„Du kannst sie nicht alle retten“

Katze Seesterne

„Du kannst sie nicht alle retten.“

Wenn man helfen will und es trotzdem nicht reicht.

„Du kannst sie nicht alle retten.“

Ein Satz, den man gerade am Anfang, wenn man beginnt, sich im Tierschutz zu engagieren oder erste Schritte in einem Beruf mit Tieren zu gehen, eigentlich nicht hören will. Schließlich will man doch helfen. Will kämpfen, will Tiere retten und die Welt wenigstens ein klein wenig besser machen.

Aber früher oder später kommt der Tag, an dem man schmerzhaft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wird. Weil man erkennen muss, dass Wollen in der Realität eben nicht immer reicht. Dass man, egal wie sehr man kämpft, hofft und will, eben doch nicht alles auffangen kann.

Dabei ist es nicht nur das Leid an sich. Es sind nicht nur die traurigen Geschichten, die schockierenden Bilder. Sondern dieses Gefühl, zu sehen, was gerade passiert, zu ahnen, was kommt, zu wissen, dass Hilfe nötig wäre und trotzdem nicht durchzukommen. Nicht mehr auffangen zu können. Nicht mehr ändern zu können.

Nicht, weil es einem egal wäre. Sondern gerade, weil es einem nicht egal ist.

Es ist diese verdammte Hilflosigkeit, die einen manchmal einfach fertig macht. Diese Ohnmacht. Der Frust. Dass man hadert. Mit sich und der Welt. Und dass man sich manchmal einfach nur schäbig fühlt und das Gefühl hat, auf ganzer Linie versagt zu haben. Obwohl man nüchtern betrachtet weiß, dass das so nicht stimmt.

Vielleicht fehlt das Geld. Vielleicht die Zeit. Vielleicht der Platz, die Kraft oder die psychische Stabilität. Vielleicht weiß man auch einfach, dass man längst an einem Punkt angekommen ist, an dem ein weiteres Tier, ein weiterer Notfall, noch eine Verantwortung mehr eben nicht mehr tragbar wären. Nicht, weil einem die Tiere egal wären. Sondern weil man gerade deshalb weiß, dass man mehr Tieren nicht gerecht werden kann, weil es einem nicht egal ist.

Rational lässt sich das meist gut erklären. Emotional macht es das nicht unbedingt leichter. Zumal es ja oft nicht dabei bleibt. Immer wieder steht man vor Situationen, in denen klar ist, dass es so weit gar nicht hätte kommen müssen.

Wenn früher gehandelt worden wäre.
Wenn rechtzeitig Hilfe gesucht worden wäre.
Wenn Verantwortung übernommen worden wäre.
Wenn nicht wieder gewartet, schöngeredet, ignoriert oder gehofft worden wäre, dass es schon irgendwie gutgehen wird.

Und ja, das macht wütend.

Weil da wieder ein Tier ist, das den Preis bezahlt.
Weil da wieder Leid ist, das vermeidbar gewesen wäre.
Weil man immer wieder vor Situationen steht, die so nicht hätten sein müssen und jetzt bitte danke irgendwer den Karren wieder aus dem Dreck ziehen soll.

Und manchmal ist es eben nicht nur das Leid selbst, das so schwer auszuhalten ist. Manchmal ist es auch dieses Gefühl, zu reden, zu erklären, zu warnen, zu bitten und trotzdem nicht durchzudringen. Nicht einmal so weit, dass den Leuten überhaupt klar ist, dass das, was sie da gerade tun oder eben nicht tun, Unrecht ist.

Denn den Schmerz fühlt das Tier.
Nicht der Mensch, der zu lange gewartet hat.
Nicht der Mensch, der Warnungen ignoriert hat.
Nicht der Mensch, der Ausreden findet, statt Verantwortung zu übernehmen.

Das Tier trägt die Konsequenzen.

Und ja, man darf die Welt und speziell die Menschen, die für diesen Mist verantwortlich sind, auch mal so richtig kacke finden und kein Verständnis haben. Gerade dann, wenn das Tier zu retten gewesen wäre, hätte man rechtzeitig gehandelt.

Wie man das alles erträgt, fragt ihr euch?

Nun, viele antworten darauf, dass es ja auch die vielen Fälle gibt, in denen alles gut wird und in denen man helfen kann. Oder dass man mit der Zeit lernt, sich abzugrenzen und das alles nicht mehr so sehr an sich ranzulassen. Beides stimmt schon. Aber hundertprozentig funktioniert das meist nicht.

Da kannst du noch so erfahren sein und noch so geübt darin, dich abzugrenzen. Irgendwann kommt wieder dieser eine Fall, der dir den Boden unter den Füßen wegzieht. Bei dem du einfach keine Worte mehr hast. Bei dem du kämpfst, fluchst, hoffst und am Ende doch verlierst. Was bleibt, sind Wut und Frustration. Dieses schäbige Gefühl, versagt zu haben, obwohl man weiß, dass einen eigentlich keine Schuld trifft.

Dieses Gefühl, das alles nicht mehr ertragen zu können. Das alles nicht mehr ertragen zu wollen. Und doch macht man weiter. Nicht, weil man so stark ist. Sondern weil man es noch viel weniger ertragen kann, nichts zu tun. Immer wieder. Oft bis an die Grenzen des Erträglichen und manchmal auch darüber hinaus.

Honoriert wird das oft nicht. Stattdessen kommt noch Druck von außen.

„Ihr liebt doch Tiere, also müsst ihr doch helfen.“
„Wenn du sie nicht nimmst, dann setz ich sie aus.“
„Dann behandelt halt kostenlos.“
„Niemand kann das so gut wie du. Du bist ihre einzige Chance.“
„Dann müsst ihr eben erreichbar sein.“
„Dann könnt ihr doch nicht einfach Feierabend machen oder Urlaub haben.“

Als gäbe es keine Grenzen. Keine Erschöpfung. Kein Privatleben. Keine Arbeitszeiten. Keine wirtschaftliche Realität. Keine eigene Gesundheit.

Gerade Tierärzt*innen und TFA bekommen das immer wieder ab. Als müssten sie allein deshalb, weil sie mit Tieren arbeiten, rund um die Uhr verfügbar, belastbar, freundlich und aufopferungsbereit sein. Am besten sofort, am besten kostenlos und am besten ohne eigene Bedürfnisse. Aber Tiermedizin ist kein Ehrenamt.

Tierliebe bezahlt keine Miete, kein Personal, keine Geräte, keine Medikamente. Und sie ersetzt auch nicht die eigene psychische und körperliche Belastbarkeit.

Im Tierschutz begegnet einem derselbe Druck auf andere Weise. Auch dort wird oft erwartet, dass man immer weitermacht. Immer noch einen Fall übernimmt. Immer noch einen Platz schafft. Immer noch irgendwie funktioniert. Egal, wie leer und ausgebrannt man eigentlich schon ist.

Und nein, man muss das nicht einfach aushalten können.

Man ist nicht schwach, wenn einen das mitnimmt.
Man ist nicht ungeeignet, wenn man an Grenzen kommt oder schon vorher welche setzt.
Und man liebt Tiere ganz sicher nicht weniger, nur weil man nicht unbegrenzt belastbar ist.

Wir sind Menschen, keine Maschinen.

Niemand kann alle retten und es muss auch niemand können. Das ändert nichts daran, dass es weh tut.

Man kann eben nur tun, was im Rahmen der eigenen Möglichkeiten liegt. Nicht mehr. Und manchmal leider auch nicht das, was man eigentlich gern tun würde.

Und manchmal ist genau das mit am schwersten auszuhalten.
Dass man nicht nichts tut. Aber eben auch nicht genug.

Und manchmal bleibt eben trotzdem nur dieses beschissene Gefühl, dass es einfach nicht gereicht hat.

Ich muss in solchen Momenten oft an die Geschichte vom Seestern denken. An diesen jungen Mann, der am Strand Seesterne aufhebt und zurück ins Meer wirft. Einen nach dem anderen.

Er wird gefragt, was für einen Unterschied das denn machen soll, wenn da doch noch so viele andere liegen und er die unmöglich alle zurück ins Meer bringen und vor dem sicheren Tod bewahren kann.

Seine Antwort ist einfach: Für diesen einen macht es einen Unterschied.

Das eigene Tun rettet nicht alle. Es macht das Leid insgesamt nicht viel kleiner und behebt auch die grundsätzlichen Probleme dahinter nicht.

Aber für das Tier, das Hilfe bekommt, macht es eben doch einen Unterschied.

Und was du für ein einzelnes Tier verändern konntest, verändert vielleicht nicht die ganze Welt. Aber die Welt dieses Tieres.

Für jeden, der das gerade braucht:

Du musst nicht alles tragen.
Du musst nicht alle retten.
Und du bist nicht gescheitert, nur weil es nicht für alle gereicht hat.

Was du tust, ist nicht nichts.
Was du aushältst, ist nicht wenig.
Und wenn du „nur“ für ein einzelnes Tier etwas zum Besseren verändern konntest, ist das schon so viel.

Bitte vergiss das nicht.

 

(Bild: Ki-generiert)

Katze bringt Wildtier nach Hause: und nun?

Katzenhaltung

Katze bringt Mäuse, Vögel, Fledermäuse, Feldhasen - und nun?

Die Katzenklappe klappert und kurz darauf taucht deine Katze im Wohnzimmer auf. Mit erhobenem Schwanz, konzentriertem Blick und einem Tier im Maul. Vielleicht eine Maus. Vielleicht ein Vogel. Manchmal sogar ein junger Feldhase.

Angenehm ist das meist nur für die Katze. Besonders dann, wenn sich herausstellt, dass das gefangene Tier noch lebt. Schnell stellen sich Fragen. Was sollte man jetzt tun? Darf man das Tier anfassen? Und kann man die Beute einfach wieder nach draußen setzen?

So unangenehm der Moment für uns Menschen auch sein kann, für Katzen gehört er zum normalen Verhalten. Auch der liebste Haustiger bleibt ein Raubtier mit ausgeprägtem Jagdinstinkt. Freigänger nutzen ihre Streifzüge regelmäßig, um Beute zu machen, unabhängig davon, ob zu Hause bereits ein voller Futternapf wartet.

Bringt eine Katze ein Tier mit nach Hause, ist es deshalb hilfreich zu wissen, wie man richtig reagiert. In diesem Artikel sehen wir uns an, was zu tun ist, wenn eine Katze ein Wildtier wie eine Maus oder einen Vogel mit nach Hause bringt. Zunächst schauen wir uns aber kurz an, welche Tiere Katzen bei der Jagd erbeuten.

Katze bringt lebende Maus nach Hause

© Bild von Ottó auf Pixabay

Diese Beutetiere jagen Katzen

Katzen jagen allein und konzentrieren sich daher in der Regel auf Beutetiere, die sie ohne Hilfe fangen und erlegen können. Gleichzeitig sind unsere Haustiger erstaunlich vielseitige Jäger und gelten deshalb als sogenannte Generalisten, also Raubtiere mit einem sehr breiten Beutespektrum.

Wie groß diese Vielfalt tatsächlich ist, zeigt eine globale wissenschaftliche Auswertung aus dem Jahr 2023. Darin wurden 2.084 verschiedene Tierarten dokumentiert, die zur Beute freilebender Hauskatzen wurden1Lepczyk, CA, Fantle-Lepczyk, JE, Dunham, KD, Bonnaud, E, Lindner, J, Doherty, TS & Woinarski, JCZ 2023, ‚A global synthesis and assessment of free-ranging domestic cat diet‘, Nature Communications, vol. 14, no. 1, 7809, pp. 1-10. https://doi.org/10.1038/s41467-023-42766-6. Den größten Anteil daran machen kleine Säugetiere wie Mäuse aus. Auch Vögel gehören regelmäßig zur Beute von Katzen.

Daneben fangen Katzen aber auch viele andere Tiere. Zum Beutespektrum zählen unter anderem Reptilien, Amphibien, Fische und Insekten. Die meisten Beutetiere sind vergleichsweise klein. 97 Prozent der erfassten Arten wogen weniger als fünf Kilogramm.2Lepczyk, CA, Fantle-Lepczyk, JE, Dunham, KD, Bonnaud, E, Lindner, J, Doherty, TS & Woinarski, JCZ 2023, ‚A global synthesis and assessment of free-ranging domestic cat diet‘, Nature Communications, vol. 14, no. 1, 7809, pp. 1-10. https://doi.org/10.1038/s41467-023-42766-6

So viele Beutetiere müssen Katzen jagen

Wie wichtig die Jagd für Katzen ist, zeigt sich besonders bei Tieren, die nicht vom Menschen versorgt werden. Um ihren Energiebedarf zu decken, müssen Katzen mehrere kleine Beutetiere pro Tag erlegen. Ohne zusätzliche Fütterung durch den Menschen können bis zu 10 bis 20 Beutetiere täglich notwendig sein.3International Cat Care, 2024. Understanding the hunting behaviour of cats. Available at: https://icatcare.org/articles/understanding-the-hunting-behaviour-of-cats
(Abgerufen am: 10 April 2026).

Entsprechend viel Zeit investieren solche Tiere in die Jagd. Streunerkatzen verbringen einen großen Teil ihres Tages mit der Suche nach Beute. Katzen, die in menschlicher Obhut leben, jagen deutlich weniger intensiv. Trotzdem widmen auch viele Freigänger noch mehrere Stunden am Tag jagdlichen Aktivitäten.

Auch satte Katzen jagen

Aber warum erlegt die Katze Beute und frisst sie dann nicht? Das erscheint zunächst unsinnig, ist aber ganz normales Katzenverhalten. Denn der Jagdtrieb der Katze ist nur teilweise vom Hunger abhängig4Delgado, M. & Dantas, L.M.S., 2020. Feeding cats for optimal mental and behavioral well-being. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice, 50(5), pp. 939–953. https://doi.org/10.1016/j.cvsm.2020.05.003
.

