Der königliche Hügelhund

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Der könig­liche Hügel­hund

 

The Dog who must not be named.

Es gibt Dinge, die man in manchen Facebook-Gruppen besser nicht sagt.

Dazu gehören je nach Milieu Impfungen, Trockenfutter, Tierärztinnen, Kohlenhydrate und diverse andere Dinge, von denen man nicht mal wusste, dass sie ein Problem darstellen können, bevor man einer der einschlägigen Facebook-Gruppen zu nahe gekommen ist. Vor allem aber gibt es dort zwei Namen, bei deren bloßer Erwähnung sich die Atmosphäre zuverlässig verdüstert. Einer, der an einen Hügel erinnert und einer, bei dem man an einen königlichen Hund denken könnte. 

Man empfiehlt sie nicht. Man verteidigt sie besser auch nicht. Mitunter erwähnt man sie nicht einmal, jedenfalls nicht ohne vorher innerlich Abschied von einem ruhigen Nachmittag zu nehmen. Nicht, weil jeder Einzelfall bereits sorgfältig geprüft und differenziert besprochen worden wäre, sondern weil das Urteil in solchen Gruppen gewöhnlich schon feststeht, bevor überhaupt jemand die Frage zu Ende formuliert hat.

Es hat etwas eigentümlich Ritualhaftes. Als könne schon die bloße Nennung eines Spezialfutters Unheil heraufbeschwören. Als müsse man den Kommentarbereich vor dunklen Mächten schützen, indem man Markennamen behandelt wie unverzeihliche Flüche, die, einmal ausgesprochen, zuverlässig eine Kaskade aus „Chemie“, „Müll“ und „nur Geldmacherei“ auslösen.

Und wie das mit Dingen ist, die man nicht nennen soll: Sie wachsen.

Sie werden größer, finsterer und unheilvoller, als sie in Wirklichkeit je waren. Aus einem Diätfutter wird ein weiterer Beweis dafür, dass es mit der natürlichen Ordnung offenbar bergab geht. Aus einer veterinärmedizinisch gedachten Ration ein Angriff auf die Natur. Und aus zwei Herstellern wird schließlich ein Wesen, das halb aus Hörensagen, halb aus Empörung und zu einem kleinen, aber sehr wesentlichen Teil aus dem Inhalt von Kommentarbereichen besteht:

Der königliche Hügelhund.
The Dog Who Must Not Be Named.

Niemand hat ihn je genau gesehen, aber alle wissen sehr genau, wie er aussieht.

Er ist, so heißt es, halb Wolf, halb Marketingabteilung und im Besitz eines goldenen Messbechers, mit dem er des Nachts mit Trockenfutter klappernd durch die Flure jener Tierarztpraxen streift, die im Internet längst als Teil der Sache gelten. Er lebt in den dunkleren Winkeln hinter dem Empfang, dort, wo das Spezialfutter steht, die Hochglanzbroschüren liegen und der bloße Verdacht auf Industrienähe bereits ausreicht, um in manchen Menschen einen inneren Exorzismus auszulösen. Er erscheint immer dann, wenn eine Katze etwas bekommt, das nicht nach Lagerfeuer, Beutetier und moralischer Reinheit aussieht: Nierenfutter, hypoallergenes Futter, Urinary oder sonst etwas, das den Fehler begeht, für einen medizinischen Zweck gedacht zu sein.

Wie der königliche Hügelhund aussieht? Das weiß niemand so genau. Es heißt, sein Fell besitze jene eigentümliche Beschaffenheit, die Dinge annehmen, die nie ganz gesehen, aber immer mit großer Sicherheit beschrieben werden. In manchen Erzählungen glänzt es wie der frisch polierte Behandlungstisch. In anderen wirkt es stumpf wie eine Schere, die zu oft mit Halbwissen in Berührung gekommen ist. Seine Augen glühen, seine Schritte hallen, während er durch die Gänge schreitet, und sein Atem, so heißt es, riecht nach Trockenfutter, Fortbildungsbudget und jener stillen Verzweiflung, die Menschen befällt, wenn sie eine Futtermitteldeklaration für einen handfesten Skandal halten.

Eine Erscheinung, die für eine ordentliche Sagengestalt eigentlich schon aussagekräftig genug wäre. Aber es geht noch weiter. Denn zum festen Sagenkreis um dieses furchteinflößende Wesen gehört selbstverständlich auch, dass Tierärztinnen und Tierärzte ihm nicht etwa erst im Berufsalltag begegnen. Nein, sie sollen schon im Studium für alle Ewigkeit an ihn gebunden werden.

