Rollig trotz Kastration. Katzen mit Ovarrest- Syndrom

Fortpflanzung

Rollig trotz Kastration. Katzen mit Ovarrest- Syndrom

Ist eine Katze kastriert, wird sie nicht mehr rollig. Eigentlich. Denn manchmal geschieht etwas Seltsames. Samtpfoten, die seit kurzem oder teilweise auch schon seit mehreren Jahren kastriert sind, zeigen plötzlich wieder typische Anzeichen einer Rolligkeit und lassen sich teilweise sogar wieder decken. Verantwortlich für diese Erscheinung ist in den meisten Fällen das Ovarrest-Syndrom, auch bekannt als Eierstockrestsyndrom oder englisch Ovarian Remnant Syndrome, kurz ORS.

Um zu verstehen, was dabei im Körper der Katze passiert und um die folgenden Informationen besser zu verstehen, ist es ganz hilfreich, sich ein wenig mit dem Sexualzyklus der Kätzin zu beschäftigen. Seid ihr da schon fit, könnt ihr den folgenden kleinen Exkurs getrost überspringen.

rollig trotz kastration

Der Sexualzyklus der Kätzin

Katzen sind, wie es so schön heißt, saisonal polyöstrisch, das bedeutet es tritt unter natürlichen Bedingungen innerhalb eines Zeitraums regelmäßig eine Rolligkeit auf, wenn das Tier nicht bei der ersten Rolligkeit gedeckt wird. Dieses Zyklusgeschehen beginnt, wenn die Tage länger werden und Licht mindestens 12 bis 14 Stunden täglich einwirken kann.

Es setzt aus, wenn die Tage kürzer werden, in unseren Breitengraden in den Herbst- und Wintermonaten. Während der sexuell aktiven Zeit kommt die Katze (die keinen Zugang zum Kater hat) etwa alle 4 bis 30 Tage (durchschnittlich alle 2-3 Wochen) in die Rolligkeit. Speziell bei Wohnungskatzen kommt es – der Glühbirne bzw. dem Kunstlicht sei Dank – jedoch auch häufig vor, dass die „Winterpause“ (Anöstrus) zwischen den Zyklen ausfällt und die Katze durchgehend sexuell aktiv ist.

Alles in allem unterteilt man den Sexualzyklus in vier Phasen: Proöstrus, Östrus, Diöstrus bzw. Interöstrus. Die Pause zwischen den Zyklen wird als Anöstrus bezeichnet. Diese Phasen werden uns im Verlauf des Artikels noch häufiger begegnen und sehen wir uns hier an dieser Stelle noch ein wenig genauer an. Alles beginnt mit dem Proöstrus, der Vorbrunst.

Diese Proöstrusphase durch einen Anstieg des von 17ß-Östradiol im Blut der Katze eingeleitet. 17ß-Östradiol gehört zu den Östrogenen, also zu den weiblichen Sexualhormonen. Dieser Anstieg geht mit den ersten Verhaltensänderungen einher. Die Kätzinnen werden anhänglicher, reiben den Kopf, treten mit den Hinterpfoten, miauen vermehrt und zeigen eine geringere Aggressivität gegenüber Katern. Diese Phase dauert etwa ein bis zwei Tage und wird durch den Östrus abgelöst, in dessen Verlauf die Katze paarungsbereit ist und die typischen Rolligkeitssymptome mit Wälzen, verstärktem Miauen und Einnehmen der Deckposition zeigt. Der Eisprung findet bei der Katze induziert statt und wird durch einen neuroendokrinen Reflex ausgelöst, der durch das Eindringen des Penis stimuliert wird. Durch diesen vaginalen Reiz wird vermehrt LH (Luteinisierungshormon) aus dem Hypophysenvorderlappen (HVL) ausgeschüttet, was die Reifung der Eizellen und in Folge zum Eisprung führt. Damit der Eisprung ausgelöst werden kann, muss eine gewisse LH-Konzentration im Blut erreicht werden.

Dazu ist meist erforderlich, dass über mehrere Tage vermehrt Östradiol ausgeschüttet wird. Zudem reicht bei einigen Katzen eine einmalige Bedeckung nicht aus, um die notwendige LH-Konzentration zu erreichen. Sicherer für das Erreichen eines Eisprungs ist es, wenn die Katze mehrmals innerhalb kurzer Zeit gedeckt wird.

Der Eisprung findet rund 24-36 Stunden nach dem Deckakt bzw. nach Erreichen der kritischen LH-Konzentration statt. In dieser Zeit kann die Katze von verschiedenen Katern gedeckt werden und Kitten aus einem Wurf können demnach auch unterschiedliche Väter haben. Nach dem Eisprung bilden sich aus den Follikelzellen die Gelbkörperzellen und geben Progesteron ab, das für die Aufrechterhaltung der Trächtigkeit entscheidend ist.

Hat zwar ein Eisprung, aber keine Empfängnis stattgefunden, bilden die Gelbkörper dennoch über 30-40 Tage das Steroidhormon Progesteron, danach tritt wieder eine Rolligkeit auf. Eine Phase, die man als Diöstrus bezeichnet. Während des Diöstrus erreicht der Progesteronspiegel nach 11-15 Tagen sein Maximum und sinkt dann bis zum 40. Tag wieder auf das Basalniveau ab. Während dieser Zeit kann es zu einer Scheinträchtigkeit kommen.

Erfolgt kein Eisprung bilden sich die Follikel im Eierstock wieder zurück, ohne sich zu öffnen. Es kommt zu einer Pause von etwa 4 – 22 Tagen, die unter bestimmten Bedingungen (z. B. bei hohen Umgebungstemperaturen) auch deutlich länger ausfallen kann. Diese Pause bezeichnet man als Interöstrus. Fällt der Interöstrus aus und gehen die Östren mehr oder weniger fließend ineinander über, spricht man von einer Dauerrolligkeit. Während des Interöstrus bleiben die Konzentrationen von Östradiol und Progesteron auf konstant niedrigem Basalniveau.

Ovarrest-Syndrom bei der Katze - Geschichte

Der erste Fallbericht eines Eierstockrestsyndroms bei der Frau wurde 1962 von Kaufmann veröffentlicht. Das Syndrom an sich wurde 1970 erstmals von Shemwell und Weed ((Shemwell, R. E. and Weed: J. C. 1970. Ovarian remnant syndrome: Obstetrics and Gynecology, 39: 299-303)) beschrieben, die zeigten, dass die Eierstockrinde, der Cortex ovarii, funktionsfähig bleiben kann, wenn sie an anderer Stelle im Bauch implantiert wird. Sie implantierten dabei die Rinde der entfernten Eierstöcke von vier weiblichen Katzen ins Bauchfell der seitlichen Bauchwand. Vier Monate später beobachteten sie, dass zwei der Katzen Rolligkeitssymptome zeigten und zwei weitere Eierstockzysten mit follikulärer Aktivität aufwiesen. Das verbliebene Eierstockgewebe war weiterhin funktionsfähig und verursachte klinische Symptome eines Proöstrus, Östrus, Scheinträchtigkeit oder sogar Paarung, die ohne Trächtigkeit endete.

Ovarrest-Syndrom bei der Katze - Risikofaktoren

Die Rasse und das Alter bei der Kastration scheinen das Risiko für das Eierstockrestsyndrom bei der Katze nicht zu erhöhen. Miller untersuchte zwischen 1988 und 1992 46 Fälle bei Hunden und Katzen. Er stellte fest, dass unter den von ihm untersuchten Tieren kein Tier ein ORS aufwies, das unter 4 Monaten kastriert worden war und dass sich die Eierstockreste gleichmäßig auf beide Eierstöcke verteilten.