Als Einzeljäger ist die Katze darauf angewiesen, regelmäßig Beute zu machen. Würde sie erst mit der Jagd beginnen, wenn sie bereits hungrig ist, könnte es passieren, dass sie nicht genug Tiere erlegt, um ihren Energiebedarf zu decken. Denn längst nicht jeder Jagdversuch endet erfolgreich. Untersuchungen zeigen, dass nur etwa ein Drittel der Jagdversuche der Katze tatsächlich zum erfolgreichen Fang eines Beutetiers führt.5Konecny, M.J., 1987. Food habits and energetics of feral house cats in the Galápagos Islands. Oikos, 50(1), pp. 24–32. https://doi.org/10.2307/35653986McGregor, H., Legge, S., Potts, J., Jones, M.E. & Johnson, C.N., 2015. Feral cats are better killers in open habitats. PLOS ONE, 10(8), e0133915. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0133915
.

Deshalb nutzen Katzen jede Gelegenheit zur Jagd. Bewegungen, Geräusche oder ein flüchtendes Tier lösen sofort den Jagdinstinkt aus. Auch eine gut gefütterte Hauskatze wird daher versuchen, ein mögliches Beutetier zu fangen, selbst wenn zu Hause bereits ein voller Futternapf wartet. Darum sind Jagdspiele für Wohnungskatzen wichtig, damit die Tiere ihr natürliches Verhalten ausleben können.

Ein Teil der gefangenen Beute wird anschließend mit nach Hause gebracht. Doch warum eigentlich?

Warum Katzen Beute nach Hause bringen

Katze bringt Wildtier nach Hause

© Bild von Sabrina auf Pixabay

Viele Katzenhalter fragen sich, warum ihre Katze ein erbeutetes Tier überhaupt mit nach Hause bringt. Besonders irritierend ist es, wenn die Beute noch lebt oder scheinbar nur ins Wohnzimmer getragen wird. Häufig wird vermutet, die Katze wolle ihrem Menschen ein Geschenk machen. Für diese Vorstellung gibt es jedoch keine eindeutigen wissenschaftlichen Belege.

Eine mögliche Erklärung leitet sich aus dem Verhalten von Katzenmüttern ab. Diese bringen ihren Jungen Beutetiere, damit sie das Jagen lernen können. Zunächst sind die Tiere meist tot, später werden auch lebende Beutetiere gebracht, damit die Jungkatzen das Töten üben können.7Caro, T.M., 1980. Effects of the mother, object play, and adult experience on predation in cats. Behavioral and Neural Biology, 29(1), pp. 29–51. https://doi.org/10.1016/S0163-1047(80)92456-5
.

Eine andere Erklärung hängt mit dem Revierverhalten der Katze zusammen. Freigänger bewegen sich meist innerhalb eines festen Streifgebiets, in dem sie jagen, ruhen und fressen.8Cecchetti, M., Crowley, S.L., Wilson-Aggarwal, J., Nelli, L. & McDonald, R.A., 2022. Spatial behavior of domestic cats and the effects of outdoor access restrictions and interventions to reduce predation of wildlife. Conservation Science and Practice, 4(2), e597. https://doi.org/10.1111/csp2.597
Das Zuhause bildet dabei häufig den zentralen Bereich dieses Reviers und ist quasi der „Safe Space“ der Katze. Es ist daher möglich, dass sie ihre Beute dorthin bringt, um sich in Ruhe mit ihr zu beschäftigen oder sie zu fressen.

Auch individuelle Unterschiede zwischen Katzen spielen eine Rolle. Studien zeigen, dass Jagdverhalten nicht nur vom Hunger abhängt, sondern von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Dazu gehören unter anderem Persönlichkeit, frühe Lernerfahrungen und Umweltbedingungen.9Cecchetti, M., Crowley, S.L. and McDonald, R.A. (2021), Drivers and facilitators of hunting behaviour in domestic cats and options for management. Mam Rev, 51: 307-322. https://doi.org/10.1111/mam.1223010Cordonnier, M., Perrot, A., Ferry, N., Bonnaud, E. & Baudry, E., 2023. Pet cat personality linked to owner-reported predation frequency. Ecology and Evolution, 13, e9651. https://doi.org/10.1002/ece3.9651
Entsprechend bringen manche Katzen deutlich häufiger Beute nach Hause als andere.

Aber auch wenn eine Katze eher selten Beute nach Hause bringt, kommt bei Freigängern meist irgendwann der Moment, in dem der eigene Haustiger ein Beutetier im Gepäck hat. Dann ist es gut zu wissen, wie man richtig vorgeht.

Katze bringt ein Wildtier nach Hause: Was tun?

Bringt deine Katze ein Wildtier mit nach Hause, ist es wichtig, nicht panisch zu werden, sondern die Situation möglichst ruhig einzuschätzen. Hektisches Eingreifen hilft in diesem Moment meist nicht weiter. Vor allem solltest du vermeiden, deine Katze zu erschrecken oder ihr das Tier direkt aus dem Maul zu ziehen.

Viele Katzen verteidigen ihre Beute oder versuchen sie sofort wieder aufzunehmen, wenn sich jemand nähert. Greift man zu schnell ein, kann es passieren, dass die Katze mit ihrer Beute flieht oder noch einmal fest zubeißt, um ihren Fang nicht zu verlieren. Dadurch kann sich das Wildtier zusätzlich verletzen. Gleichzeitig besteht auch für dich ein Verletzungsrisiko, wenn dein Haustiger seine Beute verteidigt.

Der erste Schritt besteht daher darin, deine Katze vom Wildtier zu trennen. Am einfachsten gelingt das meist, indem du deine Samtpfote mit Futter, Leckerli oder einem Spiel ablenkst. Erst wenn die Katze nicht mehr direkt bei der Beute ist, solltest du dich dem Wildtier zuwenden. So vermeidest du zusätzlichen Stress für alle Beteiligten und schaffst bessere Voraussetzungen, um die Situation im nächsten Schritt in Ruhe einzuschätzen.

Wenn das Tier noch lebt

Wildtier sichern und ruhig unterbringen

Lebt das Tier noch, solltest du möglichst ruhig und vorsichtig vorgehen. Die Wildtiere stehen nach einem Angriff unter starkem Stress. Zusätzliche Aufregung kann ihren Zustand weiter verschlechtern. Nähere dich daher langsam und vermeide hastige Bewegungen.

Am besten nimmst du das Tier vorsichtig mit Handschuhen oder einem Handtuch auf. Das schützt dich vor möglichen Bissen oder Kratzern und reduziert gleichzeitig den direkten Kontakt mit Krankheitserregern. Anschließend kannst du das Tier in eine kleine, gut belüftete Box oder einen Karton setzen.

Wichtig ist, dass der Behälter möglichst dunkel und ruhig steht. Besonders bei Vögeln spielt die optische Ruhigstellung eine wichtige Rolle. Werden visuelle Reize reduziert, beruhigen sich viele Tiere deutlich schneller. Ein einfacher Karton mit Luftlöchern ist dafür meist besser geeignet als ein Käfig oder ein durchsichtiger Behälter.

Ist die Maus der Katze entwischt und jetzt in der Wohnung unterwegs, kann eine Lebendfalle wertvolle Dienste leisten. Besonders gerne mögen viele Mäuse Schokolade und Nutella.

Kein Futter anbieten oder Wasser einflößen

Futter oder Wasser solltest du einem gesicherten Wildtier aber zunächst nicht anbieten. Insbesondere Vögeln darf niemals Wasser eingeflößt werden, da Flüssigkeit leicht in die Atemwege gelangen kann. Es ist völlig ausreichend, den Vogel, das Eichhörnchen, die Maus oder die Fledermaus zunächst einfach ruhig und dunkel unterzubringen.

Auch wenn das gesicherte Beutetier unverletzt wirkt, ist Vorsicht geboten. In vielen Fällen sind äußerlich keine Verletzungen zu erkennen, haben aber dennoch stattgefunden. Katzenbisse sind oft kaum sichtbar, da die spitzen Zähne unserer Haustiger meist nur sehr kleine Einstichstellen hinterlassen, die im Fell oder Gefieder leicht übersehen werden. Daher sollte bei einem Tier, das im Maul der Katze war, immer von einer möglichen Verletzung ausgegangen werden.

Warum Katzenbisse für Wildtiere so gefährlich sind

Der Grund dafür liegt im Maul der Katze. In der Maulflora und im Speichel von Katzen kommen zahlreiche Bakterien vor, die für kleine Wildtiere schnell lebensbedrohlich werden können. Die schmalen, scharfen Zähne dringen tief ins Gewebe, in Gelenke oder sogar in Knochen ein und bringen diese Keime tief in die Wunde. Häufig handelt es sich um Infektionen mit Pasteurella multocida, daneben können auch Bakterien wie Staphylococcus aureus, Staphylococcus saprophyticus sowie anaerobe Mischinfektionen eine Rolle spielen.11Jacobs C. Hunde- und Katzenbisse – eine tückische Gefahr für den Tierarzt. Veterinärspiegel 2013; 23(03): 131 – 134. doi:10.1055/s-0033-1350613

Katze bringt Vogel nach Hause

© Bild von rihaij auf Pixabay

Ohne Behandlung können sich solche Infektionen sehr schnell entwickeln. Untersuchungen aus Wildtierstationen zeigen, dass Katzenangriffe für viele Vögel schwerwiegende Folgen haben. In einer britischen Studie starben oder mussten rund 78 % der nach Katzenkontakt eingelieferten Vögel eingeschläfert werden12Baker, P.J., Thompson, R. & Grogan, A. (2018) Survival rates of cat-attacked birds admitted to RSPCA wildlife centres in the UK: implications for cat owners and wildlife rehabilitators. Animal Welfare, 27(4), pp. 305–318. https://doi.org/10.7120/09627286.27.4.305. Das bedeutet jedoch nicht, dass Hilfe sinnlos ist.
Im Gegenteil: Gerade weil Katzenbisse so gefährlich sind, ist eine schnelle medizinische Versorgung entscheidend. Je früher ein Tier behandelt wird, desto größer sind seine Überlebenschancen.

Viele Wildtierstationen empfehlen deshalb, Tiere nach Katzenkontakt möglichst schnell antibiotisch zu versorgen. Häufig wird ein Zeitfenster von etwa sechs Stunden genannt, innerhalb dessen eine Behandlung die Überlebenschancen deutlich verbessern kann.

Wildtiere, die lebend von einer Katze gebracht wurden, sollten deshalb möglichst schnell zu einer Wildtierhilfe, einer Auffangstation oder in eine – idealerweise wildtierkundige – Tierarztpraxis gebracht werden. Dort können sie medizinisch versorgt oder, wenn keine Hilfe mehr möglich ist, gegebenenfalls erlöst werden.

Ist immer professionelle Hilfe notwendig?

In der Regel schon. Allerdings sind viele Wildtierstationen stark ausgelastet. Nicht jedes Tier, das von einer Katze gefangen wurde, kann oder muss automatisch in eine Auffangstation gebracht werden. Entscheidend ist daher immer auch eine kurze Einschätzung der Situation. Nicht immer macht es ein Eingreifen besser.

Besonders bei Vögeln und geschützten Arten wie Eichhörnchen, Feldhase oder Fledermaus gilt aber: Ist das Tier verletzt, geschwächt, apathisch oder handelt es sich um ein hilfsbedürftiges Jungtier, sollte möglichst schnell professionelle Hilfe organisiert werden. In solchen Fällen ist eine umgehende Versorgung durch eine Wildtierhilfe oder eine tierärztliche Praxis besonders wichtig.

In Fällen, in denen das gesichtete Wildtier agil und unverletzt zu sein scheint, kann es hilfreich sein, zunächst telefonisch Kontakt mit einer Wildtierhilfe oder (wildtierkundigen) Tierarztpraxis aufzunehmen. Oft hilft eine telefonische Beratung, um abzuschätzen, ob ein Tier tatsächlich gebracht werden sollte.

Wird das Wildtier nach sorgfältiger Abwägung wieder in die Freiheit entlassen, ist es wichtig, dass die Katze in dieser Zeit im Haus bleibt, damit Eichhörnchen, Feldhase, Vogel, Maus und Co. die Chance haben, sich in Sicherheit zu bringen.

Hinweis am Rande: Wildtierhilfe erfolgt oft ehrenamtlich und nicht selten durch Privatpersonen in ihrer Freizeit. Häufig haben diese Einzelkämpfer keinen Verein im Hintergrund und finanzieren alles aus eigener Tasche.

Bleibt daher bitte höflich und respektvoll, akzeptiert, dass hilfsbedürftige Wildtiere häufig nicht bei euch abgeholt werden können und die Kapazitäten manchmal einfach erschöpft sind und lasst gerne eine Spende da. Tierschutz ist teuer.

Praktische Hilfe im Notfall: die Wildtier-SOS-App

Deine Katze hat ein Wildtier mit nach Hause gebracht und du bist dir unsicher, ob das Tier Hilfe braucht, wie du es am besten sichern kannst, um welche Tierart es sich handelt oder wo du eine passende Anlaufstelle findest? In solchen Situationen kann die Wildtier-SOS-App eine hilfreiche Orientierung bieten.

Die App führt Schritt für Schritt durch einen kurzen Fragebogen. Anhand deiner Angaben bekommst du Hinweise zum weiteren Vorgehen und kannst passende Ansprechpartner in deiner Nähe finden.

Weitere Informationen zur App findest du hier:
https://wildtier-sos.de/

Banner Wildtier-SOS-App

Wenn das Beutetier bereits tot ist

Nicht selten bringt eine Katze ihre Beute bereits tot mit nach Hause. In diesem Fall besteht meist kein akuter Handlungsbedarf mehr, trotzdem solltest du vorsichtig vorgehen.

Am besten verwendest du Handschuhe oder ein Hilfsmittel wie eine Schaufel, ein Stück Karton oder Küchenpapier, um das Tier aufzunehmen. So vermeidest du direkten Kontakt mit möglichen Krankheitserregern oder Parasiten. Anschließend kannst du das Tier über den Restmüll entsorgen, am besten in Papier eingewickelt oder in einem verschlossenen Beutel. In vielen Kommunen sind Tierkörper im Biomüll nicht erlaubt.

Alternativ kann ein kleines totes Wildtier auch begraben oder an einem ruhigen, naturnahen Ort im Garten abgelegt werden. Dort wird es meist schnell von Insekten oder anderen Aasfressern genutzt und in den natürlichen Stoffkreislauf zurückgeführt. Voraussetzung ist allerdings, dass kein Verdacht auf Vergiftung oder eine ansteckende Krankheit besteht. Eingeschläferte oder allgemein bereits mit Medikamenten versorgte Wildtiere sollten grundsätzlich nicht in der Natur abgelegt werden, da sie Rückstände von Medikamenten enthalten können.

