„Ist halt Natur.“

Kleine Straßenkatze, krank, zwischen Mülltonen

„Ist halt Natur“

Warum das Leben als Straßenkatze kein romantisches Leben in Freiheit ist.

„Was ich nicht sehen will, ist auch nicht da.“

Es ist früh am Morgen. Die Straße ist noch still, irgendwo wirft jemand Glas in einem Container, ein Lieferwagen biegt um die Ecke und zwischen zwei Mülltonnen sitzt ein Kätzchen.

Es sitzt da, als wäre das normal. Als gehörte ein Katzenkind zwischen Abfalltonnen, Hauswände und parkende Autos. Das Fell ist schmutzig, die Augen sind verklebt, die Nase läuft. Der Bauch ist rund, aber nicht vom guten Futter. Eher von Würmern. Der ganze kleine Körper wirkt gleichzeitig aufgebläht und viel zu leicht. Es läuft nicht weg. Vielleicht kann es das gar nicht mehr richtig.

Ein paar Meter weiter raschelt es im Gebüsch. Noch eins.
Und irgendwo in der Nähe wahrscheinlich die Mutter. Mager, erschöpft, auf Futtersuche. Vielleicht selbst kaum mehr als ein halbes Jahr alt. Vielleicht schon wieder trächtig. Vielleicht ein Tier, dessen Körper eigentlich schon für sich selbst zu schwach ist, das aber trotzdem weiter Junge bekommen hat, weil niemand früh genug kastriert hat und sich niemand zuständig fühlte. Vielleicht ist sie auch schon tot.

Viele Menschen sehen das und sehen doch nicht hin, weil sie es nicht sehen wollen. Vielleicht kommt noch ein schulterzuckendes: „Ist halt Natur.“

Aber das ist eine seltsame Form von Natur.

Keine unberührte Landschaft. Kein fernes Wildtierleben. Kein neutrales Gleichgewicht. Diese Katzen leben zwischen Straßen, Höfen, Gärten, Müllplätzen, Garagen, Supermärkten und Industriegebieten. Mitten in einer vom Menschen geprägten Welt. Und ihr Elend entsteht nicht einfach zufällig. Es entsteht dort, wo unkastrierte Katzen Nachwuchs bekommen, wo Tiere ausgesetzt werden und wo Menschen sich ihrer Verantwortung entziehen, indem sie die Tiere sich selbst überlassen.

Das Leben als Straßenkatze ist kein romantisches Leben in Freiheit.
Es ist ein Tierschutzproblem.

Gerade bei Kitten wird das besonders deutlich. Viele sind krank, bevor sie überhaupt eine echte Chance hatten. Verklebte oder entzündete Augen, Atemwegsinfekte, Durchfall, Parasiten, Untergewicht oder Verletzungen sind keine dramatische Übertreibung, sondern Alltag.

Manche Kitten sitzen mit Katzenschnupfen unter Autos, die Augen schon halb blind und oftmals gar nicht mehr zu retten. Viele sind so schwach, dass sie keine Kraft mehr haben, zu fliehen. Andere sehen auf den ersten Blick noch halbwegs gut aus, bis man sie hochhebt und merkt, dass sie nur noch Fell und Knochen sind.

Und auch die Mutterkatzen verschwinden in solchen Bildern oft fast vollständig. Dabei geht es auch ihnen nicht gut. Viele sind selbst weder gesund noch gut genährt. Sie werden trächtig, gebären, säugen, werden wieder gedeckt und geraten in einen Kreislauf, aus dem sie ohne Hilfe kaum herauskommen. Was von außen wie „die Natur regelt das“ aussieht, ist für diese Tiere oft nichts anderes als Dauerstress und Erschöpfung.

Wenn dann der Satz fällt, „In der Natur überleben halt nur die Stärksten“, klingt das nach Nüchternheit und Realitätssinn. Tatsächlich ist es oft nur eine bequeme Form des Wegschauens.

Denn das Kitten mit vereiterten Augen ist nicht „zu schwach“. Es ist krank.
Die kleine Katze mit Wurmbauch, Durchfall und Untergewicht verliert nicht gegen ein neutrales Naturgesetz, sondern gegen Parasiten, Infektionen, Hunger und fehlende Hilfe.
Und die erschöpfte Mutterkatze wird nicht in irgendeinem heroischen Überlebenskampf „ausselektiert“, sondern oft durch wiederholte Trächtigkeiten, Mangelernährung und Dauerstress zugrunde gerichtet.

Wer in solchen Situationen von den „Stärksten“ spricht, hat die Realität nicht wirklich verstanden, sondern macht Leid abstrakt. Und damit leichter auszuhalten. Um wegschauen zu können und nicht handeln zu müssen. Allerdings wird für die Tiere das Leid dadurch nicht weniger.

Denn Straßenkatzenelend ist kein ehrliches Beispiel für ein hartes, aber gerechtes Naturprinzip. Es ist ein menschengemachtes Problem und die Folge menschlicher Verantwortungslosigkeit. Nicht kastrierte Freigänger. Ausgesetzte Tiere. Fehlende Kennzeichnung. Zu wenig oder zu spätes Handeln. Zu wenig Unterstützung für die, die versuchen, die Folgen überhaupt noch aufzufangen.

Und genau da zeigt sich das nächste Problem.

Denn selbst wenn jemand hinsieht und helfen will, ist Hilfe auch leisten zu können längst nicht selbstverständlich. Tierheime sind vielerorts voll, oft übervoll. Tierschutzvereine arbeiten seit Jahren am Limit. Es fehlt an Geld für Kastrationen, für Medikamente, für Diagnostik, für Parasitenbehandlungen, für Aufzucht, für Futter. Es fehlt an Platz. Es fehlt an Pflegestellen. Und es fehlt an Strukturen für ein Problem, das nicht neu ist und trotzdem immer wieder behandelt wird, als käme es überraschend oder sei bisher überhaupt nicht existent gewesen.

Pflegestellen klingen hier für Außenstehende oft wie eine einfache Lösung. Tatsächlich sind sie kostbar und knapp. Eine gute Pflegestelle braucht Zeit, Erfahrung, Platz, oft Quarantänemöglichkeiten und die Bereitschaft, auch kranke, scheue oder sehr junge Tiere eng zu begleiten. Teilweise rund um die Uhr. Dazu kommen psychische Belastbarkeit und Resilienz, um mit dem Leid klarzukommen, mit dem man konfrontiert wird. Und auch damit, dass man nicht alle retten kann. Das ist keine kleine Nebenaufgabe. Und die Menschen, die das leisten, tun es oft zusätzlich zu Beruf, Familie und eigenen Tieren. Viele sind längst an ihrer Grenze, lange bevor die Saison ihren Höhepunkt erreicht.

Dazu kommt der Geldmangel. Tierschutz lebt zwar von Engagement, aber nicht von Engagement allein. Kastrationen kosten. Untersuchungen kosten. Medikamente kosten. Infusionen kosten. Spezialfutter kostet. Aufzucht kostet. Wer ein unterernährtes, verschnupftes oder parasitenbelastetes Kitten versorgen will, braucht mehr als Mitgefühl. Er braucht ganz konkrete Mittel. Und genau daran fehlt es oft.

Und auch Tierarztpraxen können diese Lücke nicht einfach kostenlos schließen. Sie arbeiten nicht im luftleeren Raum, sondern mit Personal, Geräten, Material, Laboren, Miete, Energie und einer Gebührenordnung, die den Rahmen vorgibt. Gerade deshalb gerät leicht aus dem Blick, wie viel vielerorts von Tierarztpraxen und -kliniken trotzdem zusätzlich getragen wird. Behandlungen, die irgendwie noch dazwischengeschoben werden. Tiere, die stabilisiert, weiterbetreut und am Ende sogar in ein schönes, neues Zuhause vermittelt werden. Nicht als Selbstdarstellung und meist auch nicht mit viel Aufhebens darum, sondern einfach, weil sonst noch mehr Tiere durchs Raster fallen würden.

Und es ist nicht nur ein privates oder vereinsinternes Problem. Es ist auch ein politisches.

Denn die Lage der Straßenkatzen ist seit Jahren bekannt. Ebenso bekannt sind die Maßnahmen, die helfen könnten: Kastration, Kennzeichnung, Registrierung, kommunale Katzenschutzverordnungen und eine bessere strukturelle Unterstützung für Tierheime und Tierschutzvereine. Rechtlich gibt es dafür längst eine Grundlage: Nach § 13b Tierschutzgesetz können Länder in bestimmten Gebieten Verordnungen zum Schutz freilebender Katzen erlassen. Trotzdem bleibt es vielerorts bei einem Flickenteppich aus Einzelregelungen, Zuständigkeiten und Lücken.

Und eigentlich müsste auch nicht jede gefundene Katze stillschweigend am Tierschutz hängenbleiben. Für Fundtiere sind Städte und Gemeinden als Fundbehörden grundsätzlich für Unterbringung, Pflege und die Übernahme tierärztlicher Behandlungskosten zuständig. Genau bei Katzen wird aber seit Jahren immer wieder darüber gestritten, ob es sich rechtlich um ein Fundtier oder um ein herrenloses Tier handelt. Und während Zuständigkeiten diskutiert werden, muss die Katze trotzdem versorgt werden und die Kosten vom Finder oder vom jeweiligen Tierschutzverein getragen werden, der die Katze übernommen hat.

Das Problem ist also nicht nur fehlende private Verantwortung. Es ist auch eine politische Halbherzigkeit, die ein bekanntes Leid seit Jahren eher verwaltet, als es wirksam einzudämmen. Und während über Zuständigkeiten, Verordnungen und Finanzierung gesprochen wird, fangen Tierheime, Vereine, Tierarztpraxen und Ehrenamtliche die Folgen auf. Und oft genug tun sie das längst über ihrer Belastungsgrenze.

Vielleicht ist es deshalb für viele so verführerisch, alles unter dem Wort Natur zusammenzufassen. Denn wenn es einfach Natur ist, muss niemand genauer hinsehen. Dann ist ein krankes Kitten im Gebüsch kein Hinweis auf versäumte Kastration, keine Folge fehlender Verantwortung, kein Symptom eines überlasteten Tierschutzsystems. Dann ist es nur bedauerlich. Aber nicht veränderbar.

Nur stimmt das eben nicht.

Natürlich ist das Leben draußen hart. Natürlich kommen nicht alle Jungtiere durch. Aber Straßenkatzen in diesem Zustand sind nicht einfach Ausdruck eines neutralen Naturgeschehens. Sie sterben nicht abstrakt „draußen“. Sie sterben an Infektionen, an Parasiten, an Unterversorgung, an Verletzungen, an fehlender Behandlung, aufgrund fehlender Kapazitäten und oft auch daran, dass Hilfe zu spät kommt oder gar nicht mehr organisiert werden kann.

Das ist kein Schicksal, das aus dem Nichts kommt.
Es ist ein Problem, dessen Ursachen seit Langem bekannt sind.

Und deshalb beginnt Tierschutz auch nicht erst dort, wo ein halbtoter Wurf im Gebüsch liegt. Er beginnt früher. Bei der Kastration von Freigängern. Bei Kennzeichnung und Registrierung. Bei der Verantwortung für eigene Tiere. Bei kommunaler Unterstützung für Kastrationsprojekte. Bei einer besseren Finanzierung von Tierheimen und Tierschutzvereinen. Und bei der Bereitschaft, das Offensichtliche nicht mit einem einzigen Satz wegzuschieben.

Denn „Ist halt Natur“ klingt abgeklärt.
In Wahrheit ist es oft nur eine sprachliche Form des Wegsehens.

Da sitzt kein Symbol für Freiheit zwischen Mülltonnen und Hauswand.
Da sitzt kein Beweis dafür, dass sich eben nur die Stärksten durchsetzen.
Da sitzt ein krankes junges Tier, dem es schlecht geht.
Und das ist eigentlich Grund genug, nicht wegzusehen.

Zum Weiterlesen: Jetzt Katzen helfen | Deutscher Tierschutzbund

Bild: KI-generiert

Katzenpflanzen: Sind Palmkätzchen für Katzen giftig?

Katzenpflanzen

Sind Palmkätzchen für Katzen giftig?

Palmkätzchen gehören zu den ersten Vorboten des Frühlings und werden besonders rund um Ostern gerne als Dekoration in Wohnungen aufgestellt. Die flauschigen, silbrig schimmernden Blütenstände wirken harmlos und finden sich häufig in Vasen oder Frühlingssträußen. Für Katzenhalter*innen stellt sich jedoch schnell die Frage, ob Palmkätzchen für Katzen giftig sein können.

Gerade im Katzenhaushalt ist Vorsicht geboten, denn zahlreiche Pflanzen können bei Katzen zu gesundheitlichen Problemen führen. Einige Zimmer- und Gartenpflanzen und darunter auch viele Frühlingspflanzen sind hochgiftig und können bereits in kleinen Mengen schwere Vergiftungserscheinungen hervorrufen. Dazu zählt z. B. auch die Osterglocke. Daher ist es sinnvoll, sich vor dem Aufstellen von Pflanzen darüber zu informieren, ob sie für Katzen geeignet sind.

