Wie ihr die richtige Futtermenge für eure Katze(n) bestimmen könnt
Eines der Themen, das mir in Gruppen, Foren oder auch im direkten Umgang mit Katzenpersonal immer wieder begegnet, ist die Frage nach der richtigen Futtermenge. Und das besonders häufig in Zusammenhang mit der Umstellung auf BARF oder bei Kitten. Die schlechte Nachricht ist, es gibt hier keine allgemeingültige, pauschale Menge a la xxx Gramm Futter für Katze mit dem Gewicht x, da unsere Stubentiger wie auch wir Menschen jede für sich Individuen sind. Die gute Nachricht ist, es gibt Möglichkeiten, um die individuell richtige Futtermenge für eure Katze(n) zu bestimmen und die sehen wir uns heute einmal an.
Den Energiebedarf der eigenen Katze(n) bestimmen
Jedes Lebewesen hat einen bestimmten Energiebedarf, der gedeckt sein muss, damit der Organismus einwandfrei funktionieren kann. Die Maßeinheit der Energie war früher die Kalorie, heute ist es das Joule. Die Kalorien sind den meisten aber im allgemeinen Sprachgebrauch nach wie vor vertrauter. Nimmt man mehr Energie auf, als man verbraucht, geht das Körpergewicht nach oben, verbraucht man mehr, als man aufnimmt, geht das Körpergewicht nach unten (zweiter Hauptsatz der Thermodynamik). Einfaches Prinzip und jetzt auch erstmal nicht von der Wahl und Hochwertigkeit des Futtermittels abhängig. Man kann Katzen durchaus auch mit BARF fett füttern.
Diesen Energiebedarf hat man früher stur nach Körpergewicht und Aktivität ausgerechnet. Nachdem dabei jedoch der Energiebedarf speziell großer Katzen aber in hohem Maße überschätzt wurde, arbeitet man mittlerweile mit dem so genannten metabolischen Körpergewicht und verschiedenen Formeln für schlanke und übergewichtige Katzen.
Detailliert habe ich das in diesem Artikel schon einmal beschrieben:
Das metabolische Gewicht kann man „von Hand“ ausrechnen oder ihr könnt es euch einfacher machen und einen Futterrechner benutzen. Ich mag den Rechner von Futtermedicus ganz gerne, über den ihr euch auch gleich ausrechnen könnt, wie viele Kalorien euer Futter enthält und wie viel eure Katze davon rein rechnerisch futtern müsste, um ihren Energiebedarf zu decken. Einige Online-Shops (Zooplus zum Beispiel) geben auch schon die Kalorien auf 100 g an, mit denen ihr dann direkt rechnen könnt.
Das kann dann so aussehen:
Beispiel: Katze Molly ist mit 4 Kilogramm normalgewichtig und hat einen täglichen Energiebedarf von 254 kcal. 100 Gramm ihres Lieblingsfutters entsprechen 101,04 kcal.
Wir rechnen: 254 kcal x 100 g / 101,04 kcal = 251,39 g.
Molly muss demnach rein rechnerisch rund 250 g Ihres Lieblingsfutters am Tag futtern, um auf ihren Energiebedarf zu kommen.
Da jedes Futter ein wenig unterschiedlich in der Zusammensetzung ist (z. B. was den Fettgehalt oder den Gehalt an Kohlenhydraten (Getreide) angeht), gibt es demnach nicht EINE fixe Futtermenge für ein bestimmtes Gewicht, sondern ihr müsst immer beides im Blick haben. Umso hochwertiger das Futtermittel, umso mehr kann die Katze davon verwerten, umso geringer ist die Futtermenge und das, was am Ende hinten wieder rauskommt.
Also darf eine 4-kg-Katze immer nur 250 Gramm von diesem Futter fressen?
Nein. Es handelt sich hierbei um einen Wert, der nach einer Formel errechnet wurde, die eine führende Institution (in dem Fall das NRC) veröffentlicht hat. Aber um es mit Goethe zu sagen: „Grau, teurer Freund, ist alle Theorie und grün des Lebens gold`ner Baum“, soll heißen wir haben es hier mit einem Richtwert zu tun, der Energiebedarf wird aber in der Praxis durch eine Vielzahl von Komponenten beeinflusst. Da spielt zum Beispiel mit rein, ob die Katze eher Couch-Potato oder wilder Abenteurer ist, da spielt mit rein, ob sie kastriert ist oder unkastriert, da spielt der individuelle Stoffwechsel mit rein, oftmals auch die Jahreszeit (Katzen fressen wenn es auf den Winter zugeht z. B. oft mehr[1]) und und und...
Man kann den Wert aber wunderbar als ersten Anhaltspunkt nutzen, wenn man versteht, dass er ebenso wie die Fütterungsempfehlungen auf der Dose nicht in Stein gemeißelt ist, sondern für das Individuum in mitunter großem Maße schwanken kann. Da sind dann einfach zusätzlich zur Theorie nicht mehr und nicht weniger als der gesunde Menschenverstand und eine gute Beobachtungsgabe gefragt (ggf. auch eine gute Waage), um die Futtermenge herauszufinden, von der euer Haustiger satt wird und weder auffällig zu noch abnimmt. Das ist alles. So lange da alles passt, gibt es keinen Grund, sich verrückt zu machen. Anders sieht es aus, wenn eine Katze gezielt zu- oder abnehmen soll, aber damit werden wir uns in einem gesonderten Artikel beschäftigen. Ob euer Stubentiger normalgewichtig oder über-/untergewichtig ist, könnt ihr mithilfe des Body Condition Scores herausfinden.
Von Fertigfutter zu B.A.R.F. – die Futterumstellung und die neue Futtermenge
Oftmals beschäftigen sich Katzenhalter zum ersten Mal mit dem Thema Futtermenge, wenn sie damit beginnen, ihre Samtpfoten von Fertigfutter auf Rohes umzustellen. Hier gibt es verschiedene pauschale Richtwerte, die man in fast jedem Buch oder anderen Publikation findet. So liest man z. B. oft Angaben wie die Futtermenge (oder alternativ der Fleischanteil in der Ration) solle „30 bis 50 g je kg Katze“ oder „3 bis 4 % des Körpergewichts der Katze“ betragen, mit der Folge, dass die schlanke Katze mit 3 Kilogramm, die bisher eine 200 g Dose hochwertiges Nassfutter am Tag serviert bekam, plötzlich mit 90 g BARF am Tag auskommen muss und Kohldampf schiebt.
Besser ist es, zunächst die gleiche Futtermenge wie zuvor zu reichen und sich dann langsam vorzutasten, welche Futtermenge die richtige ist. So kann sich auch die Katze langsam an die veränderte Menge gewöhnen. Zudem ist es (gerade wenn die Katze vor lauter Begeisterung am liebsten den ganzen Tag futtern würde) manchmal hilfreich, die Futterration auf mehr Mahlzeiten aufzuteilen als zuvor, um möglichem Frust gar keinen Raum zu geben.
Daneben haben wir es auch bei diesen Angaben mit Richtwerten zu tun, die niemals als pauschal und allgemeingültig zu betrachten sind, da neben den oben genannten Gründen die Zusammensetzung der BARF-Ration eine wesentliche Rolle spielt.
Um den Körper mit Energie zu versorgen, haben wir die so genannten Makronährstoffe. Das sind die Proteine, die Fette und die Kohlenhydrate. 1 Gramm Protein oder Kohlenhydrat kommt auf 4,1 kcal, 1 Gramm Fett mit 9,3 kcal in etwa auf das Doppelte. Das heißt im Umkehrschluss, umso mehr Fett wir in unserer Ration haben, umso geringer wird die Futtermenge insgesamt, da die Fette doppelt so viele Kalorien in die Ration bringen als die Proteine (die Kohlenhydrate können wir hier ignorieren). Andersherum muss die Katze aber mitunter mehr futtern, als den errechneten Wert, wenn die Ration recht mager gehalten ist.
Noch ein Beispiel:
Unsere Molly aus Beispiel 1 soll künftig gebarft werden. Ihre Dosis haben ihr beim Metzger mageres Rinderhack mit einem Fettgehalt von 3 % gekauft, das auf 113 kcal (100 g) kommt. Als normalgewichtige Katze mit 4 kg würde sie nach genannten Richtwerten zwischen 120 g und 200 g am Tag erhalten. Rechnerisch (254 kcal x 100 / 113 kcal) sind wir bei 225 g.
Das heißt, dass Molly – würde sie stur nach pauschalen Angaben gefüttert – womöglich deutlich zu wenig Futter erhalten würde. Hier müssten wir dann in der Praxis Fett zugeben, um den Energiegehalt in der Ration zu erhöhen, damit es mit den Richtwerten wieder passt.
In Kürze: Man kann mit solchen Richtwerten wunderbar arbeiten, vorausgesetzt man sieht sie als das, was sie sind. Empfehlungen und keine in Stein gemeißelten Regeln, die stur einzuhalten sind.
Und wie ist das bei Kitten mit der Futtermenge?
Immer wieder taucht die Frage auf, ob diese Empfehlungen auch für Kitten gelten. Dem ist nicht so. Kitten dürfen prinzipiell so viel futtern, wie sie mögen und vertragen, damit sie große und gesunde Katzen werden. Das können Mengen von mehreren 100 g am Tag sein, die am besten auf mehrere kleinere Mahlzeiten am Tag verteilt werden (großer Hunger, kleiner Magen).
[1] Serisier S, Feugier A, Delmotte S, Biourge V, German AJ (2014) Seasonal Variation in the Voluntary Food Intake of Domesticated Cats (Felis Catus). PLoS ONE 9(4): e96071. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0096071
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Wasser ist der wichtigste Nährstoff, den wir haben, es ist lebenswichtig, ohne Wasser kein Leben. Wasser dient als Lösungsmittel, in dem sich Substanzen auflösen und im Körper transportiert werden können. Wasser ist nötig, damit Enzyme wirken können. Wasser ist für chemische Reaktionen bei der Hydrolyse notwendig. Wasser hilft beim Regulieren der Körpertemperatur und der Wärmezirkulation. Ohne Wasser wäre der Körper formlos und hätte keine Elastizität. Ohne Wasser würden keine Augen funktionieren, keine Gelenke und vieles mehr. Ohne Wasser könnte bei der Atmung kein Gasaustausch stattfinden. Ohne Wasser würden die Verdauung und die Ausscheidung von Urin nicht funktionieren.
Diese Beispiele allein zeigen, wie wichtig es ist, dass die Katze ausreichend Flüssigkeit aufnimmt.
Auf welchen Wegen kann Wasser von der Katze aufgenommen werden?
Die Katze hat grundsätzlich drei Möglichkeiten, um Wasser aufzunehmen. Im Rahmen der natürlichen Ernährung oder auch bei der Fütterung von Nassfutter oder BARF wird der größte Anteil der Flüssigkeit über die Nahrung aufgenommen, während Trinkwasser und Oxidationswasser aus der Umsetzung von Nährstoffen im Körper einen eher geringen Anteil ausmachen. Nimmt die Katze weniger Flüssigkeit über die Nahrung auf (z. B. bei Trockenfuttergabe) muss sie mehr Trinkwasser aufnehmen, um dieses Defizit wieder auszugleichen.
Wasser, das aktiv von der Katze aufgenommen wird, wird zusammen mit den Elektrolyten und anderen Stoffen in den Verdauungstrakt transportiert und im Darm aufgenommen. Hierzu gibt es kein aktives Transportsystem, sondern es fließt immer dann, wenn durch den Transport von Elektrolyten (speziell Natrium und Chlorid) so genannte osmotische Gradienten aufgebaut werden. Vom Darm gelangt die Flüssigkeit ins Blut, das sie wiederum durch alle Gewebe transportiert.
Hierbei fließt das Blut auch durch die Nieren, die es filtern. Dabei werden zunächst Wasser und andere Bestandteile aus dem Blut gefiltert, wodurch der so genannte Primärharn entsteht. In einem weiteren Schritt werden ein Großteil des Wassers und andere brauchbare Substanzen wieder aufgenommen und der Rest ausgeschieden. Wie viel Wasser rückresorbiert werden kann, begrenzen die anfallenden harnpflichtigen Substanzen (Harnstoff, Harnsäure, Kreatin, Kreatinin) und das maximale Konzentrierungsvermögen dieser. Dieses ist bei der Katze auffallend hoch, was sich wohl durch die Anpassung ihrer Vorfahren an die extremen Umweltverhältnisse in ihrem ursprünglichen trockenen Lebensraum erklären lässt.
Wasser im Körper der Katze
Der Körper der Katze besteht zu 50 bis 70 Prozent aus Wasser, wobei jüngere Katzen im Verhältnis mehr Körperwasser besitzen. Bei erwachsenen Katzen schwankt der Wasseranteil vor allem abhängig vom Körperfettgehalt. Umso höher der Fettgehalt im Katzenkörper, umso niedriger der Wassergehalt.
Im Körper verteilt sich das Wasser auf drei Flüssigkeitskompartimente. Das ist einmal der intrazelluläre Raum, also der Raum innerhalb der Zellen, indem sich 2/3 bzw. 66 % des Körperwassers befinden. Das restliche Körperwasser befindet sich im extrazellulären Raum (33 %), also dem Raum außerhalb der Zellen, der noch einmal in den interstitiellen (25 %) und den intravaskulären Raum (9 %) unterteilt ist. Der interstitielle Raum ist der Raum zwischen den Zellen, der intravaskuläre Raum ist der Bereich innerhalb der Gefäße. Umgerechnet auf das Körpergewicht, machen der intrazelluläre Raum 40 %, der Zwischenzellraum 15 % und das Wasser im Inneren der Gefäße 5 % aus.
Wie viel Wasser muss die Katze aufnehmen?
Was für einen Wasserbedarf eine einzelne Katze hat, hängt im Endeffekt mit der Aufrechterhaltung ihres Wasserhaushalts zusammen. Geht dem Organismus Wasser durch Urin, Kot, die Atemluft oder über andere Wege (wie z. B. die Milch bei säugenden Katzen) verloren, muss diesem von außen wieder Wasser zugeführt werden. Geregelt wird der Wasserhaushalt im Wesentlichen über die Ausscheidung von Wasser über die Nieren und weniger über die Aufnahme (Stichwort: ADH-Regulationssystem).
Der Wasserbedarf der Katze
Der Wasserbedarf ist von verschiedenen Faktoren abhängig, wie zum Beispiel der Art der Fütterung, dem Alter des Tieres, der Futterzusammensetzung (u. a. dem Gehalt harnpflichtiger Substanzen), körperlicher Anstrengung, der Wasserverfügbarkeit und Qualität, eventuellen Erkrankungen (Durchfall, Nierenerkrankungen, Diabetes etc.) und den Umgebungstemperaturen.
Verschiedene Methoden um den Flüssigkeitsbedarf zu bestimmen
Um die durchschnittliche Menge zu bestimmen, wie viel Wasser die eigene Katze am Tag aufnehmen sollte, gibt es verschiedene Formeln, von denen einige auf dem Körpergewicht der Katze und andere auf der Zusammensetzung des gereichten Futters basieren.
Formeln basierend auf dem Körpergewicht
Die erste Formel:
80 ml x kg KW 0,75 = Wasserbedarf in ml / Tag
Beispiel für eine Katze mit 4 kg Körpergewicht:
80 ml x 4 kg0,75 = 80 ml x 2,83 = 226,4 ml Wasser / Tag
***
Die zweite Formel:
2-3 ml / kg KW / Stunde = Wasserbedarf in ml
Beispiel für eine Katze mit 4 kg Körpergewicht:
(2,5 ml x 4 kg ) x 24 Stunden = 240 ml
***
Die dritte Formel:
40 - 60 ml x kg KW = Wasserbedarf in ml / Tag
Beispiel für eine Katze mit 4 kg Körpergewicht:
60 ml x 4 kg = 240 ml
Formeln basierend auf der Zusammensetzung des Futtermittels
Die vierte Formel:
Energiebedarf der Katze in kcal = Wasserbedarf in ml Tag
Hierzu müssen wir zunächst einmal den Energiebedarf (Erhaltungsbedarf) unserer Katze ausrechnen. Hier arbeiten wir mit dem metabolischen Gewicht und folgender Formel:
100 kcal x kg KW0,67 = Erhaltungsbedarf in kcal
Beispiel für eine normalgewichtige Katze mit 4 kg Körpergewicht:
100 kcal x 4 0,67 = 100 kcal x 2,53 = 253 kcal / Tag
Da der Wasserbedarf gleich dem Erhaltungsbedarf gesetzt wird, wären wir hier bei 253 ml am Tag.
***
Die fünfte Formel:
Hier wird der Wasserbedarf auf Basis der Trockensubstanz des Futters bestimmt.
2 - 3 ml x g Trockensubstanz = Wasserbedarf am Tag
Das ist ein wenig aufwändiger.
Beispiel für ein Mittelklassefutter
Berechnung der Trockensubstanz des Futters:
100 % - Feuchte % = TS in %
100 % - 79 % = 21 %
Berechnung des Energiegehalts der Ration und der benötigten Futtermenge:
Hier können wir es uns etwas einfacher machen und einen der im Internet zu findenden Online-Rechner verwenden, z. B. den von Futtermedicus.
