35+ Gründe für Unsauberkeit + Lösungen

35+ Gründe für Unsauberkeit bei Katzen

Pinkelt die Katze in die Wohnung oder pinkelt sie sogar ins Bett oder auf den Teppich, ist guter Rat oft teuer. Unsauberkeit bei Katzen ist ein Phänomen, das wohl mehr Katzenhalter kennen, als ihnen lieb ist, das Nerven kostet und mitunter zu großen und kostspieligen Schäden an der Wohnungseinrichtung führt. Leider hat die „Wildpinkelei“ daher nicht selten zur Folge, dass Tiere abgegeben oder sogar entsorgt werden.

Unnötig zu sagen, dass die Vermittlungschancen für Katzen mit Pipihintergrund nicht gerade die besten sind. Doch warum machen die Miezen das, wo doch auf den ersten Blick alles in Ordnung zu sein scheint. Wir haben 35 mögliche Gründe für euch zusammengestellt und wie ihr diesen begegnen könnt.

Katze pinkelt

Im Detail

Unsauberkeit Katze

Einige wichtige Anmerkungen zu Beginn.

Katzen sind überaus reinliche Tiere und vergraben ihre Ausscheidungen - wenn sie nicht als Reviermarken gesetzt werden - instinktiv abseits des Nestes, damit Beutegreifer ihren Geruch nicht aufnehmen können. Fühlt sich eine Katze dazu gezwungen, von diesem natürlichen Verhalten Abstand zu nehmen und außerhalb der Katzentoiletten ihre Geschäfte zu verrichten, besteht immer unmittelbarer Handlungsbedarf.

Sie tut dies NIEMALS, um ihre Menschen zu strafen, weil sie beleidigt ist („Protestpinkeln“) oder um dem Menschen eins auszuwischen. Nach aktuellem Stand der Wissenschaft besitzen Katzen wahrscheinlich nicht die hochentwickelten, kognitiven Fähigkeiten, um eine "Auge um Auge, Zahn um Zahn"-Mentalität auszuleben. Darüber hinaus sind Kot und Urin für unsere Haustiger etwas ganz Natürliches und nichts per se Unangenehmes, was die Schlussfolgerung auch unsinnig macht, Katzen würden Kot und Urin als "Waffe" gegen ihre Besitzer einsetzen.

Was es aber ist: Es handelt sich immer um eine Form der Mitteilung und es liegt an uns, zuzuhören, aufmerksam zu sein und herauszufinden, was die Katze mit ihrem Verhalten sagen möchte.

Nur wenn man den Grund für die Unsauberkeit kennt, kann man diesem auch begegnen. Oft braucht es jedoch viel Geduld, Nerven und manchmal eingehende Detektivarbeit, um diesen herauszufinden und eine passende Lösung zu finden.

Wichtig ist es auch, zeitnah zu reagieren. Ist die „Wildpinkelei“ erst einmal zur Gewohnheit geworden oder wurde die Katze schon darauf konditioniert, dass sie Aufmerksamkeit (auch Schimpfen ist Aufmerksamkeit!) bekommt, wenn sie irgendwo eine Pfütze hinterlässt, ist es sehr schwer, das eingefahrene Verhalten wieder auszutreiben. Es ist daher wichtig, bei Unsauberkeit a) frühzeitig zu reagieren und b) um die Tat an sich kein großes Theater zu machen.

Verhalten, das Erfolge bringt („wenn ich an die Haustür pinkle, macht mir mein Mensch die Tür auf und lässt mich raus“) lohnt sich, zu wiederholen. Und das möchte man ja nun nicht.

Erste Maßnahme: Herausfinden, wer es gewesen ist

Im Mehrkatzenhaushalt kann man oft nicht auf den ersten Blick sagen, wer die Pfütze oder Spuren an Möbeln oder Türen hinterlassen hat. Und auch wenn eine Katze auf frischer Tat beim Pinkeln ertappt wurde, muss es nicht heißen, dass sie die erste war. Es könnte sich vor ihr auch schon eine Mitkatze verewigt haben, deren Geruch sie nun mit ihrem eigenen Urin zu überdecken versucht.

Möglichkeiten, um wirkliche Klarheit zu erlangen, sind neben gründlicher Beobachtung (über 24 Stunden meist eher schwierig), zum Beispiel Webcams. Dr. Mircea Pfleiderer und Birgit Rödder 1Pfleiderer M., Rödder B. (2010). Was Katzen wirklich wollen. GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH. S. 160. nennen in ihrem Buch „Was Katzen wirklich wollen“ als weitere Möglichkeit Farbstoffe, die unter das Futter gemischt werden, z. B. Fluorescein, das unter UV-Licht aufleuchtet und verwendet wird, um Urin zu markieren, oder Lebensmittelfarbe zum Einfärben des Kotes.

Katzengruppe. Wer pinkelt in die Wohnung?
Katze pinkelt überall hin

Der feine Unterschied: Wird beliebig gepinkelt oder wird gezielt markiert?

Für die Ursachenbestimmung ist es hilfreich zu bestimmen, ob die Katze markiert oder nur beliebig pinkelt, da beiden Phänomenen unterschiedliche Ursachen zugrundeliegen.

Markieren ist ganz normales Katzenverhalten, das bei Katern wie Katzen, bei kastrierten wie unkastrierten Tieren vorkommt. Jedoch sieht man es bei (rechtzeitig) kastrierten Katzen als territoriales Verhalten deutlich seltener. Charakteristisch ist das Spritzen im Stehen mit hoch aufgerichtetem (zuckendem) Schwanz, aber auch die sitzende Stellung (unter abstreifenden Bewegungen der Hinterbeine) ist möglich.

Finden sich Urinspuren z. B. an Möbelseiten oder -rückwänden, an der Stereoanlage, den Vorhängen, der Wand, Türen, der Katzenklappe oder gezielt auf Gegenständen am Boden, ist es wahrscheinlich, dass markiert wird.
Finden sich die Pfützen auf beliebigen (glatten) Oberflächen, wie dem Boden, dem Teppich, der Badewanne, dem Sofa etc. pp. wird wahrscheinlich eher wahllos uriniert.

Um euch ein wenig dabei zu helfen, den Grund für die Unsauberkeit eurer Katze herauszufinden, haben wir euch nachfolgend einige Tipps und eine Liste häufiger Ursachen für Unsauberkeit samt Lösungsmöglichkeiten zusammengestellt.

Gesundheitliche Gründe

Fällt eine Katze durch Unsauberkeit auf, sollte immer als erste Maßnahme, tierärztlich abgeklärt werden, ob das Verhalten eine gesundheitliche Ursache hat. Ist diese ausgeschlossen, kann man sich anderen möglichen Problemen zuwenden.

Fünf häufige gesundheitliche bzw. körperliche Ursachen, warum die Katze in die Wohnung pinkelt, sind nachfolgend beschrieben.

1) Die Katze leidet unter einer Blasenentzündung oder Harnsteinen/-gries und zeigt deshalb Unsauberkeit

Insbesondere mehrere kleine Pfützen (gegebenenfalls auch bräunlich oder rötlich verfärbt) oder erfolglose und/oder von Jammern begleitete Versuche auf dem Katzenklo Urin abzusetzen, können auf eine Blasenentzündung oder auch auf Harnsteine/-gries hinweisen. Eine Katze mit solchen Symptomen gehört unverzüglich in tierärztliche Behandlung. Ein Harnwegsverschluss ist lebensgefährlich!

Blasenentzündungen sind häufig stressbedingt (FLUTD, FIC), Harnsteine und -gries werden oftmals durch falsche Ernährung gefördert. Beides sind Punkte, an denen man insbesondere bei wiederholten Beschwerden ansetzen kann.

Gerade bei stressbedingten Problemen kann neben ordentlicher Aufarbeitung in Absprache mit dem behandelnden Tierarzt bzw. der behandelnden Tierärztin die Gabe von Nahrungsergänzungsmitteln (z. B. mit Alpha-Casozepin, L-Theanin oder Tryptophan) in Betracht gezogen werden.

Zudem lohnt es sich attraktive Wasserstellen anzubieten und die Katze zum Trinken zu animieren. Ist der Urin durch zu geringe Flüssigkeitszufuhr zu stark konzentriert, kann dies Blasenentzündungen und Harnsteine/-gries fördern.

Hat die Katze die Toilette einmal mit Schmerzen verknüpft, wird sie sie mitunter auch nach Abklingen der Beschwerden meiden. Hier kann es helfen, komplett neue Bedingungen zu schaffen, d. h. neuer Standort, neues Klo, anderes Streu, um das Problem zu lösen.

2) Die Katze leidet unter einer anderen Erkrankung, fühlt sich unwohl und/oder hat Schmerzen

Bei Unsauberkeit ist es naheliegend, zunächst einmal an den Harnapparat zu denken. Jedoch kann - auch wenn hier alles in Ordnung ist - ein gesundheitliches Problem an anderer Stelle zum Absetzen von Urin und/oder Kot außerhalb der Katzentoilette führen.

Das können Erkrankungen sein, die zu vermehrtem Wasserlassen (Polyurie) führen, wie z. B. Diabetes mellitus oder Nierenerkrankungen, aber auch alles andere, was der Katze Unwohlsein und/oder Schmerzen verursacht, wie zum Beispiel Zahnprobleme oder Arthrose.

Es ist daher bei plötzlicher Unsauberkeit wirklich unerlässlich, dass nicht nur eine Urinprobe, sondern die ganze Katze vom Kopf bis zur Schwanzspitze gründlich untersucht wird, um wirklich ausschließen zu können, dass keine gesundheitlichen Probleme vorliegen.

Eine zusätzliche Möglichkeit ist Indikatorstreu mit Gesundheitsanzeige* aus dem Fachhandel, das als „Frühwarnsystem“ von Zeit zu Zeit eingesetzt werden kann.

3) Die Katze schafft es nicht mehr auf die Katzentoilette

Gerade bei älteren Katzen ist es sehr wichtig, dass die Katzentoiletten leicht und schnell zu erreichen sind, damit die Katze den Weg auch noch meistern kann, wenn sie nicht mehr die Schnellste ist. Das bedeutet meist, dass die Zahl der Katzentoiletten erhöht werden muss. Auch wenn die Katze Gewicht verloren hat, kann es sein, dass sie vorübergehend zu schwach ist, um lange Wege zur Katzentoilette bewältigen kann.

Es kommt auch vor, dass die Seniorenkatze den Urin vielleicht einfach nicht mehr so gut halten kann wie früher. Bei Kitten ist es im Endeffekt wie bei kleinen Kindern, da wird gespielt und gespielt und wenn man dann merkt, dass man „muss“, ist es schon fast zu spät :-) . Auch hier können vorübergehend mehrere im Haus verteilte Katzentoiletten Abhilfe schaffen. Oder man setzt das Kitten zunächst nach den Mahlzeiten versuchsweise aufs Stille Örtchen.

Auch im akuten Krankheitsfall, z. B. bei Durchfall oder Blasenentzündung, können zusätzliche Katzentoiletten für die Zeit der Problematik hilfreich sein.

4) Die Katze leidet unter einer Blasenfunktionsstörung

Wirbelsäulenverletzungen im Bereich der Lendenwirbel, des Kreuzbeins oder der Schwanzwirbel („Schwanzabriss“) können zu Schädigungen des Rückenmarks führen, die die Motorik der Hintergliedmaßen und die Blasenfunktion beeinträchtigen können. Es kann sein, dass diese Katzen ihre Blase nicht mehr selbstständig entleeren können und ausmassiert werden müssen oder inkontinent werden, weil sie die Harnabgabe nicht mehr willkürlich steuern können.

Auch eine Muskelschwäche oder Verletzungen des Gehirns oder Rückenmarks in weiter oben liegenden Bereichen können ursächlich sein. Angeborene Blasenfunktionsstörungen werden z. B. bei schwanzlosen Katzenrassen, wie der Manx-Katze, berichtet.

5) Die Katze findet die Katzentoilette nicht mehr/versteht nicht wozu eine Katzentoilette gut ist

Die meisten Katzen benutzen die Katzentoilette instinktiv und werden relativ schnell stubenrein, auch wenn sie in ihrem bisherigen Leben keine Katzentoilette kannten. Es gibt jedoch auch Fälle, die ihr Leben lang keine Katzentoilette akzeptieren und in die Wohnung pinkeln. Spricht Dr. Ferdinand Brunner 2Brunner F. (1989) Die unverstandene Katze: (Die Katze als Heimtier; Haltung, Psychologie, Verhaltensprobleme und deren Lösung; Erfahrungen aus 30 Jahren tierpsychologischer Beratungsstelle)  Ferdinand Brunner.-Melsungen. Neumann-Neudamm. S. 274 in seinem Werk „Die unverstandene Katze“ aus dem Jahr 1989 in diesem Fall noch von „krassem Intelligenzmangel“ und „Verblödung“, so ist man da heute, über dreißig Jahre später, ein wenig weiter. ;-)

Gesundheitliche Gründe im weiteren Sinn, die zu Unsauberkeit führen, sind z. B. geistige Behinderungen von Geburt an oder durch einen Unfall oder andere Gewalteinwirkung (Tritte, Hundebiss etc.) verursachte Schäden am Gehirn.

Wird eine Katze älter, kann es sein, dass sie schlicht vergisst, wo sich die Katzentoilette befindet. Demenz gibt es auch bei unseren Haustigern.

Katze mit geöffnetem Maul
Katze im Katzenklo

Toilettensituation + Katzenklo-Management sind nicht optimal.

Verschiedene Verhaltensweisen können darauf hinweisen, dass eure Katze mit den Katzentoiletten an sich nicht zufrieden ist. In der Regel ist dieses Verhalten schon zu beobachten, so lange die Katze ihre Geschäfte noch in dieser verrichtet.

Kommt dann noch ein weiterer Faktor hinzu, vielleicht nur eine Kleinigkeit, beginnt das Urinieren außerhalb der Katzentoilette.

Anzeichen, dass die Katze mit der Toilette nicht zufrieden ist, können z. B. sein 3R.T.S.McGowan et al. 2017. The ins and outs of the litter box: A detailed ethogram of cat elimination behavior in two contrasting environments. Applied Animal Behaviour Science 194 (2017) 67-78:

  • die Katze zögert, bevor sie in die Katzentoilette geht4Cottam N.,Dodman, N. H. 2007. The effect of an odor eliminator on feline litter box behavior. J. Feline. Med. Surg. 9. 44-50.
  • die Katze hält den Urin ein und geht auffällig selten zur Toilette und pinkelt dann relativ lange (Einhalten erhöht das Risiko für Blasenentzündungen)
  • die Katze scharrt mit ihren Pfoten nach Verrichten des Geschäfts außerhalb der Katzentoilette oder schlägt gegen die Wand der Haubentoilette
  • die Katze braucht lange, um die richtige Position zu finden
  • die Katze behält eine oder mehrere Pfoten außerhalb der Katzentoilette
  • die Katze schnüffelt lange Zeit an ihrem Geschäft und scharrt immer wieder, ohne wirklich zufrieden zu wirken
  • die Katze möchte beim Toilettengang begleitet werden und vokalisiert ggf. dabei (kann auch auf Schmerzen hinweisen!) 

Im Umkehrschluss ist es ein gutes Zeichen, wenn die Katze ohne zu zögern ihre Katzentoilette betritt, diese spontan für gut befindet und dort ohne großes Spektakel ihr Geschäft verrichtet.

Einige der wichtigsten Stellschrauben, die man an der Toilettensituation verändern kann, wenn die Katze überall hin pinkelt, sind im Folgenden zusammengestellt.