Man munkelt, das Verbindungsritual findet in einem fensterlosen Nebenraum zwischen Anatomie und Pharmakologie statt, wo Student*innen feierlich das ultimative Sponsoringpaket übergeben wird, gefüllt mit einigen Fortbildungsfolien, einem geheimen Handschlag und einem Sack Gastrointestinal. Außerdem soll die Aussicht auf spätere Vergünstigungen dazugehören, seien sie real, eingebildet oder vom Internet mit jener unerschütterlichen Gewissheit behauptet, die sonst nur alten Dorflegenden eigen ist, bis hin zu jenem Plasmafernseher im Wartezimmer, von dem seit Jahren erzählt wird, als habe ihn der Berichterstatter eigenhändig an die Wand geschraubt.

Und wie alle brauchbaren Internetlegenden bleibt auch die Geschichte vom königlichen Hügelhund nicht lange dort, wo sie erfunden wurde. Sie wird weitererzählt, ausgeschmückt und schließlich in Kommentarbereiche überführt, wo sie jenen letzten Schliff erhält, den nur das Internet verleihen kann: die feste Überzeugung, etwas ganz genau zu wissen, das man nie besonders genau geprüft hat.

„Finger weg“, zischen die Orakel aus den Kommentaren.
„Chemie.“
„Müll.“
„Nur Geldmacherei.“
„Die sind doch alle gesponsert“, raunt es durch die Gruppen.

Und irgendwo weiß stets jemand von einer Bekannten, deren Kater nach drei Kroketten Spezialfutter den Bezug zum Kosmos verlor, dessen Aura sich verdunkelte oder der zumindest sehr anders auf den Küchenschrank blickte.

In solchen Momenten nicken viele sehr ernst. Denn das Internet ist ein Ort, an dem man sich mit erstaunlicher Sicherheit vor Dingen fürchten kann, die man gleichzeitig nicht besonders gründlich verstanden hat.

Das Problem an solchen Erzählungen ist nur, dass sie mit der eigentlichen Frage wenig zu tun haben.

Denn ob ein Futter sinnvoll ist, entscheidet sich nicht daran, wie verdächtig sein Markenname klingt. Auch nicht daran, ob es in einer Facebook-Gruppe moralisch gut gealtert ist. Entscheidend ist, für welche Katze es gedacht ist, in welcher Situation es eingesetzt wird und ob es in diesem konkreten Fall überhaupt passt.

Spezialfutter ist weder Erlösung noch Verderben. Es ist, und das ist als Legende natürlich unerquicklich unromantisch, zunächst einmal ein Werkzeug.

Damit ist es für viele Empörungserzählungen denkbar ungeeignet. Ein Werkzeug ist kein Bösewicht. Es hat keine finsteren Absichten. Es sitzt nicht nachts im Nebel und lacht. Es kann hilfreich sein, ungeeignet sein, Grenzen haben, nicht vertragen werden, nicht gefressen werden oder durch etwas anderes ersetzt werden müssen. Aber es ist zunächst einmal einfach das: ein Werkzeug.

Bei bestimmten Erkrankungen oder Problemen kann eine angepasste Ernährung Teil des Managements sein. Nicht als Magie, nicht als Weltanschauung, sondern als ein ziemlich nüchterner Teil des Managements. Bei chronischen Nierenerkrankungen, Harnwegsproblemen,

Futtermittelunverträglichkeiten oder einzelnen Magen-Darm-Themen kann die Zusammensetzung eines Futters relevant sein. Nicht immer gleich stark. Nicht in jedem Fall ausreichend. Und selbstverständlich nicht unabhängig von Diagnose, Gesamtzustand, Akzeptanz und dem restlichen Management. Aber eben doch relevant.

Genau das scheint manche Menschen so zu kränken. Denn ein Werkzeug eignet sich nur begrenzt zum Dämon, wenn man bei der Sache ehrlich bleiben will. Und Ehrlichkeit ist in Glaubenskriegen bekanntlich selten das dekorativste Element.
Natürlich darf man Spezialfutter kritisch betrachten. Man kann Zusammensetzungen diskutieren, Akzeptanzprobleme benennen, Preise unerquicklich finden oder sich im Einzelfall gegen ein bestimmtes Produkt und sich mithilfe einer fachtierärztlichen Ernährungsberatung für auf das eigene Tier abgestimmte selbst zubereitete Rationen entscheiden. All das ist vernünftig. Unvernünftig wird es meist erst dort, wo aus kritischer Prüfung ein pauschales Verdammungsurteil wird und aus jeder Fütterungsempfehlung gleich eine ideologische Verfehlung.