100 g unseres Beispielfutters enthalten in diesem Fall 103 kcal und unsere Katze mit 4 Kilogramm Körpergewicht müsste rechnerisch 247 g davon zu sich nehmen, um ihren Energiebedarf zu decken.
Von den 247 Gramm sind nun 21 % Trockensubstanz:
247 g : 100 x 21 % = 51,87 g Trockensubstanz
Berechnung des Wasserbedarfs:
3 ml x 51,87 g = 155,61 ml Wasserbedarf am Tag.
Wenn du die so errechneten Zahlen jetzt einmal miteinander vergleichst, siehst du, dass man mit der dritten Formel hervorragend arbeiten kann. Das ist auch die Formel, die uns in den meisten Fachpublikationen zum Wasserbedarf begegnet ist und die wir im Verlauf dieses Artikels auch weiter als Richtwert annehmen werden.
Trinkt meine Katze genug?
Nachdem wir nun abschätzen können, wie viel Flüssigkeit unsere Katze am Tag aufnehmen müsste, wäre die nächste Frage, ob sie dies auch tut. Sätze wie „Meine Katze trinkt doch genug“ oder „Sie regelt ihren Flüssigkeitsbedarf übers Trinken“ hören und lesen wir, v. a. in Verbindung mit Trockenfutter relativ häufig. Doch ist das wirklich so? Damit wollen wir uns nun ein wenig beschäftigen.
Natürlicherweise ist es so, dass Katzen nicht die großen Trinker sind, sondern den Großteil ihres Flüssigkeitsbedarfs über die Nahrung decken. Ein typisches Beutetier der Katze hat etwa einen Wassergehalt von 70 bis 75 % und wenn die Katze ein Futter mit ähnlicher Zusammensetzung erhält, wird sie eher weniger trinken. An sich erhöht sich die Wasseraufnahme mit einem steigenden Proteinanteil in der Nahrung, die Fütterung eines hochwertigen Nassfutters mit hohem Anteil an Tierischem oder B.A.R.F. kann also schon einmal dazu führen, dass die Katze mehr Flüssigkeit aufnimmt.
Das Trinkbedürfnis an sich ist bei der Katze verringert. Katzen fangen, wenn sie dehydriert sind, später wieder an zu trinken, als Hunde oder die meisten anderen Tierarten und/oder trinken dann zu wenig, um ihren Wasserhaushalt wieder aufzufüllen (zum Vergleich: Der Hund ist in einem solchen Fall in der Lage in 1 Stunde 6 % seines Körpergewichts an Wasser aufzunehmen, während die Katze für die vergleichbare Menge 24 Stunden benötigt) 1TOLERANCE TO HEAT AND DEHYDRATION IN SEVERAL SPECIES OF MAMMALS, Edward F. Adolph, American Journal of Physiology -- Legacy Content Nov 1947, 151 (2) 564-575;.
Soll heißen: Es kann gut sein, dass eine Katze bei Dehydratation (Austrocknung), hohen Umgebungstemperaturen oder Erkrankungen trotzdem wenig aktiv trinkt. Heißt im Umkehrschluss: Erhält die Katze Nahrung, die schon einmal einen hohen Feuchtigkeitsanteil enthält, tut man ihrem Flüssigkeitshaushalt auf jeden Fall nichts Schlechtes.
Wie viel die Katze zusätzlich zur Flüssigkeit, die sie über die Nahrurg erhält, trinken müsste, lässt sich wieder ausrechnen. Dazu nehmen wir wieder unser Nassfutter aus dem oberen Beispiel her.
Errechnete Futtermenge in g / 100 x angegebene Feuchtigkeit = Wasser im Futter
247 g / 100 x 79 = 195,13 g (1 g = 1ml Wasser)
Wir haben demnach von unserem Wasserbedarf von 240 ml am Tag schon allein 195,13 ml über das Futter abgedeckt und müssten theoretisch noch 44,87 ml in die Katze bringen.
Ein Esslöffel Wasser fasst so 10 bis 15 ml, wenn wir also über die Mahlzeiten noch bisschen Wasser geben und die Katze noch ein paar Schlückchen trinkt, kommt man so gut hin. Beim Barfen ist es ähnlich, ABER:
Sonderfall Trockenfutter
Angenommen wir haben jetzt kein Futter mit 70 – 80 % Feuchtigkeitsanteil, sondern plötzlich nur noch 9 %.
Unser Beispielfutter hier enthält auf 406 kcal auf 100 g und unsere Katze mit 4 kg Körpergewicht müsste davon 63 g verzehren, um ihren Energiebedarf zu decken.
63 g / 100 x 9 = 5,67 g (1 g = 1 ml Wasser)
Dieses Mal können wir von unseren 240 ml ganze 5,67 ml über das Futter decken, d. h. die Katze müsste noch 234,33 ml am Tag aufnehmen, um ihren Flüssigkeitsbedarf zu decken.
Das ist für eine Katze bereits eine recht hohe Menge und es zeigte sich in der Praxis, aber auch im Rahmen wissenschaftlicher Untersuchungen, dass Katzen, die rein mit Trockenfutter ernährt werden, zwar mehr trinken als Katzen, die mit Feuchtfutter gefüttert werden, aber dennoch nur etwa auf die Hälfte des Wasseranteils kommen, der für eine ausreichende Hydration notwendig wäre.
Dazu kommt, dass Katzen in bestimmten Lebenssituationen (z. B. Jungtiere, säugende Katzen) einen noch höheren Flüssigkeitsbedarf haben.
Wasserrechner
Damit ihr ganz einfach ausrechnen könnt, welchen Wasserbedarf eure Katze hat und wie viel sie bei dem von euch gewählten Futter noch zusätzlich Wasser aufnehmen sollte, haben wir euch noch einen kleinen Rechner gebastelt:
Täglich aufgenommene Flüssigkeitsmenge abschätzen
Wie viel Wasser die Katze(n) über den Tag wirklich zu sich nehmen, lässt sich bei Wohnungskatzen ganz einfach abschätzen. Dazu misst du die Wassermenge ab, die du in die einzelnen Trinkgelegenheiten deiner Katzen gibst, notierst sie und misst nach 24 Stunden erneut, wie viel Wasser fehlt. Das Ergebnis ist nur ein Schätzwert, da ja auch Wasser verdunstet etc., aber es genügt, um einen groben Überblick zu bekommen, ob die eigenen Katzen tatsächlich ausreichend Wasser zu sich nehmen. Wurde die benötigte Menge nicht erreicht, trinken die Katzen (oder zumindest eine davon) nicht genug. Bei Freigängern ist eine solche Abschätzung meist eher schwierig umsetzbar.
ACHTUNG: Eine auffallend hohe Wasseraufnahme kann auf verschiedene (auch schwerwiegende) Erkrankungen hinweisen. Beobachtet ihr also vermehrtes Trinken, das sich nicht auf den ersten Blick ( z. B. sehr hohe Außentemperaturen) erklären lässt, sollte die Katze sicherheitshalber in der Tierarztpraxis vorgestellt werden. Genaueres dazu im Abschnitt Übermäßiges Trinken/übermäßige Urinausscheidung.
Trockenfutter einweichen, um der Katze mehr Flüssigkeit zuzuführen?
Um der mit Trockenfutter ernährten Katze mehr Flüssigkeit zuzuführen, gehen manche Katzenhalter dazu über, das Trockenfutter einzuweichen. Das soll unter anderem dazu beitragen, das Risiko von Nieren- und Harnwegserkrankungen (speziell Harnsteinen/Harnkristallen) durch eine zu starke Konzentration des Harns und die Anhäufung harnpflichtiger Substanzen im Blut (weil zu geringe Flüssigkeitsaufnahme) zu senken.
Eine nachvollziehbare Überlegung in der Theorie, die aber in der Praxis wahrscheinlich nicht so funktioniert, wie erhofft. In einer Studie zeigte sich, dass Katzen, die rein mit Trockenfutter ernährt wurden, auf ein tägliches Urinvolumen von 60 ml kamen. Diese Menge verdoppelte sich bei der Gabe eines Nassfutters mit mindestens 75 % Feuchtigkeitsanteil und auch das spezifische Uringewicht war geringer.
Der Versuch, das Trockenfutter anzufeuchten (auf einen Feuchtegehalt von 50 %) führte nicht zum Erfolg. Das zusätzlich zugeführte Wasser ging über den Kot verloren und erhöhte nicht das Harnvolumen. Es zeigte sich, dass sich dieses nur verändert, wenn das Verhältnis Wassergehalt : Trockensubstanz zu Gunsten des Wassergehalts ausfällt. Das hat man eigentlich nur bei Nassfutter oder B.A.R.F.. Dazu kommt die Gefahr von Schimmelpilzbefall (Aflatoxinen) bei eingeweichtem Trockenfutter.
Einfluss der Verdaulichkeit auf das Urinvolumen
Wie hoch der Wasserverlust über den Kot ausfällt, wird u. a. durch die Verdaulichkeit eines Futtermittels bestimmt. Umso besser die Verdaulichkeit (sprich hochwertiges Protein, wenig bis keine Kohlenhydrate), umso weniger Wasser geht über den Kot verloren. Ein angemessener Fettanteil kann das Harnvolumen ebenfalls erhöhen, da durch die Oxidation von Fettmolekülen Stoffwechselwasser produziert wird.
Zu wenig Flüssigkeit: Dehydratation bleibt zu Anfang häufig unbemerkt
Bei Katzen treten offensichtliche klinische Symptome einer Dehydratation häufig erst dann auf, wenn bereits ein Wasserdefizit von 5 % vorliegt. In Anbetracht dessen, dass bei einer Dehydratation von 10 % bereits mit schweren gesundheitlichen Konsequenzen zu rechnen ist und bei 15 % mit dem Tod des Tieres, ist das ziemlich spät. Eine Dehydratation beeinträchtigt die normalen Stoffwechselvorgänge, kann bestehende Erkrankungen verschlechtern und die Wärmeregulation vermindern.
Wann tritt eine Dehydratation auf?
Eine Austrocknung tritt immer dann auf, wenn es über einen bestimmten Zeitraum nicht zu einer ausreichenden Wasserzufuhr kommt und/oder zu viel Flüssigkeit verlorengeht. Das kann zum Beispiel sein, wenn die Katze irgendwo eingesperrt ist, vernachlässigt wird, nicht genügend Flüssigkeit bereitgestellt bekommt oder ein erhöhter Bedarf (z. B. bei heißen Temperaturen, während der Säugeperiode oder aufgrund gesundheitlicher Probleme, wie Durchfall, Erbrechen und diversen Krankheiten) nicht berücksichtigt wird.
Je nachdem, wie sich der Flüssigkeitsverlust (Wasser, Elektrolyte und/oder Proteine) zusammensetzt und der Körper die Flüssigkeiten zum Ausgleich des Verlusts verschiebt, kann jedes der beim Körperwasser erwähnten Kompartimente einzeln oder in unterschiedlichen Kombinationen von einem Flüssigkeitsverlust betroffen sein.
Geht innerhalb der Gefäße Flüssigkeit verloren (Perfussionsstörung) spricht man von einem Schock. Ein interstitieller Flüssigkeitsverlust führt zur Dehydratation.
Wie äußert sich eine Dehydratation?
Eine verringerte Futteraufnahme kann auch ein Zeichen für eine Austrocknung sein!
Die Zeichen für eine Dehydratation können ganz unscheinbar sein, eine unzureichende Wasseraufnahme reduziert zum Beispiel die Futteraufnahme, d. h. gerade wenn vielleicht eine ältere Katze oder eine Katze mit CNE mangelnden Appetit hat, sollte man auch an Austrocknung denken. Auch Erbrechen, rissige Pfotenballen, eingesunkene Augen, verringerter Speichelfluss, vermehrtes Lecken der Lippen oder Zähneknirschen können Zeichen einer Dehydratation sein. Frisst die Katze nichts oder weniger, nimmt sie natürlich auch über das Futter weniger bis keine Feuchtigkeit mehr auf. Ein Teufelskreis.
Schreitet die Dehydratation fort, kommt es im Verlauf zu einer Verdickung des Blutes und das Blutvolumen sinkt. In Folge wird die Funktion lebenswichtiger Organe, wie Herz, Gehirn, Lunge und Nieren beeinträchtigt, bis die Katze schließlich an einem Multi-Organ-Versagen verstirbt.
Welche Katzen sind besonders gefährdet?
Besonders gefährdet sind Jungtiere, Senioren und kranke Katzen. So ist die Dehydratation beispielsweise eine häufige Begleiterscheinung der chronischen Nierenerkrankung, bei der die Urinkonzentrationsfähigkeit der Katze im Verlauf immer mehr abnimmt, bis die Katze schließlich nicht mehr in der Lage ist, ihren Flüssigkeitshaushalt durch (vermehrtes) Trinken aufrechtzuerhalten.
Hier kann durch subkutane Infusionen unterstützend eingegriffen werden, durch die auch Elektrolyte wieder in die Katze kommen, die über den Urin vermehrt ausgeschieden werden. Bei älteren Katzen ist es so, dass die Nierenfunktion oft nachlässt und ebenso das ohnehin schon nicht so ausgeprägte Durstgefühl. Eine verminderte Wasseraufnahme in Verbindung mit einem durch die sinkende Nierenfunktion höheren Wasserverlust führt wieder zur Austrocknung.
Durchfall und Erbrechen können (speziell bei Jungtieren, aber auch bei allen anderen) ebenfalls in die Austrocknung führen.
Zu viel Flüssigkeit: Flüssigkeitsansammlungen, Ödeme, Hyperhydration
In Verbindung mit verschiedenen schwerwiegenden Erkrankungen oder auch Medikamenten (z. B. Cortison) kann es zu Flüssigkeitsansammlungen kommen. Dazu gehören z. B. Herzerkrankungen und Nierenerkrankungen. Neben dem offensichtlichen „Anschwellen“ der Katze oder auch einzelner Körperteile (Gesicht, Beine etc.) können Atembeschwerden, Husten, tränende Augen oder Nasenausfluss u. a. auch Hinweise auf eine solche Problematik geben. Eine solche Katze gehört schnellstmöglich zur weiteren Abklärung in tierärztliche Behandlung.
In Einzelfällen wird bei Katzen auch eine „Wasservergiftung“ 2Lee, J. Y., Rozanski, E., Anastasio, M., Parker, V. J., deLaforcade, A. and Anastasio, J. (2013), Iatrogenic water intoxication in two cats. Journal of Veterinary Emergency and Critical Care, 23: 53–57. doi:10.1111/vec.12015 beschrieben, wie sie beim Menschen (z. B. bei Marathonläufern) oder auch beim Hund bekannt ist.Eine solche Hyperhydration kann an sich entstehen, wenn sehr schnell, sehr viel natriumarmes Wasser (Leitungswasser etc.) aufgenommen oder verabreicht wird. Dadurch fällt der Natriumgehalt im Blut ab und es kommt zu einem Anschwellen und schließlich zur Zerstörung von Zellen, insbesondere im Gehirn, was sich dann meistens in ZNS-Symptomen äußert. Das können Ataxiesymptome sein, Unruhe, Krämpfe, die Katze kann ins Koma fallen oder im Verlauf auch sterben. Bei Mensch und Hund geht es hier wirklich vorwiegend ums Trinken, bei der Katze eher um Einwirkungen von außen, also wenn z. B. bei Verstopfung fälschlicherweise Einläufe mit Leitungswasser gemacht werden oder eine Infusionstherapie falsch durchgeführt wird.
Wechselwirkungen mit anderen Nährstoffen
Wasser wird ja immer so ein bisschen als flüssiges „Nichts“ angesehen. Ist es aber nicht, sondern enthält zum Beispiel wichtige Mineralstoffe, wie Calcium oder Magnesium. Es kann unter bestimmten Umständen sogar die Aufnahme von Nährstoffen beeinträchtigen. Verantwortlich dafür ist die Huminsäure, die aus der Verrottung von Pflanzenteilen im Wasser entsteht und bis zu 60 % der in Lebensmitteln enthaltenen, wasserlöslichen B-Vitamine und Vitamin C zerstören kann. In Wasser gelöste Huminsäuren binden darüber hinaus auch Spurenelemente, wie Jod, wodurch diese vom Organismus nicht mehr verwertet werden können.
Ein Problem, das einem in Regionen begegnen kann, in denen das Trinkwasser vornehmlich aus Oberflächengewässern bezogen wird. Hier kann man prinzipiell eine höhere Huminsäurebelastung und damit auch einen höheren Bedarf an B-Vitaminen und entsprechenden Spurenelementen in Betracht ziehen.
Welches Wasser für die Katze?
Grundsätzlich gilt: Das Wasser, das man selbst auch trinken oder besser noch unbesorgt kleinen Kindern (speziell Säuglingen) zu trinken geben würde, eignet sich auch für die Katze.
