Ernährung
Tierische Nebenerzeugnisse im Katzenfutter: Was ist das eigentlich?
Kaum ein Begriff sorgt beim Thema Katzenfutter für so viel Misstrauen wie „tierische Nebenerzeugnisse“. In Foren, Facebook-Gruppen oder auf Produktseiten entsteht schnell der Eindruck, ein gutes Futter dürfe so etwas auf keinen Fall enthalten. Ganz so einfach ist es allerdings nicht.
Denn der Begriff sagt zunächst vor allem etwas über die rechtliche Einordnung aus — und deutlich weniger über die tatsächliche Qualität eines Futtermittels, als oft angenommen wird. Genau deshalb lohnt sich ein genauerer Blick.
Was sind tierische Nebenerzeugnisse?
Tierische Nebenerzeugnisse beziehungsweise tierische Nebenprodukte sind tierische Bestandteile, die nicht als Lebensmittel für Menschen verkauft werden, sondern für andere Zwecke bestimmt sind, etwa für die Herstellung von Heimtierfutter.
Für Katzenfutter relevant ist ausschließlich Material der Kategorie 3, häufig auch als K3-Material bezeichnet. Nur dieses Material darf nach entsprechender Verarbeitung im Heimtierfutter verwendet werden. Die Kategorien 1 und 2 sind dafür nicht zugelassen. Darunter fallen zum Beispiel verendete oder eingeschläferte Tiere, Gülle oder Magen- und Darminhalt. Schon daran wird deutlich, dass für Heimtierfutter nur K3 überhaupt relevant ist.
K3-Material stammt von Tieren, die für die Lebensmittelgewinnung geschlachtet wurden und als gesund beurteilt wurden. Dazu können sowohl Schlachtnebenprodukte als auch Fleischanteile gehören, die nicht im Lebensmittelregal landen.
Warum das so ist, kann ganz unterschiedliche Gründe haben. Manche Teile werden hierzulande kaum gegessen, andere lassen sich für den menschlichen Markt wirtschaftlich schlechter vermarkten, und manches wird von vornherein direkt als Futtermittel angeboten. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass diese Bestandteile für Katzen minderwertig wären.
Wichtig ist an dieser Stelle: Alles, was als Tierfutter beziehungsweise Futtermittel deklariert und verkauft wird, fällt rechtlich unter K3-Material. Das gilt also nicht nur für klassische „Nebenprodukte“, sondern auch für Stücke, die auf den ersten Blick wie ganz normales Muskelfleisch wirken. Auch eine Hühnerbrust aus dem BARF-Shop ist rechtlich kein Lebensmittel für Menschen, sondern Futtermittel und damit K3-Material.
Schon daran zeigt sich, dass K3-Material nicht mit „Abfall“ oder „minderwertigen Resten“ gleichgesetzt werden sollte. Die Kategorie sagt vor allem etwas darüber aus, für welchen Markt ein Rohstoff bestimmt ist, nicht automatisch darüber, ob er für Katzen sinnvoll ist.
Was kann unter tierische Nebenerzeugnisse fallen?
Der Begriff umfasst sehr unterschiedliche Bestandteile. Dazu gehören zum Beispiel Innereien wie Herz, Leber, Niere, Milz oder Lunge, aber auch Magen, Darm, Blut, Fettabschnitte oder Zwerchfell. Ebenso können Knochen, Eierschalen oder andere calciumliefernde Bestandteile darunterfallen.
Daneben gibt es allerdings auch Materialien, die für die Ernährung der Katze deutlich weniger interessant sind, etwa Federn, Borsten, Hufe, Hörner oder Klauen. Diese Bestandteile sind schwer verdaulich und weisen zudem ein für Katzen wenig günstiges Aminosäuremuster auf. Entsprechend besteht für Hersteller meist wenig Anlass, solche Rohstoffe in größerem Umfang einzusetzen.
Genau darin liegt auch das Problem pauschaler Bewertungen: Der Oberbegriff allein sagt noch nicht, welche Bestandteile konkret im Futter enthalten sind.
Sind tierische Nebenerzeugnisse im Katzenfutter schlecht?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten.
Einige Bestandteile, die unter tierische Nebenerzeugnisse fallen, können in der Katzenernährung durchaus sinnvoll sein. Innereien etwa liefern wichtige Nährstoffe und gehören auch bei der Rohfütterung selbstverständlich dazu. Blut, Magen oder calciumhaltige Bestandteile sind ebenfalls nicht automatisch problematisch, nur weil sie rechtlich unter diesen Begriff fallen.
Der Begriff „tierische Nebenerzeugnisse“ ist also weder ein sicheres Warnsignal noch ein Qualitätsmerkmal. Er ist dafür schlicht zu ungenau.
Worauf sollte man bei der Deklaration achten?
Wenn in der Zusammensetzung „tierische Nebenerzeugnisse“ steht, ist das noch kein Grund, ein Futter sofort abzuwerten. Aussagekräftiger wird die Deklaration allerdings dann, wenn die verwendeten Bestandteile genauer benannt werden, also zum Beispiel Herz, Leber, Magen oder Blut.
