Cara kolumniert

Mit Leichtig­keit zum Kat­zen­er­nähr­­ungs­­guru

 

Ein kurzer Leitfaden für alle, die mit Halbwissen, Selbstgewiss­heit und Internet­an­schluss Großes vorhaben.

Es gibt im Internet viele gefährliche Orte. Sümpfe aus Halbwissen. Tiefe Schluchten aus Kommentarspalten. Regionen, in denen seit Jahrhunderten die Vernunft verschollen ist. Und dann, inmitten all dieses Wahnsinns … die Frage, die das Internet regelmäßig in seinen Grundfesten erschüttert:

„Welches Katzenfutter könnt ihr empfehlen?“

Wer sie stellt, beginnt nicht einfach nur eine Diskussion. Er zieht den Stöpsel aus der Badewanne der zivilisierten Welt und blickt direkt hinein in einen brodelnden Kessel aus Glaubenssätzen, Empörung und Menschen, die seit drei Tagen ein Ringlicht besitzen und sich deshalb berufen fühlen, über die Biologie obligater Karnivoren zu sprechen.

Kaum ist die Frage online, bleiben ungefähr sieben Sekunden, um sich zurückzulehnen, Popcorn zu holen und gegebenenfalls Schutzkleidung anzulegen. Dann beginnt das Schauspiel.

Es ist ein vertrautes Stück, das in unzähligen Wiederaufführungen gegeben wird. Die Rollen sind klar verteilt. Irgendwo deklamiert jemand, Trockenfutter sei Gift, BARF die einzig wahre, naturgewollte und vermutlich von kosmischen Kräften abgesegnete Form der Katzenernährung. Auf der anderen Seite steht eine Person, die berichtet, ihre Katzen hätten seit Jahrzehnten Futter von Discounter XY bekommen und seien alle 20 geworden, was im Internet zuverlässig als kontrollierte Langzeitstudie gilt . Dazwischen fliegen die großen Klassiker durch den Raum: Tierärzt*innen hätten von Ernährung keine Ahnung, die Futtermittelindustrie ziehe im Hintergrund die Fäden, und irgendwann fällt zuverlässig der Satz mit der Katze, dem Bunsenbrenner und der Pampa, der seit Jahren mit einer Überzeugung vorgetragen wird, als sei er einst vom Amt für biologische Artgerechtheit geprüft, in Stein gemeißelt und dem Internet zur ewigen Wiederholung übergeben worden.

Kurz: Es ist alles da, was man für gute Unterhaltung braucht.

Und vielleicht denkst du dir nun: Das ist genau mein Ding.
Vielleicht möchtest auch du aufsteigen in den erlauchten Kreis jener Katzenernährungsgurus, die mit einer Mischung aus Selbstgewissheit, dramatischer Musik und zweifelhaften Quellenlage das digitale Abendland prägen.

Dann bist du hier genau richtig. In diesem praktischen Leitfaden erklären wir dir, wie du in 10 Schritten zum ultimativen Katzenernährungsguru wirst.

Es gibt im Internet viele gefährliche Orte. Sümpfe aus Halbwissen. Tiefe Schluchten aus Kommentarspalten. Regionen, in denen seit Jahrhunderten die Vernunft verschollen ist. Und dann, inmitten all dieses Wahnsinns … die Frage, die das Internet regelmäßig in seinen Grundfesten erschüttert:

„Welches Katzenfutter könnt ihr empfehlen?“

Wer sie stellt, beginnt nicht einfach nur eine Diskussion. Er zieht den Stöpsel aus der Badewanne der zivilisierten Welt und blickt direkt hinein in einen brodelnden Kessel aus Glaubenssätzen, Empörung und Menschen, die seit drei Tagen ein Ringlicht besitzen und sich deshalb berufen fühlen, über die Biologie obligater Karnivoren zu sprechen.

Kaum ist die Frage online, bleiben ungefähr sieben Sekunden, um sich zurückzulehnen, Popcorn zu holen und gegebenenfalls Schutzkleidung anzulegen. Dann beginnt das Schauspiel.

Es ist ein vertrautes Stück, das in unzähligen Wiederaufführungen gegeben wird. Die Rollen sind klar verteilt. Irgendwo deklamiert jemand, Trockenfutter sei Gift, BARF die einzig wahre, naturgewollte und vermutlich von kosmischen Kräften abgesegnete Form der Katzenernährung. Auf der anderen Seite steht eine Person, die berichtet, ihre Katzen hätten seit Jahrzehnten Futter von Discounter XY bekommen und seien alle 20 geworden, was im Internet zuverlässig als kontrollierte Langzeitstudie gilt.

