Katzenhaltung

Katze bringt Mäuse, Vögel, Fledermäuse, Feldhasen - und nun?

Die Katzenklappe klappert und kurz darauf taucht deine Katze im Wohnzimmer auf. Mit erhobenem Schwanz, konzentriertem Blick und einem Tier im Maul. Vielleicht eine Maus. Vielleicht ein Vogel. Manchmal sogar ein junger Feldhase.

Angenehm ist das meist nur für die Katze. Besonders dann, wenn sich herausstellt, dass das gefangene Tier noch lebt. Schnell stellen sich Fragen. Was sollte man jetzt tun? Darf man das Tier anfassen? Und kann man die Beute einfach wieder nach draußen setzen?

So unangenehm der Moment für uns Menschen auch sein kann, für Katzen gehört er zum normalen Verhalten. Auch der liebste Haustiger bleibt ein Raubtier mit ausgeprägtem Jagdinstinkt. Freigänger nutzen ihre Streifzüge regelmäßig, um Beute zu machen, unabhängig davon, ob zu Hause bereits ein voller Futternapf wartet.

Bringt eine Katze ein Tier mit nach Hause, ist es deshalb hilfreich zu wissen, wie man richtig reagiert. In diesem Artikel sehen wir uns an, was zu tun ist, wenn eine Katze ein Wildtier wie eine Maus oder einen Vogel mit nach Hause bringt. Zunächst schauen wir uns aber kurz an, welche Tiere Katzen bei der Jagd erbeuten.

Katze bringt lebende Maus nach Hause

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Diese Beutetiere jagen Katzen

Katzen jagen allein und konzentrieren sich daher in der Regel auf Beutetiere, die sie ohne Hilfe fangen und erlegen können. Gleichzeitig sind unsere Haustiger erstaunlich vielseitige Jäger und gelten deshalb als sogenannte Generalisten, also Raubtiere mit einem sehr breiten Beutespektrum.

Wie groß diese Vielfalt tatsächlich ist, zeigt eine globale wissenschaftliche Auswertung aus dem Jahr 2023. Darin wurden 2.084 verschiedene Tierarten dokumentiert, die zur Beute freilebender Hauskatzen wurden1Lepczyk, CA, Fantle-Lepczyk, JE, Dunham, KD, Bonnaud, E, Lindner, J, Doherty, TS & Woinarski, JCZ 2023, ‚A global synthesis and assessment of free-ranging domestic cat diet‘, Nature Communications, vol. 14, no. 1, 7809, pp. 1-10. https://doi.org/10.1038/s41467-023-42766-6. Den größten Anteil daran machen kleine Säugetiere wie Mäuse aus. Auch Vögel gehören regelmäßig zur Beute von Katzen.

Daneben fangen Katzen aber auch viele andere Tiere. Zum Beutespektrum zählen unter anderem Reptilien, Amphibien, Fische und Insekten. Die meisten Beutetiere sind vergleichsweise klein. 97 Prozent der erfassten Arten wogen weniger als fünf Kilogramm.2Lepczyk, CA, Fantle-Lepczyk, JE, Dunham, KD, Bonnaud, E, Lindner, J, Doherty, TS & Woinarski, JCZ 2023, ‚A global synthesis and assessment of free-ranging domestic cat diet‘, Nature Communications, vol. 14, no. 1, 7809, pp. 1-10. https://doi.org/10.1038/s41467-023-42766-6

So viele Beutetiere müssen Katzen jagen

Wie wichtig die Jagd für Katzen ist, zeigt sich besonders bei Tieren, die nicht vom Menschen versorgt werden. Um ihren Energiebedarf zu decken, müssen Katzen mehrere kleine Beutetiere pro Tag erlegen. Ohne zusätzliche Fütterung durch den Menschen können bis zu 10 bis 20 Beutetiere täglich notwendig sein.3International Cat Care, 2024. Understanding the hunting behaviour of cats. Available at: https://icatcare.org/articles/understanding-the-hunting-behaviour-of-cats
(Abgerufen am: 10 April 2026).