Palmkätzchen gelten im Allgemeinen als relativ ungefährlich für Katzen. Dennoch gibt es einige Punkte, die Katzenhalter*innen beachten sollten.

Palmkätzchen mit Marienkäufer

© Bild von Frauke Riether auf Pixabay

Herkunft der Palmkätzchen

Der Begriff „Palmkätzchen“ bezeichnet die flauschigen Blütenstände verschiedener Weidenarten aus der Gattung Salix, insbesondere der Sal-Weide (Salix caprea). Diese Pflanzen sind in großen Teilen Europas, Westasiens und Nordafrikas verbreitet und wachsen bevorzugt an Waldrändern, auf Lichtungen oder entlang von Gewässern.

Die Blüten erscheinen meist bereits im Spätwinter oder frühen Frühjahr, noch bevor sich die Blätter vollständig entwickeln. Durch ihren frühen Blühzeitpunkt sind Weiden eine wichtige Nahrungsquelle für zahlreiche Insektenarten, vor allem für Bienen. Entsprechend freut sich die Natur, wenn man die Palmkätzchen dort belässt und nicht mit in die Wohnung verbringt.

In vielen Regionen Europas haben Palmkätzchen zudem eine religiöse und kulturelle Bedeutung. Traditionell werden sie am Palmsonntag gesegnet und als Ersatz für Palmzweige verwendet, da echte Palmen in Mitteleuropa nicht heimisch sind.

Aussehen der Palmkätzchen

Palmkätzchen sind leicht an ihren charakteristischen, samtigen Blütenständen zu erkennen. Diese bestehen aus dicht stehenden Blüten, die von silbrig behaarten Knospenschuppen umgeben sind und dadurch besonders weich wirken.

Im Laufe der Blütezeit entwickeln sich aus den zunächst grauen Knospen gelbliche Blütenstände mit zahlreichen Pollen. Die Zweige der Weiden sind meist relativ biegsam und tragen längliche, leicht gezähnte Blätter, die sich erst nach der Blüte vollständig entfalten.

Gerade wegen ihres dekorativen Aussehens werden Palmkätzchen häufig als Frühlingsdekoration in Wohnungen verwendet. Für Katzen können die beweglichen Zweige allerdings auch einen starken Spielreiz darstellen.

Sind Palmkätzchen giftig für Katzen?

Weidenarten der Gattung Salix, zu denen auch Palmkätzchen gehören, gelten nach aktuellem Wissensstand nicht als stark giftig für Katzen. In veterinärmedizinischen Giftpflanzen-Datenbanken werden sie nicht als typische Ursache für Pflanzenvergiftungen bei Katzen geführt.

Dennoch enthalten Weiden verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe, insbesondere Salicin. Diese Verbindung wird im Körper zu Salicylsäure umgewandelt und ist chemisch verwandt mit dem Wirkstoff der Acetylsalicylsäure.

Bei gelegentlichem Knabbern kleiner Mengen sind normalerweise keine Vergiftungserscheinungen zu erwarten. Allerdings sollte der Verzehr größerer Mengen vermieden werden. Katzen können Salicylate nur eingeschränkt abbauen, weshalb eine regelmäßige oder chronische Aufnahme theoretisch zu gesundheitlichen Problemen führen könnte, etwa zu einer erhöhten Blutungsneigung.

Giftige Pflanzenteile der Palmkätzchen

Grundsätzlich gelten Palmkätzchen als nur schwach problematisch für Katzen. Bestimmte Pflanzenteile enthalten jedoch höhere Konzentrationen an Inhaltsstoffen.

Potenziell relevante Pflanzenteile sind vor allem:

  • Rinde
  • junge Zweige
  • Knospen und Blütenstände

Diese Pflanzenteile enthalten unter anderem Salicin und andere phenolische Verbindungen, die bei sehr hohen oder wiederholten Aufnahmemengen theoretisch unerwünschte Wirkungen hervorrufen könnten.

Ein gelegentliches Knabbern stellt normalerweise kein gesundheitliches Risiko dar. Eine Aufnahme im Übermaß sowie eine chronische Einnahme sollten jedoch vermieden werden, da Salicylate theoretisch die Blutgerinnung beeinflussen und die Blutungsgefahr erhöhen könnten.

Mögliche Gesundheitsprobleme bei Katzen durch Palmkätzchen

Auch wenn Palmkätzchen grundsätzlich als relativ ungefährlich gelten, können beim Fressen oder Kauen der Zweige dennoch gesundheitliche Probleme auftreten.

Mögliche Symptome sind beispielsweise:

  • Erbrechen
  • Durchfall
  • vermehrter Speichelfluss
  • leichte Magen-Darm-Reizung

Diese Beschwerden entstehen meist durch pflanzliche Fasern oder durch sekundäre Pflanzenstoffe, die den Verdauungstrakt reizen können.

Ein weiteres mögliches Risiko besteht durch die holzigen Zweige der Weide. Beim Kauen können kleine Splitter entstehen, die zu Verletzungen im Maul führen oder verschluckt werden.

Darüber hinaus sollten Katzenhalter bedenken, dass dekorative Zweige manchmal mit Pestiziden oder Konservierungsmitteln behandelt sein können. Diese stellen unter Umständen ein größeres Risiko dar als die Pflanze selbst.

Vorsichtsmaßnahmen im Katzenhaushalt

Auch wenn Palmkätzchen für Katzen als relativ ungefährlich gelten, empfiehlt es sich, einige Vorsichtsmaßnahmen zu treffen und dafür zu sorgen, dass sich die Katze nach Möglichkeit nicht an den Palmkätzchen vergreifen kann..

    • Palmkätzchen möglichst außer Reichweite der Katze aufstellen
    • keine mit Pestiziden behandelten Zweige verwenden
    • Katzen nicht mit den Zweigen spielen lassen

Zeigt eine Katze nach Kontakt mit Pflanzen Symptome wie Erbrechen, Durchfall oder ungewöhnliches Verhalten, sollte vorsichtshalber ein Tierarzt oder eine Tierärztin kontaktiert werden.

Merke-Katze

Häufige Fragen (FAQ)

  • Sind Palmkätzchen für Katzen giftig?Palmkätzchen gelten allgemein als nicht stark giftig für Katzen. Gelegentliches Knabbern kleiner Mengen führt normalerweise nicht zu Vergiftungen. Katzen sollten jedoch keine größeren Mengen der Pflanze oder im besten Fall keine Teile der Pflanze fressen.
  • Welche Pflanzenteile der Palmkätzchen sind problematisch? Vor allem die Rinde, junge Zweige sowie Knospen und Blütenstände enthalten Salicin und andere sekundäre Pflanzenstoffe. Diese können prinzipiell gesundheitliche Probleme verursachen.
  • Was passiert, wenn eine Katze Palmkätzchen frisst? In den meisten Fällen passiert nichts. Gelegentlich können leichte Magen-Darm-Beschwerden wie Erbrechen, Durchfall oder vermehrter Speichelfluss auftreten.
  • Können Palmkätzchen bei Katzen Blutungsprobleme verursachen? Weiden enthalten Salicin, eine Vorstufe der Salicylsäure. Bei sehr hohen oder chronischen Aufnahmemengen könnten Salicylate grundsätzlich die Blutgerinnung beeinflussen. 

Sind Grünlilien für Katzen giftig?

Katzenpflanzen

Sind Grünlilien für Katzen giftig?

Zimmerpflanzen wie Grünlilien verschönern das Zuhause, sind pflegeleicht und gelten als äußerst robust. Doch gerade im Katzenhaushalt stellt sich die Frage, ob diese beliebten Pflanzen auch wirklich sicher sind. Denn viele Zimmerpflanzen enthalten Stoffe, die für Katzen giftig sein können – in manchen Fällen sogar lebensbedrohlich. Wer Katzen hat, tut daher gut daran, genau hinzuschauen und nur ungiftige Pflanzen in der Wohnung zu platzieren, die keine Gefahr darstellen.

Eine Möglichkeit stellen hier die Grünlilien (Chlorophytum comosum) dar, die als anspruchslose und nichtsdestotrotz attraktive Zimmerpflanzen gelten. Im Folgenden gehen wir genauer auf Herkunft, Aussehen und mögliche Gefahren durch das Beamtengras, wie die Grünlilien auch genannt werden, ein.

Grünlilien

Herkunft der Grünlilie

Grünlilien stammen ursprünglich aus Afrika und sind dort im Osten, von Äthiopien bis Südafrika und im Westen des Kontinents zu finden. Die Pflanzen wachsen in Südafrika im Unterholz bewaldeter Flusstäler, im Gebüsch und in den Bergen. Auf dem Kilimandscharo findet man Grünlilien in Höhen von nahezu 2500 Metern.

Die Pflanze gehört zur Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae). Ihre große Anpassungsfähigkeit und ihr schnelles Wachstum machten sie nicht nur in botanischen Sammlungen populär, sondern auch in privaten Haushalten. Heute zählt die Grünlilie zu den „Klassikern“ unter den Zimmerpflanzen, die nahezu jeder kennt – oft auch als pflegeleichte „Einsteigerpflanze“.

Aussehen der Grünlilie

Das charakteristische Merkmal der Grünlilie sind ihre langen, schmalen Blätter, die in dichten Rosetten wachsen. Typisch ist die grün-weiß gestreifte Musterung vieler Sorten, es gibt aber auch rein grüne Varianten. Die Blätter können bis zu 45 Zentimeter lang werden.

Ein charakteristisches Merkmal der Pflanzen sind die Kindel: Kleine Ableger, die an langen, herabhängenden Trieben entstehen. Diese erinnern an Spinnen, weshalb die Pflanze im Englischen auch „Spider Plant“ genannt wird. Aus den unscheinbaren weißen Blüten, die in den Sommermonaten erscheinen können, entwickeln sich die Pflänzchen, die sich leicht abtrennen und einwurzeln lassen.

Grünlilien werden gerne in klassischen Blumentöpfen oder auch in Blumenampeln gepflegt. Gerade in Haushalten mit Katzen sind die herabhängenden Blätter allerdings eine Einladung zum Spielen und Knabbern.

Sind Grünlilien für Katzen giftig?

Die Grünlilie gilt für Katzen als ungiftig. Allerdings wurden in den unterirdischen Teilen der Pflanzen Toxine (Saponine) nachgewiesen. Allerdings sind dazu bisher in der Literatur keine Vergiftungsfälle beim Tier beschrieben worden 1Chlorophytum comosum – https://www.vetpharm.uzh.ch/. Abgerufen am: 03.09.2025

Jedoch kann die Aufnahme größerer Mengen der Pflanze zu Magen-Darm-Beschwerden führen, daher sollte das „Beamtengras“ von Katzen dennoch nicht im Übermaß verzehrt werden. Zudem besteht bei der Grünlilie wie auch bei anderen Pflanzen, durch die Blätter grundsätzlich das Risiko von Verletzungen im Mund-Rachenraum. Des Weiteren nehmen die Pflanzen Schadstoffe aus der Raumluft auf, was ebenfalls eine Gefahr darstellen kann.

Es ist daher auch bei der Grünlilie sinnvoll, die Katzen zu beobachten und die Pflanze gegebenenfalls aus der Reichweite der Stubentiger zu entfernen, sollten sie zu großes Interesse am Beamtengras zeigen.

Warum knabbern Katzen so gerne an Grünlilien?

Viele Katzenbesitzer kennen das Problem: Kaum steht die Pflanze irgendwo erreichbar, schon macht sich die Katze daran zu schaffen. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Instinktives Verhalten: Katzen fressen Gras oder andere Pflanzen, um Haarballen loszuwerden und die Verdauung anzuregen.
  • Spieltrieb: Die langen, hängenden Blätter sind eine spannende „Beute“.
  • Neugier: Gerade junge Katzen probieren alles aus.

Dass Katzen Grünpflanzen anziehend finden, ist also im Endeffekt ganz normal, kann aber unter Umständen für die Haustiger problematisch sein.

Merke-Katze

In a Nutshell / Zusammenfassung

  • Ist die Grünlilie für Katzen giftig?

    Nein, die Grünlilie (Chlorophytum comosum) gilt laut ASPCA und Vetpharm-Datenbank als ungiftig für Katzen. Weder Blätter noch Stängel enthalten toxische Substanzen, die bei normalem Kontakt gefährlich wären.

  • Darf meine Katze an der Grünlilie knabbern?

    In kleinen Mengen ist das Knabbern in der Regel unbedenklich. Frisst die Katze jedoch große Mengen, kann es zu leichten Magen-Darm-Beschwerden wie Erbrechen oder Durchfall kommen. Daher sollte der Verzehr möglichst eingeschränkt werden.

  • Welche Pflanzenteile der Grünlilie können problematisch sein?