Frühere Untersuchungen kamen zu einem ähnlichen Ergebnis, während es auch Hinweise darauf gibt, dass ORS insbesondere wenn eine seitliche Kastration (über die linke Flanke) durchgeführt wurde, häufiger am rechten Eierstock vorkam, wenn nur ein Eierstock betroffen war. Demirel und Acar merken daher an, dass eine Kastration über die Mitte, wie sie bei uns vornehmlich praktiziert wird, das Risiko für das Entstehen eines Eierstockrestsyndroms verringern könnte ((Demirel MA, Acar DB. Ovarian remnant syndrome and uterine stump pyometra in three quees. J Feline Med Surg. 2012 Dec;14(12):913-8. doi: 10.1177/1098612X12451373. Epub 2012 Jun 15)).

Laut Miller ((Miller DM. Ovarian remnant syndrome in dogs and cats: 46 cases (1988-1992). J Vet Diagn Invest. 1995 Oct;7(4):572-4.)) gibt es keinen Beweis dafür, dass die Länge des Schnitts oder das Gewicht des Tieres (übergewichtig vs. normalgewichtig) das Risiko für die Entwicklung eines ORS bei der Katze erhöhen. Demirel und Acar ((Demirel MA, Acar DB. Ovarian remnant syndrome and uterine stump pyometra in three quees. J Feline Med Surg. 2012 Dec;14(12):913-8. doi: 10.1177/1098612X12451373. Epub 2012 Jun 15.)) halten es dagegen für möglich, dass das Auftreten des Eierstockrestsyndroms an beiden Eierstöcken mit einem kürzeren Schnitt und/oder einem zu kaudal gesetzten Schnitt in Verbindung steht. Wallace ((Wallace, M. S. The Ovarian Remnant Syndrome in the Bitch adn Queen. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice, 21:501-507.)) sieht Übergewicht, ebenso wie eine Gebärmutterentzündung nicht in Verbindung mit dem ORS, wohingegen laut Naiman et al. ((Naiman JH1, Mayhew PD, Steffey MA, Culp WT, Runge JJ, Singh A.. Laparopscopic treatment of ovarian remnant syndrome in dogs and cats: 7 cases (2010-2013).et Med Assoc. 2014 Dec 1;245(11):1251-7. doi: 10.2460/javma.245.11.1251.)) und Demirel und Acar ((Demirel MA, Acar DB. Ovarian remnant syndrome and uterine stump pyometra in three quees. J Feline Med Surg. 2012 Dec;14(12):913-8. doi: 10.1177/1098612X12451373. Epub 2012 Jun 15.)) das Risiko bei Übergewicht erhöht sein kann, weil das Gewebe schlechter einsehbar ist.

Die Erfahrung des Tierarztes spielt bei der Häufigkeit des Syndroms laut Miller keine Rolle. In den Untersuchungen von Miller waren weniger als die Hälfte der vorgestellten Katzen von Tierärzten operiert worden, die ihre Ausbildung innerhalb der letzten 5 Jahre abgeschlossen hatten. Demirel und Acra nennen mangelnde Erfahrung jedoch neben Übergewicht oder einem zu kleinen Schnitt als mögliches Risiko für die Entstehung eines ORS. Auch Alcigir et al. ((Alci̇gi̇r, M. E.; Karakas, K.; Kanca, H.; Alkan, H.; Vural, S. A.; Tunc, A. S. A case of ovarian remnant syndrome with cystic papillary hyperplasia in a queen: clinicopathological evaluation and expressions of eostrogen and progesteron receptors, uroplakins and transforming growth factor-β1. Research Opinions in Animal and Veterinary Sciences 2014 Vol. 4 No. 10 pp. 526-531)) gibt mangelnde Erfahrung als mögliche Ursache an.

Laut Heffelfinger ((Heffelfinger D. J. Ovarian remnant in a 2-year-old queen. Can Vet J. 2006 Feb; 47(2): 165–167.)) spielten weder das Alter, noch die Rasse, noch das Vorhandensein anderer Faktoren, wie Übergewicht, Gebärmutterentzündung, Trächtigkeit oder eine Entzündung des Eileiters eine Rolle.

Ovarrest-Syndrom bei der Katze - Symptome

Erste Symptome zeigen sich bei der Katze durchschnittlich nach 2-3 Jahren, wobei teilweise bereits nach 4 Tagen oder auch erst nach 9 Jahren wieder Symptome aufgetreten sind. ((Wallace. M.S. The Ovarian Remnant Syndrome in the Bitch and Queen. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice, 21:501-507))

Die Symptomatik ähnelt im Endeffekt der einer Rolligkeit. Die Tiere rufen nach dem Kater, rollen sich auf dem Boden, präsentieren ihr Hinterteil, treten mit den Hinterbeinen auf der Stelle und ziehen Kater magisch an. Hat die Katze Zugang zum Kater lässt sie auch die Begattung durch den Kater zu, ohne dass es jedoch zu einer Trächtigkeit kommt.

Die Zyklusdauer und –häufigkeit ähnelt meist dem normalen Sexualzyklus, kann aber auch unregelmäßig sein. Es kann sein, dass die Katze über Monate und Jahre nach der Kastration keinerlei Rolligkeitsanzeichen zeigt, bevor der Sexualzyklus wieder aufgenommen wird. ((Wallace. M.S. The Ovarian Remnant Syndrome in the Bitch and Queen. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice, 21:501-507)) Liegt eine Begleiterkrankung, wie etwa eine Gebärmutterentzündung vor, kann es auch zu anderen Symptomen, wie etwa vaginalem Ausfluss kommen. Grundsätzlich gilt, treten bei einer kastrierten Katze plötzlich wieder Anzeichen einer Rolligkeit auf, sollte ORS in Betracht gezogen und die Katze einem Tierarzt vorgestellt werden.

Ovarrest-Syndrom bei der Katze – Ursachen

Für die Entstehung eines Eierstockrestsyndroms bei der Katze kommen nach aktueller Lehrmeinung drei Ursachen in Betracht:

  • Die Eierstöcke wurden nicht komplett entfernt
  • Bei der Entfernung ist versehentlich Eierstockgewebe im Bauchraum gelandet
  • Es ist zusätzliches Eierstockgewebe vorhanden

 

Die Eierstöcke wurden nicht komplett entfernt

Ein Ovarian Remnant Syndrome kann auftreten, wenn ein Eierstock oder beide Eierstöcke nicht vollständig entfernt werden und dadurch funktionelles Eierstockgewebe im Katzenkörper verbleibt. Durch einen Operationsfehler kann es vorkommen, dass die Eierstöcke nicht vollständig entfernt werden und funktionelles Eierstockgewebe im Katzenkörper zurückgelassen wird. Das kann laut Sontas et al. ((B H Sontas, K Gürbulak, H Ekici.Ovarian remnant syndrome in the bitch: a literature review.Arch. Med. Vet. 39, Nº 2, 2007)) unter Umständen durch einen zu kurzen Schnitt begünstigt werden, der es erschwert, die Eierstöcke richtig zu sehen, zu erreichen und abzubinden. Es ist auch möglich, dass die Eierstöcke falsch abgebunden werden oder kann an der anatomischen Lage des rechten Eierstocks liegen. Anatomisch befindet sich der rechte Eierstock und das rechte Gebärmutterhorn mehr kranial als ihre linken Gegenstücke, was sie anfällig dafür macht, dass sie vom Operateur während der OP vergessen werden. In den Berichten von Pearson ((Pearson H. 1973. The complications of ovariohysterectomy in the bitch.
J Small Anim Pract 14, 257-266.)), Prats ((Prats AE. 2001. Ovarian remnant sydrome in the queen. EVSSAR
Newsletter 4, Pp 5-8.)) und Wallace ((Wallace MS. 1991. The ovarian remnant syndrome in the bitch and
queen. Vet Clin North Am 21, 501-507)) war es denn auch häufiger der rechte Eierstock, der als Rest vorhanden war. Bei Miller dagegen waren beide Seiten in etwa gleich häufig betroffen.

