher an, dass eine Kastration über die Mitte, wie sie bei uns vornehmlich praktiziert wird, das Risiko für das Entstehen eines Eierstockrestsyndroms verringern könnte ((Demirel MA, Acar DB. Ovarian remnant syndrome and uterine stump pyometra in three quees. J Feline Med Surg. 2012 Dec;14(12):913-8. doi: 10.1177/1098612X12451373. Epub 2012 Jun 15)).

Laut Miller ((Miller DM. Ovarian remnant syndrome in dogs and cats: 46 cases (1988-1992). J Vet Diagn Invest. 1995 Oct;7(4):572-4.)) gibt es keinen Beweis dafür, dass die Länge des Schnitts oder das Gewicht des Tieres (übergewichtig vs. normalgewichtig) das Risiko für die Entwicklung eines ORS bei der Katze erhöhen. Demirel und Acar ((Demirel MA, Acar DB. Ovarian remnant syndrome and uterine stump pyometra in three quees. J Feline Med Surg. 2012 Dec;14(12):913-8. doi: 10.1177/1098612X12451373. Epub 2012 Jun 15.)) halten es dagegen für möglich, dass das Auftreten des Eierstockrestsyndroms an beiden Eierstöcken mit einem kürzeren Schnitt und/oder einem zu kaudal gesetzten Schnitt in Verbindung steht. Wallace ((Wallace, M. S. The Ovarian Remnant Syndrome in the Bitch adn Queen. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice, 21:501-507.)) sieht Übergewicht, ebenso wie eine Gebärmutterentzündung nicht in Verbindung mit dem ORS, wohingegen laut Naiman et al. ((Naiman JH1, Mayhew PD, Steffey MA, Culp WT, Runge JJ, Singh A.. Laparopscopic treatment of ovarian remnant syndrome in dogs and cats: 7 cases (2010-2013).et Med Assoc. 2014 Dec 1;245(11):1251-7. doi: 10.2460/javma.245.11.1251.)) und Demirel und Acar ((Demirel MA, Acar DB. Ovarian remnant syndrome and uterine stump pyometra in three quees. J Feline Med Surg. 2012 Dec;14(12):913-8. doi: 10.1177/1098612X12451373. Epub 2012 Jun 15.)) das Risiko bei Übergewicht erhöht sein kann, weil das Gewebe schlechter einsehbar ist.

Die Erfahrung des Tierarztes spielt bei der Häufigkeit des Syndroms laut Miller keine Rolle. In den Untersuchungen von Miller waren weniger als die Hälfte der vorgestellten Katzen von Tierärzten operiert worden, die ihre Ausbildung innerhalb der letzten 5 Jahre abgeschlossen hatten. Demirel und Acra nennen mangelnde Erfahrung jedoch neben Übergewicht oder einem zu kleinen Schnitt als mögliches Risiko für die Entstehung eines ORS. Auch Alcigir et al. ((Alci̇gi̇r, M. E.; Karakas, K.; Kanca, H.; Alkan, H.; Vural, S. A.; Tunc, A. S. A case of ovarian remnant syndrome with cystic papillary hyperplasia in a queen: clinicopathological evaluation and expressions of eostrogen and progesteron receptors, uroplakins and transforming growth factor-β1. Research Opinions in Animal and Veterinary Sciences 2014 Vol. 4 No. 10 pp. 526-531)) gibt mangelnde Erfahrung als mögliche Ursache an.

Laut Heffelfinger ((Heffelfinger D. J. Ovarian remnant in a 2-year-old queen. Can Vet J. 2006 Feb; 47(2): 165–167.)) spielten weder das Alter, noch die Rasse, noch das Vorhandensein anderer Faktoren, wie Übergewicht, Gebärmutterentzündung, Trächtigkeit oder eine Entzündung des Eileiters eine Rolle.

Ovarrest-Syndrom bei der Katze - Symptome

Erste Symptome zeigen sich bei der Katze durchschnittlich nach 2-3 Jahren, wobei teilweise bereits nach 4 Tagen oder auch erst nach 9 Jahren wieder Symptome aufgetreten sind. ((Wallace. M.S. The Ovarian Remnant Syndrome in the Bitch and Queen. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice, 21:501-507))

Die Symptomatik ähnelt im Endeffekt der einer Rolligkeit. Die Tiere rufen nach dem Kater, rollen sich auf dem Boden, präsentieren ihr Hinterteil, treten mit den Hinterbeinen auf der Stelle und ziehen Kater magisch an. Hat die Katze Zugang zum Kater lässt sie auch die Begattung durch den Kater zu, ohne dass es jedoch zu einer Trächtigkeit kommt.