    Einige Quellen berichten, dass unterirdische Pflanzenteile (z. B. Wurzeln) geringe Mengen Saponine enthalten. Diese gelten als reizend, aber nicht akut giftig. Auch Samenstände sollten sicherheitshalber entfernt werden.

  • Ist die Grünlilie katzenfreundlich?

    Ja, sie zählt wie die Bromelie zu den katzenfreundlichen Zimmerpflanzen – vorausgesetzt, die Katze frisst nicht regelmäßig große Mengen.

  • Kann meine Katze durch Grünlilien vergiftet werden?

    Nein, eine Vergiftung durch Grünlilien ist sehr unwahrscheinlich. Es kann aber zu Unverträglichkeitsreaktionen wie Durchfall kommen, wenn zu viel gefressen wird. In Raucherhaushalten kann die Pflanze zusätzlich Schadstoffe aus der Luft aufnehmen

  • Was passiert, wenn eine Katze zu viel Grünlilie frisst?

    Typische Reaktionen sind: Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen. Diese Beschwerden verschwinden meist von selbst. Im Zweifelsfall sollte aber die Tierarztpraxis des Vertrauens konsultiert werden.

  • Was ist, wenn meine Katze ständig an Pflanzen knabbert?

    Dann ist es eine gute Idee, Alternativen anzubieten und die Pflanzen unzugänglich für die Katze zu platzieren (z. B. in einer Hängeampel). Zudem ist es – wie bei jedem auffälligen Verhalten – sinnvoll, die Katze gut zu beobachten und vorsorglich in der Tierarztpraxis vorzustellen, um gesundheitliche Probleme (z. B. Magen-Darm-Beschwerden) oder Schmerzen nicht zu übersehen.

35+ Gründe für Unsauberkeit + Lösungen

35+ Gründe für Unsauberkeit bei Katzen

Pinkelt die Katze in die Wohnung oder pinkelt sie sogar ins Bett oder auf den Teppich, ist guter Rat oft teuer. Unsauberkeit bei Katzen ist ein Phänomen, das wohl mehr Katzenhalter kennen, als ihnen lieb ist, das Nerven kostet und mitunter zu großen und kostspieligen Schäden an der Wohnungseinrichtung führt. Leider hat die „Wildpinkelei“ daher nicht selten zur Folge, dass Tiere abgegeben oder sogar entsorgt werden.

Unnötig zu sagen, dass die Vermittlungschancen für Katzen mit Pipihintergrund nicht gerade die besten sind. Doch warum machen die Miezen das, wo doch auf den ersten Blick alles in Ordnung zu sein scheint. Wir haben 35 mögliche Gründe für euch zusammengestellt und wie ihr diesen begegnen könnt.

Katze pinkelt

Im Detail

Unsauberkeit Katze

Einige wichtige Anmerkungen zu Beginn.

Katzen sind überaus reinliche Tiere und vergraben ihre Ausscheidungen – wenn sie nicht als Reviermarken gesetzt werden – instinktiv abseits des Nestes, damit Beutegreifer ihren Geruch nicht aufnehmen können. Fühlt sich eine Katze dazu gezwungen, von diesem natürlichen Verhalten Abstand zu nehmen und außerhalb der Katzentoiletten ihre Geschäfte zu verrichten, besteht immer unmittelbarer Handlungsbedarf.

Sie tut dies NIEMALS, um ihre Menschen zu strafen, weil sie beleidigt ist („Protestpinkeln“) oder um dem Menschen eins auszuwischen. Nach aktuellem Stand der Wissenschaft besitzen Katzen wahrscheinlich nicht die hochentwickelten, kognitiven Fähigkeiten, um eine „Auge um Auge, Zahn um Zahn“-Mentalität auszuleben. Darüber hinaus sind Kot und Urin für unsere Haustiger etwas ganz Natürliches und nichts per se Unangenehmes, was die Schlussfolgerung auch unsinnig macht, Katzen würden Kot und Urin als „Waffe“ gegen ihre Besitzer einsetzen.

Was es aber ist: Es handelt sich immer um eine Form der Mitteilung und es liegt an uns, zuzuhören, aufmerksam zu sein und herauszufinden, was die Katze mit ihrem Verhalten sagen möchte.

Nur wenn man den Grund für die Unsauberkeit kennt, kann man diesem auch begegnen. Oft braucht es jedoch viel Geduld, Nerven und manchmal eingehende Detektivarbeit, um diesen herauszufinden und eine passende Lösung zu finden.

Wichtig ist es auch, zeitnah zu reagieren. Ist die „Wildpinkelei“ erst einmal zur Gewohnheit geworden oder wurde die Katze schon darauf konditioniert, dass sie Aufmerksamkeit (auch Schimpfen ist Aufmerksamkeit!) bekommt, wenn sie irgendwo eine Pfütze hinterlässt, ist es sehr schwer, das eingefahrene Verhalten wieder auszutreiben. Es ist daher wichtig, bei Unsauberkeit a) frühzeitig zu reagieren und b) um die Tat an sich kein großes Theater zu machen.

Verhalten, das Erfolge bringt („wenn ich an die Haustür pinkle, macht mir mein Mensch die Tür auf und lässt mich raus“) lohnt sich, zu wiederholen. Und das möchte man ja nun nicht.

Erste Maßnahme: Herausfinden, wer es gewesen ist

Im Mehrkatzenhaushalt kann man oft nicht auf den ersten Blick sagen, wer die Pfütze oder Spuren an Möbeln oder Türen hinterlassen hat. Und auch wenn eine Katze auf frischer Tat beim Pinkeln ertappt wurde, muss es nicht heißen, dass sie die erste war. Es könnte sich vor ihr auch schon eine Mitkatze verewigt haben, deren Geruch sie nun mit ihrem eigenen Urin zu überdecken versucht.

Möglichkeiten, um wirkliche Klarheit zu erlangen, sind neben gründlicher Beobachtung (über 24 Stunden meist eher schwierig), zum Beispiel Webcams. Dr. Mircea Pfleiderer und Birgit Rödder 1Pfleiderer M., Rödder B. (2010). Was Katzen wirklich wollen. GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH. S. 160. nennen in ihrem Buch „Was Katzen wirklich wollen“ als weitere Möglichkeit Farbstoffe, die unter das Futter gemischt werden, z. B. Fluorescein, das unter UV-Licht aufleuchtet und verwendet wird, um Urin zu markieren, oder Lebensmittelfarbe zum Einfärben des Kotes.

Katzengruppe. Wer pinkelt in die Wohnung?
Katze pinkelt überall hin

Der feine Unterschied: Wird beliebig gepinkelt oder wird gezielt markiert?

Für die Ursachenbestimmung ist es hilfreich zu bestimmen, ob die Katze markiert oder nur beliebig pinkelt, da beiden Phänomenen unterschiedliche Ursachen zugrundeliegen.

Markieren ist ganz normales Katzenverhalten, das bei Katern wie Katzen, bei kastrierten wie unkastrierten Tieren vorkommt. Jedoch sieht man es bei (rechtzeitig) kastrierten Katzen als territoriales Verhalten deutlich seltener. Charakteristisch ist das Spritzen im Stehen mit hoch aufgerichtetem (zuckendem) Schwanz, aber auch die sitzende Stellung (unter abstreifenden Bewegungen der Hinterbeine) ist möglich.

Finden sich Urinspuren z. B. an Möbelseiten oder -rückwänden, an der Stereoanlage, den Vorhängen, der Wand, Türen, der Katzenklappe oder gezielt auf Gegenständen am Boden, ist es wahrscheinlich, dass markiert wird.
Finden sich die Pfützen auf beliebigen (glatten) Oberflächen, wie dem Boden, dem Teppich, der Badewanne, dem Sofa etc. pp. wird wahrscheinlich eher wahllos uriniert.

Um euch ein wenig dabei zu helfen, den Grund für die Unsauberkeit eurer Katze herauszufinden, haben wir euch nachfolgend einige Tipps und eine Liste häufiger Ursachen für Unsauberkeit samt Lösungsmöglichkeiten zusammengestellt.

Gesundheitliche Gründe

Fällt eine Katze durch Unsauberkeit auf, sollte immer als erste Maßnahme, tierärztlich abgeklärt werden, ob das Verhalten eine gesundheitliche Ursache hat. Ist diese ausgeschlossen, kann man sich anderen möglichen Problemen zuwenden.

Fünf häufige gesundheitliche bzw. körperliche Ursachen, warum die Katze in die Wohnung pinkelt, sind nachfolgend beschrieben.

1) Die Katze leidet unter einer Blasenentzündung oder Harnsteinen/-gries und zeigt deshalb Unsauberkeit

Insbesondere mehrere kleine Pfützen (gegebenenfalls auch bräunlich oder rötlich verfärbt) oder erfolglose und/oder von Jammern begleitete Versuche auf dem Katzenklo Urin abzusetzen, können auf eine Blasenentzündung oder auch auf Harnsteine/-gries hinweisen. Eine Katze mit solchen Symptomen gehört unverzüglich in tierärztliche Behandlung. Ein Harnwegsverschluss ist lebensgefährlich!

Blasenentzündungen sind häufig stressbedingt (FLUTD, FIC), Harnsteine und -gries werden oftmals durch falsche Ernährung gefördert. Beides sind Punkte, an denen man insbesondere bei wiederholten Beschwerden ansetzen kann.

Gerade bei stressbedingten Problemen kann neben ordentlicher Aufarbeitung in Absprache mit dem behandelnden Tierarzt bzw. der behandelnden Tierärztin die Gabe von Nahrungsergänzungsmitteln (z. B. mit Alpha-Casozepin, L-Theanin oder Tryptophan) in Betracht gezogen werden.

Zudem lohnt es sich attraktive Wasserstellen anzubieten und die Katze zum Trinken zu animieren. Ist der Urin durch zu geringe Flüssigkeitszufuhr zu stark konzentriert, kann dies Blasenentzündungen und Harnsteine/-gries fördern.

Hat die Katze die Toilette einmal mit Schmerzen verknüpft, wird sie sie mitunter auch nach Abklingen der Beschwerden meiden. Hier kann es helfen, komplett neue Bedingungen zu schaffen, d. h. neuer Standort, neues Klo, anderes Streu, um das Problem zu lösen.

2) Die Katze leidet unter einer anderen Erkrankung, fühlt sich unwohl und/oder hat Schmerzen

Bei Unsauberkeit ist es naheliegend, zunächst einmal an den Harnapparat zu denken. Jedoch kann – auch wenn hier alles in Ordnung ist – ein gesundheitliches Problem an anderer Stelle zum Absetzen von Urin und/oder Kot außerhalb der Katzentoilette führen.

Das können Erkrankungen sein, die zu vermehrtem Wasserlassen (Polyurie) führen, wie z. B. Diabetes mellitus oder Nierenerkrankungen, aber auch alles andere, was der Katze Unwohlsein und/oder Schmerzen verursacht, wie zum Beispiel Zahnprobleme oder Arthrose.

Es ist daher bei plötzlicher Unsauberkeit wirklich unerlässlich, dass nicht nur eine Urinprobe, sondern die ganze Katze vom Kopf bis zur Schwanzspitze gründlich untersucht wird, um wirklich ausschließen zu können, dass keine gesundheitlichen Probleme vorliegen.

Eine zusätzliche Möglichkeit ist Indikatorstreu mit Gesundheitsanzeige* aus dem Fachhandel, das als „Frühwarnsystem“ von Zeit zu Zeit eingesetzt werden kann.

3) Die Katze schafft es nicht mehr auf die Katzentoilette

Gerade bei älteren Katzen ist es sehr wichtig, dass die Katzentoiletten leicht und schnell zu erreichen sind, damit die Katze den Weg auch noch meistern kann, wenn sie nicht mehr die Schnellste ist. Das bedeutet meist, dass die Zahl der Katzentoiletten erhöht werden muss. Auch wenn die Katze Gewicht verloren hat, kann es sein, dass sie vorübergehend zu schwach ist, um lange Wege zur Katzentoilette bewältigen kann.

Es kommt auch vor, dass die Seniorenkatze den Urin vielleicht einfach nicht mehr so gut halten kann wie früher. Bei Kitten ist es im Endeffekt wie bei kleinen Kindern, da wird gespielt und gespielt und wenn man dann merkt, dass man „muss“, ist es schon fast zu spät :-) . Auch hier können vorübergehend mehrere im Haus verteilte Katzentoiletten Abhilfe schaffen. Oder man setzt das Kitten zunächst nach den Mahlzeiten versuchsweise aufs Stille Örtchen.

Auch im akuten Krankheitsfall, z. B. bei Durchfall oder Blasenentzündung, können zusätzliche Katzentoiletten für die Zeit der Problematik hilfreich sein.