Entsprechend viel Zeit investieren solche Tiere in die Jagd. Streunerkatzen verbringen einen großen Teil ihres Tages mit der Suche nach Beute. Katzen, die in menschlicher Obhut leben, jagen deutlich weniger intensiv. Trotzdem widmen auch viele Freigänger noch mehrere Stunden am Tag jagdlichen Aktivitäten.

Auch satte Katzen jagen

Aber warum erlegt die Katze Beute und frisst sie dann nicht? Das erscheint zunächst unsinnig, ist aber ganz normales Katzenverhalten. Denn der Jagdtrieb der Katze ist nur teilweise vom Hunger abhängig4Delgado, M. & Dantas, L.M.S., 2020. Feeding cats for optimal mental and behavioral well-being. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice, 50(5), pp. 939–953. https://doi.org/10.1016/j.cvsm.2020.05.003
.

Als Einzeljäger ist die Katze darauf angewiesen, regelmäßig Beute zu machen. Würde sie erst mit der Jagd beginnen, wenn sie bereits hungrig ist, könnte es passieren, dass sie nicht genug Tiere erlegt, um ihren Energiebedarf zu decken. Denn längst nicht jeder Jagdversuch endet erfolgreich. Untersuchungen zeigen, dass nur etwa ein Drittel der Jagdversuche der Katze tatsächlich zum erfolgreichen Fang eines Beutetiers führt.5Konecny, M.J., 1987. Food habits and energetics of feral house cats in the Galápagos Islands. Oikos, 50(1), pp. 24–32. https://doi.org/10.2307/35653986McGregor, H., Legge, S., Potts, J., Jones, M.E. & Johnson, C.N., 2015. Feral cats are better killers in open habitats. PLOS ONE, 10(8), e0133915. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0133915
.

Deshalb nutzen Katzen jede Gelegenheit zur Jagd. Bewegungen, Geräusche oder ein flüchtendes Tier lösen sofort den Jagdinstinkt aus. Auch eine gut gefütterte Hauskatze wird daher versuchen, ein mögliches Beutetier zu fangen, selbst wenn zu Hause bereits ein voller Futternapf wartet. Darum sind Jagdspiele für Wohnungskatzen wichtig, damit die Tiere ihr natürliches Verhalten ausleben können.

Ein Teil der gefangenen Beute wird anschließend mit nach Hause gebracht. Doch warum eigentlich?

Warum Katzen Beute nach Hause bringen

Katze bringt Wildtier nach Hause

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Viele Katzenhalter fragen sich, warum ihre Katze ein erbeutetes Tier überhaupt mit nach Hause bringt. Besonders irritierend ist es, wenn die Beute noch lebt oder scheinbar nur ins Wohnzimmer getragen wird. Häufig wird vermutet, die Katze wolle ihrem Menschen ein Geschenk machen. Für diese Vorstellung gibt es jedoch keine eindeutigen wissenschaftlichen Belege.

Eine mögliche Erklärung leitet sich aus dem Verhalten von Katzenmüttern ab. Diese bringen ihren Jungen Beutetiere, damit sie das Jagen lernen können. Zunächst sind die Tiere meist tot, später werden auch lebende Beutetiere gebracht, damit die Jungkatzen das Töten üben können.7Caro, T.M., 1980. Effects of the mother, object play, and adult experience on predation in cats. Behavioral and Neural Biology, 29(1), pp. 29–51. https://doi.org/10.1016/S0163-1047(80)92456-5
.

Eine andere Erklärung hängt mit dem Revierverhalten der Katze zusammen. Freigänger bewegen sich meist innerhalb eines festen Streifgebiets, in dem sie jagen, ruhen und fressen.8Cecchetti, M., Crowley, S.L., Wilson-Aggarwal, J., Nelli, L. & McDonald, R.A., 2022. Spatial behavior of domestic cats and the effects of outdoor access restrictions and interventions to reduce predation of wildlife. Conservation Science and Practice, 4(2), e597. https://doi.org/10.1111/csp2.597
Das Zuhause bildet dabei häufig den zentralen Bereich dieses Reviers und ist quasi der „Safe Space“ der Katze. Es ist daher möglich, dass sie ihre Beute dorthin bringt, um sich in Ruhe mit ihr zu beschäftigen oder sie zu fressen.

