Chinaseuche: Kann sich meine Katze mit RHD/RHD-2 anstecken?
RHD ist etwas, das man als Kaninchenhalter nie erleben möchte. Derzeit wird in der Presse insbesondere über die mutierte Form RHD-2 vermehrt berichtet. So macht sich auch der ein oder andere Katzenhalter Gedanken darüber, ob sich die eigene Katze - sei es nun als Freigänger oder durch rohes Kaninchen beim Katzen barfen - mit RHD oder RHD-2 anstecken kann. Hier könnt ihr als Katzenhalter entspannt bleiben.
Katzen können sich auch bei direktem Kontakt zu Kaninchen nicht mit RHD anstecken. (Bild: Maryns_Spleen /pixabay.com)
Was ist RHD/RHD-2?
Die Rabbit Hemorrhagic Disease (RHD) auch bekannt als hämorrhagische Kaninchenkrankheit, Chinaseuche oder Virale Hepatitis der Kaninchen ist eine systemische Infektionskrankheit, die durch ein Virus aus der Familie der Caliciviren, genauer gesagt, ein Lagovirus, ausgelöst wird, das in verschiedenen Varianten vorkommt. Neben der „klassischen Form“ trat 1996 die Variante RHDVa des Virus auf und 2010 schließlich die neue Variante RHDV-2 ((Rabbit Hemorrhagic Disease, College of Veterinary Medicine der Iowa State University, Version Juni 2016 )). Das Feline Calicivirus ist dem Genus Vesivirus zugeordnet und hat mit RHDV für unsere Zwecke soweit nichts zu tun.
Wie wird RHD/RHD-2 übertragen?
Kaninchen können sich durch Kontakt zu erkrankten Tieren direkt sowie durch lebende und nicht-lebende Überträger indirekt anstecken. Eine indirekte Übertragung kann z. B. über den Menschen und andere Säugetiere (auch die Katze), blutsaugende Insekten oder auch Dinge wie verunreinigtes Grünfutter, Gerätschaften oder infizierte Stallungen erfolgen. Der natürliche Ansteckungsweg ist fäkal-oral (d. h. über den Darm ausgeschiedene Erreger (z. B. im Kot) werden über den Mund aufgenommen).
Kann sich meine Katze bei direktem Kontakt zu infizierten Kaninchen oder durch rohes Kaninchenfleisch mit RHD/RHD-2 infizieren und krank werden oder sogar sterben?
Nein. Kaninchen sind die einzigen Tiere, die sich mit dem RHD-Virus, ganz gleich welche Variante, infizieren können. Zwar wurden in den Blutproben untersuchter Katzen Antikörper gegen das Virus ((Henning J., Davies P. R., Meers J. (2006) Seropositivity to rabbit haemorrhagic disease virus in non-target mammals during periods of viral activity in a population of wild rabbits in New Zealand. Wildlife Research 33, 305-311. https://doi.org/10.1071/WR03061 ))gefunden, jedoch konnte in gezielten Fütterungsversuchen weder eine Vermehrung des Virus im Organismus der Katze nachgewiesen werden noch zeigten die Katzen Krankheitssymptome ganz gleich welcher Art. ((T Zheng, G Lu, A.M Napier, S.J Lockyer, No virus replication in domestic cats fed with RHDV-infected rabbit livers, Veterinary Microbiology, Volume 95, Issues 1–2, 29 August 2003, Pages 61-73, ISSN 0378-1135, https://doi.org/10.1016/S0378-1135(03)00135-4.))
Wie liefen diese Fütterungsversuche ab?
Um festzustellen, ob sich RHDV in der Katze vermehrt und für klinische Symptome sorgt, wenn diese mit RHD-infizierte Kaninchen fressen, wurden die Tiere mit Leber RHDV-infizierter Kaninchen gefüttert. Nach 10 Tagen erfolgte eine Antikörperbestimmung, die zeigte, dass Katzen, die während der Zeit 4x Leber bekommen hatten, höhere Antikörpertiter aufwiesen, als diejenigen, die nur einmal Leber RHDV-infizierter Kaninchen bekommen hatten. Obwohl mit hohen Mengen des RHDV gearbeitet wurde, konnte weder eine aktive Vermehrung des Virus festgestellt werden noch entwickelten die Katzen Krankheitssymptome.
Stellt RHD/RHD-2 eine Gefahr für den Menschen oder andere Tiere im Haushalt dar?
Nein. Nach aktuellem Kenntnisstand geht weder für den Menschen noch für andere Tiere im Haushalt eine Gefahr aus. Das gilt auch für die Verarbeitung von rohem Fleisch beim Barfen. Zwar wurde u. a. auch in den inneren Organen von Waldmäusen (Apodemus sylvaticus) und Algerischen Hausmäusen (Mus spretus), die sich in der Nähe von Kaninchenbauten aufhielten, in denen RHD-infizierte Wildkaninchen gefunden wurden, virale DNA nachgewiesen, jedoch gibt es bis dato keinerlei Anhaltspunkt auf eine Virusvermehrung in anderen Säugetieren außer dem Kaninchen.
Fazit: Sollte eine Katze (z. B. im Freigang) Kontakt zu infizierten Wildkaninchen haben und/oder diese verzehren oder bei der Rohfütterung Fleisch infizierter Kaninchen aufnehmen, erkrankt sie nicht. Theoretisch könnte sie – neben vielen anderen Möglichkeiten - jedoch als Überträger des Virus auf eigene Kaninchen dienen.
Dass Fleisch RHD-infizierter Kaninchen in den Handel gelangt, ist als eher unwahrscheinlich zu betrachten. Die Erkrankung wird in einem Bestand nicht unbemerkt bleiben. Zudem sind Organveränderungen bei infizierten Kaninchen nach Schlachtung deutlich erkennbar.
Für den Menschen stellt RHD/RHD-2 ebenso keine Gefahr dar.
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Vitalpilze, auch bekannt als Heil- oder Medizinalpilze, können bei vielen Erkrankungen unterstützend eingesetzt werden. Wie es bei alternativen Therapiemethoden jedoch immer so ist, stößt auch die Mykotherapie nicht nur auf Zustimmung, sondern auch oftmals auf Ablehnung. Das vorliegende Buch will die Tiermykotherapie auf wissenschaftlicher Grundlage näherbringen.