4) Die Katze leidet unter einer Blasenfunktionsstörung

Wirbelsäulenverletzungen im Bereich der Lendenwirbel, des Kreuzbeins oder der Schwanzwirbel („Schwanzabriss“) können zu Schädigungen des Rückenmarks führen, die die Motorik der Hintergliedmaßen und die Blasenfunktion beeinträchtigen können. Es kann sein, dass diese Katzen ihre Blase nicht mehr selbstständig entleeren können und ausmassiert werden müssen oder inkontinent werden, weil sie die Harnabgabe nicht mehr willkürlich steuern können.

Auch eine Muskelschwäche oder Verletzungen des Gehirns oder Rückenmarks in weiter oben liegenden Bereichen können ursächlich sein. Angeborene Blasenfunktionsstörungen werden z. B. bei schwanzlosen Katzenrassen, wie der Manx-Katze, berichtet.

5) Die Katze findet die Katzentoilette nicht mehr/versteht nicht wozu eine Katzentoilette gut ist

Die meisten Katzen benutzen die Katzentoilette instinktiv und werden relativ schnell stubenrein, auch wenn sie in ihrem bisherigen Leben keine Katzentoilette kannten. Es gibt jedoch auch Fälle, die ihr Leben lang keine Katzentoilette akzeptieren und in die Wohnung pinkeln. Spricht Dr. Ferdinand Brunner 2Brunner F. (1989) Die unverstandene Katze: (Die Katze als Heimtier; Haltung, Psychologie, Verhaltensprobleme und deren Lösung; Erfahrungen aus 30 Jahren tierpsychologischer Beratungsstelle)  Ferdinand Brunner.-Melsungen. Neumann-Neudamm. S. 274 in seinem Werk „Die unverstandene Katze“ aus dem Jahr 1989 in diesem Fall noch von „krassem Intelligenzmangel“ und „Verblödung“, so ist man da heute, über dreißig Jahre später, ein wenig weiter. ;-)

Gesundheitliche Gründe im weiteren Sinn, die zu Unsauberkeit führen, sind z. B. geistige Behinderungen von Geburt an oder durch einen Unfall oder andere Gewalteinwirkung (Tritte, Hundebiss etc.) verursachte Schäden am Gehirn.

Wird eine Katze älter, kann es sein, dass sie schlicht vergisst, wo sich die Katzentoilette befindet. Demenz gibt es auch bei unseren Haustigern.

Katze mit geöffnetem Maul
Katze im Katzenklo

Toilettensituation + Katzenklo-Management sind nicht optimal.

Verschiedene Verhaltensweisen können darauf hinweisen, dass eure Katze mit den Katzentoiletten an sich nicht zufrieden ist. In der Regel ist dieses Verhalten schon zu beobachten, so lange die Katze ihre Geschäfte noch in dieser verrichtet.

Kommt dann noch ein weiterer Faktor hinzu, vielleicht nur eine Kleinigkeit, beginnt das Urinieren außerhalb der Katzentoilette.

Anzeichen, dass die Katze mit der Toilette nicht zufrieden ist, können z. B. sein 3R.T.S.McGowan et al. 2017. The ins and outs of the litter box: A detailed ethogram of cat elimination behavior in two contrasting environments. Applied Animal Behaviour Science 194 (2017) 67-78:

  • die Katze zögert, bevor sie in die Katzentoilette geht4Cottam N.,Dodman, N. H. 2007. The effect of an odor eliminator on feline litter box behavior. J. Feline. Med. Surg. 9. 44-50.
  • die Katze hält den Urin ein und geht auffällig selten zur Toilette und pinkelt dann relativ lange (Einhalten erhöht das Risiko für Blasenentzündungen)
  • die Katze scharrt mit ihren Pfoten nach Verrichten des Geschäfts außerhalb der Katzentoilette oder schlägt gegen die Wand der Haubentoilette
  • die Katze braucht lange, um die richtige Position zu finden
  • die Katze behält eine oder mehrere Pfoten außerhalb der Katzentoilette
  • die Katze schnüffelt lange Zeit an ihrem Geschäft und scharrt immer wieder, ohne wirklich zufrieden zu wirken
  • die Katze möchte beim Toilettengang begleitet werden und vokalisiert ggf. dabei (kann auch auf Schmerzen hinweisen!) 

Im Umkehrschluss ist es ein gutes Zeichen, wenn die Katze ohne zu zögern ihre Katzentoilette betritt, diese spontan für gut befindet und dort ohne großes Spektakel ihr Geschäft verrichtet.

Einige der wichtigsten Stellschrauben, die man an der Toilettensituation verändern kann, wenn die Katze überall hin pinkelt, sind im Folgenden zusammengestellt.

1) Es sind zu wenige Katzentoiletten verfügbar.

Als Grundsatz gilt, dass immer MINDESTENS eine Katzentoilette mehr im Haushalt zur Verfügung stehen sollte, als Katzen im Haushalt leben 5Borchelt P. L. Voith V. L., 1996. Elimination behaviour problems in cats. In: Voith, P. L. (Ed.), Readings in Companion Animal Behavior. Veterinary Learning Systems, Trenton, NJ, pp. 179-190.. Es handelt sich dabei um einen Mindestwert, d. h. es kann gut sein, dass in einem Drei-Katzen-Haushalt vier Katzentoiletten nicht ausreichen, sondern vielleicht fünf oder sechs notwendig sind, damit jeder glücklich ist.

Die Katzentoiletten sollten für optimales Katzenklomanagement nicht (alle) Klo an Klo stehen, sondern sich an verschiedenen günstigen Stellen im Haus oder der Wohnung befinden, damit jede Katze in Ruhe ihre Geschäfte verrichten kann und die Toiletten von den Tieren auch als separate Klostellen akzeptiert werden. Steht Klo an Klo wird dies von der Katze als nur ein Katzenklo gesehen.

Es gibt auch Katzen, die mit weniger Toiletten auskommen, aber als erste Maßnahme bei Unsauberkeit ist es eigentlich nie ein Schaden, eine weitere Toilette aufzustellen.

2) Die Katzentoiletten stehen an einem ungeeigneten Ort, was für Unsauberkeit sorgt.

Katzen sind in der Natur nicht nur Jäger, sondern mitunter auch Gejagte und während des Absetzens von Kot oder Urin angreifbar. Daher schätzen sie geschützte Orte, an denen sie ihre Ruhe, einen guten Überblick und Fluchtmöglichkeiten haben. Das sollte man auch beim Standort der Katzentoiletten im eigenen Heim berücksichtigen.

Ungeeignete Orte sind solche, an denen es laut zugeht (z. B. neben der Waschmaschine), an denen ständig Betrieb ist, an denen die Katze auf dem Präsentierteller sitzt (z. B. an der Glastür/Glasfassade), neben der Katzenklappe oder an Orten, die sich in unmittelbarer Nähe des Futter- oder Wasserplatzes befinden.

In jedem Fall sollten die Katzentoiletten leicht erreichbar sein, so dass die Katze keinen Hindernisparcours bewältigen muss, um ihr Geschäft dort verrichten zu können. Schon eine Klappe an der Haubentoilette kann dafür sorgen, dass das Stille Örtchen nicht mehr leicht erreichbar ist.

3) Der Katze sagt die Ausführung der Katzentoilette nicht zu.

Katzentoiletten gibt es in zahlreichen unterschiedlichen Ausführungen, von einfachen Schalentoiletten über Haubentoiletten mit und ohne Klappe, Katzentoiletten mit Einstieg von oben bis hin zu Modellen für gehobene Ansprüche mit Treppe oder Selbstreinigungsfunktion. Daneben gibt es Schränke, in denen die Katzentoiletten versteckt werden können.

Hier gelten im Endeffekt dieselben Punkte, wie beim Standort, wodurch sich erklärt, dass in vielen Fällen die einfache Schalentoilette aus Katzensicht die beste Wahl ist. Ausnahmen bestätigen die Regel, es gibt auch Katzen, die sich – Katzen sind keine Höhlenpinkler hin oder her – in der Haubentoilette wohler fühlen und/oder lieber Katzentoiletten mit Top-Entry benutzen.

4) Die Katzentoiletten sind zu klein.

Katzen sind je nach Rasse und Veranlagung unterschiedlich groß und haben daher auch einen unterschiedlichen Platzbedarf. Eine Faustregel besagt, dass bei einer optimalen Größe, die Diagonale der Katzentoilette der 1,5-2-fachen Körperlänge der Katze ohne Schwanz entsprechen sollte.

Viele der im Handel erhältlichen Katzentoiletten sind hier schlicht zu klein, insbesondere für große Katzenrassen. Manchmal reichen XXL-Katzentoiletten aus dem Fachhandel, manchmal bedarf es aber auch Eigenkonstruktionen etwa aus Mörtelwannen oder Kunststoffboxen. 

5) Die Katzentoiletten sind zu groß

Andersherum ziehen manche Katzen kleine Katzentoiletten (Kittenklos) normalen bis größeren Klolösungen vor. Das können zum Beispiel Katzen sein, die nicht gerne Katzenstreu an den Pfoten haben und in Kittenklos ihr Geschäft verrichten können, ohne dass die Pfoten im Klo stehen müssen.

6) Der Katze sagt die Konsistenz der Katzenstreu nicht zu

Auch bei der Katzenstreu gibt es große Unterschiede. Es gibt grobe und feine, klumpende und nicht klumpende Streu; Streu aus Bentonit, Silikatstreu, Streu aus pflanzlichem Material… und nicht jede Katze mag jede Streu. Da muss man teilweise einfach ausprobieren, was am besten akzeptiert wird.

Erfahrungsgemäß funktioniert feine Streu meist besser als grobe, da sie für die Pfötchen angenehmer ist. Akzeptiert die Katze z. B. weil sie es vom Leben als Streuner nicht kennt, keine gewöhnliche Katzenstreu, kann manchmal Kleintierstreu oder Erde eine vorübergehende Lösung sein.

Wichtig ist, dass Streuwechsel niemals abrupt erfolgen, sondern dass Streusorten nach und nach ausgetauscht werden oder zunächst nur eine Toilette mit der neuen Streu befüllt wird.

Wird die Lieblingsstreu nach langer Zeit von einem Tag auf den anderen nicht mehr akzeptiert, ist es – speziell bei Streu mit Duft – möglich, dass sich die Zusammensetzung geändert hat. Daher ist es von Vorteil, immer mindestens zwei Streusorten zu haben, die gut akzeptiert werden, um im Fall des Falles auf die andere zurückgreifen zu können, sollte eine aus dem Handel genommen oder verändert werden.

Manche Katzenstreuarten stauben relativ stark und können die empfindlichen Atemwege der Katze reizen, auch ein Punkt, den man im Auge behalten sollte.

7) Die Katze mag keine Katzenstreu an den Pfoten.

Die meisten Katzen scharren erst einmal, bevor sie ihr Geschäft verrichten. Es gibt aber auch Katzen, die mit Katzenstreu generell einfach nichts anfangen können oder nicht mehr (Stichwort: empfindliche Pfötchen, z. B. durch Pododermatitis). Es kommt vor, dass diese Katzen dann auf den Teppich oder an andere Stellen im Haus pinkeln, obwohl die Toilettensituation an sich eigentlich gut ist. 

In diesem Fall können alternative Lösungen, wie der Puppy Trainer* oder auch einfach Zeitungspapier, Küchenrolle oder eine andere saugfähige Unterlage in der Katzentoilette das Problem womöglich lösen.

Auch Handicats, wie z. B. Ataxisten, ziehen saugfähige Unterlagen manchmal Katzenstreu vor, da sie auf diesen besseren Halt finden. Einige Katzen mit einer Abneigung gegen Katzenstreu lassen sich auch dazu trainieren, ein Babytöpfchen oder sogar das „Menschenklo“ zu benutzen.

Wichtig: Solche alternativen Lösungen sind an sich nicht katzengerecht, weil der natürliche Kot- und Urinabsatz so einfach nicht abläuft. Das heißt, sie sind keine Option, um Katzenstreu zu sparen.

Aber nichtsdestotrotz braucht es bei besonderen Katzen manchmal einen besonderen Kompromiss und das können mitunter auch solche Lösungen sein.

8) Der Einstieg der Katzentoilette ist zu hoch.

Verrichtet die Katze ihre Geschäfte nicht mehr in, sondern zum Beispiel vor der Katzentoilette können auch Gelenkbeschwerden, wie Arthrose, die Ursache sein, wenn sie den Einstieg in die Katzentoilette zu einem schmerzhaften Erlebnis werden lassen. Hier kann eine Katzentoilette mit niedrigem Einstieg – neben einer geeigneten tierärztlichen Behandlung (z. B. Gabe von vom Tierarzt / der Tierärztin verordneten Schmerzmitteln bei Arthrose) das Problem lösen.

Dabei kommen z. B. SAMLA-Boxen von ikea, Hundekörbchen, Mörtelwannen, Industriebackbleche und viele Eigenbauten mehr in Betracht. Auch Ataxisten tun sich mit dem Einstieg in normale Katzentoiletten teilweise schwer.