Auch individuelle Unterschiede zwischen Katzen spielen eine Rolle. Studien zeigen, dass Jagdverhalten nicht nur vom Hunger abhängt, sondern von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Dazu gehören unter anderem Persönlichkeit, frühe Lernerfahrungen und Umweltbedingungen.9Cecchetti, M., Crowley, S.L. and McDonald, R.A. (2021), Drivers and facilitators of hunting behaviour in domestic cats and options for management. Mam Rev, 51: 307-322. https://doi.org/10.1111/mam.1223010Cordonnier, M., Perrot, A., Ferry, N., Bonnaud, E. & Baudry, E., 2023. Pet cat personality linked to owner-reported predation frequency. Ecology and Evolution, 13, e9651. https://doi.org/10.1002/ece3.9651
Entsprechend bringen manche Katzen deutlich häufiger Beute nach Hause als andere.

Aber auch wenn eine Katze eher selten Beute nach Hause bringt, kommt bei Freigängern meist irgendwann der Moment, in dem der eigene Haustiger ein Beutetier im Gepäck hat. Dann ist es gut zu wissen, wie man richtig vorgeht.

Katze bringt ein Wildtier nach Hause: Was tun?

Bringt deine Katze ein Wildtier mit nach Hause, ist es wichtig, nicht panisch zu werden, sondern die Situation möglichst ruhig einzuschätzen. Hektisches Eingreifen hilft in diesem Moment meist nicht weiter. Vor allem solltest du vermeiden, deine Katze zu erschrecken oder ihr das Tier direkt aus dem Maul zu ziehen.

Viele Katzen verteidigen ihre Beute oder versuchen sie sofort wieder aufzunehmen, wenn sich jemand nähert. Greift man zu schnell ein, kann es passieren, dass die Katze mit ihrer Beute flieht oder noch einmal fest zubeißt, um ihren Fang nicht zu verlieren. Dadurch kann sich das Wildtier zusätzlich verletzen. Gleichzeitig besteht auch für dich ein Verletzungsrisiko, wenn dein Haustiger seine Beute verteidigt.

Der erste Schritt besteht daher darin, deine Katze vom Wildtier zu trennen. Am einfachsten gelingt das meist, indem du deine Samtpfote mit Futter, Leckerli oder einem Spiel ablenkst. Erst wenn die Katze nicht mehr direkt bei der Beute ist, solltest du dich dem Wildtier zuwenden. So vermeidest du zusätzlichen Stress für alle Beteiligten und schaffst bessere Voraussetzungen, um die Situation im nächsten Schritt in Ruhe einzuschätzen.

Wenn das Tier noch lebt

Wildtier sichern und ruhig unterbringen

Lebt das Tier noch, solltest du möglichst ruhig und vorsichtig vorgehen. Die Wildtiere stehen nach einem Angriff unter starkem Stress. Zusätzliche Aufregung kann ihren Zustand weiter verschlechtern. Nähere dich daher langsam und vermeide hastige Bewegungen.

Am besten nimmst du das Tier vorsichtig mit Handschuhen oder einem Handtuch auf. Das schützt dich vor möglichen Bissen oder Kratzern und reduziert gleichzeitig den direkten Kontakt mit Krankheitserregern. Anschließend kannst du das Tier in eine kleine, gut belüftete Box oder einen Karton setzen.

Wichtig ist, dass der Behälter möglichst dunkel und ruhig steht. Besonders bei Vögeln spielt die optische Ruhigstellung eine wichtige Rolle. Werden visuelle Reize reduziert, beruhigen sich viele Tiere deutlich schneller. Ein einfacher Karton mit Luftlöchern ist dafür meist besser geeignet als ein Käfig oder ein durchsichtiger Behälter.

Ist die Maus der Katze entwischt und jetzt in der Wohnung unterwegs, kann eine Lebendfalle wertvolle Dienste leisten. Besonders gerne mögen viele Mäuse Schokolade und Nutella.

Kein Futter anbieten oder Wasser einflößen

Futter oder Wasser solltest du einem gesicherten Wildtier aber zunächst nicht anbieten. Insbesondere Vögeln darf niemals Wasser eingeflößt werden, da Flüssigkeit leicht in die Atemwege gelangen kann. Es ist völlig ausreichend, den Vogel, das Eichhörnchen, die Maus oder die Fledermaus zunächst einfach ruhig und dunkel unterzubringen.