Denn dann geht es längst nicht mehr um die Katze.
Dann geht es um Lagerdenken und um das sehr angenehme Gefühl, Dinge durchschaut haben zu wollen, die andere angeblich nicht sehen. Das ist menschlich nachvollziehbar, hilft aber der Katze mit Durchfall oder Allergiesymptomatik nur begrenzt weiter.

Und auch ein Nierenproblem verschwindet nicht deshalb, weil jemand unter einen Beitrag „nie im Leben würde ich so etwas füttern“ schreibt, als ließe sich der Stoffwechsel durch moralische Entrüstung einschüchtern.

Der Katzenkörper interessiert sich bekanntlich nur mäßig für Weltanschauungen. Eine Katze mit chronischer Erkrankung wird durch besonders überzeugte Kommentare nicht stabiler.
Vielleicht ist genau das der unerquicklichste Gedanke von allen: Dass man manche Fragen nicht mit moralischer Erregung lösen kann, sondern nur mit genauerem Hinsehen. Mit Diagnostik statt Dämonologie. Mit Abwägung statt Abscheu. Und mit der Bereitschaft, ein Futter nicht danach zu beurteilen, ob es in die eigene Erzählung passt, sondern ob es einer konkreten Katze in einer konkreten Situation hilft.

Sobald man also den Nebel aus Kommentarspalten, Gruppenregeln und dunklen Sponsoring-Legenden ein wenig beiseiteschiebt, bleibt etwas recht Nüchternes übrig: Spezialfutter ist meist weder Fluch noch Offenbarung. Es ist ein Werkzeug. Für bestimmte Katzen in bestimmten Situationen entwickelt, manchmal sinnvoll, manchmal ungeeignet, gelegentlich hilfreich, nicht selten unromantisch und als Monster insgesamt nur begrenzt überzeugend.

Das erklärt, warum der königliche Hügelhund bei näherem Hinsehen jedes Mal ein wenig kleiner wird.

Er verliert den goldenen Messbecher.
Dann den düsteren Nebel.
Dann die glühenden Augen.
Dann das fragwürdige Fell.
Dann den Sack Gastrointestinal.
Dann die Sponsoringrituale im Hörsaal.
Dann schließlich auch den Plasmafernseher.

Und am Ende steht dort kein finsterer Höllenhund mehr, sondern etwas sehr viel weniger Dämonisches:

ein Spezialfutter, das für manche Katzen sinnvoll sein kann und für andere nicht.

Das ist als Legende natürlich eine Enttäuschung.
Für die Katze unter Umständen nicht.

Im Ernst Leute:

Spezialfutter ist weder Erlösung noch Verrat an der Natur, sondern im besten Fall ein Werkzeug. Ob es sinnvoll ist, hängt nicht von der Meinung selbsternannter Experten im Internet ab, sondern von der jeweiligen Katze, ihrer Diagnose, ihrer Akzeptanz und dem Gesamtkontext.

Kritik an Spezialfuttern kann sinnvoll sein. Pauschale Verdammungsurteile sind es meist nicht. Wer Fütterung ernsthaft beurteilen will, braucht mehr als starke Meinungen, empörte Schlagworte und die feste Überzeugung, irgendwo hinter jeder Dose würde bereits der nächste Skandal warten.

Besitzverhältnisse

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Besitz­ver­hältnisse

Über Eigentum, Fehlurteile und andere Störungen der häuslichen Ordnung.

Der Vorfall mit der Decke begann, wie die meisten Störungen der häuslichen Ordnung, mit einer Servicekraft, die ihre Zuständigkeiten falsch einschätzte.

Es war später Nachmittag. Die Wohnung hatte sich in jene stille Ruhe zurückgezogen, die Räume annehmen, wenn der Tag noch nicht vorbei, aber im Wesentlichen entschieden ist. Ich lag auf dem Sofa. Nicht demonstrativ. Nicht dekorativ. Ich lag dort mit der Selbstverständlichkeit eines Wesens, das keinen Anlass sieht, seine Anwesenheit zu rechtfertigen.

Unter mir lag die graue Wolldecke.

Die graue Wolldecke ist seit Längerem von Bedeutung. Sie ist weich, ausreichend warm und frei von jenen gestalterischen Einfällen, mit denen Menschen gelegentlich versuchen, den Haushalt interessant zu machen. Sie hatte sich bewährt und war damit in meinen Besitz übergegangen.

In diese wohletablierte Ordnung hinein trat die Servicekraft an das Sofa.

