„Die ist halt alt!“ Eine Aussage, die man häufiger hört, wenn es darum geht, dass sich ältere Katzen plötzlich anders verhalten als vorher und zum Beispiel mehr schlafen als früher, nicht mehr springen oder ihr Geschäft außerhalb der Katzentoilette verrichten. Jedoch sind häufig Krankheiten die Ursache für das veränderte Verhalten. Ein Thema, mit dem sich Tierärztin Joana Eisinger im Rahmen ihrer Doktorarbeit beschäftigt.

Dankenswerterweise hat sie sich bereiterklärt, uns einige neugierige Fragen zu beantworten.

Hallo Frau Eisinger, herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, uns einige Fragen zu beantworten. Bitte stellen Sie sich unseren Lesern doch kurz vor.

Guten Tag Frau Abel, ich arbeite seit einigen Jahren als Tierärztin für Kleintiere im Rhein-Main-Gebiet. Seit Anfang dieses Jahres habe ich zusätzlich meine Doktorarbeit an der AG für angewandte Verhaltenskunde und Tierverhaltenstherapie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen unter der Leitung von Frau Dr. Kuhne begonnen.

Sie arbeiten ja gerade an Ihrer Doktorarbeit. Worum geht es denn da genau?

Es geht um Verhaltensauffälligkeiten bei alten Katzen und ob Krankheiten einen Einfluss auf das Verhalten haben. Auch die Beeinflussung durch eine Therapie einer solchen Erkrankung wird näher betrachtet. Ein Beispiel hierfür ist, die unsaubere Katze, die neben die Katzentoilette uriniert, aber eigentlich an Diabetes leidet und daher viel trinkt und uriniert.

Wie können Sie unsere Leser bei Ihrer Arbeit unterstützen?

Da Katzen solche Verhaltensauffälligkeiten nur zeigen, wenn sie sich wohl fühlen, können Sie als Katzenbesitzer*in das Verhalten Ihrer Katze am besten einschätzen. Sie sind herzlich dazu eingeladen, an meiner Onlineumfrage teilzunehmen. Vorausgesetzt, Sie haben eine Katze, die 10 Jahre oder älter ist.

Viele unserer Leser können sich sicherlich nicht so genau vorstellen, wie die Arbeit an einer Doktorarbeit so abläuft. Wie muss man sich das vorstellen und wie geht es nach dem Erfassen der Daten über die Online-Umfrage weiter?

Danach wird es statistisch. Mögliche Zusammenhänge zwischen Verhalten und Faktoren wie Krankheit oder auch Therapie der Krankheit werden statistisch ausgewertet. Im Weiteren werden diese Daten benutzt, um wissenschaftliche Arbeiten zu verfassen, die dann in Fachzeitschriften veröffentlicht werde sollen.

Übergreifend geht es darum, vor allem Tierärzt*innen in ihrer praktischen Tätigkeit zu sensibilisieren, sich ihren alten Katzenpatient genau anzuschauen und die Besitzer im Vorgespräch gezielt zu befragen, um eventuelle Erkrankungen oder deren Vorstadien frühzeitig zu erkennen.

Haben Sie vielleicht noch Tipps für unsere Leser, auf welche Symptome / Auffälligkeiten sie bei ihren älteren Katzen im Besonderen achten sollten? Gibt es Vorsorgemaßnahmen, die auf keinen Fall fehlen sollten?

Es gibt zahlreiche Symptome, die hinweisend auf zugrundeliegende Erkrankungen sein können. Dazu zählt beispielsweise Unsauberkeit, also das Urinieren oder auch Kot absetzen außerhalb der Katzentoilette. Generell sollten solche Probleme tierärztlich abgeklärt werden, um herauszufinden, ob dahinter eventuell orthopädische oder organische Probleme stecken könnten. Ein tierärztlicher Seniorencheck 1x im Jahr ist ab dem 7. Lebensjahr ratsam. Ab dem 15. Lebensjahr sogar 2x jährlich.

Möchten Sie unseren Lesern sonst noch etwas mit auf den Weg geben?

Nicht jede Verhaltensänderung einer alten Katze ist „typisch alt“. Häufig verbergen sie Erkrankungen dahinter, die man im besten Falle therapieren kann.

Herzlichen Dank für die ausführliche Beantwortung unserer neugierigen Fragen.

 

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Die Online-Umfrage findet ihr unter diesem Link:

https://survey.hrz.uni-giessen.de/index.php/444473?lang=de

Bitte nehmt zahlreich teil. Das Thema ist so wichtig! [/lightgrey_box]

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