Ernährung

Experten empfehlen: Katzen am besten getrennt voneinander füttern

Über Katzenfutter ist schon sehr viel geschrieben worden, Sinnvolles und weniger Sinnvolles. Und gerade in den sozialen Medien sind Debatten darüber, was nun gutes und was weniger gutes Katzenfutter ist, an der Tagesordnung. Worüber viel weniger geschrieben wird, was aber nicht weniger wichtig ist, ist die Art, wie man füttert, um die natürlichen Bedürfnisse der Katze zu befriedigen und so ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden zu verbessern.

Ein Thema, dem sich die Experten der American Association of Feline Practitioners (AAFP) vor kurzem angenommen haben. Deren empfohlenes Fütterungsprogramm haben wir uns einmal für euch angesehen.

Das natürliche Nahrungsverhalten der Katze an sich

Katzen sind obligate Karnivoren (also Tiere, die zwingend Tierisches zu sich nehmen müssen) mit ausgeprägtem Jagdinstinkt. Sie jagen allein und erlegen in der Regel über den Tag verteilt mehrere (ca. 10 bis 12) kleine Beutetiere, die sie ebenfalls allein verzehren. Dadurch, dass die Katze mehrmals innerhalb von 24 Stunden jagen muss, muss sie relativ viel Energie aufwenden, um ihren Nährstoffbedarf zu decken und verbringt in der freien Natur etwa die Hälfte des Tages mit der Nahrungsbeschaffung.

Das übliche Nahrungsverhalten der Wohnungskatze

Das Leben der meisten Haustiger läuft dagegen ganz anders ab. In ihrem Leben spielt die Nahrungssuche und -beschaffung in der Regel kaum eine Rolle. Meist werden alle in einem Haushalt befindlichen Katzen zwei- bis dreimal am Tag mit relativ großen Portionen gefüttert und/oder es steht zur freien Verfügung Trockenfutter bereit, an dem sich jeder Stubentiger frei bedienen kann. Mit dem natürlichen Nahrungsverhalten der Katze hat dies nur noch sehr wenig zu tun.

Eine Tatsache, die verschiedene Probleme zur Folge haben kann. Im Detail sind hier vor allem Übergewicht und stressbedingte Probleme zu nennen.

Mögliche Probleme in Verbindung mit Übergewicht

  • Erhält die Katze nur morgens und abends eine größere Menge Futter, bleibt ein großer Teil des Tages ungenutzt. Es ist damit zu rechnen, dass die Tiere wenig(er) aktiv sind und unter mangelnder Beschäftigung leiden. Gerade bei Tieren, die (Trocken-)Futter zur freien Verfügung haben, kann diese mangelnde Beschäftigung auch dazu führen, dass sie sich selbst mit Fressen beschäftigen.
  • Konventionelles Katzenfutter ist in der Regel so konzipiert, dass es von den Tieren sehr schnell aufgenommen werden kann, ganz gleich ob es sich um Nass- oder Trockenfutter handelt. Auch das erhöht das Risiko von Überfressen und Übergewicht.

Mögliche Probleme in Verbindung mit Stress

  • Fühlt sich die Katze nicht wohl, weil ihre natürlichen Bedürfnisse nicht befriedigt werden, kann dies zu stressbedingten Problemen wie z. B. wiederkehrenden Blasenentzündungen oder Problemverhalten wie Unsauberkeit oder zerstörerischem Verhalten führen.
  • Das Leben im unharmonischen Mehrkatzenhaushalt oder unter generell für die Katze stressigen Bedingungen (wie z. B. mit einem Kleinkind im Haus) kann bei einem einzelnen Futterplatz und/oder seltenen Fütterungen dazu führen, dass die Katze, um stressige Situationen zu vermeiden, zu wenig Futter aufnimmt oder aber auch schlingt und sich anschließend erbricht.

AAFP-Empfehlungen, um die Fütterungssituation zu optimieren

Um die vorgenannten Probleme zu vermeiden und das natürliche Nahrungsverhalten der Katze in der Wohnungshaltung soweit möglich nachzuahmen, empfiehlt die AAFP verschiedene Maßnahmen.

Kürzere Fütterungsintervalle

Die übliche Vorgehensweise Katzen nur morgens und abends zu füttern, entspricht nicht deren natürlichem Nahrungsverhalten. Ziel sollte daher sein, so viele kleine Mahlzeiten wie möglich innerhalb von 24 Stunden zu reichen. Das lässt sich zum Beispiel mit Futterautomaten erreichen.

Einsatz von Beschäftigungsspielzeug

Außerdem wird empfohlen, so häufig wie möglich Beschäftigungsspielzeuge, wie z. B. Fummelbretter, einzusetzen und diese an verschiedenen Orten in der Wohnung zu verteilen. Die Orte dürfen gerne wechseln und die Beschäftungsspielzeuge können je nach Konstitution der Katze auch an schwerer zugänglichen Stellen, wie etwa auf dem Schrank, platziert werden. So werden zum einen die Katzen zu mehr Aktivität angeregt und zum anderen auch die geistige Auslastung verbessert. (Anm. d. Red.: Beschäftigungsspielzeuge müssen entgegen häufiger Annahme nicht mit Trockenfutter gefüllt werden. Bei vielen Modellen ist auch die Verwendung von Nassfutter oder rohem Fleisch möglich). Auch Futterspiele, die den Jagdtrieb der Katze wecken, sind eine gute Idee.

Separate Futterstellen im Mehrkatzenhaushalt

In der Natur verzehren Katzen ihre Beute allein und zudem dann, wenn sie sich sicher fühlen. Im Mehrkatzenhaushalt kann es daher sein, dass eine Katze – die gezwungen wird, neben ihren Artgenossen zu fressen – unter Stress steht, ängstliches Verhalten zeigt oder sogar gesundheitliche Probleme entwickelt. Beispiele für ängstliches Verhalten wären z. B. Ohrenspiel, Umherschauen oder das Annähern an die Futterstelle in geduckter Haltung. Nicht immer müssen Anzeichen für Stress jedoch so offensichtlich zu sehen sein.

Die AAFP empfiehlt daher grundsätzlich, Katzen getrennt voneinander zu füttern und ohne dass die Tiere Blickkontakt zueinander haben. Jede Katze soll ihren eigenen Futternapf an einem für sie sicheren Ort haben. Das kann zum Beispiel auch die Küchenanrichte sein oder der Lieblingsplatz. Keinesfalls sollte sich die Futterstelle jedoch in der Nähe der Wasserstelle oder einer Katzentoilette befinden.

Keinesfalls soll eine Katze zudem in der Nähe einer Katze fressen müssen, die sie im Normalfall meidet. Hier lohnt es sich, das soziale Gefüge innerhalb der Katzengruppe zu beobachten und zu sehen, welche Tiere Zeit miteinander verbringen (z. B. im Bettchen kuscheln oder miteinander spielen) und welche Katzen einander eher meiden.

Referenz: Sadek, T., Hamper, B., Horwitz, D., Rodan, I., Rowe, E., & Sundahl, E. (2018). Feline Feeding Programs: Addressing behavioral needs to improve feline health and wellbeing. Journal of Feline Medicine and Surgery20(11), 1049–1055. https://doi.org/10.1177/1098612X18791877


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