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In der asiatischen Volksheilkunde schon seit Jahrtausenden bekannt – heute wissenschaftlich belegt! Dieses erste, auf Grundlage zahlreicher Studien erarbeitete Fachbuch zum Thema Tiermykotherapie bietet Ihnen:
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Das sagt die Haustiger-Redaktion
Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal von Vitalpilzen hörte, war ich zunächst skeptisch. Pilze kannte ich bis dahin in Form von Fliegenpilz bis Champignon und vom Hörensagen in Zusammenhang mit halluzinogener Wirkung. Bei näherer Betrachtung klang Mykotherapie aber dann doch recht interessant. Doch es fehlte die Zeit sich wirklich mit dem Thema zu beschäftigen und sich eine fundierte Meinung zu bilden. Umso erfreuter war ich, als ich gefragt wurde, ob ich nicht ein Buch über Tiermykotherapie rezensieren möchte.
„Mykotherapie für Tiere“ kommt in der für den Verlag gewohnt guten Qualität daher. Wir finden eine übersichtliche Gliederung, zudem ist jedes Kapitel in einer anderen Farbe gehalten, so dass man sich auch beim raschen Nachschlagen schnell zurechtfindet. Viele Tabellen zur schnellen Übersicht und qualitativ hochwertige Bilder runden den guten äußeren Eindruck ab.
Doch was wirklich zählt, sind ja die inneren Werte. ;-) Im ersten Kapitel des Buches dreht sich alles um die Grundlagen der Tiermykotherapie. Man erfährt, dass die wissenschaftliche Mykotherapie noch eine eher junge Therapieform ist, das Wissen über die Heilwirkung der Pilze jedoch schon seit vielen tausend Jahren in China und Japan bekannt ist. Es gibt Informationen darüber, was Pilze überhaupt sind (weder Tier noch Pflanze), woher Vitalpilze heute stammen und wie sie im Nährstoffkreislauf der Erde wirken.
Sehr spannend und aufschlussreich ist die Erläuterung, welche ernährungsphysiologisch wichtigen Stoffe in Medizinalpilzen enthalten sind und warum diese heilend wirken und Einfluss auf die Immunabwehr haben können. Des Weiteren wird in diesem Kapitel beschrieben in welchen Formen (Pulver, Extrakt etc.) Vitalpilze bezogen werden können, wie es um Produktsicherheit und Qualität bestellt ist und von welchen Produkten man als Therapeut oder Tierhalter eher die Finger lassen sollte. Alles in allem schon einmal eine solide Grundlage.
Im nächsten Kapitel werden dann die einzelnen Pilze vorgestellt. Der interessierte Leser erfährt Wissenswertes zu Ökologie und Geschichte des einzelnen Medizinalpilzes, zu dessen Inhaltsstoffen und Wirkung und seinen möglichen Einsatzgebieten. Abgerundet wird die jeweils mehrseitige Beschreibung durch ein Bild des jeweiligen Pilzes, eine detaillierte Analyse der Inhaltsstoffe und den Namen des Pilzes in mehreren Sprachen, was die weitere Recherche auch in fremdsprachigen Quellen vereinfacht.
Danach geht es an die Dosierung und Verabreichung von Vitalpilzen an die Tierarten Katze, Hund, Pferd und schließlich an die Anwendungsmöglichkeiten. Jede Indikation beinhaltet eine Beschreibung der jeweiligen Erkrankung, die tierartlichen Besonderheiten und den jeweiligen mykotherapeutischen Behandlungsvorschlag. Unter den erläuterten Krankheiten befinden sich einige, die auch für den Katzentherapeuten/-besitzer interessant sind, wie z. B. Arthrose oder Katzenschnupfenkomplex.
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Fazit: Alles in allem ist „Mykotherapie für Tiere“ ein Buch, das auf wissenschaftlicher Grundlage einen fundierten Überblick über die einzelnen Vitalpilze und ihre Anwendungsmöglichkeiten bietet und Therapeuten und interessierten Tierhaltern ein nützlicher Begleiter sein kann. Den Tierarzt, ausgebildeten Tierheilpraktiker oder Mykotherapeuten kann und soll es nicht ersetzen.
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Stammzellentherapie: Chance für Katzen mit chronischer Gingivostomatitis?
Die chronische Gingivostomatitis ist eine sehr schmerzhafte Erkrankung und oft nur schwer zu behandeln. Der traditionelle Therapieansatz mit vollständiger Entfernung der Zähne und Medikamentengabe (z. B. Cortison, Antibiotika) bringt nicht immer eine vollständige Heilung mit sich. Eine neuartige Stammzellentherapie könnte Katzen mit FCGS nun helfen, wie eine Studie zeigt, deren Ergebnisse vor kurzem im Journal "Stem Cells Translational Medicine" veröffentlicht wurden.
Ein Beispiel, welche Ergebnisse sich damit erzielen lassen, ist Kater Bob, der im Oktober 2012 14 Jahre alt war, als er im UC Davis Veterinary Medical Teaching Hospital (VMTH) vorgestellt wurde. Damals litt Bob bereits seit etwa einem Jahr unter der schweren, entzündlichen Erkrankung, die das Zahnfleisch und den hinteren Rachen betrifft. Er hatte starke Schmerzen, so stark, dass er sich mit der Pfote ins Mäulchen fuhr und vor Schmerzen aufschrie. Vor der Vorstellung im VMTH wurden verschiedene Behandlungen durchgeführt, so wurde Bob ein Großteil der Zähne entfernt und er erhielt Medikamente, die die Entzündung und die Schmerzen lindern sollten. Jedoch ohne Erfolg.