Die Zyklusdauer und –häufigkeit ähnelt meist dem normalen Sexualzyklus, kann aber auch unregelmäßig sein. Es kann sein, dass die Katze über Monate und Jahre nach der Kastration keinerlei Rolligkeitsanzeichen zeigt, bevor der Sexualzyklus wieder aufgenommen wird. ((Wallace. M.S. The Ovarian Remnant Syndrome in the Bitch and Queen. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice, 21:501-507)) Liegt eine Begleiterkrankung, wie etwa eine Gebärmutterentzündung vor, kann es auch zu anderen Symptomen, wie etwa vaginalem Ausfluss kommen. Grundsätzlich gilt, treten bei einer kastrierten Katze plötzlich wieder Anzeichen einer Rolligkeit auf, sollte ORS in Betracht gezogen und die Katze einem Tierarzt vorgestellt werden.

Ovarrest-Syndrom bei der Katze – Ursachen

Für die Entstehung eines Eierstockrestsyndroms bei der Katze kommen nach aktueller Lehrmeinung drei Ursachen in Betracht:

  • Die Eierstöcke wurden nicht komplett entfernt
  • Bei der Entfernung ist versehentlich Eierstockgewebe im Bauchraum gelandet
  • Es ist zusätzliches Eierstockgewebe vorhanden

 

Die Eierstöcke wurden nicht komplett entfernt

Ein Ovarian Remnant Syndrome kann auftreten, wenn ein Eierstock oder beide Eierstöcke nicht vollständig entfernt werden und dadurch funktionelles Eierstockgewebe im Katzenkörper verbleibt. Durch einen Operationsfehler kann es vorkommen, dass die Eierstöcke nicht vollständig entfernt werden und funktionelles Eierstockgewebe im Katzenkörper zurückgelassen wird. Das kann laut Sontas et al. ((B H Sontas, K Gürbulak, H Ekici.Ovarian remnant syndrome in the bitch: a literature review.Arch. Med. Vet. 39, Nº 2, 2007)) unter Umständen durch einen zu kurzen Schnitt begünstigt werden, der es erschwert, die Eierstöcke richtig zu sehen, zu erreichen und abzubinden. Es ist auch möglich, dass die Eierstöcke falsch abgebunden werden oder kann an der anatomischen Lage des rechten Eierstocks liegen. Anatomisch befindet sich der rechte Eierstock und das rechte Gebärmutterhorn mehr kranial als ihre linken Gegenstücke, was sie anfällig dafür macht, dass sie vom Operateur während der OP vergessen werden. In den Berichten von Pearson ((Pearson H. 1973. The complications of ovariohysterectomy in the bitch.
J Small Anim Pract 14, 257-266.)), Prats ((Prats AE. 2001. Ovarian remnant sydrome in the queen. EVSSAR
Newsletter 4, Pp 5-8.)) und Wallace ((Wallace MS. 1991. The ovarian remnant syndrome in the bitch and
queen. Vet Clin North Am 21, 501-507)) war es denn auch häufiger der rechte Eierstock, der als Rest vorhanden war. Bei Miller dagegen waren beide Seiten in etwa gleich häufig betroffen.

Bei der Entfernung landete versehentlich Eierstockgewebe im Bauchraum

Wie eingangs bereits erwähnt, stellten Shemwell und Weed bereits 1970 experimentell fest, dass Eierstockgewebe auch an anderer Stelle im Bauchraum funktionsfähig bleiben kann. Es kommt vor, dass Gewebe, das versehentlich in die Peritonealhöhle, also die Bauchfellhöhle, gelangt, revaskularisiert wird. Das bedeutet, es sprießen über das Bauchnetz oder die Serosa der Bauchorgane wieder Blutkapillaren in das Gewebe ein und gewährleisten dessen Versorgung. So versorgt kann es seine Funktion wie ein Eierstock wieder aufnehmen ((Prats AE. 2001. Ovarian remnant sydrome in the queen. EVSSAR
Newsletter 4, Pp 5-8. )) ((Feldman EC, RW Nelson. 2004. Ovarian remnant syndrome. In: Feldman, E.C. and Nelson, R.W. (eds.) Canine and Feline Endocrinology and Reproduction. 3rd edition, W.B. Saunders Company, 11830 Westline Industrial Drive, St. Luis, Missouri)) ((Romagnoli S. 2004. Ovarian remnant syndrome. Proceedings of Fourth EVSSAR Congress, Barcelona, Spain, Pp 239-241. )) Eierstockreste, die experimentell im Abdomen vernäht oder frei hinterlassen wurden, konnten wieder mit Blut versorgt werden und nahmen in etwa 90 % der Fälle das Follikelwachstum wieder auf.