9) Es wird mit Duftstoffen gearbeitet, die die Katze stören

Wie dem nun einmal so ist, so riechen auch die Ausscheidungen der Katze nicht nach Veilchen, wobei man über die Ernährung hier ggf. Verbesserungen erzielen kann.

Nichtsdestotrotz wird bei vielen Katzenstreumarken mit Duftstoffen gearbeitet, die den Geruch des Stillen Örtchens angenehmer gestalten sollen. Das gleiche Ergebnis versucht man mit Deos für die Katzentoilette zu erreichen.

Oft riechen diese Produkte schon für die menschliche Nase relativ stark und können bei empfindlichen Personen auch zu Kopfschmerzen oder Unwohlsein führen. Man kann sich vorstellen, wie stark der Geruch für eine Katze sein muss, die über ein 14x besseres Riechvermögen verfügt als der Mensch. Insbesondere dann, wenn sich die parfümierte Streu auch noch in einer geschlossenen Katzentoilette befindet.

10) Die Einstreutiefe ist zu gering/zu hoch.

Um Streu zu sparen, wird in Katzentoiletten oftmals nur eine dünne Schicht Katzenstreu eingefüllt. Jedoch bevorzugen gerade die Buddelweltmeister unter den Haustigern ausreichend Material, um ausgiebig graben zu können und ihre Hinterlassenschaften so tief zu verscharren, dass auch das feine Katzennäschen mit dem Ergebnis zufrieden ist.

Auch die Reinigung wird durch eine ausreichende Streuschicht erleichtert. Andersherum findet manche Katze gerade bei sehr leichter Streu vielleicht nicht ausreichend Halt und fühlt sich mit einer dünnen Schicht wohler.

11) Die Katzentoiletten werden zu selten gereinigt.

Wer kennt das nicht, da ist man längere Zeit unterwegs und dann muss man wohl oder übel auf eine öffentliche Toilette, die alles andere als einladend aussieht. Wenn es einem dann nicht gleich vergeht, dann ist es zumindest mit einem gewissen Ekel verbunden, an diesem Ort seine Geschäfte zu verrichten. So geht es der Katze auch, wenn die Katzentoiletten nicht regelmäßig gereinigt werden und sich dort die Hinterlassenschaften ansammeln. Daher ist es sehr zu empfehlen, dass die Katzentoiletten mindestens einmal am Tag, besser zweimal, von den Hinterlassenschaften befreit werden und die Einfüllhöhe bei Bedarf wiederhergestellt wird.

Ein kompletter Austausch mit Nassreinigung des Katzenklos empfiehlt sich grob alle 4 Wochen. Je nach Qualität der Streu, Anzahl der Katzen, Anzahl der Klos und „Etepetete-Faktor“ der Samtpfoten usw. usf. kann ein häufigerer oder auch ein seltenerer Komplettaustausch notwendig sein.

Wer gerade bei geschlossenen Toilettenmodellen dazu neigt, die regelmäßige Reinigung zu vergessen, weil ihm die Hinterlassenschaften nicht direkt ins Auge fallen, dem hilft es vielleicht, sich dies als tägliche Erinnerung ins Smartphone zu speichern oder ganz altmodisch mit Zetteln zu arbeiten.

Speziell geschlossene Katzentoiletten müssen häufiger und penibler gereinigt werden, da in ihnen Klumpen langsamer austrocknen und sich der Geruch hartnäckiger im Klo hält, als bei offenen Modellen.

12) Es wird ein ungeeigneter Reiniger für die Katzentoiletten verwendet.

Neben der Streu an sich, kann auch der Reiniger, mit dem die Katzentoilette gereinigt wird, ein Problem sein. Scharfe Reiniger oder Desinfektionsmittel sollten nicht zum Einsatz kommen. Problematisch sind zum Beispiel chlor- und ammoniakhaltige Reiniger sowie Reiniger mit Zitrusduft. Wir haben hier die besten Erfahrungen mit Enzymreiniger, wie z. B. Biodor®*, gemacht.

13) Es wird ein ungeeigneter Reiniger für die Pipistellen verwendet.

Hat die Katze bereits außerhalb der Katzentoilette ihr Geschäft verrichtet, ist es unerlässlich, dass die Pipistellen so gereinigt werden, dass auch für die empfindliche Katzennase kein Pipigeruch zurückbleibt. Auch hier eignet sich Enzymreiniger nicht nur für Hartböden, sondern auch für Polster und Teppiche sehr gut.

Da es in einigen Fällen zu ganz üblen Reaktionen kommen kann, wenn vor der Arbeit mit dem Enzymreiniger mit chemischen Reinigern (z. B. Teppichschaum) gearbeitet wird, würden wir empfehlen, bei vorbehandelten Polstern und Teppichen mit Enzymreiniger eher vorsichtig zu sein. Auf die im vorhigen Punkt aufgeführten ungeeigneten Reiniger sollte auch hier verzichtet werden.

Teilweise wird auch empfohlen, Pipistellen mit hochprozentigem Alkohol (z. B. Wodka) oder Essig zu reinigen, wobei jedoch der Kontakt zwischen Katzen und Flüssigkeit auf jeden Fall vermieden werden sollte.

Katzenflüsterin Vicky Halls 6Halls V. (2007). Die Katzenflüsterin. Erfolgreiche Kommunikation, vertrauensvolles Miteinander.S.136.empfiehlt Zeolith, um vor allem saugende Böden, wie z. B. Holzdielen oder Betonböden von „Katzenpipiduft“ zu befreien. Wird Zeolith reichlich auf die betroffenen Stellen aufgebracht, kann es Geruchsstoffe binden, die eventuell noch im Boden vorhanden sind. Nach 48 Stunden wird es wieder aufgesaugt. Während dieser Zeit sieht die Wohnung bzw. der betroffene Raum aus wie ein Katzenklo und riecht entsprechend. Die Behandlung sollte daher in Abwesenheit der Samtpfoten durchgeführt werden.

Eine UV-Lampe (Schwarzlicht) erleichtert es, auch eingetrocknete Pipistellen aufzuspüren.

13) Die Katze verbindet die Katzentoilette mit einem schlechten / furchteinflößenden Erlebnis

Neben den bereits erwähnten Schmerzen, die eine Katze möglicherweise mit dem Besuch der Katzentoilette in Verbindung bringt, können es auch viele andere Ereignisse sein, die der Katze den Besuch der Katzentoilette verleiden. So zum Beispiel ein lauter Knall auf der Straße oder der Besen, der plötzlich neben der Katze auf den Boden fällt, wenn sie gerade ihr Geschäft verrichtet. Leider ist es jedoch häufig so, dass man diese Situationen nicht beobachtet und später nicht nachvollziehen kann.

Nichtsdestotrotz kann man auch hier versuchsweise wie im Fall der Blasenentzündung beschrieben neue Bedingungen schaffen. Niemals sollte die „hilflose“ Situation während eine Katze ihr Geschäft verrichtet dazu genutzt werden, ihr zum Beispiel Medikamente zu verabreichen! 

14) Es gibt keine Katzentoilette im Haus oder der Lieblingskloplatz draußen ist nicht mehr zugänglich.

Manchmal wird Freigängern im Haus keine Katzentoilette zur Verfügung gestellt. Doch was im Sommer noch gut funktioniert, könnte sobald es draußen kalt oder auch nur regnerisch wird, schnell zum Problem werden und die Katze sucht sich im Haus ein Plätzchen, um ihr Geschäft zu verrichten. Das können z. B. Blumenkübel sein.

Auch überzeugte Freigänger sollten daher immer auch an die Katzentoilette gewöhnt werden, um im Fall des Falles (wenn die Katze z. B. in den Stubenarrest muss) vorbereitet zu sein. Verrichtet die Katze trotz Klomöglichkeiten im Haus ihr Geschäft in den Blumenkübeln, weil sie die Erde als passender Untergrund anzieht, kann es helfen, diese mit Steinen abzudecken.

Territoriale und emotionale Gründe

Unsauberkeit kann immer auch territoriale und emotionale Gründe haben. Oft wird hier einfach von „Stress“ gesprochen. Stress an sich ist zunächst einmal ein wertneutraler Begriff. Denn Stress kann sowohl positiv als auch negativ sein. Und auch wie Stressoren wahrgenommen werden ist von Katze zu Katze unterschiedlich und hängt u. a. von der Genetik, der frühen Entwicklung und den bisherigen Erfahrungen des jeweiligen Tieres ab.

So kann eine Situation, die die eine Katze ganz cool wegsteckt, für die andere den Untergang ihrer heilen Welt bedeuten. Das Risiko, dass der letztere Fall eintritt, ist höher, wenn die Katze nicht richtig sozialisiert, also zu früh von Mutter und Geschwistern getrennt wurde. Besonders chronische Angststörungen äußern sich häufig in Unsauberkeit bzw. in immer wiederkehrenden Blasenentzündungen, die dann wiederum zu Unsauberkeit führen. Die Katze versucht bei Angst oder Verunsicherung sich durch intensiven Eigengeruch Sicherheit zu verschaffen. Harn hat für die Katze keine negative Konnotation wie für uns Menschen. Ein Hinweis darauf kann z. B. sein, dass die Katze bevorzugt auf ihre eigenen Liegeplätze pinkelt.

Feliway* hat sich in einigen wissenschaftlichen Untersuchungen als hilfreich erwiesen, um stressbedingte Verhaltensprobleme zu reduzieren, und kann unterstützend eingesetzt werden. 7Gaultier E., Pageat P., Tessier Y.1998. Effect of a feline appeasing pheromone analogue on manifestations of stress in cats during transport. In: Proceedings of the 32nd Congress of the International Society for Applied Ethology.Clemont-Ferrand. p. 198 8Griffith C. A., Steigerwald, E.S., Buffington, C.T.,2000. Effects of a syntheticfacial pheromone on behaviour of cats.J.Am. Vet.Med. Assoc. 217, 1154-1156. 9Pereira J.S., Fragoso S., Beck A., Lavigne S., Varejão, A.S., daGracaPereira, G., 2015. Improving the feline veterinary consultation: the usefulness of Feliway spray in reducing cats’ stress. J. Feline Med. Surg. p. 1098612X15599420. Ebenso kann man hier in Absprache mit dem Tierarzt oder der Tierärztin mit geeigneten Nahrungsergänzungsmitteln unterstützen.

Grundsätzlich profitieren Tiere mit stressbedingten Verhaltensproblemen und/oder „Angstkatzen“ im Allgemeinen aber immer von professioneller Unterstützung, etwa durch auf Verhaltensmedizin spezialisierte Tiermediziner*innen. 

Es ist wichtig zu verstehen, dass der begrenzte Lebensraum einer Wohnungskatze ihrem ganzen Kosmos entspricht („My Home is my Castle“) und daher schon kleinste für uns unscheinbare Veränderungen wesentliche Bedeutung für die Katze haben können. So werden ungünstige Bedingungen in den eigenen vier Wänden womöglich lange Zeit ertragen, bis dann ein winziger Auslöser das Fass zum Überlaufen bringt.

Die Umwelt der Katze lässt sich dabei in die drei Dimensionen des Raums, der Zeit und der sozialen Beziehungen einteilen. Es ist daher nicht nur wichtig wo sie sich befindet, sondern auch wann und mit wem, wenn es darum geht, die Ursache für die Unsauberkeit herauszufinden. Einen Hinweis geben z. B. die Orte, an denen Pipimarken hinterlassen werden.

Neben Angst und Verunsicherung können auch starke positive wie negative Erregung z. B. in unharmonischen Mehrkatzenhaushalten, bei Neuzugängen oder bei ausgeprägter Erwartungshaltung (z. B. bei verspäteter Fütterung) zu Harnmarkieren führen.

Einige wesentliche Faktoren sind im Folgenden im Detail beschrieben.

1) Es gibt Probleme mit den anderen Katzen im Haushalt

Probleme innerhalb der Katzengruppe können dazu führen, dass eine oder sogar mehrere Katzen ihre Geschäfte außerhalb der Katzentoilette verrichten. Auflauern an der Katzentoilette und das Opfer im unschönen Fall innerhalb der Katzentoilette festsetzen, ist ein häufiges Phänomen, dem man im Vorfeld begegnen kann, indem man der Katze bei Platzierung der Katzentoiletten immer mindestens zwei Fluchtwege offenlässt. Umso größer die Katzengruppe, umso größer die Gefahr, dass es zu Harnmarkieren bzw. zu Unsauberkeitsproblemen kommt.

Man muss die Katzen hier sehr genau lesen können, nicht selten berichten Katzenhalter, dass ihre Samtpfote plötzlich aufgeblüht ist, als der Artgenosse verstorben war, obwohl man jahrelang der Meinung war, es wäre alles in Ordnung zwischen den Samtpfoten. Meist ist es daher auch hier sinnvoll, eine professionelle Fachkraft hinzuzuziehen, um die Situation unter den Katzen zu analysieren und nach Möglichkeit zu verbessern.