Da in 60 bis 80 % der Fälle eine vollständige Zahnextraktion zum Abklingen der Beschwerden führen kann, entschied man sich im VMTH Bob auch die restlichen Zähne zu entfernen. Dabei wurde festgestellt, dass bei Bob auch eine FORL vorlag. Zunächst schien es so, als würde es Bob danach besser gehen, im März 2013 zeigte sich jedoch, dass das Problem noch nicht aus der Welt geschafft war. Was tun? Alle üblichen Therapieansätze waren erschöpft und Bob ging es nach wie vor nicht besser. So entschieden sich seine Besitzer als letzte Hoffnung, den schwarzen Kater an einer klinischen Studie teilnehmen zu lassen, die eine neuartige Stammzellentherapie zur Behandlung der chronischen Gingivostomatitis der Katze untersuchte.
Stammzellen haben entzündungshemmende und regenerative Eigenschaften. Die Tierärzte hofften deshalb, dass es möglich sein würde, Bob durch eine Stammzellentherapie zu heilen. Dazu wurden dem Tier Stammzellen aus seinem eigenen Fettgewebe entnommen, diese isoliert und Bob im Mai 2013 wieder intravenös injiziert. Da es dabei (meist innerhalb der ersten 72 Stunden der Therapie) zur Bildung von Blutgerinnseln kommen kann, musste Bob drei Tage zur Überwachung in der VMTH bleiben. Drei Wochen später folgte eine weitere Stammzellenbehandlung. Und bei jedem der vierwöchigen Nachsorgetermine konnte man sehen, dass es Bob besser ging. Schon beim zweiten Nachsorgetermin waren keine Zeichen einer Entzündung mehr in Bobs Maul zu finden und auch beim dritten, vierten und fünften Besuch gab es keine Anzeichen dafür, dass die FCGS wiederkommen würde. Ebenso ging es anderen Katzen, die nach Bob an der klinischen Studie teilnahmen.
Aufschluss darüber, ob eine Katze positiv auf eine solche Stammzellentherapie reagiert, könnte zudem ein nützlicher Biomarker geben, der im Rahmen er Studie ebenfalls identifiziert werden konnte. Die Idee einer Stammzellentherapie für Katzen ist indes nicht auf die Mundhöhle beschränkt, sondern zum Beispiel auch bei Katzen mit chronischer Nierenerkrankung und IBD im Gespräch.
UC Davis Veterinary Team Has Success with New Stem Cell Therapy – UC DAVIS VETERINARY MEDICINE (mit Bildern von Bobs Mundhöhle vor und nach der Behandlung)
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Gefahr Passivrauchen - Katzen sind besonders betroffen
Dass Passivrauchen ebenso gesundheitsschädlich sein kann, wie aktives Rauchen ist kein Geheimnis. In den USA sind beispielsweise seit 1964 rund 2,5 Millionen Nichtraucher an den Folgen verstorben und auch an unseren Heimtieren geht das Einatmen von Tabakrauch nicht spurlos vorüber. In welchem Ausmaß Passivrauchen für Hunde und Katzen gesundheitsschädlich ist, wurde in verschiedenen Studien untersucht. Eine aktuelle Studie der University of Glasgow ist noch nicht abgeschlossen, zeigt aber bereits besorgniserregende Zwischenergebnisse.
Katzen sind hinsichtlich des Passivrauchens durch ihre geringe Größe und ihr intensives Putzverhalten besonders betroffen, da sie im Vergleich mehr Tabaktoxine aufnehmen, die sich im Fell, aber auch in Teppichen oder anderen Oberflächen anreichern.
Nikotingehalt im Fell von Hunden und Katzen
Das Team um Prof. Clare Knottenbelt ermittelte unter anderem den Nikotingehalt im Fell von Hunden und Katzen in Raucherhaushalten. Hier zeigte sich, dass auch Tiere in Haushalten, in denen nur 10 Zigaretten oder weniger am Tag geraucht wurden, Nikotingehalte im Fell aufwiesen, die ein Risiko für Gesundheitsschäden darstellen. Katzen - ganz gleich ob Wohnungstiger oder Freigänger - sind hier durch ihr intensives Putzverhalten besonders betroffen, da sie kontinuierlich Tabaktoxine beim Putzen aufnehmen.
Zellschädigungen und erhöhtes Krebsrisiko
Im Rahmen der Studie wurden unter anderem die Hoden von Hunden aus Raucherhaushalten, die kurz zuvor kastriert wurden, auf Zellschädigungen untersucht. Dabei identifizierten die Forscher ein Gen, von dem man ausgeht, dass es mit einigen Tumorarten in Zusammenhang steht. Eine frühere Studie ergab zudem, dass Katzen aus Raucherhaushalten einem zweifach bis deutlich höherem Risiko unterliegen, ein malignes Lymphom zu entwickeln, wobei das Risiko mit der Dauer der Aussetzung und der Menge des gezwungenermaßen konsumierten Tabakrauchs (z. B. bedingt durch die Anzahl der Raucher im Haushalt) ansteigt. ((Bertone, Elizabeth R., Laura A. Snyder, and Antony S. Moore. "Environmental tobacco smoke and risk of malignant lymphoma in pet cats." American journal of epidemiology 156.3 (2002): 268-273.))
Gewichtszunahme nach der Kastration
Im Rahmen der Studie stellte sich außerdem heraus, dass Hunde aus Raucherhaushalten nach der Kastration tendenziell mehr zunahmen, als Hunde aus Nichtraucherhaushalten.
Präventionsmaßnahmen
Die beste Vorbeugung, um gesundheitliche Schäden der eigenen Katzen durch Passivrauchen zu vermeiden, ist es, nicht zu rauchen. Alternativ ist es zu empfehlen, nur außerhalb der Wohnung zu rauchen, um die aufgenommenen Tabaktoxine zumindest zu reduzieren. Reduzieren lassen sich diese grundsätzlich auch, wenn weniger als 10 Zigaretten am Tag im Haus geraucht werden, jedoch nicht soweit, um das gesundheitliche Risiko für die Katze wirklich aus der Welt zu schaffen.