1) Es sind zu wenige Katzentoiletten verfügbar.

Als Grundsatz gilt, dass immer MINDESTENS eine Katzentoilette mehr im Haushalt zur Verfügung stehen sollte, als Katzen im Haushalt leben 5Borchelt P. L. Voith V. L., 1996. Elimination behaviour problems in cats. In: Voith, P. L. (Ed.), Readings in Companion Animal Behavior. Veterinary Learning Systems, Trenton, NJ, pp. 179-190.. Es handelt sich dabei um einen Mindestwert, d. h. es kann gut sein, dass in einem Drei-Katzen-Haushalt vier Katzentoiletten nicht ausreichen, sondern vielleicht fünf oder sechs notwendig sind, damit jeder glücklich ist.

Die Katzentoiletten sollten für optimales Katzenklomanagement nicht (alle) Klo an Klo stehen, sondern sich an verschiedenen günstigen Stellen im Haus oder der Wohnung befinden, damit jede Katze in Ruhe ihre Geschäfte verrichten kann und die Toiletten von den Tieren auch als separate Klostellen akzeptiert werden. Steht Klo an Klo wird dies von der Katze als nur ein Katzenklo gesehen.

Es gibt auch Katzen, die mit weniger Toiletten auskommen, aber als erste Maßnahme bei Unsauberkeit ist es eigentlich nie ein Schaden, eine weitere Toilette aufzustellen.

2) Die Katzentoiletten stehen an einem ungeeigneten Ort, was für Unsauberkeit sorgt.

Katzen sind in der Natur nicht nur Jäger, sondern mitunter auch Gejagte und während des Absetzens von Kot oder Urin angreifbar. Daher schätzen sie geschützte Orte, an denen sie ihre Ruhe, einen guten Überblick und Fluchtmöglichkeiten haben. Das sollte man auch beim Standort der Katzentoiletten im eigenen Heim berücksichtigen.

Ungeeignete Orte sind solche, an denen es laut zugeht (z. B. neben der Waschmaschine), an denen ständig Betrieb ist, an denen die Katze auf dem Präsentierteller sitzt (z. B. an der Glastür/Glasfassade), neben der Katzenklappe oder an Orten, die sich in unmittelbarer Nähe des Futter- oder Wasserplatzes befinden.

In jedem Fall sollten die Katzentoiletten leicht erreichbar sein, so dass die Katze keinen Hindernisparcours bewältigen muss, um ihr Geschäft dort verrichten zu können. Schon eine Klappe an der Haubentoilette kann dafür sorgen, dass das Stille Örtchen nicht mehr leicht erreichbar ist.

3) Der Katze sagt die Ausführung der Katzentoilette nicht zu.

Katzentoiletten gibt es in zahlreichen unterschiedlichen Ausführungen, von einfachen Schalentoiletten über Haubentoiletten mit und ohne Klappe, Katzentoiletten mit Einstieg von oben bis hin zu Modellen für gehobene Ansprüche mit Treppe oder Selbstreinigungsfunktion. Daneben gibt es Schränke, in denen die Katzentoiletten versteckt werden können.

Hier gelten im Endeffekt dieselben Punkte, wie beim Standort, wodurch sich erklärt, dass in vielen Fällen die einfache Schalentoilette aus Katzensicht die beste Wahl ist. Ausnahmen bestätigen die Regel, es gibt auch Katzen, die sich – Katzen sind keine Höhlenpinkler hin oder her – in der Haubentoilette wohler fühlen und/oder lieber Katzentoiletten mit Top-Entry benutzen.

4) Die Katzentoiletten sind zu klein.

Katzen sind je nach Rasse und Veranlagung unterschiedlich groß und haben daher auch einen unterschiedlichen Platzbedarf. Eine Faustregel besagt, dass bei einer optimalen Größe, die Diagonale der Katzentoilette der 1,5-2-fachen Körperlänge der Katze ohne Schwanz entsprechen sollte.

Viele der im Handel erhältlichen Katzentoiletten sind hier schlicht zu klein, insbesondere für große Katzenrassen. Manchmal reichen XXL-Katzentoiletten aus dem Fachhandel, manchmal bedarf es aber auch Eigenkonstruktionen etwa aus Mörtelwannen oder Kunststoffboxen. 

5) Die Katzentoiletten sind zu groß

Andersherum ziehen manche Katzen kleine Katzentoiletten (Kittenklos) normalen bis größeren Klolösungen vor. Das können zum Beispiel Katzen sein, die nicht gerne Katzenstreu an den Pfoten haben und in Kittenklos ihr Geschäft verrichten können, ohne dass die Pfoten im Klo stehen müssen.

6) Der Katze sagt die Konsistenz der Katzenstreu nicht zu

Auch bei der Katzenstreu gibt es große Unterschiede. Es gibt grobe und feine, klumpende und nicht klumpende Streu; Streu aus Bentonit, Silikatstreu, Streu aus pflanzlichem Material... und nicht jede Katze mag jede Streu. Da muss man teilweise einfach ausprobieren, was am besten akzeptiert wird.

Erfahrungsgemäß funktioniert feine Streu meist besser als grobe, da sie für die Pfötchen angenehmer ist. Akzeptiert die Katze z. B. weil sie es vom Leben als Streuner nicht kennt, keine gewöhnliche Katzenstreu, kann manchmal Kleintierstreu oder Erde eine vorübergehende Lösung sein.

Wichtig ist, dass Streuwechsel niemals abrupt erfolgen, sondern dass Streusorten nach und nach ausgetauscht werden oder zunächst nur eine Toilette mit der neuen Streu befüllt wird.

Wird die Lieblingsstreu nach langer Zeit von einem Tag auf den anderen nicht mehr akzeptiert, ist es – speziell bei Streu mit Duft – möglich, dass sich die Zusammensetzung geändert hat. Daher ist es von Vorteil, immer mindestens zwei Streusorten zu haben, die gut akzeptiert werden, um im Fall des Falles auf die andere zurückgreifen zu können, sollte eine aus dem Handel genommen oder verändert werden.

Manche Katzenstreuarten stauben relativ stark und können die empfindlichen Atemwege der Katze reizen, auch ein Punkt, den man im Auge behalten sollte.

7) Die Katze mag keine Katzenstreu an den Pfoten.

Die meisten Katzen scharren erst einmal, bevor sie ihr Geschäft verrichten. Es gibt aber auch Katzen, die mit Katzenstreu generell einfach nichts anfangen können oder nicht mehr (Stichwort: empfindliche Pfötchen, z. B. durch Pododermatitis). Es kommt vor, dass diese Katzen dann auf den Teppich oder an andere Stellen im Haus pinkeln, obwohl die Toilettensituation an sich eigentlich gut ist. 

In diesem Fall können alternative Lösungen, wie der Puppy Trainer* oder auch einfach Zeitungspapier, Küchenrolle oder eine andere saugfähige Unterlage in der Katzentoilette das Problem womöglich lösen.

Auch Handicats, wie z. B. Ataxisten, ziehen saugfähige Unterlagen manchmal Katzenstreu vor, da sie auf diesen besseren Halt finden. Einige Katzen mit einer Abneigung gegen Katzenstreu lassen sich auch dazu trainieren, ein Babytöpfchen oder sogar das „Menschenklo“ zu benutzen.

Wichtig: Solche alternativen Lösungen sind an sich nicht katzengerecht, weil der natürliche Kot- und Urinabsatz so einfach nicht abläuft. Das heißt, sie sind keine Option, um Katzenstreu zu sparen.

Aber nichtsdestotrotz braucht es bei besonderen Katzen manchmal einen besonderen Kompromiss und das können mitunter auch solche Lösungen sein.

8) Der Einstieg der Katzentoilette ist zu hoch.

Verrichtet die Katze ihre Geschäfte nicht mehr in, sondern zum Beispiel vor der Katzentoilette können auch Gelenkbeschwerden, wie Arthrose, die Ursache sein, wenn sie den Einstieg in die Katzentoilette zu einem schmerzhaften Erlebnis werden lassen. Hier kann eine Katzentoilette mit niedrigem Einstieg - neben einer geeigneten tierärztlichen Behandlung (z. B. Gabe von vom Tierarzt / der Tierärztin verordneten Schmerzmitteln bei Arthrose) das Problem lösen.

Dabei kommen z. B. SAMLA-Boxen von ikea, Hundekörbchen, Mörtelwannen, Industriebackbleche und viele Eigenbauten mehr in Betracht. Auch Ataxisten tun sich mit dem Einstieg in normale Katzentoiletten teilweise schwer.

9) Es wird mit Duftstoffen gearbeitet, die die Katze stören

Wie dem nun einmal so ist, so riechen auch die Ausscheidungen der Katze nicht nach Veilchen, wobei man über die Ernährung hier ggf. Verbesserungen erzielen kann.

Nichtsdestotrotz wird bei vielen Katzenstreumarken mit Duftstoffen gearbeitet, die den Geruch des Stillen Örtchens angenehmer gestalten sollen. Das gleiche Ergebnis versucht man mit Deos für die Katzentoilette zu erreichen.

Oft riechen diese Produkte schon für die menschliche Nase relativ stark und können bei empfindlichen Personen auch zu Kopfschmerzen oder Unwohlsein führen. Man kann sich vorstellen, wie stark der Geruch für eine Katze sein muss, die über ein 14x besseres Riechvermögen verfügt als der Mensch. Insbesondere dann, wenn sich die parfümierte Streu auch noch in einer geschlossenen Katzentoilette befindet.

10) Die Einstreutiefe ist zu gering/zu hoch.

Um Streu zu sparen, wird in Katzentoiletten oftmals nur eine dünne Schicht Katzenstreu eingefüllt. Jedoch bevorzugen gerade die Buddelweltmeister unter den Haustigern ausreichend Material, um ausgiebig graben zu können und ihre Hinterlassenschaften so tief zu verscharren, dass auch das feine Katzennäschen mit dem Ergebnis zufrieden ist.

Auch die Reinigung wird durch eine ausreichende Streuschicht erleichtert. Andersherum findet manche Katze gerade bei sehr leichter Streu vielleicht nicht ausreichend Halt und fühlt sich mit einer dünnen Schicht wohler.

11) Die Katzentoiletten werden zu selten gereinigt.

Wer kennt das nicht, da ist man längere Zeit unterwegs und dann muss man wohl oder übel auf eine öffentliche Toilette, die alles andere als einladend aussieht. Wenn es einem dann nicht gleich vergeht, dann ist es zumindest mit einem gewissen Ekel verbunden, an diesem Ort seine Geschäfte zu verrichten. So geht es der Katze auch, wenn die Katzentoiletten nicht regelmäßig gereinigt werden und sich dort die Hinterlassenschaften ansammeln. Daher ist es sehr zu empfehlen, dass die Katzentoiletten mindestens einmal am Tag, besser zweimal, von den Hinterlassenschaften befreit werden und die Einfüllhöhe bei Bedarf wiederhergestellt wird.

Ein kompletter Austausch mit Nassreinigung des Katzenklos empfiehlt sich grob alle 4 Wochen. Je nach Qualität der Streu, Anzahl der Katzen, Anzahl der Klos und „Etepetete-Faktor“ der Samtpfoten usw. usf. kann ein häufigerer oder auch ein seltenerer Komplettaustausch notwendig sein.

Wer gerade bei geschlossenen Toilettenmodellen dazu neigt, die regelmäßige Reinigung zu vergessen, weil ihm die Hinterlassenschaften nicht direkt ins Auge fallen, dem hilft es vielleicht, sich dies als tägliche Erinnerung ins Smartphone zu speichern oder ganz altmodisch mit Zetteln zu arbeiten.

Speziell geschlossene Katzentoiletten müssen häufiger und penibler gereinigt werden, da in ihnen Klumpen langsamer austrocknen und sich der Geruch hartnäckiger im Klo hält, als bei offenen Modellen.

12) Es wird ein ungeeigneter Reiniger für die Katzentoiletten verwendet.

Neben der Streu an sich, kann auch der Reiniger, mit dem die Katzentoilette gereinigt wird, ein Problem sein. Scharfe Reiniger oder Desinfektionsmittel sollten nicht zum Einsatz kommen. Problematisch sind zum Beispiel chlor- und ammoniakhaltige Reiniger sowie Reiniger mit Zitrusduft. Wir haben hier die besten Erfahrungen mit Enzymreiniger, wie z. B. Biodor®*, gemacht.

13) Es wird ein ungeeigneter Reiniger für die Pipistellen verwendet.

Hat die Katze bereits außerhalb der Katzentoilette ihr Geschäft verrichtet, ist es unerlässlich, dass die Pipistellen so gereinigt werden, dass auch für die empfindliche Katzennase kein Pipigeruch zurückbleibt. Auch hier eignet sich Enzymreiniger nicht nur für Hartböden, sondern auch für Polster und Teppiche sehr gut.

Da es in einigen Fällen zu ganz üblen Reaktionen kommen kann, wenn vor der Arbeit mit dem Enzymreiniger mit chemischen Reinigern (z. B. Teppichschaum) gearbeitet wird, würden wir empfehlen, bei vorbehandelten Polstern und Teppichen mit Enzymreiniger eher vorsichtig zu sein. Auf die im vorhigen Punkt aufgeführten ungeeigneten Reiniger sollte auch hier verzichtet werden.

Teilweise wird auch empfohlen, Pipistellen mit hochprozentigem Alkohol (z. B. Wodka) oder Essig zu reinigen, wobei jedoch der Kontakt zwischen Katzen und Flüssigkeit auf jeden Fall vermieden werden sollte.

Katzenflüsterin Vicky Halls 6Halls V. (2007). Die Katzenflüsterin. Erfolgreiche Kommunikation, vertrauensvolles Miteinander.S.136.empfiehlt Zeolith, um vor allem saugende Böden, wie z. B. Holzdielen oder Betonböden von „Katzenpipiduft“ zu befreien. Wird Zeolith reichlich auf die betroffenen Stellen aufgebracht, kann es Geruchsstoffe binden, die eventuell noch im Boden vorhanden sind. Nach 48 Stunden wird es wieder aufgesaugt. Während dieser Zeit sieht die Wohnung bzw. der betroffene Raum aus wie ein Katzenklo und riecht entsprechend. Die Behandlung sollte daher in Abwesenheit der Samtpfoten durchgeführt werden.

Eine UV-Lampe (Schwarzlicht) erleichtert es, auch eingetrocknete Pipistellen aufzuspüren.

13) Die Katze verbindet die Katzentoilette mit einem schlechten / furchteinflößenden Erlebnis

Neben den bereits erwähnten Schmerzen, die eine Katze möglicherweise mit dem Besuch der Katzentoilette in Verbindung bringt, können es auch viele andere Ereignisse sein, die der Katze den Besuch der Katzentoilette verleiden. So zum Beispiel ein lauter Knall auf der Straße oder der Besen, der plötzlich neben der Katze auf den Boden fällt, wenn sie gerade ihr Geschäft verrichtet. Leider ist es jedoch häufig so, dass man diese Situationen nicht beobachtet und später nicht nachvollziehen kann.

Nichtsdestotrotz kann man auch hier versuchsweise wie im Fall der Blasenentzündung beschrieben neue Bedingungen schaffen. Niemals sollte die „hilflose“ Situation während eine Katze ihr Geschäft verrichtet dazu genutzt werden, ihr zum Beispiel Medikamente zu verabreichen! 

14) Es gibt keine Katzentoilette im Haus oder der Lieblingskloplatz draußen ist nicht mehr zugänglich.