In vielen Fällen ist das Leitungswasser, teilweise kann es sinnvoll sein, z. B. auf stilles natürliches Mineralwasser zurückzugreifen, das "für Säuglingsernährung geeignet" ist. Wir haben euch die Unterschiede zwischen den einzelnen Möglichkeiten nachfolgend zusammengefasst und beschränken uns dabei nur auf "Wasser, das man kaufen kann", da man auf die Aufnahme von Regenwasser etc. speziell bei Freigängern als Katzenhalter keinen großen Einfluss nehmen kann.
Trinkwasser/Leitungswasser
Die Qualität des Trinkwassers wird rechtlich über die Trinkwasserverordnung geregelt. Deren Bestimmungen muss es an der „Stelle der Einhaltung“ (also meist am Zapfhahn des Verbrauchers) erfüllen. Es muss rein und genusstauglich sein, darf keine Krankheitserreger enthalten und auch keine anderen Stoffe in gesundheitsschädigenden Konzentrationen. Gewonnen wird es aus Grund- oder Oberflächenwasser und dann direkt oder nach einer entsprechenden Aufbereitung an den Verbraucher abgegeben. Regelmäßige bakteriologische, chemische und chemisch-physikalische Tests müssen durchgeführt werden. Es gehört zu den am besten überwachten Lebensmitteln, wobei die Überwachung dem Staatlichen Gesundheitsamt obliegt. In Deutschland hat das Trinkwasser eine durchwegs sehr gute Qualität, wobei das Trinkwasser aus großen, zentralen Wasserversorgungsanlagen besser abschnitt, als das kleiner und mittlerer Wasserversorgungsunternehmen.
Hartes Wasser/weiches Wasser
Die Wasserhärte beschreibt im Wesentlichen den Gehalt an Calcium und Magnesium im Wasser. Ist das Wasser kalzium- und magnesiumarm ist es weich. Ob aus der eigenen Leitung hartes oder weiches Wasser kommt ist regional unterschiedlich und vom Boden abhängig, in dem das Regenwasser versickert. Je nachdem welches Gestein sich dort findet, lösen sich im Untergrund mehr oder weniger Mineralien. Talsperrenwasser ist oft weich, da es nicht durch den Boden sickert. Die Härte des eigenen Wassers kann beim Wasserversorger erfragt werden. Gesundheitsschädlich ist hartes Wasser nicht, man hat nur eher einmal mit Kalkablagerungen am Katzenbrunnen etc. zu kämpfen.
Natürliches Mineralwasser
Natürliches Mineralwasser nimmt eine Sonderstellung im Lebensmittelverkehr ein. Seine Gewinnung und sein Vertrieb bedarf einer besonderen amtlichen Zulassung. Es muss seinen Ursprung in einem unterirdischen Wasservorkommen haben, das vor Verunreinigungen geschützt ist und einen konstanten Gehalt an Mineralien und Spurenelementen sowie ggf. besonderen ernährungsphysiologischen Eigenschaften aufweisen. Natürliches Mineralwasser darf nur wenigen Herstellungs- und Behandlungsverfahren unterzogen werden, darf keine Zusätze (außer Kohlensäure) enthalten und muss am Quellort abgefüllt werden. Chemische und mikrobiologische Grenzwerte sind in der Mineral- und Tafelwasserverordnung festgelegt. Besitzt das Wasser eine besondere Auslobung (z. B. Eignung zur Säuglingsernährung) sind die chemischen Grenzwerte (etwa für Arsen, Nitrat, Fluorid, Uran) besonders streng.
Quellwasser
Quellwasser muss seinen Ursprung in einem unterirdischen Wasservorkommen haben, bedarf aber keiner „ursprünglichen Reinheit“ und auch keiner amtlichen Zulassung oder Nutzungsgenehmigung. Es muss auch keinen konstanten Gehalt an Mineralien und Spurenelementen aufweisen oder besondere ernährungsphysiologische Eigenschaften besitzen. Seine mikrobiologischen Grenzwerte sind in der Mineral- und Tafelwasserverordnung, die chemischen in der Trinkwasserverordnung festgelegt. Quellwasser darf nur wenigen definierten Herstellungs- und Behandlungsverfahren unterzogen werden, es muss am Quellort abgefüllt werden und es darf nur Kohlensäure zugesetzt werden.
Tafelwasser
Tafelwasser ist chemisch „künstliches“ Mineralwasser mit mindestens einer Zutat, das meist unter Verwendung von gewöhnlichem Leitungswasser oder natürlichem Mineralwasser hergestellt wird. Hier dürfen außer Kohlensäure auch andere Zusatzstoffe nach Maßgabe der Zusatzstoff-Zulassungsverordnung zugefügt werden. Die Bezeichnung „Tafelwasser“ und die Zutatenliste müssen auf dem Etikett angegeben werden. Die mikrobiologischen Grenzwerte im Tafelwasser sind in der Mineral- und Tafelwasserverordnung, die chemischen Grenzwerte in der Trinkwasserverordnung festgelegt.
Katzenwasser/Babywasser
Wie auch z. B. für Nager gibt es auch Wasser speziell für Katzen. Dabei handelt es sich um Wasser (z. B. Mineralwasser) mit meist niedrigem Gehalt an Mineralstoffen und Spurenelementen, das mit Zusätzen (oft Taurin) angereichert wurde.
Babywasser ist in der Regel Trinkwasser oder stilles, natürliches Mineralwasser mit niedrigem Natrium-, Nitrat- und Sulfatgehalt, das abgekocht abgefüllt wird, um es keimfrei zu machen. Es muss die Anforderungen für die Eignung zur Säuglingsernährung erfüllen.
Schadstoffe?
Bei Wasser ist auch immer wieder die Verunreinigung mit Schadstoffen oder Medikamentenrückständen ein Thema. Insgesamt ist jedoch die Trinkwasserqualität in Deutschland sehr gut. Je nach Region ist aber mitunter ein wenig Vorsicht geboten, daher haben wir uns die bekanntesten Vertreter für euch ein wenig genauer angesehen.
Nitrat/Nitrit
Nitrate sind Stickstoffverbindungen des natürlichen Stickstoffkreislaufs. Sie sind im Wasser gut löslich und verteilen sich somit auch schnell. Sie sind besonders in Gebieten mit intensiver Landwirtschaft und der damit verbundenen häufigen Verwendung von mineralischen und organischen Düngemitteln ein Problem, da sie bei Abbau ins Grund- und Oberflächenwasser gelangen und so auch ins Trinkwasser. Nitrat an sich ist nur wenig gesundheitsgefährdend, gefährlich ist die Umwandlung in Nitrit, die sich durch Bakterien im Mundraum (Speichel) oder im Magen vollziehen kann. Nitrit blockiert den roten Blutfarbstoff, der in Folge keinen Sauerstoff mehr transportieren kann (Methämoglobinämie), ein Vorgang der bei Säuglingen nur begrenzt umkehrbar ist. Zudem besteht die Gefahr krebserregender Nitrosamine. Der Grenzwert für Nitrat ist in der Trinkwasserverordnung festgelegt. Wird dieser überschritten, darf die Wasserversorgung weiterlaufen, jedoch muss die Bevölkerung informiert werden, dass das Wasser nicht für Säuglinge unter 10 kg Körpergewicht verwendet werden darf. Erwachsenen wird empfohlen, sich nitratarm zu ernähren und auf eine ausreichende Jodzufuhr zu achten (höhere Nitratbelastung = höhere Gefahr eines Jodmangels). Da Bakterien im Speichel zur Umwandlung von Nitrat in Nitrit führen können, ist es empfehlenswert, das Wasser in Gebieten mit Intensivlandwirtschaft häufiger zu wechseln. Wird vor einer Verwendung bei Säuglingen gewarnt, sollte man sicherheitshalber auch im Katzennapf auf Leitungswasser verzichten.
Pflanzenschutzmittel
Rückstände von Pflanzenschutzmitteln können ins Grundwasser und darüber als unerwünschte Stoffe ins Trinkwasser gelangen. Dazu zählen auch die Abbauprodukte der Stoffe. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen relevanten und nicht-relevanten Metaboliten. Die relevanten Metaboliten wirken ähnlich wie die Ausgangssubstanz und stellen eine ähnliche Gefahr dar, die nicht-relevanten Metaboliten wirken nicht mehr als Pflanzenschutzmittel und sind nur gering toxisch. Pestizide können auch in natürlichem Mineralwasser ein Thema sein, in dem z. B. geringe Mengen Chlorat und Perchlorat nachgewiesen wurden. ((Chlorat- und Perchloratgehalte in natürlichem Mineralwasser – Untersuchungsergebnisse 2015; LGL Bayern))
Arzneimittel/Hormone
Arzneimittelrückstände im Trinkwasser stören das empfindliche Ökosystem in Flüssen und Seen. Bisher wurden dort fast 100 unterschiedliche Arzneimittel nachgewiesen. Über Flüsse und Seen aber auch über mit Gülle/Mist gedüngte Böden können Arzneistoffe (z. B. Antibiotika) ins Grundwasser und darüber auch ins Trinkwasser gelangen. Antibiotika in gereinigtem Abwasser können die biologische Abwasserreinigung beeinträchtigen und evtl. zu Resistenzen führen. So wurden bereits multiresistente Mikroorganismen in Fließgewässern unterhalb von Kläranlagenausläufen nachgewiesen, wo oft besonders hohe Antibiotikakonzentrationen zu finden sind. Auch hier ist speziell bei Tieren mit schwachem Immunsystem (FeLV-/FIV-Katzen, jungen, trächtigen, chronisch kranken Tieren) gerade in Gebieten mit intensiver Landwirtschaft abzuwägen, ob Leitungswasser gegeben wird oder ob man auf ein abgefülltes Produkt aus einer anderen Region zurückgreift.
Blei, Kupfer, Nickel
Bleirohre und damit bleihaltiges Trinkwasser sind seit der Einführung neuer Grenzwert im Dezember 2013 eigentlich kein Thema mehr. In Einzelfällen sind speziell in Nord- und Ostdeutschland, wo Bleirohre noch bis Anfang der 70er Jahre verbaut wurden, noch Bleileitungen vorhanden. Wasser, dass durch solche Leitungen geflossen ist, sollte nicht gegeben werden. Erhöhte Gehalte an Kupfer und Nickel sind meist Folge fehlerhafter Installationen und stellen eher die Ausnahme als die Regel dar.
Weichmacher
Aus Kunststoffrohren können Weichmacher ins Trinkwasser übergehen. Es ist daher empfehlenswert, Wasser das länger als 4 Stunden in der Leitung stand, nicht mehr zu trinken. Am besten lässt man das Wasser ablaufen, bis es kühler über die Finger läuft. Das Thema Weichmacher betrifft grundsätzlich auch Wasserbehältnisse und Trinkbrunnen aus Kunststoff. Einer der bekanntesten Stoffe ist Bisphenol A (BPA). Leider bedeutet BPA-frei nicht automatisch auch unbedenklich, da auch Ersatzstoffe wie Bisphenol S als kritisch gelten. ((Bisphenol A: Ersatzstoff ist genauso schädlich; scinexx.de))
Uran/Radioaktivität
In Mittelgebirgsregionen mit natürlicher Uranbelastung, wie z. B. in Teilen Thüringens, Nordbayerns oder im südlichen Sachsen kann Uran als natürlicher Bestandteil von tief liegendem Grundwasser im nachgewiesen werden, das in engem Kontakt zu uranhaltigen Ablagerungen und Gesteinen steht. Dass der Urangehalt im Trinkwasser über dem Grenzwert liegt, kommt nur sehr selten vor (max. 0,6 % der Haushalte) und meist wird das Trinkwasser dann nicht von einem zentralen Wasserversorger bezogen. Die Nieren – ohnehin eine Schwachstelle bei der Katze – reagieren empfindlich auf Uran. Sollte der Urangehalt demnach über dem Grenzwert „für die Zubereitung von Säuglingsnahrung“ liegen, sollte das Wasser auch nicht mehr im Katzennapf landen. In manchen Wasserversorgungsgebieten sind auch natürliche Radionukleide von Uran, Radium und Radon ein Thema. Das ist regional sehr unterschiedlich und kommt vor allem im mittel- und süddeutschen Raum, z. B. in Teilen des Erzgebirges, im Bayerischen Wald, den Alpen oder dem Hochschwarzwald vor. Seit 2015 muss das Trinkwasser auch auf natürliche Radioaktivität untersucht werden.
Wie kann ich meine Katze zum Trinken animieren?
Die Vorfahren der Katzen stammen aus trockenen Halbwüsten. Das heißt, im natürlichen Lebensraum ist Wasser eher knapp und im Laufe der Zeit hat sich die Katze daran angepasst, mit wenig Wasser auszukommen (Dehydratationen von bis zu 4 % des Körpergewichts können noch gut toleriert werden) und ist in der Lage ihren Harn stark zu konzentrieren. Der Flüssigkeitsbedarf wird größtenteils über das Futter gedeckt, die Motivation zur eigenständigen Wasseraufnahme ist eher gering ausgeprägt. In unserem gemäßigten Klima wird die Katze noch weniger zum Trinken angeregt, als bei Wüstentemperaturen. Ein Problem, das sich auch bei in Gefangenschaft lebenden Kleinwildkatzen zeigt.
Bei älteren Tieren kommt hinzu, dass das Durstgefühl und damit auch die Wasseraufnahme nachlassen, was in Verbindung mit einer altersbedingt nachlassenden Nierenfunktion auch nicht die beste Kombination ist. Auch kann eine geringe Flüssigkeitsaufnahme und eine dadurch verursachte stärkere Konzentration des Harns die Bildung von Harnkristallen/Harnsteinen begünstigen. Es ist daher wichtig, dafür zu sorgen, dass die Katze nicht am Limit leben muss, sondern ausreichend Flüssigkeit aufnimmt.
Keinesfalls darf Problemen mit Unsauberkeit durch eine reduzierte Wassergabe begegnet werden!
Bei einer natürlichen Ernährung kann eine Katze ihren Flüssigkeitsbedarf zum Großteil über die Nahrung decken und die Wasserzufuhr auf diesem Wege kommt dem natürlichen Verhalten der Katze entgegen. Der erste und einfachste Schritt ist es, ein Futtermittel zu reichen, das über einen dem Beutetier ähnlichen Feuchtegehalt verfügt. Das ist bei der Rohfütterung und bei Feuchtfuttermitteln gegeben. Wenn es von der Katze toleriert wird, können B.A.R.F. und Nassfutter noch um Wasser ergänzt werden, bei der Rohfütterung sorgt außerdem die Gabe von Blut für zusätzliche Flüssigkeit. Zusätzlich sollte der Katze immer Wasser zur freien Verfügung stehen.
Und weil es immer wieder Thema ist: Mehr deklarierte Feuchtigkeit auf einer Dose bedeutet nicht zwangsläufig auch mehr Qualität. Wie das mit den Inseln in der Dose genau ist, erklärt euch Jasper in seinem Artikel.
Wasserspiele, Tricks und Kniffe
Was möglich ist und wir empfehlen:
Nassfutter Wasser zugeben
Blut und/oder zusätzliches Wasser ins B.A.R.F.
(Fleisch-)Brühe herstellen, z. B. selbstgemachte Hühnerbrühe oder auch aus Fertigfutter (nicht vergessen, Fleischbrühe ist nahrhaft, d. h. prima zum Päppeln, bei Katzen, die eh schon etwas mehr auf den Rippen haben, eher mit Bedacht)
Erlebniswasserspaß (Katzenteich, Katzenaquarium, Trinken aus dem Wasserhahn, geeignete Steine ins Wasser, Robofische zum Spielen, Tischtennisbälle ins Wasser, Planschbecken (z. B. Kitty Lake) aufstellen)
Wenig Sahne, Milch (wenn nötig, laktosefrei) oder Thunfischwasser ins Wasser, um dieses attraktiver zu machen (am besten nicht allzu lange stehen lassen. Das Schälchen Milch hin und wieder zählt ebenso wie flüssige Snacks in erster Linie zum Futter, nicht zur Flüssigkeitsversorgung)
Was auch gemacht wird, aber wir nur bedingt empfehlenswert finden:
Ballaststoff- und wasserreiche Futtermittel mit geringer Energiedichte füttern => Katze muss mehr Futter aufnehmen, um satt zu werden und nimmt so zwangsläufig auch mehr Wasser auf.
Vermehrte Salzzugabe ins Futter speziell bei älteren Katzen
Auftauwasser ins B.A.R.F. – ja oder nein?
Ob man bei der Rohfütterung das Auftauwasser zugeben sollte, wird diskutiert. Zum einen gelangen wasserlösliche Vitamine und Taurin in die Flüssigkeit und bei Zugabe auch ins Futter (gut), zum anderen haben wir die Gefahr, dass Bakterien (z. B. Campylobacter oder Staphylokokken) von der Fleischoberfläche ins Auftauwasser gelangen und so von der Katze aufgenommen werden (schlecht).
Wie so oft gibt es hier nicht nur Schwarz und Weiß, sondern man muss individuell abwägen. So ist das Risiko für eine Verunreinigung mit krankmachenden Bakterien nicht bei jeder Fleischsorte gleich hoch. Zudem ist es ein Unterschied, ob man es mit einer gesunden erwachsenen Katze zu tun hat oder mit einem Tier, dessen Immunsystem vielleicht ohnehin schon geschwächt oder nicht voll ausgebildet ist.