Weiterführende Informationen
University of Glasgow - University news - Quit smoking for the sake of your pets
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Rollig trotz Kastration. Katzen mit Ovarrest- Syndrom
Ist eine Katze kastriert, wird sie nicht mehr rollig. Eigentlich. Denn manchmal geschieht etwas Seltsames. Samtpfoten, die seit kurzem oder teilweise auch schon seit mehreren Jahren kastriert sind, zeigen plötzlich wieder typische Anzeichen einer Rolligkeit und lassen sich teilweise sogar wieder decken. Verantwortlich für diese Erscheinung ist in den meisten Fällen das Ovarrest-Syndrom, auch bekannt als Eierstockrestsyndrom oder englisch Ovarian Remnant Syndrome, kurz ORS.
Um zu verstehen, was dabei im Körper der Katze passiert und um die folgenden Informationen besser zu verstehen, ist es ganz hilfreich, sich ein wenig mit dem Sexualzyklus der Kätzin zu beschäftigen. Seid ihr da schon fit, könnt ihr den folgenden kleinen Exkurs getrost überspringen.
Der Sexualzyklus der Kätzin
Katzen sind, wie es so schön heißt, saisonal polyöstrisch, das bedeutet es tritt unter natürlichen Bedingungen innerhalb eines Zeitraums regelmäßig eine Rolligkeit auf, wenn das Tier nicht bei der ersten Rolligkeit gedeckt wird. Dieses Zyklusgeschehen beginnt, wenn die Tage länger werden und Licht mindestens 12 bis 14 Stunden täglich einwirken kann.
Es setzt aus, wenn die Tage kürzer werden, in unseren Breitengraden in den Herbst- und Wintermonaten. Während der sexuell aktiven Zeit kommt die Katze (die keinen Zugang zum Kater hat) etwa alle 4 bis 30 Tage (durchschnittlich alle 2-3 Wochen) in die Rolligkeit. Speziell bei Wohnungskatzen kommt es – der Glühbirne bzw. dem Kunstlicht sei Dank – jedoch auch häufig vor, dass die „Winterpause“ (Anöstrus) zwischen den Zyklen ausfällt und die Katze durchgehend sexuell aktiv ist.
Alles in allem unterteilt man den Sexualzyklus in vier Phasen: Proöstrus, Östrus, Diöstrus bzw. Interöstrus. Die Pause zwischen den Zyklen wird als Anöstrus bezeichnet. Diese Phasen werden uns im Verlauf des Artikels noch häufiger begegnen und sehen wir uns hier an dieser Stelle noch ein wenig genauer an. Alles beginnt mit dem Proöstrus, der Vorbrunst.
Diese Proöstrusphase durch einen Anstieg des von 17ß-Östradiol im Blut der Katze eingeleitet. 17ß-Östradiol gehört zu den Östrogenen, also zu den weiblichen Sexualhormonen. Dieser Anstieg geht mit den ersten Verhaltensänderungen einher. Die Kätzinnen werden anhänglicher, reiben den Kopf, treten mit den Hinterpfoten, miauen vermehrt und zeigen eine geringere Aggressivität gegenüber Katern. Diese Phase dauert etwa ein bis zwei Tage und wird durch den Östrus abgelöst, in dessen Verlauf die Katze paarungsbereit ist und die typischen Rolligkeitssymptome mit Wälzen, verstärktem Miauen und Einnehmen der Deckposition zeigt. Der Eisprung findet bei der Katze induziert statt und wird durch einen neuroendokrinen Reflex ausgelöst, der durch das Eindringen des Penis stimuliert wird. Durch diesen vaginalen Reiz wird vermehrt LH (Luteinisierungshormon) aus dem Hypophysenvorderlappen (HVL) ausgeschüttet, was die Reifung der Eizellen und in Folge zum Eisprung führt. Damit der Eisprung ausgelöst werden kann, muss eine gewisse LH-Konzentration im Blut erreicht werden.
Dazu ist meist erforderlich, dass über mehrere Tage vermehrt Östradiol ausgeschüttet wird. Zudem reicht bei einigen Katzen eine einmalige Bedeckung nicht aus, um die notwendige LH-Konzentration zu erreichen. Sicherer für das Erreichen eines Eisprungs ist es, wenn die Katze mehrmals innerhalb kurzer Zeit gedeckt wird.
Der Eisprung findet rund 24-36 Stunden nach dem Deckakt bzw. nach Erreichen der kritischen LH-Konzentration statt. In dieser Zeit kann die Katze von verschiedenen Katern gedeckt werden und Kitten aus einem Wurf können demnach auch unterschiedliche Väter haben. Nach dem Eisprung bilden sich aus den Follikelzellen die Gelbkörperzellen und geben Progesteron ab, das für die Aufrechterhaltung der Trächtigkeit entscheidend ist.
Hat zwar ein Eisprung, aber keine Empfängnis stattgefunden, bilden die Gelbkörper dennoch über 30-40 Tage das Steroidhormon Progesteron, danach tritt wieder eine Rolligkeit auf. Eine Phase, die man als Diöstrus bezeichnet. Während des Diöstrus erreicht der Progesteronspiegel nach 11-15 Tagen sein Maximum und sinkt dann bis zum 40. Tag wieder auf das Basalniveau ab. Während dieser Zeit kann es zu einer Scheinträchtigkeit kommen.
Erfolgt kein Eisprung bilden sich die Follikel im Eierstock wieder zurück, ohne sich zu öffnen. Es kommt zu einer Pause von etwa 4 – 22 Tagen, die unter bestimmten Bedingungen (z. B. bei hohen Umgebungstemperaturen) auch deutlich länger ausfallen kann. Diese Pause bezeichnet man als Interöstrus. Fällt der Interöstrus aus und gehen die Östren mehr oder weniger fließend ineinander über, spricht man von einer Dauerrolligkeit. Während des Interöstrus bleiben die Konzentrationen von Östradiol und Progesteron auf konstant niedrigem Basalniveau.