In seltenen Fällen und wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, ist die Abgabe einzelner Tiere bzw. die Trennung der Katzengruppe die letzte Möglichkeit, um wieder für Harmonie und ein „pipifreies“ Zuhause zu sorgen. Hier findest du Tipps, wenn du für eine deiner Katzen ein neues Zuhause finden musst. 

1) Es herrscht eine schwierige Stimmung unter den Menschen

Katzen besitzen sehr feine Antennen für die Stimmung ihrer Menschen und spiegeln diese auch häufig. So kann es sein, dass z. B. häufiger Streit, weniger Zeit durch einen neuen Arbeitsplatz, Stress mit dem Vermieter, eine anstehende Operation, eine baldige Prüfung usw. usw., die euch selbst belasten, zur Folge haben, dass eure Katze auf die Stimmung im Haus mit Unsauberkeit reagiert, um auf diese Weise ihr Unwohlsein auszudrücken.

Es ist daher nie verkehrt, sich auch einmal das eigene Verhalten bzw. die eigene Situation unabhängig von der Katze genau vor Augen zu führen und ggf. an der Situation selbst oder am Umgang damit etwas zu verändern.

3) Die Konstellation unter den Katzen hat sich verändert

Gibt es Veränderungen im Katzenrudel, z. B. durch einen Neuzugang oder auch weil eine Katze die Gemeinschaft verlassen hat, kann dies dazu führen, dass es zu Unsauberkeit in Form von Pinkeln oder Markieren kommt. Hier kann auch schon vorübergehende Abwesenheit (z. B. durch einen Tierarztbesuch) ausreichend sein. Insbesondere Marken an Zimmertüren und -wänden weisen darauf hin, dass sich das Problem im Haus befindet.

Auch hier braucht es Geduld, gute Nerven und mitunter professionelle Hilfe, um das Problem zu lösen. Vergesellschaftungen sollten insbesondere bei erwachsenen Tieren sanft erfolgen (z. B. neues Tier erstmal durch Gittertür separieren), um von Beginn an gute Voraussetzungen für ein harmonisches Zusammenleben zu schaffen.

Ebenso sollte, wenn ein Neuzugang geplant ist, darauf geachtet werden, dass die Tiere charakterlich und vom Alter her zueinander passen. Das Geschlecht spielt nicht zwangsläufig eine Rolle. Auch bei der Auswahl der passenden Partnerkatze kann und darf man sich gerne vom Profi helfen lassen.

4) Die Konstellation unter den Menschen hat sich verändert

Auch ein Neuzugang unter den Menschen kann zu Problemen führen. Hat die Katze den Eindruck, dass ihr Territorium durch diesen Neuzugang ernsthaft gefährdet wird, kann es sein, dass dessen Kleidungsstücke oder andere Besitztümer oder auch Möbelstücke markiert werden.

Der Stress für die Katze, der mit den mitunter einschneidenden Veränderungen einhergeht, kann aber auch dazu führen, dass die Katze wahllos in der Wohnung uriniert oder kotet. Handelt es sich bei dem Neuzugang um ein Baby sind zum Beispiel die Wiege oder der Laufstall naheliegende Pinkelstellen.

Wenn es sich bei der neuen Person, um einen neuen Partner/erwachsenen Mitbewohner handelt…

… kann es neben viel Zeit und Geduld helfen, die Beziehung zwischen dem Partner und der Katze zu verbessern. Dabei sollte jedoch immer der Katze die Initiative überlassen und die Katze vom neuen Partner nicht bedrängt werden. Bestechungsmittel wie leckeres Futter oder Leckerli können nichtsdestotrotz hilfreich sein. Je nach Charakter ist auch Spielen mit der Katze (z. B. mit der Federangel) möglich.

Wenn es sich bei der neuen Person, um ein Baby handelt…

…handelt es sich um eine Veränderung, die sich nicht einfach ausschalten oder „programmieren“ lässt. Die Katze muss lernen, sich an den neuen Erdenbürger und alles was mit diesem zusammenhängt, zu gewöhnen.

Speziell bei empfindlichen Katzen kann es helfen, diese gezielt auf die Ankunft des Babys vorzubereiten (z. B. Windel aus der Klinik mitbringen, getragene Kleidung mitbringen, Babygeschrei im Vorfeld zur Desensibilisierung abspielen etc.). Soll die Katze nicht ins Kinderzimmer oder Schlafzimmer, wenn das Baby einmal da ist, sollte dieses bereits einige Monate vorher zur Tabuzone erklärt werden.

Später kann und sollte die Katze – wenn sie möchte – in den Umgang mit dem Baby miteinbezogen werden, aber auch die Möglichkeit haben, sich zurückzuziehen. Und auch Zeit für ausgiebige Spiel- und Kuschelstunden sollte wo möglich freigeschaufelt werden.

Andersherum darf auch das Kind von Anfang an den Umgang mit der Katze lernen. Keinesfalls sollte der Katze „die Erziehung überlassen werden“.

5) Ein neuer Artgenosse ist in der Nachbarschaft aufgetaucht

Katzenkonkurrenten müssen sich nicht zwangsläufig innerhalb der eigenen Katzengruppe befinden. So kann der neue Nachbarskater, der regelmäßig vor der Terrassentür oder am Fenster auftaucht schon ausreichend sein, dass die eigene Katze Anlass sieht, deutliche Harnmarken zu setzen. Insbesondere Markieren an Fenstern und Außentüren, Vorhängen oder der Katzenklappe legen den Verdacht nahe, dass sich der Feind außerhalb des Hauses befindet. Manche Fremdkatzen sind sogar so dreist, dass sie durch die Katzenklappe zu Besuch kommen und dadurch ins Revier der eigenen Katzen, ihren sicheren Rückzugsort, eindringen.

Ihr könnt euch das in etwa so vorstellen, wie wenn ihr in einer Wohnung lebt, in der ihr die Wohnungstür nicht abschließen könnt und immer damit rechnen müsst, dass plötzlich jemand auf der Matte steht.

In solchen Fällen kann es helfen, die Katzenklappe erst einmal zu entfernen/zu versperren, damit sich die Katzen wieder sicher fühlen können. An den Fenstern sind manchmal schon Jalousien ausreichend.

6) Es gab Veränderungen im Haushalt.

Katzen sind opportunistische Gewohnheitstiere und können Veränderungen oft nur wenig abgewinnen. So kann es durchaus vorkommen, dass sie eure Freude über das neue Sofa oder die neue Matratze so gar nicht teilen und auf die fremd riechenden Objekte mit Verunsicherung reagieren und versuchen diese mit ihrem Eigengeruch zu versehen. Hier kann es helfen, den neuen Geruch mit angenehmen Aromen (wie z. B. Katzenminze) zu überlagern und z. B. erst einmal die alten Decken auf der neuen Couch zu belassen, damit diese nach wie vor vertraut riecht.

Auch andere Veränderungen wie eine plötzlich geschlossene Tür, Renovierungen in und um die Wohnung (Hämmern, Bohren etc.) können die Katze zum „Wildpinkeln“ veranlassen.

7) Es steht auf einmal mehr Platz zur Verfügung

Eine größere Wohnung wird von den meisten Katzenhaltern in der Regel erst einmal als positiv angesehen. Schließlich haben die Katzen mehr Platz, vielleicht jetzt auch einen Balkon oder sogar eine gesicherte Terrasse bzw. einen gesicherten Garten zur Verfügung.

Für die Katze wird jedoch ihr Revier erst einmal unübersichtlicher und fremd, was die Katze verunsichert und sie möglicherweise dazu veranlasst, durch Harnmarken wieder etwas vertrauten Geruch in den eigenen Kosmos zu bringen. Hier kann es helfen, vertraute Möbelstücke und Textilien mitzunehmen und die Katzen ziemlich am Schluss umziehen zu lassen, wenn die Wohnung schon halbwegs eingerichtet und der Umzugsstress (viel Lärm, viele Leute…) verflogen ist. Katzentoiletten sollten nach dem Umzug an ähnlichen Stellen platziert werden, wie in der alten Wohnung.

Empfehlenswert ist außerdem, die Katzen ihr Revier nach und nach erkunden zu lassen. So sollte die Katze zuerst einige Zimmer erkunden dürfen und wenn sie sich in diesen normal verhält (nicht mehr geduckt läuft, normal frisst, spielt, schläft…) nach und nach mehr Raum erhalten. Freigang ist frühestens nach 4-6 Wochen zu empfehlen. Auch im Nachhinein kann es noch helfen, den Wohnraum zu reduzieren.

Andererseits können die Wege zur Katzentoilette in einer größeren Wohnung vor allem für Kitten und ältere oder behinderte Tiere plötzlich einfach zu weit sein, was sich ggf. durch weitere Katzentoiletten oder eine Umplatzierung der bestehenden Klos lösen lässt.

8) Es steht auf einmal weniger Platz zur Verfügung

Gerade im Mehrkatzenhaushalt kann es problematisch sein, wenn nach einem Umzug plötzlich weniger Platz zur Verfügung steht und es schwieriger wird, sich aus dem Weg zu gehen. Lässt sich ein Umzug in eine kleinere Wohnung nicht vermeiden, sollte versucht werden, den Katzen in dieser so viel Raum wie möglich zu gewähren. Eine Möglichkeit dafür wäre zum Beispiel der Ausbau der dritten Dimension mithilfe von Catwalks, Wandbettchen etc.. Je nach Fall kann auch ein Rückzugszimmer mit chipgesteuerter Katzenklappe für eine oder mehrere Katzen eine Lösung sein.

9) Die Katze möchte Freigang

Gerade bei Katzen mit unklarer Herkunft (z. B. Fundtiere/ausgesetzte Tiere aus dem Tierschutz) weiß man oft nicht, wie diese früher gelebt haben. Manche Tierschutzvereine vermitteln auch ausschließlich in Wohnungshaltung. Das ist aus Sicht des Tierschutzvereins und zur Sicherheit der Katze auch sinnvoll, jedoch gibt es auch Katzen, die für eine reine Wohnungshaltung einfach nicht gemacht sind und Freigang oder zumindest einen gesicherten Garten brauchen, um glücklich zu sein.

Kann man dies selbst nicht sicher bieten, ist es manchmal unumgänglich ein neues Zuhause für die Katze zu suchen, um die Unsauberkeit im besten Fall Vergangenheit werden zu lassen. 

10) Die Katze bekommt zu wenig Mahlzeiten am Tag/zu wenig Futter/anderes Futter

Spätestens seit der Snickers-Werbung wissen wir es alle. Hunger macht schlechte Laune, Stress, Frust und kann schon mal dazu führen, dass man zur Diva wird. Bei der Katze kann sich dies auch in Unsauberkeit äußern. Es ist daher nicht verkehrt, auch das bisherige Futtermanagement einmal genau unter die Lupe zu nehmen und zu sehen, was sich dort noch optimieren lässt.

Ist das Futtermanagement so gestaltet, dass alle Katzen stressfrei fressen können?

Sind vielleicht die Abstände zwischen den einzelnen Mahlzeiten zu lang (die Katze nimmt in freier Natur viele kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich, so dass Experten auch empfehlen, mindestens fünfmal täglich zu füttern)?
Ist die Katze eigentlich ein Häppchenesser, hat aber einen gefräßigen Mitbewohner, der ihr sofort den Napf leerfuttert?

Ist die Futtermenge zu gering? Fütterungsempfehlungen ob nun die auf der Dose oder beim Barfen sind immer nur Richtwerte, die für die einzelne Katze entsprechend angepasst werden müssen.

Ist der Napf vielleicht zu eng und die Katze leidet unter Whisker Stress?

Oder gibt es neues Futter, das die Katze nicht wirklich mag?

11) Die Katze ist nicht ausgelastet

Auch aufgestaute Energie, die die Katze nicht loswerden kann, kann zu Frust führen, der dann oftmals an den oder einer der Mitkatzen ausgelassen wird. Infolge kann es zu Unsauberkeit bei der betroffenen Katze selbst oder ggf.der Mitkatze kommen.

Um die Katze auszulasten und Wildpinkeln vorzubeugen, sollte zunächst ein geeigneter Katzenkumpel vorhanden sein, der ebenso aktiv ist und mit dem sich die Miez nach ihrer Fasson auspowern kann. Zudem ist es sinnvoll vor allem abends interaktiv mit den Katzen zu spielen und sie jagen zu lassen. Am besten eignen sich hier fassbare Spielzeuge. Wird mit Spielzeugen wie etwa dem Laserpointer oder dem Tablet gespielt, sollte die Spielstunde immer mit fassbarer Beute sprich Federangel, Bällchen etc. beendet werden. Neben der körperlichen Auslastung ist auch geistige Auslastung z. B. durch Clickern, Intelligenzspielzeug oder ähnliches von Bedeutung. Das Reichen ganzer Beutetiere wie Eintagsküken oder Futtermäusen kann ebenfalls dazu beitragen, dass gerade Wohnungskatzen ihr natürliches Jagdverhalten ausüben können.