Bei der Entfernung landete versehentlich Eierstockgewebe im Bauchraum

Wie eingangs bereits erwähnt, stellten Shemwell und Weed bereits 1970 experimentell fest, dass Eierstockgewebe auch an anderer Stelle im Bauchraum funktionsfähig bleiben kann. Es kommt vor, dass Gewebe, das versehentlich in die Peritonealhöhle, also die Bauchfellhöhle, gelangt, revaskularisiert wird. Das bedeutet, es sprießen über das Bauchnetz oder die Serosa der Bauchorgane wieder Blutkapillaren in das Gewebe ein und gewährleisten dessen Versorgung. So versorgt kann es seine Funktion wie ein Eierstock wieder aufnehmen ((Prats AE. 2001. Ovarian remnant sydrome in the queen. EVSSAR
Newsletter 4, Pp 5-8. )) ((Feldman EC, RW Nelson. 2004. Ovarian remnant syndrome. In: Feldman, E.C. and Nelson, R.W. (eds.) Canine and Feline Endocrinology and Reproduction. 3rd edition, W.B. Saunders Company, 11830 Westline Industrial Drive, St. Luis, Missouri)) ((Romagnoli S. 2004. Ovarian remnant syndrome. Proceedings of Fourth EVSSAR Congress, Barcelona, Spain, Pp 239-241. )) Eierstockreste, die experimentell im Abdomen vernäht oder frei hinterlassen wurden, konnten wieder mit Blut versorgt werden und nahmen in etwa 90 % der Fälle das Follikelwachstum wieder auf.

Es ist zusätzliches Eierstockgewebe vorhanden

Nur vereinzelt gibt es Berichte über Eierstockgewebe im breiten Gebärmutterband. Zusätzliches Eierstockgewebe wird als zusätzlicher Eierstock oder ektopisches Eierstockgewebe bezeichnet, das sich in der Nähe der normalen Eierstöcke befindet und mit diesen auch verbunden sein kann. ((McEntee K. 1990. Congenital anomalies. In: McEntee, K. (ed), Reproductive Pathology of Domestic Mammals. Academic Press Inc, San Diego, California, USA, Pp 36-41. )) Wichtig zu wissen ist hier, dass zusätzliches Eierstockgewebe aktiviert werden kann, wenn die normalen Eierstöcke entfernt wurden. Diese zusätzlichen Eierstöcke können eine geringe Größe haben.

Das Eierstockgewebe kann weiterhin einem Zyklus nachgehen, auch wenn die Gebärmutter entfernt wurde.

Ovarrest-Syndrom bei der Katze - Diagnosemöglichkeiten

Die meisten Katzen mit Ovarrest-Syndrom werden dem Tierarzt vorgestellt, weil sie, obwohl kastriert, plötzlich wieder Rolligkeitssymptome zeigen. Der Tierarzt führt dann weitere Untersuchungen durch. Hier sind ein Vaginalabstrich, eine Hormonmessung, Ultraschall oder auch eine Probelaparotomie denkbar. Es wird empfohlen, mehrere dieser Verfahren anzuwenden, um die Diagnose Eierstockrestsyndrom vor einer OP weitmöglichst zu sichern.

Der Vaginalabstrich

Das Vaginalsekret der potenten, weiblichen Katze weist je nachdem in welcher Phase sie sich befindet, eine andere Zusammensetzung auf. Hat man eine Katze im Interöstrus, Anöstrus oder eine kastrierte Katze ist das Sekret eher verwaschen und weist ein niedriges Schleimhautepithel auf.

Im Proöstrus ist das Sekret nach wie vor verwaschen und weist verhornte Schleimhautepithelzellen auf. Diese Verhornung (Keratinisierung) nimmt im Östrus ab und das Sekret wird klar. Wer sich vielleicht schon einmal mit natürlichen Verhütungsmethoden, wie etwa der symptothermalen Methode, beschäftigt hat, dem kommt das vielleicht bekannt vor.

Man kann also an sich durch einen Vaginalabstrich bei einer kastrierten Katze Schlüsse ziehen, ob in dieser ein Zyklusgeschehen „stattfindet“. Demirel und Acar weisen jedoch darauf hin, dass der Vaginalabstrich zwar die Diagnose Ovarrest-Syndrom unterstützen kann, jedoch auch ein Eierstockrest vorhanden sein kann, obwohl die Katze keine Auffälligkeiten im Abstrich zeigt.

Die Hormonmessung

Als wichtigste Sexualhormone bei der Kätzin gelten zum einen 17ß-Östradiol und zum anderen Progesteron, das Gelbkörperhormon. Diese Hormone sind je nach Zyklusphase unterschiedlich konzentriert und können Hinweise auf funktionelles Eierstockgewebe geben.

Messung des Östradiolspiegels

Bei einer Katze, die sich nicht in der Rolligkeit befindet, oder kastriert ist, liegt der Östradiolspiegel im Blut unter 20 pg/ml. Kommt die Katze in die Brunst übersteigt er die Basalkonzentration und erreicht Maximalwerte von 40-80 pg/ml. Ein erhöhter Östradiolspiegel kann bei der kastrierten Katze demnach ein Hinweis auf ein Ovarrest-Syndrom sein. Der Östrogenspiegel kann bei Stress erhöht sein, da die Nebennieren winzige Mengen Östrogene absondern können. Zudem gibt es täglich, wöchentlich und sogar jahreszeitabhängige Schwankungen. Eine Messung des Östrogenspiegels allein, ist demnach nicht ausreichend.

LH-Test

LH wird von der Hypophyse auf Stimulation von GnRH gebildet. Es kommt zu einem so genannten LH-Peak, der etwa 24 bis 48 Stunden, selten länger, andauert. Der Eisprung folgt etwa zwei bis drei Tage später. Die LH-Spiegel, die im Blut zirkulieren werden beim fortpflanzungsfähigen Tier durch Östrogen bzw. Steroidhormone rückgekoppelt. Dieses negative Feedback fehlt bei Tieren, die kastriert sind und der LH-Spiegel bleibt konstant hoch. Weist ein eigentlich kastriertes Tier niedrige LH-Konzentrationen auf, kann dies einen Hinweis auf noch vorhandenes, intaktes Eierstockgewebe geben. LH-Tests werden für Tiere bislang nur sehr vereinzelt angeboten und sind z. B. bei synlab möglich.

Bestimmung des Anti-Müller-Hormons (AMH)

Das Anti-Müller-Hormon (kurz AMH) spielt vor allem während der Embryonalentwicklung bei der sexuellen Differenzierung (Männlein/Weiblein) eine wesentliche Rolle. Nach der Geburt reguliert AMH beim weiblichen Tier die Follikelreifung. Bei der (vollständig) kastrierten Katze liegt die AMH-Konzentration liegt der Referenzwert bei < 0,1 ng/ml, beim unkastrierten Tier bei >2,0 ng/ml.
Mittels AMH-Bestimmung kann folglich ebenfalls untersucht werden, ob ein Tier kastriert oder nicht kastriert ist bzw. ob noch funktionelles Eierstockgewebe vorhanden ist. ((Laboklin aktuell - Info 5/2012: Anti-Müller-Hormon))

Wusstest du schon, dass...