Manchmal wird Freigängern im Haus keine Katzentoilette zur Verfügung gestellt. Doch was im Sommer noch gut funktioniert, könnte sobald es draußen kalt oder auch nur regnerisch wird, schnell zum Problem werden und die Katze sucht sich im Haus ein Plätzchen, um ihr Geschäft zu verrichten. Das können z. B. Blumenkübel sein.

Auch überzeugte Freigänger sollten daher immer auch an die Katzentoilette gewöhnt werden, um im Fall des Falles (wenn die Katze z. B. in den Stubenarrest muss) vorbereitet zu sein. Verrichtet die Katze trotz Klomöglichkeiten im Haus ihr Geschäft in den Blumenkübeln, weil sie die Erde als passender Untergrund anzieht, kann es helfen, diese mit Steinen abzudecken.

Territoriale und emotionale Gründe

Unsauberkeit kann immer auch territoriale und emotionale Gründe haben. Oft wird hier einfach von „Stress“ gesprochen. Stress an sich ist zunächst einmal ein wertneutraler Begriff. Denn Stress kann sowohl positiv als auch negativ sein. Und auch wie Stressoren wahrgenommen werden ist von Katze zu Katze unterschiedlich und hängt u. a. von der Genetik, der frühen Entwicklung und den bisherigen Erfahrungen des jeweiligen Tieres ab.

So kann eine Situation, die die eine Katze ganz cool wegsteckt, für die andere den Untergang ihrer heilen Welt bedeuten. Das Risiko, dass der letztere Fall eintritt, ist höher, wenn die Katze nicht richtig sozialisiert, also zu früh von Mutter und Geschwistern getrennt wurde. Besonders chronische Angststörungen äußern sich häufig in Unsauberkeit bzw. in immer wiederkehrenden Blasenentzündungen, die dann wiederum zu Unsauberkeit führen. Die Katze versucht bei Angst oder Verunsicherung sich durch intensiven Eigengeruch Sicherheit zu verschaffen. Harn hat für die Katze keine negative Konnotation wie für uns Menschen. Ein Hinweis darauf kann z. B. sein, dass die Katze bevorzugt auf ihre eigenen Liegeplätze pinkelt.

Feliway* hat sich in einigen wissenschaftlichen Untersuchungen als hilfreich erwiesen, um stressbedingte Verhaltensprobleme zu reduzieren, und kann unterstützend eingesetzt werden. 7Gaultier E., Pageat P., Tessier Y.1998. Effect of a feline appeasing pheromone analogue on manifestations of stress in cats during transport. In: Proceedings of the 32nd Congress of the International Society for Applied Ethology.Clemont-Ferrand. p. 198 8Griffith C. A., Steigerwald, E.S., Buffington, C.T.,2000. Effects of a syntheticfacial pheromone on behaviour of cats.J.Am. Vet.Med. Assoc. 217, 1154-1156. 9Pereira J.S., Fragoso S., Beck A., Lavigne S., Varejão, A.S., daGracaPereira, G., 2015. Improving the feline veterinary consultation: the usefulness of Feliway spray in reducing cats’ stress. J. Feline Med. Surg. p. 1098612X15599420. Ebenso kann man hier in Absprache mit dem Tierarzt oder der Tierärztin mit geeigneten Nahrungsergänzungsmitteln unterstützen.

Grundsätzlich profitieren Tiere mit stressbedingten Verhaltensproblemen und/oder "Angstkatzen" im Allgemeinen aber immer von professioneller Unterstützung, etwa durch auf Verhaltensmedizin spezialisierte Tiermediziner*innen. 

Es ist wichtig zu verstehen, dass der begrenzte Lebensraum einer Wohnungskatze ihrem ganzen Kosmos entspricht („My Home is my Castle“) und daher schon kleinste für uns unscheinbare Veränderungen wesentliche Bedeutung für die Katze haben können. So werden ungünstige Bedingungen in den eigenen vier Wänden womöglich lange Zeit ertragen, bis dann ein winziger Auslöser das Fass zum Überlaufen bringt.

Die Umwelt der Katze lässt sich dabei in die drei Dimensionen des Raums, der Zeit und der sozialen Beziehungen einteilen. Es ist daher nicht nur wichtig wo sie sich befindet, sondern auch wann und mit wem, wenn es darum geht, die Ursache für die Unsauberkeit herauszufinden. Einen Hinweis geben z. B. die Orte, an denen Pipimarken hinterlassen werden.

Neben Angst und Verunsicherung können auch starke positive wie negative Erregung z. B. in unharmonischen Mehrkatzenhaushalten, bei Neuzugängen oder bei ausgeprägter Erwartungshaltung (z. B. bei verspäteter Fütterung) zu Harnmarkieren führen.

Einige wesentliche Faktoren sind im Folgenden im Detail beschrieben.

1) Es gibt Probleme mit den anderen Katzen im Haushalt

Probleme innerhalb der Katzengruppe können dazu führen, dass eine oder sogar mehrere Katzen ihre Geschäfte außerhalb der Katzentoilette verrichten. Auflauern an der Katzentoilette und das Opfer im unschönen Fall innerhalb der Katzentoilette festsetzen, ist ein häufiges Phänomen, dem man im Vorfeld begegnen kann, indem man der Katze bei Platzierung der Katzentoiletten immer mindestens zwei Fluchtwege offenlässt. Umso größer die Katzengruppe, umso größer die Gefahr, dass es zu Harnmarkieren bzw. zu Unsauberkeitsproblemen kommt.

Man muss die Katzen hier sehr genau lesen können, nicht selten berichten Katzenhalter, dass ihre Samtpfote plötzlich aufgeblüht ist, als der Artgenosse verstorben war, obwohl man jahrelang der Meinung war, es wäre alles in Ordnung zwischen den Samtpfoten. Meist ist es daher auch hier sinnvoll, eine professionelle Fachkraft hinzuzuziehen, um die Situation unter den Katzen zu analysieren und nach Möglichkeit zu verbessern.

In seltenen Fällen und wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, ist die Abgabe einzelner Tiere bzw. die Trennung der Katzengruppe die letzte Möglichkeit, um wieder für Harmonie und ein „pipifreies“ Zuhause zu sorgen. Hier findest du Tipps, wenn du für eine deiner Katzen ein neues Zuhause finden musst. 

1) Es herrscht eine schwierige Stimmung unter den Menschen

Katzen besitzen sehr feine Antennen für die Stimmung ihrer Menschen und spiegeln diese auch häufig. So kann es sein, dass z. B. häufiger Streit, weniger Zeit durch einen neuen Arbeitsplatz, Stress mit dem Vermieter, eine anstehende Operation, eine baldige Prüfung usw. usw., die euch selbst belasten, zur Folge haben, dass eure Katze auf die Stimmung im Haus mit Unsauberkeit reagiert, um auf diese Weise ihr Unwohlsein auszudrücken.

Es ist daher nie verkehrt, sich auch einmal das eigene Verhalten bzw. die eigene Situation unabhängig von der Katze genau vor Augen zu führen und ggf. an der Situation selbst oder am Umgang damit etwas zu verändern.

3) Die Konstellation unter den Katzen hat sich verändert

Gibt es Veränderungen im Katzenrudel, z. B. durch einen Neuzugang oder auch weil eine Katze die Gemeinschaft verlassen hat, kann dies dazu führen, dass es zu Unsauberkeit in Form von Pinkeln oder Markieren kommt. Hier kann auch schon vorübergehende Abwesenheit (z. B. durch einen Tierarztbesuch) ausreichend sein. Insbesondere Marken an Zimmertüren und -wänden weisen darauf hin, dass sich das Problem im Haus befindet.

Auch hier braucht es Geduld, gute Nerven und mitunter professionelle Hilfe, um das Problem zu lösen. Vergesellschaftungen sollten insbesondere bei erwachsenen Tieren sanft erfolgen (z. B. neues Tier erstmal durch Gittertür separieren), um von Beginn an gute Voraussetzungen für ein harmonisches Zusammenleben zu schaffen.

Ebenso sollte, wenn ein Neuzugang geplant ist, darauf geachtet werden, dass die Tiere charakterlich und vom Alter her zueinander passen. Das Geschlecht spielt nicht zwangsläufig eine Rolle. Auch bei der Auswahl der passenden Partnerkatze kann und darf man sich gerne vom Profi helfen lassen.

4) Die Konstellation unter den Menschen hat sich verändert

Auch ein Neuzugang unter den Menschen kann zu Problemen führen. Hat die Katze den Eindruck, dass ihr Territorium durch diesen Neuzugang ernsthaft gefährdet wird, kann es sein, dass dessen Kleidungsstücke oder andere Besitztümer oder auch Möbelstücke markiert werden.

Der Stress für die Katze, der mit den mitunter einschneidenden Veränderungen einhergeht, kann aber auch dazu führen, dass die Katze wahllos in der Wohnung uriniert oder kotet. Handelt es sich bei dem Neuzugang um ein Baby sind zum Beispiel die Wiege oder der Laufstall naheliegende Pinkelstellen.

Wenn es sich bei der neuen Person, um einen neuen Partner/erwachsenen Mitbewohner handelt...

... kann es neben viel Zeit und Geduld helfen, die Beziehung zwischen dem Partner und der Katze zu verbessern. Dabei sollte jedoch immer der Katze die Initiative überlassen und die Katze vom neuen Partner nicht bedrängt werden. Bestechungsmittel wie leckeres Futter oder Leckerli können nichtsdestotrotz hilfreich sein. Je nach Charakter ist auch Spielen mit der Katze (z. B. mit der Federangel) möglich.

Wenn es sich bei der neuen Person, um ein Baby handelt...

...handelt es sich um eine Veränderung, die sich nicht einfach ausschalten oder „programmieren“ lässt. Die Katze muss lernen, sich an den neuen Erdenbürger und alles was mit diesem zusammenhängt, zu gewöhnen.

Speziell bei empfindlichen Katzen kann es helfen, diese gezielt auf die Ankunft des Babys vorzubereiten (z. B. Windel aus der Klinik mitbringen, getragene Kleidung mitbringen, Babygeschrei im Vorfeld zur Desensibilisierung abspielen etc.). Soll die Katze nicht ins Kinderzimmer oder Schlafzimmer, wenn das Baby einmal da ist, sollte dieses bereits einige Monate vorher zur Tabuzone erklärt werden.

Später kann und sollte die Katze - wenn sie möchte - in den Umgang mit dem Baby miteinbezogen werden, aber auch die Möglichkeit haben, sich zurückzuziehen. Und auch Zeit für ausgiebige Spiel- und Kuschelstunden sollte wo möglich freigeschaufelt werden.

Andersherum darf auch das Kind von Anfang an den Umgang mit der Katze lernen. Keinesfalls sollte der Katze „die Erziehung überlassen werden“.

5) Ein neuer Artgenosse ist in der Nachbarschaft aufgetaucht

Katzenkonkurrenten müssen sich nicht zwangsläufig innerhalb der eigenen Katzengruppe befinden. So kann der neue Nachbarskater, der regelmäßig vor der Terrassentür oder am Fenster auftaucht schon ausreichend sein, dass die eigene Katze Anlass sieht, deutliche Harnmarken zu setzen. Insbesondere Markieren an Fenstern und Außentüren, Vorhängen oder der Katzenklappe legen den Verdacht nahe, dass sich der Feind außerhalb des Hauses befindet. Manche Fremdkatzen sind sogar so dreist, dass sie durch die Katzenklappe zu Besuch kommen und dadurch ins Revier der eigenen Katzen, ihren sicheren Rückzugsort, eindringen.

Ihr könnt euch das in etwa so vorstellen, wie wenn ihr in einer Wohnung lebt, in der ihr die Wohnungstür nicht abschließen könnt und immer damit rechnen müsst, dass plötzlich jemand auf der Matte steht.

In solchen Fällen kann es helfen, die Katzenklappe erst einmal zu entfernen/zu versperren, damit sich die Katzen wieder sicher fühlen können. An den Fenstern sind manchmal schon Jalousien ausreichend.

6) Es gab Veränderungen im Haushalt.

Katzen sind opportunistische Gewohnheitstiere und können Veränderungen oft nur wenig abgewinnen. So kann es durchaus vorkommen, dass sie eure Freude über das neue Sofa oder die neue Matratze so gar nicht teilen und auf die fremd riechenden Objekte mit Verunsicherung reagieren und versuchen diese mit ihrem Eigengeruch zu versehen. Hier kann es helfen, den neuen Geruch mit angenehmen Aromen (wie z. B. Katzenminze) zu überlagern und z. B. erst einmal die alten Decken auf der neuen Couch zu belassen, damit diese nach wie vor vertraut riecht.

Auch andere Veränderungen wie eine plötzlich geschlossene Tür, Renovierungen in und um die Wohnung (Hämmern, Bohren etc.) können die Katze zum „Wildpinkeln“ veranlassen.

7) Es steht auf einmal mehr Platz zur Verfügung

Eine größere Wohnung wird von den meisten Katzenhaltern in der Regel erst einmal als positiv angesehen. Schließlich haben die Katzen mehr Platz, vielleicht jetzt auch einen Balkon oder sogar eine gesicherte Terrasse bzw. einen gesicherten Garten zur Verfügung.

Für die Katze wird jedoch ihr Revier erst einmal unübersichtlicher und fremd, was die Katze verunsichert und sie möglicherweise dazu veranlasst, durch Harnmarken wieder etwas vertrauten Geruch in den eigenen Kosmos zu bringen. Hier kann es helfen, vertraute Möbelstücke und Textilien mitzunehmen und die Katzen ziemlich am Schluss umziehen zu lassen, wenn die Wohnung schon halbwegs eingerichtet und der Umzugsstress (viel Lärm, viele Leute...) verflogen ist. Katzentoiletten sollten nach dem Umzug an ähnlichen Stellen platziert werden, wie in der alten Wohnung.

Empfehlenswert ist außerdem, die Katzen ihr Revier nach und nach erkunden zu lassen. So sollte die Katze zuerst einige Zimmer erkunden dürfen und wenn sie sich in diesen normal verhält (nicht mehr geduckt läuft, normal frisst, spielt, schläft...) nach und nach mehr Raum erhalten. Freigang ist frühestens nach 4-6 Wochen zu empfehlen. Auch im Nachhinein kann es noch helfen, den Wohnraum zu reduzieren.

Andererseits können die Wege zur Katzentoilette in einer größeren Wohnung vor allem für Kitten und ältere oder behinderte Tiere plötzlich einfach zu weit sein, was sich ggf. durch weitere Katzentoiletten oder eine Umplatzierung der bestehenden Klos lösen lässt.

8) Es steht auf einmal weniger Platz zur Verfügung

Gerade im Mehrkatzenhaushalt kann es problematisch sein, wenn nach einem Umzug plötzlich weniger Platz zur Verfügung steht und es schwieriger wird, sich aus dem Weg zu gehen. Lässt sich ein Umzug in eine kleinere Wohnung nicht vermeiden, sollte versucht werden, den Katzen in dieser so viel Raum wie möglich zu gewähren. Eine Möglichkeit dafür wäre zum Beispiel der Ausbau der dritten Dimension mithilfe von Catwalks, Wandbettchen etc.. Je nach Fall kann auch ein Rückzugszimmer mit chipgesteuerter Katzenklappe für eine oder mehrere Katzen eine Lösung sein.

9) Die Katze möchte Freigang

Gerade bei Katzen mit unklarer Herkunft (z. B. Fundtiere/ausgesetzte Tiere aus dem Tierschutz) weiß man oft nicht, wie diese früher gelebt haben. Manche Tierschutzvereine vermitteln auch ausschließlich in Wohnungshaltung. Das ist aus Sicht des Tierschutzvereins und zur Sicherheit der Katze auch sinnvoll, jedoch gibt es auch Katzen, die für eine reine Wohnungshaltung einfach nicht gemacht sind und Freigang oder zumindest einen gesicherten Garten brauchen, um glücklich zu sein.