Ovarrest-Syndrom bei der Katze - Geschichte
Der erste Fallbericht eines Eierstockrestsyndroms bei der Frau wurde 1962 von Kaufmann veröffentlicht. Das Syndrom an sich wurde 1970 erstmals von Shemwell und Weed ((Shemwell, R. E. and Weed: J. C. 1970. Ovarian remnant syndrome: Obstetrics and Gynecology, 39: 299-303)) beschrieben, die zeigten, dass die Eierstockrinde, der Cortex ovarii, funktionsfähig bleiben kann, wenn sie an anderer Stelle im Bauch implantiert wird. Sie implantierten dabei die Rinde der entfernten Eierstöcke von vier weiblichen Katzen ins Bauchfell der seitlichen Bauchwand. Vier Monate später beobachteten sie, dass zwei der Katzen Rolligkeitssymptome zeigten und zwei weitere Eierstockzysten mit follikulärer Aktivität aufwiesen. Das verbliebene Eierstockgewebe war weiterhin funktionsfähig und verursachte klinische Symptome eines Proöstrus, Östrus, Scheinträchtigkeit oder sogar Paarung, die ohne Trächtigkeit endete.
Ovarrest-Syndrom bei der Katze - Risikofaktoren
Die Rasse und das Alter bei der Kastration scheinen das Risiko für das Eierstockrestsyndrom bei der Katze nicht zu erhöhen. Miller untersuchte zwischen 1988 und 1992 46 Fälle bei Hunden und Katzen. Er stellte fest, dass unter den von ihm untersuchten Tieren kein Tier ein ORS aufwies, das unter 4 Monaten kastriert worden war und dass sich die Eierstockreste gleichmäßig auf beide Eierstöcke verteilten.
Frühere Untersuchungen kamen zu einem ähnlichen Ergebnis, während es auch Hinweise darauf gibt, dass ORS insbesondere wenn eine seitliche Kastration (über die linke Flanke) durchgeführt wurde, häufiger am rechten Eierstock vorkam, wenn nur ein Eierstock betroffen war. Demirel und Acar merken daher an, dass eine Kastration über die Mitte, wie sie bei uns vornehmlich praktiziert wird, das Risiko für das Entstehen eines Eierstockrestsyndroms verringern könnte ((Demirel MA, Acar DB. Ovarian remnant syndrome and uterine stump pyometra in three quees. J Feline Med Surg. 2012 Dec;14(12):913-8. doi: 10.1177/1098612X12451373. Epub 2012 Jun 15)).
Laut Miller ((Miller DM. Ovarian remnant syndrome in dogs and cats: 46 cases (1988-1992). J Vet Diagn Invest. 1995 Oct;7(4):572-4.)) gibt es keinen Beweis dafür, dass die Länge des Schnitts oder das Gewicht des Tieres (übergewichtig vs. normalgewichtig) das Risiko für die Entwicklung eines ORS bei der Katze erhöhen. Demirel und Acar ((Demirel MA, Acar DB. Ovarian remnant syndrome and uterine stump pyometra in three quees. J Feline Med Surg. 2012 Dec;14(12):913-8. doi: 10.1177/1098612X12451373. Epub 2012 Jun 15.)) halten es dagegen für möglich, dass das Auftreten des Eierstockrestsyndroms an beiden Eierstöcken mit einem kürzeren Schnitt und/oder einem zu kaudal gesetzten Schnitt in Verbindung steht. Wallace ((Wallace, M. S. The Ovarian Remnant Syndrome in the Bitch adn Queen. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice, 21:501-507.)) sieht Übergewicht, ebenso wie eine Gebärmutterentzündung nicht in Verbindung mit dem ORS, wohingegen laut Naiman et al. ((Naiman JH1, Mayhew PD, Steffey MA, Culp WT, Runge JJ, Singh A.. Laparopscopic treatment of ovarian remnant syndrome in dogs and cats: 7 cases (2010-2013).et Med Assoc. 2014 Dec 1;245(11):1251-7. doi: 10.2460/javma.245.11.1251.)) und Demirel und Acar ((Demirel MA, Acar DB. Ovarian remnant syndrome and uterine stump pyometra in three quees. J Feline Med Surg. 2012 Dec;14(12):913-8. doi: 10.1177/1098612X12451373. Epub 2012 Jun 15.)) das Risiko bei Übergewicht erhöht sein kann, weil das Gewebe schlechter einsehbar ist.
Die Erfahrung des Tierarztes spielt bei der Häufigkeit des Syndroms laut Miller keine Rolle. In den Untersuchungen von Miller waren weniger als die Hälfte der vorgestellten Katzen von Tierärzten operiert worden, die ihre Ausbildung innerhalb der letzten 5 Jahre abgeschlossen hatten. Demirel und Acra nennen mangelnde Erfahrung jedoch neben Übergewicht oder einem zu kleinen Schnitt als mögliches Risiko für die Entstehung eines ORS. Auch Alcigir et al. ((Alci̇gi̇r, M. E.; Karakas, K.; Kanca, H.; Alkan, H.; Vural, S. A.; Tunc, A. S. A case of ovarian remnant syndrome with cystic papillary hyperplasia in a queen: clinicopathological evaluation and expressions of eostrogen and progesteron receptors, uroplakins and transforming growth factor-β1. Research Opinions in Animal and Veterinary Sciences 2014 Vol. 4 No. 10 pp. 526-531)) gibt mangelnde Erfahrung als mögliche Ursache an.
Laut Heffelfinger ((Heffelfinger D. J. Ovarian remnant in a 2-year-old queen. Can Vet J. 2006 Feb; 47(2): 165–167.)) spielten weder das Alter, noch die Rasse, noch das Vorhandensein anderer Faktoren, wie Übergewicht, Gebärmutterentzündung, Trächtigkeit oder eine Entzündung des Eileiters eine Rolle.
Ovarrest-Syndrom bei der Katze - Symptome
Erste Symptome zeigen sich bei der Katze durchschnittlich nach 2-3 Jahren, wobei teilweise bereits nach 4 Tagen oder auch erst nach 9 Jahren wieder Symptome aufgetreten sind. ((Wallace. M.S. The Ovarian Remnant Syndrome in the Bitch and Queen. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice, 21:501-507))
Die Symptomatik ähnelt im Endeffekt der einer Rolligkeit. Die Tiere rufen nach dem Kater, rollen sich auf dem Boden, präsentieren ihr Hinterteil, treten mit den Hinterbeinen auf der Stelle und ziehen Kater magisch an. Hat die Katze Zugang zum Kater lässt sie auch die Begattung durch den Kater zu, ohne dass es jedoch zu einer Trächtigkeit kommt.
