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Interview: Was macht eigentlich eine Katzensitterin?

Im 8. Teil unserer Tierische-Berufe-Reihe erzählt uns Jennifer Eßer von Katz’ allein zu Haus etwas über ihr Business. Jennifer kümmert sich um Samtpfoten, wenn deren Besitzer dies vorübergehend nicht selbst erledigen können. Zum Beispiel im Urlaub. Denn Jennifer ist Katzensitterin.

Hexe: Hallo Jennifer, herzlichen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, uns einige Fragen zu deinem Beruf zu beantworten. Stellst du uns kurz deinen Beruf Katzensitterin vor?

Jennifer: Hallo ihr Lieben, das mache ich sehr gerne! Vielen herzlichen Dank für diese tolle Gelegenheit! Als mobile Catsitterin fahre ich zu meinen Kunden nach Hause und kümmere mich in deren Abwesenheit um deren Samtpfoten. Hierbei werden alle wichtigen Punkte abgearbeitet:

– Reinigung von diversen Näpfen (Futter & Wasser), Futterplatz & Toiletten (+ Umgebung)
– Fütterung
– Streichel- & Spieleinheiten
– Medikamentengabe
– Fellpflege
– Freigänger rein & raus lassen bzw. gerne auch mal einsammeln

Zusätzlich kümmere ich mich nebenbei noch um alltägliche Dinge den Haushalt betreffend, bspw. lüften, Rollladen betätigen, Blumen gießen etc. Dies macht jedoch einen sehr kleinen Teil meiner Arbeit aus. Zu 99% kann und darf ich mich auf die Fellnasen konzentrieren.

Für Kater Darius ist Leckerchen-Zeit. Meist verbringt Jennifer die Zeit auf „Augenhöhe“ mit den Katzen. (© Jennifer Eßer – Katz’allein zu Haus)

Hexe: Wir müssen wir uns denn „einen Tag im Leben einer Katzensitterin“ vorstellen?

Jennifer: Der Wecker klingelt früh, denn natürlich haben fast alle Miezen ihre geregelten Zeiten, welche ich bestmöglich versuche einzuhalten. Dies geht bei mehreren Kunden gleichzeitig nicht immer zu 100%, Tiere die pünktlich ihre Medikamente benötigen werden uhrzeitentechnisch optimal gelegt. Da muss ich manchmal umdisponieren.

Ich fahre, nachdem natürlich meine Bande versorgt ist, nach und nach die unterschiedlichen Haushalte an und ziehe mein Programm durch. Zwischendurch machen sich diverse Bilder und Videos samt persönlichem Text auf den Weg zu Herrchen & Frauchen in den Urlaub. Viele möchten die Gewissheit haben, dass Zuhause alles in Ordnung ist. Gegebenenfalls folgen nach und zwischen den Betreuungen Kennenlerntermine & Schlüsselübergaben.

Kira ist damals als Pflegekatze bei Jennifer eingezogen. Mit geschätzten 6 Wochen und jede Menge Würmern im Bauch hat sie ihr Leben auf den Kopf gestellt. (© Jennifer Eßer – Katz’ allein zu Haus)

Hexe: Wie wird man denn Katzensitterin? Kann jeder einfach als Katzensitterin arbeiten? Gibt es da eine anerkannte Ausbildung? Muss man als Katzensitterin bestimmte Voraussetzungen erfüllen?

Jennifer: Für mich war es lange Zeit ein großer Traum mich auch beruflich mit Katzen zu beschäftigen. Nach einiger Überlegung und längerer Recherche habe ich mich dazu entschlossen mein Glück zu versuchen – „Katz‘ allein Zuhaus“ wurde geboren.

Ein Gewerbe ist zuallererst nicht schlecht. Den Rest muss man sich tatsächlich zusammenstellen. Für Verträge, Rechnungen, Infobögen, Werbung ist man selbst verantwortlich – Inspiration fand ich im Internet.