Gefahren für Katze und Mensch durch Beutetiere

Bringt eine Katze ein Wildtier nach Hause, denken viele zunächst an Mäuse oder Vögel. Tatsächlich können Freigänger jedoch ganz unterschiedliche Tiere erbeuten. In den meisten Fällen stellt das weder für Katze noch für Mensch ein größeres Problem dar. Einige Beutetiere können jedoch Verletzungen verursachen, Krankheitserreger übertragen oder Vergiftungen auslösen.

Spitzmäuse

Katze tötet Spitzmaus

© Bild von beauty_of_nature auf Pixabay

Manchmal bringt eine Katze statt einer Maus eine Spitzmaus nach Hause. Diese Tiere passen grundsätzlich ins Beuteschema der Katze, werden aber meist nicht gefressen. Der Grund ist ein stark riechendes Sekret, das für Katzen unangenehm schmeckt. Gefangen werden sie trotzdem häufig.

Einige Arten besitzen zudem Giftdrüsen, etwa die Wasser- oder Waldspitzmaus. Ihr Biss ist für Katzen in der Regel nicht lebensbedrohlich, kann aber Schmerzen oder lokale Reaktionen verursachen. Zeigt eine Katze nach dem Kontakt mit einer Spitzmaus ungewöhnliche Symptome, sollte vorsorglich eine Tierarztpraxis aufgesucht werden.

Beim Umgang mit Spitzmäusen ist auch für Menschen Vorsicht geboten. Feldspitzmäuse (Crocidura leucodon) gelten als mögliches Reservoir für das Borna-Disease-Virus 1, das in seltenen Fällen auch auf den Menschen übertragen werden kann.13Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) (o. J.): Infektionskrankheiten A–Z: Erkrankung durch das Bornavirus, [online] verfügbar unter: https://www.lgl.bayern.de/gesundheit/infektionsschutz/infektionskrankheiten_a_z/borna/index.htm
[abgerufen am 12.04.2026]
Handschuhe sind beim Umgang mit Wildtieren daher grundsätzlich empfehlenswert.

Fledermäuse

Gelegentlich kommt es vor, dass eine Katze eine Fledermaus nach Hause bringt. Fledermäuse nehmen unter den möglichen Beutetieren eine besondere Rolle ein. Alle heimischen Fledermausarten stehen in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter strengem Artenschutz.

Zudem können Fledermäuse Träger sogenannter Fledermaus-Tollwutviren (European Bat Lyssavirus) sein14Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) (o. J.): Tollwut – Fledermaustollwut, [online] verfügbar unter: https://www.lgl.bayern.de/tiergesundheit/tierkrankheiten/virusinfektionen/tollwut/index.htm#fledermaustollwut
[abgerufen am 12.04.2026].
. Diese treten zwar selten auf, eine Übertragung durch Bisse oder Kratzer ist jedoch grundsätzlich möglich. Fledermäuse sollten deshalb niemals mit bloßen Händen angefasst werden.

Feldhasen, Mäuse und andere Nagetiere

Manche Katzen bringen auch größere Beutetiere mit nach Hause, etwa einen jungen Feldhasen oder ein Eichhörnchen. Beim Umgang mit Feldhasen ist Vorsicht geboten, da sie Träger der sogenannten Hasenpest (Tularämie) sein können. Diese bakterielle Infektionskrankheit kann auch auf den Menschen übertragen werden.15Robert Koch-Institut (RKI) (2024): Tularämie (Hasenpest, Francisella tularensis), [online] verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Infektionskrankheiten-A-Z/T/Tularaemie/Tularaemie-node.html
[abgerufen am 12.04.2026].

Sehr häufig bringen Katzen Mäuse nach Hause. Einige Nagetierarten können Krankheitserreger tragen. Die Rötelmaus gilt beispielsweise als wichtiges Reservoir für Hantaviren in Europa16Robert Koch-Institut (RKI) (2020): RKI-Ratgeber: Hantavirus-Erkrankung, [online] verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Hantaviren.html
[abgerufen am 12.04.2026].
. Menschen infizieren sich in der Regel über eingeatmete Viruspartikel aus Urin, Kot oder Speichel der Tiere. Beim Umgang mit Wildmäusen sollten deshalb ebenfalls Handschuhe getragen werden.

Amphibien, Reptilien und weiteres Getier

Katze bringt Frosch mit nach Hause

© Image by Brigitte Werner from Pixabay

Gelegentlich bringt eine Katze auch einen Frosch oder eine Kröte nach Hause. Besonders Kröten können für Katzen problematisch sein. Arten wie die Erdkröte (Bufo bufo), die Kreuzkröte (Epidalea calamita) oder die Wechselkröte (Bufotes viridis) geben über ihre Haut giftige Sekrete ab. Nimmt eine Katze eine solche Kröte ins Maul, kann es zu starkem Speicheln, Erbrechen oder neurologischen Symptomen kommen.

In Deutschland kommen zudem zwei giftige Schlangenarten vor: die Kreuzotter (Vipera berus) und die Aspisviper (Vipera aspis). Bisse sind selten, können für Katzen jedoch schmerzhaft sein und eine tierärztliche Behandlung erforderlich machen.

Nacktschnecken übertragen darüber hinaus Lungenwürmer, verkleben das Mäulchen und können wie Regenwürmer und andere „Krabbeltiere“ für Verdauungsbeschwerden sorgen.

Verletzungen und Parasiten

Viele Beutetiere versuchen sich zudem zu verteidigen. Besonders Ratten können Katzen durch kräftige Bisse schwer verletzen. Wenn deine Katze regelmäßig jagt und häufiger Beute mit nach Hause bringt, lohnt sich deshalb gelegentlich ein kurzer Blick auf mögliche Verletzungen.

Kleine Wunden bleiben im Fell oft unbemerkt, können sich aber entzünden und später zu schmerzhaften Abszessen entwickeln. Hinweise darauf können zum Beispiel Humpeln, eine schmerzhafte Schwellung, Fieber oder eine plötzlich ungewöhnlich ruhige Katze sein. In solchen Fällen sollte vorsorglich eine Tierarztpraxis aufgesucht werden.

Über Beutetiere können außerdem Parasiten übertragen werden, etwa Würmer. Bei Katzen, die regelmäßig jagen und Beutetiere fressen, ist daher eine regelmäßige Entwurmung besonders wichtig.

Vergiftungsrisiken

Eine weitere Gefahr entsteht, wenn Beutetiere zuvor mit Giftstoffen in Kontakt gekommen sind. Besonders relevant sind hier Rattengifte. Viele dieser Wirkstoffe hemmen die Blutgerinnung, sodass betroffene Tiere innerlich verbluten können.

Ein weiterer Wirkstoff, der bei der Mäusebekämpfung eingesetzt wird, ist Alpha-Chloralose. Dieses Gift wirkt auf das zentrale Nervensystem und führt bei vergifteten Tieren zu neurologischen Störungen, Unterkühlung und Bewusstseinsstörungen. Frisst eine Katze ein vergiftetes Beutetier, kann es zu einer sogenannten Sekundärvergiftung kommen.⁵

Kann man verhindern, dass Katzen Beute nach Hause bringen?

Kann man Freigänger eigentlich vom Jagen abhalten? Nein, leider nicht. Der Jagdtrieb gehört zum natürlichen Verhalten der Katze und wird nicht nur durch Hunger ausgelöst. Mehr Futter in den Napf zu füllen sorgt daher selten dafür, dass der Haustiger plötzlich aufhört zu jagen. Im Zweifelsfall füttert man die Katze damit einfach nur dick.

Statt zu versuchen, das Jagen komplett zu unterbinden, ist es sinnvoller, der Katze andere Möglichkeiten zu geben, ihren Jagdtrieb auszuleben und den Jagddruck auf Wildtiere nach Möglichkeit etwas zu reduzieren.

Dabei können zum Beispiel folgende Maßnahmen helfen:

 

  • Hochwertiges Katzenfutter anbieten: Eine ausgewogene, vollständige Ernährung stellt sicher, dass der Energiebedarf der Katze gedeckt ist.
  • Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt anbieten: Katzen sind von Natur aus auf viele kleine Beutetiere eingestellt. Mehrere kleinere Mahlzeiten kommen diesem natürlichen Muster näher. Futterautomaten oder Futterspiele können dabei helfen.
  • Regelmäßig mit der Katze spielen: Kurze, häufige Spielphasen mit Federangel, Spielmaus oder ähnlichem bieten eine gute Möglichkeit, dass Katzen ihren Jagdtrieb ausleben können. Dabei sollte das natürliche Beuteverhalten so gut wie möglich imitiert werden.
  • Freigang möglichst sicher gestalten: Am sichersten für Katzen und Wildtiere ist gesicherter Freigang, zum Beispiel in einem katzensicheren Garten oder in einem Katzengehege. So kann die Katze Zeit draußen verbringen, ohne unkontrolliert zu jagen oder selbst in Gefahr zu geraten. Ungesicherter Freigang birgt für Katzen zahlreiche Risiken, etwa durch Straßenverkehr, Krankheiten oder Verletzungen durch andere Tiere.
  • Katzen kastrieren lassen: Katzen sollten generell kastriert werden, insbesondere bevor sie Freigang bekommen. Das verhindert unkontrollierte Vermehrung und reduziert meist auch das Streifverhalten.

Fazit

Wenn deine Katze ein Wildtier nach Hause bringt, ist das zunächst einmal ganz normales Katzenverhalten. Auch wenn solche Situationen für uns Menschen manchmal unangenehm oder stressig sind, hilft es meist am meisten, ruhig zu bleiben und die Lage Schritt für Schritt einzuschätzen.

Lebt das Tier noch, sollte es möglichst stressarm gesichert und bei Bedarf versorgt werden. Ist das Tier bereits tot, reicht in der Regel eine vorsichtige und hygienische Entsorgung.

Und auch wenn man das Jagdverhalten von Katzen nicht vollständig verhindern kann, lässt sich der Jagddruck durch Beschäftigung, passende Fütterung und bewusst gestalteten Freigang zumindest etwas reduzieren.

Häufige Fragen und Antworten (FAQ)

  • Was tun, wenn meine Katze ein Wildtier mit nach Hause bringt? Bleibe ruhig und sichere zunächst deine Katze, damit sie das Tier nicht weiter verletzt. Das Wildtier sollte vorsichtig mit Handschuhen aufgenommen und in eine dunkle, gut belüftete Box gesetzt werden. Anschließend kann eine Wildtierhilfe oder eine Tierarztpraxis kontaktiert werden, um das weitere Vorgehen abzuklären.
  • Warum bringt meine Katze Beute nach Hause? Katzen sind Einzeljäger und reagieren instinktiv auf Bewegungen und flüchtende Tiere. Auch gut gefütterte Katzen jagen deshalb weiterhin. Viele Katzen bringen ihre Beute an einen sicheren Ort – und das ist häufig das eigene Zuhause.
  • Überleben Vögel einen Angriff durch eine Katze? Auch wenn äußerlich keine Verletzungen sichtbar sind, können Katzenbisse schwere bakterielle Infektionen verursachen. Deshalb sollten Vögel nach Katzenkontakt möglichst schnell tierärztlich versorgt oder zu einer Wildtierhilfe gebracht werden.
  • Was tun, wenn meine Katze eine Fledermaus nach Hause bringt? Fledermäuse sollten niemals mit bloßen Händen angefasst werden. Sie stehen unter Artenschutz und können außerdem Krankheitserreger übertragen. Das Tier sollte möglichst stressarm gesichert und anschließend an eine Fledermausstation oder Wildtierhilfe übergeben werden.
  • Kann man verhindern, dass Katzen jagen? Das Jagdverhalten lässt sich meist nicht vollständig verhindern, da es zum natürlichen Verhalten der Katze gehört. Regelmäßiges Spielen, mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag und gesicherter Freigang können jedoch helfen, den Jagddruck etwas zu reduzieren.

Referenzen (u. a.)

Baker, P.J., Thompson, R. & Grogan, A. (2018) Survival rates of cat-attacked birds admitted to RSPCA wildlife centres in the UK: implications for cat owners and wildlife rehabilitators. Animal Welfare, 27(4), pp. 305–318. https://doi.org/10.7120/09627286.27.4.305

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) (o. J.): Infektionskrankheiten A–Z: Erkrankung durch das Bornavirus, [online] verfügbar unter: https://www.lgl.bayern.de/gesundheit/infektionsschutz/infektionskrankheiten_a_z/borna/index.htm [abgerufen am 12.04.2026].

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) (o. J.): Tollwut – Fledermaustollwut, [online] verfügbar unter: https://www.lgl.bayern.de/tiergesundheit/tierkrankheiten/virusinfektionen/tollwut/index.htm#fledermaustollwut [abgerufen am 12.04.2026].

Caro, T.M., 1980. Effects of the mother, object play, and adult experience on predation in cats. Behavioral and Neural Biology, 29(1), pp. 29–51. https://doi.org/10.1016/S0163-1047(80)92456-5

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Cordonnier, M., Perrot, A., Ferry, N., Bonnaud, E. & Baudry, E., 2023. Pet cat personality linked to owner-reported predation frequency. Ecology and Evolution, 13, e9651. https://doi.org/10.1002/ece3.9651.

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Lepczyk, CA, Fantle-Lepczyk, JE, Dunham, KD, Bonnaud, E, Lindner, J, Doherty, TS & Woinarski, JCZ 2023, ‚A global synthesis and assessment of free-ranging domestic cat diet‘, Nature Communications, vol. 14, no. 1, 7809, pp. 1-10. https://doi.org/10.1038/s41467-023-42766-6

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Robert Koch-Institut (RKI) (2024): Tularämie (Hasenpest, Francisella tularensis), [online] verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Infektionskrankheiten-A-Z/T/Tularaemie/Tularaemie-node.html [abgerufen am 12.04.2026].

Referenzen

Katzenpflanzen: Sind Palmkätzchen für Katzen giftig?

Katzenpflanzen

Sind Palmkätzchen für Katzen giftig?