Die Zyklusdauer und –häufigkeit ähnelt meist dem normalen Sexualzyklus, kann aber auch unregelmäßig sein. Es kann sein, dass die Katze über Monate und Jahre nach der Kastration keinerlei Rolligkeitsanzeichen zeigt, bevor der Sexualzyklus wieder aufgenommen wird. ((Wallace. M.S. The Ovarian Remnant Syndrome in the Bitch and Queen. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice, 21:501-507)) Liegt eine Begleiterkrankung, wie etwa eine Gebärmutterentzündung vor, kann es auch zu anderen Symptomen, wie etwa vaginalem Ausfluss kommen. Grundsätzlich gilt, treten bei einer kastrierten Katze plötzlich wieder Anzeichen einer Rolligkeit auf, sollte ORS in Betracht gezogen und die Katze einem Tierarzt vorgestellt werden.
Ovarrest-Syndrom bei der Katze – Ursachen
Für die Entstehung eines Eierstockrestsyndroms bei der Katze kommen nach aktueller Lehrmeinung drei Ursachen in Betracht:
Die Eierstöcke wurden nicht komplett entfernt
Bei der Entfernung ist versehentlich Eierstockgewebe im Bauchraum gelandet
Es ist zusätzliches Eierstockgewebe vorhanden
Die Eierstöcke wurden nicht komplett entfernt
Ein Ovarian Remnant Syndrome kann auftreten, wenn ein Eierstock oder beide Eierstöcke nicht vollständig entfernt werden und dadurch funktionelles Eierstockgewebe im Katzenkörper verbleibt. Durch einen Operationsfehler kann es vorkommen, dass die Eierstöcke nicht vollständig entfernt werden und funktionelles Eierstockgewebe im Katzenkörper zurückgelassen wird. Das kann laut Sontas et al. ((B H Sontas, K Gürbulak, H Ekici.Ovarian remnant syndrome in the bitch: a literature review.Arch. Med. Vet. 39, Nº 2, 2007)) unter Umständen durch einen zu kurzen Schnitt begünstigt werden, der es erschwert, die Eierstöcke richtig zu sehen, zu erreichen und abzubinden. Es ist auch möglich, dass die Eierstöcke falsch abgebunden werden oder kann an der anatomischen Lage des rechten Eierstocks liegen. Anatomisch befindet sich der rechte Eierstock und das rechte Gebärmutterhorn mehr kranial als ihre linken Gegenstücke, was sie anfällig dafür macht, dass sie vom Operateur während der OP vergessen werden. In den Berichten von Pearson ((Pearson H. 1973. The complications of ovariohysterectomy in the bitch.
J Small Anim Pract 14, 257-266.)), Prats ((Prats AE. 2001. Ovarian remnant sydrome in the queen. EVSSAR
Newsletter 4, Pp 5-8.)) und Wallace ((Wallace MS. 1991. The ovarian remnant syndrome in the bitch and
queen. Vet Clin North Am 21, 501-507)) war es denn auch häufiger der rechte Eierstock, der als Rest vorhanden war. Bei Miller dagegen waren beide Seiten in etwa gleich häufig betroffen.
Bei der Entfernung landete versehentlich Eierstockgewebe im Bauchraum
Wie eingangs bereits erwähnt, stellten Shemwell und Weed bereits 1970 experimentell fest, dass Eierstockgewebe auch an anderer Stelle im Bauchraum funktionsfähig bleiben kann. Es kommt vor, dass Gewebe, das versehentlich in die Peritonealhöhle, also die Bauchfellhöhle, gelangt, revaskularisiert wird. Das bedeutet, es sprießen über das Bauchnetz oder die Serosa der Bauchorgane wieder Blutkapillaren in das Gewebe ein und gewährleisten dessen Versorgung. So versorgt kann es seine Funktion wie ein Eierstock wieder aufnehmen ((Prats AE. 2001. Ovarian remnant sydrome in the queen. EVSSAR
Newsletter 4, Pp 5-8. )) ((Feldman EC, RW Nelson. 2004. Ovarian remnant syndrome. In: Feldman, E.C. and Nelson, R.W. (eds.) Canine and Feline Endocrinology and Reproduction. 3rd edition, W.B. Saunders Company, 11830 Westline Industrial Drive, St. Luis, Missouri)) ((Romagnoli S. 2004. Ovarian remnant syndrome. Proceedings of Fourth EVSSAR Congress, Barcelona, Spain, Pp 239-241. )) Eierstockreste, die experimentell im Abdomen vernäht oder frei hinterlassen wurden, konnten wieder mit Blut versorgt werden und nahmen in etwa 90 % der Fälle das Follikelwachstum wieder auf.
Es ist zusätzliches Eierstockgewebe vorhanden
Nur vereinzelt gibt es Berichte über Eierstockgewebe im breiten Gebärmutterband. Zusätzliches Eierstockgewebe wird als zusätzlicher Eierstock oder ektopisches Eierstockgewebe bezeichnet, das sich in der Nähe der normalen Eierstöcke befindet und mit diesen auch verbunden sein kann. ((McEntee K. 1990. Congenital anomalies. In: McEntee, K. (ed), Reproductive Pathology of Domestic Mammals. Academic Press Inc, San Diego, California, USA, Pp 36-41. )) Wichtig zu wissen ist hier, dass zusätzliches Eierstockgewebe aktiviert werden kann, wenn die normalen Eierstöcke entfernt wurden. Diese zusätzlichen Eierstöcke können eine geringe Größe haben.
Das Eierstockgewebe kann weiterhin einem Zyklus nachgehen, auch wenn die Gebärmutter entfernt wurde.
Ovarrest-Syndrom bei der Katze - Diagnosemöglichkeiten
Die meisten Katzen mit Ovarrest-Syndrom werden dem Tierarzt vorgestellt, weil sie, obwohl kastriert, plötzlich wieder Rolligkeitssymptome zeigen. Der Tierarzt führt dann weitere Untersuchungen durch. Hier sind ein Vaginalabstrich, eine Hormonmessung, Ultraschall oder auch eine Probelaparotomie denkbar. Es wird empfohlen, mehrere dieser Verfahren anzuwenden, um die Diagnose Eierstockrestsyndrom vor einer OP weitmöglichst zu sichern.