Eine Formulierung wie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (davon Herz, Leber und Magen)”
lässt sich deutlich besser einordnen als eine pauschale Angabe ohne weitere Erklärung.
Umgekehrt wirkt es auf viele Verbraucher zunächst hochwertiger, wenn ein Hersteller den Begriff „Nebenerzeugnisse“ ganz weglässt und nur einzelne Bestandteile aufführt. Das muss aber nicht bedeuten, dass das Futter grundsätzlich anders zu bewerten ist. Entscheidend ist nicht, ob ein Begriff vermieden wird, sondern welche tierischen Bestandteile tatsächlich enthalten sind und wie transparent die Deklaration insgesamt ausfällt.
Was bedeutet bei Katzenfutter „in Lebensmittelqualität“?
Auch die Formulierung „in Lebensmittelqualität“ klingt zunächst nach einem besonderen Qualitätsmerkmal. Für sich genommen sagt sie aber nur sehr begrenzt etwas über die tatsächliche Hochwertigkeit eines Katzenfutters aus.
Der Grund: K3-Material stammt von Tieren, die für die Lebensmittelgewinnung geschlachtet wurden. In diesem Sinne ist also auch Material, das später als Futtermittel vermarktet wird, zunächst dem Lebensmittelbereich zuzuordnen. Dass ein Hersteller mit „Lebensmittelqualität“ wirbt, bedeutet deshalb noch nicht automatisch, dass das Futter hochwertiger wäre als andere Produkte. Entscheidend bleibt auch hier, welche Bestandteile konkret enthalten sind und wie das Futter insgesamt zusammengesetzt ist.
Fazit
Tierische Nebenerzeugnisse im Katzenfutter sind nicht per se schlecht. Der Begriff umfasst sowohl Bestandteile, die in der Katzenernährung durchaus sinnvoll sein können, als auch solche, die man eher kritisch sehen würde.
Wichtig ist vor allem, sich von der Vorstellung zu lösen, K3-Material sei grundsätzlich etwas Minderwertiges. Denn rechtlich fällt alles, was als Tierfutter in den Verkauf geht, in diesen Bereich, auch die Hühnerbrust aus dem BARF-Shop. Die Bezeichnung allein sagt daher noch wenig über die tatsächliche Qualität aus.
Sinnvoller als eine pauschale Ablehnung ist ein genauer Blick auf die Deklaration. Je klarer ein Hersteller angibt, welche Bestandteile verarbeitet wurden, desto besser lässt sich das Futter einordnen.
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Häufige Fragen und Antworten (FAQ)
- Sind tierische Nebenerzeugnisse im Katzenfutter grundsätzlich schlecht?Nein, so pauschal lässt sich das nicht sagen. Unter dem Begriff können sich sehr unterschiedliche Bestandteile verbergen. Dazu gehören einerseits eher wenig interessante Rohstoffe, andererseits aber auch Bestandteile wie Innereien, die in der Katzenernährung durchaus ihren Platz haben können. Der Begriff allein sagt deshalb noch nicht viel über die tatsächliche Qualität eines Futters aus.
- Was genau bedeutet K3-Material?K3-Material ist die einzige Kategorie tierischer Nebenprodukte, die überhaupt im Heimtierfutter verwendet werden darf. Es stammt von Tieren, die für die Lebensmittelgewinnung geschlachtet wurden und als gesund beurteilt wurden. Die Bezeichnung beschreibt also zunächst die rechtliche Einordnung eines Rohstoffs – nicht automatisch seine Qualität.
- Fällt auch Fleisch aus dem BARF-Shop unter K3-Material?Ja. Alles, was als Tierfutter beziehungsweise Futtermittel verkauft wird, fällt rechtlich unter K3-Material. Das gilt auch dann, wenn es sich optisch um ganz normales Muskelfleisch handelt, etwa um eine Hühnerbrust aus dem BARF-Shop.
- Was kann sich hinter tierischen Nebenerzeugnissen verbergen?Darunter können zum Beispiel Herz, Leber, Niere, Lunge, Magen, Darm, Blut, Fettabschnitte oder Zwerchfell fallen. Auch Knochen oder Eierschalen können dazugehören. Genau deshalb ist der Begriff allein wenig aussagekräftig: Erst die konkrete Deklaration zeigt, was tatsächlich enthalten ist.
- Worauf sollte ich bei der Deklaration achten?Sinnvoll ist eine möglichst offene und genaue Deklaration. Wenn ein Hersteller klar angibt, welche tierischen Bestandteile enthalten sind, etwa Herz, Leber oder Magen, lässt sich ein Futter deutlich besser einordnen als bei einer rein pauschalen Angabe.
Referenzen (u. a.)
Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMELH) (2019): Kategorisierung von tierischen Nebenprodukten. Verfügbar unter: https://www.bmleh.de/DE/themen/tiere/tiergesundheit/tierische-nebenprodukte/tierische-nebenprodukte-kategorie.html
(abgerufen am: 17.04.2026).