Individuelle Trinkgelegenheiten für jede Katzenpersönlichkeit
In der Regel hat jede Katze ihre eigenen Vorlieben, was die Wahl ihrer Trinkgelegenheiten angeht. Die einen trinken das Wasser am liebsten ganz frisch vom Hahn, die nächsten lieben abgestandenes Wasser und wieder andere bevorzugen sämtliche Behältnisse (Wasserglas, Blumenvase, Aquarium etc.) anstelle des Wassernapfes. Kennt man diese Vorlieben, kann man sie für sich nutzen. Viele Katzen schätzen Katzenbrunnen, die es mittlerweile in vielen verschiedenen Formen und Ausführungen zu kaufen gibt. Empfehlenswert finden wir die Brunnen von Keramik im Hof, von der Töpferei Schwarz und die Brunnen von TrinkTiger und Lucky Kitty.
Fast genauso wichtig wie die Wasserstelle, ist auch die Platzierung dieser. So ist es sinnvoll, nicht nur eine Wasserstelle anzubieten, sondern mehrere strategisch im Haus zu verteilen. Häufig gewöhnen sich Katzen ganz bestimmte Wege durch die Wohnung an, die immer wieder genutzt werden.
Diese eignen sich hervorragend zur Platzierung der Wasserstellen. Grundsätzlich sollten sich die Wasserstellen nicht neben dem Katzenklo oder dem Futterplatz befinden, sondern separat stehen. Speziell in Gegenden mit hoher Luftverschmutzung sollte Wasser nach Möglichkeit im Haus und nicht auf dem Balkon etc. angeboten werden.
Der perfekte Wassernapf
Die Wassernäpfe für die Katze sollten standfest, leicht zu reinigen und so groß sein, dass die Katze trinken kann, ohne mit den Schnurrhaaren am Rand des Napfes anzustoßen. Alternativ eignen sich auch flache Schüsseln, bei denen jedoch erfahrungsgemäß das „Sauereipotenzial“ höher ist. Viele Katzen bevorzugen einen erhöhten Standort. Die Näpfe, Schalen etc. müssen lebensmittelecht sein, d. h. Dekoschalen, Blumenuntersetzer etc. sind meist nicht geeignet. Die Behältnisse (auch Trinkbrunnen) sind am besten aus Keramik, Porzellan, Glas oder Edelstahl.
Sauerei vermeiden
"Katzen sind wasserscheu" heißt es. Das trifft aber nicht auf alle Katzen zu. Manche sind sogar richtige Wasserratten und lieben es mit der Pfote im Napf zu spielen oder sich auch mit allen Vieren in den. Napf oder Brunnen zu stellen. Abhilfe schaffen KÖNNEN nicht müssen:
Die Flüssigkeitsaufnahme und die Harnproduktion sind auf komplexe Weise miteinander verknüpft. Kommt es zu Fehlern im System wird vermehrt Wasser aufgenommen (Polydipsie) und vermehrt Urin abgegeben (Polyurie). Die Ursachen dafür können vielfältig sein, z. B.
Eitrige Gebärmutterentzündung (Pyometra)
Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)
Kaliummangel
Kalziumüberschuss
Schilddrüsenüberfunktion
Natriummangel
Leberinsuffizienz oder portosystemischer Shunt
Chronische Nierenerkrankung
Diabetes mellitus
Vermehrte Harnausscheidung nach Beseitigung einer Blockade in den Harnleitern (postobstruktive Diurese)
Medikamente (z. B. Cortison)
Infusionstherapie
Trinkt die Katze plötzlich auffallend viel und/oder setzt häufig und/oder viel Urin ab, ist immer eine Abklärung durch den Tierarzt oder die Tierärztin notwendig. Meist wird neben der Allgemeinuntersuchung eine Blut- und/oder Urinuntersuchung und/oder bei Bedarf Bildgebung durchgeführt.
Referenzen (eine Auswahl)
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ANDERSON, R. S. (1982), Water balance in the dog and cat. Journal of Small Animal Practice, 23: 588–598. doi:10.1111/j.1748-5827.1982.tb02519.x
Klinische Diätetik für Kleintiere; Kapitel 2: Nährstoffe, 25-32
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Wer sich mit Katzenernährung beschäftigt, stößt früher und später automatisch auf den Begriff Taurin. Wer sich noch nicht mit der Ernährung unserer Samtpfoten beschäftigt hat, aber gerne Energy Drinks konsumiert, kennt den Begriff vermutlich auch. Aber was ist Taurin eigentlich?
Dunkles Fleisch enthält relativ viel Taurin. (Foto: Jasper, www.the3cats.de)
Bei Taurin handelt es sich um eine ß-Aminosulfonsäure, die 1827 zum ersten Mal aus der Galle von männlichen Rindern isoliert wurde. Dieser Tatsache verdankt es auch seinen Namen, der sich vom lateinischen Wort für Stier (bos tauros) ableitet. Taurin gehört zu den häufigsten frei verfügbaren Aminosäuren im tierischen Körper und ist auch nur in tierischem oder menschlichem Gewebe zu finden. Pflanzen enthalten praktisch kein Taurin mit Ausnahme der Kaktusfeige und einiger Wasserpflanzen.
In der Muttermilch ist die Aminosulfonsäure ebenfalls in großer Menge enthalten, stellt sie doch bei Katze und Hund die häufigste und bei Mensch und Ratte immerhin die zweithäufigste freie Aminosäure dar, auch wenn es sich bei Taurin genau genommen nur um eine aminosäureähnliche Substanz handelt.
(Off Topic: Taurin an sich stellt KEINE Gefahr für ungeborene Kinder und Säuglinge dar. Dass in der Schwangerschaft nicht unbedingt in hohem Maße Energy Drinks konsumiert werden sollten und natürlich auch Babys keinen „Saft des roten Stieres“ ins Fläschchen bekommen, hat andere Gründe. Mit dem Taurin hat das nichts zu tun. Sobald ein Baby gestillt wird, nimmt es Taurin zu sich, in den meisten PRE-Nahrungen ist es ebenfalls enthalten).
Grundsätzlich handelt es sich bei Taurin um eine weiße kristalline Substanz, die bei etwa 328 Grad Celsius schmilzt und sich ab 300 Grad Celsius zersetzt. Bis zu ca. 100 Gramm sind auf einen Liter Wasser löslich. Das molekulare Gewicht beträgt 125. In Ethanol oder Äther ist es nahezu unlöslich.
Taurin für Katzen – darum geht es nicht ohne
In der freien Natur ernähren sich Katzen zu etwa 70 Prozent von Kleinnagern, wie Mäusen. Die Maus gilt als das taurinhaltigste Landlebewesen und da immer wieder ausreichend Taurin nachkommt, hat es die Natur so eingerichtet, dass die Leber unserer Stubentiger nur mangelhaft Taurin synthetisieren kann. Die geschwindigkeitsbegrenzenden Enzyme, die für die Umwandlung von Methionin und Cystein in Taurin nötig sind, sind bei ihr nur minimal aktiv. Genau gesagt, handelt es sich dabei um die Cysteindeoxigenase und die Cysteinsäuredecarboxylase. Grundsätzlich sind jüngere Katzen von der Taurinversorgung über die Nahrung in höherem Maße abhängig als ältere Tiere.
Darüber hinaus verliert die Katze ständig über den Darm-Leber-Kreislauf der Gallensäuren Taurin, da sie diese ausschließlich aus der Aminosulfonsäure konjugieren muss und dazu nicht – wie etwa Mensch und Ratte – auf Glycin zurückgreifen kann. Dabei werden Gallensalze in den Darm abgegeben, die nach der Resorption wieder der Leber zugeführt werden. Taurin wird dabei jedoch aus seiner Verbindung mit den Gallensäuren gelöst und nur zum Teil wieder aufgenommen. Ein Teil wird über den Kot ausgeschieden, ein wesentlich größerer Anteil wird für den Abbau von Mikroorganismen verwendet, was den Verlust von freiem Taurin im Katzenkörper in großem Umfang fördert. Insgesamt gehen so etwa 50 Prozent des Taurins, das die Katze aufgenommen hat, wieder verloren – weit mehr, als die Katze selbst bilden kann. Wird dieser Verlust nicht über die Nahrung wieder ausgeglichen, kommt es zu Mangelerscheinungen.
Taurin für Katzen – diese Funktionen übernimmt es im Katzenkörper
Im Stoffwechsel der Katze übernimmt Taurin zahlreiche Funktionen. Durch Verbindung mit den Gallensalzen trägt es zur Bildung wasserlöslicher Gallensalze und damit zur Aufnahme von Nahrungsfetten bei. Es hat eine Funktion als Neurotransmitter und -modulator im zentralen Nervensystem, trägt zur Regulation der Körpertemperatur und der Gehirnentwicklung bei und ist zum Erhalt der normalen Netzhautstruktur und einer gesunden Herzfunktion unerlässlich. Des Weiteren bindet es unter anderem Giftstoffe im Körper und fungiert als Antioxidans.
Weitere Einsatzgebiete sind die Stabilisation der Zellmembranen und die Regulierung von Zellvolumen und -osmolarität. Außerdem scheint Taurin für die normale Kontraktion der Skelettmuskeln nötig zu sein. Zusätzlich sind eine schmerzlindernde und krampflösende Wirkung zu nennen. Taurin spielt eine Rolle bei der Thermoregulation und kann die Regeneration nach Schäden an Gehirn und Rückenmark fördern. Daneben wird ein möglicher Einfluss auf das Verhalten beschrieben, wie z. B. bei Aggressivität.
Da Taurin auch einen Einfluss auf den Geruchssinn hat, könnte es Auswirkungen auf die Geschmacks- und Geruchswahrnehmung sowie das Verhalten haben. Möglich sind außerdem eine vorbeugende Wirkung hinsichtlich Darm- und Leberkrebs sowie ein positiver Effekt bei akuter Hepatitis. Welche Faktoren die Konzentration von Taurin im Gewebe kontrollieren, ist noch nicht klar. Den variabelsten Tauringehalt hat grundsätzlich die Leber.
Hat jede Katze den gleichen Taurinbedarf?
Der Taurinbedarf kann von Katze zu Katze und in verschiedenen Lebensstadien variieren. So benötigen Senioren, tragende und säugende Katzen beispielsweise grundsätzlich mehr Taurin. Auch wird gemunkelt, dass manche Katzenrassen (z. B. Siamesen) einen höheren Taurinbedarf hätten, als andere Rassen, bewiesen ist das allerdings nicht und wahrscheinlich eher in den Bereich „Urban Legend“ einzuordnen. Für Katzenwelpen ist zudem das in der Nahrung enthaltene Taurin besser verfügbar, als für erwachsene Katzen. Eine normale Taurinkonzentration im Plasma ließ sich bei Kätzchen im Alter von 12 und 18 Wochen durch die tägliche Verabreichung von 150 – 197 mg Taurin pro kg Körpergewicht aufrechterhalten.
Taurin für Katzen – soviel muss im Futter enthalten sein
Angaben zum Taurinbedarf von Katzen gibt es viele. Und das in einer riesigen Bandbreite. Der NRC gibt als Mindestbedarf 200 mg am Tag bzw. 50 mg/kg Katze an, „Nutrient Requirements of Cats“ aus dem Jahr 1986 nennt 400 mg/kg Futter für Kitten und erwachsene Katzen und 500 mg/kg Futter für trächtige Katzendamen. In der Klinischen Diätetik für Kleintiere findet man die Angabe, dass pro Tag 50 mg verfügbares Taurin nötig wären. Ihr seht, die Bandbreite ist relativ groß. [pullquote]Nimmt man den Tauringehalt der Maus her, dürfte man mit 200 bis 500 mg am Tag gut dabei sein.[/pullquote]
Grundsätzlich ist der Taurinbedarf der Katze von der Zusammensetzung des Futters abhängig. Hier sind vor allem die Art, Menge und Verdaulichkeit des Proteins (als Quelle für die Taurin-Vorläufer Methionin/Cystein) und der Fasergehalt im Futter zu nennen.
Taurin im Fertigfutter- darum muss dort mehr enthalten sein
1986 wurde vom NRC ein Tauringehalt von 500 bis 700 mg im Trockenfutter empfohlen, jedoch zeigte sich schnell, dass dieser zu niedrig angesetzt war. Dies mag verwundern, ist dies doch in Anbetracht des oben genannten Tagesbedarfs vollkommen im Rahmen. Das Problem ist, dass Katzen bei einer Ernährung mit Fertigfutter einen zwei- bis vierfach höheren Taurinbedarf haben, als roh ernährte Katzen, da die Erhitzung, der Fett- und Fasergehalt im Futter oder auch die Kombination mit pflanzlichen Stoffen, wie Sojaprotein oder Reis(kleie) die Aufnahme behindern können.
Zudem wird vermutet, dass die Maillard-Reaktion eine Darmflora fördert, die Taurin abbaut und somit nicht mehr verfügbar macht. Die Darmbakterien bauen es in diesem Fall weitestgehend zu Sulfat ab, wodurch es für die Katze nicht mehr verfügbar ist. Eventuell spielt auch die übermäßige Ausscheidung des Peptidhormons Cholecystokinin (CKK) eine Rolle. CKK reguliert die Kontraktion der Gallenblase zur Abgabe der Galle in den Zwölffingerdarm.
Zusammenfassend kann man sagen, dass durch Erhitzung die Bioverfügbarkeit von Taurin sinkt. Entsprechend wurden die Empfehlungen für die Taurinsupplementierung im Fertigfutter angepasst. Morris und Rogers (1994) empfehlen 1000 mg pro kg für Trockenfutter und bis zu 2500 mg pro kg Trockenmasse bei Nassfutter. Prinzipiell ist der Taurinverlust beim Erhitzen in Flüssigkeit, wie z. B. beim Kochen, höher als bei Zubereitungsmethoden mit geringerem Wasserverlust, wie Backen oder Braten.
Tauringehalt im Rohfutter/in Beutetieren – diese Faktoren haben einen Einfluss darauf
Wie schon erwähnt, kann Erhitzen die Verfügbarkeit von Taurin für die Katze behindern. Einfrieren und Auftauen haben grundsätzlich dagegen keinen Einfluss auf die Verfügbarkeit der Aminosulfonsäure. Jedoch die Lagerungszeit. Durch eine längere Lagerungszeit reduziert sich der Vitamin-E-Gehalt und die Oxidation wird eingeleitet. Ein geringer Vitamin-E-Gehalt kann u. a. laut Lambert et. al. 2001 wiederum zu einem Taurinverlust führen. Die Oxidation ist beim Wolfen eher ein Thema, als bei stückigem Fleisch, da hier eine "größere Angriffsfläche" besteht. Da Taurin wasserlöslich ist, können bei der Rohfütterung gegebenenfalls zudem Verluste entstehen, wenn das Auftauwasser weggekippt wird. Auch hier ist durch die größere Oberfläche bei gewolftem Fleisch die Gefahr größer als bei Stücken.
Ein Beispiel für dieses Phänomen bietet eine Studie über den Einfluss der Rohfütterung auf IBD bei Katzen. Im Rahmen dieser Studie wurde an Katzen über Monate ganzes Kaninchen gewolft verfüttert. Nach 10 Monaten erkrankte eine der Katzen plötzlich und eine DCM wurde diagnostiziert. Nach einer Untersuchung der anderen Katzen stellte man auch dort bei 70 % der Tiere Herzprobleme fest. Nachdem in den letzten drei Monaten der Studie Taurin supplementiert wurde, war alles wieder in Ordnung. Das Kaninchen an sich enthielt ursprünglich ausreichend Taurin, das zusammengestellte Katzenfutter jedoch nur noch einen geringen Gehalt an Vitamin E. Daneben unterliegt der Tauringehalt in Fleisch natürlichen Schwankungen und ist außerdem von äußeren Faktoren, wie der Rasse und dem Alter der geschlachteten Tiere, deren Aufzucht, Haltung und Ernährung sowie der Lagerung, Verarbeitung und Zusammensetzung des Futters abhängig. [pullquote]Den höchsten Gehalt findet man grundsätzlich in schlachtfrischem, rohem Fleisch.[/pullquote]
Ganz interessant ist, dass sich die Taurinkonzentration in potenziellen Beutetieren der Katze kaum veränderte, wenn diesen zusätzlich Taurin gefüttert wurde. So fand Sved et. al (2007) bei Ratten kaum Unterschiede, als Taurin zu 30 mg/kg bzw. 300 mg/kg gefüttert wurde. Auch aufgrund der Behandlungsdauer ließen sich kaum Unterschiede feststellen.
Natürliche Taurinquellen
Taurin ist in tierischem Gewebe enthalten und hier vor allem in den Skelettmuskeln, im Gehirn, der Netzhaut, der Leber, der Bauchspeicheldrüse, den weißen Blutkörperchen, den Eingeweiden und im Herz. Grundsätzlich gilt, umso stärker ein Muskel beansprucht wird, umso höher ist der Tauringehalt. Entsprechend finden wir in Herz relativ viel Taurin. Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang Galle und Netzhaut, rein auf die Masse bezogen bilden jedoch die Muskeln das größte Taurinreservoir im Tierkörper. Bei der Ratte machen diese beispielsweise 75 Prozent aus.