Es ist zusätzliches Eierstockgewebe vorhanden

Nur vereinzelt gibt es Berichte über Eierstockgewebe im breiten Gebärmutterband. Zusätzliches Eierstockgewebe wird als zusätzlicher Eierstock oder ektopisches Eierstockgewebe bezeichnet, das sich in der Nähe der normalen Eierstöcke befindet und mit diesen auch verbunden sein kann. ((McEntee K. 1990. Congenital anomalies. In: McEntee, K. (ed), Reproductive Pathology of Domestic Mammals. Academic Press Inc, San Diego, California, USA, Pp 36-41. )) Wichtig zu wissen ist hier, dass zusätzliches Eierstockgewebe aktiviert werden kann, wenn die normalen Eierstöcke entfernt wurden. Diese zusätzlichen Eierstöcke können eine geringe Größe haben.

Das Eierstockgewebe kann weiterhin einem Zyklus nachgehen, auch wenn die Gebärmutter entfernt wurde.

Ovarrest-Syndrom bei der Katze - Diagnosemöglichkeiten

Die meisten Katzen mit Ovarrest-Syndrom werden dem Tierarzt vorgestellt, weil sie, obwohl kastriert, plötzlich wieder Rolligkeitssymptome zeigen. Der Tierarzt führt dann weitere Untersuchungen durch. Hier sind ein Vaginalabstrich, eine Hormonmessung, Ultraschall oder auch eine Probelaparotomie denkbar. Es wird empfohlen, mehrere dieser Verfahren anzuwenden, um die Diagnose Eierstockrestsyndrom vor einer OP weitmöglichst zu sichern.

Der Vaginalabstrich

Das Vaginalsekret der potenten, weiblichen Katze weist je nachdem in welcher Phase sie sich befindet, eine andere Zusammensetzung auf. Hat man eine Katze im Interöstrus, Anöstrus oder eine kastrierte Katze ist das Sekret eher verwaschen und weist ein niedriges Schleimhautepithel auf.

Im Proöstrus ist das Sekret nach wie vor verwaschen und weist verhornte Schleimhautepithelzellen auf. Diese Verhornung (Keratinisierung) nimmt im Östrus ab und das Sekret wird klar. Wer sich vielleicht schon einmal mit natürlichen Verhütungsmethoden, wie etwa der symptothermalen Methode, beschäftigt hat, dem kommt das vielleicht bekannt vor.

Man kann also an sich durch einen Vaginalabstrich bei einer kastrierten Katze Schlüsse ziehen, ob in dieser ein Zyklusgeschehen „stattfindet“. Demirel und Acar weisen jedoch darauf hin, dass der Vaginalabstrich zwar die Diagnose Ovarrest-Syndrom unterstützen kann, jedoch auch ein Eierstockrest vorhanden sein kann, obwohl die Katze keine Auffälligkeiten im Abstrich zeigt.

Die Hormonmessung

Als wichtigste Sexualhormone bei der Kätzin gelten zum einen 17ß-Östradiol und zum anderen Progesteron, das Gelbkörperhormon. Diese Hormone sind je nach Zyklusphase unterschiedlich konzentriert und können Hinweise auf funktionelles Eierstockgewebe geben.

Messung des Östradiolspiegels

Bei einer Katze, die sich nicht in der Rolligkeit befindet, oder kastriert ist, liegt der Östradiolspiegel im Blut unter 20 pg/ml. Kommt die Katze in die Brunst übersteigt er die Basalkonzentration und erreicht Maximalwerte von 40-80 pg/ml. Ein erhöhter Östradiolspiegel kann bei der kastrierten Katze demnach ein Hinweis auf ein Ovarrest-Syndrom sein. Der Östrogenspiegel kann bei Stress erhöht sein, da die Nebennieren winzige Mengen Östrogene absondern können. Zudem gibt es täglich, wöchentlich und sogar jahreszeitabhängige Schwankungen. Eine Messung des Östrogenspiegels allein, ist demnach nicht ausreichend.

LH-Test

LH wird von der Hypophyse auf Stimulation von GnRH gebildet. Es kommt zu einem so genannten LH-Peak, der etwa 24 bis 48 Stunden, selten länger, andauert. Der Eisprung folgt etwa zwei bis drei Tage später. Die LH-Spiegel, die im Blut zirkulieren werden beim fortpflanzungsfähigen Tier durch Östrogen bzw. Steroidhormone rückgekoppelt. Dieses negative Feedback fehlt bei Tieren, die kastriert sind und der LH-Spiegel bleibt konstant hoch. Weist ein eigentlich kastriertes Tier niedrige LH-Konzentrationen auf, kann dies einen Hinweis auf noch vorhandenes, intaktes Eierstockgewebe geben. LH-Tests werden für Tiere bislang nur sehr vereinzelt angeboten und sind z. B. bei synlab möglich.