Natürlich ist es von Vorteil, wenn man sein Herz diesen wundervollen Wesen verschrieben hat – denn nur so kann es funktionieren. Ansonsten ist man vielleicht nach einiger Zeit genervt von der ganzen Spülerei & Putzerei ;-) Denn Catsitter zu sein, heißt nicht nur spielen & schmusen, nein, man muss auch andere Dinge erledigen.

Es handelt sich um keinen Ausbildungsberuf. Voraussetzungen muss man ebenfalls keine erfüllen, jedoch wäre eine starke Affinität und einiges an Erfahrung nicht schlecht. Nicht jede Kundenkatze ist gleich und lässt einen sofort an sich ran – Da muss man teilweise schon viel mit dem Tier „arbeiten“ und sein Vertrauen gewinnen. Wochenende? Feiertage? Fehlanzeige! Auch an diesen Tagen muss man/ich früh raus. Aber was macht man nicht alles aus Liebe?!

Der kleine Siam-Kater Oscar hat Schuld an der Katzenliebe. (© Jennifer Eßer – Katz’ allein zu Haus)

Hexe: Arbeitet eine Katzensitterin auch mit Tierärzten oder Angehörigen anderer tierischer Berufsgruppen, z. B. Tierpsychologen, zusammen? Wie ist das denn bei dir z. B.?

Jennifer: Ich bin nebenbei im Katzenschutz tätig und stehe in engem Kontakt mit meinem Tierarzt. Mit einem Tierpsychologen hatte ich noch nicht zu tun, jedoch bin ich dem nicht abgeneigt. Ich möchte meinen Kunden einen guten Service bieten, welcher nicht ausschließlich das Sitting abdeckt, sondern auch andere Themenbereiche behandelt (z.B. artgerechter Haushalt & Katzenfutter, Verhaltensstörungen, Zusammenführung). Sehr gerne gebe ich stets Tipps mit auf den Weg, um meinen Kundenmiezen das Leben zu verschönern.

Kuro und Neji sind die ersten eigenen Katzen von Jennifer. Beide kamen im Alter von ca. 13 Wochen über den Tierschutz zu ihr. (@ Jennifer Eßer – Katz’ allein zu Haus)

Hexe: Sagen wir mal, unser Personal möchte in den Urlaub fahren und uns nicht mitnehmen. Worauf sollte sie deiner Meinung nach bei der Auswahl des Katzensitters/der Katzensitterin achten?

Jennifer: Drei wichtige Punkte: Zuverlässigkeit, Vertrauen & Kompetenz. Man darf nicht vergessen, dass man eine vollkommen fremde Person in sein Heim lässt und ihm mindestens ein Familienmitglied anvertraut. Deshalb sollte man diese Person unbedingt vorher kennenlernen um sich ein Bild zu machen. Ich persönlich würde immer Jemanden bevorzugen, der selbst Katzen hat oder, wenn nicht, den Beruf schon lange Zeit ausübt. Ich möchte meine Tiere in den besten Händen wissen. Da darf es nicht vorkommen, dass die Katzen einen Tag nicht versorgt sind oder mal ein Fenster unbeaufsichtigt gekippt oder ein Toilettendeckel oben gelassen wird.

Hexe: Angenommen wir haben jetzt eine Katzensitterin gefunden, die uns geeignet erscheint, wie müssen wir uns dann den weiteren Ablauf vorstellen? Jetzt bei dir z. B. wir schreiben dir eine Mail oder rufen dich an und wie geht es dann weiter?

Jennifer: Bei Anfrage bespreche ich telefonisch oder per Mail die wichtigsten Details: Wann? Wo? Wie viele Katzen? Sind diese gesund? Im gleichen Atemzug vereinbare ich einen unverbindlichen und kostenlosen Kennenlerntermin. Die Menschen sollen und müssen wissen, wen man dort engagiert. Diese Art Termin dauert meist ca. 1 Stunde in denen ich für mich alles Wichtige abfrage.

Nach Besuch wird der Betreuungsvertrag erstellt. Der Vertrag für zwei Samtpfoten umfasst bei mir mittlerweile ganze fünf Seiten – davon zwei Seiten mit Informationen inkl. einem DSGVO-Infoblatt.