Kann man dies selbst nicht sicher bieten, ist es manchmal unumgänglich ein neues Zuhause für die Katze zu suchen, um die Unsauberkeit im besten Fall Vergangenheit werden zu lassen. 

10) Die Katze bekommt zu wenig Mahlzeiten am Tag/zu wenig Futter/anderes Futter

Spätestens seit der Snickers-Werbung wissen wir es alle. Hunger macht schlechte Laune, Stress, Frust und kann schon mal dazu führen, dass man zur Diva wird. Bei der Katze kann sich dies auch in Unsauberkeit äußern. Es ist daher nicht verkehrt, auch das bisherige Futtermanagement einmal genau unter die Lupe zu nehmen und zu sehen, was sich dort noch optimieren lässt.

Ist das Futtermanagement so gestaltet, dass alle Katzen stressfrei fressen können?

Sind vielleicht die Abstände zwischen den einzelnen Mahlzeiten zu lang (die Katze nimmt in freier Natur viele kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich, so dass Experten auch empfehlen, mindestens fünfmal täglich zu füttern)?
Ist die Katze eigentlich ein Häppchenesser, hat aber einen gefräßigen Mitbewohner, der ihr sofort den Napf leerfuttert?

Ist die Futtermenge zu gering? Fütterungsempfehlungen ob nun die auf der Dose oder beim Barfen sind immer nur Richtwerte, die für die einzelne Katze entsprechend angepasst werden müssen.

Ist der Napf vielleicht zu eng und die Katze leidet unter Whisker Stress?

Oder gibt es neues Futter, das die Katze nicht wirklich mag?

11) Die Katze ist nicht ausgelastet

Auch aufgestaute Energie, die die Katze nicht loswerden kann, kann zu Frust führen, der dann oftmals an den oder einer der Mitkatzen ausgelassen wird. Infolge kann es zu Unsauberkeit bei der betroffenen Katze selbst oder ggf.der Mitkatze kommen.

Um die Katze auszulasten und Wildpinkeln vorzubeugen, sollte zunächst ein geeigneter Katzenkumpel vorhanden sein, der ebenso aktiv ist und mit dem sich die Miez nach ihrer Fasson auspowern kann. Zudem ist es sinnvoll vor allem abends interaktiv mit den Katzen zu spielen und sie jagen zu lassen. Am besten eignen sich hier fassbare Spielzeuge. Wird mit Spielzeugen wie etwa dem Laserpointer oder dem Tablet gespielt, sollte die Spielstunde immer mit fassbarer Beute sprich Federangel, Bällchen etc. beendet werden. Neben der körperlichen Auslastung ist auch geistige Auslastung z. B. durch Clickern, Intelligenzspielzeug oder ähnliches von Bedeutung. Das Reichen ganzer Beutetiere wie Eintagsküken oder Futtermäusen kann ebenfalls dazu beitragen, dass gerade Wohnungskatzen ihr natürliches Jagdverhalten ausüben können.

12) Die Wohnung ist nicht katzengerecht eingerichtet

Für Wohnungskatzen ist die Wohnung/das Haus die ganze Welt und dieser Lebensraum sollte katzengerecht eingerichtet werden, um den arttypischen Bedürfnissen des felinen Mitbewohners soweit möglich gerecht zu werden. Hierzu stehen mittlerweile im Fachhandel nicht mehr nur „Ungetüme aus Plüsch“ zur Verfügung, sondern auch eine Vielzahl von Katzenmöbeln, die sich auch in die modern gestaltete Wohnung perfekt einfügen. Pinterest eignet sich hier z. B. prima als Inspirationsquelle. Konkret ist es in einer katzengerechten Wohnung wichtig, jedem Tier Rückzugsorte zu schaffen, an denen die Katze beobachten kann, ohne gesehen zu werden, es sollte ausreichend geeignete Kratzmöglichkeiten geben und gerne auch die Möglichkeit, die dritte Dimension zu nutzen, was sich z. B. über Catwalks usw. realisieren lässt.

13) Eine andere Katze im Haushalt ist erkrankt

Nicht nur eine Erkrankung der Katze selbst, sondern auch die Krankheit einer Mitkatze kann zu Unsauberkeit führen, wenn die betroffene Katze etwa durch verändertes Verhalten oder einen anderen Geruch der erkrankten Katze verunsichert wird. Daher lohnt es sich, auch weil man oft nicht sagen kann, wer pinkelt, auch die anderen Katzen genau zu beobachten bzw. tierärztlich durchchecken zu lassen.

14) Die Katze ist nicht oder nur unvollständig kastriert/ wurde zu spät kastriert

Ein häufiger Grund für Markieren ist, dass die Katze bzw. der Kater noch nicht kastriert ist oder möglicherweise auch nur unvollständig kastriert wurde, weil z. B. durch Kryptorchismus beim Kater ein Hoden im Bauchraum verblieben ist oder bei der Katze ein Ovarian-Remnant-Syndrom vorliegt. Besteht der Verdacht darauf, dass bei der Kastration vielleicht etwas schiefgelaufen ist (z. B. weil der Kater nach wie vor streng riecht oder die Katze Zeichen von Rolligkeit zeigt), kann eine Nach-OP helfen. Leider kommt es bei Katzen bzw. Katern, die vor der Kastration bereits markiert haben vor, dass sie dieses Verhalten auch nach der Kastration nicht mehr ablegen. Daher und auch aus diversen anderen Gründen am besten frühzeitig kastrieren lassen.

15) Die Katze entwickelt unabhängig von anderen Gründen eine Vorliebe für bestimmte Untergründe (z. B. Handtücher, Wäsche, gummierte Matten)

Manche Stoffe (ein Klassiker sind Badematten) üben auf Katzen eine magische Anziehungskraft aus, was das Bepinkeln angeht. Hier hilft es zur Vermeidung von Unsauberkeit bei der Katze am besten auf entsprechende Textilien zu verzichten und/oder zum Beispiel Handtücher und Kleidung nicht auf dem Boden herumliegen zu lassen (so manch Katze hat hier schon Erziehungsarbeit geleistet, bei der Lebensgefährten bzw. Eltern jahrelang gescheitert sind ;-) ).

Zum Weiterlesen: AAFP and ISFM Guidelines for Diagnosing and Solving House-Soiling Behavior in Cats. Journal of Feline Medicine and Surgery (2014)

territoriale Gründe für Unsauberkeit
Katze macht in die Wohnung

Unsauberkeit in a Nutshell

Wenn die Katze unsauber ist und überall in die Wohnung pinkelt, ist dies eine belastende Situation. Für den Menschen, aber insbesondere auch für die Katze.

Hier sind die wichtigsten Punkte noch einmal zusammengefasst.

1) Gesundheitliche Ursachen abklären lassen: Katzen sind Meister im Verbergen von Schmerzen und verbergen Erkrankungen und Schmerzen häufig. Statistisch gesehen haben 90 % aller Katzen ab 12 Jahren ein Problem mit Arthrose und bei den Zähnen ist jede 2. Katze ab 3 Jahren und unter 3 Jahren auch schon jede dritte Samtpfote betroffen.

Dazu kommen diverse andere mögliche Probleme, wie z. B. Magen-Darm-Beschwerden und natürlich Probleme mit den Harnwegen an sich. Der erste Schritt ist daher immer die Abklärung gesundheitlicher Ursachen!

2) Toilettensituation und Lebenssituation optimieren: Sehr viele Probleme mit Unsauberkeit sind dadurch bedingt, dass die Katzenklo-Situation im Haus nicht optimal ist. Hier gibt es immer Optimierungsbedarf.

3) Rechtzeitig Hilfe holen: Pinkelt die Katze in die Wohnung, ist dies eine belastende Situation und oft braucht es zum einen Detektivarbeit, um die Ursache zu finden und zum anderen ein gezieltes Vorgehen, um die Probleme zu beheben.

Professionelle Hilfe durch Tiermediziner*innen, die sich auf Verhaltenstherapie spezialisiert haben, erleichtert die Verbesserung der Situation. Diese findet ihr z. B. auf der Website der GTVMT. Es gibt auch sehr gute Katzentrainer*innen, die helfen können. Allerdings ist die Berufsbezeichnung nicht geschützt, so dass nicht jeder, der sich so nennt, auch zwangsläufig kompetent und qualifiziert sein muss.

Sollte die Katze noch nicht kastriert sein, sollte dies natürlich schnellstmöglich nachgeholt werden.

Absolute No-Gos bei Pinkelproblemen

  • Die Katze darf keinesfalls für ihr vermeintliches „Fehlverhalten“ bestraft werden, indem man sie zum Beispiel mit der Nase in ihre Hinterlassenschaften drückt, sie schlägt oder auf der Katzentoilette festhält. Dies zerstört die Beziehung zum Menschen, führt ggf. zu einer Aversion gegen die Katzentoilette und verbessert nichts an der Situation!

 

  • Keinesfalls darf der Katze das Wasser entzogen und/oder nur noch Trockenfutter gereicht werden, um die Wasseraufnahme und damit auch die Urinabgabe zu vermindern!

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Interview: Die Katze und das Tierheim

Interview

Katzen im und aus dem Tierheim

"Wenn sich kein Zuhause findet, dann muss die Katze ins Tierheim." - Eine Aussage, die man immer wieder liest und die häufig eingesetzt wird, um den emotionalen Druck auf potentielle Adoptanten zu erhöhen und diese dazu zu bringen, das Tier zu adoptieren, bevor es ins Tierheim "abgeschoben" wird. Ein Ort, der immer noch häufig mit vielen negativen Vorstellungen in Verbindung gebracht wird, obwohl viele Kritiker ein Tierheim noch nie von innen gesehen haben.

Um hier ein wenig Aufklärung zu betreiben, hat sich Jasmin alias Frau Clickerlöwe bereiterklärt, uns im Rahmen eines Interviews ein wenig über den Alltag im Tierheim Gelsenkirchen zu erzählen und nimmt sich dabei auch vielen häufigen Vorurteilen an, die regelmäßig vorgebracht werden.

Haustiger: Hallo Jasmin, bitte stell dich doch kurz vor, damit unsere Leser auch wissen, mit wem sie es zu tun haben.

© Jasmin Lindner

Jasmin: Hallo, mein Name ist Jasmin alias Frau Clickerlöwe und ich bin hauptamtliche (Assistentin der Geschäftsstellenleiterin) sowie ehrenamtliche Mitarbeiterin (Katzenschmuserin und Katzenverhaltensberaterin im Katzenhaus) im Tierheim Gelsenkirchen / Tierschutzverein für Gelsenkirchen und Umgebung e.V. 1880.

Haustiger: Was die “Zustände” in Tierheimen so angeht, gibt es ja nach wie vor viele Mythen und Vorurteile. Teilweise wird sogar angenommen, den Tieren werde dort Leid angetan. Wie muss man sich denn den Alltag bzw. einen Tag im Tierheim als Außenstehender so vorstellen?

Jasmin: Viele der Mythen und Vorurteile sind mir natürlich auch bekannt und ich möchte mit jeder Menge Aufklärung dafür sorgen, dass diese entkräftet werden.

Der Alltag im Tierheim ist sowohl körperlich als auch emotional anstrengend: Ganz oft sind die Tierheime überfüllt, die Wartelisten werden immer länger und die Schicksale der einzelnen Tiere werden immer trauriger.

Katzenbox im Katzenhaus des Tierheims Gelsenkirchen
© Jasmin Lindner

Die Pfleger kümmern sich um die zugeteilten Abteilungen und Tiere: Die Boxen / Käfige werden gesäubert, Streu, Heu etc. wird aufgefüllt, die Toiletten / Ausscheidungsecken werden geputzt und neu befüllt, die Wäsche wird gewechselt, die Tiere bekommen frisches Futter & Wasser, die Näpfe und Utensilien werden gespült, es muss eine Menge desinfiziert werden, einige Tiere benötigen eine besondere Pflege und / oder benötigen ihre Medikamente, die Termine für Vermittlungsgespräche und Besuche beim Tierarzt müssen koordiniert und abgesprochen werden, die Mails und das Telefon (Nachrichten auf dem AB) werden abgerufen und beantwortet und und und…

Bei all der vielen Arbeit versucht man allerdings auch, den Tieren so viel Aufmerksamkeit, Liebe und auch Training zukommen zu lassen wie nur möglich.

© Jasmin Lindner

Haustiger: Angenommen, ich habe eine Katze gefunden oder muss mich von meinem Tier trennen und möchte / muss den Vierbeiner im Tierheim abgeben. Wie muss ich mir das vorstellen? Kann man die Katze einfach abgeben? Wird eine Gebühr fällig?

Jasmin: Wenn ein Tier gefunden wird, kann es problemlos im Tierheim abgegeben werden.

Da wir uns entschlossen haben, unser Tierheim auch nach der Corona-Pandemie dauerhaft geschlossen zu halten und uns voll auf 1:1-Vermittlungstermine mit Interessenten zu konzentrieren, ist für die private Abgabe einer Katze ein Termin notwendig, der telefonisch abgesprochen werden kann.

Vor einer Abgabe müssen wir schauen, ob wir Kapazitäten für die Aufnahme der Tiere haben. Hier wird dann auch eine Gebühr fällig, die sich zum Beispiel nach dem Impfstatus bzw. einer nicht vorhandenen Kastration etc. richtet.

Haustiger: Wenn es sich um mein eigenes Tier handelt oder eine Katze, die ich gut kenne (z. B. die Katze von der verstorbenen Oma). Wie kann ich den Umzug für beide Seiten so gut wie möglich gestalten?

Jasmin: Wenn es sich bei der Abgabe um ein bekanntes Tier handelt, wäre es für uns als Tierheim (-Mitarbeiter) wichtig, so viele Infos wie nur möglich über das Tier zu erhalten.

• Was isst es gerne? Hat es Lieblingsleckerchen?
• Hat es eine Lieblingsdecke? Ein Lieblingskissen?
• Wo mag es gerne angefasst werden? Was mag das Tier überhaupt nicht?
• Welche Krankheiten oder Allergien sind bekannt?
• Mag das Tier andere Katzen? Mag das Tier andere Tiere? Kommt das Tier mit Kindern klar?
• Und und und…

Wenn viele wichtige Infos vorhanden sind, können wir uns individueller um das abgegebene Tier kümmern und ihm / ihr den Umzug so angenehm wie möglich gestalten. Dies ist dann auch ein wenig einfacher für das Tier in Bezug auf die Umgewöhnung.

Keks © Jasmin Lindner

Für den Menschen ist es auch ein großer Einschnitt, selbst wenn es nicht das eigene Tier ist, sondern möglicherweise das Tier der verstorbenen Oma, an dem man aber dennoch hängt. Hier könnte es hilfreich sein, sich einem Menschen im nahen Umfeld anzuvertrauen und seine Gefühle und Gedanken zum Ausdruck bringen zu können. Manchmal ist eine Abgabe leider unumgänglich, aber man kann dennoch versuchen, die Situation bestmöglich zu gestalten. Oft hilft es den Tierheimen (und auch den Menschen), eine Patenschaft für dieses Tier abzuschließen, so dass einige Kosten auf Dauer gedeckt sind und man das Tier noch „sicherer“ versorgt weiß.