Der Vaginalabstrich
Das Vaginalsekret der potenten, weiblichen Katze weist je nachdem in welcher Phase sie sich befindet, eine andere Zusammensetzung auf. Hat man eine Katze im Interöstrus, Anöstrus oder eine kastrierte Katze ist das Sekret eher verwaschen und weist ein niedriges Schleimhautepithel auf.
Im Proöstrus ist das Sekret nach wie vor verwaschen und weist verhornte Schleimhautepithelzellen auf. Diese Verhornung (Keratinisierung) nimmt im Östrus ab und das Sekret wird klar. Wer sich vielleicht schon einmal mit natürlichen Verhütungsmethoden, wie etwa der symptothermalen Methode, beschäftigt hat, dem kommt das vielleicht bekannt vor.
Man kann also an sich durch einen Vaginalabstrich bei einer kastrierten Katze Schlüsse ziehen, ob in dieser ein Zyklusgeschehen „stattfindet“. Demirel und Acar weisen jedoch darauf hin, dass der Vaginalabstrich zwar die Diagnose Ovarrest-Syndrom unterstützen kann, jedoch auch ein Eierstockrest vorhanden sein kann, obwohl die Katze keine Auffälligkeiten im Abstrich zeigt.
Die Hormonmessung
Als wichtigste Sexualhormone bei der Kätzin gelten zum einen 17ß-Östradiol und zum anderen Progesteron, das Gelbkörperhormon. Diese Hormone sind je nach Zyklusphase unterschiedlich konzentriert und können Hinweise auf funktionelles Eierstockgewebe geben.
Messung des Östradiolspiegels
Bei einer Katze, die sich nicht in der Rolligkeit befindet, oder kastriert ist, liegt der Östradiolspiegel im Blut unter 20 pg/ml. Kommt die Katze in die Brunst übersteigt er die Basalkonzentration und erreicht Maximalwerte von 40-80 pg/ml. Ein erhöhter Östradiolspiegel kann bei der kastrierten Katze demnach ein Hinweis auf ein Ovarrest-Syndrom sein. Der Östrogenspiegel kann bei Stress erhöht sein, da die Nebennieren winzige Mengen Östrogene absondern können. Zudem gibt es täglich, wöchentlich und sogar jahreszeitabhängige Schwankungen. Eine Messung des Östrogenspiegels allein, ist demnach nicht ausreichend.
LH-Test
LH wird von der Hypophyse auf Stimulation von GnRH gebildet. Es kommt zu einem so genannten LH-Peak, der etwa 24 bis 48 Stunden, selten länger, andauert. Der Eisprung folgt etwa zwei bis drei Tage später. Die LH-Spiegel, die im Blut zirkulieren werden beim fortpflanzungsfähigen Tier durch Östrogen bzw. Steroidhormone rückgekoppelt. Dieses negative Feedback fehlt bei Tieren, die kastriert sind und der LH-Spiegel bleibt konstant hoch. Weist ein eigentlich kastriertes Tier niedrige LH-Konzentrationen auf, kann dies einen Hinweis auf noch vorhandenes, intaktes Eierstockgewebe geben. LH-Tests werden für Tiere bislang nur sehr vereinzelt angeboten und sind z. B. bei synlab möglich.
Bestimmung des Anti-Müller-Hormons (AMH)
Das Anti-Müller-Hormon (kurz AMH) spielt vor allem während der Embryonalentwicklung bei der sexuellen Differenzierung (Männlein/Weiblein) eine wesentliche Rolle. Nach der Geburt reguliert AMH beim weiblichen Tier die Follikelreifung. Bei der (vollständig) kastrierten Katze liegt die AMH-Konzentration liegt der Referenzwert bei < 0,1 ng/ml, beim unkastrierten Tier bei >2,0 ng/ml.
Mittels AMH-Bestimmung kann folglich ebenfalls untersucht werden, ob ein Tier kastriert oder nicht kastriert ist bzw. ob noch funktionelles Eierstockgewebe vorhanden ist. ((Laboklin aktuell - Info 5/2012: Anti-Müller-Hormon))
Wusstest du schon, dass...
...die genannten Verfahren auch angewendet werden können, um bei Tieren mit unklarem Fortpflanzungszustand (z. B. Fundkatzen) zu bestimmen, ob diese kastriert sind oder nicht?
Emma (Schlaumiez)
GnRH-Stimulationstest
Eine Möglichkeit zur Bestimmung der Östradiolkonzentration und damit zum Nachweis von eventuell noch vorhandenem Eierstockgewebe ist der GnRH-Stimulationstest oder auch Gonadotropin-Releasinghormon-Test.
GnRH ist ein Hormon, das im Hypothalamus gebildet wird und die Freisetzung von LH (luteinisierendes Hormon) und FSH (Follikel-stimulierendes Hormon) regelt. LH löst neben anderen Funktionen den Eisprung aus, während FSH die Reifung des Eis im Eierstock anregt.
Bei einem GnRH-Stimulationstest wird der Östradiolwert vor und nach der gezielten Gabe von GnRH gemessen. Es wird untersucht, ob der Östradiolspiegel durch das GnRH stimuliert werden konnte. Ist dies der Fall, kann dies ein Hinweis auf möglicherweise noch vorhandenes, intaktes Eierstockgewebe sein.
Nicht-invasiv ("ohne die Katze aufzuschneiden") ist keine zuverlässige Diagnosefindung möglich (und während einer Laparotomie erschwert), wenn sich die Katze nicht im Östrus befindet. Nicht jede Katze zeigt deutliche Rolligkeitssymptome oder einen regelmäßigen Zyklus. ((Axnér E, Gustavsson T, Strom Holst B. Estradiol measurement after GnRH-stimulation as method to diagnose the presence of ovaries in the female domestic cat. Theriogenology. 2008;70:186.))