Im Gehirn gehört Taurin zu den wesentlichen freien Aminosäuren. Hier enthalten zum Beispiel die Epiphyse (Zirbeldrüse) und die Hypophyse (Hirnanhangdrüse) relativ viel Taurin. Als taurinreichstes Landlebewesen gilt mit ca. 140 bis 270 mg/100 g die Maus. Daneben enthalten verschiedene Fischarten sowie einige Meeresfrüchte, wie zum Beispiel Mies-, Jakobs- und Grünlippmuschel relativ viel Taurin. Laut Kocsis et al. besteht außerdem eine Verbindung zwischen dem Tauringehalt und den Herzschlägen pro Minute. Umso schneller das Herz schlägt, umso höher der Tauringehalt. Grundsätzlich kann der Taurinbedarf der Katze rein über natürliche Quellen gedeckt werden.
Kritik an der Supplementierung mit natürlichen Taurinquellen
Kritiker bemängeln an der Supplementierung mit rein natürlichen Taurinquellen unter anderem, dass eine ausreichende Taurinversorgung durch die natürlichen Schwankungen innerhalb der einzelnen Quellen nicht gesichert werden kann. Weitere Kritikpunkte sind etwaige Schadstoffe und Medikamentenrückstände in Fisch und Meeresfrüchten sowie die Thiaminaseproblematik bei Verfütterung der Wassertiere in rohem Zustand.
Ein Überblick über den Tauringehalt in verschiedenen Fleischsorten/Beutetieren
Maus: ca. 140 bis 270 mg/100 g (je nach Quelle)
Rinderherz: 25,4 bis 85,1mg/100 g
Pferdefleisch: 31,4 mg/100 g
Lammhaxn: 44,6 – 51,0 mg/100 g
Hühnerbrust: 10,2 – 21,6 mg/100 g
Hühnerherz + -leber: 88,8 – 156,1 mg/100 g
Kaninchen gewolft: 34,7 – 39,9 mg/100 g
Miesmuschel: 655 +/- 72 mg/100 g
Jakobsmuschel: 822 +/- 15 mg/100 g
Grünlippmuschelpulver: 2410 mg / 100 g
Künstliches Taurin – was ist das?
Taurinpulver findet man nicht nur im Katzenfutter, sondern auch in Energy Drinks, Shampoos, Duschbädern und Kosmetika. In Waschmitteln ist es als N-Methyltaurin vorhanden, wo es zu einer guten Schaum- und Reinigungswirkung beiträgt. Taurin wird aus Ethylenoxid und Natriumbisulfit synthetisiert. Danach werden flüssiges Ammoniak und Schwefelsäure ergänzt. Das Produkt wird dann entfärbt, gereinigt, kristallisiert, zentrifugiert, getrocknet, gesiebt und mit dem Carrier vermischt, um den Zusatz zu erhalten. Gutes Taurinpulver für die Katzenernährung sollte zu mindestens 99 Prozent rein sein und keine Füll- und Rieselstoffe enthalten.
Eine Untersuchung eines Taurinzusatzes (mehrere Chargen) auf Verunreinigungen ergab laut efsa einen Gehalt von <0,06 % Sulfatasche, <0,01 % Chlorid , <0,01 % Sulfat, <0,02 % Ammoniumsalz, <0,2 % verwandten Stoffen, <10 mg/kg Schwermetallen und <1,0 mg/kg Arsen. ((Scientific Opinion on the safety and efficacy of taurine as a feed additive for all animal species - EFSA Panel on Additives and Products or Substances used in Animal Feed))
Diese Vorteile und Nachteile hat künstliches Taurin
Taurinpulver verfügt in der Regel über eine gute Akzeptanz und ist in der Lage, die natürlichen Schwankungen im Fleisch auszugleichen und so zusätzliche Sicherheit zu bieten. Fertigfuttermitteln wird in der Regel (bis auf wenige Ausnahmen) Taurinpulver zugesetzt.
Jedoch ist künstliches Taurin mit vielen Vorurteilen behaftet. Krebserregend soll es sein, ein Abfallprodukt aus der Waschmittelindustrie, für einen Proteinüberschuss sorgen oder gar von der Katze überhaupt nicht verwertet werden können.
Beweisen lassen sich diese Thesen nach aktuellem Kenntnisstand nicht. Taurinpulver gilt aus toxikologischer Sicht als unbedenklich, bereits 1999 kam der Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der EU (SCF) zu dem Schluss, dass toxikologische Studien keinen Hinweis auf erbgutveränderndes oder krebserregendes Potenzial von Taurin ergaben. Auch eine Schädigung von Föten im Mutterleib ist nicht zu erwarten. Ein Proteinüberschuss sollte bei einer gesunden Katze kein Thema sein.
Und wäre Taurin von der Katze nicht verwertbar, wären die Fälle von DCM und zentraler Retinadegeneration nach Versetzen des Futters mit Taurinpulver nicht zurückgegangen. Des Weiteren berichten zahlreiche Katzenhalter von positiven Effekten einer zusätzlichen Tauringabe auf die Haut- und Fellqualität sowie auf das Verhalten ihrer Samtpfoten. Auch die efsa betrachtet synthetisches Taurin bei Katzen, Hunden und fleischfressenden Fischen als wirksam. Bei der Gabe eines Taurinzusatzes an Legehennen hatte es interessanterweise einen nachteiligen Effekt und führte zu einem geringeren Gewicht der gelegten Eier.
Der richtige Umgang mit Taurinpulver
Taurinpulver wird am besten dunkel und trocken gelagert. Da es Augen, Atmungsorgane und Haut reizen kann, sollte es stets in Wasser aufgelöst und dann erst zum Futter gegeben werden. Gelegentlich kann die Gabe von Taurin zu Magenverstimmungen führen.
Haltbarkeit von Taurin
Die Haltbarkeit von (synthetischem) Taurin wurde ebenfalls getestet. Bei der Lagerung von Taurin in verschlossenen Polyethylen-Beuteln lag die Haltbarkeit laut efsa bei einer Temperatur von 25 °C bei 36 Monaten. Bei einer Temperatur von 40 Grad Celsius war sechs Monate lang kein Verlust festzustellen. In einem Mineralfutter für Hühner, das bis zu vier Monate in Plastikbehältern bei 25° C aufbewahrt wurde, war vier Monate lang kein Verlust festzustellen. Bei Integration ein Alleinfuttermittel für Hühner, das bei 25 °C in Kunststoffbehältern aufbewahrt wurde, war kein Taurinverlust zu erkennen. In einer 1-2%igen Lösung (Leitungswasser) blieb Taurin bei Raumtemperatur an einem dunklen Ort eine Woche lang stabil.
Fertigfutter zusätzlich mit Taurin supplementieren – ja oder nein?
Alleinfuttermittel sind in der Regel mit so viel Taurin versehen, dass es zu keinen Mangelerscheinungen kommt. Allerdings orientiert man sich hier meist am Mindestbedarf, d. h. es ist gerade so viel enthalten, wie unbedingt nötig ist. Es kann daher dem Futter durchaus regelmäßig eine Messerspitze Taurin beigefügt werden.
Wie äußert sich ein Taurinmangel?
Ein Taurinmangel kommt heute relativ selten vor. Mögliche Ursachen sind die Verfütterung von Hundefutter, die vegetarische/vegane Ernährung von Katzen, die reine Gabe von Ergänzungsfuttermitteln oder falsch zusammengestellte Rohmahlzeiten. Ein Mangel kann sich unter anderem durch Störungen des Immunsystems, nervöse Reizbarkeit, ein Zusammenklumpen der Blutplättchen, eine zentrale Degeneration der Netzhaut, eine dilatative Kardiomyopathie oder auch Fortpflanzungsstörungen oder Entwicklungsstörungen von ungeborenen und geborenen Katzenkindern äußern.
Zentrale Retinadegeneration
Eine zentrale Verkümmerung der Netzhaut fällt dem Halter häufig erst auf, wenn die Sehkraft seiner Katze schon stark beeinträchtigt ist und das Tier beispielsweise gegen Möbelstücke läuft. Grundsätzlich ereignet sich ein Taurinmangel in der Netzhaut viel langsamer als in anderen Geweben. Wenn es zu offensichtlichen Symptomen kommt, liegt bereits ein Taurinmangel über mindestens drei Monate vor. Die Verkümmerung der Netzhaut lässt sich nicht rückgängig machen und führt über kurz oder lang zur Erblindung der Katze.
Taurinabhängige dilatative Kardiomyopathie (DCM)
Eine Verbindung zwischen DCM bei Katzen und einem Taurinmangel stellte zuerst Pion et. al 1987 her. Katzen mit DCM zeigen häufig keinerlei klinische Symptome oder auch Symptome einer Herzinsuffizienz. Häufig sind Teilnahmslosigkeit, Appetitlosigkeit und Atemnot. Katzen mit einer schweren Herzinsuffizienz sind oft zu schwach zum Stehen, haben einen schwachen Puls, blasse Schleimhäute und eine erniedrigte Körpertemperatur. Etwa ein Drittel der Katzen, die an einer taurinabhängigen DCM leiden, leiden auch an der zentralen Retinadegeneration. Eine taurinabhängige DCM kann durch die Gabe von Taurin behandelt werden.
Fortpflanzungsstörungen / Entwicklungsstörungen bei Kitten
Bei einem Taurinmangel ist die Fortpflanzungsfähigkeit der Katzen beeinträchtigt. Die Kitten sind häufig geistig und/oder körperlich behindert, wenn sie denn lebend geboren werden. Die Erfolgsrate einer erfolgreichen Trächtigkeit und Aufzucht von Kitten bei Taurinmangel liegt bei unter 20 %. Im Normalfall enthält die Muttermilch der Katze etwa 300 mg Taurin pro Liter. Bei Katzen, die mit taurinarmem Futter ernährt werden, enthält diese weniger Taurin, was die Entwicklung der Kitten beeinträchtigen kann. Der Tauringehalt in der Milch wird grundsätzlich durch die Aufnahme von Taurin über die Nahrung beeinflusst. Entsprechend hat die Milch von Fleischfressern einen höheren Tauringehalt, als beispielsweise Kuhmilch.
Pottenger’s Cats und Taurinmangel
Die Studien rund um Pottenger’s Cats sind wahrscheinlich einigen bekannt. Ganz interessant ist, dass die Defizite, die Pottenger bei seinen Katzen feststellte, theoretisch alle durch einen Taurinmangel zu erklären sind. Pottenger fütterte bei seinem Versuch eine Katzengruppe mit einer Diät aus zwei Drittel rohem Fleisch, einem Drittel roher Milch und Lebertran. Die zweite Gruppe erhielt das Fleisch gekocht. Bei dieser Gruppe entwickelten sich gesundheitliche Probleme wie Kurz- und Weitsichtigkeit, Herzprobleme, ein erhöhtes Vorkommen von Totgeburten bzw. eine nur geringe Überlebensraten der Kitten. Die Kätzchen entwickelten sich oft schlecht und hatten ein geringes Geburtsgewicht. Alles Erscheinungen, die mit einem Taurinmangel in Verbindung stehen können. Als Pottengers Studie durchgeführt wurde, war Taurin noch nicht als essenziell für Katzen bekannt. Dies war erst 1975 der Fall. Taurin ist wie schon erwähnt empfindlich gegen Hitze und die Erhitzung behinderte die Aufnahme.
Taurinsupplementierung im Krankheitsfall
Taurin und Herzerkrankungen
Laut Fox & Sturman 1992 führt eine Taurinsupplementierung über die Ernährung zu einer Erhöhung der Taurinkonzentration im Herzen und das bei gesunden Katzen ebenso, wie bei solchen mit Herzinsuffizienz. Wegen des schützenden und positiven Einfluss von Taurin auf die Herzfunktion empfiehlt Freeman 2002 allgemein eine Taurinsupplementierung bei herzkranken Katzen, ganz gleich welche Herzerkrankung ursächlich zugrundeliegt. Als Dosierungsempfehlung werden 625 mg/1000 kcal genannt.
Taurin und Epilepsie
Die kombinierte Gabe von Taurin als Injektion gefolgt von der oralen Gabe scheint bei Epilepsie positive Auswirkungen zu haben und dabei zu helfen, die Anfälle zu reduzieren oder ganz verschwinden zu lassen.
Taurin und Nierenerkrankungen
Durch die wechselseitige Beziehung von Taurin und Kalium kann eine zusätzliche Gabe von Taurin bei Katzen mit Kaliummangel – wie er bei eingeschränkter Nierenfunktion vorkommt – laut Dow et. al 1992 sinnvoll sein. Des Weiteren gibt es Hinweise darauf, dass mithilfe von Taurin (zumindest bei Ratten) der Blutdruck gesenkt und die Plasma-Renin-Konzentration und Renin-Aktivität erhöht werden können.
Wechselwirkungen zwischen Taurin und anderen Stoffen
Es bestehen u. a. Wechselwirkungen zwischen Taurin und Insulin, Zink, Vitamin B6, den Vitaminen A und E sowie Kalzium.
Zwischen Taurin und Futtermitteln allgemein, Trägern, anderen zugelassenen Futterzusätzen und Arzneimitteln sind laut efsa keine physikalisch-chemischen Unverträglichkeiten oder Wechselwirkungen zu erwarten, wenn das Taurin Vormischungen oder Futtermitteln beigefügt wurde.
Kann man Taurin überdosieren?
Überschüssiges Taurin wird über die Nieren ausgeschieden und über die proximalen Nierentubuli auch kaum wieder aufgenommen. Wie schon erwähnt, gehen um die 50 Prozent des Taurins, das die Katze aufnimmt, wieder verloren, weshalb eine stetige Zufuhr über die Nahrung notwendig ist. Eine Überdosierung lässt sich im Alltag kaum erreichen. Bei Ratten liegt die mittlere tödliche Dosis (LD50-Wert) bei über 5000 mg je Kilo Körpergewicht. Hier ist jedoch zu bedenken, dass Ratten ca. 80 % ihres Taurinbedarfs selbst bilden können.
Sturman und Messing fütterten 1992 abgesetzte Kitten über bis zu 3 Jahre mit 10 g/kg Futter und stellten keine negativen Auswirkungen fest. Entsprechend wurde die sichere Höchstmenge auf >8,9g/kg festgelegt.
Wir bedanken uns herzlichst bei Professor Jasper für die Hilfe bei der Recherche, fürs Mitdenken und fürs Zahlen sortieren.
Quellen u. a.
- Klinische Diätetik für Kleintiere (Hand, Thatcher, Remillard, Roudebush)
- Enzyklopädie der klinischen Diätetik der Katze (Pibot, Biourge)
- Die Anwendung von Taurin und D-Glucurono-γ-lacton als Bestandteile so genannter „Energy“-Drinks (efsa)
- Pharmacology of Taurine (Oja, Saransaari)
- Taurine in metabolism (Hayes, Sturman)
- A Reexamination of Pottenger's Cats (Emlet)
- Physiological roles of taurine in heart and muscle (Schaffer, Jong, KC, Azuma)
- Taurine concentrations in animal feed ingredients; cooking influences taurine content (Spitze, Wong, Rogers)
- Plasma amino acid and whole blood taurine concentrations in cats eating commercially prepared diets (Heinze, Larsen, Kass, Fascetti)
- The Sulfur-Containing Amino Acids: An Overview (Brosnan, Brosnan) - Dietary Rice Bran Decreases Plasma and Whole-Blood Taurine in Cats (Meri Stratton-Phelps, Robert C. Backus, Quinton R. Rogers, and Andrea J. Fascetti)
- High dietary protein and taurine increase cysteine desulfhydration in kittens.(Park T, Rogers QR, Morris JG.)
- Taurine status in cats is not maintained by dietary cysteinesulfinic acid
- Dietary antibiotics decrease taurine loss in cats fed a canned heat-processed diet
- Maillard reaction products in purified diets induce taurine depletion in cats which is reversed by antibiotics
- Dietary soybean protein decreases plasma taurine in cats
- The Taurine Requirement of the Kitten Fed Canned Foods
- Microbial degradation of taurine in fecal cultures from cats given commercial and purified diets
- Taurine Utilization by Cats
- Dietary protein source (soybean vs. casein) and taurine status affect kinetics of the enterohepatic circulation of taurocholic acid in cats
- Use of a raw meat-based diet or a dry kibble diet for sand cats (Felis margarita)
- Quantitativ- und qualitativ-morphologische Untersuchungen an Nieren und Nebennieren von Katzen im Altersgang und unter Berücksichtigung des Plasma-Taurin-Gehaltes
- Taurine Balance is Different in Cats Fed Purified and Commercial Diets
- Taurin – Chemie, Biochemie, Anwendung
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Ei für Katzen ist oftmals sehr beliebt. Sei es als Wundermittel fürs Fell, als Stärkung für frischgebackene Katzenmütter oder als Nahrungsergänzung für nierenkranke Katzen. Jedoch erlebt man auch oft Zweifel und Unsicherheiten, z. B. was den Gehalt fettlöslicher Vitamine im Ei angeht oder in Bezug auf die Frage, was es mit diesem Avidin auf sich hat. Auch Salmonellen sind häufig ein Thema. Sehen wir uns das Ei für Katzen doch einmal ein wenig genauer an. Wir konzentrieren uns hier auf das Hühnerei, für Gänse-, Enten-, Wachteleier usw. können andere Werte gelten.