Haustiger: Was geschieht mit der Katze direkt nachdem sie im Tierheim angekommen ist (z. B. im Hinblick auf Untersuchungen, Quarantäne, ... )?

Jasmin: Im Regelfall kommt die Katze erstmal in eine Quarantänestation und wird schnellstmöglich dem Tierarzt des Tierheimes vorgestellt. Man schaut sich den aktuellen Impfstatus an, organisiert, wenn nötig, einen Termin für die Impfung / Kastration etc. und beobachtet das Verhalten der Katze. Dies ist später wichtig für eine eventuelle Vergesellschaftung mit anderen Katzen in unseren beiden Katzenhäusern und natürlich für die weitere Vermittlung.

© Jasmin Lindner

Haustiger: Was wird getan, damit sich die Katzen im Tierheim so wohl wie möglich fühlen? Inwieweit kann auf die Bedürfnisse der Katzen Rücksicht genommen werden? Gibt es Beschäftigungsangebote?

Jasmin: Wenn das Tierheim „übervoll“ ist, bringt dies die Tiere sowie die Mitarbeiter an ihre körperlichen sowie emotionalen Grenzen. Es versuchen dennoch alle, den Katzen den Aufenthalt im Tierheim so angenehm wie nur möglich zu gestalten. Innerhalb der Boxen wird geschaut, dass die Tiere genügend Versteckmöglichkeiten haben, falls sie sich zurück ziehen möchten.

In den Quarantäne- / Krankenstationen sind die Beschäftigungsangebote aufgrund des Platzmangels und der gesundheitlichen Situation sehr überschaubar. Hier liegt der Fokus auf dem „wieder gesund werden“, um dann in eine Box in unseren Katzenhäusern oder Übergangsstationen ziehen zu dürfen.

In den Katzenhäusern gibt es dann mehr Beschäftigungsangebote, da dort auch die ehrenamtlichen Katzenschmuser Zugang haben und sich ausgiebiger um die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Katzen kümmern können. Die Pfleger und Schmuser arbeiten hier Hand in Hand und tauschen sich über die Fortschritte der Katzen aus, so dass dies auch in den Vermittlungstexten und bei der Vermittlung erwähnt werden kann.

@ Jasmin Lindner

Von den Schmusern werden im Regelfall die folgenden Dinge angeboten:
Clickertraining (Tricks, Medical Training, Höflichkeitstraining etc.), Wellness in Form von Streicheln, Kraulen und Bürsten (wenn die Katzen dies wünschen); Action in Form von Spielangeboten (Spielangeln, Bändchen, Fummelbretter etc.); Ansprechen des Hörsinns: Vorlesen für sehr schüchterne Katzen bzw. auch für Katzen, die dies gerne mögen.

Medical Training
© Jasmin Lindner

Wenn sich eine Katze als „Star“ fühlen möchte, bieten wir auch Fotoshootings an, damit man auf unseren sozialen Medien „glänzen“ kann. 😉

Haustiger: Angenommen, ich würde gerne eine Katze aus dem Tierheim adoptieren. Wie läuft das ab? Kann man da einfach vorbeikommen?

Prinzipiell handhabt jedes Tierheim die Vermittlung ganz individuell. Unsere Mitarbeiter haben nach der Schließung während der Corona-Pandemie bemerkt, dass 1:1-Termine mit Interessenten sinnvoller gehändelt werden können als der bisherige Publikumsverkehr. Die individuelle Betreuung lässt eine intensivere Zeitspanne für Fragen zu und wird deshalb beibehalten.

Dies bedeutet, dass die Menschen sich bei Interesse an einer unserer Katzen im Tierheim-Büro melden und dann einen Termin ausmachen können. An diesem Termin kümmert sich dann ein Tierpfleger um die Interessenten und man darf die Katze ausgiebig kennen lernen. Wenn es sich um eine Katze in den beiden Katzenhäusern handelt, können die Katzenschmuser ins Gespräch involviert werden und eventuell auch noch einige wichtige Infos mitteilen. Oft wissen sie, welche Leckerchen die ausgewählte Katze mag, welches Spielzeug richtig gefeiert wird und wo die Katze am allerliebsten gekrault werden möchte… und und und.

© Jasmin Lindner

Wenn der Funke dann überspringt (auf beiden Seiten) und alle Eckdaten passen, darf die Katze adoptiert werden und ausziehen. Handelt es sich bei der ausgewählten Katze um eine Katze mit einer „Verhaltensoriginalität“, sind im Regelfall mehrere Besuche sinnvoll, um die Katze besser kennen zu lernen und auch die mögliche Verhaltensoriginalität. So kann man dann für sich entscheiden, ob man das gemeinsame Zusammenleben mit notwendigen Managementmaßnahmen sowie (Clicker-) Training händeln kann / will.

Clickertraining
© Jasmin Lindner

Es macht eindeutig Sinn, die Vermittlung VOR der Adoption zu stoppen, sobald man sich mit der Situation doch überfordert fühlt. (Ganz wichtig: Das ist absolut keine Schande, sondern in meinen Augen sehr erwünscht, denn eine unüberlegte Vermittlung schadet im schlimmsten Fall allen Beteiligten!)

Haustiger: Muss man bei der Adoption einer Katze aus dem Tierheim grundsätzlich davon ausgehen, dass die Tiere durch den Aufenthalt im Tierheim in irgendeiner Form verhaltensauffällig oder traumatisiert sind und ggf. mehr Arbeit machen als “Nicht-Tierschutzkatzen”?

Jasmin: Die Frage ist hier, wie man die Begrifflichkeiten definiert. Was bedeutet „verhaltensauffällig“? Eine Katze aus einem Züchterhaushalt / Vermehrerhaushalt kann ebenso Verhaltensauffälligkeiten aufweisen wie eine Katze aus dem Tierheim. Der bloße Aufenthalt in einem Tierheim löst per se keine Verhaltensprobleme aus. Wir müssen uns aber klar machen, dass ein sensibles Tier natürlich durchaus anders mit einer solchen Situation umgehen könnte, als ein sehr selbstsicheres Tier. Oft ist es ja sogar so, dass die Tiere erst NACH einer traumatisierenden Situation im Tierheim landen und dann hier erst mal einen sicheren Hafen finden, bevor sie in ihr neues Zuhause ziehen können.

© Jasmin Lindner

Mittlerweile landen jede Menge "ebay-Katzen" in den Tierheimen, weil Privatleute ihre Tiere nicht mehr zum „Verkauf“ anbieten dürfen. Ich bezweifle stark, dass diese Katzen (häufig sind es ja „Upps-passiert“-Würfe) mental gesünder sind als ihre Artgenossen im Tierheim.

Dass Tierschutzkatzen mehr Arbeit machen als „Nicht-Tierschutzkatzen“ halte ich für eine nicht haltbare Verallgemeinerung, die im Grunde genommen niemandem einen Vorteil bringt. Für mich entspricht diese Aussage nicht den Tatsachen, da eine artgerechte Tierhaltung grundsätzlich mit mehr Aufwand verbunden ist, als wenn das Tier nur „so nebenbei“ existiert.

Haustiger: Immer wieder hört man, jemand war im Tierheim, hat aber keine Katze bekommen. Oder auch “Tierheime wollen doch überhaupt keine Tiere vermitteln”. Dafür gibt es ja in der Regel Gründe. Magst du dazu vielleicht noch etwas sagen?

Jasmin: Vielen Menschen fällt es leichter, eine schlechte Rezension zu schreiben als eine gute. In den meisten Fällen gibt es in der Tat nachvollziehbare Gründe, weshalb Tier x oder Tier y eben nicht zu diesem Menschen / zu dieser Familie gepasst hat. Tierheime / Tierschutzvereine entscheiden zugunsten des individuellen Tieres, da wir alle eine Verantwortung für unsere Tiere übernommen haben, derer wir gerecht werden wollen.

© Jasmin Lindner

Wenn ich beispielsweise eine Katze habe, die Freigang benötigt und aufgrund eines traumatischen Ereignisses nicht mit Kindern kompatibel ist, dann wäre es verantwortungslos, diese Katze in eine reine Wohnungshaltung zu einer Familie mit 3 kleinen Kindern zu vermitteln. Dann wäre vielleicht diese Familie zufrieden, aber die Katze wäre unglücklich. Außerdem würde das Glück der Familie wahrscheinlich nicht all zu lange andauern, weil die Katze aufgrund ihrer Frustration möglicherweise Verhaltensauffälligkeiten wie Unsauberkeit oder Übersprungshandlungen (zum Beispiel: beim Spielen in die Hand hacken) zeigen würde.

Ich kann natürlich nicht für alle Vereine sprechen, aber ich würde behaupten, dass es in der Regel gute Gründe gibt, warum jemand ein bestimmtes Tier nicht adoptieren kann. Meistens werden dann aber andere Tiere gezeigt, die eventuell besser zu dem jeweiligen Menschen oder der jeweiligen Situation passen. Wir haben schon häufiger mal die Rückmeldung bekommen, dass die Interessenten zwar nicht ihr Wunschtier adoptieren konnten, allerdings stattdessen ein absolut „passendes“ Tier ins neue Zuhause einziehen durfte und man sehr glücklich und dankbar ist.

Haustiger: Adoptiert man eine Katze aus dem Tierschutz/Tierheim, wird in der Regel eine Schutzgebühr fällig. Kannst du etwas dazu sagen, wie sich diese zusammensetzt (bzw. wie man auf Betrag x kommt) und wofür die Schutzgebühr verwendet wird?

Die Schutzgebühr setzt sich überall ein wenig anders zusammen. Wenn man ehrlich ist, deckt sie nicht mal ansatzweise die Kosten der Versorgung dieser einen Katze. Prinzipiell müsste man innerhalb der Berechnung folgende Punkte beachten: die Kastration, die verschiedenen Schutzimpfungen, notwendige Spot-On-Präparate, das Chippen und den Chip selbst, das Futter (Achtung: Spezialfutter kann sehr teuer sein.), die allgemeine Unterbringung, die mögliche notwendige medizinische Versorgung, wenn das Tier krank ist, Medikamente und und und…

© Jasmin Lindner

Im Grunde ist die Schutzgebühr lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein, um ein Tierheim halbwegs kostendeckend betreiben zu können. Und wer nach der GOT-Erhöhung schon mal zum Tierarzt musste, weiß, wie sehr die Preise gestiegen sind. Tierheime haben allerdings nicht NUR EIN Tier zu versorgen, sondern oft hunderte. Die Schutzgebühr mag also auf den ersten Blick ziemlich hoch sein, relativiert sich aber, wenn man ausrechnet, was man ansonsten alles hätte alleine bezahlen müssen.

Haustiger: Möchtest du unseren Lesern noch etwas mit auf den Weg geben?

Jasmin: Sehr gerne. Ich halte nichts von Sprüchen wie : „Adoptiert eine Katze aus dem Tierheim. Die sind so „dankbar“!“, weil dieser „Dankbarkeitsgedanke“ in meinen Augen nicht sinnvoll ist. Aber eine Katze aus dem Tierheim zu adoptieren, um ihr ein schönes Zuhause und ein tolles Leben zu schenken, das ist sinnvoll und einfach eine wundervolle Tat.

Und fragt bitte bei Unsicherheiten jemanden, der sich auskennt, Euch beraten und bei der Auswahl der passenden Katze begleiten kann, um das bestmögliche „Match“ zu erzielen.

Einen großen Dank an alle Menschen, die einer Tierschutzkatze eine Chance geben oder schon gegeben haben. Dafür bin ich Euch wirklich von Herzen dankbar!

© Jasmin Lindner

Haustiger: Liebe Jasmin, danke, dass du dir die Zeit genommen hast, uns unsere neugierigen Fragen zu beantworten und zu diesem wichtigen Thema aufzuklären. Was uns noch wichtig ist, zu erwähnen, ist, dass eine Abgabe ins Tierheim nicht automatisch eine Verschlechterung für das jeweilige Tier bedeuten muss, sondern - weit mehr als bei einer spontanen Blitzvermittlung - auch eine Chance sein kann, nach dem Aufenthalt das absolute Traumzuhause zu finden. 

Und wenn ihr noch mehr von Jasmin und den Katzen im Tierheim Gelsenkirchen sehen möchtet, dann folgt ihr doch auf Facebook und / oder Instagram. 

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Interview: Katzen und Feuer – richtiges Verhalten im Brandfall

Interview

Richtiges Verhalten im Brandfall

Im Gespräch mit anderen Katzenhaltern, ganz gleich, ob online oder offline taucht die Frage immer wieder auf. "Plant ihr für den Notfall?", "Habt ihr euch schon einmal darüber Gedanken gemacht, was mit euren Tieren passiert, wenn bei euch zu Hause ein Feuer ausbricht?" usw.. Ich habe und habe gottseidank auch jemanden gefunden, der mir meine neugierigen Fragen beantwortet. ;-)

Haustiger: Hallo Ingo, erzähl doch mal ein wenig von dir, damit unsere Leser auch wissen, mit wem sie es zu tun haben.

Ingo: Mein Name ist Ingo Behring, 43 Jahre alt. Ich bin seit über fünfundzwanzig Jahren bei der Feuerwehr aktiv, zum einen bei der Freiwilligen Feuerwehr in Bad Driburg und seit 1997 bei der Berufsfeuerwehr. Daneben bin ich Autor des Buches „112- der tägliche Wahnsinn“.

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Haustiger: Lebst du selbst mit Katzen zusammen? Und hast du dir schon einmal Gedanken zu dem Thema Katze und Brandfall gemacht?

Ingo: Ich lebe selbst in einer Wohngemeinschaft mit einer Europäisch Kurzhaar und habe mir natürlich auch schon mal Gedanken darüber gemacht, wie schnell ich meiner Katze im Ernstfall habhaft werden könnte. Das ist aber, wie ich aus Einsatzerfahrungen gelernt habe, nicht so einfach: Katzen verstecken sich unter Stress in den tiefsten Ecken. Sie sind eben auch heute noch Höhlenbewohner.
Der Nachteil: Man kommt oft sehr schlecht an sie heran, was Zeit kostet – wenn man das Tier überhaupt in der Hektik der Situation findet. Hier muss man leider sagen, dass man zunächst an sein eigenes Leben denken sollte. Auch für die Rettungskräfte, die im schwarzen Rauch häufig nur tastend die Wohnung erkunden können, ist es schwer, sie zu entdecken.
Der Vorteil dieser Verstecke: In diese kleinen Winkel, z.B. unter einer Eckbank oder hinter dem Sofa, dringt der Brandrauch als letztes vor. So habe ich es schon mehrfach erlebt, dass wir in einer stark brandgeschädigten Wohnung, in der kein Mensch überlebt hätte, bei den Aufräumarbeiten eine verängstigte, aber unverletzte Katze gefunden haben. Im Gegensatz zum Menschen können Katzen alleine aufgrund ihrer geringen Größe also auch in stark verrauchten Wohnungen begrenzte Zeit überleben. Dabei sind die Chancen höher als bei einem Hund, bei dem es wahrscheinlicher ist, dass er im Rauch herumläuft und einen Ausgang oder sein Herrchen sucht.

Haustiger: Ein Wohnungsbrand ist für viele Menschen eine Horrorvorstellung. Besonders Tierhalter fragen sich in diesem Zusammenhang häufig, wie sie nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Tiere vor den Flammen retten können. Angenommen, ich befinde mich bei Ausbruch eines Feuers samt meinen Tieren im Haus. Wie verhalte ich mich am besten? Wie viel Zeit habe ich im Schnitt, um meine Katzen zu finden, einzupacken und mitzunehmen?