Bestimmung des Anti-Müller-Hormons (AMH)

Das Anti-Müller-Hormon (kurz AMH) spielt vor allem während der Embryonalentwicklung bei der sexuellen Differenzierung (Männlein/Weiblein) eine wesentliche Rolle. Nach der Geburt reguliert AMH beim weiblichen Tier die Follikelreifung. Bei der (vollständig) kastrierten Katze liegt die AMH-Konzentration liegt der Referenzwert bei < 0,1 ng/ml, beim unkastrierten Tier bei >2,0 ng/ml.
Mittels AMH-Bestimmung kann folglich ebenfalls untersucht werden, ob ein Tier kastriert oder nicht kastriert ist bzw. ob noch funktionelles Eierstockgewebe vorhanden ist. ((Laboklin aktuell - Info 5/2012: Anti-Müller-Hormon))

Wusstest du schon, dass...

...die genannten Verfahren auch angewendet werden können, um bei Tieren mit unklarem Fortpflanzungszustand (z. B. Fundkatzen) zu bestimmen, ob diese kastriert sind oder nicht?

Emma (Schlaumiez)

GnRH-Stimulationstest

Eine Möglichkeit zur Bestimmung der Östradiolkonzentration und damit zum Nachweis von eventuell noch vorhandenem Eierstockgewebe ist der GnRH-Stimulationstest oder auch Gonadotropin-Releasinghormon-Test.

GnRH ist ein Hormon, das im Hypothalamus gebildet wird und die Freisetzung von LH (luteinisierendes Hormon) und FSH (Follikel-stimulierendes Hormon) regelt. LH löst neben anderen Funktionen den Eisprung aus, während FSH die Reifung des Eis im Eierstock anregt.

Bei einem GnRH-Stimulationstest wird der Östradiolwert vor und nach der gezielten Gabe von GnRH gemessen. Es wird untersucht, ob der Östradiolspiegel durch das GnRH stimuliert werden konnte. Ist dies der Fall, kann dies ein Hinweis auf möglicherweise noch vorhandenes, intaktes Eierstockgewebe sein.
Nicht-invasiv ("ohne die Katze aufzuschneiden") ist keine zuverlässige Diagnosefindung möglich (und während einer Laparotomie erschwert), wenn sich die Katze nicht im Östrus befindet. Nicht jede Katze zeigt deutliche Rolligkeitssymptome oder einen regelmäßigen Zyklus. ((Axnér E, Gustavsson T, Strom Holst B. Estradiol measurement after GnRH-stimulation as method to diagnose the presence of ovaries in the female domestic cat. Theriogenology. 2008;70:186.))

Bildgebende Verfahren

Eine Ultraschalluntersuchung kann zum Auffinden zystischer Strukturen oder hypoechogener Massen im Bereich der Eierstöcke nützlich sein, um das Vorhandensein eines Eierstockrests zu bestätigen. Durch die geringe Größe der Eierstockreste und die Gegebenheiten des umliegenden Gewebes bleiben die Reste dem Untersucher jedoch häufig verborgen, weshalb eine Ultraschalluntersuchung allein zur Diagnosefindung in der Regel nicht ausreichend ist. Ähnliches gilt für eine Röntgenaufnahme des Bauchraums. ((Romagnoli S. Ovarian remnant syndrome in the queen: clinical approach to a surgeon's dilemma. XXIII SIMPOZIJ O AKTUALNIH BOLEZNIH MALIH ZIVALI. 22.-24.04.2010))

Operative Verfahren

Eine Probelaparotomie, also die operative Öffnung der Bauchhöhle zu Diagnosezwecken, kann an sich ebenfalls durchgeführt werden. Es macht jedoch Sinn, den Verdacht auf einen Eierstockrest durch andere, nicht-invasive Methoden im Vorfeld zu bestätigen. Während der Probelaparotomie können eventuell vorhandene Eierstockreste gleich im Rahmen der Operation entfernt werden.

Eine Probelaparotomie sollte versucht werden, wenn sich die Katze nach Stimulation im Proöstrus, Östrus oder Diöstrus befindet und die Follikel oder der Gelbkörper zusammen mit den versorgenden Blutgefäßen vergrößert sind, wodurch das Auffinden des Eierstockrests erleichtert wird. Im Diöstrus ist das Blutungsrisiko aufgrund der niedrigeren Östradiolspiegel geringer, als im Proöstrus oder Östrus.