...die genannten Verfahren auch angewendet werden können, um bei Tieren mit unklarem Fortpflanzungszustand (z. B. Fundkatzen) zu bestimmen, ob diese kastriert sind oder nicht?

Emma (Schlaumiez)

GnRH-Stimulationstest

Eine Möglichkeit zur Bestimmung der Östradiolkonzentration und damit zum Nachweis von eventuell noch vorhandenem Eierstockgewebe ist der GnRH-Stimulationstest oder auch Gonadotropin-Releasinghormon-Test.

GnRH ist ein Hormon, das im Hypothalamus gebildet wird und die Freisetzung von LH (luteinisierendes Hormon) und FSH (Follikel-stimulierendes Hormon) regelt. LH löst neben anderen Funktionen den Eisprung aus, während FSH die Reifung des Eis im Eierstock anregt.

Bei einem GnRH-Stimulationstest wird der Östradiolwert vor und nach der gezielten Gabe von GnRH gemessen. Es wird untersucht, ob der Östradiolspiegel durch das GnRH stimuliert werden konnte. Ist dies der Fall, kann dies ein Hinweis auf möglicherweise noch vorhandenes, intaktes Eierstockgewebe sein.
Nicht-invasiv ("ohne die Katze aufzuschneiden") ist keine zuverlässige Diagnosefindung möglich (und während einer Laparotomie erschwert), wenn sich die Katze nicht im Östrus befindet. Nicht jede Katze zeigt deutliche Rolligkeitssymptome oder einen regelmäßigen Zyklus. ((Axnér E, Gustavsson T, Strom Holst B. Estradiol measurement after GnRH-stimulation as method to diagnose the presence of ovaries in the female domestic cat. Theriogenology. 2008;70:186.))

Bildgebende Verfahren

Eine Ultraschalluntersuchung kann zum Auffinden zystischer Strukturen oder hypoechogener Massen im Bereich der Eierstöcke nützlich sein, um das Vorhandensein eines Eierstockrests zu bestätigen. Durch die geringe Größe der Eierstockreste und die Gegebenheiten des umliegenden Gewebes bleiben die Reste dem Untersucher jedoch häufig verborgen, weshalb eine Ultraschalluntersuchung allein zur Diagnosefindung in der Regel nicht ausreichend ist. Ähnliches gilt für eine Röntgenaufnahme des Bauchraums. ((Romagnoli S. Ovarian remnant syndrome in the queen: clinical approach to a surgeon's dilemma. XXIII SIMPOZIJ O AKTUALNIH BOLEZNIH MALIH ZIVALI. 22.-24.04.2010))

Operative Verfahren

Eine Probelaparotomie, also die operative Öffnung der Bauchhöhle zu Diagnosezwecken, kann an sich ebenfalls durchgeführt werden. Es macht jedoch Sinn, den Verdacht auf einen Eierstockrest durch andere, nicht-invasive Methoden im Vorfeld zu bestätigen. Während der Probelaparotomie können eventuell vorhandene Eierstockreste gleich im Rahmen der Operation entfernt werden.

Eine Probelaparotomie sollte versucht werden, wenn sich die Katze nach Stimulation im Proöstrus, Östrus oder Diöstrus befindet und die Follikel oder der Gelbkörper zusammen mit den versorgenden Blutgefäßen vergrößert sind, wodurch das Auffinden des Eierstockrests erleichtert wird. Im Diöstrus ist das Blutungsrisiko aufgrund der niedrigeren Östradiolspiegel geringer, als im Proöstrus oder Östrus.

Therapie

Empfohlen wird die operative Entfernung des Eierstockgewebes durch einen in dieser Hinsicht erfahrenen Chirurgen im Zuge der Probelaparotomie mit anschließender histopathologischer Untersuchung des entnommenen Gewebes.

Empfohlen wird die operative Entfernung des Eierstockgewebes durch einen in dieser Hinsicht erfahrenen Chirurgen im Zuge der Probelaparotomie mit anschließender histopathologischer Untersuchung des entnommenen Gewebes.

Nach kompletter Entfernung aller Eierstockreste verschwinden die klinischen Symptome in Verbindung mit den Östrus oder Proöstrus.

Ist die operative Entfernung nicht erfolgreich, nicht möglich oder vom Besitzer nicht erwünscht, kann auch eine medikamentöse Behandlung in Erwägung gezogen werden. Die Behandlung kann durch Gestagenpräparate, die zur Verhütung des Östrus eingesetzt werden, erfolgen („die Pille“). Hier sollte man jedoch die möglichen unerwünschten Nebenwirkungen bedenken (z. B. Gewichtszunahme, Wesensänderungen, Veränderungen am Geschlechtsapparat oder am Gesäuge (Vergrößerung, Tumore) oder auch Gebärmutterentzündung, wenn diese bei der eigentlichen Kastration nicht mit entfernt wurde, bzw. Entzündung des Gebärmutterstumpfes). Speziell da es in diesem Fall nicht um einen kurzfristigen/vorübergehenden Einsatz der Präparate geht, sondern um eine dauerhafte Medikation.

Eine andere Möglichkeit wäre das Setzen eines Deslorelin-Implantats („Kastrationschip“), wenn keine OP erfolgen kann/erfolgen soll.

Wird die Katze nicht behandelt, gelten im Endeffekt ähnliche Risiken wie bei der unkastrierten Katze (erhöhtes Risiko für Neubildungen am Gesäuge und Granulosazelltumoren, möglicherweise Gebärmutterentzündung bzw. Entzündung des Gebärmutterstumpfes). ((Naiman JH, Mayhew PD, Steffey MA, Culp WT, Runge JJ, Singh A. Laparoscopic treatment of ovarian remnant syndrome in dogs and cats: 7 cases (2010-2013). J Am Vet Med Assoc. 2014 Dec 1;245(11):1251-7. doi: 10.2460/javma.245.11.1251.))

Differenzialdiagnosen / Mögliche andere Ursachen

Neben einem Eierstockrestsyndrom können an sich auch andere Ursachen für Rolligkeitssymptome oder für Symptome, die auch beim Ovarian-Remnant-Syndrom auftreten können.

Die Fachliteratur nennt ((B H Sontas, K Gürbulak, H Ekici.Ovarian remnant syndrome in the bitch: a literature review.Arch. Med. Vet. 39, Nº 2, 2007)) ((Heffelfinger D. J. Ovarian remnant in a 2-year-old queen. Can Vet J 2006; 47:165-167)) ((Romagnoli S. Ovarian remnant syndrome in the queen: clinical approach to a surgeon's dilemma. XXIII SIMPOZIJ O AKTUALNIH BOLEZNIH MALIH ZIVALI. 22.-24.04.2010)) :

- Tumor der Nebenniere. In den Nebennieren wird ebenfalls in kleinen Mengen Östrogen produziert. Tumore der Nebenniere, die große Mengen dieser Hormone bilden, könnten möglicherweise wiederkehrende Rolligkeitssymptome verursachen.
- Verhaltensstörung.
- Hormoncremes. In den USA gab es vor einigen Jahren vermehrt Fälle, in denen eigentlich kastrierte Katzen plötzlich wieder Rolligkeitssymptome zeigten. Schuld daran war die Verwendung von Hormoncremes der Besitzer, die über deren Hände von den Tieren aufgenommen wurden.