Ingo: Ein Zimmerbrand kann sich innerhalb von drei bis vier Minuten zum Vollbrand ausweiten. Das Überleben ist dann für Menschen nicht mehr möglich. Eine Zeit zu bestimmen, die man sich im Brandfall für die Suche nehmen könnte, ist daher nicht abzugrenzen. Sie hängt davon ab, wie früh das Feuer überhaupt entdeckt wird und wie schnell sich Rauch und Feuer ausbreiten. Denn das Gefährlichste an einem Zimmer- oder Wohnungsbrand ist nicht das Feuer, sondern der Rauch:

Wird es heiß, merkt man ziemlich schnell, wann man in Gefahr ist und zieht sich zurück. Ist der Raum aber mit Rauch gefüllt, wird die Situation oft unterschätzt! Eine Rauchvergiftung, die auch tödlich sein kann, ist die Folge.

Ist die Raumluft also bei einem kleinen Entstehungsbrand nur leicht mit Rauch verhangen, kann man schnell noch die wahrscheinlichsten Verstecke nach seiner Katze absuchen. Hat man jedoch schon Mühe, die gegenüberliegende Wand zu erkennen, ist man selbst in Lebensgefahr! Diese Grenze ist sehr diffus und kann von einem Laien leider nicht wirklich eingeschätzt werden. Feuerwehrleute bekommen nicht umsonst eine sehr umfangreiche Ausbildung.

Haustiger: Angenommen, ein Feuer bricht aus und ich befinde mich nicht im Haus, aber meine Katzen. Wie kann ich die Feuerwehr auf meine Tiere aufmerksam machen? Bringen Schilder an der Tür etwas, wie zum Beispiel die Notfallaufkleber von PETA? Wie müsste ein solcher Hinweis beschaffen sein, damit er im Eifer des Gefechts bemerkt wird?

Ingo: Der einfachste Weg ist natürlich der Hinweis eines Nachbarn oder vielleicht sogar vom Halter selbst an den Einsatzleiter. Dieser kann es dann über Funk an seinen Trupp vor Ort weitergeben.
Aufkleber wie der beschriebene sind auch eine wertvolle Information, zumal die Kollegen dann auch wissen, welcher Art das Haustier ist: Eine Katze würde ängstlich in einer kleinen Ecke sitzen und lässt sich einfach nehmen und heraustragen - wenn man sie überhaupt im ersten Angriff findet. Ein großer Hund hingegen würde womöglich trotz Panik sein Revier verteidigen.
Aufkleber dieser Art gehören, sofern man sie anbringen möchte, in den unteren Bereich der Tür: Da Rauch und Hitze nach oben ziehen, betreten Feuerwehrleute eine Brandwohnung nur tief gebückt bzw. im Kriechgang. Im unteren Türbereich können wir einen Hinweis am besten finden. Das gleiche gilt auch für die Aufkleber für Kinderzimmertüren.

Haustiger: Manche Katzenhalter trainieren ihre Katzen mithilfe von Clickertraining dahingehend, bei Ertönen des Rauchmelders in ihre Transportboxen zu gehen, um die Evakuierung zu erleichtern. Im Brandfall tönt jedoch ja nicht nur der Rauchmelder, sondern die Katzen bekommen es mit Hitze, Rauch, panischen Menschen... zu tun. Kannst du dir dennoch vorstellen, dass das im Ernstfall funktioniert?

Ingo: Man kann Katzen bekanntlich eine Menge beibringen. Allerdings sind Katzen nicht so menschenfixiert wie Hunde: Während Hunde ihren Menschen als „Rudelführer“ akzeptieren und auch (oder gerade) in Krisensituationen Hilfe von ihm erwarten, machen Katzen ihre „Kunststückchen“ meist nur gegen Leckerlies. Das heißt aber im Umkehrschluss, dass Katzen im Brandfall den Fluchtinstinkt höher einstufen als die Aussicht auf ein schnödes Leckerli. Sie werden also wahrscheinlich nicht in der gewünschten Art handeln, wenn sie das Feuer bemerkt haben, wie sie überhaupt auf Veränderungen der Umgebung empfindlich reagieren. Dieses wird in der Regel schon sein, bevor ein Rauchmelder anschlägt, da dieser einiges an Rauch zum Alarm geben braucht.
Für den Fall, dass das Feuer noch nicht von dem Tier bemerkt (und als Gefahr verstanden) wurde, kann es aber hilfreich sein, wenn sie z.B. bei Rauchmelderalarm einen bestimmten Ort aufsucht.
Schaden kann so ein Training sowieso nicht, die Katze ist im Training zumindest beschäftigt. Ihr ist es gleich, ob sie für das Leckerchen Pfötchen geben soll (nur niedlich), oder an einen sicheren Ort geht (vielleicht lebensrettend).

Haustiger: Hast du davon ab, eine Idee, wie ich mich auf einen möglichen Brand bestmöglich vorbereiten kann bzw. gibt es sinnvolle Maßnahmen, die die „Flucht“ aus dem brennenden Haus bzw. das Löschen im Ernstfall erleichtern?

Ingo: Es ist immer gut, sich auf einen Notfall vorzubereiten, indem man sich z.B. Fluchtpläne überlegt. Alleine durch diese Vorbereitung beschäftigt man sich mit dem Thema, ein Notfall erscheint einem dann nicht als etwas, was nur den anderen passieren kann. Im Ernstfall ist man dementsprechend nicht schon von vornherein überfordert und reagiert darum nicht kopflos.
− Die Wohnung sollte, wenn möglich, keine unzugänglichen Verstecke bieten. Wenn sich eine Katze hinter ein Sofa flüchtet, können wir sie nicht finden. Sind die möglichen Verstecke gut zugänglich (Kratzbaumhöhle, Kleiderschrank), habe ich eine Chance, die Katze schnell zu finden und zu retten.
− Katzen haben ihre „Lieblingsecken“, in die sie sich auch bei Stress verkriechen. Kennt man diese, weiß man auch, wo man im Brandfall nach ihr suchen muss. Meine zum Beispiel schlüpft bei Stress gerne in den Kleiderschrank.

− Rauchmelder mindestens in den Schlafzimmern und im Flur (Fluchtweg!) sollten eine Selbstverständlichkeit sein.
Genauso wie Wohnungsschlüssel sollte auch eine Hundeleine oder ein Katzenkorb immer an der gleichen Stelle zu finden sein: Wo ich etwas bereits tausendmal vorgefunden habe, werde ich es auch im Notfall automatisch finden. Zudem sollte alles für die Flucht benötigte in der Nähe des Ausganges liegen, damit ich nicht erst tiefer in eine vielleicht schon brennende Wohnung eindringen muss, um es zu erreichen.

− Für Entstehungsbrände habe ich in meinem Wohnungsflur ein geprüftes Feuerlösch- Spray parat stehen. Diese Spraydosen enthalten kein Pulver, welches im Einsatzfall eine große Verschmutzung verursachen würde, und sind intuitiv zu bedienen, da sie wie eine Haarspray- Dose funktionieren. Geprüfte Sprays gibt es zum Beispiel von der Firma Prymos.

− Bei Feuerlöschern sollte man sich grundsätzlich bereits vor einem Notfall die Gebrauchshinweise in aller Ruhe ansehen. Wenn es brennt, hat man diese Ruhe nicht mehr.
− Eigene Löschversuche sollte man nur dann unternehmen, wenn alle Personen und Tiere bereits in Sicherheit sind, der Notruf abgesetzt oder veranlasst wurde und man sich nicht selbst in Gefahr begibt (Rauchvergiftung!)
− schmorende elektrische Geräte sofort vom Stromnetz trennen. Kommt man an die Stecker nicht heran, weil sie z.B. hinter einem Schrank angeschlossen sind, am Sicherungskasten sofort die Sicherungsautomaten abschalten. Kleingeräte wie Toaster, DVD- Recorder oder ähnliches kann man unter Umständen schnell wegtragen, in der Wanne ablöschen oder (wenn gefahrlos möglich) aus dem Fenster werfen. Große Geräte wie Fernseher oder Mikrowellenherd kann man – wenn sie stromlos sind! - mit einem nassen Handtuch oder Saunatuch abdecken.
− Brennende Kochtöpfe und Pfannen vorsichtig vom Herd ziehen (Gefahr des Überschwappens beachten) und mit einem passenden Deckel abdecken. Ein Handtuch, welches zum Ersticken der Flammen über eine Pfanne oder Fritteuse geworfen wird, kann übrigens einsinken und sich mit brennendem Fett vollsaugen. Das Feuer wird dann über dem Handtuch weiterbrennen!
− Rauch unterkriechen, um ihn nicht einatmen zu müssen.
− Bei der Flucht alle Türen schließen, damit der Rauch sich nicht weiter ausbreitet und das Feuer weniger Luft bekommt. Insbesondere die Wohnungstür heranziehen, um den Bewohnern der oberen Stockwerke die Flucht durchs Treppenhaus zu ermöglichen. Türen aber nicht abschließen! Den Wohnungsschlüssel für die Feuerwehr bereithalten.
− Die Nachbarn warnen.
− Vor dem Haus auf die Feuerwehr warten und sich sofort bei ihr melden. Bewohner, die sich melden, müssen nicht gesucht werden. Zudem kann man den Einsatzkräften wertvolle Hinweise geben.

Haustiger: Ist die Feuerwehr angehalten, Haustiere im Brandfall zu retten (sofern dies ohne größere Gefahr für Leib und Leben möglich ist)?

Ingo: Der Grundsatz der Feuerwehr ist: Menschen – Tiere – Sachwerte retten, und zwar in dieser Reihenfolge. Natürlich werden wir bei allen Einsätzen (übrigens auch bei der Menschenrettung!) immer auf den Eigenschutz achten.
Wenn keine Menschen mehr gerettet werden müssen, achtet der vorgehende Trupp auch auf Hinweise wie Futternäpfe oder Katzenklos, falls ihnen noch nichts davon bekannt ist, ob sich überhaupt Haustiere in der Wohnung befinden oder nicht. Sieht ein Feuerwehrmann Hinweise auf ein Tier, wird er seine Augen offenhalten, um es zu finden, also auch z.B. unter Eckbänken oder dem Sofa kurz nachsehen.

Haustiger: Ist die Rettung von Haustieren, wie z. B. Katzen, bzw. der Umgang mit panischen Samtpfoten (theoretischer) Bestandteil der Ausbildung? Am lebenden Objekt lässt sich das ja eher schlecht üben.

Ingo: Die Tiere kennen uns nicht, wenn wir sie finden. Katzen können daher bei der Rettung auf zwei Arten reagieren: Sie versuchen zu flüchten oder krallen sich am Retter fest.
Hierbei machen sie aufgrund ihrer Größe keine Probleme, wenn man beherzt zupackt. Der Katze muss dabei vom ersten Griff an klar sein, dass sie keine Chance auf Gegenwehr hat: „Fluchtkandidaten“ würden sonst sofort alles daran geben, sich zu befreien. Dadurch steigt auf beiden Seiten das Verletzungsrisiko.
Eine spezielle Schulung ist für die Katzenrettung nicht notwendig. Anders ist es z.B. bei Reptilien, wofür einige Feuerwehren für ihre Kräfte Sonderausbildungen anbieten. Eine Schlange ist zum Beispiel wesentlich schwieriger zu handlen als eine Katze.
Im Einsatz haben Feuerwehrleute dicke Schutzkleidung an, die sie vor Verletzungen schützen würde. Viele Katzen krallen sich in der Schutzjacke fest, wenn man sie erst einmal hat, und lassen sich dann ohne Schwierigkeiten wegtragen.
Wir wissen auch, dass Katzenbisse höchst infektiös sind, und achten darum auch außerhalb der Brandstelle auf unsere Hände.

Ich hoffe, mit diesen Antworten weitergeholfen zu haben. Wie im Vorfeld erwähnt ist es nicht so einfach, pauschal Ratschläge zu geben. Bei aller Tierliebe muss der Mensch im Vordergrund stehen, und die Situation bei einem Brand lässt sich vom Laien sehr schlecht beurteilen.

Lieber Ingo, ich danke dir ganz, ganz herzlich für deine Mühe und deine ausführlichen und aufschlussreichen Antworten! Liebe Leser, "112 - der tägliche Wahnsinn" ist toll, von meiner Seite eine absolute Leseempfehlung!

Erstveröffentlichung: Juni 2014

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Sind Bromelien für Katzen giftig?

Katzenpflanzen

Sind Bromelien für Katzen giftig?

Zimmerpflanzen wie Bromelien können das eigene Zuhause nicht nur optisch aufwerten, sondern tragen auch nachweislich zum Wohlbefinden bei und schaffen eine angenehme Atmosphäre. Allerdings ist es im Katzenhaushalt mit den Pflanzen oft schwierig. Denn viele Zimmerpflanzen sind für Katzen giftig, mitunter so giftig, dass der Kontakt tödlich enden kann. Man tut daher gut daran, auf giftige Pflanzen im Katzenhaushalt zu verzichten und nur auf ungefährliche Pflanzen zurückzugreifen.

Eine Möglichkeit stellen hier die Bromeliengewächse dar, von denen sicherlich die Ananaspflanze die bekannteste ist. Es gibt aber auch noch zahlreiche weitere Bromelien, die als Zierpflanzen verkauft werden und den Haushalt auch mit Katzen verschönern können.

Herkunft der Bromelie

Bromelien haben ihren Ursprung in den üppigen Regenwäldern Mittel- und Südamerikas, wo sie seit Jahrhunderten in ihrer natürlichen Umgebung gedeihen. Sie sind äußerst anpassungsfähig und in einer Vielzahl von Lebensräumen zu finden. Insgesamt gibt es über 3.000 Arten, von denen die Ananas (Ananas comosus) wohl die bekannteste darstellt.

Ihre exotische Herkunft und ihre einzigartige Schönheit führten dazu, dass die Bromelien im Laufe der Jahre nicht nur in die botanischen Gärten und Gewächshäuser Europas gelangten, sondern dass die Bromelie auch zu einer der beliebtesten Zimmerpflanzen weltweit avancierte.

Aussehen der Bromelien

Bromelien sind für ihr ansprechendes Aussehen und ihre vielfältigen Formen und Farben bekannt. Es gibt hier verschiedene Arten mit unterschiedlichsten Blattstrukturen, Blütenformen und Größen. Die Blattformen der Bromelie reichen von dünn und grasartig bis hin zu festen, fleischigen Blättern. Manche besitzen auch scharfe Stacheln an den Blatträndern. Besonders attraktiv macht die beliebten Zimmerpflanzen aber ihre lebendige Farbgebung, die sich auch an den Blüten zeigt.

Am bekanntesten unter den Bromelien ist mit Sicherheit die beliebte Ananas, aber auch Tillandsien, die bekannten „Luftpflanzen“, sind sehr beliebt. Durch diese Vielfalt kann man bei den Bromelien unter zahlreichen Vertretern wählen und trotz Katzen ein wenig Abwechslung in den heimischen Pflanzendschungel bringen.

Sind Bromelien giftig für Katzen?

Nein. Bromeliengewächse oder Ananasgewächse werden als ungiftig für Katzen und andere Haustiere betrachtet und stellen keine unmittelbare Vergiftungsgefahr dar, wenn sie von Katzen gefressen werden. Was jedoch immer besteht, ist die potentielle Gefahr einer Vergiftung durch Pestizide oder Dünger. Zudem wurden bei einigen Vertretern hautreizende Stoffe (z. B. in Bromelin) in den Blättern nachgewiesen. Heißt, auch wenn die Pflanzen nicht unmittelbar giftig sind, so sollte man trotzdem darauf achten, dass sie von den Katzen nach Möglichkeit nicht gefressen werden.