Dazwischen fliegen die großen Klassiker durch den Raum: Tierärzt*innen hätten von Ernährung keine Ahnung, die Futtermittelindustrie ziehe im Hintergrund die Fäden, und irgendwann fällt zuverlässig der Satz mit der Katze, dem Bunsenbrenner und der Pampa, der seit Jahren mit einer Überzeugung vorgetragen wird, als als sei er einst vom Amt für biologische Artgerechtheit geprüft, in Stein gemeißelt und dem Internet zur ewigen Wiederholung übergeben worden.

Kurz: Es ist alles da, was man für gute Unterhaltung braucht.

Und vielleicht denkst du dir nun: Das ist genau mein Ding.
Vielleicht möchtest auch du aufsteigen in den erlauchten Kreis jener Katzenernährungsgurus, die mit einer Mischung aus Selbstgewissheit, dramatischer Musik und zweifelhaften Quellenlage das digitale Abendland prägen.

Dann bist du hier genau richtig. In diesem praktischen Leitfaden erklären wir dir, wie du in 10 Schritten zum ultimativen Katzenernährungsguru wirst.

1) Ernenne dich selbst zur Expertin für Katzenernährung

Das Internet liebt vor allem eines: Titel, die niemand überprüft.

Wenn du also im Bereich Katzenernährung etwas werden willst, brauchst du keine langwierige Ausbildung, kein belastbares Hintergrundwissen und schon gar keine tiefergehende Beschäftigung mit Nährstoffbedarfen, Rationsberechnung oder Physiologie. Das wäre nur unnötig aufwendig und könnte im schlimmsten Fall dazu führen, dass du beginnst, Dinge differenziert zu betrachten.

Nein, du brauchst vor allem das unerschütterliche Gefühl, recht zu haben.

Schreibe „Expertin für Katzenernährung“ in deine Biografie und vergiss auf keinen Fall die Katzen-Emojis. Viele Katzen-Emojis. Lies ein paar Beiträge anderer selbsternannter Futterorakel, übernimm ihre Schlagworte und wiederhole alles mit fester Stimme. Im Internet gilt seit Langem die eiserne Regel: Wer oft genug entschlossen seine Meinung kundtut, wird irgendwann für kompetent gehalten.

2) Erkläre Trockenfutter zum Werk finsterer Mächte.

Jede Glaubensbewegung braucht einen Dämon, und in der Katzenernährungswelt ist Trockenfutter ein besonders praktischer.

Es ist trocken, es knuspert und es ist damit ideal geeignet, zur Quelle allen Übels erklärt zu werden. Sag auf keinen Fall, dass man die Gabe je nach Einsatzbereich, Fütterungssituationen und Zusammensetzung individuell betrachten muss. Das wäre der Anfang vom Ende. Sage stattdessen, dass Trockenfutter der Katze augenblicklich alles Wasser aus dem Körper entzieht, die Nieren in dramatischer Verzweiflung aufgeben lässt und direkt in den metabolischen Untergang führt.

Dass das physiologisch so nicht haltbar ist, spielt keine Rolle. Wissenschaft ist ohnehin mit Vorsicht zu genießen, besonders wenn sie nicht bestätigt, was du ohnehin schon sagen wolltest. Und wenn jemand mit Studien kommt, die etwas anderes besagen, zieh einfach die Karte „Big Pharma und Futtermittelindustrie“. Damit kannst du zwar nicht sachlich argumentieren, aber du vernebelst zuverlässig das eigentliche Thema.

3) Verkünde rohes Fleisch als einzigen Weg zur Wahrheit

Als angehende Hohepriesterin der Katzenernährung musst du verstehen, dass Rohfleisch im Internet nie einfach nur Rohfleisch ist. Es ist ein Glaubensbekenntnis.

Dass eine ausgewogene Rohfütterung Fachwissen erfordert, dass Muskelfleisch allein keine bedarfsdeckende Ration ergibt und dass Hygienefragen durchaus real sein können, sind Details. Und Details sind die natürlichen Feinde jeder großen Erweckungserzählung.

Sprich also mit ruhiger Überlegenheit aus, rohes Fleisch sei das einzig Artgerechte. Wer auf Risiken wie Salmonellen, Fehlversorgungen oder multiresistente Keime hinweist, hat offenkundig den Geist der Wildnis nicht verstanden. Dann bringe das große Totschlagargument. Du kennst es. Alle kennen es. Es ist das rhetorische Äquivalent eines Vorschlaghammers in einer Porzellanausstellung:

„Hast du schon mal ’ne Katze mit dem Bunsenbrenner durch die Pampa laufen sehen?“

Damit ist zwar nichts geklärt, aber für einen bemerkenswerten Moment sind alle so beschäftigt mit dem Bild, dass niemand mehr nach Nährstoffprofilen fragt.