Auch wenn das gesicherte Beutetier unverletzt wirkt, ist Vorsicht geboten. In vielen Fällen sind äußerlich keine Verletzungen zu erkennen, haben aber dennoch stattgefunden. Katzenbisse sind oft kaum sichtbar, da die spitzen Zähne unserer Haustiger meist nur sehr kleine Einstichstellen hinterlassen, die im Fell oder Gefieder leicht übersehen werden. Daher sollte bei einem Tier, das im Maul der Katze war, immer von einer möglichen Verletzung ausgegangen werden.

Warum Katzenbisse für Wildtiere so gefährlich sind

Der Grund dafür liegt im Maul der Katze. In der Maulflora und im Speichel von Katzen kommen zahlreiche Bakterien vor, die für kleine Wildtiere schnell lebensbedrohlich werden können. Die schmalen, scharfen Zähne dringen tief ins Gewebe, in Gelenke oder sogar in Knochen ein und bringen diese Keime tief in die Wunde. Häufig handelt es sich um Infektionen mit Pasteurella multocida, daneben können auch Bakterien wie Staphylococcus aureus, Staphylococcus saprophyticus sowie anaerobe Mischinfektionen eine Rolle spielen.11Jacobs C. Hunde- und Katzenbisse – eine tückische Gefahr für den Tierarzt. Veterinärspiegel 2013; 23(03): 131 – 134. doi:10.1055/s-0033-1350613

Katze bringt Vogel nach Hause

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Ohne Behandlung können sich solche Infektionen sehr schnell entwickeln. Untersuchungen aus Wildtierstationen zeigen, dass Katzenangriffe für viele Vögel schwerwiegende Folgen haben. In einer britischen Studie starben oder mussten rund 78 % der nach Katzenkontakt eingelieferten Vögel eingeschläfert werden12Baker, P.J., Thompson, R. & Grogan, A. (2018) Survival rates of cat-attacked birds admitted to RSPCA wildlife centres in the UK: implications for cat owners and wildlife rehabilitators. Animal Welfare, 27(4), pp. 305–318. https://doi.org/10.7120/09627286.27.4.305. Das bedeutet jedoch nicht, dass Hilfe sinnlos ist.
Im Gegenteil: Gerade weil Katzenbisse so gefährlich sind, ist eine schnelle medizinische Versorgung entscheidend. Je früher ein Tier behandelt wird, desto größer sind seine Überlebenschancen.

Viele Wildtierstationen empfehlen deshalb, Tiere nach Katzenkontakt möglichst schnell antibiotisch zu versorgen. Häufig wird ein Zeitfenster von etwa sechs Stunden genannt, innerhalb dessen eine Behandlung die Überlebenschancen deutlich verbessern kann.

Wildtiere, die lebend von einer Katze gebracht wurden, sollten deshalb möglichst schnell zu einer Wildtierhilfe, einer Auffangstation oder in eine – idealerweise wildtierkundige – Tierarztpraxis gebracht werden. Dort können sie medizinisch versorgt oder, wenn keine Hilfe mehr möglich ist, gegebenenfalls erlöst werden.

Ist immer professionelle Hilfe notwendig?

In der Regel schon. Allerdings sind viele Wildtierstationen stark ausgelastet. Nicht jedes Tier, das von einer Katze gefangen wurde, kann oder muss automatisch in eine Auffangstation gebracht werden. Entscheidend ist daher immer auch eine kurze Einschätzung der Situation. Nicht immer macht es ein Eingreifen besser.

Besonders bei Vögeln und geschützten Arten wie Eichhörnchen, Feldhase oder Fledermaus gilt aber: Ist das Tier verletzt, geschwächt, apathisch oder handelt es sich um ein hilfsbedürftiges Jungtier, sollte möglichst schnell professionelle Hilfe organisiert werden. In solchen Fällen ist eine umgehende Versorgung durch eine Wildtierhilfe oder eine tierärztliche Praxis besonders wichtig.