Auf dem natürlichen Speiseplan wilder Katzen stehen Eier eher selten bis nie. Katzen sind keine Eierdiebe. Dennoch kommen Eier als wertvolle Nahrungsergänzung infrage. Eier sind im Endeffekt die einzigen Lebensmittel, in denen alles enthalten ist, was nötig ist, um nur durch Wärmezufuhr (Brüten) neues Leben zu schaffen. Wir unterscheiden dabei Eigelb, Eiklar (Eiweiß) und die Eierschale. Auf den Dotter entfallen dabei etwa 33 Prozent des Gesamtgewichts, auf das Eiklar 57 Prozent und auf die Schale noch einmal etwa 10 Prozent. Grundsätzlich geht man von einem Verhältnis von 16:29 (Dotter/Eiklar) aus. Im Jahr 2009 wurden weltweit schätzungsweise 62,1 Millionen metrische Tonnen Eier von etwa 6,4 Milliarden Hühnern produziert.
Ei für Katzen - wovon kann sie profitieren?
Eier sind hoch akzeptable, gut verdauliche Lebensmittel, die über ein günstiges Verhältnis von Protein zu Energie verfügen. Sie enthalten hochwertige Proteine, nahezu alle Vitamine und wertvolle Mineralstoffe und Spurenelemente. Kohlenhydrate sind nur zu einem verschwindend geringen Teil enthalten, dafür ein hoher Anteil an essenziellen Fettsäuren. Zudem sind sie reich an Lutein und Zeaxanthin, Carotinoiden, die verschiedenen Augenerkrankungen vorbeugen können. Lutein kommt mit einem Anteil von 70 Prozent im Eigelb vor und ist besonders in Hühnereiern, aber auch in Eiern von Enten und Kanarienvögeln zu finden.
Dazu kommen Antioxidantien durch die Aminosäuren Tryptophan und Tyrosin. So enthalten zwei rohe Eigelb doppelt so viele Antioxidantien wie ein Apfel, vielleicht die Alternative für „An Apple a Day keeps the Doctor away“ für Fleischfresser, wie unsere Samtpfoten. ;-) Der Anteil der Antioxidantien wird jedoch um etwa die Hälfte reduziert, wenn die Eier erhitzt werden. Alles in allem besteht das Essbare des Eis aus etwa 75 Prozent Wasser, etwa 13 % Protein, etwa 11 Prozent Fett, 0,7 % Kohlenhydraten und 1 Prozent Mineralstoffen (v. a. Natrium, Kalium, Phosphor und Eisen). Sieht man sich die natürliche Ernährung der Katze so an, keine schlechte Zusammensetzung.
Was gibt es zum Eigelb für Katzen zu sagen?
Das Eigelb ist mit einem Durchmesser von etwa drei Zentimetern die größte bekannte Zelle und enthält interessanterweise 50 % mehr Eiweiß, als das eigentliche Eiweiß (Eiklar). Es besteht aus dem Dotter, der Dottermembran und der Keimscheibe, wobei die Membran dafür sorgt, dass sich Eigelb und Eiklar im Ei nicht vermischen. Zwei Hagelschnüre halten es außerdem in der Eimitte.
Der Dotter selbst besitzt einen zwiebelartigen Aufbau und lässt sich wiederum in zwei Arten unterteilen, den weißlichen Bildungsdotter, der vor allem Proteine enthält, und den gelblichen Nahrungsdotter, der sehr fetthaltig ist. Im Eigelb befinden sich alle Vitamine, darunter auch die fettlöslichen A, D, E, was ihr bei der Gabe beachten solltet (mehr dazu später). Zudem befinden sich dort auch die meisten anderen Nährstoffe und die bereits erwähnten Carotinoide. Eigelb wird bei Temperaturen zwischen 65 und 70 Grad Celsius fest.
Vitamine im Eigelb
Im Eidotter befinden sich insgesamt 13 unterschiedliche Vitamine. Am wichtigsten sind die fettlöslichen Vitamine A, D und E sowie die B-Vitamine. Letzere finden wir auch im Eiklar, die fettlöslichen Vitamine nur im Dotter. Ein Eigelb mit 17 Gramm enthält laut USDA 245 IE Vitamin A, 37 IE Vitamin D und 0,44 mg Vitamin E 1https://ndb.nal.usda.gov/ndb/foods/show/113?fg=&man=&lfacet=&format=Full&count=&max=25&offset=&sort=&qlookup=egg+yolk .Die Bedarfswerte unserer Katzen liegen bei Vitamin A je nach Quelle zwischen 300 und 2400 IE, bei Vitamin D zwischen 20 und 40 IE pro Tag. Ihr seht also, dass Eigelb ein eher seltener Genuss sein sollte, wenn ihr ansonsten voll supplementiertes Rohfutter oder gewöhnliches Alleinfutter (Nass- oder Trockenfutter) gebt. Dazu kommt, dass die Vitamingehalte im Eigelb je nach Haltung und Ernährung der Hühner stark variieren können.
So ergab 2005 ein Testprojekt von Mother Earth News, in dem Eier von Hühnern aus ökologischer Haltung mit den Nährwertdaten der USDA verglichen wurden, dass in den Eiern freilaufender Hühner (Weidehaltung) 66 % mehr Vitamin A, doppelt so viele Omega-3-Fettsäuren und 50 Prozent mehr Vitamin E enthalten waren. 2Meet Real Free-Range Eggs Zu ähnlichen Ergebnissen kam auch Heather Karstens von der Pennsylvania State University, die Eier aus Käfighaltung und artgerechter Haltung verglich. Sie kam auf 38 Prozent mehr Vitamin A und doppelt soviel Vitamin E, als in den Eiern von Käfighühnern. Auch das Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren sah bei den freilaufenden Hühnern besser aus. 3https://journals.cambridge.org/action/displayAbstract?fromPage=online&aid=7219036 Bereits 1968 stellte außerdem das "British Journal of Nutrition" fest, dass Eier freilaufender Hühner 50 Prozent mehr Folsäure und 70 Prozent mehr Vitamin B12 als die Eier von Käfighühnern enthielten. 4https://journals.cambridge.org/action/displayAbstract?fromPage=online&aid=836244 . Daneben zeigte auch diese Studie 5https://ps.fass.org/content/58/3/518.abstract, dass der Gehalt an fettlöslichen Vitaminen, der Fettgehalt der Eier und der Jod- und Selengehalt je nach Ernährung relativ stark variieren können. Laut einer USDA-Studie aus dem Jahr 2010 gibt es beim Protein- und Rohfettgehalt keine bedeutenden Unterschiede. Da Eier aus ökologischer Haltung aus diversen Gründen (Tierschutz, keine Pestizidbelastung, kein Antibiotikaeinsatz etc.) Eiern aus anderen Haltungsformen vorzuziehen sind, ist das etwas, das ihr bei der Entscheidung ob Ei für Katzen oder nicht und wie oft im Auge behalten solltet.
Fett im Eigelb
Das Eigelb besteht zu fast einem Drittel aus Fetten und fettartigen Substanzen. An Lipiden (Fetten) sind Triglyceride, Phospholipide und Cholesterin enthalten. Triglyceride sind in allen natürlichen Fetten und Ölen als Hauptbestandteil zu finden und sind der charakteristische Reservestoff von Tieren und Pflanzen. Etwa 65 % des Dotterfetts bestehen dabei aus ungesättigten Fettsäuren, Cholesterin ist in einer Menge von 200 bis 300 mg enthalten. Der Cholesterinspiegel hat bei der Katze jedoch nicht die gleiche Bedeutung wie beim Menschen, sondern kommt in erhöhter Form oft als Nebenerscheinung einer anderen Erkrankung (wie z. B. CNI/CNE) vor. Hohe Cholesterinwerte bei der Blutuntersuchung können auch durch den Fütterungszustand der Katzen zum Zeitpunkt der Blutentnahme oder Stress verursacht werden.
Lecithin im Eigelb
Lecithin gehört zu den Phospholipiden und liegt im Eigelb frei oder gebunden an Albumine vor. Es bindet als biologischer Emulgator Cholesterin, so dass dieses nur noch teilweise vom Körper aufgenommen werden kann. Zudem wirkt es nervenstärkend und entgiftend. Außerdem ist es zusammen mit dem ebenfalls im Eigelb enthaltenen Cholin gut geeignet, um Haarballen die Passage durch den Darm zu erleichtern. Das Lecithin, das in Fertigfuttermitteln (oft Trockenfutter) zugesetzt wird, stammt meist nicht aus Eiern, sondern aus den billigeren Sojabohnen.
Carotinoide im Eigelb
Carotinoide sind im Dotter unter anderem für die schöne gelbe Farbe verantwortlich, haben jedoch auch noch andere Vorteile. So schützen sie beispielsweise die Zellen vor schädlichen Einflüssen. Von den 800 natürlich vorkommenden Substanzen sind im Eigelb zum Beispiel die Carotinoide Beta-Carotin (Vorstufe von Vitamin A), Lutein, Zeaxanthin und Canthaxanthin zu nennen. Das enthaltene Beta-Carotin wird komplett zu Vitamin A umgebaut. Lutein ist ein gelb-oranger Farbstoff und in relativ großer Menge im Eidotter enthalten. Es wirkt als Radikalfänger, stimuliert das Immunsystem und schützt die Zellen. Lutein ist zudem für die charakteristische Färbung des Dotters verantwortlich.
Allgemein lässt sich aus der Farbe des Dotters grundsätzlich gut ersehen, wie das Huhn ernährt wurde. Umso mehr Carotinoide aufgenommen werden, umso kräftiger ist der Dotter gefärbt. So findet ihr bei Hühnern, die sich weitgehend von Frischfutter (Gemüse, Gras, Obst... ) ernähren, kräftig orangefarbene Dotter, während eher hellgelbe Dotter darauf hinweisen, dass mehr Grünfutter und Mais verzehrt wurden. Werden über das Futter keine Carotinoide zugeführt, bleibt der Dotter eher farblos.
Nur sind Eierproduzenten natürlich nicht auf den Kopf gefallen und haben schnell erkannt, dass goldgelbe Dotter weitaus besser ankommen, als farblose Dotter, wie sie bei minderwertiger Ernährung ohne Carotinoide auftreten würden. Also werden dem Hühnerfutter einfach Carotinoide, in der Regel Lutein (Zusatz E161b) zugesetzt, die die Farbe des Eigelbs intensivieren. 6https://www.vitalstoff-lexikon.de/printarticle.php?subcatid=438&mode=showarticle&artid=1402&
Lutein ist übrigens auch für die gelbe Färbung der Schenkel und Krallen der Hühner verantwortlich.
Canthaxanthin verbleibt dagegen um bis zu 70 Prozent im Eigelb und schützt unter anderem die dortigen Vitamine vor Oxidation und Zerstörung. Gesunde Küken können nur schlüpfen, wenn der Dotter ausreichend mit Carotinoiden versorgt wurde.
Was gibt es zum Eiweiß für Katzen zu sagen?
Das Eiweiß, im folgenden zur besseren Unterscheidung zum Protein als Eiklar bezeichnet, umgibt und schützt das Eigelb bzw. das entstehende Küken. Außerdem dient es dem Küken ebenfalls als Nahrung und verhindert das Eindringen von Bakterien. Eiklar ist nahezu frei von Fett, enthält kaum Kohlenhydrate (unter 1 %) und besteht zu 90 % aus Wasser. Etwa 10 % entfallen auf biologisch hochwertiges Protein. Alles in allem sollen etwa 40 unterschiedliche Proteinarten im Eiklar enthalten sein. Vorherrschend sind Albumine, gefolgt von Ovoglobulinen, Ovomucoid und Ovomucin.
Das Eiklar ist in rohem Zustand durchsichtig bis leicht gelblich und kann in vier Schichten unterteilt werden. Direkt am Dotter befindet sich eine zähflüssige Schicht, gefolgt von einer dünnflüssigen und einer zähflüssigen Mittelschicht, während die Außenschicht wieder dünnflüssig ist. Bei ganz frischen Eiern kann man diese Schichten oft noch unterscheiden, später dann eher nicht mehr. Eiweiß gerinnt bei Temperaturen zwischen 63 und 73 Grad Celsius und verfärbt sich dann weiß.
Avidin im Eiklar
Wer sich mit dem Ei für Katzen beschäftigt, stößt unweigerlich auf den Begriff Avidin mit dem Hinweis, dass Eiklar nie roh gegeben werden darf, da es sonst zu einem Biotinmangel kommen könne. Biotin (Vitamin B7) ist ein wasserlösliches Vitamin aus dem Vitamin-B-Komplex und kommt grundsätzlich in jeder Zelle vor. Avidin ist dagegen ein weitaus größeres Protein, das Biotin binden kann. Befinden sich beide Moleküle in der gleichen Lösung, verbinden sie sich unwiderruflich, so dass das gebundene Biotin für die Katze nicht mehr verfügbar ist. Nun ist die Frage, ab welcher Menge oder ab welcher Häufigkeit es bei der Aufnahme von Avidin wirklich zu einem Biotinmangel kommt.
Carey und Morris verursachten 1975 und 1977 einen Biotinmangel bei Kitten, indem sie diesen eine „purified diet“ mit 18,5 % bis 32,0 % Eiklar verabreichten. Ein Viertel bis ein Drittel Eiklaranteil an der Gesamternährung ist schon eine beachtliche Menge. Die so gefütterten Kitten entwickelten sich über 150 Tage, also fast ein halbes Jahr, ganz normal, bis Zeichen von Biotinmangel auftraten. 7https://books.google.de/books?id=JzArAAAAYAAJ&pg=PA27&dq=avidin+cats&hl=de&sa=X&ei=V2CTUeDfHMbftAaO6YDQDg&ved=0CDIQ6AEwADgK#v=onepage&q=avidin%20cats&f=false Zentek spricht bei Hunden dagegen schon nach wenigen Tagen von Biotinmangelerscheinungen, wenn den Tieren täglich mehr als zwei bis drei rohe Eier gefüttert werden. 8https://www.beck-shop.de/fachbuch/leseprobe/9783830410829_Excerpt_002.pdf
Nun heißt es immer wieder mal, das Avidin würde eben das Biotin im Ei für Katzen nicht mehr verfügbar machen, aber ansonsten hätte es keine negativen Effekte. Sehen wir uns das auch einmal an. In einem Eiklar mit einem Gewicht von 33 Gramm befinden sich laut USDA etwa 3,6 Prozent Protein. 9https://ndb.nal.usda.gov/ndb/foods/show/112?fg=&man=&lfacet=&format=Full&count=&max=25&offset=&sort=&qlookup=egg+white 0,05 Prozent des Proteinanteils entfallen auf Avidin. Umgerechnet wären das also 1,8 mg Avidin im Eiklar. Biotin ist im Eigelb mit etwa 10 µg zu verbuchen. Bei der molekularen Masse stehen 67.000 Dalton (Avidin) 244 Dalton (Biotin) gegenüber. Ein Molekül Avidin bindet vier Moleküle Biotin. Das allein zeigt schon, dass bei der Gabe von ganzen rohen Eiern vom Biotin eigentlich nicht mehr wirklich etwas übrig bleiben kann.
Sind Biotin und Avidin einmal verbunden, hilft auch Erhitzen nicht mehr viel, laut Green, 1963, werden bei einer Hitzebehandlung über 15 Minuten bei 100 °C nur 0 bis 10 % des gebundenen Biotins wieder freigesetzt. Jedoch verliert Avidin durch Erhitzen grundsätzlich seine Biotinbindefähigkeit und kann keinen Schaden mehr anrichten. 10https://www.biochemj.org/bj/089/0599/0890599.pdf D. h. Rührei schlecht, hartgekochte Eier ohne Vermischen von Eigelb und Eiklar besser. :-)
Die Avidin-Aktivität an sich nimmt übrigens auch durch Erhitzen nicht komplett ab, sondern lag bei Spiegeleiern noch bei 33 Prozent, bei pochierten Eiern noch bei 71 % und bei über 2 Minuten gekochten Eiern noch bei 40 %. 11https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1365-2621.1991.tb05361.x/abstract
Grundsätzlich kann man wohl davon ausgehen, dass der Katzenkörper die gelegentliche Gabe von ganzen rohen Eiern in Bezug auf die Avidin-Biotin-Problematik ausgleichen kann. Um wirklich einen Biotinmangel zu erzeugen, muss schon eine gute Anzahl roher Eier regelmäßig über einen längeren Zeitraum (Wochen bis Monate) verzehrt werden. Unbedingt einen Vorteil hat Katze von der Gabe von rohem Eiklar aber nicht. Wer unbedingt ganze rohe Eier füttern möchte, kann die Situation verbessern, indem das Eiklar einige Stunden getrennt vom Eigelb gefüttert wird. Alternativ kann das Eigelb roh gegeben werden und das Eiklar erhitzt werden. Gekochtes Eiweiß ist übrigens auch ein hervorragender Proteinspender ohne große Phosphorbelastung, was zum Beispiel für Katzen mit CNI/CNE von Bedeutung ist.