4) Analysiere Futterdeklarationen mit angemessenem Entsetzen

Hier braucht es vor allem Schauspiel.

Du musst nicht wirklich verstehen, was hinter Begriffen wie „tierische Nebenerzeugnisse“, „Getreide“ oder „Zucker“ in der Deklaration jeweils konkret steckt. Entscheidend ist, dass du sie behandelst, als hättest du auf der Rückseite einer Dose soeben einen handfesten Skandal entdeckt.

Beginne jedes Reel mit einem Ge­sichts­aus­druck, als hätte dir jemand persönlich ins Herz gepfeffert, und verkünde:
„Was ich euch heute zeige, wird euch schockieren.“

Dann lies einzelne Bestandteile vor, als hätte das Etikett dich persönlich beleidigt. Steigere deine Empörung sorgfältig und in gut sichtbaren Stufen, bis auch die letzte Person in den Kommentaren verstanden hat, dass dieses Futter nicht bloß suboptimal ist, sondern aus jener Ecke der Katzenernährung stammt, in der seit Langem niemand mehr das Licht angemacht hat.

Dass du selbst nicht ganz durchdrungen hast, was dort eigentlich steht, ist nebensächlich. Im digitalen Raum zählt die Meinung oft mehr als der Inhalt. Besonders dann, wenn sie mit hinreichender Empörung vorgetragen wird.

4) Analysiere Futterdeklarationen mit angemessenem Entsetzen

Hier braucht es vor allem Schauspiel.

Du musst nicht wirklich verstehen, was hinter Begriffen wie „tierische Nebenerzeugnisse“, „Getreide“ oder „Zucker“ in der Deklaration jeweils konkret steckt. Entscheidend ist, dass du sie behandelst, als hättest du auf der Rückseite einer Dose soeben einen handfesten Skandal entdeckt.

Beginne jedes Reel mit einem Ge­sichts­aus­druck, als hätte dir jemand persönlich ins Herz gepfeffert, und verkünde:
„Was ich euch heute zeige, wird euch schockieren.“

Dann lies einzelne Bestandteile vor, als hätte das Etikett dich persönlich beleidigt. Steigere deine Empörung sorgfältig und in gut sichtbaren Stufen, bis auch die letzte Person in den Kommentaren verstanden hat, dass dieses Futter nicht bloß suboptimal ist, sondern aus jener Ecke der Katzenernährung stammt, in der seit Langem niemand mehr das Licht angemacht hat.

Dass du selbst nicht ganz durchdrungen hast, was dort eigentlich steht, ist nebensächlich. Im digitalen Raum zählt die Meinung oft mehr als der Inhalt. Besonders dann, wenn sie mit hinreichender Empörung vorgetragen wird.

5) Halte dich an die eiserne Regel: Hauptsache, keine Chemie!

Nichts wirkt glaubwürdiger als ein Begriff, der zugleich naturverbunden und angenehm unbestimmt klingt.

„Kräutermischung“ funktioniert ausgezeichnet. „Superfood“ auch. „Entgiftend“ ist ein Dauerbrenner. „Stärkt das Immunsystem“ geht immer. Je weniger präzise die Aussage, desto schöner kann sie in alle Richtungen leuchten.

Erkläre dabei besser nicht zu genau, was diese Dinge im Katzenkörper eigentlich bewirken sollen. Präzision ist riskant, denn sie lädt zu Nachfragen ein. Bleibe stattdessen in jenem wunderbar dunstigen Bereich zwischen „uraltem Wissen“, „Ganzheitlichkeit“ und „Ich habe dazu einmal etwas auf einem besonders ästhetischen Instagram-Slide gelesen“.

Und falls jemand vorsichtig anmerkt, dass manche Pflanzen für Katzen ungeeignet oder sogar problematisch sein können, greife zu deiner moralischen Hauptwaffe: Empörung. Etwas Natürliches kann schließlich unmöglich schaden. Das ist biologisch ungefähr so belastbar wie ein Kartenhaus im Windkanal, aber das muss dich nicht kümmern. Hauptsache, keine böse Chemie!

6) Diskreditiere Tierärzt*innen mit bedauerndem Unterton

Dieser Punkt ist unverzichtbar. Denn bevor du Menschen verunsichern, belehren und später kostenpflichtig erlösen kannst, musst du ein anderes Problem aus der Welt schaffen: dass sie Fachleute um Rat fragen könnten.