In Fällen, in denen das gesichtete Wildtier agil und unverletzt zu sein scheint, kann es hilfreich sein, zunächst telefonisch Kontakt mit einer Wildtierhilfe oder (wildtierkundigen) Tierarztpraxis aufzunehmen. Oft hilft eine telefonische Beratung, um abzuschätzen, ob ein Tier tatsächlich gebracht werden sollte.

Wird das Wildtier nach sorgfältiger Abwägung wieder in die Freiheit entlassen, ist es wichtig, dass die Katze in dieser Zeit im Haus bleibt, damit Eichhörnchen, Feldhase, Vogel, Maus und Co. die Chance haben, sich in Sicherheit zu bringen.

Hinweis am Rande: Wildtierhilfe erfolgt oft ehrenamtlich und nicht selten durch Privatpersonen in ihrer Freizeit. Häufig haben diese Einzelkämpfer keinen Verein im Hintergrund und finanzieren alles aus eigener Tasche.

Bleibt daher bitte höflich und respektvoll, akzeptiert, dass hilfsbedürftige Wildtiere häufig nicht bei euch abgeholt werden können und die Kapazitäten manchmal einfach erschöpft sind und lasst gerne eine Spende da. Tierschutz ist teuer.

Praktische Hilfe im Notfall: die Wildtier-SOS-App

Deine Katze hat ein Wildtier mit nach Hause gebracht und du bist dir unsicher, ob das Tier Hilfe braucht, wie du es am besten sichern kannst, um welche Tierart es sich handelt oder wo du eine passende Anlaufstelle findest? In solchen Situationen kann die Wildtier-SOS-App eine hilfreiche Orientierung bieten.

Die App führt Schritt für Schritt durch einen kurzen Fragebogen. Anhand deiner Angaben bekommst du Hinweise zum weiteren Vorgehen und kannst passende Ansprechpartner in deiner Nähe finden.

Weitere Informationen zur App findest du hier:
https://wildtier-sos.de/

Banner Wildtier-SOS-App

Wenn das Beutetier bereits tot ist

Nicht selten bringt eine Katze ihre Beute bereits tot mit nach Hause. In diesem Fall besteht meist kein akuter Handlungsbedarf mehr, trotzdem solltest du vorsichtig vorgehen.

Am besten verwendest du Handschuhe oder ein Hilfsmittel wie eine Schaufel, ein Stück Karton oder Küchenpapier, um das Tier aufzunehmen. So vermeidest du direkten Kontakt mit möglichen Krankheitserregern oder Parasiten. Anschließend kannst du das Tier über den Restmüll entsorgen, am besten in Papier eingewickelt oder in einem verschlossenen Beutel. In vielen Kommunen sind Tierkörper im Biomüll nicht erlaubt.

Alternativ kann ein kleines totes Wildtier auch begraben oder an einem ruhigen, naturnahen Ort im Garten abgelegt werden. Dort wird es meist schnell von Insekten oder anderen Aasfressern genutzt und in den natürlichen Stoffkreislauf zurückgeführt. Voraussetzung ist allerdings, dass kein Verdacht auf Vergiftung oder eine ansteckende Krankheit besteht. Eingeschläferte oder allgemein bereits mit Medikamenten versorgte Wildtiere sollten grundsätzlich nicht in der Natur abgelegt werden, da sie Rückstände von Medikamenten enthalten können.

Gefahren für Katze und Mensch durch Beutetiere

Bringt eine Katze ein Wildtier nach Hause, denken viele zunächst an Mäuse oder Vögel. Tatsächlich können Freigänger jedoch ganz unterschiedliche Tiere erbeuten. In den meisten Fällen stellt das weder für Katze noch für Mensch ein größeres Problem dar. Einige Beutetiere können jedoch Verletzungen verursachen, Krankheitserreger übertragen oder Vergiftungen auslösen.

Spitzmäuse

Katze tötet Spitzmaus

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Manchmal bringt eine Katze statt einer Maus eine Spitzmaus nach Hause. Diese Tiere passen grundsätzlich ins Beuteschema der Katze, werden aber meist nicht gefressen. Der Grund ist ein stark riechendes Sekret, das für Katzen unangenehm schmeckt. Gefangen werden sie trotzdem häufig.