Mögliche Gesundheitsprobleme bei Katzen durch Bromelien

Auch wenn Bromelien als ungiftig und relativ sicher für Katzen gelten, sollte man einige Vorsichtsmaßnahmen treffen, um gesundheitliche Probleme zu vermeiden. Unter anderem kann das Kauen an den Pflanzen zu Magen-Darm-Problemen (z. B. Erbrechen, Durchfall) führen.

Ein weiteres mögliches Risiko besteht durch die spitzen Blätter und Stacheln mancher Ananasgewächse, die zu Verletzungen an Maul und Pfoten führen können. Es sind allergische Reaktionen möglich und das Verschlucken größerer Pflanzenteile kann unter Umständen zu Schwierigkeiten in der Magen-Darm-Passage führen.

Man tut daher gut daran, zum einen möglichst ungefährliche Bromelien zu wählen und zum anderen das Verhalten der Katzen im Auge zu behalten und sicherzustellen, dass die Pflanzen und deren Früchte von der Katze nicht gefressen werden.

Liste möglicher Bromelienarten, die für Katzen relativ ungefährlich sind:

1) Guzmania
2) Neoregelia
3) Cryptanthus
4) Tillandsia
5) Vriesea

Exkurs: Superfood Ananas – Bromelain für Katzen?

Die Ananas wird beim Menschen als Superfood gehandelt, was nicht zuletzt am enthaltenen Stoff Bromelain liegt. Der Wirkstoff setzt sich aus zwei eiweißspaltenden Enzymen zusammen und wird beim Menschen unter anderem gegen Schwellungen nach Verletzungen oder Operationen eingesetzt. Zudem wird eine entzündungshemmende und verdauungsfördernde Wirkung beschrieben.

Zur vorteilhaften Wirkung bei Katzen liegen bislang keine gesicherten Erkenntnisse vor. Im Rahmen einer klinischen Studie, bei der 30 Katzen nach der Ovariohysterektomie (Entfernung von Eierstöcken und Gebärmutter im Rahmen der Kastration), je nach Gruppe entweder Bromelain oder ein Placebo erhielten, konnte jedoch kein Unterschied zwischen den Gruppen festgestellt werden. Entsprechend bot Bromelain hier keine signifikanten schmerzlindernden und entzündungshemmenden Vorteile gegenüber dem Placebo ((Ribeiro MR, Conceição MEBAM, Bezerra DKO, Teles JPP, Giuffrida R, Cassu RN. Bromelain does not provide significant analgesic and anti-inflammatory benefits over placebo in cats undergoing ovariohysterectomy. J Am Vet Med Assoc. 2023 Apr 21;261(9):1297-1304. doi: 10.2460/javma.23.02.0117. PMID: 37085147.)).

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Tierversicherung für Katzen: 6 häufige Irrtümer

Vorsorge

Tierversicherung für Katzen: 6 häufige Irrtümer

Erkrankt oder verunfallt die Katze, können schnell hohe Tierarztkosten anfallen. Erst recht seit der berechtigten Erhöhung der GOT im November 2022. Umso wichtiger ist es, für den Fall des Falles eine finanzielle Absicherung zu haben, damit die Katze tierärztlich umfassend versorgt werden kann. Hierfür besteht die Möglichkeit, eine Krankenversicherung für die Katze abzuschließen, was wir auch empfehlen würden. Jedoch ist es wichtig, sich vor der Entscheidung für oder gegen eine Tierversicherung umfassend zu informieren.

Einige häufige Irrtümer im Hinblick auf Tierkrankenversicherungen und finanzielle Absicherung im Allgemeinen habe ich hier für euch zusammengestellt.

1. „Wenn ich den Betrag, den die Tierversicherung kostet, jeden Monat zurücklege, bin ich genauso gut abgesichert und das Geld ist nicht weg, sollte etwas sein.“

Jein. Die monatlichen Kosten für eine Katzenversicherung belaufen sich auf etwa 30-40 Euro (je nach Alter des Tieres, gebuchtem Paket usw.). Legt man den Betrag jeden Monat weg, hat man nach dem ersten Jahr 480 Euro angespart. Das ist nicht viel, sollte die Katze (schwerer) erkranken.

Dazu kommt, dass der Pool zum einen mit jeder Erkrankung wieder schrumpft und aufgefüllt werden muss und zum anderen, dass es ja auch gut sein kann, dass die Katze schon erkrankt oder verunfallt, bevor (wieder) ausreichend Geld auf dem Konto ist. Eine Versicherung springt direkt nach Ende der Wartezeit ein.

Besser ist es, wenn man keine Krankenversicherung für die Katze abschließen möchte, einen höheren Betrag (min. 3000 Euro) auf dem Katzenkonto zu haben und dann weiter anzusparen.

2) „Alte Tiere und Tiere mit Vorerkrankungen sind nicht versicherbar.“
Das stimmt nicht. Es gibt Tierversicherungen mit Altersbegrenzungen und solche die Vorerkrankungen ausschließen. Es gibt aber auch welche, die solche Tiere aufnehmen. Sogar meine Älteste mit 15 und diversen Vorerkrankungen (u. a. HCM) war versichert und ich hatte den Jahresbeitrag trotz Ausschlüssen locker wieder drin.

3) „Bei meiner Katze steht eine OP an, jetzt versichere ich die noch schnell, damit die bezahlt wird.“
Das wird nicht funktionieren. Zweckversicherungen (also wenn eine Versicherung für einen Schaden abgeschlossen wird, der bereits eingetreten ist) sind nicht möglich. Vorerkrankungen und Krankheiten, die während der Wartezeit entstehen, sind i. d. R. ausgeschlossen.

4) „Eine OP-Versicherung reicht aus.“

Jein. Eine OP-Versicherung kann ausreichen, wenn ansonsten ein ausreichendes finanzielles Polster vorhanden ist. Jedoch können auch diverse andere Erkrankungen (ggf. inklusive Klinikaufenthalt etc.) schnell in den vierstelligen Bereich gehen. Diese sind über eine reine OP-Versicherung nicht abgedeckt.

Es ist bei einer reinen OP-Versicherung außerdem wichtig, genau zu lesen, was von der Tierversicherung alles übernommen wird. So umfasst eine OP-Versicherung in der Regel nur Verfahren, die mit einer mehr als punktförmigen Durchtrennung der Haut (sprich einem Schnitt) einhergehen.

Ein endoskopischer Eingriff etwa durch die Maulhöhle wird entsprechend dann nicht übernommen. Auch Eingriffe, die nicht unter Vollnarkose erfolgen, sondern nur unter Lokalanästhesie werden nicht von allen Anbietern übernommern. Hier ist es wichtig, die Bedingungen genau zu lesen. Sicherer fährt man in jedem Fall mit einer Vollversicherung.

5. „Wenn ich meine Katze versichere, habe ich keine Tierarztkosten mehr.“

Falsch. Einige Versicherungsanbieter suggerieren in ihren Werbeanzeigen, dass sie nach Abschluss der Versicherung alle Tierarztkosten übernehmen würden. Das stimmt nicht. Es gibt immer Leistungen, die nicht im Versicherungsumfang enthalten sind, oft sind zum Beispiel die Kosten für Vorsorgemaßnahmen gedeckelt, es gibt einen Selbstbehalt, die jährliche Versicherungssumme ist auf einen bestimmten Betrag begrenzt und/oder es werden nicht 100 % übernommen. Teilweise sinkt der Anteil der erstattet wird, auch mit zunehmendem Alter.

6. “Ist meine Katze versichert, muss ich kein finanzielles Polster haben.“

Jein. Vielleicht muss es nicht so dick sein, aber du musst beim Tierarzt oder in der Tierklinik in der Regel in Vorleistung gehen. Es kann immer sein, dass die Versicherung gekündigt bzw. der Vertrag von der Tierversicherung nicht verlängert wird, nachdem hohe Kosten angefallen sind. Oder das Unternehmen verschwindet von der Bildfläche. Von dem her: Better safe than sorry.

<h4>"Und wie finde ich jetzt die passende Krankenversicherung für meine Katze?"</h4>

Die Auswahl der passenden Katzenkrankenversicherung kann manchmal ein wenig herausfordernd sein. Daher habe ich hier für dich einen umfassenden Überblick zum Thema Katzenkrankenversicherungen mit einer vergleichenden Übersicht verschiedener Anbieter zusammengestellt.

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14 Fragen, die du dir unbedingt stellen solltest, bevor du einer weiteren Katze ein Zuhause gibst

Katzenhaltung

14 Fragen, die du dir unbedingt stellen solltest, bevor du einer weiteren Katze ein Zuhause gibst

Kaum ein Tag vergeht, an dem ich nicht irgendwie, irgendwo mit Katzenelend konfrontiert werde. Mit den unzähligen Gesuchen von Katzen, die im In- und Ausland ein Zuhause suchen, oft noch verbunden mit Drohungen oder herzergreifenden Geschichten. Auch in Kürze werden die Tierheime wieder überquellen und die Tierschützer werden nicht wissen wohin mit all den Katzenkindern und ausgewachsenen Katzen, die untergebracht werden müssen. Da fällt es schwer, „Nein“ zu sagen, auch wenn es vernünftig betrachtet richtig ist. Denn Liebe, ganz gleich ob zum Tier oder zum Menschen, bedeutet immer auch Verantwortung.

drei Katzen am Fenster

Ich möchte heute die Fragen mit euch teilen, die ich mir vor einer solchen Entscheidung immer stelle und die du dir auch stellen und EHRLICH für dich beantworten solltest. Jedes Mal, bevor ein weiteres Tier dauerhaft bei dir einzieht. Und eigentlich auch, wenn es sich nur um eine vorübergehende Aufnahme handelt. Ich gehe hier davon aus, dass schon mindestens zwei Katzen bei dir leben (Einzelhaltung ist nicht artgerecht!). Die Fragen gelten aber ebenso, wenn du dein Leben noch nicht mit Katzen teilst, aber gerade darüber nachdenkst.

1) Kann ich mir eine weitere Katze finanziell leisten und kann ich sie mir auch dann noch leisten, wenn plötzlich regelmäßige Einkünfte wegfallen?

Verantwortungsbewusste und artgerechte Katzenhaltung ist nicht günstig. Dazu kommt, dass zu den laufenden Kosten für eine weitere Katze (hochwertiges Futter, Streu, Zubehör, ggf. Medikamente, Tierversicherung / Vorsorgeuntersuchungen beim Tierarzt), auch immer unvorhergesehene Kosten kommen können. Bei schweren Erkrankungen/Verletzungen oder wenn die Katze häufiger krank ist, können sich diese für EINE KATZE (!) schnell im vierstelligen Bereich bewegen.

Diese Kosten kommen – entscheidest du dich für eine weitere Katze – zu deinen bisherigen Tierhaltungskosten dazu und werden auch nicht wesentlich weniger, nur weil du vielleicht größere Futtermengen/Futterpackungen kaufen kannst. Und natürlich müssen auch du und eine Familie noch leben und laufende Kosten (Miete, Auto, Versicherungen, Lebensmittel, …) decken können. Jetzt und später. Gegebenenfalls auch dann, wenn du deinen Job verlierst, nicht mehr arbeiten kannst, dich vielleicht von deinem Partner trennst und so ein Einkommen wegfällt, dich deine Eltern plötzlich nicht mehr unterstützen können oder plötzlich unvorhergesehene Kosten entstehen (Auto kaputt, Waschmaschine kaputt, hohe Steuernachzahlung, …), um nur einige Beispiele zu nennen.

Eine grundsätzliche Empfehlung ist es, immer so viel als „Notgroschen“ zu sparen, um noch mindestens drei Monate lang alle Familienmitglieder (menschlich wie tierisch) adäquat versorgen und die regelmäßigen Kosten decken zu können, auch wenn egal aus welchem Grund plötzlich kein oder weniger Geld hereinkommt.

Wenn du jetzt schon zu kämpfen hast und bei Ende des Guthabens auf dem Konto immer noch so viel Monat übrig ist, wenn du Tierarztbesuche immer weiter hinausschiebst, weil es dir vor den Rechnungen graut oder jetzt schon weißt, dass du eine weitere Katze ohne finanzielle Hilfe von außen nicht adäquat versorgen kannst, dann ist jetzt im Moment nicht der Zeitpunkt für eine weitere Katze.

2) Habe ich die Zeit, um einer weiteren Katze dauerhaft wirklich gerecht werden zu können?

Geld ist nicht alles. Neben der Sicherung der Grundversorgung gehört zur artgerechten Katzenhaltung auch Qualitätszeit für die Tiere. Insbesondere bei Wohnungskatzen. Ist wirklich Zeit da, um mit einer weiteren Katze ausgiebig zu kuscheln, zu spielen, ohne dass die anderen Katzen in der Gruppe zu kurz kommen? Hat jede Katze auch einmal die Möglichkeit, ihre Bezugsperson für sich zu haben? Nicht alle Katzen schätzen es, ihren Menschen ständig teilen zu müssen, auch wenn sie grundsätzlich die Gesellschaft anderer Samtpfoten gerne um sich haben.

Gerade schüchterne Tiere brauchen auch häufig Zeiten, in denen sie allein mit ihrem Menschen spielen, kuscheln oder ihr Köpfchen anstrengen können (Stichwort: Clickertraining), ohne dass forsche Mitkatzen ständig dazwischenfunken.

Ist es für dich schon jetzt schwierig, allen deinen Katzen gerecht zu werden und kannst oder willst du deinen Katzen nicht mehr Qualitätszeit einräumen, ist jetzt im Moment nicht der richtige Zeitpunkt für eine weitere Katze. Als Faustregel gelten mindestens sechs Stunden am Tag, die man zu Hause sein sollte und in denen es den Tieren auch möglich sein sollte, Kontakt mit ihren Menschen aufzunehmen.

Bedenke hier bitte auch, dass wir hier nicht nur vom Hier und Jetzt, sondern von einem Zeitraum über mehrere Jahre sprechen. Wenn du zum Beispiel in den nächsten Jahren darüber nachdenkst, das Thema Familienplanung anzugehen, wenn schon abzusehen ist, dass deine Freizeit aufgrund von Beruf, Hausbau o. ä. in der nächsten Zeit eher weniger denn mehr werden wird, zeugt es von Verantwortungsbewusstsein, mit dem Aufnahme einer weiteren Katze noch zu warten, bis du abschätzen kannst, ob du einer weiteren Katze auch dann noch wirklich gerecht werden kannst.

3) Habe ich die Ressourcen für eine weitere Katze?

Die Frage, ab welcher Anzahl es zu viele Katzen für den vorhandenen Platz sind, lässt sich pauschal nicht beantworten. Nichtsdestotrotz gibt es auch hier natürlich Mindestanforderungen, die nicht unterschritten werden sollten. Als absolutes Minimum gelten mindestens 15 Quadratmeter frei verfügbare Bodenfläche für ein bis zwei Katzen. Für jede weitere Katze sind 2 Quadratmeter zusätzlich erforderlich. Diese Mindestanforderung darf nicht unterschritten werden. Hat man nur diesen überschaubaren Platz zur Verfügung sollten den Katzen auf jeden Fall zusätzlich noch Möglichkeiten geboten werden, die Räumlichkeiten in der dritten Dimension zu nutzen, sprich Wandbretter, Catwalk, Aufstiegshilfen auf Schränke etc. pp.