Palmkätzchen gehören zu den ersten Vorboten des Frühlings und werden besonders rund um Ostern gerne als Dekoration in Wohnungen aufgestellt. Die flauschigen, silbrig schimmernden Blütenstände wirken harmlos und finden sich häufig in Vasen oder Frühlingssträußen. Für Katzenhalter*innen stellt sich jedoch schnell die Frage, ob Palmkätzchen für Katzen giftig sein können.

Gerade im Katzenhaushalt ist Vorsicht geboten, denn zahlreiche Pflanzen können bei Katzen zu gesundheitlichen Problemen führen. Einige Zimmer- und Gartenpflanzen und darunter auch viele Frühlingspflanzen sind hochgiftig und können bereits in kleinen Mengen schwere Vergiftungserscheinungen hervorrufen. Dazu zählt z. B. auch die Osterglocke. Daher ist es sinnvoll, sich vor dem Aufstellen von Pflanzen darüber zu informieren, ob sie für Katzen geeignet sind.

Palmkätzchen gelten im Allgemeinen als relativ ungefährlich für Katzen. Dennoch gibt es einige Punkte, die Katzenhalter*innen beachten sollten.

Palmkätzchen mit Marienkäufer

© Bild von Frauke Riether auf Pixabay

Herkunft der Palmkätzchen

Der Begriff „Palmkätzchen“ bezeichnet die flauschigen Blütenstände verschiedener Weidenarten aus der Gattung Salix, insbesondere der Sal-Weide (Salix caprea). Diese Pflanzen sind in großen Teilen Europas, Westasiens und Nordafrikas verbreitet und wachsen bevorzugt an Waldrändern, auf Lichtungen oder entlang von Gewässern.

Die Blüten erscheinen meist bereits im Spätwinter oder frühen Frühjahr, noch bevor sich die Blätter vollständig entwickeln. Durch ihren frühen Blühzeitpunkt sind Weiden eine wichtige Nahrungsquelle für zahlreiche Insektenarten, vor allem für Bienen. Entsprechend freut sich die Natur, wenn man die Palmkätzchen dort belässt und nicht mit in die Wohnung verbringt.

In vielen Regionen Europas haben Palmkätzchen zudem eine religiöse und kulturelle Bedeutung. Traditionell werden sie am Palmsonntag gesegnet und als Ersatz für Palmzweige verwendet, da echte Palmen in Mitteleuropa nicht heimisch sind.

Aussehen der Palmkätzchen

Palmkätzchen sind leicht an ihren charakteristischen, samtigen Blütenständen zu erkennen. Diese bestehen aus dicht stehenden Blüten, die von silbrig behaarten Knospenschuppen umgeben sind und dadurch besonders weich wirken.

Im Laufe der Blütezeit entwickeln sich aus den zunächst grauen Knospen gelbliche Blütenstände mit zahlreichen Pollen. Die Zweige der Weiden sind meist relativ biegsam und tragen längliche, leicht gezähnte Blätter, die sich erst nach der Blüte vollständig entfalten.

Gerade wegen ihres dekorativen Aussehens werden Palmkätzchen häufig als Frühlingsdekoration in Wohnungen verwendet. Für Katzen können die beweglichen Zweige allerdings auch einen starken Spielreiz darstellen.

Sind Palmkätzchen giftig für Katzen?

Weidenarten der Gattung Salix, zu denen auch Palmkätzchen gehören, gelten nach aktuellem Wissensstand nicht als stark giftig für Katzen. In veterinärmedizinischen Giftpflanzen-Datenbanken werden sie nicht als typische Ursache für Pflanzenvergiftungen bei Katzen geführt.

Dennoch enthalten Weiden verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe, insbesondere Salicin. Diese Verbindung wird im Körper zu Salicylsäure umgewandelt und ist chemisch verwandt mit dem Wirkstoff der Acetylsalicylsäure.

Bei gelegentlichem Knabbern kleiner Mengen sind normalerweise keine Vergiftungserscheinungen zu erwarten. Allerdings sollte der Verzehr größerer Mengen vermieden werden. Katzen können Salicylate nur eingeschränkt abbauen, weshalb eine regelmäßige oder chronische Aufnahme theoretisch zu gesundheitlichen Problemen führen könnte, etwa zu einer erhöhten Blutungsneigung.

Giftige Pflanzenteile der Palmkätzchen

Grundsätzlich gelten Palmkätzchen als nur schwach problematisch für Katzen. Bestimmte Pflanzenteile enthalten jedoch höhere Konzentrationen an Inhaltsstoffen.

Potenziell relevante Pflanzenteile sind vor allem:

  • Rinde
  • junge Zweige
  • Knospen und Blütenstände

Diese Pflanzenteile enthalten unter anderem Salicin und andere phenolische Verbindungen, die bei sehr hohen oder wiederholten Aufnahmemengen theoretisch unerwünschte Wirkungen hervorrufen könnten.

Ein gelegentliches Knabbern stellt normalerweise kein gesundheitliches Risiko dar. Eine Aufnahme im Übermaß sowie eine chronische Einnahme sollten jedoch vermieden werden, da Salicylate theoretisch die Blutgerinnung beeinflussen und die Blutungsgefahr erhöhen könnten.

Mögliche Gesundheitsprobleme bei Katzen durch Palmkätzchen

Auch wenn Palmkätzchen grundsätzlich als relativ ungefährlich gelten, können beim Fressen oder Kauen der Zweige dennoch gesundheitliche Probleme auftreten.

Mögliche Symptome sind beispielsweise:

  • Erbrechen
  • Durchfall
  • vermehrter Speichelfluss
  • leichte Magen-Darm-Reizung

Diese Beschwerden entstehen meist durch pflanzliche Fasern oder durch sekundäre Pflanzenstoffe, die den Verdauungstrakt reizen können.

Ein weiteres mögliches Risiko besteht durch die holzigen Zweige der Weide. Beim Kauen können kleine Splitter entstehen, die zu Verletzungen im Maul führen oder verschluckt werden.

Darüber hinaus sollten Katzenhalter bedenken, dass dekorative Zweige manchmal mit Pestiziden oder Konservierungsmitteln behandelt sein können. Diese stellen unter Umständen ein größeres Risiko dar als die Pflanze selbst.

Vorsichtsmaßnahmen im Katzenhaushalt

Auch wenn Palmkätzchen für Katzen als relativ ungefährlich gelten, empfiehlt es sich, einige Vorsichtsmaßnahmen zu treffen und dafür zu sorgen, dass sich die Katze nach Möglichkeit nicht an den Palmkätzchen vergreifen kann..

    • Palmkätzchen möglichst außer Reichweite der Katze aufstellen
    • keine mit Pestiziden behandelten Zweige verwenden
    • Katzen nicht mit den Zweigen spielen lassen

Zeigt eine Katze nach Kontakt mit Pflanzen Symptome wie Erbrechen, Durchfall oder ungewöhnliches Verhalten, sollte vorsichtshalber ein Tierarzt oder eine Tierärztin kontaktiert werden.

Merke-Katze

Häufige Fragen (FAQ)

  • Sind Palmkätzchen für Katzen giftig?Palmkätzchen gelten allgemein als nicht stark giftig für Katzen. Gelegentliches Knabbern kleiner Mengen führt normalerweise nicht zu Vergiftungen. Katzen sollten jedoch keine größeren Mengen der Pflanze oder im besten Fall keine Teile der Pflanze fressen.
  • Welche Pflanzenteile der Palmkätzchen sind problematisch? Vor allem die Rinde, junge Zweige sowie Knospen und Blütenstände enthalten Salicin und andere sekundäre Pflanzenstoffe. Diese können prinzipiell gesundheitliche Probleme verursachen.
  • Was passiert, wenn eine Katze Palmkätzchen frisst? In den meisten Fällen passiert nichts. Gelegentlich können leichte Magen-Darm-Beschwerden wie Erbrechen, Durchfall oder vermehrter Speichelfluss auftreten.
  • Können Palmkätzchen bei Katzen Blutungsprobleme verursachen? Weiden enthalten Salicin, eine Vorstufe der Salicylsäure. Bei sehr hohen oder chronischen Aufnahmemengen könnten Salicylate grundsätzlich die Blutgerinnung beeinflussen. 

Katzen päppeln – wenn die Katze zunehmen muss

Gesundheit

Katzen päppeln - wenn die Katze zunehmen muss

Gewichtsverlust bei Katzen beginnt oft unauffällig. Die Katze frisst ein wenig schlechter, wirkt ruhiger oder ihr Fell verliert an Glanz  und erst nach einiger Zeit merkt man, wie viel sie wirklich abgenommen hat.

Die möglichen Ursachen sind vielfältig: Erkrankungen oder Parasiten wie Giardien und Würmer, Zahnprobleme, aber auch besondere Lebenssituationen wie Trächtigkeit, Kittenaufzucht oder sogar Käfigruhe können ursächlich sein. Oder es handelt sich um Katzen, die zuvor unter schlechten Bedingungen leben mussten und bereits abgemagert aufgefunden werden, sodass Päppeln notwendig wird.

Bei der Wahl des passenden Ansatzes kommt es hier ein wenig darauf an, ob die Katze eigentlich gut frisst aber trotzdem an Gewicht zulegen muss oder ob sie das Futter ganz oder teilweise verweigert. Für beide Szenarien findest du im Folgenden verschiedene Ansätze.

Wenn du mehr Orientierung brauchst, findest du im nächsten Abschnitt zunächst einige Grundlagen, wie du Untergewicht bei Katzen erkennst und wann und wie schnell tierärztliche Abklärung notwendig ist. Falls du eine schnelle Hilfestellung brauchst, kannst du hier aber auch direkt zu den Päppeltricks für Katzen springen.

dünne, kränklich wirkende Katze sitzt im Freien im Schatten, mit struppigem Fell und sichtbarem Untergewicht

Eine stark abgemagerte Katze – ein Beispiel dafür, wann dringend Unterstützung beim Fressen und Zunehmen nötig ist.

Untergewicht bei Katzen erkennen…

Bevor wir einschätzen können, welche Maßnahmen sinnvoll sind, lohnt es sich genauer hinzusehen, ob deine Katze tatsächlich untergewichtig ist. Das ist im Alltag gar nicht so einfach. Viele Katzen nehmen über Wochen oder Monate langsam ab, sodass es zunächst kaum auffällt. Andersherum werden normalgewichtige oder schlanke Katzen manchmal für untergewichtig gehalten, obwohl sie es nicht sind, einfach weil heute so viele Katzen übergewichtig sind, dass ein etwas pummeligerer Körperbau als normal angesehen wird. Zudem übersieht man speziell eine schleichende Gewichtsabnahme schnell, weil man die eigene Katze jeden Tag sieht und kleine Veränderungen so leicht übersehen werden.

Eine gute Orientierung bieten hier der Body Condition Score (BCS) und der Muscle Condition Score (MCS). Vom BCS existieren zwei gebräuchliche Systeme (1–5 und 1–9), die aber beide nach dem gleichen Prinzip funktionieren: Niedrige Werte zeigen Untergewicht an, mittlere Normalgewicht und höhere Werte Übergewicht. Beim MCS wird der Zustand der Muskulatur unabhängig vom Körperfett bewertet. Den Muscle Condition Score neben dem Body Condition Score zu bewerten, ist wichtig, da gerade ältere oder chronisch kranke Katzen häufig zuerst Muskulatur verlieren.

Typische Anzeichen für Untergewicht können sein:

  • Die Rippen und bei sehr untergewichtigen Tieren auch Beckenknochen und Rückenwirbel sind (deutlich sichtbar)
  • Schmale Taille
  • Verlust von Muskelmasse
  • Kein bis kaum Bauchfett
  • Die Bauchlinie ist sehr stark bis deutlich eingezogen.

Falls du dir unter der Beschreibung nur wenig vorstellen kannst: In dieser übersichtlichen Darstellung zum Body Condition Score und Muscle Condition Score bei Katzen findest du beide Systeme mit Bildern und Beispielen erläutert.1Dechra Veterinary Products Deutschland GmbH (o. J.) Beurteilung des Ernährungszustandes einer Katze: Body Condition Score (BCS) & Muscle Condition Score (MCS). Verfügbar unter: https://tierhalter.dechra.de/Files/Images/Countries/DE_Petowner_concept/Pri_Katze_Zustand.pdf
(Abgerufen am: 23. November 2025).

Speziell bei Langhaarkatzen ist der optische Eindruck oft wenig zuverlässig, da das Fell Unebenheiten verdeckt. Hier ist vorsichtiges Abtasten wesentlich aussagekräftiger als der Blick auf die Silhouette.

Regelmäßig wiegen lässt Veränderungen rechtzeitig erkennen

Weil man die eigene Katze täglich sieht, übersieht man subtile Veränderungen schnell. Regelmäßiges Wiegen hilft, Gewichtsverlust (oder auch Gewichtszunahme) früh zu erkennen. Bei gesunden erwachsenen Katzen ist hier in der Regel ein monatlicher Check ausreichend, während Kitten, ältere Katzen und Tiere mit chronischen Erkrankungen häufiger kontrolliert werden sollten. Am besten erstellst du dir hier eine Gewichtskurve.

Du bist dir unsicher, ob deine Katze zu dünn ist oder Muskulatur verliert? In deiner Tierarztpraxis kann man dir bei der Einschätzung helfen.

Um bei Tierarztpraxis zu bleiben: Im nächsten Schritt beschäftigen wir uns damit, wann eine tierärztliche Untersuchung sinnvoll oder notwendig ist.

Wann tierärztliche Abklärung notwendig ist…

Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, regelmäßiges Mäkeln oder völlige Futterverweigerung gehören bei Katzen immer zeitnah tierärztlich abgeklärt. Katzen zeigen Krankheitszeichen häufig erst spät, und viele Ursachen lassen sich nur durch tierärztliche Untersuchung und ggf. weiterführende Diagnostik (z. B. Blutuntersuchung, bildgebende Verfahren) erkennen. Päppeln allein reicht dann nicht aus.

Bevor du mit Päppelmaßnahmen beginnst, sollte immer eine Tierärztin oder ein Tierarzt prüfen, warum deine Katze abnimmt oder schlecht frisst. Das ist wichtig, weil nicht jede Maßnahme für jede Katze geeignet ist – besonders bei Kitten, Senioren oder Tieren mit chronischen Erkrankungen.