Therapie

Empfohlen wird die operative Entfernung des Eierstockgewebes durch einen in dieser Hinsicht erfahrenen Chirurgen im Zuge der Probelaparotomie mit anschließender histopathologischer Untersuchung des entnommenen Gewebes.

Empfohlen wird die operative Entfernung des Eierstockgewebes durch einen in dieser Hinsicht erfahrenen Chirurgen im Zuge der Probelaparotomie mit anschließender histopathologischer Untersuchung des entnommenen Gewebes.

Nach kompletter Entfernung aller Eierstockreste verschwinden die klinischen Symptome in Verbindung mit den Östrus oder Proöstrus.

Ist die operative Entfernung nicht erfolgreich, nicht möglich oder vom Besitzer nicht erwünscht, kann auch eine medikamentöse Behandlung in Erwägung gezogen werden. Die Behandlung kann durch Gestagenpräparate, die zur Verhütung des Östrus eingesetzt werden, erfolgen („die Pille“). Hier sollte man jedoch die möglichen unerwünschten Nebenwirkungen bedenken (z. B. Gewichtszunahme, Wesensänderungen, Veränderungen am Geschlechtsapparat oder am Gesäuge (Vergrößerung, Tumore) oder auch Gebärmutterentzündung, wenn diese bei der eigentlichen Kastration nicht mit entfernt wurde, bzw. Entzündung des Gebärmutterstumpfes). Speziell da es in diesem Fall nicht um einen kurzfristigen/vorübergehenden Einsatz der Präparate geht, sondern um eine dauerhafte Medikation.

Eine andere Möglichkeit wäre das Setzen eines Deslorelin-Implantats („Kastrationschip“), wenn keine OP erfolgen kann/erfolgen soll.

Wird die Katze nicht behandelt, gelten im Endeffekt ähnliche Risiken wie bei der unkastrierten Katze (erhöhtes Risiko für Neubildungen am Gesäuge und Granulosazelltumoren, möglicherweise Gebärmutterentzündung bzw. Entzündung des Gebärmutterstumpfes). ((Naiman JH, Mayhew PD, Steffey MA, Culp WT, Runge JJ, Singh A. Laparoscopic treatment of ovarian remnant syndrome in dogs and cats: 7 cases (2010-2013). J Am Vet Med Assoc. 2014 Dec 1;245(11):1251-7. doi: 10.2460/javma.245.11.1251.))

Differenzialdiagnosen / Mögliche andere Ursachen

Neben einem Eierstockrestsyndrom können an sich auch andere Ursachen für Rolligkeitssymptome oder für Symptome, die auch beim Ovarian-Remnant-Syndrom auftreten können.

Die Fachliteratur nennt ((B H Sontas, K Gürbulak, H Ekici.Ovarian remnant syndrome in the bitch: a literature review.Arch. Med. Vet. 39, Nº 2, 2007)) ((Heffelfinger D. J. Ovarian remnant in a 2-year-old queen. Can Vet J 2006; 47:165-167)) ((Romagnoli S. Ovarian remnant syndrome in the queen: clinical approach to a surgeon's dilemma. XXIII SIMPOZIJ O AKTUALNIH BOLEZNIH MALIH ZIVALI. 22.-24.04.2010)) :

- Tumor der Nebenniere. In den Nebennieren wird ebenfalls in kleinen Mengen Östrogen produziert. Tumore der Nebenniere, die große Mengen dieser Hormone bilden, könnten möglicherweise wiederkehrende Rolligkeitssymptome verursachen.
- Verhaltensstörung.
- Hormoncremes. In den USA gab es vor einigen Jahren vermehrt Fälle, in denen eigentlich kastrierte Katzen plötzlich wieder Rolligkeitssymptome zeigten. Schuld daran war die Verwendung von Hormoncremes der Besitzer, die über deren Hände von den Tieren aufgenommen wurden.

In der Regel ohne Rolligkeitssymptome, wenn nicht in Verbindung oder als Folge von ORS:

- „alles, was mit blutigem Scheidenausfluss einhergehen kann“, z. B. Neubildungen in der Scheide, Scheidenentzündung, Stumpfpyometra, Trauma oder eine Störung der Blutgerinnung.