Sage daher möglichst oft, Tierärzt*innen hätten von Ernährung leider praktisch keine Ahnung. Trage das mit dem tiefen Bedauern einer Person vor, die schwere Wahrheiten verkünden muss. Lass beiläufig fallen, im Studium sei das ja kaum Thema. Über Staatsexamensprüfungen, weiterführende Qualifikationen oder fachtierärztliche Ernährungsberatung muss man in diesem Zusammenhang wirklich nicht unnötig sprechen. Das würde nur stören.

Viel wichtiger ist die Behauptung, Tierärzt*innen seien von der Futtermittelindustrie beeinflusst. Diese These ist im Internet ungefähr so robust wie Unkraut zwischen Pflastersteinen. Du hingegen bist natürlich vollkommen unabhängig. Selbst dann, wenn du nebenbei Nahrungs­ergänzungs­mittel, Kräutermischungen oder Katzenfutter in einem Geschäftsmodell vertreibst, das auffällig viele Empfehlungslinks und auffällig wenig Distanz enthält.

7) Arbeite mit Angst und subtiler Schuldzuweisung

Nun kommen wir zum eigentlichen Herzstück jeder erfolgreichen Ernährungspanik, nämlich zur emotionalen Dramaturgie.

Erzähle den Menschen, dass sie ihre Katze womöglich seit Jahren falsch ernähren. Sage es nicht zu direkt, sondern mit genau jener Mischung aus Sorge und stiller Überlegenheit, in der Schuldgefühle besonders zuverlässig gedeihen. Wiederhole, wie gefährlich Futter ABC sei. Sprich davon, dass unzählige Katzen unwissentlich krank gefüttert würden. Male aus, wie Krokette für Krokette der frühe Tod näher rückt und die Nieren allmählich zu kleinen Trockenfrüchten des Elends zusammenschrumpfen.

Je dramatischer die Formulierung, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende jemand dein Produkt oder deinen Kurs kauft oder zumindest deine Story speichert.

Angst ist im Internet eine erstaunlich verlässliche Währung. Sie lässt sich leicht erzeugen, hervorragend teilen und nur mit Mühe wieder einfangen.

8) Erfinde eine Futterampel.

Jede ernstzunehmende Scheinexpertise braucht ein System.

Also entwickelst du eine Futterampel. Ampeln sind wunderbar, weil sie Komplexität auf Farben reduzieren und Farben bekanntlich mehr Überzeugungskraft besitzen als Rationsberechnungen.

Grün bekommt das Futter, das du gerade selbst fütterst, magst oder verkaufst. Gelb erhält alles, bei dem du noch nicht entschieden hast, ob es verdammenswert oder monetarisierbar ist. Rot bleibt für den gesamten Rest des Marktes reserviert, also für alles, was gerade nicht in dein Konzept passt.

Wie genau du zu diesen Bewertungen kommst, bleibt selbstverständlich dein wohlgehütetes Expertengeheimnis. Transparenz ist schließlich nur etwas für Menschen, die überprüfbar sein wollen. Wer Genaueres wissen möchte, kann sich die Hintergründe in deinem Onlinekurs erarbeiten, in dem du dann mit ernster Miene erklärst, warum ausgerechnet die Futtermarke grün ist, die es zufällig. in deinem Shop zu kaufen gibt.

8) Erfinde eine Futterampel.

Jede ernstzunehmende Scheinexpertise braucht ein System.

Also entwickelst du eine Futterampel. Ampeln sind wunderbar, weil sie Komplexität auf Farben reduzieren und Farben bekanntlich mehr Überzeugungskraft besitzen als Rationsberechnungen.

Grün bekommt das Futter, das du gerade selbst fütterst, magst oder verkaufst. Gelb erhält alles, bei dem du noch nicht entschieden hast, ob es verdammenswert oder monetarisierbar ist. Rot bleibt für den gesamten Rest des Marktes reserviert, also für alles, was gerade nicht in dein Konzept passt.

Wie genau du zu diesen Bewertungen kommst, bleibt selbstverständlich dein wohlgehütetes Expertengeheimnis. Transparenz ist schließlich nur etwas für Menschen, die überprüfbar sein wollen. Wer Genaueres wissen möchte, kann sich die Hintergründe in deinem Onlinekurs erarbeiten, in dem du dann mit ernster Miene erklärst, warum ausgerechnet die Futtermarke grün ist, die es zufällig. in deinem Shop zu kaufen gibt.

9) Verschenke ein Freebie und verkaufe dann die Erlösung

Noch keine riesige Community? Kein Problem. Das Internet hat für alles eine Lösung, und in diesem Fall heißt sie: Freebie mit maximal alarmierendem Titel.