Sie sah mich an.
Sie sah die Decke an.
Man konnte ihr beim Denken zusehen. In ihrem Kopf setzte sich langsam ein kleines Räderwerk in Bewegung, das wenig später einen Fehler von beachtlicher Tragweite hervorbringen sollte.

„Cara“, sagte sie schließlich, „ich brauche die Decke.“

Ich hob den Kopf und blinzelte mit einem Auge.

Brauchen ist ein großes Wort. Menschen verwenden es gern, wenn sie frieren, sich langweilen oder plötzlich den Eindruck haben, ein Gegenstand sei noch verfügbar, obwohl längst eine Katze darauf liegt. Ich bestreite nicht, dass ihnen die Sache in diesem Moment wichtig vorkommt. Aber Wichtigkeit ist kein Eigentumsnachweis.

„Ich brauche die Decke“, sagte die Servicekraft noch einmal, langsamer diesmal, als sei nicht ihre Argumentation lückenhaft, sondern mein Verständnis.

Es gibt in jedem geordneten Haushalt Augenblicke, in denen klar wird, dass nicht mehr über Stoff gesprochen wird, sondern über Grundsätze.

Menschen haben ein auffallend primitives Verhältnis zum Besitz. Sie glauben, ein Gegenstand gehöre ihnen, weil sie ihn gekauft, gewaschen oder irgendwann ins Haus getragen haben. Das ist aus menschlicher Sicht vielleicht ein Anfang. Aus meiner Sicht ist es vor allem eine sehr frühe Entwicklungsstufe.

Wirklicher Besitz entsteht anders.

Durch Nutzung.
Durch Nähe.
Durch Verlässlichkeit.
Vor allem aber durch die Kraft der sichtbaren Tatsache.

Ich lag auf der Decke.

Mehr Beweisführung war nicht nötig.

Die Servicekraft griff nach einer Ecke der Decke und zog.

Nicht grob. Nur vorsichtig. Mit jener tastenden Bewegung, mit der Menschen testen, ob ein Übergriff kleiner wirkt, wenn man ihn höflich beginnt.

Ich blieb liegen.

Das war keine Bequemlichkeit. Es war die Weigerung, einen Fehler durch Bewegung zu belohnen.

Die Decke verschob sich leicht unter mir. Ich antwortete mit einem Blick, der deutlich genug machte, dass wir hier einen Fehler in Echtzeit betrachteten. Die Servicekraft zog noch einmal, nun mit jener stillen Beharrlichkeit, die Menschen entwickeln, wenn sie bereits ahnen, dass sie unrecht haben, aber hoffen, es ließe sich durch Fortsetzung in Wahrheit verwandeln.

Ich vergrößerte mein Gewicht.

Menschen halten Gewicht für eine rein körperliche Eigenschaft. Das ist technisch nicht falsch, aber es greift zu kurz. Wahres Gewicht ist auch eine Haltung. Ein Entschluss. Eine Form von moralischer Verdichtung. Ich wurde nicht schwerer. Ich machte nur deutlicher, dass ich nicht vorhatte nachzugeben.

Dann entstand jene kurze Stille, in der beide Seiten begreifen, dass es längst nicht mehr um eine Decke geht. Es ging um die Frage, ob Besitz durch Wunsch aufgehoben werden kann oder ob die Realität dabei ein Mitspracherecht hat.

Die Servicekraft seufzte.

Menschen seufzen häufig an dem Punkt, an dem Realität anfängt, ihnen lästig zu werden.

„Na gut“, sagte sie schließlich. „Dann eben nicht.“

Und das ist, bei aller Kritik, der Grund, weshalb man sie im Haushalt dulden kann. Gelegentlich akzeptieren sie Tatsachen. Nicht aus Einsicht, aber immerhin aus Erschöpfung.

Die Angelegenheit hätte dort enden können, wenn die Servicekraft nicht wenig später mit einem Kissen zurückgekehrt wäre.

Mit einem Kissen.

Es gehört zu den schwächeren Seiten des menschlichen Denkens, Ersatz für eine Lösung zu halten. Sie legte das Kissen neben mich und sagte mit vorsichtiger Zuversicht: „Hier. Das ist doch auch weich.“

Ich sah das Kissen an.

Es war weich. Das sprach für das Kissen. Es sprach aber nicht gegen meine Decke. Menschen verwechseln Alternativen oft mit Ansprüchen. Nur weil etwas ebenfalls brauchbar ist, hört das Bessere nicht auf, mir zu gehören.

Ich sah dann die Servicekraft an.

Und weil ich selbst in kritischen Lagen zu konstruktiven Lösungen neige, stand ich auf. Langsam. Mit Würde. Mit jener Ruhe, die Menschen regelmäßig als Einlenken missverstehen, kurz bevor sie feststellen, dass sie lediglich einer Ausweitung der Verhältnisse zugesehen haben.