Literaturverweise

1) Shemwell RE, JC Weed. 1970. Ovarian remnant syndrome. Obstet Gynecol 39, 299-303.
2) Demirel MA, Acar DB. Ovarian remnant syndrome and uterine stump pyometra in three quees. J Feline Med Surg.2012 Dec;14(12):913-8. doi: 10.1177/1098612X12451373. Epub 2012 Jun 15
3) Alci̇gi̇r, M. E.; Karakas, K.; Kanca, H.; Alkan, H.; Vural, S. A.; Tunc, A. S. A case of ovarian remnant syndrome with cystic papillary hyperplasia in a queen: clinicopathological evaluation and expressions of eostrogen and progesteron receptors, uroplakins and transforming growth factor-β1. Research Opinions in Animal and Veterinary Sciences 2014 Vol. 4 No. 10 pp. 526-531
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14) B H Sontas, K Gürbulak, H Ekici.Ovarian remnant syndrome in the bitch: a literature review.Arch. Med. Vet. 39, Nº 2, 2007
15) Heffelfinger D. J. Ovarian remnant in a 2-year-old queen. Can Vet J 2006; 47:165-167
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17) Axnér E, Gustavsson T, Strom Holst B. Estradiol measurement after GnRH-stimulation as method to diagnose the presence of ovaries in the female domestic cat. Theriogenology. 2008;70:186
18) Romagnoli S. Ovarian remnant syndrome in the queen: clinical approach to a surgeon's dilemma. XXIII SIMPOZIJ O AKTUALNIH BOLEZNIH MALIH ZIVALI. 22.-24.04.2010
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21) Schnorr B., Kressin M. Embryologie der Haustiere. Verlag Enke; Auflage: 5., neu bearb. Aufl. (23. August 2006)
22) Wehrend A. Leitsymptome Gynäkologie und Geburtshilfe beim Hund: Diagnostischer Leitfaden und Therapie. Verlag Enke; Auflage: 1 (24. März 2010)
23) Hämmerling R., Praxis der endokrinologischen Krankheitsbilder bei Hund und Katze: Von der Pathophysiologie zur Therapie, Verlag Enke; Auflage: 1 (13. Mai 2009)
24) Lutz H., Kohn B., Krankheiten der Katze. Verlag: Enke; Auflage: 5., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage (19. November 2014)
25) Laboklin aktuell - Info 5/2012: Anti-Müller-Hormon

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Bullshit-Bingo: Meine Katze ist (noch) nicht kastriert

Bullshit-Bingo

Meine Katze ist (noch) nicht kastriert

Nach längerer Zeit haben wir heute mal wieder ein Bullshit-Bingo für euch. Dieses Mal geht es um die Dauerbrenner Kastration und Nachwuchs. Wir haben uns für euch mal wieder durch die einschlägigen Foren und Gruppen gekämpft und einiges an Pro- und Contra-Argumenten für euch gesammelt.

Hier bei uns präsentieren wir euch das Bingo zur Kastra, bei The3Cats+1 findet ihr das Bullshit-Bingo zu "Meine Katze hat Babys bekommen".

Kastrieren Bullshit Bingo Anika

Viel Spaß damit. :-)

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Studie: Frühkastration führt NICHT zu Verhaltensauffälligkeiten

Aus der Wissenschaft

Studie: Frühkastration führt NICHT zu Verhaltensauffälligkeiten

Frühkastration (PPG) wird als sinnvolle Möglichkeit zur Populationskontrolle bei Katzen beworben. So geben manche Tierschutzorganisationen/Tierheime ebenso wie diverse seriöse Züchter ihre Katzen nur frühkastriert ab. Jedoch herrscht in Bezug auf die Frühkastration – besonders was gesundheitliche Probleme und Verhaltensauffälligkeiten angeht – nach wie vor eine gewisse Besorgnis und daraus folgend eine Ablehnung der Frühkastration .

Im Rahmen einer Studie wurde nun vor einigen Monaten untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Kastrationszeitpunkt und dem Auftreten von (möglicherweise) unerwünschtem Verhalten bei Katzen beiderlei Geschlechts gibt.

Frühkastration hexe

800 Kitten im Alter zwischen 8 und 12 Wochen (0,7 bis 1,4 kg) aus Tierheimen in Flandern, Belgien, wurden zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. Die PPG-Gruppe wurde zum Zeitpunkt der Überlassung kastriert, die TAG-Gruppe im üblichen Alter zwischen sechs und 8 Monaten. Mithilfe von Online-Umfragen wurde dann kurz- und langfristig überprüft, ob sich Verhaltensauffälligkeiten innerhalb eines Monats sowie 2, 6, 12, 18 und 24 Monate nach der Kastration ergaben. Als unerwünschtes Verhalten galten in diesem Zusammenhang Unsauberkeit, Ängstlichkeit, nicht-spielerische Aggression gegenüber Menschen und Tieren sowie zerstörerisches Verhalten. Auch wurde untersucht, ob soziale Faktoren oder die Umwelt einen Einfluss auf die Entstehung solcher Verhaltensweisen bei den Katzen hatten.