Bildgebende Verfahren
Eine Ultraschalluntersuchung kann zum Auffinden zystischer Strukturen oder hypoechogener Massen im Bereich der Eierstöcke nützlich sein, um das Vorhandensein eines Eierstockrests zu bestätigen. Durch die geringe Größe der Eierstockreste und die Gegebenheiten des umliegenden Gewebes bleiben die Reste dem Untersucher jedoch häufig verborgen, weshalb eine Ultraschalluntersuchung allein zur Diagnosefindung in der Regel nicht ausreichend ist. Ähnliches gilt für eine Röntgenaufnahme des Bauchraums. ((Romagnoli S. Ovarian remnant syndrome in the queen: clinical approach to a surgeon's dilemma. XXIII SIMPOZIJ O AKTUALNIH BOLEZNIH MALIH ZIVALI. 22.-24.04.2010))
Operative Verfahren
Eine Probelaparotomie, also die operative Öffnung der Bauchhöhle zu Diagnosezwecken, kann an sich ebenfalls durchgeführt werden. Es macht jedoch Sinn, den Verdacht auf einen Eierstockrest durch andere, nicht-invasive Methoden im Vorfeld zu bestätigen. Während der Probelaparotomie können eventuell vorhandene Eierstockreste gleich im Rahmen der Operation entfernt werden.
Eine Probelaparotomie sollte versucht werden, wenn sich die Katze nach Stimulation im Proöstrus, Östrus oder Diöstrus befindet und die Follikel oder der Gelbkörper zusammen mit den versorgenden Blutgefäßen vergrößert sind, wodurch das Auffinden des Eierstockrests erleichtert wird. Im Diöstrus ist das Blutungsrisiko aufgrund der niedrigeren Östradiolspiegel geringer, als im Proöstrus oder Östrus.
Therapie
Empfohlen wird die operative Entfernung des Eierstockgewebes durch einen in dieser Hinsicht erfahrenen Chirurgen im Zuge der Probelaparotomie mit anschließender histopathologischer Untersuchung des entnommenen Gewebes.
Empfohlen wird die operative Entfernung des Eierstockgewebes durch einen in dieser Hinsicht erfahrenen Chirurgen im Zuge der Probelaparotomie mit anschließender histopathologischer Untersuchung des entnommenen Gewebes.
Nach kompletter Entfernung aller Eierstockreste verschwinden die klinischen Symptome in Verbindung mit den Östrus oder Proöstrus.
Ist die operative Entfernung nicht erfolgreich, nicht möglich oder vom Besitzer nicht erwünscht, kann auch eine medikamentöse Behandlung in Erwägung gezogen werden. Die Behandlung kann durch Gestagenpräparate, die zur Verhütung des Östrus eingesetzt werden, erfolgen („die Pille“). Hier sollte man jedoch die möglichen unerwünschten Nebenwirkungen bedenken (z. B. Gewichtszunahme, Wesensänderungen, Veränderungen am Geschlechtsapparat oder am Gesäuge (Vergrößerung, Tumore) oder auch Gebärmutterentzündung, wenn diese bei der eigentlichen Kastration nicht mit entfernt wurde, bzw. Entzündung des Gebärmutterstumpfes). Speziell da es in diesem Fall nicht um einen kurzfristigen/vorübergehenden Einsatz der Präparate geht, sondern um eine dauerhafte Medikation.
Eine andere Möglichkeit wäre das Setzen eines Deslorelin-Implantats („Kastrationschip“), wenn keine OP erfolgen kann/erfolgen soll.
Wird die Katze nicht behandelt, gelten im Endeffekt ähnliche Risiken wie bei der unkastrierten Katze (erhöhtes Risiko für Neubildungen am Gesäuge und Granulosazelltumoren, möglicherweise Gebärmutterentzündung bzw. Entzündung des Gebärmutterstumpfes). ((Naiman JH, Mayhew PD, Steffey MA, Culp WT, Runge JJ, Singh A. Laparoscopic treatment of ovarian remnant syndrome in dogs and cats: 7 cases (2010-2013). J Am Vet Med Assoc. 2014 Dec 1;245(11):1251-7. doi: 10.2460/javma.245.11.1251.))
Differenzialdiagnosen / Mögliche andere Ursachen
Neben einem Eierstockrestsyndrom können an sich auch andere Ursachen für Rolligkeitssymptome oder für Symptome, die auch beim Ovarian-Remnant-Syndrom auftreten können.
Die Fachliteratur nennt ((B H Sontas, K Gürbulak, H Ekici.Ovarian remnant syndrome in the bitch: a literature review.Arch. Med. Vet. 39, Nº 2, 2007)) ((Heffelfinger D. J. Ovarian remnant in a 2-year-old queen. Can Vet J 2006; 47:165-167)) ((Romagnoli S. Ovarian remnant syndrome in the queen: clinical approach to a surgeon's dilemma. XXIII SIMPOZIJ O AKTUALNIH BOLEZNIH MALIH ZIVALI. 22.-24.04.2010)) :
- Tumor der Nebenniere. In den Nebennieren wird ebenfalls in kleinen Mengen Östrogen produziert. Tumore der Nebenniere, die große Mengen dieser Hormone bilden, könnten möglicherweise wiederkehrende Rolligkeitssymptome verursachen.
- Verhaltensstörung.
- Hormoncremes. In den USA gab es vor einigen Jahren vermehrt Fälle, in denen eigentlich kastrierte Katzen plötzlich wieder Rolligkeitssymptome zeigten. Schuld daran war die Verwendung von Hormoncremes der Besitzer, die über deren Hände von den Tieren aufgenommen wurden.
In der Regel ohne Rolligkeitssymptome, wenn nicht in Verbindung oder als Folge von ORS:
- „alles, was mit blutigem Scheidenausfluss einhergehen kann“, z. B. Neubildungen in der Scheide, Scheidenentzündung, Stumpfpyometra, Trauma oder eine Störung der Blutgerinnung.
Literaturverweise
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23) Hämmerling R., Praxis der endokrinologischen Krankheitsbilder bei Hund und Katze: Von der Pathophysiologie zur Therapie, Verlag Enke; Auflage: 1 (13. Mai 2009)
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25) Laboklin aktuell - Info 5/2012: Anti-Müller-Hormon
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