Ich trat auf das Kissen und setzte mich darauf.

Die Servicekraft lächelte sofort.

Das war voreilig.

Denn selbstverständlich hatte ich damit die Decke nicht freigegeben. Ich hatte lediglich das Kissen zusätzlich übernommen.

Das ist der Punkt, an dem menschliches Denken oft zusammenbricht. Menschen stellen sich Besitz gern als etwas Einfaches vor: ein Ding, ein Besitzer, Ende. In Wahrheit verhält sich Besitz eher wie ein Territorium. Er hat ein Zentrum, Randbereiche und Zonen, die durch bloße Berührung hinreichend gesichert sind.

„Siehst du“, sagte die Servicekraft und griff erneut nach der Decke.

Ich legte eine Pfote darauf.

Nicht schnell. Nicht nervös. Nur präzise.

Wie eine Unterschrift.

Die Servicekraft hielt inne und sah auf meine Pfote hinab, als habe sie dort plötzlich eine Sprache entdeckt, die sie nie gelernt hatte.

„Ehrlich jetzt?“, fragte sie.

Ich fand die Frage nicht besonders stark. Ehrlichkeit war zu keinem Zeitpunkt das Problem gewesen. Ich hatte meine Position offen vertreten. Ich hatte nichts verschleiert. Wenn in diesem Raum jemand so tat, als ließe sich Besitz durch bloßes Zugreifen neu ordnen, dann wohl kaum ich.

Am Ende nahm sich die Servicekraft eine andere Decke.

Sie war dünner, blasser und von einer Trostlosigkeit, wie man sie sonst nur aus Krankenhäusern kennt, aber das war nicht mein Problem. Ich sehe nicht ein, warum ich mich mit den Folgen fremder Fehleinschätzungen belasten sollte.

Später am Abend kehrte die Servicekraft zurück und wollte ihren Platz auf dem Sofa.

Zu diesem Zeitpunkt lag ich halb auf dem Kissen, halb auf der Decke und mit dem Rückenbereich auf einer Zeitung, die kurz zuvor noch gelesen worden war und nun endlich einer sinnvollen Verwendung diente. Die Servicekraft blieb stehen, betrachtete die Lage und sagte: „Cara. Jetzt ist aber wirklich alles besetzt.“

Ich sah sie an.

Natürlich war alles besetzt.

Das war ja die Aufgabe gewesen.

Menschen neigen dazu, freie Flächen für einen natürlichen Zustand zu halten. Das ist einer ihrer grundlegenden Irrtümer. Leere ist kein Ideal. Leere ist nur ungenutzte Möglichkeit, und ungenutzte Möglichkeiten führen im Haushalt fast immer zu schlechten Entscheidungen.

Menschen glauben außerdem, Besitz sei etwas Abstraktes. Etwas mit Belegen, Verträgen und Schubladen, in denen Papier langsam den Sinn des Lebens verliert. In Wahrheit ist Besitz etwas Sichtbares. Etwas Warmes. Etwas, das nicht diskutiert, sondern festgestellt wird.

Ein Sofa gehört nicht dem, der es gekauft hat.
Es gehört dem, der seine Funktion am überzeugendsten offenlegt.

Eine Decke gehört nicht dem, der sie wäscht.
Sie gehört dem, unter dem sie warm wird.

Ein Kissen gehört nicht dem, der es hinlegt.
Es gehört dem, der es adelt.

Und ein Mensch gehört, jedenfalls in den stilleren Abendstunden, durchaus dem Wesen, das beschlossen hat, auf ihm zu schlafen.

Es geht dabei nicht um Grausamkeit.

Es geht um Ordnung.

Und Ordnung beginnt, wie jede vernünftige Ordnung, genau dort, wo ich beschlossen habe, sie vorübergehend zu verkörpern.

Im Ernst Leute:

Nicht jede Besitzfrage ist bloß Marotte. In einem Katzenhaushalt sind wichtige Ressourcen nicht einfach nette Extras, sondern Teil eines verlässlichen Alltags. Dazu gehören mehr als nur irgendwo vorhandenes Futter und ein halbwegs freier Platz auf dem Sofa.

Wenn Katzen im eigenen Heim leben, braucht es in der Regel mindestens eine Katzentoilette mehr als Katzen im Haushalt. Es braucht ausreichend Liegeplätze, Kratzgelegenheiten und Rückzugsorte für jede einzelne Katze. Es braucht für jede Katze einen eigenen Futternapf. Und es braucht verschiedene Trinkgelegenheiten, am besten so platziert, dass sie nicht direkt neben Futter oder Katzentoilette stehen.