In der Regel ohne Rolligkeitssymptome, wenn nicht in Verbindung oder als Folge von ORS:

- „alles, was mit blutigem Scheidenausfluss einhergehen kann“, z. B. Neubildungen in der Scheide, Scheidenentzündung, Stumpfpyometra, Trauma oder eine Störung der Blutgerinnung.

Literaturverweise

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3) Alci̇gi̇r, M. E.; Karakas, K.; Kanca, H.; Alkan, H.; Vural, S. A.; Tunc, A. S. A case of ovarian remnant syndrome with cystic papillary hyperplasia in a queen: clinicopathological evaluation and expressions of eostrogen and progesteron receptors, uroplakins and transforming growth factor-β1. Research Opinions in Animal and Veterinary Sciences 2014 Vol. 4 No. 10 pp. 526-531
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8) Wallace, M. S., The Ovarian Remnant Syndrome in the Bitch and Queen. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice, 21:501-507
9) Feldman EC, RW Nelson. 2004. Ovarian remnant syndrome. In: Feldman, E.C. and Nelson, R.W. (eds.) Canine and Feline Endocrinology and Reproduction. 3rd edition, W.B. Saunders Company, 11830 Westline Industrial Drive, St. Luis, Missouri, USA, Pp 892-893.
10) Romagnoli S. 2004. Ovarian remnant syndrome. Proceedings of Fourth EVSSAR Congress, Barcelona, Spain, Pp 239-241.
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14) B H Sontas, K Gürbulak, H Ekici.Ovarian remnant syndrome in the bitch: a literature review.Arch. Med. Vet. 39, Nº 2, 2007
15) Heffelfinger D. J. Ovarian remnant in a 2-year-old queen. Can Vet J 2006; 47:165-167
16) Miller DM. Ovarian remnant syndrome in dogs and cats: 46 cases (1988-1992). J Vet Diagn Invest. 1995 Oct;7(4):572-4.
17) Axnér E, Gustavsson T, Strom Holst B. Estradiol measurement after GnRH-stimulation as method to diagnose the presence of ovaries in the female domestic cat. Theriogenology. 2008;70:186
18) Romagnoli S. Ovarian remnant syndrome in the queen: clinical approach to a surgeon's dilemma. XXIII SIMPOZIJ O AKTUALNIH BOLEZNIH MALIH ZIVALI. 22.-24.04.2010
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21) Schnorr B., Kressin M. Embryologie der Haustiere. Verlag Enke; Auflage: 5., neu bearb. Aufl. (23. August 2006)
22) Wehrend A. Leitsymptome Gynäkologie und Geburtshilfe beim Hund: Diagnostischer Leitfaden und Therapie. Verlag Enke; Auflage: 1 (24. März 2010)
23) Hämmerling R., Praxis der endokrinologischen Krankheitsbilder bei Hund und Katze: Von der Pathophysiologie zur Therapie, Verlag Enke; Auflage: 1 (13. Mai 2009)
24) Lutz H., Kohn B., Krankheiten der Katze. Verlag: Enke; Auflage: 5., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage (19. November 2014)
25) Laboklin aktuell - Info 5/2012: Anti-Müller-Hormon

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Studie: Frühkastration führt NICHT zu Verhaltensauffälligkeiten

Aus der Wissenschaft

Studie: Frühkastration führt NICHT zu Verhaltensauffälligkeiten

Frühkastration (PPG) wird als sinnvolle Möglichkeit zur Populationskontrolle bei Katzen beworben. So geben manche Tierschutzorganisationen/Tierheime ebenso wie diverse seriöse Züchter ihre Katzen nur frühkastriert ab. Jedoch herrscht in Bezug auf die Frühkastration – besonders was gesundheitliche Probleme und Verhaltensauffälligkeiten angeht – nach wie vor eine gewisse Besorgnis und daraus folgend eine Ablehnung der Frühkastration .

Im Rahmen einer Studie wurde nun vor einigen Monaten untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Kastrationszeitpunkt und dem Auftreten von (möglicherweise) unerwünschtem Verhalten bei Katzen beiderlei Geschlechts gibt.

Frühkastration hexe

800 Kitten im Alter zwischen 8 und 12 Wochen (0,7 bis 1,4 kg) aus Tierheimen in Flandern, Belgien, wurden zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. Die PPG-Gruppe wurde zum Zeitpunkt der Überlassung kastriert, die TAG-Gruppe im üblichen Alter zwischen sechs und 8 Monaten. Mithilfe von Online-Umfragen wurde dann kurz- und langfristig überprüft, ob sich Verhaltensauffälligkeiten innerhalb eines Monats sowie 2, 6, 12, 18 und 24 Monate nach der Kastration ergaben. Als unerwünschtes Verhalten galten in diesem Zusammenhang Unsauberkeit, Ängstlichkeit, nicht-spielerische Aggression gegenüber Menschen und Tieren sowie zerstörerisches Verhalten. Auch wurde untersucht, ob soziale Faktoren oder die Umwelt einen Einfluss auf die Entstehung solcher Verhaltensweisen bei den Katzen hatten.

Weder während des ersten Monats nach der Kastration noch in den Folgezeiträumen ergab sich ein wesentlicher Unterschied zwischen den frühkastrierten Kitten und den Katzen, die zum Zeitpunkt der Kastration bereits sechs bis acht Monate alt waren. Jedoch stand das Vorkommen genannter Verhaltensweisen in Zusammenhang mit sozialen und umweltspezifischen Variablen. Hierzu zählten beispielsweise die Bestrafung durch den Besitzer, die Haltung als Einzelkatze oder die positive Interaktion von Familienmitgliedern oder dem Besitzer mit Fremden.

Zusammenfassend konnten in der Studie keine Auswirkungen auf das Verhalten durch den Kastrationszeitpunkt innerhalb von 24 Monaten nach der Adoption festgestellt werden. Andere Faktoren scheinen hier eine größere Rolle zu spielen.

Quelle: Development of behavior in adopted shelter kittens after gonadectomy performed at an early age or at a traditional age

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Kryptorchismus beim Kater

Gesundheit

Kryptorchismus beim Kater

Spätestens wenn die Kastration eines Katers näher rückt, wird gar nicht mal so selten bemerkt, dass im Hodensack, dem Skrotum, nur ein oder teilweise auch kein Hoden zu finden ist. In diesem Fall liegt oft eine Störung des Hodenabstiegs (Maldescensus testis) vor, wodurch die oder der Hoden nicht vollständig in den Hodensack abgestiegen sind und im Leistenkanal oder im Bauchraum liegen. In diesem Fall spricht man von Kryptorchismus und unterscheidet, je nach Lage, den inguinalen (Hoden im Leistenkanal) und den abdominalen (Hoden im Bauchraum) Kryptorchismus.