Etwa:

„Die 5 größten Katzenfutter-Lügen, die dir deine Tierärztin regelmäßig auftischt.“

Oder:

„Warum du deine Katze vielleicht seit Jahren falsch fütterst, ohne es zu merken.“

In diesem PDF wiederholst du dann einfach alles, was du ohnehin schon gesagt hast: Trockenfutter böse, BARF heilig, Kräuter geheimnisvoll segensreich. Anschließend betonst du mit sorgenvoller Stimme, dass Katzenernährung ein unglaublich komplexes Thema sei, das man in einem kostenlosen Dokument unmöglich vollständig erklären könne.

Welch glücklicher Zufall, dass es dafür deinen Kurs gibt.

Dort lernen die Menschen dann nicht nur, die Dinge endlich richtig einzuordnen, sondern auch, selbst zu genau jener Art von Expertin zu werden, wie du eine bist: ausgestattet mit Überzeugung, WLAN und der seltenen Gabe, fehlendes Wissen mit maximaler Empörung als Unabhängigkeit zu verkaufen.

10) Bau dir eine Community auf und lass sie neue Gurus hervorbringen.

Am Ende zählt nicht Wissen. Am Ende zählt Reichweite.

Sorge also dafür, dass deine Community deine Inhalte verteidigt wie eine mittelalterliche Festung ihre letzten Vorräte. Wenn jemand es wagt, nach Quellen, Einordnung oder Differenzierung zu fragen, werden deine treuesten Anhänger*innen schon erklären, diese Person werde entweder von der Futtermittelindustrie bezahlt oder sei einfach noch nicht aufgewacht.

Und sobald deine Fans lange genug deinen Content konsumiert haben, folgt der nächste logische Schritt: die Vervielfältigung des Systems.

In deinem Kurs lernen sie dann, selbst zu genau jener Art von Katzenernährungsguru zu werden, die das Internet mit so rührender Regelmäßigkeit hervorbringt. So kann deine Meinung weitergetragen werden, von Algorithmus zu Algorithmus, von Kommentarspalte zu Kommentarspalte, bis schließlich niemand mehr genau weiß, woher eine Behauptung eigentlich kam, aber alle sicher sind, dass sie irgendwo einmal sehr überzeugend vorgetragen wurde.

Und das, liebe Leute, ist im Internet oft schon fast dasselbe wie die Wahrheit.

Im Ernst Leute:

Katzenernährung ist ein unglaublich wichtiges Thema, das unheimlich komplex sein kann, bei dem man aber vieles auch einfach differenziert betrachten muss. Dafür braucht es Hintergrundwissen, das die Mehrzahl dieser selbsternannten Katzenfutterexpert*innen aber schlicht nicht hat.

Daher: Glaubt nicht alles, was im Internet erzählt wird. Recherchiert, hinterfragt und vertraut im Zweifelsfall lieber der fachtierärztlichen Ernährungsberatung als Menschen, die sich nach einem Wochenendkurs (oder manchmal nicht mal dem) als Experten darstellen und im Internet ihre Meinung als allgemeingültige und unumstößliche Wahrheit darstellen.

Das Allerwichtigste an einem Katzenfutter ist nicht, dass es ins eigene Weltbild passt, sondern dass es den Energiebedarf eurer Katzen deckt und sie mit allen notwendigen Nährstoffen im richtigen Verhältnis versorgt. Das ist mit BARF umsetzbar, wenn man wirklich weiß, was man tut, ebenso wie mit einem geeigneten Alleinfuttermittel.

Trockenfutter ist dabei weder der heilige Gral noch automatisches Todesurteil. Es ist kein Muss. Es kann aber in kleinen Mengen, etwa für Activity Feeding oder als Leckerli, durchaus sinnvoll eingesetzt werden, ohne dass die Katze dadurch spontan in eine medizinische Tragödie kippt.

Mitunter liegt das größere Risiko sogar in jenen vermeintlich besonders natürlichen oder „ganzheitlichen“ Alternativen, die online mit viel Pathos empfohlen werden und bei näherem Hinsehen vor allem eines sind: gefährliches Halbwissen, das überzeugend verpackt wurde.

Über die Autorin

Rabenschwarzes Fell, rabenschwarzer Humor.
Cara ist die würdige Nachfolgerin der unvergleichlichen Emma. Aus Katzenperspektive wirft sie einen ebenso ironischen wie scharfsinnigen Blick auf ihre Artgenossen, deren Menschen und die vielen Absurditäten des Internets.

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