Dazu kommt etwas, das Menschen leicht übersehen: Katzen brauchen nicht nur Versorgung, sondern oft auch passend verteilte Aufmerksamkeit und ungestörte Ruhe. Das kann bedeuten, dass jede Katze Zeit mit ihrem Menschen bekommt, ohne konkurrieren zu müssen, und ebenso Zeit für sich, ohne bedrängt zu werden.

Mit Leichtigkeit zum Katzenernährungsguru

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Mit Leichtig­keit zum Kat­zen­er­nähr­­ungs­­guru

 

Ein kurzer Leitfaden für alle, die mit Halbwissen, Selbstgewiss­heit und Internet­an­schluss Großes vorhaben.

Es gibt im Internet viele gefährliche Orte. Sümpfe aus Halbwissen. Tiefe Schluchten aus Kommentarspalten. Regionen, in denen seit Jahrhunderten die Vernunft verschollen ist. Und dann, inmitten all dieses Wahnsinns … die Frage, die das Internet regelmäßig in seinen Grundfesten erschüttert:

„Welches Katzenfutter könnt ihr empfehlen?“

Wer sie stellt, beginnt nicht einfach nur eine Diskussion. Er zieht den Stöpsel aus der Badewanne der zivilisierten Welt und blickt direkt hinein in einen brodelnden Kessel aus Glaubenssätzen, Empörung und Menschen, die seit drei Tagen ein Ringlicht besitzen und sich deshalb berufen fühlen, über die Biologie obligater Karnivoren zu sprechen.

Kaum ist die Frage online, bleiben ungefähr sieben Sekunden, um sich zurückzulehnen, Popcorn zu holen und gegebenenfalls Schutzkleidung anzulegen. Dann beginnt das Schauspiel.

Es ist ein vertrautes Stück, das in unzähligen Wiederaufführungen gegeben wird. Die Rollen sind klar verteilt. Irgendwo deklamiert jemand, Trockenfutter sei Gift, BARF die einzig wahre, naturgewollte und vermutlich von kosmischen Kräften abgesegnete Form der Katzenernährung. Auf der anderen Seite steht eine Person, die berichtet, ihre Katzen hätten seit Jahrzehnten Futter von Discounter XY bekommen und seien alle 20 geworden, was im Internet zuverlässig als kontrollierte Langzeitstudie gilt . Dazwischen fliegen die großen Klassiker durch den Raum: Tierärzt*innen hätten von Ernährung keine Ahnung, die Futtermittelindustrie ziehe im Hintergrund die Fäden, und irgendwann fällt zuverlässig der Satz mit der Katze, dem Bunsenbrenner und der Pampa, der seit Jahren mit einer Überzeugung vorgetragen wird, als sei er einst vom Amt für biologische Artgerechtheit geprüft, in Stein gemeißelt und dem Internet zur ewigen Wiederholung übergeben worden.

Kurz: Es ist alles da, was man für gute Unterhaltung braucht.

Und vielleicht denkst du dir nun: Das ist genau mein Ding.
Vielleicht möchtest auch du aufsteigen in den erlauchten Kreis jener Katzenernährungsgurus, die mit einer Mischung aus Selbstgewissheit, dramatischer Musik und zweifelhaften Quellenlage das digitale Abendland prägen.

Dann bist du hier genau richtig. In diesem praktischen Leitfaden erklären wir dir, wie du in 10 Schritten zum ultimativen Katzenernährungsguru wirst.

Es gibt im Internet viele gefährliche Orte. Sümpfe aus Halbwissen. Tiefe Schluchten aus Kommentarspalten. Regionen, in denen seit Jahrhunderten die Vernunft verschollen ist. Und dann, inmitten all dieses Wahnsinns … die Frage, die das Internet regelmäßig in seinen Grundfesten erschüttert:

„Welches Katzenfutter könnt ihr empfehlen?“

Wer sie stellt, beginnt nicht einfach nur eine Diskussion. Er zieht den Stöpsel aus der Badewanne der zivilisierten Welt und blickt direkt hinein in einen brodelnden Kessel aus Glaubenssätzen, Empörung und Menschen, die seit drei Tagen ein Ringlicht besitzen und sich deshalb berufen fühlen, über die Biologie obligater Karnivoren zu sprechen.

Kaum ist die Frage online, bleiben ungefähr sieben Sekunden, um sich zurückzulehnen, Popcorn zu holen und gegebenenfalls Schutzkleidung anzulegen. Dann beginnt das Schauspiel.