Damit du besser einschätzen kannst, wie schnell eine Vorstellung in der Tierarztpraxis oder Tierklinik notwendig ist, findest du hier eine kurze Orientierung.

Sehr zeitnah zum Tierarzt

Es gibt Situationen, in denen Katzen schnell tierärztliche Hilfe brauchen. Das gilt vor allem dann, wenn zusätzlich zum Gewichtsverlust oder dem verminderten Appetit weitere Warnsignale auftreten oder die Katze gar nicht mehr frisst. Folgende Fälle sollten immer als dringlich eingestuft werden:

  • Die Katze frisst seit 24 Stunden oder länger gar nichts. Katzen vertragen keine längeren Hungerphasen. Schon kurze Nüchternheit kann das Risiko einer hepatischen Lipidose (Fettleber) erhöhen. Besonders Kitten, übergewichtige Katzen sowie Tiere mit chronischen Erkrankungen können bereits nach 12-24 Stunden ohne Nahrung ernsthafte Probleme entwickeln.
  • Es treten zusätzliche besorgniserregende Symptome auf. Erbrechen, Durchfall, Fieber, deutliche Mattigkeit, vermehrtes Trinken, sichtbare Schmerzen oder ein auffälliges Atemverhalten sind einige der Alarmzeichen, bei denen du schnell aufmerksam werden solltest. Die Kombination aus Appetitverlust und einem weiteren Symptom sollte immer zeitnah tierärztlich abgeklärt werden.
  • Der Gewichtsverlust ist plötzlich und deutlich sichtbar. Rasche Abnahme innerhalb weniger Tage ist immer ein Warnsignal und sollte immer tierärztlich untersucht werden.
  • Kitten, alte Katzen oder chronisch kranke Tiere fressen schlecht oder nehmen ab. Diese Tiere bauen schneller ab als gesunde erwachsene Katzen. Wenn sie weniger fressen, gar nicht fressen oder sichtbar abnehmen, sollte möglichst schnell eine tierärztliche Untersuchung erfolgen.
  • Es liegen bekannte Vorerkrankungen vor. Bei Katzen mit CNI, Diabetes, Pankreatitis, Schilddrüsenerkrankungen oder Leberproblemen ist Appetitverlust grundsätzlich ein ernstes Zeichen. Schon kleine Veränderungen im Fressverhalten können hier auf eine Verschlechterung hinweisen.

Wann du ggf. erstmal kurzzeitig beobachten kannst…

In manchen Situationen kannst du deine Katze zunächst über einen sehr kurzen Zeitraum zu Hause beobachten. Verbessert sich der Appetit nicht nach kurzer Zeit wieder oder wirst du unsicher, solltest du zeitnah einen Termin in der Tierarztpraxis vereinbaren. Gewichtsverlust und schlechtes Fressen (auch häufiges Mäkeln) müssen immer tierärztlich abgeklärt werden.

  • Die Katze frisst weniger, aber nicht komplett gar nicht. Leichter Appetitverlust kann z. B. durch Stress, Hitze, Futterwechsel oder kleinere Probleme im Magen-Darm-Trakt entstehen.
  • Der Gewichtsverlust ist eher schleichend und nicht akut aufgefallen. Eine tierärztliche Abklärung ist trotzdem sehr zeitnah sinnvoll, aber nicht innerhalb von 24 Stunden notwendig. Also kein Fall für den Notdienst, aber schon etwas, das zeitnah untersucht werden sollte.
  • Die Katze verhält sich ansonsten normal. Sie ist aktiv, bewegt sich, putzt sich, trinkt und zeigt keine zusätzlichen Symptome.
  • Es gibt eine nachvollziehbare harmlose Ursache, z. B. eine Impfung, ein stressreicher Tag, Besuch oder Umzug. In solchen Fällen kann der Appetit vorübergehend vermindert sein.

Wichtig: Wenn du unsicher bist oder dein Bauchgefühl sagt, dass „irgendetwas nicht stimmt“, ist es immer besser, die Katze einmal zu früh tierärztlich vorzustellen, als einmal zu spät. Katzen kompensieren lange und zeigen Krankheitszeichen oft erst spät. Gerade Zahnprobleme können sich sehr unspezifisch zeigen und sind in ihrem ganzen Ausmaß erst durch geeignete bildgebende Verfahren, i. d. R. intraorales Röntgen (Dentalröntgen), beurteilbar. Dass eine Katze noch frisst, heißt NICHT, dass sie kein Problem mit den Zähnen hat.

Allgemeine Hinweise zur Fütterung von untergewichtigen Katzen

Untergewicht bei Katzen kann viele Ursachen haben, die wie bereits erwähnt tierärztlich abgeklärt werden sollten. Grundsätzlich gilt: Damit eine untergewichtige Katze wieder zunimmt, muss sie mehr Energie aufnehmen, als sie verbraucht. Am besten gelingt das mit hoch verdaulichem Futter mit hoher Energiedichte, das in mehreren kleinen Mahlzeiten über den Tag verteilt angeboten wird.

Damit die Katze das Futter gut akzeptiert, sollte es möglichst schmackhaft sein. Bei Bedarf kann man es mit kleinen, geeigneten Schmankerln etwas attraktiver machen. Welche Futterzusätze, Spezialfuttermittel, Päppelnahrungen oder Hausmittel hier infrage kommen, erkläre ich weiter unten genauer.

Die Energiedichte des Futters wird langsam erhöht, besonders im Hinblick auf den Fettgehalt. Nur den Fettanteil zu steigern ist dabei nicht sinnvoll. Ziel ist eine langsame und gesunde Gewichtszunahme und damit einhergehend der Aufbau von Muskulatur. Als Orientierung empfiehlt sich eine stetige, sanfte Steigerung von etwa ein Prozent des aktuellen Körpergewichts pro Woche.

Wichtig: Katzen richtig anfüttern!!!

Wenn eine Katze während einer Erkrankung längere Zeit wenig oder gar nichts gefressen hat oder stark abgemagert gefunden wurde, möchte man sie natürlich schnell wieder aufpäppeln. Hier ist aber Vorsicht geboten. Eine zu rasche Fütterung nach einer Hungerphase kann das sogenannte Refeeding-Syndrom auslösen. Dabei geraten wichtige Mineralstoffe wie Phosphat, Kalium und Magnesium aus dem Gleichgewicht, was wiederum zu ernsthaften Problemen führen kann, etwa zu Herzrhythmusstörungen oder einer hämolytischen Anämie. 2Ernährung von Intensivpatienten. In: Iben C, Liesegang A, Wichert B, Wolf P, Hrsg. Ernährung der Katze – Grundlagen – Fütterung – Diätetik. 1. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2021.

Deshalb sollte eine Katze nach einer Hungerphase immer langsam und kontrolliert wieder an Nahrung gewöhnt werden. Fachliche Empfehlungen raten dazu, bei stark geschwächten Katzen zunächst mit etwa 20 bis 25 Prozent des Ruheenergiebedarfs (RER) zu beginnen und die Menge in den folgenden Tagen schrittweise zu erhöhen.3Taylor, S.S., Chan, D.L., Villaverde, C. et al. (2022): 2022 ISFM consensus guidelines on management of the inappetent hospitalised cat. Journal of Feline Medicine and Surgery, 24(7), 614–640. Verfügbar unter: https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/1098612X221106353 (Abgerufen am: 30. November 2025).

So füttert man eine geschwächte oder untergewichtige Katze richtig an:

  • mit sehr kleinen Portionen beginnen, etwa 20 bis 25 Prozent des RER am ersten Tag 4Der sogenannte Ruheenergiebedarf (RER) beschreibt die Energiemenge, die eine Katze in völliger Ruhe benötigt, um grundlegende Körperfunktionen aufrechtzuerhalten. Die Berechnung erfolgt nach einer veterinärmedizinischen Formel, die in Fachquellen festgelegt ist. Da die benötigte Futtermenge je nach Katze und Futtersorte individuell unterschiedlich ausfällt, lässt sich an dieser Stelle keine verlässliche Grammangabe machen. Bitte frag im Zweifel deine Tierärztin oder deinen Tierarzt, mit welcher Menge du bei deiner Katze am besten starten solltest.
  • die Futtermenge über mehrere Tage (4-10) langsam steigern
  • gut verdauliches, proteinreiches Futter verwenden

Eine Katze in diesem Zustand sollte engmaschig tierärztlich begleitet werden, damit mögliche Komplikationen früh erkannt und die Gewichtszunahme sicher überwacht werden kann.

Tipps zum Katzen päppeln

Im Folgenden habe ich verschiedene Maßnahmen und Produkte zusammengestellt, die dir – wenn die Katze nicht frisst – beim Päppeln helfen können. Es handelt sich dabei überwiegend um Produkte, mit denen ich selbst gute Erfahrungen gesammelt habe und daher auch wirklich empfehlen kann.

Wichtig:

  • Zugrundeliegende oder begleitende Probleme wie Übelkeit oder Schmerzen müssen im Vorfeld und/oder begleitend tierärztlich behandelt werden, wenn man die Katze zum Fressen animieren will.
  • Neue Zusätze sollten immer langsam eingeführt werden, um zu sehen, ob sie von der Katze gut vertragen und akzeptiert werden.
  • Sprich die Gabe von Futterzusätzen und anderen Päppelmitteln außerdem  immer mit der behandelnden Tierärztin bzw. dem behandelnden Tierarzt ab, insbesondere bei kranken, geschwächten, alten Katzen oder Kitten.

Katzen päppeln mit Futterzusätzen

verschiedene Futterzusätze und Snacks für Katzen, darunter Brühe, Probiotika und Leckerli zur Unterstützung beim Päppeln

Futterzusätze wie Brühen, Probiotika oder gefriergetrocknete Snacks können Appetit und Verdauung unterstützen.

Im Fachhandel oder auch in der heimischen Küche finden sich verschiedene Mittelchen, mit denen der Appetit von Katzen angeregt werden kann und die zum Teil auch gut zum Katzen päppeln hergenommen werden können, da sie nicht nur die Akzeptanz des Futters verbessern, sondern das Futter in der Päppelphase teilweise auch energiereicher gestalten können.

  • Kittenaufzuchtmilch (Pulver zur Aufzucht von Katzenkindern, nicht die fertige Katzenmilch aus dem Supermarkt): Kann den Geruch und Geschmack des Futters attraktiver gestalten. Eine dünne Schicht Pulver oder eine kleine angerührte Menge reichen oft aus. Ich arbeite hier gerne mit KMR, Carnilac oder FarmFood No. 1.
  • Salzarme, ungewürzte Hühnerbrühe: Hühnerbrühe kann zur Appetitanregung hilfreich sein oder wenn Katzen eine flüssigere Konsistenz bevorzugen. Die Brühe sollte immer ohne Gewürze und maximal leicht gesalzen sein. Hier findet ihr eine detaillierte, bebilderte Kochanleitung für eine Hühnerbrühe für kränkelnde Katzen.
  • Thunfischwasser: Die Flüssigkeit aus den Thunfischdosen im eigenen Saft wird häufig gut akzeptiert. Schon wenige Tropfen reichen meist, um den Geruch zu intensivieren. Bei empfindlichen Katzen bitte sparsam verwenden.
  • Katzen-Smoothies und Katzendrinks: Flüssige Katzenleckereien wie z. B. Miamor Trinkfein oder Flüssigfleischnahrung wie z. B. Tjure können die Akzeptanz des Futters erhöhen und bringen zudem ein wenig Flüssigkeit ins Futter.
  • Bierhefeflocken: Viele Katzen finden den Geschmack von Bierhefeflocken sehr attraktiv. Jedoch werden sie nicht von allen Haustigern vertragen. Daher eher vorsichtig einführen.
  • Tierische Fette wie Geflügelfett oder Rinderfettpulver können sowohl den Geruch als auch die Energiedichte verbessern. Was erfahrungsgemäß gut funktioniert, ist Gänseschmalz (ohne Gewürze, ohne Zwiebeln), das erwärmt einen Geruch verströmt, der ein wenig an Brathähnchen bzw. gebratene Gans erinnert. Auch bei Fett sollte man eher vorsichtig sein und die Gabe ggf. mit der Tierärztin/dem Tierarzt abstimmen. Maximal ein Teelöffel pro Tag, verteilt auf mehrere Portionen, reicht in der Regel aus.
  • Prä-/Probiotika: Wenn die Katze zunehmen muss, sollten Nährstoffe natürlich im Darm möglichst gut aufgenommen werden und die Verdauung reibungslos funktionieren. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass das Mikrobiom nicht nur durch Stress beeinflusst wird, sondern dass es selbst auch Einfluss auf Stressreaktionen hat (Stichwort: gut-brain axis). 5 Dodd, S. (2023). Small animal microbiomes and nutrition (S. 65-67). Newark: John Wiley & Sons, Incorporated.. Es ist daher immer eine gute Idee, dem Mikrobiom etwas Gutes zu tun. Ein Produkt, das hier eingesetzt werden kann und häufig auch appetitanregende Wirkung hat ist PURINA PRO PLAN Feline FortiFlora®. Alternativ können auch andere Probiotika wie z. B. SivoMixx hergenommen werden, um das Mikrobiom der Katze zu unterstützen.
  • Fortan Fortain: Funktioniert bei Katzen, die es lieben, oft gut. Sollte aber auch eher sparsam und in Absprache mit der Tierarztpraxis eingesetzt werden.
  • Katzenleckerli: Können feingebröselt über dem Futter die Akzeptanz erhöhen. Das klappt oftmals mit gefriergetrockneten Katzenleckerlis gut. Es können aber auch andere Snacks oder Katzenfutter-Toppings aus dem Zoofachhandel hergenommen werden, die in vielen verschiedenen Varianten und Geschmacksrichtungen verfügbar sind.
  • gedünstetes Gemüse: Unterschiedliche Katzen haben unterschiedliche Vorlieben. So gibt es auch Katzen, die gedünstetes Gemüse sehr attraktiv finden, so dass man damit in kleinen Mengen das Futter aufwerten kann. Was häufig gut geht, ist Kürbis und Karotte. Diese kann man als Babygläschen kaufen (Achtung: Die reinen Gemüsegläschen für „ab dem 5. Monat“ verwenden), man kann aber Gemüse natürlich auch selbst dünsten und dann in Eiswürfelformen einfrieren.
  • Zur Fütterung geeignete Katzenminze: Funktioniert individuell sehr unterschiedlich, kann aber bei einigen Katzen das Interesse am Futter erhöhen. Futtertaugliche Katzenminze gibt es z. B. bei lillysbar.de.