12) Die Wohnung ist nicht katzengerecht eingerichtet

Für Wohnungskatzen ist die Wohnung/das Haus die ganze Welt und dieser Lebensraum sollte katzengerecht eingerichtet werden, um den arttypischen Bedürfnissen des felinen Mitbewohners soweit möglich gerecht zu werden. Hierzu stehen mittlerweile im Fachhandel nicht mehr nur „Ungetüme aus Plüsch“ zur Verfügung, sondern auch eine Vielzahl von Katzenmöbeln, die sich auch in die modern gestaltete Wohnung perfekt einfügen. Pinterest eignet sich hier z. B. prima als Inspirationsquelle. Konkret ist es in einer katzengerechten Wohnung wichtig, jedem Tier Rückzugsorte zu schaffen, an denen die Katze beobachten kann, ohne gesehen zu werden, es sollte ausreichend geeignete Kratzmöglichkeiten geben und gerne auch die Möglichkeit, die dritte Dimension zu nutzen, was sich z. B. über Catwalks usw. realisieren lässt.

13) Eine andere Katze im Haushalt ist erkrankt

Nicht nur eine Erkrankung der Katze selbst, sondern auch die Krankheit einer Mitkatze kann zu Unsauberkeit führen, wenn die betroffene Katze etwa durch verändertes Verhalten oder einen anderen Geruch der erkrankten Katze verunsichert wird. Daher lohnt es sich, auch weil man oft nicht sagen kann, wer pinkelt, auch die anderen Katzen genau zu beobachten bzw. tierärztlich durchchecken zu lassen.

14) Die Katze ist nicht oder nur unvollständig kastriert/ wurde zu spät kastriert

Ein häufiger Grund für Markieren ist, dass die Katze bzw. der Kater noch nicht kastriert ist oder möglicherweise auch nur unvollständig kastriert wurde, weil z. B. durch Kryptorchismus beim Kater ein Hoden im Bauchraum verblieben ist oder bei der Katze ein Ovarian-Remnant-Syndrom vorliegt. Besteht der Verdacht darauf, dass bei der Kastration vielleicht etwas schiefgelaufen ist (z. B. weil der Kater nach wie vor streng riecht oder die Katze Zeichen von Rolligkeit zeigt), kann eine Nach-OP helfen. Leider kommt es bei Katzen bzw. Katern, die vor der Kastration bereits markiert haben vor, dass sie dieses Verhalten auch nach der Kastration nicht mehr ablegen. Daher und auch aus diversen anderen Gründen am besten frühzeitig kastrieren lassen.

15) Die Katze entwickelt unabhängig von anderen Gründen eine Vorliebe für bestimmte Untergründe (z. B. Handtücher, Wäsche, gummierte Matten)

Manche Stoffe (ein Klassiker sind Badematten) üben auf Katzen eine magische Anziehungskraft aus, was das Bepinkeln angeht. Hier hilft es zur Vermeidung von Unsauberkeit bei der Katze am besten auf entsprechende Textilien zu verzichten und/oder zum Beispiel Handtücher und Kleidung nicht auf dem Boden herumliegen zu lassen (so manch Katze hat hier schon Erziehungsarbeit geleistet, bei der Lebensgefährten bzw. Eltern jahrelang gescheitert sind ;-) ).

Zum Weiterlesen: AAFP and ISFM Guidelines for Diagnosing and Solving House-Soiling Behavior in Cats. Journal of Feline Medicine and Surgery (2014)

territoriale Gründe für Unsauberkeit
Katze macht in die Wohnung

Unsauberkeit in a Nutshell

Wenn die Katze unsauber ist und überall in die Wohnung pinkelt, ist dies eine belastende Situation. Für den Menschen, aber insbesondere auch für die Katze.

Hier sind die wichtigsten Punkte noch einmal zusammengefasst.

1) Gesundheitliche Ursachen abklären lassen: Katzen sind Meister im Verbergen von Schmerzen und verbergen Erkrankungen und Schmerzen häufig. Statistisch gesehen haben 90 % aller Katzen ab 12 Jahren ein Problem mit Arthrose und bei den Zähnen ist jede 2. Katze ab 3 Jahren und unter 3 Jahren auch schon jede dritte Samtpfote betroffen.

Dazu kommen diverse andere mögliche Probleme, wie z. B. Magen-Darm-Beschwerden und natürlich Probleme mit den Harnwegen an sich. Der erste Schritt ist daher immer die Abklärung gesundheitlicher Ursachen!

2) Toilettensituation und Lebenssituation optimieren: Sehr viele Probleme mit Unsauberkeit sind dadurch bedingt, dass die Katzenklo-Situation im Haus nicht optimal ist. Hier gibt es immer Optimierungsbedarf.

3) Rechtzeitig Hilfe holen: Pinkelt die Katze in die Wohnung, ist dies eine belastende Situation und oft braucht es zum einen Detektivarbeit, um die Ursache zu finden und zum anderen ein gezieltes Vorgehen, um die Probleme zu beheben.

Professionelle Hilfe durch Tiermediziner*innen, die sich auf Verhaltenstherapie spezialisiert haben, erleichtert die Verbesserung der Situation. Diese findet ihr z. B. auf der Website der GTVMT. Es gibt auch sehr gute Katzentrainer*innen, die helfen können. Allerdings ist die Berufsbezeichnung nicht geschützt, so dass nicht jeder, der sich so nennt, auch zwangsläufig kompetent und qualifiziert sein muss.

Sollte die Katze noch nicht kastriert sein, sollte dies natürlich schnellstmöglich nachgeholt werden.

Absolute No-Gos bei Pinkelproblemen

  • Die Katze darf keinesfalls für ihr vermeintliches „Fehlverhalten“ bestraft werden, indem man sie zum Beispiel mit der Nase in ihre Hinterlassenschaften drückt, sie schlägt oder auf der Katzentoilette festhält. Dies zerstört die Beziehung zum Menschen, führt ggf. zu einer Aversion gegen die Katzentoilette und verbessert nichts an der Situation!

 

  • Keinesfalls darf der Katze das Wasser entzogen und/oder nur noch Trockenfutter gereicht werden, um die Wasseraufnahme und damit auch die Urinabgabe zu vermindern!

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Interview: Die Katze und das Tierheim

Interview

Katzen im und aus dem Tierheim

„Wenn sich kein Zuhause findet, dann muss die Katze ins Tierheim.“ – Eine Aussage, die man immer wieder liest und die häufig eingesetzt wird, um den emotionalen Druck auf potentielle Adoptanten zu erhöhen und diese dazu zu bringen, das Tier zu adoptieren, bevor es ins Tierheim „abgeschoben“ wird. Ein Ort, der immer noch häufig mit vielen negativen Vorstellungen in Verbindung gebracht wird, obwohl viele Kritiker ein Tierheim noch nie von innen gesehen haben.

Um hier ein wenig Aufklärung zu betreiben, hat sich Jasmin alias Frau Clickerlöwe bereiterklärt, uns im Rahmen eines Interviews ein wenig über den Alltag im Tierheim Gelsenkirchen zu erzählen und nimmt sich dabei auch vielen häufigen Vorurteilen an, die regelmäßig vorgebracht werden.

Haustiger: Hallo Jasmin, bitte stell dich doch kurz vor, damit unsere Leser auch wissen, mit wem sie es zu tun haben.

© Jasmin Lindner

Jasmin: Hallo, mein Name ist Jasmin alias Frau Clickerlöwe und ich bin hauptamtliche (Assistentin der Geschäftsstellenleiterin) sowie ehrenamtliche Mitarbeiterin (Katzenschmuserin und Katzenverhaltensberaterin im Katzenhaus) im Tierheim Gelsenkirchen / Tierschutzverein für Gelsenkirchen und Umgebung e.V. 1880.

Haustiger: Was die “Zustände” in Tierheimen so angeht, gibt es ja nach wie vor viele Mythen und Vorurteile. Teilweise wird sogar angenommen, den Tieren werde dort Leid angetan. Wie muss man sich denn den Alltag bzw. einen Tag im Tierheim als Außenstehender so vorstellen?

Jasmin: Viele der Mythen und Vorurteile sind mir natürlich auch bekannt und ich möchte mit jeder Menge Aufklärung dafür sorgen, dass diese entkräftet werden.

Der Alltag im Tierheim ist sowohl körperlich als auch emotional anstrengend: Ganz oft sind die Tierheime überfüllt, die Wartelisten werden immer länger und die Schicksale der einzelnen Tiere werden immer trauriger.

Katzenbox im Katzenhaus des Tierheims Gelsenkirchen
© Jasmin Lindner

Die Pfleger kümmern sich um die zugeteilten Abteilungen und Tiere: Die Boxen / Käfige werden gesäubert, Streu, Heu etc. wird aufgefüllt, die Toiletten / Ausscheidungsecken werden geputzt und neu befüllt, die Wäsche wird gewechselt, die Tiere bekommen frisches Futter & Wasser, die Näpfe und Utensilien werden gespült, es muss eine Menge desinfiziert werden, einige Tiere benötigen eine besondere Pflege und / oder benötigen ihre Medikamente, die Termine für Vermittlungsgespräche und Besuche beim Tierarzt müssen koordiniert und abgesprochen werden, die Mails und das Telefon (Nachrichten auf dem AB) werden abgerufen und beantwortet und und und…

Bei all der vielen Arbeit versucht man allerdings auch, den Tieren so viel Aufmerksamkeit, Liebe und auch Training zukommen zu lassen wie nur möglich.

© Jasmin Lindner

Haustiger: Angenommen, ich habe eine Katze gefunden oder muss mich von meinem Tier trennen und möchte / muss den Vierbeiner im Tierheim abgeben. Wie muss ich mir das vorstellen? Kann man die Katze einfach abgeben? Wird eine Gebühr fällig?

Jasmin: Wenn ein Tier gefunden wird, kann es problemlos im Tierheim abgegeben werden.

Da wir uns entschlossen haben, unser Tierheim auch nach der Corona-Pandemie dauerhaft geschlossen zu halten und uns voll auf 1:1-Vermittlungstermine mit Interessenten zu konzentrieren, ist für die private Abgabe einer Katze ein Termin notwendig, der telefonisch abgesprochen werden kann.

Vor einer Abgabe müssen wir schauen, ob wir Kapazitäten für die Aufnahme der Tiere haben. Hier wird dann auch eine Gebühr fällig, die sich zum Beispiel nach dem Impfstatus bzw. einer nicht vorhandenen Kastration etc. richtet.

Haustiger: Wenn es sich um mein eigenes Tier handelt oder eine Katze, die ich gut kenne (z. B. die Katze von der verstorbenen Oma). Wie kann ich den Umzug für beide Seiten so gut wie möglich gestalten?

Jasmin: Wenn es sich bei der Abgabe um ein bekanntes Tier handelt, wäre es für uns als Tierheim (-Mitarbeiter) wichtig, so viele Infos wie nur möglich über das Tier zu erhalten.

• Was isst es gerne? Hat es Lieblingsleckerchen?
• Hat es eine Lieblingsdecke? Ein Lieblingskissen?
• Wo mag es gerne angefasst werden? Was mag das Tier überhaupt nicht?
• Welche Krankheiten oder Allergien sind bekannt?
• Mag das Tier andere Katzen? Mag das Tier andere Tiere? Kommt das Tier mit Kindern klar?
• Und und und…

Wenn viele wichtige Infos vorhanden sind, können wir uns individueller um das abgegebene Tier kümmern und ihm / ihr den Umzug so angenehm wie möglich gestalten. Dies ist dann auch ein wenig einfacher für das Tier in Bezug auf die Umgewöhnung.

Keks © Jasmin Lindner

Für den Menschen ist es auch ein großer Einschnitt, selbst wenn es nicht das eigene Tier ist, sondern möglicherweise das Tier der verstorbenen Oma, an dem man aber dennoch hängt. Hier könnte es hilfreich sein, sich einem Menschen im nahen Umfeld anzuvertrauen und seine Gefühle und Gedanken zum Ausdruck bringen zu können. Manchmal ist eine Abgabe leider unumgänglich, aber man kann dennoch versuchen, die Situation bestmöglich zu gestalten. Oft hilft es den Tierheimen (und auch den Menschen), eine Patenschaft für dieses Tier abzuschließen, so dass einige Kosten auf Dauer gedeckt sind und man das Tier noch „sicherer“ versorgt weiß.

Haustiger: Was geschieht mit der Katze direkt nachdem sie im Tierheim angekommen ist (z. B. im Hinblick auf Untersuchungen, Quarantäne, … )?

Jasmin: Im Regelfall kommt die Katze erstmal in eine Quarantänestation und wird schnellstmöglich dem Tierarzt des Tierheimes vorgestellt. Man schaut sich den aktuellen Impfstatus an, organisiert, wenn nötig, einen Termin für die Impfung / Kastration etc. und beobachtet das Verhalten der Katze. Dies ist später wichtig für eine eventuelle Vergesellschaftung mit anderen Katzen in unseren beiden Katzenhäusern und natürlich für die weitere Vermittlung.