Der Hodenabstieg (Descensus testis)

Im Laufe der Entwicklung eines Kittens im Mutterleib wandert der Hoden von seiner embyronalen Anlage hinter der Niere durch den Leistenkanal in den Hodensack. Einen großen Beitrag dazu leistet das kaudale Keimdrüsenband (Gubernaculum testis), das auch als Hodenleitband bezeichnet wird. Es zieht durch den Leistenkanal in den Hodensack und ist an dessen Innenwand fixiert. Da es während der Entwicklung des Kittens nicht mitwächst, wird der Hoden zwischen Bauchfell und Körperwand durch den Leistenkanal in den Hodensack gezogen. Ihr könnt euch das in etwa wie ein Spielzeugmäuschen vorstellen, das an einer Schnur unter einer Decke gezogen wird. Vom Hodenleitband bleiben nach erfolgten Hodenabstieg nur zwei kurze, dicke Bänder übrig, das Ligamentum testis proprium und das Ligamentum caudae epididymidis. Der Hodenabstieg ist in der Regel etwa bis spätestens zum 35. Tag nach der Geburt abgeschlossen. ((Basislehrbuch Tierheilpraxis: Doris Quinten, Frank Malkusch https://books.google.de/books?id=3LDpbw8T31wC&pg=PA286&lpg=PA286&dq=hodenabstieg+kater&source=bl&ots=o2qbPy6Iae&sig=Ts2txbVhTE7ZS5nVwci5Xkpd91I&hl=de&sa=X&ei=Q80PUPWWIMjMrQeGo4CQDg&ved=0CEIQ6AEwAw&fb_source=message#v=onepage&q=hodenabstieg%20kater&f=false sowie andere Quellen))

Kryptorchismus beim Kater

Vorläufig von Kryptorchismus spricht man beim Kater, wenn im Alter von 8 Wochen (also zum Zeitpunkt der ersten Impfung) noch nicht beide Hoden im Hodensack zu fühlen sind. Allerdings sollte die endgültige Diagnose erst mit etwa 6 bis 8 Monaten gestellt werden. Wenn der oder die Hoden bis zum Eintritt der Geschlechtsreife nicht im Hodensack sind, ist ein Abstieg unwahrscheinlich. Der Kryptorchismus kann einseitig oder beidseitig auftreten.

Kryptorchismus beim Kater - Ursachen

Die genauen Ursachen für den Kryptorchismus sind bis dato noch nicht genau bekannt, jedoch ist wohl in einigen Fällen ein zu enger Leistenkanal für die Störung verantwortlich. Er gilt als vererbbar, auch wenn der Vererbungsmechanismus noch nicht vollständig geklärt ist. Es scheint sich aber um ein rezessiv-autosomales Gen zu handeln, das auch das weibliche Tier tragen und vererben kann. Tritt Kryptorchismus auf, wird in der Regel der Ausschluss der Elterntiere von der Zucht empfohlen. Perser scheinen relativ häufig betroffen zu sein.

Kryptorchismus beim Kater - Anzeichen

Das Fehlen eines oder beider Hoden ist eigentlich einfach festzustellen, schwieriger wird es oft, den genauen Standort des innenliegenden Hodens herauszufinden. Da es auch (selten) vorkommen kann, dass ein Kater wirklich keine (oder nur einen) Hoden besitzt, kann auch das Auftreten des typischen Katerverhaltens mit Eintritt der Geschlechtsreife Aufschluss über einen Kryptorchismus geben.

Da das männliche Geschlechtshormon Testosteron auch im kryptorchiden Hoden gebildet wird, kommt es auch ohne fühlbare Hoden im Hodensack zu den typischen Verhaltensweisen, wie Markieren, und dem speziellen Katergeruch. Ein zusätzliches Hilfsmittel ist der visuelle Nachweis bzw. der Ausschluss der Penishaken, deren Ausbildung von Androgenen (Sexualhormonen) abhängig ist.

Kryptorchismus beim Kater - Probleme und Gefahren

Durch die hohe Körpertemperatur in der Leistengegend oder im Bauchraum können die innenliegenden Hoden keine befruchtungsfähigen Spermien erzeugen. Temperaturen über 36 Grad verhindern die Spermiogenese (Reifung der Spermien). Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass bei Tieren mit nur einem innenliegenden Hoden auch der andere Hoden nur eingeschränkt funktionsfähig ist.

Bei den im Körper verbliebenen Hoden ist etwa ab dem ersten Lebensjahr das Risiko stark erhöht, dass es zur Bildung von Tumoren kommt. Liegen die Hoden in der Bauchhöhle ist das Risiko höher, als wenn sie im Leistenkanal liegen. Entsprechend sollten auch innenliegende Hoden spätestens mit Eintritt der Geschlechtsreife entfernt werden.

Kryptorchismus beim Kater - Behandlung

Mittel der Wahl ist beim Kater die Kastration mit Entfernung der innenliegenden Hoden. Hierzu muss bei abdominalem Kryptorchismus die Bauchhöhle geöffnet und der Hoden gesucht werden. In den meisten Fällen liegt er hinten seitlich auf Höhe des Blasenhalses und kann dort abgebunden werden, selten befindet er sich unmittelbar hinter den Nieren. Im Idealfall gibt eine vorhergehende Ultraschalluntersuchung Aufschluss über die genaue Lage.

Handelt es sich um inguinalen Kryptorchismus kann das Ertasten des meist in der Größe reduzierten Hodens durch das Fettgewebe, das Kater häufig in der Leistengegend aufweisen, schwierig sein. Kann der Hoden ertastet werden, wird der Hautschnitt direkt darüber ausgeführt, der Hoden vorgelagert und abgebunden. ((Krankheiten der Katze
von Hans Lutz,Marian C. Horzinek,Vera Schmidt: https://books.google.de/books?id=e94cViEwD0kC&pg=PA750&lpg=PA750&dq=kryptorchismus+kater+op&source=bl&ots=kod1OvFBmH&sig=YqIYAWEs_rk6AzNMdSoHz3dB340&hl=de&sa=X&ei=Tn0SULSVFc6L4gThrYDYDg&ved=0CHIQ6AEwCTgK#v=onepage&q=kryptorchismus%20kater%20op&f=false))

Die Kastration eines Katers mit Kryptorchismus ist aufwändiger und daher häufig auch teurer als die normale Katerkastration. Sie sollte von einem Tierarzt durchgeführt werden, der Erfahrung mit dem Eingriff hat.

Weiterführende Informationen

https://www.tierklinik.de/medizin/andrologie/hodenerkrankungen/kryptorchysmus
https://vetline.de/facharchiv/kleintiere/originalien/kryptorchismus-hodenektopie-hodentumor.htm
https://www.kleintierklinik-scholl.de/cms/files/1/28704444115000.pdf
https://www.tierklinik.de/medizin/andrologie/hodenerkrankungen/kryptorchysmus/abdominaler-kryptorchismus

(Bild: © Kater Peter... von yetdark unter der CC.)

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Aussagen rund um die Katzenkastration – Mythos oder Wahrheit

Fortpflanzung

Aussagen rund um die Katzenkastration - Mythos oder Wahrheit

Zu kaum einem Thema gibt es so viele, teils sehr widersprüchliche, Aussagen und Meinungen, wie zum Thema Katzen kastrieren. Einige der bekanntesten habe ich hier einmal zusammengefasst.

1.) Die Katze muss vor der Kastration mindestens einmal rollig gewesen sein.

Das ist so nicht richtig. Grundsätzlich spielt es keine Rolle, ob eine Katze vor der Kastration einmal rollig war oder nicht. Die „Hormonbelastung“ durch die Rolligkeit kann allerdings schädliche Folgen haben und die Bildung von Zysten und Tumoren begünstigen. Was man nach Möglichkeit vermeiden sollte, ist, die Katze während der Rolligkeit kastrieren zu lassen. Hier ist es sinnvoller, die Katze ausrollen zu lassen oder, wenn nötig, die Rolligkeit medikamentös zu beenden, da während der Rolligkeit ein höheres OP-Risiko besteht.