Wichtig: Futterzusätze ersetzen kein ausgewogenes Alleinfuttermittel. Es ist wichtig, dass der Hauptteil der Nahrung nach wie vor aus einem bedarfsdeckenden Alleinfuttermittel besteht. Ergänzungsfuttermittel und Leckerli sind nicht bedarfsdeckend. Hier drohen Nährstoffmängel.

Katzen päppeln mit Spezialfuttermitteln

Spezialfutter für geschwächte Katzen: Hill’s Prescription Diet On-Care und Royal Canin Recovery

Spezialfutter wie Hill’s On-Care oder Royal Canin Recovery erleichtert geschwächten Katzen die Nährstoffaufnahme.

Über deine Tierarztpraxis oder den (Online-)Fachhandel können auch verschiedene Spezialfuttermittel für Katzen in der Rekonvaleszenz und zur Gewichtszunahme bezogen werden. Diese Futtersorten sind leicht verdaulich, haben eine hohe Energie- und Nährstoffdichte und verfügen meist über eine weiche, gut aufzunehmende Konsistenz. Dadurch muss die Katze im Vergleich zu normalem Katzenfutter eine geringere Menge fressen, um trotzdem ausreichend Kalorien und Nährstoffe zu erhalten. Das ist ein großer Vorteil, wenn die Katzen schlecht fressen und nur geringe Futtermengen aufnehmen (können).

Im Folgenden findest du eine Übersicht über häufig genutzte Spezialfuttermittel (alphabetisch sortiert):

  • Hill’s a/d
  • Hill’s Prescription Diet ON-Care
  • Kattovit Aufbaukur / Recovery
  • Royal Canin Recovery
  • Specific F C IN W Intensive Support
  • Vet-Concept Cat Revital

Diese Futtersorten sind als Übergangslösung gedacht, nicht für die dauerhafte Fütterung. Generell gilt auch hier: Die Gabe sollte immer mit der behandelnden Tierärztin / dem behandelnden Tierarzt abgesprochen werden.

Häufig gibt es in der Tierarztpraxis auch die Möglichkeit, erst einmal nur eine Dose zu erwerben oder Proben zu erhalten. Das ist praktisch, da der Geschmack der Katzen ja individuell unterschiedlich ist und man manchmal ein wenig ausprobieren muss, bis man das passende Spezialfutter gefunden hat.

Kittenfutter als Zwischenlösung:

Wenn Spezialfutter kurzfristig nicht verfügbar ist oder deine Katze es nicht akzeptiert, kann hochwertiges Kittenfutter eine sinnvolle Alternative sein. Es ist energiedichter als Adultfutter, meist sehr schmackhaft und wird häufig gut gefressen. Sobald sich der Zustand verbessert, sollte jedoch wieder auf ein reguläres Adultfutter umgestellt werden.

Trockenfutter als Päppelfutter?

Trockenfutter besitzt im Vergleich zu Nassfutter eine höhere Energiedichte, wodurch die Katze eine geringere Menge aufnehmen muss, um ihren Energiebedarf zu decken. Das kann ein Vorteil bei Katzen sein, die nur kleine Portionen fressen und zunehmen sollen. Zudem hat es oft eine gute Akzeptanz. Allerdings decken Katzen ihren Flüssigkeitsbedarf überwiegend über die Nahrung 6Grundlagen. In: Bolbecher G, Hrsg. Ganzheitliche Ernährung für Hund und Katze. 1. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2020. und eine ausreichende Versorgung mit Flüssigkeit ist auch für unsere Haustiger wichtig. Eine reine Trockenfutterfütterung ist daher nicht optimal.

Trockenfutter kann jedoch durchaus als ergänzende Komponente in den Futterplan integriert werden, wenn keine gesundheitlichen Gründe dagegen sprechen.

Folgende Einsatzmöglichkeiten sind z. B. denkbar:

  • als Teil der täglichen Futterration, wenn die Katze fit genug ist gerne auch in Form von Activity Feeding
  • gemörsert als Topping über das Nassfutter
  • anstelle von Leckerli

Ein Trockenfutter, das nach meiner Erfahrung auch dann häufig noch gefressen wird, wenn sonst nichts mehr akzeptiert wird, ist RENAL SELECT von Royal Canin. Das Futter ist jedoch speziell für nierenkranke Katzen konzipiert. Insbesondere bei Katzen ohne diagnostiziertem Nierenproblem sollte die Gabe daher auf jeden Fall vorab mit der Tierärztin oder dem Tierarzt abgesprochen werden.

Katzen päppeln mit appetitanregenden Päppelmitteln

hochkalorische Päppelpräparate für Katzen, darunter Reconvales Energy und eine Lachs-Päppelpaste

Hochkalorische Präparate wie Reconvales® Energy oder Päppelpasten regen Appetit und Energieaufnahme an.

In der Tierarztpraxis oder auch in verschiedenen Online-Shops kannst du unterschiedliche Päppelmittel erwerben, die den Appetit anregen und/oder deine Katze gleichzeitig mit Energie und wichtigen Nährstoffen versorgen können, wenn sie ihr gewohntes Futter nicht mehr frisst. Die Produkte sind in flüssiger Form sowie als Pasten oder Gels erhältlich.

Einige gängige Präparate, alphabetisch sortiert:

  • Aufbaukur / Recovery Drink (Kattovit)
  • Bioserin Serumprotein (WDT)
  • Calo-Pet® (Vétoquinol)
  • Immun Tonicum (RECOACTIV)
  • Liquidocare Appetitanreger Katze
  • Nutribound Katze (Virbac)
  • Nutri-Cal (Dechra)
  • Nutri-Plus-Gel (Virbac)
  • ReConvales Energy (alfavet)
  • ReConvales Päppelpaste (alfavet)
  • ReConvales Power (alfavet)
  • ReConvales Tonicum Katze (alfavet)
  • Recovery Immun (RECOACTIV)
  • Recovery Liquid (Royal Canin)
  • Recovery Liquid CCL (Trovet)
  • RecoVital Tonicum Katze (Virbac)
  • Tomlyn Nutri-Cal

Viele dieser Produkte schmecken Katzen sehr gut und können so den Appetit anregen. Manchmal sind sie zu Beginn das Einzige, was überhaupt gefressen wird. Welche Präparate eine Katze annimmt, ist allerdings sehr unterschiedlich und man muss oft ein wenig ausprobieren, wenn die Katze das Fressen verweigert.

Wichtig: Päppelmittel sind immer nur für den kurzfristigen Einsatz gedacht. Das Ziel ist, deine Katze so schnell wie möglich wieder auf ein vollwertiges Alleinfutter umzustellen.

Achte außerdem darauf, dass die Gabe zur gesundheitlichen Situation deiner Katze passt. Besprich daher am besten immer mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt, welche Produkte geeignet sind und ob sie nur den Appetit anregen oder auch zur Energie- und Nährstoffversorgung beitragen. Die Päppelmittel können im Anschluss unter genauer Berücksichtigung der angegebenen Fütterungshinweise ggf. während der Rekonvaleszenz auch weiterhin zusätzlich zum Hauptfutter gegeben werden.

Katzen päppeln mit Gutem aus der Küche

Schale mit milchiger Flüssigkeit,  Babygläschen mit Rind und Joghurt – Beispiele für schonende Küchenzutaten zum Päppeln von Katzen

Schonende Küchenzutaten wie Babybrei oder Joghurt können Katzen bei der Rekonvaleszenz helfen.

Neben den genannten Futtermitteln kann man Gewichtszunahme und Futteraufnahme auch durch „Menschenessen“ fördern, soweit es vertragen wird.

Milch und Milchprodukte

Milch und Milchprodukte mögen viele Katzen gerne. Sie sind eiweißreich, das Protein besitzt eine hohe biologische Wertigkeit und sie sind hochverdaulich. Zudem kann die Gabe von laktosehaltigen Milchprodukten insbesondere auch bei Katzen mit Leber- oder Nierenproblemen vorteilhaft sein.

Warum können Katzen mit Leber- und Nierenproblemen von Milchprodukten profitieren?

Beim Abbau von Lactose oder Lactulose entstehen kurzkettige Fettsäuren und Milchsäure, die eine pH-Wert-Reduktion im Darm bewirken können, wodurch Ammoniak (NH3) vermehrt zu Ammonium (NH4+) umgewandelt und mit dem Kot ausgeschieden wird. 7Niereninsuffizienz. In: Zentek J, Hrsg. Ernährung des Hundes – Grundlagen – Fütterung – Diätetik. 9., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2022. So werden Leber und Nieren entlastet, da Ammoniak ansonsten in der Leber zu Harnstoff entgiftet und dann über die Nieren ausgeschieden werden müsste, was bei geschädigter Leber und geschädigten Nieren nur noch bedingt funktioniert.

Was aber problematisch sein kann: In Milch ist Laktose (Milchzucker) enthalten. Damit diese verdaut werden kann, benötigt der Darm das Enzym Laktase in ausreichendem Umfang. Die Produktion des Enzyms geht jedoch nach Absetzen der Katzenwelpen und der Umstellung auf feste Nahrung nach und nach zurück und bleibt dann auch gering. Das bedeutet, dass Lactose nicht mehr so gut abgebaut werden kann, was wiederum zu Durchfällen führen kann.

Daher sollte deine Katze pro Tag nicht mehr als 2 g Laktose/ kg Körpergewicht erhalten. Kuhmilch enthält etwa 50 g Laktose /kg uS, entsprechend ist mehr als 40 ml Milch / kg Körpergewicht nicht zu empfehlen. Starte hier aber lieber vorsichtig mit geringeren Mengen. Joghurt, Quark oder Hüttenkäse enthalten deutlich weniger Laktose, daher sind hier rein auf den Laktosegehalt bezogen auch größere Mengen möglich. 8Grundlagen der Fütterung. In: Iben C, Liesegang A, Wichert B, Wolf P, Hrsg. Ernährung der Katze – Grundlagen – Fütterung – Diätetik. 1. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2021. Eine denkbare Alternative wäre die Gabe von laktosefreien Produkten.

Fleisch und andere tierische Produkte

  • Selbst für die Katze kochen:
    Wenn Diätfuttermittel wie die bereits genannten nicht akzeptiert oder gewünscht werden, gibt es auch die Möglichkeit, selbst für die Katze zu kochen.Hier könnte man als Proteinquelle ggf. mit Lammhack (gibt es beim türkischen Metzger) arbeiten, das recht energiereich ist und oft gut akzeptiert wird. Auch gekochtes Hühnchen oder gedünstetes Fischfilet funktionieren häufig gut. Bitte keine Knochen oder Gräten mitverfüttern.
  • Babynahrung: Babynahrung im Gläschen wird von vielen Katzen sehr geliebt und lässt sich auch gut schlecken oder per Spritze füttern, wenn die Katze gerade nichts Festes aufnehmen kann oder möchte. Hier können die Fleisch-Zubereitungen mit Huhn oder Rind verwendet werden. Es wird immer wieder kritisiert, dass diese neben Fleisch auch Reismehl enthalten, das ist aber in dieser Situation durch die oftmals wirklich herausragende Akzeptanz und die schnelle Verfügbarkeit vernachlässigbar.
  • Eier: Eier sind eiweißreich. Das Protein besitzt eine hohe Verdaulichkeit und – sofern gekocht – auch hohe biologische Wertigkeit. Zudem sind Fett, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente enthalten. Das macht hartgekochte Eier auch zum Päppeln interessant, wenn die Katze an Gewicht zunehmen muss.

    Warum die Eier gekocht sein sollten?

    Rohe Eier enthalten zum einen Avidin, das Biotin bindet, und zum anderen Trypsininhibitoren, die die Proteinverdauung beeinträchtigen und zu Verdauungsstörungen führen können.  

Katzen päppeln – Tipps und Tricks

Neben der Wahl des geeigneten Futters kann man auch durch andere Maßnahmen die Futteraufnahme verbessern. Dabei gilt grundsätzlich: Umso zufriedener die Katze ist und umso mehr ihre Bedürfnisse erfüllt werden, umso besser kann man sie in der Regel animieren, Futter aufzunehmen. Dazu gehört zum Beispiel auch das richtige Katzenklomanagement.