Einige Arten besitzen zudem Giftdrüsen, etwa die Wasser- oder Waldspitzmaus. Ihr Biss ist für Katzen in der Regel nicht lebensbedrohlich, kann aber Schmerzen oder lokale Reaktionen verursachen. Zeigt eine Katze nach dem Kontakt mit einer Spitzmaus ungewöhnliche Symptome, sollte vorsorglich eine Tierarztpraxis aufgesucht werden.

Beim Umgang mit Spitzmäusen ist auch für Menschen Vorsicht geboten. Feldspitzmäuse (Crocidura leucodon) gelten als mögliches Reservoir für das Borna-Disease-Virus 1, das in seltenen Fällen auch auf den Menschen übertragen werden kann.13Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) (o. J.): Infektionskrankheiten A–Z: Erkrankung durch das Bornavirus, [online] verfügbar unter: https://www.lgl.bayern.de/gesundheit/infektionsschutz/infektionskrankheiten_a_z/borna/index.htm
[abgerufen am 12.04.2026]
Handschuhe sind beim Umgang mit Wildtieren daher grundsätzlich empfehlenswert.

Fledermäuse

Gelegentlich kommt es vor, dass eine Katze eine Fledermaus nach Hause bringt. Fledermäuse nehmen unter den möglichen Beutetieren eine besondere Rolle ein. Alle heimischen Fledermausarten stehen in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter strengem Artenschutz.

Zudem können Fledermäuse Träger sogenannter Fledermaus-Tollwutviren (European Bat Lyssavirus) sein14Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) (o. J.): Tollwut – Fledermaustollwut, [online] verfügbar unter: https://www.lgl.bayern.de/tiergesundheit/tierkrankheiten/virusinfektionen/tollwut/index.htm#fledermaustollwut
[abgerufen am 12.04.2026].
. Diese treten zwar selten auf, eine Übertragung durch Bisse oder Kratzer ist jedoch grundsätzlich möglich. Fledermäuse sollten deshalb niemals mit bloßen Händen angefasst werden.

Feldhasen, Mäuse und andere Nagetiere

Manche Katzen bringen auch größere Beutetiere mit nach Hause, etwa einen jungen Feldhasen oder ein Eichhörnchen. Beim Umgang mit Feldhasen ist Vorsicht geboten, da sie Träger der sogenannten Hasenpest (Tularämie) sein können. Diese bakterielle Infektionskrankheit kann auch auf den Menschen übertragen werden.15Robert Koch-Institut (RKI) (2024): Tularämie (Hasenpest, Francisella tularensis), [online] verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Infektionskrankheiten-A-Z/T/Tularaemie/Tularaemie-node.html
[abgerufen am 12.04.2026].

Sehr häufig bringen Katzen Mäuse nach Hause. Einige Nagetierarten können Krankheitserreger tragen. Die Rötelmaus gilt beispielsweise als wichtiges Reservoir für Hantaviren in Europa16Robert Koch-Institut (RKI) (2020): RKI-Ratgeber: Hantavirus-Erkrankung, [online] verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Hantaviren.html
[abgerufen am 12.04.2026].
. Menschen infizieren sich in der Regel über eingeatmete Viruspartikel aus Urin, Kot oder Speichel der Tiere. Beim Umgang mit Wildmäusen sollten deshalb ebenfalls Handschuhe getragen werden.

Amphibien, Reptilien und weiteres Getier

Katze bringt Frosch mit nach Hause

© Image by Brigitte Werner from Pixabay

Gelegentlich bringt eine Katze auch einen Frosch oder eine Kröte nach Hause. Besonders Kröten können für Katzen problematisch sein. Arten wie die Erdkröte (Bufo bufo), die Kreuzkröte (Epidalea calamita) oder die Wechselkröte (Bufotes viridis) geben über ihre Haut giftige Sekrete ab. Nimmt eine Katze eine solche Kröte ins Maul, kann es zu starkem Speicheln, Erbrechen oder neurologischen Symptomen kommen.

In Deutschland kommen zudem zwei giftige Schlangenarten vor: die Kreuzotter (Vipera berus) und die Aspisviper (Vipera aspis). Bisse sind selten, können für Katzen jedoch schmerzhaft sein und eine tierärztliche Behandlung erforderlich machen.