Ovomucin im Eiklar
Während Avidin den meisten in Verbindung mit Eiern bekannt ist, liest man von Ovomucin eher selten. Ovomucin ist ebenfalls im Eiklar enthalten und gilt als Trypsinhemmstoff. Trypsin ist eines der wichtigsten Enzyme im Verdauungssystem (zusammen mit Pepsin und Chymotrypsin) und setzt den Verdauungsprozess im Dünndarm fort. So spaltet es größere Eiweißverbindungen (Proteine) in kleinere Bausteine (Lysin, Arginin, modifiziertes Cystein). Außerdem kann es mit anderen Enzymen zur Linderung von Entzündungen und zur Heilung bei Verletzungen beitragen.
Ein weiterer Grund dafür, warum Eiklar am besten gekocht werden sollte.
Was gibt es zur Eierschale für Katzen zu sagen?
Eierschale besteht zum größten Teil aus Calciumcarbonat (ca. 95 % Kalk) und Proteinfasern (ca. 5 %). Außerdem sind geringe Mengen Magnesiumcarbonat und Phosphate enthalten. Über 10.000 Porenkanälchen in der etwa 0,2 bis 0,4 mm dicken Schale sorgen dafür, dass ein Gasaustausch zwischen Ei-Innerem und Außenwelt stattfinden kann. Wie fest die Schale ist, hängt vom Futter und vom Alter des Huhns ab. Die Schale brauner Eier ist meistens etwas fester, als die von weißen.
Welche Farbe die Eierschale besitzt, ist genetisch bedingt und hat grundsätzlich nichts mit der Farbe des Huhns zu tun. Bei Hühnern mit weißen Ohrscheiben sind die Eier meist weiß, bei solchen mit roten Ohrscheiben braun. Bei Mischlingshühnern dürft ihr euch überraschen lassen. Qualitative Unterschiede gibt es nicht. 15https://ps.fass.org/content/89/3/582 Außen befindet sich eine dünne, durchsichtige Schleimhaut, die Kutikula, die dafür sorgt, dass keine Bakterien ins Ei eindringen können. Wäscht man die Eier, entfernt man auch diese wichtige Schutzschicht.
Eierschale ist ein beliebter und günstiger Kalziumzusatz in der Rohfütterung. Innen befindet sich ein feines Häutchen. Dieses enthält Chondroitin, natürliche Glucosamine und Kollagen (gut für die Gelenke) und kann zusammen mit der Schale gegeben werden. Zur Gabe als Supplement wird die Schale fein gemörsert, um die Aufnahme zu verbessern. Will man die Eierschale länger lagern, empfiehlt es sich, das Häutchen zu entfernen (erleichtert auch das Mörsern). Den Teil mit dem Eierstempel kann man ebenfalls entfernen, wenn man das möchte.
Wo beziehe ich meine Eier?
Die Eierproduktion ist leider häufig mit viel Tierleid verbunden und auch Bioeier müssen nicht zwangsläufig aus tiergerechter Haltung stammen (wenn auch aus besserer, als Eier aus Boden- oder gar Käfighaltung), gerade wenn es um größere Betriebe geht.
Einen Überblick über die Herkunft eurer Eier gibt der Eierstempel. Die erste Ziffer bezeichnet die Haltungsform der Tiere.
Danach folgt das Buchstabenkürzel für das Herkunftsland, also zum Beispiel DE für Deutschland, AT für Österreich oder DK für Dänemark. Außerdem findet ihr eine individuelle Nummer, die Aufschluss über die jeweilige Produktionsstätte gibt.
Über die Seite Was steht auf dem Ei (gibt es auch als App) könnt ihr herausfinden, woher eure Eier stammen. Selbstredend, dass nur Eier mit den Ziffern 0 und 1 in euren Einkaufswagen wandern sollten. Noch besser ist es natürlich, wenn ihr euch direkt davon überzeugen könnt, wie die Hühner leben, die eure Eier liefern. Durch Direktverkauf ab Hof zum Beispiel.
Verschiedene Größen
Bei Eiern unterscheidet man verschiedene Gewichtsklassen, etwa 80 bis 90 % der in der EU verkauften Eier liegen in den Klassen M oder L. Eier der Gewichtsklasse XL wiegen 73 Gramm und mehr, L-Eier kommen auf 63 bis 73 Gramm, während mittlere Eier (M) zwischen 53 und 63 Gramm wiegen. Als kleine Eier (S) bezeichnet man Produkte mit einem Gewicht unter 53 Gramm.
Güteklassen
Man unterscheidet die Güteklassen A und B. Verkauft werden in der EU nur Eier der Güteklasse A. Eier der Güteklasse B kommen nur in der Industrie zum Einsatz. Um in den Handel zu kommen, müssen Schale und Oberhaut des Eis unverletzt, normal und sauber sein. Die Eier dürfen nicht gewaschen oder gereinigt worden sein (anders in den USA, dort werden die Eier gewaschen und desinfiziert). Dotter und Eiklar müssen frei von fremden Ein- und Auflagerungen sein, das Eiklar eine gallertartige Konsistenz aufweisen. Ist das Eiweiß trüb, muss das nicht unbedingt negativ sein. Bei ganz frischen Eiern sorgt häufig enthaltenes Kohlendioxid für die Trübung, was aber unbedenklich ist.
Rohe Eier und Salmonellen
Salmonellen sind quasi DAS Schreckensgespenst, wenn es um rohe Eier geht, sind jedoch für den Menschen weitaus gefährlicher als für die (gesunde) Katze. Dennoch lohnt es sich - schon allein zum eigenen Schutz - einige Sicherheitsmaßnahmen in Bezug auf Eier umzusetzen.
Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts und des Bundesinstituts für Risikobewertung kommt es pro Jahr zu tausenden Salmonellose-Erkrankungen beim Menschen. Salmonellen sind Bakterien, die für schwere Darmerkrankungen sorgen können, wenn eine entscheidende Menge davon aufgenommen wurde. Katzen sind durch ihren spezialisierten Verdauungsapparat jedoch vor einer Infektion im Allgemeinen sehr gut geschützt. Bei empfindlichen Tieren, kranken Tieren, trächtigen/säugenden Katzen und Kitten kann man auf rohe Eier sicherheitshalber verzichten.
Eier sollten frisch sein
Dennoch gilt, ob nun für euch oder für eure Samtpfoten, Eier sollten nur dann roh gefüttert werden, wenn sie wirklich frisch sind. Umso frischer das Ei, umso schlechter die Vermehrungschancen für Salmonellen. Daher am besten immer nur so viele Eier kaufen, wie ihr auch zügig verwenden könnt und diese schnell verbrauchen. Bei Temperaturen unter 6 Grad findet quasi keine Vermehrung der Salmonellen statt, bei Zimmertemperaturen geht das jedoch relativ schnell, daher die Eier immer kühl aufbewahren. Gewaschene Eier müssen immer im Kühlschrank aufbewahrt werden, weil die Schutzschicht durch die Reinigung entfernt wurde. Eier mit beschädigter Schale oder mit einem Alter von 22 Tagen aufwärts sollten nicht mehr roh gefüttert werden. Das Mindesthaltbarkeitsdatum bei Eiern beträgt 28 Tage, wenn ihr also vom angegebenen Datum 28 Tage abzieht, habt ihr das Legedatum und könnt das Alter eurer Eier bestimmen.
Eier aus hygienischer Haltung
Bei Hühnern, die unter unhygienischen Bedingungen leben, erhöht sich das Salmonellenrisiko in Bezug auf die Eier. Neben Antibiotika, Dioxin, Pestiziden, evtl. genverändertem Futter und Tierschutz ein Grund mehr, beim Ei für Katzen auf tiergerechte Haltung zu setzen. Oft stammen die Salmonellen auch gar nicht direkt vom Ei, sondern gelangen durch Kreuzkontamination über die luftdurchlässige Schale in das Ei oder lagern sich auf der Schale ab. Beim Trennen der Eier sollte das Äußere der Schale nicht unbedingt mit Eigelb und Eiklar in Berührung kommen, ein Eitrenner kann hier gute Dienste leisten. Um die Frische eines Eis zu bestimmen, eignet sich der Schwimmtest. Dazu werden die Eier einfach in ein Glas Wasser gelegt. Frische Eier bleiben am Boden des Glases liegen, ältere Eier steigen nach oben.
Einen relativ sicheren Schutz vor Salmonellen bietet außerdem das Erhitzen der Eier auf etwa 75 Grad Kerntemperatur.
Auch wissenswert
Die Eier, die ihr im Handel kaufen könnt, sind in der Regel unbefruchtet, da die Hühner ohne Hahn gehalten werden. Befruchtete Eier können ebenfalls bedenkenlos gegeben werden und enthalten auch keinen entwickelten Embryo, da die Kühlschranktemperaturen das Zellwachstum verhindern.
Fazit: Eier können in der Katzenernährung durchaus ihren Platz finden, wenn auch als eher seltener Genuss. Eigelb aus frischen Eiern kann roh gegeben werden, Eiklar wird besser gekocht. Die Eier stammen am besten aus tiergerechter Haltung.
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Die Doppeldeutigkeit der Überschrift ist nicht zufällig gewählt. Katzenernährung erhitzt (kleiner Kalauer) die Gemüter. Essen muss der Mensch und essen muss auch die Katz‘. Nur was? Ist Kochen überhaupt gesund? Wie kocht man richtig? Warum kocht man überhaupt? Das wollen wir uns in diesem Artikel einmal näher anschauen.
Jeder, der die Erkenntnis gewonnen hat, dass kommerziell hergestelltes Futter gewisse Nachteile in sich birgt, steht vor der großen Frage, was er denn statt Fertigkost füttern soll. B.A.R.F.en erfährt der Leser, das sei ganz toll, aber dass es vermutlich kein Spaziergang wird, das erfährt er auch. Und dann die Würmer im Fleisch, die Salmonellen und die ganzen anderen Krankheiten, die in rohem Fleisch stecken. (tun sie eigentlich nicht, aber das kann man an anderer Stelle bei Anika nachlesen)
Auf dem Weg zur perfekten Lösung begegnet einem an jeder dritten Ecke zwangsläufig mal das Wort kochen. „Dann koch doch.“ Wenn man das zum zwanzigsten Mal gehört hat, könnte man schon fast einen Schlager daraus basteln. „Dann koch doch. Und wenn Du nicht weiterweißt, dann koch doch.“
Und Kochen kann ja nicht so schwer sein. Also wird sich ein Rezeptbuch besorgt und munter drauflosgekocht. Und wenn Maunzi auf einmal so stumpfes Fell bekommt und immer so matt ist oder sogar Ausschlag bekommt, dann beschäftigt man sich etwas näher mit dem Kochbuch und stellt fest, dass es eigentlich gar nicht für eine artgerechte Ernährung geeignet ist und im Endeffekt sogar schlechter als Dosenkost. Kochbücher für Katzen gibt es nämlich viele. Oder kleine Beilagen in Katzenzeitschriften. „Gönnen Sie ihrem Liebling mal etwas ganz Besonderes.“ Da wird die Katze schnell zur Gourmetkatze gemacht. GUTE Kochbücher oder Beilagen gibt es dagegen allerdings nur sehr wenige. Und wenn ihr den Artikel zu Ende gelesen habt, dann wisst ihr auch wie man gutes Material erkennt.
Artgerechte Ernährung bedeutet in erster Linie den Nachbau der natürlichen Nahrung, welche die Katze zu sich nähme, wenn sie sich in freier Natur selbst versorgen würde. Wenn man sich die ursprüngliche Nahrung der Katze einmal genau anschaut, dann findet man einen sehr hohen Fettanteil ((Studie: Estimation of the dietary nutrient profile of free-roaming feral cats: possible implications for nutrition of domestic cats - Esther A. Plantinga, Guido Bosch and Wouter H. Hendriks)) . Fett liefert der Streunerkatze die Energie fürs Jagen, die Fortpflanzung, den Temperaturausgleich (Frieren) und wichtige Körperprozesse benötigt. Bei einem Haustiger fällt der Fettanteil dagegen geringer aus und der Proteinanteil (aus dem die Katze mittels Gluconeogenese ihre Hauptenergie Glucose verstoffwechselt) erhöht sich. Nicht aber der Kohlenhydratanteil, wie uns das so mancher Dosenhersteller gerne weismachen möchte. Leicht verdauliche Kohlenhydratanteile von bis zu 10% - mit Bedacht gewählt - sind aber für die Katze gut tolerierbar.
Damit haben wir schon ein wichtiges Kriterium für die Bewertung der Kochrezepte geschaffen – die Zutaten. Rezepte, die einen hohen Anteil an Kohlenhydraten haben (mehr als 10%) sind also fragwürdig.
Kommen wir mal zu den Zutaten im Einzelnen:
Fett – liefert Energie und die sog. Fettsäuren sowie die fettlöslichen Vitamine - es sollte tierischer Herkunft sein, da Katzen keine pflanzlichen Öle für den Grundbedarf verwerten können. Gute Möglichkeiten sind fetteres Fleisch, Gänseschmalz, Schweineschmalz oder Fettabschnitte Fleisch – liefert Energie und Proteine in Form von Aminosäuren – enthält in rohem Zustand Enzyme, welche entscheidend beim Verdauungsvorgang mitwirken. Kohlenhydrate – fungieren in erster Linie als Ballaststoffe, können durch einzelne Bestandteile im verwendeten Gemüse aber auch unterstützend bei bestimmten Krankheiten sein. Wirklich benötigt werden Kohlenhydrate von der Katze nicht.
Wenn wir einem (Roh-)Fleischfresser gekochte Nahrung anbieten, dann kommt unweigerlich die Frage nach Nährstoffverlusten auf. Oder sagen wir besser, sie SOLLTE aufkommen.
Die Nährstoffe, welche die Katze benötigt, sind Aminosäuren mit Taurin in vorderster Front. Dieses kann die Katze nicht selbst bilden und muss es über die Nahrung aufnehmen. Bei den Mineralstoffen steht Calcium ganz vorn. Da man Knochen niemals gekocht geben sollte, da sie sonst splittern, ist die Zugabe von Calcium beim Kochen ein umso wichtigerer Aspekt. Bei der Rohfütterung kann Calcium durch Knochen zugeführt werden, die in rohem Zustand elastisch sind und von der Katze gut verarbeitet werden. Die Vitamine im Fleisch sind vornehmlich fettlöslich, heißen also A,D,E und K.
Wenn wir uns die möglichen Faktoren angucken, wie ein Verlust entstehen kann, dann sind mit „Oxidation, Temperatur, Licht,“ gleich 3 von 9 Faktoren beim Kochen relevant. Die Gefahr der Oxidation besteht darin, dass eine kleinere Oberfläche, die dem Sauerstoff ausgesetzt wird, wie z.B. Rindergehacktes, einen höheren Vitaminverlust hat, als eine größere Oberfläche wie z.B. Rindergulasch. Die Temperatur ist die Hitze, die beim Kochen der entscheidende Unterschied ist. Das Licht spielt ebenfalls eine Rolle. Empfindliche Öle zum Beispiel werden daher gerne in braunen Flaschen geliefert, die wenig Licht durchlassen.
Wenn wir uns jetzt einmal anschauen, was allein der Faktor „Hitze“ bewirkt, dann finden wir ab 40 °C eine Denaturierung bei den Enzymen, deren enzymatische Aktivität dadurch stark abnimmt - bis zur totalen Deaktivierung. Dies betrifft ebenso die fettlöslichen Vitamine, die rund zu einem Drittel verlorengehen können ((Buch: The nutrition handbook for food processors - C. J. K. Henry, C. Chapman)) , die Fette können bei Erhitzung unliebsame Stoffe bilden und die Aminosäuren bekommen Bruchstellen in ihrer chemischen Struktur. Die Bioverfügbarkeit von gekochtem Fleisch sinkt im Vergleich zum rohen Zustand.
Rohes Fleisch, der Hauptbestandteil der Rohfütterung, dem sog. B.A.R.F., hat eine besonders hohe Bioverfügbarkeit für die Katzen. Bioverfügbarkeit bedeutet, wie gut alle Bestandteile eines Lebensmittels aufgespalten und verwertet werden können und wird in Prozent angegeben. Beim rohen Fleisch/Fett liegt diese für die Katze bei 95 %. Es werden also nahezu alle enthaltenen Fettsäuren, fettlöslichen Vitamine, Enzyme und Aminosäuren aufgespalten und verwertet. Daher ist die Portion bei der Rohfütterung auch immer geringer als bei gekochtem Fleisch.