© Jasmin Lindner

Haustiger: Was wird getan, damit sich die Katzen im Tierheim so wohl wie möglich fühlen? Inwieweit kann auf die Bedürfnisse der Katzen Rücksicht genommen werden? Gibt es Beschäftigungsangebote?

Jasmin: Wenn das Tierheim „übervoll“ ist, bringt dies die Tiere sowie die Mitarbeiter an ihre körperlichen sowie emotionalen Grenzen. Es versuchen dennoch alle, den Katzen den Aufenthalt im Tierheim so angenehm wie nur möglich zu gestalten. Innerhalb der Boxen wird geschaut, dass die Tiere genügend Versteckmöglichkeiten haben, falls sie sich zurück ziehen möchten.

In den Quarantäne- / Krankenstationen sind die Beschäftigungsangebote aufgrund des Platzmangels und der gesundheitlichen Situation sehr überschaubar. Hier liegt der Fokus auf dem „wieder gesund werden“, um dann in eine Box in unseren Katzenhäusern oder Übergangsstationen ziehen zu dürfen.

In den Katzenhäusern gibt es dann mehr Beschäftigungsangebote, da dort auch die ehrenamtlichen Katzenschmuser Zugang haben und sich ausgiebiger um die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Katzen kümmern können. Die Pfleger und Schmuser arbeiten hier Hand in Hand und tauschen sich über die Fortschritte der Katzen aus, so dass dies auch in den Vermittlungstexten und bei der Vermittlung erwähnt werden kann.

@ Jasmin Lindner

Von den Schmusern werden im Regelfall die folgenden Dinge angeboten:
Clickertraining (Tricks, Medical Training, Höflichkeitstraining etc.), Wellness in Form von Streicheln, Kraulen und Bürsten (wenn die Katzen dies wünschen); Action in Form von Spielangeboten (Spielangeln, Bändchen, Fummelbretter etc.); Ansprechen des Hörsinns: Vorlesen für sehr schüchterne Katzen bzw. auch für Katzen, die dies gerne mögen.

Medical Training
© Jasmin Lindner

Wenn sich eine Katze als „Star“ fühlen möchte, bieten wir auch Fotoshootings an, damit man auf unseren sozialen Medien „glänzen“ kann. 😉

Haustiger: Angenommen, ich würde gerne eine Katze aus dem Tierheim adoptieren. Wie läuft das ab? Kann man da einfach vorbeikommen?

Prinzipiell handhabt jedes Tierheim die Vermittlung ganz individuell. Unsere Mitarbeiter haben nach der Schließung während der Corona-Pandemie bemerkt, dass 1:1-Termine mit Interessenten sinnvoller gehändelt werden können als der bisherige Publikumsverkehr. Die individuelle Betreuung lässt eine intensivere Zeitspanne für Fragen zu und wird deshalb beibehalten.

Dies bedeutet, dass die Menschen sich bei Interesse an einer unserer Katzen im Tierheim-Büro melden und dann einen Termin ausmachen können. An diesem Termin kümmert sich dann ein Tierpfleger um die Interessenten und man darf die Katze ausgiebig kennen lernen. Wenn es sich um eine Katze in den beiden Katzenhäusern handelt, können die Katzenschmuser ins Gespräch involviert werden und eventuell auch noch einige wichtige Infos mitteilen. Oft wissen sie, welche Leckerchen die ausgewählte Katze mag, welches Spielzeug richtig gefeiert wird und wo die Katze am allerliebsten gekrault werden möchte… und und und.

© Jasmin Lindner

Wenn der Funke dann überspringt (auf beiden Seiten) und alle Eckdaten passen, darf die Katze adoptiert werden und ausziehen. Handelt es sich bei der ausgewählten Katze um eine Katze mit einer „Verhaltensoriginalität“, sind im Regelfall mehrere Besuche sinnvoll, um die Katze besser kennen zu lernen und auch die mögliche Verhaltensoriginalität. So kann man dann für sich entscheiden, ob man das gemeinsame Zusammenleben mit notwendigen Managementmaßnahmen sowie (Clicker-) Training händeln kann / will.

Clickertraining
© Jasmin Lindner

Es macht eindeutig Sinn, die Vermittlung VOR der Adoption zu stoppen, sobald man sich mit der Situation doch überfordert fühlt. (Ganz wichtig: Das ist absolut keine Schande, sondern in meinen Augen sehr erwünscht, denn eine unüberlegte Vermittlung schadet im schlimmsten Fall allen Beteiligten!)

Haustiger: Muss man bei der Adoption einer Katze aus dem Tierheim grundsätzlich davon ausgehen, dass die Tiere durch den Aufenthalt im Tierheim in irgendeiner Form verhaltensauffällig oder traumatisiert sind und ggf. mehr Arbeit machen als “Nicht-Tierschutzkatzen”?

Jasmin: Die Frage ist hier, wie man die Begrifflichkeiten definiert. Was bedeutet „verhaltensauffällig“? Eine Katze aus einem Züchterhaushalt / Vermehrerhaushalt kann ebenso Verhaltensauffälligkeiten aufweisen wie eine Katze aus dem Tierheim. Der bloße Aufenthalt in einem Tierheim löst per se keine Verhaltensprobleme aus. Wir müssen uns aber klar machen, dass ein sensibles Tier natürlich durchaus anders mit einer solchen Situation umgehen könnte, als ein sehr selbstsicheres Tier. Oft ist es ja sogar so, dass die Tiere erst NACH einer traumatisierenden Situation im Tierheim landen und dann hier erst mal einen sicheren Hafen finden, bevor sie in ihr neues Zuhause ziehen können.

© Jasmin Lindner

Mittlerweile landen jede Menge „ebay-Katzen“ in den Tierheimen, weil Privatleute ihre Tiere nicht mehr zum „Verkauf“ anbieten dürfen. Ich bezweifle stark, dass diese Katzen (häufig sind es ja „Upps-passiert“-Würfe) mental gesünder sind als ihre Artgenossen im Tierheim.

Dass Tierschutzkatzen mehr Arbeit machen als „Nicht-Tierschutzkatzen“ halte ich für eine nicht haltbare Verallgemeinerung, die im Grunde genommen niemandem einen Vorteil bringt. Für mich entspricht diese Aussage nicht den Tatsachen, da eine artgerechte Tierhaltung grundsätzlich mit mehr Aufwand verbunden ist, als wenn das Tier nur „so nebenbei“ existiert.

Haustiger: Immer wieder hört man, jemand war im Tierheim, hat aber keine Katze bekommen. Oder auch “Tierheime wollen doch überhaupt keine Tiere vermitteln”. Dafür gibt es ja in der Regel Gründe. Magst du dazu vielleicht noch etwas sagen?

Jasmin: Vielen Menschen fällt es leichter, eine schlechte Rezension zu schreiben als eine gute. In den meisten Fällen gibt es in der Tat nachvollziehbare Gründe, weshalb Tier x oder Tier y eben nicht zu diesem Menschen / zu dieser Familie gepasst hat. Tierheime / Tierschutzvereine entscheiden zugunsten des individuellen Tieres, da wir alle eine Verantwortung für unsere Tiere übernommen haben, derer wir gerecht werden wollen.

© Jasmin Lindner

Wenn ich beispielsweise eine Katze habe, die Freigang benötigt und aufgrund eines traumatischen Ereignisses nicht mit Kindern kompatibel ist, dann wäre es verantwortungslos, diese Katze in eine reine Wohnungshaltung zu einer Familie mit 3 kleinen Kindern zu vermitteln. Dann wäre vielleicht diese Familie zufrieden, aber die Katze wäre unglücklich. Außerdem würde das Glück der Familie wahrscheinlich nicht all zu lange andauern, weil die Katze aufgrund ihrer Frustration möglicherweise Verhaltensauffälligkeiten wie Unsauberkeit oder Übersprungshandlungen (zum Beispiel: beim Spielen in die Hand hacken) zeigen würde.

Ich kann natürlich nicht für alle Vereine sprechen, aber ich würde behaupten, dass es in der Regel gute Gründe gibt, warum jemand ein bestimmtes Tier nicht adoptieren kann. Meistens werden dann aber andere Tiere gezeigt, die eventuell besser zu dem jeweiligen Menschen oder der jeweiligen Situation passen. Wir haben schon häufiger mal die Rückmeldung bekommen, dass die Interessenten zwar nicht ihr Wunschtier adoptieren konnten, allerdings stattdessen ein absolut „passendes“ Tier ins neue Zuhause einziehen durfte und man sehr glücklich und dankbar ist.

Haustiger: Adoptiert man eine Katze aus dem Tierschutz/Tierheim, wird in der Regel eine Schutzgebühr fällig. Kannst du etwas dazu sagen, wie sich diese zusammensetzt (bzw. wie man auf Betrag x kommt) und wofür die Schutzgebühr verwendet wird?

Die Schutzgebühr setzt sich überall ein wenig anders zusammen. Wenn man ehrlich ist, deckt sie nicht mal ansatzweise die Kosten der Versorgung dieser einen Katze. Prinzipiell müsste man innerhalb der Berechnung folgende Punkte beachten: die Kastration, die verschiedenen Schutzimpfungen, notwendige Spot-On-Präparate, das Chippen und den Chip selbst, das Futter (Achtung: Spezialfutter kann sehr teuer sein.), die allgemeine Unterbringung, die mögliche notwendige medizinische Versorgung, wenn das Tier krank ist, Medikamente und und und…

© Jasmin Lindner

Im Grunde ist die Schutzgebühr lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein, um ein Tierheim halbwegs kostendeckend betreiben zu können. Und wer nach der GOT-Erhöhung schon mal zum Tierarzt musste, weiß, wie sehr die Preise gestiegen sind. Tierheime haben allerdings nicht NUR EIN Tier zu versorgen, sondern oft hunderte. Die Schutzgebühr mag also auf den ersten Blick ziemlich hoch sein, relativiert sich aber, wenn man ausrechnet, was man ansonsten alles hätte alleine bezahlen müssen.

Haustiger: Möchtest du unseren Lesern noch etwas mit auf den Weg geben?

Jasmin: Sehr gerne. Ich halte nichts von Sprüchen wie : „Adoptiert eine Katze aus dem Tierheim. Die sind so „dankbar“!“, weil dieser „Dankbarkeitsgedanke“ in meinen Augen nicht sinnvoll ist. Aber eine Katze aus dem Tierheim zu adoptieren, um ihr ein schönes Zuhause und ein tolles Leben zu schenken, das ist sinnvoll und einfach eine wundervolle Tat.

Und fragt bitte bei Unsicherheiten jemanden, der sich auskennt, Euch beraten und bei der Auswahl der passenden Katze begleiten kann, um das bestmögliche „Match“ zu erzielen.

Einen großen Dank an alle Menschen, die einer Tierschutzkatze eine Chance geben oder schon gegeben haben. Dafür bin ich Euch wirklich von Herzen dankbar!

© Jasmin Lindner

Haustiger: Liebe Jasmin, danke, dass du dir die Zeit genommen hast, uns unsere neugierigen Fragen zu beantworten und zu diesem wichtigen Thema aufzuklären. Was uns noch wichtig ist, zu erwähnen, ist, dass eine Abgabe ins Tierheim nicht automatisch eine Verschlechterung für das jeweilige Tier bedeuten muss, sondern – weit mehr als bei einer spontanen Blitzvermittlung – auch eine Chance sein kann, nach dem Aufenthalt das absolute Traumzuhause zu finden. 

Und wenn ihr noch mehr von Jasmin und den Katzen im Tierheim Gelsenkirchen sehen möchtet, dann folgt ihr doch auf Facebook und / oder Instagram

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Interview: Katzen und Feuer – richtiges Verhalten im Brandfall

Interview

Richtiges Verhalten im Brandfall

Im Gespräch mit anderen Katzenhaltern, ganz gleich, ob online oder offline taucht die Frage immer wieder auf. „Plant ihr für den Notfall?“, „Habt ihr euch schon einmal darüber Gedanken gemacht, was mit euren Tieren passiert, wenn bei euch zu Hause ein Feuer ausbricht?“ usw.. Ich habe und habe gottseidank auch jemanden gefunden, der mir meine neugierigen Fragen beantwortet. ;-)

Haustiger: Hallo Ingo, erzähl doch mal ein wenig von dir, damit unsere Leser auch wissen, mit wem sie es zu tun haben.

Ingo: Mein Name ist Ingo Behring, 43 Jahre alt. Ich bin seit über fünfundzwanzig Jahren bei der Feuerwehr aktiv, zum einen bei der Freiwilligen Feuerwehr in Bad Driburg und seit 1997 bei der Berufsfeuerwehr. Daneben bin ich Autor des Buches „112- der tägliche Wahnsinn“. (mehr …)

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