Nacktschnecken übertragen darüber hinaus Lungenwürmer, verkleben das Mäulchen und können wie Regenwürmer und andere „Krabbeltiere“ für Verdauungsbeschwerden sorgen.

Verletzungen und Parasiten

Viele Beutetiere versuchen sich zudem zu verteidigen. Besonders Ratten können Katzen durch kräftige Bisse schwer verletzen. Wenn deine Katze regelmäßig jagt und häufiger Beute mit nach Hause bringt, lohnt sich deshalb gelegentlich ein kurzer Blick auf mögliche Verletzungen.

Kleine Wunden bleiben im Fell oft unbemerkt, können sich aber entzünden und später zu schmerzhaften Abszessen entwickeln. Hinweise darauf können zum Beispiel Humpeln, eine schmerzhafte Schwellung, Fieber oder eine plötzlich ungewöhnlich ruhige Katze sein. In solchen Fällen sollte vorsorglich eine Tierarztpraxis aufgesucht werden.

Über Beutetiere können außerdem Parasiten übertragen werden, etwa Würmer. Bei Katzen, die regelmäßig jagen und Beutetiere fressen, ist daher eine regelmäßige Entwurmung besonders wichtig.

Vergiftungsrisiken

Eine weitere Gefahr entsteht, wenn Beutetiere zuvor mit Giftstoffen in Kontakt gekommen sind. Besonders relevant sind hier Rattengifte. Viele dieser Wirkstoffe hemmen die Blutgerinnung, sodass betroffene Tiere innerlich verbluten können.

Ein weiterer Wirkstoff, der bei der Mäusebekämpfung eingesetzt wird, ist Alpha-Chloralose. Dieses Gift wirkt auf das zentrale Nervensystem und führt bei vergifteten Tieren zu neurologischen Störungen, Unterkühlung und Bewusstseinsstörungen. Frisst eine Katze ein vergiftetes Beutetier, kann es zu einer sogenannten Sekundärvergiftung kommen.⁵

Kann man verhindern, dass Katzen Beute nach Hause bringen?

Kann man Freigänger eigentlich vom Jagen abhalten? Nein, leider nicht. Der Jagdtrieb gehört zum natürlichen Verhalten der Katze und wird nicht nur durch Hunger ausgelöst. Mehr Futter in den Napf zu füllen sorgt daher selten dafür, dass der Haustiger plötzlich aufhört zu jagen. Im Zweifelsfall füttert man die Katze damit einfach nur dick.

Statt zu versuchen, das Jagen komplett zu unterbinden, ist es sinnvoller, der Katze andere Möglichkeiten zu geben, ihren Jagdtrieb auszuleben und den Jagddruck auf Wildtiere nach Möglichkeit etwas zu reduzieren.

Dabei können zum Beispiel folgende Maßnahmen helfen:

 

  • Hochwertiges Katzenfutter anbieten: Eine ausgewogene, vollständige Ernährung stellt sicher, dass der Energiebedarf der Katze gedeckt ist.
  • Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt anbieten: Katzen sind von Natur aus auf viele kleine Beutetiere eingestellt. Mehrere kleinere Mahlzeiten kommen diesem natürlichen Muster näher. Futterautomaten oder Futterspiele können dabei helfen.
  • Regelmäßig mit der Katze spielen: Kurze, häufige Spielphasen mit Federangel, Spielmaus oder ähnlichem bieten eine gute Möglichkeit, dass Katzen ihren Jagdtrieb ausleben können. Dabei sollte das natürliche Beuteverhalten so gut wie möglich imitiert werden.
  • Freigang möglichst sicher gestalten: Am sichersten für Katzen und Wildtiere ist gesicherter Freigang, zum Beispiel in einem katzensicheren Garten oder in einem Katzengehege. So kann die Katze Zeit draußen verbringen, ohne unkontrolliert zu jagen oder selbst in Gefahr zu geraten. Ungesicherter Freigang birgt für Katzen zahlreiche Risiken, etwa durch Straßenverkehr, Krankheiten oder Verletzungen durch andere Tiere.
  • Katzen kastrieren lassen: Katzen sollten generell kastriert werden, insbesondere bevor sie Freigang bekommen. Das verhindert unkontrollierte Vermehrung und reduziert meist auch das Streifverhalten.