Wenn unbedingt gekocht werden soll, was zum Beispiel bei einer Futterumstellung Sinn macht um den Übergang von (gekochtem) Dosenfutter auf Rohfutter zu erleichtern, oder bei älteren oder kranken Tieren, die kein besonders gutes Immunsystem haben, um mit den Bakterien fertig zu werden, dann sollte möglichst schonend bei niedrigen Temperaturen gekocht werden. Für gewöhnlich machen Katzen mit Bakterien durch den kurzen Verdauungstrakt und die gegenüber dem Menschen höhere Magensäure kurzen Prozess. Ein besonders gravierender Befall könnte aber auch für die Katze lebensgefährliche Folgen haben.
Abgetötet werden die Bakterien oder das Aujeszky-Virus im Schweinefleisch bei 60°C. Die Katze wird sich aber früher oder später über nicht totgekochtes Fleisch freuen und wenn man bei geeigneten Fleischsorten das Fleisch nicht ganz durchgart, dann hat sie auch noch etwas „Rohstoff“, den sie leichter verwerten kann.
Davon abgesehen sollte mit möglichst wenig Fett oder Flüssigkeit gekocht werden, damit die austretenden Fleischsäfte, die auch Nährstoffe enthalten, noch in den Napf dazugegeben werden können. Dafür bietet es sich an in wenig Wasser zu „braten“ oder bei fettarmen Fleischsorten in ein wenig Fett. Wenn das Gargut mäulchentauglich abgekühlt ist, werden die Zusatzstoffe dazugegeben.
Eine interessante Möglichkeit bei niedrigen Temperaturen zu kochen bietet das Sous-Vide Verfahren, bei dem im eingeschweißten Folienbeutel beim Garen im Wasserbad bei niedrigen Temperaturen der maximale Schutz der Vitamine versprochen wird. Ebenso sollen Aroma und Geschmack nahezu vollständig erhalten bleiben. Wer sich für diese praktische Methode entscheidet, da größere Mengen auf einmal vorbereitet werden können, der sollte unbedingt extra dafür geeignete Vakuumbeutel verwenden, da normale Plastikbeutel Weichmacher enthalten (können), die beim Kochen auf das Gargut übergehen. ((https://de.wikipedia.org/wiki/Vakuumgaren)) Röstaromen, wie sie beim Braten bei Temperaturen über 140° entstehen, sind für den Menschen erwünscht, für die Katze allerdings weniger.
Dass die Mineralmischungen, Omega-3-Öle und Taurin erst nach dem Kochen dazugegeben werden versteht sich von selbst. Ebenso, dass nicht jeden Tag Miezis Lieblingsthunfisch gegeben wird, sondern dass der Speiseplan genauso abwechslungsreich gestaltet wird, wie man es auch bei seinem eigenen Speiseplan tun sollte.
Ein weiterer Vorteil beim Kochen ist, dass deutlich mehr Fischsorten verwendet werden können als bei der Rohfütterung - mit dem Problem der Thiaminase muss man sich nicht beschäftigen. Ebenso wenig mit gekochtem Eiklar, bei dem im rohen Zustand das Avidin Sorgen bereitet. Eier können in das Rezept ebenso eingebaut werden. Auch das bei der Rohfütterung so verpönte Schweinefleisch kann problemlos verwendet werden, da der mögliche Aujeszky-Virus beim Kochen abgetötet wird. Nur zu viel Leber, die sollte man auch beim Kochen nicht verwenden, da die Gefahr einer Vitamin-A-Überdosierung besteht.
Wenn man zum Verfeinern gekochten Schinken oder bereits gekochte Krabben oder Krebsfleisch aus der Kühltheke verwenden möchte, bitte unbedingt darauf achten, dass diese keine Konservierungsstoffe des Typs E210 bis 213 enthalten. Diese sind für Katzen schon ab einer Dosierung von 5 Promille giftig.
Ein gutes Rezept enthält also:
- 150-200g Fleisch (auch Fisch oder Meerestiere)
- max. 15-20 g gekochtes und zerkleinertes oder püriertes Gemüse
- extra Fett bei Verwendung von fettarmem Fleisch in Form von Gänseschmalz, Schweineschmalz (ohne Salz oder Zwiebeln) oder Fettabschnitten
- Mineralstoffmischung (wie ein Supplement beim BARFen)
- Taurin, falls dieses nicht in der Mineralstoffmischung enthalten ist.
- Omega-3-Öl (Lachsöl, Fischöl, etc.)
sowie als Empfehlung für die ersten 4 Wochen:
- Verdauungsenzyme
- Pre-/Probiotika
Im Fachhandel für BARF-Zusätze oder im Tierarzneimittelsortiment bei Apotheken hat man eine große Auswahl möglicher Produkte, oder man recherchiert ein wenig und kann diese durch geeignete Lebensmittel ersetzen.
Die Angaben fürs Kochen gelten selbstverständlich auch für die teilweise beliebten Snacks, bei denen vorwiegend Mehle vermischt werden und nur ein geringer Teil aus Fleisch besteht. Gesunde Snacks kann man zum Beispiel durch das Dörrverfahren aus reinem Fleisch herstellen, oder Rezepte verwenden, die den obigen Anforderungen entsprechen.
Die Gerichte lassen sich auch vorkochen und dann portionsweise einfrieren. Anschließend im Kühlschrank wieder aufgetaut und bei Zimmertemperatur mit den Zusätzen serviert könnte dies auch eine akzeptable Möglichkeit sein, seine Katze zu ernähren. Von der beutefrischen Ernährung ist man damit jedoch schon recht weit entfernt, wenn auch nicht so weit, wie bei Dosenkost.
Roh gefressen wird aber auch.
Ein wirkliches „Fresserlebnis“ jedoch wird die Kochmethode auch nicht bieten. Ein frisches Stück Fleisch oder ein Hühnerflügel mit Knochen, das/den die Katze stolz wegträgt und genüsslich zerbeißt ist einfach viel näher dran an der natürlichen Ernährung und der psychologische Faktor ist bei einer Katze, die vornehmlich in der Wohnung lebt und kaum Höhepunkte hat, bei denen sie ihr natürliches Verhalten ausleben kann, nicht zu verachten.
Für alle die sich nicht zutrauen, eigene Rezepte entwickeln zu können, gibt es sogar spezielle Ernährungsberater für Katzen, aber auch da ist Vorsicht geboten. Ernährungsberater darf sich bei Haustieren jeder nennen. Manche möchten auch einfach nur eine der vielen Futtermarken vertreiben, für die sie eine nicht geringe Provision bekommen. Ein sehr solides Angebot bietet die Ludwig-Maximilian-Universität in München ((https://www.ernaehrung.vetmed.uni-muenchen.de/service/ernaehrungsberatung/eb_hunde/index.html)) . Eine Beratung – zu empfehlen insbesondere bei bereits vorhandenen Krankheiten - kostet je nach Aufwand zwischen 60 und 120 Euro (zzgl. MwSt).
Liebe Silke, vielen Dank für deinen ausführlichen und interessanten Artikel.
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Vegane Katzenernährung - kann ich Katzen vegan ernähren?
Auf vegetarische oder gar vegane Katzenernährung stößt man immer wieder. Sie wird in nasser und trockener Form angeboten, man bekommt pflanzliche oder zumindest tierfreie Supplemente, die der pflanzlichen Kost beigemengt werden sollen, damit die Tiere keine Mangelerscheinungen erleiden. Einige Internetseiten und sogar Bücher zum Thema vegane und vegetarische Katzenernährung gibt es auch. Nun, was ist dran an der pflanzlichen Ernährung der Katze?
Viel Kluges dazu hat Jasper bereits in seinem Beitrag Pfui Deibel! Oder Leben am Minimum geschrieben, dem eigentlich gar nicht mehr viel hinzuzufügen ist. Ich möchte heute einfach einmal einige Thesen herausgreifen, die immer wieder einmal als Grund für vegane Ernährung genannt werden.
1) Kommerzielles Katzenfutter ist schädlich.
Kommerzielles Katzenfutter kann die Gesundheit unserer Katzen beeinträchtigen. Das ist soweit richtig, wer sich „normales“ Katzenfutter schon einmal genauer angesehen hat, weiß, dass in diesem vieles enthalten ist, das eigentlich nichts in der Katze zu suchen hat. Man weiß oft nicht so genau, aus welchen Quellen das Fleisch stammt und von welchem Tier (Stichwort Pferd). Auch Hormone, Antibiotika und andere Medikamente in Fleisch aus Massentierhaltung spielen natürlich auch bei den Schlachtabfällen fürs Tierfutter eine Rolle. Wenn einem die Gesundheit des eigenen Tieres am Herzen liegt, ist es daher durchaus sinnvoll, darauf zu achten, was man so verfüttert. Neben veganem oder auch vegetarischem Katzenfutter gibt es da durchaus einige Möglichkeiten, die den großen Vorteil haben, dass sie für den Beutetierfresser Katze auch wirklich geeignet sind.
2) Mit dem Kauf von kommerziellem Katzenfutter unterstützt man die Fleischindustrie.
Dass man mit dem Kauf von „Supermarktfutter“ die Fleischindustrie unterstützt, kann ich mir, ehrlich gesagt, nicht vorstellen. Zum einen fallen die tierischen Bestandteile ja nicht an, weil Rind, Schwein oder Huhn für Katze oder Hund geschlachtet werden, sondern es sind schlicht und ergreifend Abfälle aus der Produktion für den Menschen. Die Existenz von fleischhaltigem Katzen- oder Hundefutter ist ganz sicher nicht der Grund für die Schlachtung anderer Tiere, sondern eher der hohe Fleischkonsum des Menschen und der Wunsch nach billigen Produkten (gegen den jeder Einzelne problemlos persönlich etwas tun könnte, ganz ohne Fleischfresser vegan zu ernähren, nur mal so nebenbei. Kein Fleisch aus Massentierhaltung kaufen, zum Beispiel). Davon abgesehen kommen die Hauptproduzenten von normalem Katzenfutter nicht aus der Fleischindustrie an sich. Auch wissen wir spätestens seit „Katzen würden Mäuse kaufen“ von Hans-Ulrich Grimm, dass die Schlachthöfe für die Entsorgung der Schlachtabfälle bezahlen dürfen.
Was jetzt zugegebenermaßen die Fleischindustrie unterstützen kann, ist die Verfütterung von hochwertigem Katzenfutter oder B.A.R.F., wenn das Fleisch aus der Produktion für den Menschen stammt. Ob man das Schnitzel nun für sich oder für die Katze kauft, ist dem Verkäufer ziemlich egal. Der Anteil dürfte aber ziemlich gering sein, schon allein aufgrund der Tatsache, dass nach wie vor weitaus mehr „Supermarktfutter“ verfüttert wird, als wirklich hochwertiges Nassfutter oder B.A.R.F. Aber auch hier hat der Verbraucher die Wahl, welches Fleisch er kauft. Fleisch aus der industriellen Produktion (Massentierhaltung) oder vielleicht doch lieber Fleisch vom Biobauern oder vom Bauern nebenan, der zwar nicht "bio" ist, aber seine Tiere doch anständig hält. Auch bei hochwertigem Katzenfutter gibt es ausreichend Möglichkeiten, auf Fleisch aus Massentierhaltung zu verzichten.
3) Fleisch erhöht bei Katzen das Risiko für Allergien, Krebs, Nieren-, Herz- und Knochenleiden.
Immer wieder einmal werden Studien herangezogen, die darauf hinweisen, dass übermäßiger Fleischkonsum zu diversen Krankheiten führen kann. Allerdings beziehen sich diese Forschungen nicht auf die Katze, sondern auf den Menschen, wo sie sicherlich ihre Berechtigung haben. In Bezug auf die Katze wäre es (mit Verlaub) eine ziemlich unglückliche Laune der Natur, wenn gerade die natürliche Nahrung, die seit Jahrtausenden verzehrt wird, für typische Zivilisationskrankheiten sorgen würde. Diese treten nämlich interessanterweise gehäuft auf, seit sich die Katze eben nicht mehr natürlich, sondern mit dem oben genannten kommerziellen Katzenfutter ernährt. Das dem veganen Futter in Bezug auf die pflanzlichen Bestandteile im Übrigen doch ähnelt.
4) Die Nährwertbedürfnisse der Katze können durch vegane Ernährung problemlos befriedigt werden
Stimmt. Wenn ich Pflanzliches mit künstlichen Vitaminen, synthetischem Taurin etc. anreichere, kann ich dafür sorgen, dass die Katze soweit mit allem Nötigen versorgt wird, dass sie damit einige Zeit überlebt (schafft so manch Hersteller von kommerziellem Katzenfutter ja auch). Aber leider reicht die Befriedigung der "Nährwertbedürfnisse" allein nicht aus. Bei der Katze handelt es sich seit Anbeginn ihrer Entwicklung (die ein paar Mio. Jahre zurückliegt) um einen sehr spezialisierten Fleischfresser. Stoffwechsel, Gebiss, Beschaffenheit der Magensäure, der kurze Darm und, und, und verändern sich nicht einfach, nur weil die Katze fütterungstechnisch zum Kaninchen umerzogen wird (wobei die Futterzusammenstellung für Kaninchen jetzt auch nicht gerade ideal wäre). Dazu kommt, dass synthetische Vitamine aus unterschiedlichen Gründen in der Kritik stehen und den natürlichen jetzt nicht unbedingt überlegen sind. Dass empfohlen wird, dem veganen Futter Verdauungsenzyme hinzuzugeben, um die Verdaulichkeit zu verbessern, spricht für sich.
Weitere Besonderheiten der Katze in Bezug auf die Ernährung habe ich in dieser Serie bereits zusammengefasst.
5) Tiere ernähren sich auch in freier Wildbahn von Grünzeug
Das ist richtig. Allerdings gehört die Katze nicht dazu, nimmt aber natürlich kleine Mengen Grünzeug auf, das sich im Inneren ihrer Beutetiere befindet. Dazu kommt hin und wieder mal ein bisschen Gras/Katzengras. Zum Alles- oder gar Pflanzenfresser machen sie diese geringen Mengen an pflanzlichem Material nicht.
6) Katzen können in der Heimtierhaltung gar nicht natürlich ernährt werden.
Immer wieder einmal wird geschlussfolgert, dass man einer Katze ja eigentlich ganze Mäuse und Vögel servieren müsste. Alternativ müsste sie ihre Beute vollständig selbst jagen. Da dies in der Heimtierhaltung aber oft nicht möglich ist, könne man die Katze auch gleich vegan ernähren, da alles andere ja auch unnatürlich wäre. Macht natürlich irgendwo Sinn, aber noch weitaus logischer wäre es doch, die natürliche Nahrung der Katze soweit möglich nachzuempfinden, wenn man sie schon nicht 1:1 bieten kann. Damit wären wir bei der Rohfütterung, am besten noch beim "Prey Model", vielleicht auch noch bei hochwertigem Nassfutter mit hohem Fleischanteil, aber doch nicht bei rein pflanzlicher Ernährung für einen reinen Fleischfresser.
7) Vegan zu füttern, entspricht der Tierrechtsphilosophie
Diesen Punkt finde ich schwierig. Klar ist es irgendwo so, dass für die artgerechte Ernährung von Fleischfressern andere fühlende Tiere sterben müssen. Auch wenn diese Tiere nicht primär für den Tierbedarf getötet wurden. Allerdings hat doch auch die Katze ein Recht auf eine tiergerechte Ernährung und auf ein langes, gesundes Leben. Und die artgerechte Ernährung der Katze ist eben Fleisch. Wer gäbe mir das Recht dazu, aus meiner eigenen Überzeugung heraus, einem anderen Lebewesen eine Ernährungsform aufzuzwingen, die zum einen unnatürlich ist und von der zum anderen erwiesen ist, dass sie ihm schaden kann. Und auch wenn die Haustierhaltung an sich nicht artgerecht ist, so ist es doch noch weitaus weniger artgerecht, einen Fleischfresser mit Pflanzlichem zu ernähren. Auch das deutsche Tierschutzgesetz spricht sich übrigens für eine artgerechte Ernährung aus:
Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, 1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen, 2. darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden, 3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.
Die artgerechte Ernährung einer Katze besteht aus Tierischem.
8) Das Taurin im kommerziellen Katzenfutter wird aus Mollusken gewonnen.
Diese These finde ich interessant. Mollusken sind Weichtiere, zu denen unter anderem auch Muscheln gehören. Diese enthalten teilweise viel natürliches Taurin. Folglich hätten wir also eine tolle natürliche Taurinquelle im Katzenfutter. Allerdings wird das meiste Taurin, das irgendwie im Katzenfutter (und auch in Energy Drinks) und Co. verarbeitet wird, eben nicht aus Weichtieren (und auch nicht aus Stierhoden, Ochsengalle etc.) gezogen, sondern schlicht und ergreifend synthetisch hergestellt, was nicht allzu schwierig ist. Einer der großen Lieferanten auf dem Markt (der u. a. Red Bull und Mars beliefert (Stand 2001)) ((https://www.diekretzer.de/Oli/taurin.pdf)) gibt als Rohstoffe Ethen, Ammoniak und Natriumsulfit an. Daneben sind auch noch andere Herstellungsformen von Taurin bekannt.
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