Neben diesen pauschalen Zahlen kommt es aber auch immer auf die einzelnen Persönlichkeiten innerhalb der Katzengruppe an. Während die einen auch auf kleinem Raum harmonisch zusammenleben, brauchen andere mehr Platz, um sich auch einmal aus dem Weg gehen zu können, d. h. auch wenn von den Quadratmetern an sich noch eine Katze drin wäre, kann es sein, dass der Platz für ein harmonisches Zusammenleben nicht ausreichend ist.

Neben dem reinen Platz müssen für eine weitere Katze natürlich auch weitere Ressourcen zur Verfügung stehen. Dazu gehören mindestens eine Katzentoilette mehr als Katzen im Haus, wobei sich die Katzentoiletten nicht nebeneinander und auch nicht in direkter Nähe zum Fress- oder Trinkplatz befinden sollten. Es gehören dazu ausreichend Kratzmöglichkeiten, auch hier am besten immer mindestens eine mehr als Katzen im Haushalt und mindestens ein bis zwei mehr Schlafplätze als sich Katzen im Haushalt befinden. Dass die neue Katze ihren eigenen Futternapf und ggf. auch ihre eigene Transportbox haben sollte, versteht sich von selbst.

Sind diese Möglichkeiten nicht gegeben, ist derzeit nicht der richtige Zeitpunkt für eine weitere Katze.

4) Warum möchte ich eine weitere Katze aufnehmen?

Ein Lebewesen sollte niemals einfach so aus einer Laune heraus angeschafft werden. Nein, auch dann nicht, wenn man sich spontan und auf den ersten Blick verliebt hat und die Katze sowas von genau ins eigene Beuteschema passt. Frag dich IMMER im Voraus, warum du eine weitere Katze aufnehmen möchtest und sei ehrlich zu dir selbst.

- Möchtest du etwas Gutes tun und einer Katze in Not helfen? Warum möchtest du das? Wirklich für die Katze oder für dich, um besser dazustehen?
- Möchtest du deine Gruppe harmonischer gestalten?
- Hat jemand in der Nähe Kätzchen, die einfach nur süß sind?
- Hast du dich in eine bestimmte Rasse verliebt?

Oder, oder, oder.

Die Gründe für den Wunsch nach einer weiteren Katze können ganz vielfältig sein. Und es ist auch nichts verkehrt daran, Wünsche und Träume zu haben.

ABER:

Die Verantwortung für eine Katze übernehmen bedeutet:

Nicht nur heute und morgen, sondern für das gesamte Katzenleben (also bei einem Kätzchen ca. 15 bis 20 Jahre), 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, 365 (+1) Tage im Jahr, auch wenn das Tier alt oder krank wird, wenn es auf den Teppich kotzt, aufs Sofa pinkelt, die Tapete zerfetzt, alt oder krank wird und auch wenn vielleicht etwas oder jemand Neues in dein Leben tritt, also IMMER, IN GUTEN, WIE IN SCHLECHTEN TAGEN.

Bist du wirklich und von ganzem Herzen bereit, diese große Verantwortung für ein weiteres Lebewesen zu übernehmen?

Wenn du dir hier nicht sicher bist, ist gerade nicht der richtige Zeitpunkt für eine weitere Katze.

5) Warum soll es gerade diese Katze sein?

Nachdem du dir darüber klar geworden bist, dass eine weitere Katze bei dir einziehen soll und du dir schon ein Tier ausgeguckt hast, dann geh noch einmal in dich und frag dich, warum es genau diese Katze sein soll und ob sie wirklich zu dir oder zu euch passt. Warum möchtest du genau ihr ein Zuhause geben?

- Weil sie so hübsch ist?
- Weil sie dir so leidtut?
- Weil der Text im Gesuch so lustig ist?

All das sind nicht unbedingt die Gründe, warum du dich für oder gegen eine bestimmte Katze entscheiden solltest. Geh in dich, frag dich, ob die Katze wirklich zu dir und zu deinem Leben passt und du ihr – ja, genau ihr – das Leben bieten kannst, das sie verdient.

Kampfschmuser sind zum Beispiel wahnsinnig süß, aber können manchmal auch aufdringlich bis nervig werden, wenn sie von morgens bis abends kuscheln wollen. Wünschst du dir eine solche Katze und hast du auch Zeit für stundenlange Kuschelsessions oder ist vielleicht ein eigenständigeres Tier, das nur gelegentlich auf den Schoß möchte, besser geeignet?

Hast du Geduld und bist willens, ein scheues Tier an dich zu gewöhnen und ist es bei dir entsprechend ruhig? Oder herrscht eher den ganzen Tag lebhaftes Treiben, zum Beispiel in einem Haushalt mit kleineren Kindern?

Durfte die Katze bisher Freigang genießen und ihr stünde bei dir nur ein Platz in einer kleineren Wohnung zur Verfügung?

Mach dir ganz genau bewusst, was für ein Leben das Beste für genau DIESE Katze wäre und inwiefern du ihr das bieten kannst. Wenn du dir hier nicht 100%ig sicher bist, ist es vielleicht der richtige Zeitpunkt für eine weitere Katze, aber eben nicht für genau diese.

6) Passt die Katze in meine bestehende Katzengruppe?

Wir gehen hier ja davon aus, dass bei dir bereits Katzen leben. Auch zu diesen muss die neue Katze natürlich passen und man tut einer harmonischen Katzengruppe nicht immer einen Gefallen, wenn man ein weiteres Tier in die Gruppe nimmt. Um Probleme durch den möglichen Neuzugang von Vornherein zu vermeiden, solltest du darauf achten, dass die neue Katze zu deinen Katzen passt.

- Wie ist der Charakter deiner Katzen? Wie der des möglichen Neuzugangs?
Sind deine Katzen eher ruhig und der Neuzugang lebhaft?
- Wie spielen deine Katzen? Eher wild oder vorsichtig?
- Wie alt sind deine Katzen? Wie alt wäre die neue Katze?
- Wie harmoniert die Gruppe derzeit miteinander und was möchtest du ggf. erreichen?
Möchtest du zum Beispiel einen Spielkameraden für ein lebhaftes Katzenkind, das den anderen Katzen im Haushalt zu ungestüm ist?
- Sind deine Katzen gesund? Gerade (chronisch) kranken Katzen tut man oft keinen Gefallen, wenn man sie dem (möglichen) Stress einer Vergesellschaftung aussetzt?

Nicht nur du darfst dein Leben mit der neuen Samtpfote teilen, sondern auch deine Stubentiger, ob sie wollen oder nicht. Daher sollte dieser Punkt mindestens so viel, wenn nicht sogar noch mehr Gewicht haben, als Punkt 5 in unserer Liste. Du tust weder dir noch den Haustigern einen Gefallen, wenn du eine Katze dazu nimmst, die nicht in die Gruppe passt.

7) Ist die Quelle aus der die Katze stammt seriös?

Katzen gibt es mehr oder weniger an jeder Ecke. Vom Bauernhof, von Privatpersonen, aus dem Tierschutz im In- oder Ausland oder auch vom Züchter. Allerdings ist es nicht immer leicht, die Spreu vom Weizen zu trennen und eine seriöse Bezugsquelle zu finden.

Aber das solltest du. Sieh dir die Quelle genau an, stelle Fragen und wenn du auch nur den kleinsten Zweifel an der Seriosität hast, dann wäge sehr genau ab, ob du wirklich genau dieser Katze ein Zuhause geben willst.

Einige Fragen, die du dir stellen solltest:

- Kann ich damit leben, wenn die Katze bei Ankunft bereits krank ist oder vielleicht an einer erblich bedingten Krankheit leidet, weil die Eltern zuvor nicht darauf getestet wurden? Habe ich die finanziellen Mittel und bin ich bereit, die Katze dann (womöglich kostspielig) behandeln zu lassen?
- Habe ich die Möglichkeit für den Fall des Falles Quarantäne zu halten?
- Kann ich damit leben, dass ich mit der Aufnahme zwar dieses eine Tier rette, aber dort dann gegebenenfalls unter unschönen Umständen weitere Katzen produziert werden?

Schwarze Schafe gibt es überall. Und wie heißt es so schön „der Schein trügt, aber er scheint“. Ein launiger Spruch, aber doch so wahr. Vorurteile und festgefahrene Meinungen sind hier fehl am Platz.

Nicht jede Bauernhofkatze ist krank. Es gibt durchaus auch landwirtschaftliche Betriebe, auf denen man sich um die Katzen kümmert, die eigenen Katzen kastrieren lässt und die Kätzchen wirklich von zugelaufenen Tieren stammen.

Nicht jede Katze vom Züchter ist gesund und frei von Erbkrankheiten, auch wenn die Tiere einen Stammbaum haben. Es gibt Züchter, die nur nach außen hin seriös wirken, bei denen es den Katzen aber hinter verschlossenen Türen alles andere als gut geht.

Nicht jeder Tierschutzverein ist seriös. Es gibt im Tierschutz Vereine, die auch wirklich TierSCHUTZ betreiben und es gibt solche, die sich mit mitleidsheischenden Geschichten nur eine goldene Nase verdienen wollen.

Lass dich hier nicht täuschen, frag gegebenenfalls nach Erfahrungen und schau genau hin, bevor du dich für eine Katze aus einer bestimmten Quelle entscheidest. Wenn du sie aufnimmst, obwohl die Voraussetzungen nicht stimmen, musst du ggf. mit oben genannten Punkten leben können.

8) Sind alle in der Familie mit der Aufnahme einer weiteren Katze einverstanden?

Katzen sind Familienmitglieder und sollten auch von allen Personen im Haushalt als solche betrachtet und behandelt werden. Das funktioniert in der Regel nur, wenn auch alle Familienmitglieder hinter einem möglichen Neuzugang stehen. Sind nicht alle Familienmitglieder mit der Aufnahme einer weiteren Katze einverstanden, ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt für eine weitere Katze.

9) Darf ich noch eine weitere Katze aufnehmen (Vermieter)?

Die Haustierhaltung ist im deutschen Mietrecht nach wie vor nicht ganz eindeutig geregelt. Grundsätzlich darf der Vermieter eine Katze nicht willkürlich verbieten, das heißt aber nicht, dass Katzen auch wirklich gehalten werden dürfen. Wenn der Vermieter die Haltung von Katzen verbietet, muss er dafür sachliche Gründe vorbringen. Grundsätzlich gilt, dass eine vertragsgemäße Nutzung der Wohnung immer möglich sein muss. Entscheidungskriterien betreffen daher z. B. die Lage und Größe der Wohnung, das Verhalten der Katze(n) und die Gesamtzahl der Haustiere insgesamt.

Der Vermieter kann also aus sachlichen Gründen im Einzelfall (weitere) Katzen verbieten. Gründe können zum Beispiel die generelle Katzenanzahl, ein möglicher Schaden für Nachbarn und Hausbewohner durch die Katze, Lärmbelästigung oder Verschmutzung und eine übermäßige Abnutzung der Wohnung sein. Die Entscheidung muss immer Folge einer individuellen Einzelfallprüfung sein. Um Probleme zu vermeiden, ist aber zu empfehlen, die Aufnahme einer weiteren Katze vorab mit dem Vermieter abzuklären.

10) Fühle ich mich der Aufnahme einer neuen Katze aktuell gewachsen und habe ich im Moment Zeit für eine Vergesellschaftung?

Auch mit der besten Vorbereitung ist die Aufnahme einer weiteren Katze in eine Gruppe immer noch ein Glücksspiel, bei dem man nie so genau weiß, was einen erwarten wird. Es kann sein, dass die Vergesellschaftung ganz unspektakulär verläuft. Es kann aber auch sein, dass die ganze Geschichte ein wenig nervenaufreibender wird und es viel Zeit, Geduld und Nerven braucht, um die Tiere aneinander zu gewöhnen. Mögliche Probleme wie Unsauberkeit inklusive. Besonders wenn erwachsene Tiere zusammengeführt werden sollen.

Hast du momentan Zeit und Nerven dich einer solchen möglicherweise belastenden Situation zu stellen und die Vergesellschaftung durchzuziehen? Falls nein, dann ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt für eine weitere Katze.

11) Habe ich mich mit dem Thema Vergesellschaftung und den möglichen Problemen damit intensiv beschäftigt?

Bei einer Vergesellschaftung ist die richtige Herangehensweise ungeheuer wichtig. Speziell, wenn es um erwachsene Tiere geht, die vielleicht sogar bisher allein gelebt haben. Hast du dich schon damit beschäftigt, wie du die Vergesellschaftung am besten angehst? Falls nein, kann ich dir dieses Buch* empfehlen.

12) Habe ich die Möglichkeit, die Tiere vorübergehend zu trennen?

Für eine erfolgreiche Vergesellschaftung kann es von Vorteil sein, die Katzen erst einmal zu trennen und sich dann langsam kennenzulernen. Auch wenn die Vergesellschaftung problematisch wird oder dein Neuzugang aus einer zweifelhaften Quelle stammt, kann es empfehlenswert oder sogar notwendig sein, die Samtpfoten zu separieren. Hast du die Möglichkeit, die Tiere vorübergehend zu trennen und wärst du ggf. bereit hierfür vorübergehend eine Gittertür zu installieren? Nein? Das solltest du aber.

13) Was ist mein Plan B, wenn es mit der Katze in meiner Gruppe nicht klappt? Kann die Katze ggf. wieder zurück?

Trotz aller Vorbereitung und Umsicht kann es dennoch passieren, dass es mit einer Katze in einer Gruppe jetzt oder später einfach nicht funktioniert. Dann braucht es einen Plan B, um in der unschönen Situation eine für alle Beteiligten geeignete Lösung zu finden.

Hast du dir darüber bereits Gedanken gemacht? Hättest du beispielsweise die Möglichkeit und den Willen die Katzen dauerhaft zu separieren? Hättest du ggf. Freunde, Verwandte oder Bekannte, die die Katze aufnehmen würden? Oder könnte sie gegebenenfalls wieder dorthin zurück, wo du sie bekommen hast?

Seriöse Tierschutzvereine, viele Tierheime und Züchter nehmen Katzen nach Möglichkeit wieder auf, wenn sie ihr neues Zuhause aus welchem Grund auch immer wieder verlassen müssen. Bei Katze aus anderen Quellen ist dies meist nicht der Fall. Auch nicht bei vielen Tieren aus dem Ausland. Ein Grund mehr, genau hinzusehen, woher dein neues Familienmitglied stammen soll.

14) Habe ich die Möglichkeit noch eine weitere Katze adäquat versorgen zu lassen/unterzubringen, wenn ich mich vorübergehend nicht um die Tiere kümmern kann?

Im Leben ist nicht immer alles planbar. Es kann immer vorkommen, dass man sich vorübergehend nicht um die eigenen Tiere kümmern kann, sei es aufgrund längerer Krankheit oder auch aus privaten oder beruflichen Gründen. Und gerade wenn man allein lebt, müssen die Katzen in der Zeit deiner Abwesenheit versorgt oder untergebracht werden. Dies kann ab einer gewissen Katzenanzahl schwierig werden.

Hast du die Möglichkeit, auch noch eine weitere Katze im Fall deiner Abwesenheit oder sogar im Todesfall adäquat versorgen zu lassen oder unterzubringen? Nein? Dann ist jetzt nicht der Zeitpunkt für eine weitere Katze.

Du hast alle Punkte durchgelesen und bist immer noch der Meinung, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für eine weitere Katze ist? Ja? Dann wünsche ich dir viel Freude mit deinem neuen Familienmitglied und eine reibungslose Vergesellschaftung!

 

Hast du noch Fragen oder Anregungen zu diesem Artikel? Dann schreib uns doch eine Mail an redaktion@haustiger.info. Wir freuen uns auf deine Nachricht!

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