Hier wollen wir uns aber auf Tipps und Tricks zur Futtergabe beschränken:

  • Geeigneter Futternapf: Viele Katzen fressen lieber aus flachen Tellern, statt aus normalen Näpfen, da sie hier nicht mit ihren empfindlichen Schnurrhaaren anstoßen. Letzteres kann für unsere Haustiger so unangenehm sein, dass es sogar einen eigenen Ausdruck dafür gibt: Whisker Stress.Gerade, wenn die Katze Probleme mit den Gelenken hat oder unter Übelkeit leidet (was z. B. bei Katzen mit CNI/CNE häufiger der Fall ist), kann ein erhöhter Futternapf die Futteraufnahme ebenfalls erleichtern.
  • Viele Angebote schaffen: Manchmal verbinden Katzen die Futteraufnahme oder den bisherigen Fressplatz mit etwas Unangenehmem. Hier können ein neuer Futterplatz mit neuer Futterschüssel und ggf. neuem Futter helfen. Auch mehrere gefüllte Futterschalen im Haus verteilt, animieren Katzen im Idealfall dazu, im Vorbeigehen immer wieder einen Happen aufzunehmen.Leider ist die Umsetzung einer solchen „Fressstraße“ im Mehrkatzenhaushalt in der Regel schwierig. Hier kann man sich ggf. mit einem chipgesteuerten Futterautomaten oder einem separaten Zimmer, das per Katzenklappe nur für die zu päppelnde Katze zugänglich ist, behelfen.Generell gilt: Viele kleine Portionen über den Tag verteilt, sind näher an der natürlichen Nahrungsaufnahme der Katze und machen es dem Tier zum einen leichter mehr Futter über den Tag verteilt aufzunehmen und sind zum anderen bekömmlicher, als große Portionen morgens und abends.
  • Buffet anbieten: Gerade bei kranken Katzen ist es oft schwierig. Was am einen Tag noch gefressen wird, wird am nächsten komplett verweigert. Hier kann es helfen, wenn man der Katze ein Buffet aus verschiedenen Futtermitteln anbietet, so dass sie jeden Tag frei entscheiden kann, was sie möchte. Auch hier muss man jedoch im Mehrkatzenhaushalt ggf. ein wenig kreativ werden.
  • Aus der Hand füttern / Futter bringen: Geht die Katze nicht zum Futternapf, kannst du das Futter auch zu ihr bringen und/oder sie mit der Hand oder mit dem Löffel füttern. Oft hilft es auch, der Katze das Futter vor die Nase zu stellen, wenn sie gerade schläft. Häufig nehmen sie dann im Halbschlaf zumindest einige Bissen zu sich. Manche Katzen entwickeln auch Interesse am Futter, wenn man so tut, als würde man es selbst essen.Was zudem nie schadet, ist eine gute Portion TLC (Tender, Love and Care). Viele Katzen fressen z. B. besser, wenn man ihnen dabei Gesellschaft leistet, ihnen gut zuredet, sie lobt und/oder streichelt.Wenn sich die Katze noch putzt, kann man ggf. auch versuchen, eine kleine Menge Futter auf die Pfote zu geben, um sie wieder auf den Geschmack zu bringen, wenn sie sich die Pfötchen ableckt. Aber: Pfoten unbedingt vorsichtig säubern, wenn die Katze das nicht selbst erledigt!
  • Futter anwärmen: Futter, das auf leicht unter Körpertemperatur angewärmt wurde, riecht intensiver. Das kann insbesondere dann die Akzeptanz erhöhen, wenn die Katze z. B. unter Katzenschnupfen leidet und der Geruchs- und damit auch der Geschmackssinn eingeschränkt ist. Bei Katzen, die eine erlernte Futteraversion entwickelt haben, kann das Anwärmen kontraproduktiv sein. 9Der Ernährungsstatus von Katzen mit Tumorerkrankungen: Diagnose und diätetische Empfehlungen. In: Pibot P, Biourge V, Elliott D, Hrsg: Royal Canin S. A. – Enzyklopädie der klinischen Diätetik der Katze. Paris: Aniwa SAS (2008)Achtung: Immer prüfen, dass das Futter auch im Kern nicht zu heiß ist, insbesondere wenn es in der Mikrowelle erwärmt wurde.

    Wichtig ist dabei immer, dass die Nahrungsaufnahme durch eine stressfrei gestaltete Fütterung möglichst angenehm gestaltet wird.

Katzen päppeln mit Zwangsfütterung / Assistenzfütterung / assistierter Fütterung

Fütterungsspritze vor Katzennassfutter als Hilfsmittel für die schonende Zwangsfütterung von stark geschwächten Katzen, die gepäppelt werden müssen.

Bei starker Appetitlosigkeit kann eine behutsame Fütterung mit Spritze nötig sein – immer in Absprache mit der Tierärztin oder dem Tierarzt.

Assistenzfütterung ist ein Thema, das in der Regel weder der Katze noch den zugehörigen Menschen gefällt. Leider ist es jedoch manchmal notwendig, um dem eigenen Haustiger über eine Krise hinwegzuhelfen und das Leben des Tieres zu retten.

Wie füttert man richtig zu?

Bei der Assistenzfütterung sind vor allem zwei Dinge wichtig: Ruhe und Geduld. Keinesfalls darf die Katze mit Zwang „gestopft“ werden. Die Fütterung erfolgt immer in aufrechter Position mit erhobenem Kopf, langsam und behutsam. Die Fütterung darf nicht in Rücken- oder Seitenlage erfolgen und auch der Hals sollte nicht überstreckt werden, sonst erhöht sich die Gefahr, dass sich die Katze beim Füttern verschluckt.

Ein Handtuch, das sanft um die Katze gelegt wird, hilft, das Fell möglichst sauber zu halten. Nach der Fütterung müssen Verunreinigungen im Gesicht (und wenn vorhanden) an anderen Stellen des Katzenkörpers mit körperwarmem Wasser vorsichtig entfernt werden. Mullwaschlappen oder -tücher aus dem Babybedarf funktionieren hier recht gut und sind sanft zur empfindlichen Haut rund um Maul und Nase. Es kann aber natürlich auch jedes andere geeignete Tuch verwendet werden.

Bei der Fütterung sind viele kleine Portionen über den Tag verteilt häufig die bessere Wahl (Aufteilung mindestens auf 4 bis 6 Portionen). Kleine Portionen sind insbesondere auch dann wichtig, wenn die Katze nach einer längeren Zeit ohne Nahrungsaufnahme wieder angefüttert werden muss. Die Fütterung funktioniert gut per Spritze. Diese sollte leichtgängig sein und ein gleichmäßiges Austreten des Futters ermöglichen. Mit welcher Spritzengröße man am besten zurechtkommt, kommt ein wenig auf die individuellen Vorlieben an. Hier haben sich 5-ml- und 10-ml-Spritzen für die Assistenzfütterung bewährt. Das Futter selbst sollte nicht mit Wasser verdünnt werden.

Welches Futter eignet sich zum Zwangsfüttern?

Viele Diätfuttermittel, die bei Katzen mit schlechter Nahrungsaufnahme eingesetzt werden können (in diesem Abschnitt gelistet), besitzen eine feine Konsistenz (Mousse) und lassen sich auch gut mit der Spritze füttern. Ich nehme gerne das Royal Canin Recovery, aber Hills a/d funktioniert ebenfalls gut. Zur Überbrückung kann man auch vorübergehend (z. B. bis das Spezialfutter geliefert wird) mit Mousse aus dem Supermarkt oder Zoofachhandel arbeiten. Gut spritzengängig ist zum Beispiel das Coshida Selection – Feine Mousse von Lidl.

So bekommst du das Futter für die Assistenzfütterung gut in die Spritze:

  1. Futterdose öffnen, auf Zimmertemperatur temperieren lassen und mit einem Teelöffel gut durchrühren.
  2. Prüfe einige Male, ob die Spritze leichtgängig ist, indem du den Kolben einige Male hin- und herbewegst (sollte bei unverwendeten Spritzen der Fall sein).
  3. Baue die Spritze auseinander, so dass du einmal den Zylinder, also das hohle Röhrchen, und einmal den Kolben oder Spritzenstempel hast.
  4. Befülle dann langsam mit einem Teelöffel den Zylinder. In der Regel ist die Mousse fest genug, damit sie unten nicht aus der Düse / dem Konus fließt. Falls dem doch der Fall sein sollte, kannst du dir mit einem Verschlussstopfen behelfen. Die Spritze mit dem Konus beim Befüllen immer wieder einmal auf eine feste Unterlage zu klopfen, hilft dabei, dass das Futter nach unten rutscht. Es reicht, wenn du die Spritze zu etwa 2/3 befüllst.
  5. Steck den Kolben vorsichtig wieder in den Zylinder. Mach das am besten über der Dose oder einem anderen Behälter, um Sauerei zu vermeiden, falls dabei Futter die Spritze über den Konus wieder verlässt.
  6. Reinige die Spritze von außen, wenn nötig.

Befülle dir dabei am besten gleich so viele Spritzen, wie du für die aktuelle Futtergabe benötigst. Bei manchen Futtermitteln funktioniert es auch, wenn man das Futter direkt mit der Spritze aufzieht.

Hygiene ist wichtig: Futterspritzen können mehrmals verwendet werden, wenn sie nach der Fütterung heiß (ohne Spülmittel) gereinigt werden. Spätestens, wenn die Spritzen nicht mehr leichtgängig sind, sollten sie aber ausgetauscht werden.

Wann solltest du deine Tierärztin bzw. deinen Tierarzt konsultieren?

Eine Katze, die die Nahrung verweigert, sollte ohnehin engmaschig tierärztlich betreut werden. Bitte nimm aber umgehend Kontakt zu deiner Tierarztpraxis auf, wenn die Zwangsfütterung nur unter erheblichem Stress gelingt, das Futter erbrochen wird oder andere Faktoren verhindern, dass die Katze ausreichend frisst. In solchen Situationen ist schnelle Unterstützung wichtig, um eine weitere Verschlechterung zu vermeiden.

Künstliche Ernährung als Alternative zur Assistenzfütterung?

Wenn es zu Hause nicht möglich ist, die Katze über assistierte Fütterung ausreichend zu versorgen, gibt es auch noch die Option, die Katze in der Tierarztpraxis oder Tierklinik temporär über eine Sonde zu ernähren. Je nach Situation kann man diese auch noch mit der parenteralen Versorgung über einen venösen Zugang kombinieren. Beide Maßnahmen sind dazu gedacht, die Katze stabil zu halten, bis sie wieder selbstständig genügend Nahrung aufnehmen kann.

Ziel muss aber in jedem Fall immer die Rückkehr zur freiwilligen, eigenständigen Futteraufnahme sein. Zudem muss man immer abwägen, inwieweit eine Zwangsfütterung über einen längeren Zeitraum sinnvoll ist und wie allgemein die Prognose für den Haustiger ist. Hier gilt es je nach Fall und in Absprache mit der Tierärztin oder dem Tierarzt eine Entscheidung im Sinne der Katze zu treffen.

Deine Katze zeigt eigentlich Hunger, aber frisst nicht?

Schuld daran kann neben gesundheitlichen Beschwerden (z. B. Zahnschmerzen) eine erlernte Futteraversion sein. Was ist das?

Wenn die Katze mit einer bestimmten Nahrung eine schlechte Erfahrung verbindet, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie dieses Futtermittel in Zukunft meidet. Es kann z. B. sein, dass ihr nach dem Verzehr der Katzennahrung übel wurde und sie Bauchschmerzen bekam oder aber auch, dass ihr die Nahrung in einer unangenehmen Situation vorgestellt / gefüttert wurde, wie etwa während eines stationären Aufenthalts in der Tierklinik.

Es handelt sich hierbei um eine Form der negativen Konditionierung und an sich ist so eine Aversion auch sinnvoll, da sie dazu dient, dass ungeeignete oder gefährliche Nahrung künftig vermieden wird. Geht es darum, die Katze wieder ans Fressen zu bringen, kann sie einem das Leben aber leider deutlich erschweren.

Denn bei Katzen entwickelt sich eine solche Futteraversion sehr schnell. Schon eine einzige Mahlzeit, die als unangenehm empfunden wird, kann ausreichen, damit die Katze das Futter oder mitunter insgesamt die Nahrungsaufnahme verweigert. Zudem kann die Aversion Untersuchungen zufolge bis zu 40 Tage anhalten.10Bradshaw JWS, Goodwin D, Legrand-Defretin V, et al. – Food selection by the domestic cat, an obligate carnivore. Comp Biochem Physiol. 1996; 114A: 205-209

Bei manchen Katzen geht diese Ablehnung soweit, dass schon der Geruch des Futtermittels, gegen das sie eine Aversion entwickelt haben, in der Umgebungsluft ausreicht, dass die Futteraufnahme verweigert wird.11Der Ernährungsstatus von Katzen mit Tumorerkrankungen: Diagnose und diätetische Empfehlungen. In: Pibot P, Biourge V, Elliott D, Hrsg: Royal Canin S. A. – Enzyklopädie der klinischen Diätetik der Katze. Paris: Aniwa SAS (2008) Es kann also tatsächlich auch ein Problem sein, wenn andere Katzen im Haushalt das betreffende Futter noch bekommen, obwohl man der betroffenen Katze etwas anderes anbietet.

Diese Zeichen können u. a. auf eine erlernte Futteraversion hinweisen

  • Die Katze zeigt Interesse am Futter oder bettelt, zieht sich aber zurück, nachdem sie das angebotene Futter beschnuppert oder probiert hat.
  • Die Katze speichelt, schluckt wiederholt oder dreht den Kopf zur Seite, wenn ihr Futter angeboten wird.
  • Die Katze versucht so viel Raum wie möglich zwischen sich und das Futter zu bekommen, also positioniert sich z. B. im Stationskäfig soweit davon entfernt wie möglich.

Es ist in dem Zusammenhang wichtig, zu erwähnen, dass (Diät-)Futter, das die Katze künftig noch fressen soll (z. B. eine bestimmte Nierendiät) nicht während eines stationären Aufenthalts oder per Zwangsfütterung eingeführt werden sollte und immer erst dann, wenn begleitende Probleme, wie etwa Übelkeit, angegangen worden sind.

Katzen päppeln mit medikamentöser Unterstützung

Eine Katze, die nicht frisst und/oder Gewicht verliert, braucht tierärztliche Unterstützung. Und damit die Rekonvaleszenz im besten Fall gelingt, müssen dafür die Voraussetzungen geschaffen und die zugrundeliegenden Ursachen angegangen werden.

Eine Katze, die Schmerzen hat (z. B. bei Pankreatitis), braucht passendes Schmerzmanagement. Eine Katze, der übel ist, benötigt entsprechende Medikamente gegen Übelkeit. Eine Katze, deren Nase verstopft ist und die dadurch kein Interesse an Futter zeigt, braucht entsprechende Gegenmaßnahmen, damit die Nase frei wird und Geruchs- und Geschmackssinn wieder funktionieren. Auch dehydriert frisst es sich als Katze schlecht, d. h. man muss dafür sorgen, dass diese Katzen wieder ausreichend mit Flüssigkeit versorgt sind usw. usf.

Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, wird es ungleich schwerer, die Samtpfote dazu zu bringen, dass sie wieder frisst.

Zusätzlich kann deine Tierärztin oder dein Tierarzt deine Katze je nach Fall mit Medikamenten unterstützen, die den Appetit anregen. Ein Wirkstoff, der hier gerne verwendet wird, ist z. B. Mirtazapin®. Der Wirkstoff ist u. a. in einer Formulierung verfügbar, die als Salbe innen an der Ohrmuschel aufgebracht wird. Sprich deine behandelnde Tierarztpraxis im Fall des Falles darauf an.

Einige abschließende Gedanken von mir für dich zum Schluss

Das Wichtigste beim Päppeln ist, dass du den Weg gemeinsam mit und im Interesse deiner Katze gehst. Nicht jeder Tag wird gleich gut laufen, es kann Rückschläge geben, was frustrierend sein kann und es braucht oftmals Geduld und Durchhaltevermögen, um Krisen zu überstehen.