Weder während des ersten Monats nach der Kastration noch in den Folgezeiträumen ergab sich ein wesentlicher Unterschied zwischen den frühkastrierten Kitten und den Katzen, die zum Zeitpunkt der Kastration bereits sechs bis acht Monate alt waren. Jedoch stand das Vorkommen genannter Verhaltensweisen in Zusammenhang mit sozialen und umweltspezifischen Variablen. Hierzu zählten beispielsweise die Bestrafung durch den Besitzer, die Haltung als Einzelkatze oder die positive Interaktion von Familienmitgliedern oder dem Besitzer mit Fremden.

Zusammenfassend konnten in der Studie keine Auswirkungen auf das Verhalten durch den Kastrationszeitpunkt innerhalb von 24 Monaten nach der Adoption festgestellt werden. Andere Faktoren scheinen hier eine größere Rolle zu spielen.

Quelle: Development of behavior in adopted shelter kittens after gonadectomy performed at an early age or at a traditional age

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Britisch-Kurzhaar-Katzen: Teddybären im Katzenpelz

Katzenrassen

Britisch-Kurzhaar-Katzen: Teddybären im Katzenpelz

Britisch-Kurzhaar-Katzen erfreuen sich großer Beliebtheit und gelten mithin als perfekte Familienkatzen mit großem Lerneifer. Wegen ihres Aussehens werden die BKH-Katzen häufig als die Teddybären unter den Katzen bezeichnet. Im deutschsprachigen Raum sind die Rassekatzen unter anderem durch Werbespots für bekannte Katzenfuttermarken, wie Whiskas oder Sheba, bekannt.

Herkunft der Britisch-Kurzhaar-Katzen

Die BKH soll nach Meinung einiger BKH-Züchter von Katzen stammen, die bereits vor über 2000 Jahren mit den Römern nach Großbritannien kamen und seitdem zum Großteil sich selbst überlassen waren. Basis für die BKH-Katzen waren daher im Endeffekt die Straßenkatzen Englands. Gezielt auf Farbe und Typ gezüchtet werden die Britisch-Kurzhaar-Katzen erst seit Anfang des 19. Jahrhunderts. Sie waren auch vertreten, als 1871 auf Initiative von Harrison und John Jenner Weir im Londoner Chrystal Palace weltweit zum ersten Mal Rassekatzen öffentlich ausgestellt wurden. Um 1900 waren bei den Katzenfreunden in Großbritannien jedoch vermehrt Perser- und Siamkatzen gefragt und die BKH wurde wegen der Nachfrage der Kunden vorwiegend in Blau gezüchtet („British Blue“).

Bild: Ernie / schnurrblog.de

Da der Zuchtbestand der British Shorthair nach den Weltkriegen ziemlich reduziert war und der Mangel an Linienvielfalt zu inzuchtbedingten Fehlern führte, wurde versucht, andere Rassen einzukreuzen. Nach Versuchen mit Hauskatzen fiel die Wahl schließlich auf Perser und Kartäuserkatzen (Chartreux). Durch die Einkreuzung der Perser kamen wieder viele Farben und Zeichnungen in die Zucht.

Die Chartreux wurde von Züchtern blauer BKH Katzen genutzt, um die Fellfarbe zu verbessern. Im Gegenzug ließen auch die französischen Kartäuserzüchter ihre Katzen von blauen BKH-Katern decken. Dadurch wurden sich die beiden Katzenrassen in der Farbvarietät „Blau“ immer ähnlicher und schließlich 1970 vom Katzen-Weltverband FIFe zusammengefasst. Die blauen Tiere wurden auf deutschen Ausstellungen als „Kartäuser“ bezeichnet, die Katzen in anderen Farben als Britisch-Kurzhaar-Katzen. Nach Protesten einiger französischer Züchter wurde diese Einteilung 1977 wieder zurückgenommen.

Die offiziellen Rassebezeichnungen sind nun „Britisch Kurzhaar“ (BKH/BRI) und „Chartreux“ (CHA). Seit 1991 dürfen Mitglieder im 1. DEKZV, dem größten deutschen Katzenverband, ihre blauen BKH-Katzen nicht mehr als Kartäuser anbieten. Dennoch wird die blaue BKH noch häufig als Kartäuser bezeichnet, obwohl sich die beiden Rassen optisch unterscheiden. Seit 1950 ist die BKH auch in Deutschland sehr beliebt. Sie ist vermutlich Mitbegründerin der American Shorthair und wurde in den USA erst 1980 vom Zuchtverband CFA anerkannt.