Es ist ein vertrautes Stück, das in unzähligen Wiederaufführungen gegeben wird. Die Rollen sind klar verteilt. Irgendwo deklamiert jemand, Trockenfutter sei Gift, BARF die einzig wahre, naturgewollte und vermutlich von kosmischen Kräften abgesegnete Form der Katzenernährung. Auf der anderen Seite steht eine Person, die berichtet, ihre Katzen hätten seit Jahrzehnten Futter von Discounter XY bekommen und seien alle 20 geworden, was im Internet zuverlässig als kontrollierte Langzeitstudie gilt.

Dazwischen fliegen die großen Klassiker durch den Raum: Tierärzt*innen hätten von Ernährung keine Ahnung, die Futtermittelindustrie ziehe im Hintergrund die Fäden, und irgendwann fällt zuverlässig der Satz mit der Katze, dem Bunsenbrenner und der Pampa, der seit Jahren mit einer Überzeugung vorgetragen wird, als als sei er einst vom Amt für biologische Artgerechtheit geprüft, in Stein gemeißelt und dem Internet zur ewigen Wiederholung übergeben worden.

Kurz: Es ist alles da, was man für gute Unterhaltung braucht.

Und vielleicht denkst du dir nun: Das ist genau mein Ding.
Vielleicht möchtest auch du aufsteigen in den erlauchten Kreis jener Katzenernährungsgurus, die mit einer Mischung aus Selbstgewissheit, dramatischer Musik und zweifelhaften Quellenlage das digitale Abendland prägen.

Dann bist du hier genau richtig. In diesem praktischen Leitfaden erklären wir dir, wie du in 10 Schritten zum ultimativen Katzenernährungsguru wirst.

1) Ernenne dich selbst zur Expertin für Katzenernährung

Das Internet liebt vor allem eines: Titel, die niemand überprüft.

Wenn du also im Bereich Katzenernährung etwas werden willst, brauchst du keine langwierige Ausbildung, kein belastbares Hintergrundwissen und schon gar keine tiefergehende Beschäftigung mit Nährstoffbedarfen, Rationsberechnung oder Physiologie. Das wäre nur unnötig aufwendig und könnte im schlimmsten Fall dazu führen, dass du beginnst, Dinge differenziert zu betrachten.

Nein, du brauchst vor allem das unerschütterliche Gefühl, recht zu haben.

Schreibe „Expertin für Katzenernährung“ in deine Biografie und vergiss auf keinen Fall die Katzen-Emojis. Viele Katzen-Emojis. Lies ein paar Beiträge anderer selbsternannter Futterorakel, übernimm ihre Schlagworte und wiederhole alles mit fester Stimme. Im Internet gilt seit Langem die eiserne Regel: Wer oft genug entschlossen seine Meinung kundtut, wird irgendwann für kompetent gehalten.

2) Erkläre Trockenfutter zum Werk finsterer Mächte.

Jede Glaubensbewegung braucht einen Dämon, und in der Katzenernährungswelt ist Trockenfutter ein besonders praktischer.

Es ist trocken, es knuspert und es ist damit ideal geeignet, zur Quelle allen Übels erklärt zu werden. Sag auf keinen Fall, dass man die Gabe je nach Einsatzbereich, Fütterungssituationen und Zusammensetzung individuell betrachten muss. Das wäre der Anfang vom Ende. Sage stattdessen, dass Trockenfutter der Katze augenblicklich alles Wasser aus dem Körper entzieht, die Nieren in dramatischer Verzweiflung aufgeben lässt und direkt in den metabolischen Untergang führt.

Dass das physiologisch so nicht haltbar ist, spielt keine Rolle. Wissenschaft ist ohnehin mit Vorsicht zu genießen, besonders wenn sie nicht bestätigt, was du ohnehin schon sagen wolltest. Und wenn jemand mit Studien kommt, die etwas anderes besagen, zieh einfach die Karte „Big Pharma und Futtermittelindustrie“. Damit kannst du zwar nicht sachlich argumentieren, aber du vernebelst zuverlässig das eigentliche Thema.

3) Verkünde rohes Fleisch als einzigen Weg zur Wahrheit

Als angehende Hohepriesterin der Katzenernährung musst du verstehen, dass Rohfleisch im Internet nie einfach nur Rohfleisch ist. Es ist ein Glaubensbekenntnis.

Dass eine ausgewogene Rohfütterung Fachwissen erfordert, dass Muskelfleisch allein keine bedarfsdeckende Ration ergibt und dass Hygienefragen durchaus real sein können, sind Details. Und Details sind die natürlichen Feinde jeder großen Erweckungserzählung.