Fazit

Wenn deine Katze ein Wildtier nach Hause bringt, ist das zunächst einmal ganz normales Katzenverhalten. Auch wenn solche Situationen für uns Menschen manchmal unangenehm oder stressig sind, hilft es meist am meisten, ruhig zu bleiben und die Lage Schritt für Schritt einzuschätzen.

Lebt das Tier noch, sollte es möglichst stressarm gesichert und bei Bedarf versorgt werden. Ist das Tier bereits tot, reicht in der Regel eine vorsichtige und hygienische Entsorgung.

Und auch wenn man das Jagdverhalten von Katzen nicht vollständig verhindern kann, lässt sich der Jagddruck durch Beschäftigung, passende Fütterung und bewusst gestalteten Freigang zumindest etwas reduzieren.

Häufige Fragen und Antworten (FAQ)

  • Was tun, wenn meine Katze ein Wildtier mit nach Hause bringt? Bleibe ruhig und sichere zunächst deine Katze, damit sie das Tier nicht weiter verletzt. Das Wildtier sollte vorsichtig mit Handschuhen aufgenommen und in eine dunkle, gut belüftete Box gesetzt werden. Anschließend kann eine Wildtierhilfe oder eine Tierarztpraxis kontaktiert werden, um das weitere Vorgehen abzuklären.
  • Warum bringt meine Katze Beute nach Hause? Katzen sind Einzeljäger und reagieren instinktiv auf Bewegungen und flüchtende Tiere. Auch gut gefütterte Katzen jagen deshalb weiterhin. Viele Katzen bringen ihre Beute an einen sicheren Ort – und das ist häufig das eigene Zuhause.
  • Überleben Vögel einen Angriff durch eine Katze? Auch wenn äußerlich keine Verletzungen sichtbar sind, können Katzenbisse schwere bakterielle Infektionen verursachen. Deshalb sollten Vögel nach Katzenkontakt möglichst schnell tierärztlich versorgt oder zu einer Wildtierhilfe gebracht werden.
  • Was tun, wenn meine Katze eine Fledermaus nach Hause bringt? Fledermäuse sollten niemals mit bloßen Händen angefasst werden. Sie stehen unter Artenschutz und können außerdem Krankheitserreger übertragen. Das Tier sollte möglichst stressarm gesichert und anschließend an eine Fledermausstation oder Wildtierhilfe übergeben werden.
  • Kann man verhindern, dass Katzen jagen? Das Jagdverhalten lässt sich meist nicht vollständig verhindern, da es zum natürlichen Verhalten der Katze gehört. Regelmäßiges Spielen, mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag und gesicherter Freigang können jedoch helfen, den Jagddruck etwas zu reduzieren.

Referenzen (u. a.)

Baker, P.J., Thompson, R. & Grogan, A. (2018) Survival rates of cat-attacked birds admitted to RSPCA wildlife centres in the UK: implications for cat owners and wildlife rehabilitators. Animal Welfare, 27(4), pp. 305–318. https://doi.org/10.7120/09627286.27.4.305

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) (o. J.): Infektionskrankheiten A–Z: Erkrankung durch das Bornavirus, [online] verfügbar unter: https://www.lgl.bayern.de/gesundheit/infektionsschutz/infektionskrankheiten_a_z/borna/index.htm [abgerufen am 12.04.2026].

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Referenzen

Über die Autorin

Anika Abel studiert Tiermedizin an der LMU München, ist FearFree-zertifiziert und ausgebildete Katzenverhaltensberaterin. Als Pflegestelle für Kitten und eigene (chronisch) kranke Katzen hat sie im Laufe der Zeit zudem viel praktische Erfahrung sammeln können.

Sie schreibt seit über 15 Jahren Fachartikel rund um das Thema Katze, am liebsten über Katzengesundheit, Verhalten und Ernährung, und arbeitet(e) u. a. als freie Autorin für das bekannte Katzenmagazin „Geliebte Katze“ sowie das Bookazin „Pfotenhieb – Anspruchsvolles für Katzenfreunde“.

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