2.) Eine Katze muss mindestens einmal Kitten bekommen haben/ eine Katze, die nicht mindestens einmal geworfen hat, wird nicht richtig erwachsen

Rein aus gesundheitlicher Sicht ist es völlig unnötig, eine Katze einmal werfen zu lassen, bevor sie kastriert wird. Was das Erwachsen werden angeht. Mein ganz persönlicher, subjektiver Eindruck ist, dass man es einer Katze schon anmerkt, wenn sie schon einmal einen Wurf Kitten großgezogen hat. Dass kastrierte Katzen jedoch (im entsprechenden Alter) nicht auch erwachsener werden, kann ich so nicht bestätigen. Manche Katzen bleiben zeit ihres Lebens kleine Chaoten, was aber eher eine Charakterfrage denn eine Kastrationsfrage sein dürfte.

3.) (Früh-)Kastrierte Kater wachsen nicht mehr und bekommen keinen Katerkopf

Relativ häufig hört man, dass Kater, die vor dem Ende des ersten Lebensjahres kastriert wurden, nicht mehr wachsen würden und eher wie Kätzinnen, denn stattliche Kater aussehen würden. Das stimmt so nicht, was die vielen wirklich großen kastrierten Kater mit deutlichem Katerkopf beweisen. Bleibt ein Kater zierlich, spielen auch oft Veranlagung oder zum Teil auch eine „schlechte Kinderstube“ eine Rolle. Es ist übrigens so, dass es bei Katern, die vor Eintritt der Geschlechtsreife kastriert werden, zu so genanntem „dysproportioniertem Hochwuchs“ kommen kann, da der Schluss der Wachstumsfugen verzögert und das Knochenwachstum verlängert wird. In der Regel ist es jedoch so, dass dieser Hochwuchs so unscheinbar ist, dass er Katzenhaltern kaum auffällt.

4.) Kastrierte Katzen werden übergewichtig

Fakt ist, dass der Energiebedarf einer kastrierten Katze um 24 bis 33 Prozent niedriger ist, als der einer potenten, unkastrierten Katze. Frisst die Katze nun die gleichen Mengen wie zuvor, kann es sein, dass sie übergewichtig wird. Die meisten Katzen sind jedoch durchaus in der Lage, ihr Fressverhalten an den geringeren Energiebedarf anzupassen. Ist dies nicht der Fall, ist der Halter gefragt, der seine Katzen a) hochwertig ernährt (ganz gleich, ob kastriert oder unkastriert) und b) die Futtermenge so anpasst, dass die Katze ihr Idealgewicht hält. Dabei sollte man nicht vergessen, dass sich eine Katze, die mit einem halben Jahr kastriert wird, noch mitten im Wachstum befindet und eventuell mehr Futter braucht, als eine erwachsene kastrierte Katze. Hier hilft regelmäßiges Wiegen.

5.) Kastrierte Katzen (v. a. Kater) neigen zu Harnsteinen

Kastrierte Kater haben grundsätzlich ein höheres Risiko an Harnsteinen zu erkranken, als unkastrierte Kater. Eine Studie der WINN Feline Foundation (1991), die sich mit der Frühkastration von Katzen beschäftigte, ergab jedoch, dass die Entwicklung der Harnwege durch die Frühkastration nicht negativ beeinflusst wurde. Eine mögliche Erklärung für das erhöhte Risiko bei kastrierten Tieren ist, dass Trägheit und Übergewicht, die Bildung von Harnsteinen begünstigen können. Wird ein Kater nun übergewichtig, weil dem veränderten Energiebedarf nicht Rechnung getragen wird, kann sich das Risiko, Harnsteine zu entwickeln, erhöhen.

6.) Wohnungskatzen müssen nicht kastriert werden

Häufig herrscht die Annahme, Wohnungskatzen müssten nicht kastriert werden, da es in der Wohnung ja nicht zu einer Deckung kommen kann, außer wenn Kater und Katze im Haushalt leben. Das ist natürlich grundsätzlich richtig, jedoch sind rollige Katzen zum einen sehr erfinderisch, wenn sie aus der Wohnung zum Kater fliehen wollen und zum anderen können ständige Rolligkeiten, schwere gesundheitliche Folgen haben (z. B. durch Dauerrolligkeit). Ein potenter Kater in der Wohnung kann durch Markieren und andere, vom Menschen meist nicht so gern gesehene Verhaltensweisen, das harmonische Zusammenleben stark beeinträchtigen.

7.) Kastrierte Kater markieren nicht

Wird ein Kater kastriert, bevor er beginnt, die Wohnung zu markieren, stehen die Chancen gut, dass er es auch zukünftig bleiben lässt. Hat ein Kater das Markieren schon für sich entdeckt, kann es gut sein, dass er diese „Macke“ auch nach der Kastration beibehält. Wichtig ist, zu unterscheiden, ob es sich wirklich um Markieren oder vielleicht nicht doch um Protestpinkeln handelt.

8.) Man nimmt den Katzen den Spaß/ Katzen müssen ihre Sexualität ausleben dürfen

Einmal vom Tierschutzgedanken abgesehen (man werfe einen Blick in die übervollen Tierheime und auf die Zahlen heimatloser Streunerkatzen), dient die Paarung bei der Katze vor allem dem Arterhalt, gesteuert vom Fortpflanzungstrieb. Ob der Kätzin, der für sie schmerzhafte Akt oder eine vor allem stressige Rolligkeit Spaß macht? Auch für den Kater kann der „Spaß“ schwerwiegende Folgen haben, von Wunden nach Katerkämpfen bis hin zu tödlich verlaufenden Infektionskrankheiten. Ob die Tiere Spaß in dem Sinne empfinden, was der Mensch unter Spaß versteht, wird man kaum beurteilen können, jedoch kann der mögliche „Spaß“ einen sehr hohen Preis haben und irgendwo greift auch die Verantwortung als Tierhalter.

9.) Einem gesunden Tier ohne triftigen Grund gesunde Organe zu entnehmen ist Tierquälerei und verstößt gegen das Tierschutzgesetz.

Im § 6 des Tierschutzgesetzes steht:

(1) Verboten ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder teilweise Entnehmen oder Zerstören von Organen oder Geweben eines Wirbeltieres. Das Verbot gilt nicht, wenn
1. 1. der Eingriff im Einzelfall
1. a) nach tierärztlicher Indikation geboten ist oder

5. zur Verhinderung der unkontrollierten Fortpflanzung oder – soweit tierärztliche Bedenken nicht entgegenstehen – zur weiteren Nutzung oder Haltung des Tieres eine Unfruchtbarmachung vorgenommen wird.

Natürlich kann man diesen Absatz auf unterschiedliche Arten auslegen, jedoch ist es bei Freigängerkatzen (ganz gleich ob Katze oder Kater) nicht wirklich möglich, eine unkontrollierte Fortpflanzung zu verhindern, wenn man diese nicht kastriert. Auch Wohnungskatzen können durchaus mal durch die Tür entwischen. Dazu kommt, dass die Kastration bei Katzen eine sinnvolle Vorbeugung zahlreicher Krankheiten, wie z. B. Entzündungen der Gebärmutter oder von Mammatumoren darstellt. Bei Katern betrifft dies potenzielle Tumoren an Prostata und Keimdrüsen, deren Risiko durch die Kastration gemindert wird. Inwieweit man eine potente Katze/einen potenten Kater in Wohnungshaltung artnah halten kann, ist noch einmal eine ganz andere Frage.