Es ist hier absolut in Ordnung, pragmatisch zu sein. Wenn deine Katze vorübergehend nur bestimmte Futtersorten akzeptiert oder diese in der aktuellen Situation einfach sinnvoller sind, dann ist das so. Auch, wenn das Futtermittel sind, die du unter normalen Umständen nicht füttern würdest. Wichtig ist, dass wieder Nahrung aufgenommen wird und sich die Situation stabilisiert. Manchmal heiligt einfach auch der Zweck die Mittel und es braucht Kompromisse. Jeder kleine Schritt nach vorn ist ein Erfolg.

ABER: Hoffnung ist wichtig und es ist wichtig zu kämpfen! Mit den eigenen Tieren und für sie. Und zwar immer dann, wenn eine Chance besteht, dass sich der Zustand der Katze wieder soweit bessert, dass man vielleicht nicht von Heilung, aber wieder von Leben und Lebensqualität sprechen kann.

Besteht keine Hoffnung auf Heilung und ist klar, dass der Weg (zeitnah) zum Lebensende führen wird, dann liegt die Priorität darauf, der Katze die restliche Zeit so angenehm wie möglich zu gestalten oder eben eine endgültige Entscheidung zu treffen, um deiner Katze weiteres Leid zu ersparen. Hol dir bei dieser Entscheidung Hilfe von jemandem, der die Situation professionell einschätzen kann. In der Regel wird das die Tierärztin / der Tierarzt deines Vertrauens sein. Keinesfalls werden das Möchtegern-Experten aus den sozialen Medien sein, v. a. nicht, ohne das Tier je gesehen zu haben.

Denn egal, wie viel Mühe man sich gibt, die Einschätzung des Gesundheitszustands der eigenen Tiere ist immer irgendwo subjektiv. Das lässt sich gar nicht vermeiden. Dafür ist man emotional viel zu sehr involviert. Bin ich auch. Man kann sich noch so sehr einreden, dass man objektiv ist, man ist es einfach nicht.

Am Ende zählt nicht Perfektion oder was andere denken, sondern dass du gemeinsam mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt den Weg findest, der für deine Katze richtig ist.

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Häufige Fragen und Antworten (FAQ)

  • Was kann ich tun, wenn meine Katze gar nicht frisst? Frisst eine Katze länger als 24 Stunden gar nichts (bei Kitten, chronisch kranken (z. B. Diabeteskatzen) oder übergewichtigen Katzen auch schon nach 12 Stunden), sollte sie immer zeitnah tierärztlich untersucht werden. Katzen vertragen keine längeren Hungerphasen, da sonst eine Fettleber (hepatische Lipidose) drohen kann. Bis zur Vorstellung kann man versuchen, sehr schmackhafte, weichere oder angewärmte Futtersorten anzubieten oder das Futter mit Leckerli oder anderen Futterzusätzen attraktiver zu gestalten.
  • Wie erkenne ich, ob meine Katze wirklich untergewichtig ist? Eine gute Orientierung bieten der Body Condition Score (BCS) und der Muscle Condition Score (MCS). Typische Anzeichen für Untergewicht sind tastbare Rippen, eine schmale Taille, sichtbare Hüftknochen oder nachlassende Muskulatur. Bei Langhaarkatzen ist Abtasten wichtiger als der optische Eindruck.
  • Wie schnell darf ich die Futtermenge steigern, wenn meine Katze sehr dünn ist? Nach einer längeren Hungerphase sollte die Futtermenge langsam gesteigert werden, besonders bei stark abgemagerten oder geschwächten Katzen. Sonst kann sich im schlimmsten Fall ein Refeeding-Syndrom entwickeln. Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt sind besser als große Portionen. Am besten erstellt ihr in Absprache mit der Tierarztpraxis einen Plan für die Anfütterung.
  • Welche Futtermittel eignen sich besonders zum Päppeln? Spezialfutter für die Rekonvaleszenz (z. B. Recovery-Futter), energiereiche Pasten, Kittenfutter oder allgemein gut verdauliche weiche Futtersorten werden häufig gut angenommen. Auch kleine Mengen an Futterzusätzen wie Hühnerbrühe, Thunfischwasser oder gefriergetrocknete Snacks können helfen, das Futter attraktiver zu machen.
  • Kann ich auch Hausmittel verwenden, wenn meine Katze zunehmen muss?Einige Küchenzutaten eignen sich gut als kurzfristige Unterstützung, z. B. etwas Joghurt, Hüttenkäse, hartgekochtes Ei oder Babygläschen mit Fleisch. Wichtig ist, dass solche Hausmittel nur ergänzend und nur kurzfristig eingesetzt werden, da sie kein ausgewogenes Alleinfutter ersetzen.
  • Wann ist Assistenz- oder Zwangsfütterung notwendig?Wenn eine Katze trotz aller Versuche kaum oder gar nicht frisst, kann vorübergehend eine behutsame Assistenzfütterung per Spritze nötig sein – immer nach tierärztlicher Rücksprache. Wichtig sind Geduld, kleine Portionen, eine aufrechte Position und gut spritzengängige Futtermittel wie Recovery-Mousse.

Referenzen (u. a.)

Bradshaw JWS, Goodwin D, Legrand-Defretin V, et al. – Food selection by the domestic cat, an obligate carnivore. Comp Biochem Physiol. 1996; 114A: 205-209

Dechra Veterinary Products Deutschland GmbH (o. J.) Beurteilung des Ernährungszustandes einer Katze: Body Condition Score (BCS) & Muscle Condition Score (MCS). Verfügbar unter: https://tierhalter.dechra.de/Files/Images/Countries/DE_Petowner_concept/Pri_Katze_Zustand.pdf (Abgerufen am: 23. November 2025)

Der Ernährungsstatus von Katzen mit Tumorerkrankungen: Diagnose und diätetische Empfehlungen. In: Pibot P, Biourge V, Elliott D, Hrsg: Royal Canin S. A. – Enzyklopädie der klinischen Diätetik der Katze. Paris: Aniwa SAS (2008)

Dodd, S. (2023). Small animal microbiomes and nutrition (S. 65-67). Newark: John Wiley & Sons, Incorporated.

Ernährung von Intensivpatienten. In: Iben C, Liesegang A, Wichert B, Wolf P, Hrsg. Ernährung der Katze – Grundlagen – Fütterung – Diätetik. 1. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2021.

Grundlagen. In: Bolbecher G, Hrsg. Ganzheitliche Ernährung für Hund und Katze. 1. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2020.

Grundlagen der Fütterung. In: Iben C, Liesegang A, Wichert B, Wolf P, Hrsg. Ernährung der Katze – Grundlagen – Fütterung – Diätetik. 1. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2021.

Niereninsuffizienz. In: Zentek J, Hrsg. Ernährung des Hundes – Grundlagen – Fütterung – Diätetik. 9., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2022.

Taylor, S.S., Chan, D.L., Villaverde, C. et al. (2022): 2022 ISFM consensus guidelines on management of the inappetent hospitalised cat. Journal of Feline Medicine and Surgery, 24(7), 614–640. Verfügbar unter: https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/1098612X221106353 (Abgerufen am: 30. November 2025).

Referenzen

Sind Grünlilien für Katzen giftig?

Katzenpflanzen

Sind Grünlilien für Katzen giftig?

Zimmerpflanzen wie Grünlilien verschönern das Zuhause, sind pflegeleicht und gelten als äußerst robust. Doch gerade im Katzenhaushalt stellt sich die Frage, ob diese beliebten Pflanzen auch wirklich sicher sind. Denn viele Zimmerpflanzen enthalten Stoffe, die für Katzen giftig sein können – in manchen Fällen sogar lebensbedrohlich. Wer Katzen hat, tut daher gut daran, genau hinzuschauen und nur ungiftige Pflanzen in der Wohnung zu platzieren, die keine Gefahr darstellen.

Eine Möglichkeit stellen hier die Grünlilien (Chlorophytum comosum) dar, die als anspruchslose und nichtsdestotrotz attraktive Zimmerpflanzen gelten. Im Folgenden gehen wir genauer auf Herkunft, Aussehen und mögliche Gefahren durch das Beamtengras, wie die Grünlilien auch genannt werden, ein.

Grünlilien

Herkunft der Grünlilie

Grünlilien stammen ursprünglich aus Afrika und sind dort im Osten, von Äthiopien bis Südafrika und im Westen des Kontinents zu finden. Die Pflanzen wachsen in Südafrika im Unterholz bewaldeter Flusstäler, im Gebüsch und in den Bergen. Auf dem Kilimandscharo findet man Grünlilien in Höhen von nahezu 2500 Metern.

Die Pflanze gehört zur Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae). Ihre große Anpassungsfähigkeit und ihr schnelles Wachstum machten sie nicht nur in botanischen Sammlungen populär, sondern auch in privaten Haushalten. Heute zählt die Grünlilie zu den „Klassikern“ unter den Zimmerpflanzen, die nahezu jeder kennt – oft auch als pflegeleichte „Einsteigerpflanze“.

Aussehen der Grünlilie

Das charakteristische Merkmal der Grünlilie sind ihre langen, schmalen Blätter, die in dichten Rosetten wachsen. Typisch ist die grün-weiß gestreifte Musterung vieler Sorten, es gibt aber auch rein grüne Varianten. Die Blätter können bis zu 45 Zentimeter lang werden.

Ein charakteristisches Merkmal der Pflanzen sind die Kindel: Kleine Ableger, die an langen, herabhängenden Trieben entstehen. Diese erinnern an Spinnen, weshalb die Pflanze im Englischen auch „Spider Plant“ genannt wird. Aus den unscheinbaren weißen Blüten, die in den Sommermonaten erscheinen können, entwickeln sich die Pflänzchen, die sich leicht abtrennen und einwurzeln lassen.

Grünlilien werden gerne in klassischen Blumentöpfen oder auch in Blumenampeln gepflegt. Gerade in Haushalten mit Katzen sind die herabhängenden Blätter allerdings eine Einladung zum Spielen und Knabbern.

Sind Grünlilien für Katzen giftig?

Die Grünlilie gilt für Katzen als ungiftig. Allerdings wurden in den unterirdischen Teilen der Pflanzen Toxine (Saponine) nachgewiesen. Allerdings sind dazu bisher in der Literatur keine Vergiftungsfälle beim Tier beschrieben worden 1Chlorophytum comosum – https://www.vetpharm.uzh.ch/. Abgerufen am: 03.09.2025

Jedoch kann die Aufnahme größerer Mengen der Pflanze zu Magen-Darm-Beschwerden führen, daher sollte das „Beamtengras“ von Katzen dennoch nicht im Übermaß verzehrt werden. Zudem besteht bei der Grünlilie wie auch bei anderen Pflanzen, durch die Blätter grundsätzlich das Risiko von Verletzungen im Mund-Rachenraum. Des Weiteren nehmen die Pflanzen Schadstoffe aus der Raumluft auf, was ebenfalls eine Gefahr darstellen kann.

Es ist daher auch bei der Grünlilie sinnvoll, die Katzen zu beobachten und die Pflanze gegebenenfalls aus der Reichweite der Stubentiger zu entfernen, sollten sie zu großes Interesse am Beamtengras zeigen.

Warum knabbern Katzen so gerne an Grünlilien?

Viele Katzenbesitzer kennen das Problem: Kaum steht die Pflanze irgendwo erreichbar, schon macht sich die Katze daran zu schaffen. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Instinktives Verhalten: Katzen fressen Gras oder andere Pflanzen, um Haarballen loszuwerden und die Verdauung anzuregen.
  • Spieltrieb: Die langen, hängenden Blätter sind eine spannende „Beute“.
  • Neugier: Gerade junge Katzen probieren alles aus.

Dass Katzen Grünpflanzen anziehend finden, ist also im Endeffekt ganz normal, kann aber unter Umständen für die Haustiger problematisch sein.

Merke-Katze

In a Nutshell / Zusammenfassung

  • Ist die Grünlilie für Katzen giftig?

    Nein, die Grünlilie (Chlorophytum comosum) gilt laut ASPCA und Vetpharm-Datenbank als ungiftig für Katzen. Weder Blätter noch Stängel enthalten toxische Substanzen, die bei normalem Kontakt gefährlich wären.

  • Darf meine Katze an der Grünlilie knabbern?

    In kleinen Mengen ist das Knabbern in der Regel unbedenklich. Frisst die Katze jedoch große Mengen, kann es zu leichten Magen-Darm-Beschwerden wie Erbrechen oder Durchfall kommen. Daher sollte der Verzehr möglichst eingeschränkt werden.

  • Welche Pflanzenteile der Grünlilie können problematisch sein?

    Einige Quellen berichten, dass unterirdische Pflanzenteile (z. B. Wurzeln) geringe Mengen Saponine enthalten. Diese gelten als reizend, aber nicht akut giftig. Auch Samenstände sollten sicherheitshalber entfernt werden.

  • Ist die Grünlilie katzenfreundlich?

    Ja, sie zählt wie die Bromelie zu den katzenfreundlichen Zimmerpflanzen – vorausgesetzt, die Katze frisst nicht regelmäßig große Mengen.

  • Kann meine Katze durch Grünlilien vergiftet werden?

    Nein, eine Vergiftung durch Grünlilien ist sehr unwahrscheinlich. Es kann aber zu Unverträglichkeitsreaktionen wie Durchfall kommen, wenn zu viel gefressen wird. In Raucherhaushalten kann die Pflanze zusätzlich Schadstoffe aus der Luft aufnehmen

  • Was passiert, wenn eine Katze zu viel Grünlilie frisst?

    Typische Reaktionen sind: Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen. Diese Beschwerden verschwinden meist von selbst. Im Zweifelsfall sollte aber die Tierarztpraxis des Vertrauens konsultiert werden.

  • Was ist, wenn meine Katze ständig an Pflanzen knabbert?

    Dann ist es eine gute Idee, Alternativen anzubieten und die Pflanzen unzugänglich für die Katze zu platzieren (z. B. in einer Hängeampel). Zudem ist es – wie bei jedem auffälligen Verhalten – sinnvoll, die Katze gut zu beobachten und vorsorglich in der Tierarztpraxis vorzustellen, um gesundheitliche Probleme (z. B. Magen-Darm-Beschwerden) oder Schmerzen nicht zu übersehen.

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