Nachdem der Vertrag unterzeichnet bei mir angekommen ist, vereinbare ich – sofern der Urlaubstermin bald ansteht – einen weiteren Termin. Diesmal jedoch zur Schlüsselübergabe. Hier erfrage ich zusätzlich, ob sich etwas im Haushalt geändert hat (neues Futter, Klo-Situation, neue Katze, usw.) und gehe mit den Besitzern gerne nochmals alles durch.

Die Rechnung schicke ich manchmal vorab – manchmal bringe ich sie zu den Schlüsselübergaben mit. Dies kommt auf die Zahlungsart drauf an. Danach geht es dann mit der Betreuung los! Nach dieser gibt es einen letzten Termin zur Schlüsselrückgabe.

Dreibeinchen Yuki zog 2017 bei Jennifer ein (© Jennifer Eßer – Katz’ allein zu Haus)

Hexe: Und die Kosten? Macht da jede Katzensitterin ihre eigenen Preise oder gibt es da auch eine Gebührenordnung wie bei den Tierärzten?

Jennifer: Eine Gebührenordnung gibt es nicht. Jeder macht seine Preise, wie er meint. Diese reichen gerne von € 6,- bis € 15,- und mehr, manchmal je Tier, manchmal pauschal. Es ist wirklich sehr unterschiedlich. Ich habe von Konkurrenten gehört, welche € 8,- je Tier nehmen plus Anfahrt (obwohl der Kunde direkt um die Ecke wohnt) und von Studenten die für € 11,- am Tag 2x bei zwei Miezen vorbeischauen.

Hexe: Damit haben wir es auch schon. Liebe Jennifer, vielen Dank, dass du unsere neugierigen Fragen so ausführlich beantwortet hast. Wir wünschen dir weiterhin viel Freude und Erfolg in deinem Beruf und dir und deinen Lieben alles Gute.

Über Jennifer Eßer

(© Jennifer Eßer | Katz’ allein zu Haus)

Jennifer Eßer ist 1988 geboren und in NRW – ein paar Kilometer von Köln entfernt – Zuhause. Im Jahr 2011 verliebte sie sich völlig ungewollt in den Siam-Kater ihres Vaters: Oscar. Er eroberte ihr Herz im Sturm und in diesem Moment an war klar: Mindestens zwei Samtpfoten sollen und müssen von ihr adoptiert werden!

Im gleichen Jahr verlor sie ihr Herz an zwei wunderbare Tierschutz-Kater – Neji & Kuro. 2014 und 2017 folgten zwei Katzendamen – Kira & Yuki, welche ihre kleine Familie komplettieren. Es entwickelte sich schnell eine tiefgehende Liebe und der Wunsch, alles für ihr Wohlergehen zu tun.

Auch ihre Empathie anderen Tieren gegenüber wuchs, weshalb sie sich kurze Zeit später dazu entschied, vegetarisch zu leben. Selbstverständlich wird auf eine fleischlose Ernährung der Katzen trotzdem verzichtet.

Nach 7 Jahren als “Dosenöffner” und mehreren Jahren im Tierschutz u. a. als Pflegestelle sowie zweite Vorsitzende der Brühler Samtpfotenhilfe e.V. hat sie sich nun endlich getraut und ihr Herzensprojekt gestartet: Unter dem Namen Katz‘ allein Zuhaus ist sie als mobile Betreuerin für diverse Samtpfoten im Kölner Umkreis unterwegs. Mehr über die mobile Katzenbetreuung im Rheinland erfahrt ihr auf Jennifers Website oder auch auf Facebook.


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Madame, Diva und manchmal auch "Mäkeltrudi". Hexe ist die First Lady im Bürokatzenteam von Haustiger und der Grund, warum es dieses Magazin heute gibt. Ihre Tätigkeit als zertifizierte Bürofachmieze ist eigentlich unbezahlbar, Hühnchen im Haus zu haben, schadet aber trotzdem nicht.