10.) Frühkastrationen sind schädlich

Die Frühkastration, also die Kastration von Kitten (ab der 7. Woche) ist erwiesenermaßen nicht mehr oder weniger schädlich als eine „normale“ Kastration, ganz im Gegenteil. Die Kitten sind im Normalfall schneller wieder fit und die Frühkastration bietet auch weitere Vorteile.

11.) Katzen werden sterilisiert, Kater kastriert

Auch so eine Aussage, die sich hartnäckig hält. Grundsätzlich bezeichnet die Sterilisation das Durchtrennen oder Abbinden der Keimdrüsen, die Kastration die Entfernung dieser. Beide Eingriffe können grundsätzlich sowohl bei Katze als auch Kater vorgenommen werden. Sinnvoller ist es jedoch, sowohl Katze als auch Kater kastrieren zu lassen.

12.) Würden alle kastrieren, würden die Katzen aussterben

Da es nach wie vor ausreichend Katzenhalter gibt, die ihre Katzen nicht kastrieren lassen, wird dies nicht passieren. Dazu kommen die sich stetig vermehrenden Streuner und natürlich auch noch die Katzen aus der Zucht.

13.) Kastrierte Katzen werden faul/ruhig und fangen keine Mäuse mehr

Meist ist das Gegenteil der Fall. Durch den Wegfall des Fortpflanzungstriebs haben die Katzen viel mehr Zeit, sich der ausgiebigen Jagd zu widmen und so entwickeln sich gerade kastrierte Katzen oft zu hervorragenden Jägern und sind oft auch viel verspielter und anhänglicher, als ihre potenten Artgenossen. Ruhiger werden die Tiere vor allem in der Hinsicht, dass der Fortpflanzungstrieb wegfällt und die Unruhe in der Rolligkeit oder bei der Suche nach aufnahmebereiten Kätzinnen unterbleibt.

14.) Eine Katze muss mindestens 2,5 Kilogramm wiegen / 6 Monate alt sein, um kastriert werden zu können

Das stimmt so nicht, siehe Frühkastration. Allerdings sollte die Kastration bei sehr jungen Tieren immer von einem Tierarzt ausgeführt werden, der Erfahrung mit der Frühkastration hat, da Narkose etc. entsprechend angepasst werden müssen.

15.) Die Kastration ist gefährlich

Grundsätzlich gehört die Kastration zu den absoluten Routineoperationen und es treten sehr selten Komplikationen /Probleme auf. Vorteilhaft ist auch, dass es sich bei den Tieren, die kastriert werden, meist um junge und gesunde Tiere handelt. Nichtsdestotrotz ist es natürlich eine OP mit einem Narkoserisiko und allgemeinem OP-Risiko. Dieses geringe Risiko kann durch gründliche Voruntersuchungen, einen kompetenten Tierarzt und eine schonende Narkosemethode noch weiter minimiert werden.

Weiterführende Infos

Kastration von Katzen - gesundheitliche Auswirkungen
Infos zur Frühkastration
Kastration oder Sterilisation - der kleine Unterschied
FAQ Katzenkastration

(Bild: (c) Wandersmann / pixelio.de )

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Dauerrolligkeit bei Katzen

Fortpflanzung

Dauerrolligkeit bei Katzen

Immer wieder kommt bei den Vorteilen einer Kastration der Kätzin der Begriff Dauerrolligkeit auf, wobei sich viele Katzenhalter darunter jedoch nicht wirklich etwas vorstellen können und diese Anomalie auch nicht wirklich ernst nehmen.

Aus diesem Grund werden wir uns heute ein wenig mit der Dauerrolligkeit oder auch Nymphomanie, Follikelpersistenz oder Dauerraunze beschäftigen.

Warum werden Katzen dauerrollig?

Ist die Katze rollig, werden Sexualhormone (z. B. Estradiol und Progesteron) ausgeschüttet, die für den Beginn der Rolligkeit und auch für die Reifung der Follikel (Eibläschen) verantwortlich sind.

Im Gegensatz zum menschlichen Zyklus kommt es bei der Katze nicht zu einem zyklischen Eisprung, sondern dieser wird durch den Deckakt ausgelöst. Kommt es während der Rolligkeit nicht zur Deckung, bilden sich die Follikel zurück (Follikelatresie) und es kommt nach etwa zwei bis drei Wochen zu einer erneuten Rolligkeit. Soweit der Normalfall.

Kommt es in aufeinanderfolgenden Rolligkeiten wiederholt zu keiner Deckung der Kätzin, kann sich der Abstand zwischen den einzelnen Rolligkeiten immer weiter verringern, bis die Katze schließlich dauerrollig wird. Die Follikel können sich durch diese Anomalie nicht mehr zurückbilden und es kommt zur zystischen Entartung der Eibläschen, also zu Eierstockzysten, die wiederum tumorös entarten können.

Durch die hormonellen Veränderungen, die mit der Dauerrolligkeit der Katze einhergehen, steigt darüber hinaus das Risiko für Krebserkrankungen der Sexualorgane (z. B. Mammakarzinome, Tumore an den Eierstöcken und der Gebärmutter). Durch die Störungen im hormonellen Gleichgewicht kann es zudem zu Gebärmutterentzündungen (Pyometra-Endometritis-Komplex) kommen. Diese Entzündungen können für die Katze tödlich enden, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt werden.

Ursächlich für eine Dauerrolligkeit der Katze kann auch eine fehlerhafte Funktion des Sexualzentrums im Gehirn sein sowie ein kontinuierliches Heranwachsen von Eibläschen, verbunden mit einem durchgehend zu hohen Blutspiegel des weiblichen Sexualhormons Östradiol (gehört zur Gruppe der Östrogene).

Eine Rolligkeit bedeutet für die Kätzin immer eine Belastung, die sich natürlich steigert, wenn die Ruhephasen zwischen den einzelnen Rolligkeiten ausbleiben. Mit der Rolligkeit und damit auch mit der Dauerrolligkeit verbunden ist u. a. Unruhe mit allen Rolligkeitssymptomen, oft starke Abmagerung (Fressunlust), Markieren sowie evtl. erschwerter Harnabsatz durch Zysten. Bei mehreren im Haushalt lebenden Katzen wird das Verhältnis unter den Tieren durch die Dauerrolligkeit ebenfalls belastet, wobei auch junge Katzen ohne Weiteres dauerrollig werden können.

Grundsätzlich ist die Dauerrolligkeit in der Regel ein Problem von Wohnungskatzen, da eine freilaufende Katze zwangsläufig irgendwann einen willigen Kater findet. Darüber hinaus wird die Ausschüttung der Sexualhormone eigentlich durch das Tageslicht beeinflusst. So stellt sich bei wenigen Tageslichtstunden (z. B. im Winter) im Normalfall eine Ruhephase ein, in der Katze nicht rollig wird. Durch Kunstlicht, dem Wohnungskatzen in vermehrter Weise ausgesetzt sind, bleibt diese Ruhephase häufig aus.

Vorbeugung und Behandlung einer Dauerrolligkeit

Die beste Vorbeugung einer Dauerrolligkeit bietet die Kastration, die bereits vor der ersten Rolligkeit durchgeführt werden kann. Ist die Katze bereits dauerrollig, kann die Rolligkeit durch den Tierarzt künstlich abgebrochen werden und im Anschluss kastriert werden.

Die "Pille" für die Katze ist häufig mit unerwünschten Nebenwirkungen verbunden und sollte nur in Ausnahmefällen (z. B. bei Zuchtkatzen) zur Unterbindung der Rolligkeit zum Einsatz kommen.

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