Aussehen der Britisch-Kurzhaar-Katzen

Bild: Ernie / schnurrblog.deAlles an der BKH ist rund. Die Britisch-Kurzhaar-Katzen besitzen einen massiven, kurzen, gedrungenen Körperbau und sind alles in allem muskulös und kraftvoll gebaut. Der Hals ist kurz, kräftig und muskulös, der Körper ist mittelgroß, robust mit breiten Schultern und einem gut entwickelten, runden Brustkorb. Der Rücken ist von den Schultern bis zum Becken gleichmäßig breit. Die Beine sind kurz, stämmig und gut proportioniert mit kräftiger Muskulatur und großen, runden, kräftigen Pfoten. Der Schwanz ist kurz und dick, mit einer leicht gerundeten Spitze und sollte eine Länge von zwei Drittel der Körperlänge ausmachen.

Der Kopf ist rund und breit mit vollen Wangen und einer kurzen, geraden Nase. Das Kinn ist fest und liegt in gerader Linie unterhalb der Nasenspitze. Auch die breit gesetzten, kurzen Ohren sind mittelgroß und besitzen runde Spitzen. Die großen, ausdrucksstarken Augen sind weit geöffnet und auseinander gesetzt. Je nach Fellfarbe sind sie orange bis kupfer, bei den Silbervarietäten meistens grün und bei den Points blau. Auch blaugrüne Augen oder verschiedene Augenfarben („odd eyed“) kommen vor.

Das Fell ist kurz und sehr dicht, aber nicht zu weich („crispy“) mit viel Unterwolle. Es wirkt wie ein natürlicher Schutz und besitzt eine feine Textur. Ab und an tauchen auch langhaarige Briten im Wurf auf, die seit einigen Jahren als eigenständige Rasse geführt werden. Diese bezeichnet man als Britisch Langhaar (BLH) oder auch als Highlander, Lowlander oder Britanica. Britisch-Kurzhaar-Katzen gibt es in über 50 verschiedenen Farbvariationen, die man in Vollfarben, Bicolor und Point einteilen kann. Auch die Tabby-Zeichnung kommt vor. Die Vollfarben umfassen Weiß, Schwarz, Blau, Chocolate, Lilac, Cinnamon, Fawn, Rot und Creme. Bei den Bicolor- und Point-Varianten werden die Farben mit Weiß kombiniert. Zu den bekanntesten Farben zählen Blau und Silber-Tabby in Classic, Spotted und Mackerel.

BKH-Katzen entwickeln sich eher langsam und erreichen ihre volle Größe erst mit zwei Jahren oder auch später. Ein normal entwickelter Kater bringt etwa 7-8 Kilogramm auf die Waage, eine Katze zwischen 4 und 6 Kilogramm.

Charakter der Britisch-Kurzhaar-Katzen

Die Briten gelten als ausgeglichen, freundlich und sanftmütig. Durch ihre ruhige, robuste Art und ihre Charakterstärke gelten sie als perfekte Familienkatzen, die auch mit Kindern, anderen Katzen oder weiteren Haustieren meist gut zurechtkommen. Sie gelten als anhänglich und verschmust, ohne zu aufdringlich zu sein, sind aber oft gerne überall dabei.

Bild: Ernie / schnurrblog.de Die Katzen gelten als ruhig, aber dennoch spielfreudig. Viele plaudern gerne mit ihren Haltern, z. B. wenn sie hungrig sind oder während ihr Futter vorbereitet wird. Oft lassen sich die Tiere nicht gerne herumtragen. Manchmal wirken die Tiere durch ihren Körperbau ein wenig unbeholfen. Aufgrund ihrer Art und ihrer Intelligenz sind BKH-Katzen bei Tiertrainern recht beliebt und relativ häufig in Filmen oder Werbespots zu sehen. Wasserscheu sind die selbstständigen Katzen meist nicht.

Wie bei allen Katzenpersönlichkeiten gilt auch bei den Briten, dass die eigene Katze nicht unbedingt dem beschriebenen Charakter entsprechen muss. Wer gerne einmal einen kleinen Einblick in das Leben mit einer Britisch-Kurzhaar-Katze möchte, dem empfehle ich einen Besuch im Blog von Ernie samt Kumpels oder bei Pebbles und Paulinchen. ;-)

Wie erlebt ihr eure BKH-Katzen?

Quellen und weitere Informationen:

https://katzencontent.com/2008/03/die-geschichte-der-britisch-kurzhaar-bkh/
https://www.elbenbruch.de/wissen/die-britisch-kurzhaar-bkh.html
https://www.cfa.org/Breeds/BreedsAB/BritishShorthair.aspx
https://www.kartaeuser-cha.info/

Bilder: Ernie / schnurrblog.de.

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