Sprich also mit ruhiger Überlegenheit aus, rohes Fleisch sei das einzig Artgerechte. Wer auf Risiken wie Salmonellen, Fehlversorgungen oder multiresistente Keime hinweist, hat offenkundig den Geist der Wildnis nicht verstanden. Dann bringe das große Totschlagargument. Du kennst es. Alle kennen es. Es ist das rhetorische Äquivalent eines Vorschlaghammers in einer Porzellanausstellung:

„Hast du schon mal ’ne Katze mit dem Bunsenbrenner durch die Pampa laufen sehen?“

Damit ist zwar nichts geklärt, aber für einen bemerkenswerten Moment sind alle so beschäftigt mit dem Bild, dass niemand mehr nach Nährstoffprofilen fragt.

4) Analysiere Futterdeklarationen mit angemessenem Entsetzen

Hier braucht es vor allem Schauspiel.

Du musst nicht wirklich verstehen, was hinter Begriffen wie „tierische Nebenerzeugnisse“, „Getreide“ oder „Zucker“ in der Deklaration jeweils konkret steckt. Entscheidend ist, dass du sie behandelst, als hättest du auf der Rückseite einer Dose soeben einen handfesten Skandal entdeckt.

Beginne jedes Reel mit einem Ge­sichts­aus­druck, als hätte dir jemand persönlich ins Herz gepfeffert, und verkünde:
„Was ich euch heute zeige, wird euch schockieren.“

Dann lies einzelne Bestandteile vor, als hätte das Etikett dich persönlich beleidigt. Steigere deine Empörung sorgfältig und in gut sichtbaren Stufen, bis auch die letzte Person in den Kommentaren verstanden hat, dass dieses Futter nicht bloß suboptimal ist, sondern aus jener Ecke der Katzenernährung stammt, in der seit Langem niemand mehr das Licht angemacht hat.

Dass du selbst nicht ganz durchdrungen hast, was dort eigentlich steht, ist nebensächlich. Im digitalen Raum zählt die Meinung oft mehr als der Inhalt. Besonders dann, wenn sie mit hinreichender Empörung vorgetragen wird.

4) Analysiere Futterdeklarationen mit angemessenem Entsetzen

Hier braucht es vor allem Schauspiel.

Du musst nicht wirklich verstehen, was hinter Begriffen wie „tierische Nebenerzeugnisse“, „Getreide“ oder „Zucker“ in der Deklaration jeweils konkret steckt. Entscheidend ist, dass du sie behandelst, als hättest du auf der Rückseite einer Dose soeben einen handfesten Skandal entdeckt.

Beginne jedes Reel mit einem Ge­sichts­aus­druck, als hätte dir jemand persönlich ins Herz gepfeffert, und verkünde:
„Was ich euch heute zeige, wird euch schockieren.“

Dann lies einzelne Bestandteile vor, als hätte das Etikett dich persönlich beleidigt. Steigere deine Empörung sorgfältig und in gut sichtbaren Stufen, bis auch die letzte Person in den Kommentaren verstanden hat, dass dieses Futter nicht bloß suboptimal ist, sondern aus jener Ecke der Katzenernährung stammt, in der seit Langem niemand mehr das Licht angemacht hat.

Dass du selbst nicht ganz durchdrungen hast, was dort eigentlich steht, ist nebensächlich. Im digitalen Raum zählt die Meinung oft mehr als der Inhalt. Besonders dann, wenn sie mit hinreichender Empörung vorgetragen wird.

5) Halte dich an die eiserne Regel: Hauptsache, keine Chemie!

Nichts wirkt glaubwürdiger als ein Begriff, der zugleich naturverbunden und angenehm unbestimmt klingt.

„Kräutermischung“ funktioniert ausgezeichnet. „Superfood“ auch. „Entgiftend“ ist ein Dauerbrenner. „Stärkt das Immunsystem“ geht immer. Je weniger präzise die Aussage, desto schöner kann sie in alle Richtungen leuchten.

Erkläre dabei besser nicht zu genau, was diese Dinge im Katzenkörper eigentlich bewirken sollen. Präzision ist riskant, denn sie lädt zu Nachfragen ein. Bleibe stattdessen in jenem wunderbar dunstigen Bereich zwischen „uraltem Wissen“, „Ganzheitlichkeit“ und „Ich habe dazu einmal etwas auf einem besonders ästhetischen Instagram-Slide gelesen“.

Und falls jemand vorsichtig anmerkt, dass manche Pflanzen für Katzen ungeeignet oder sogar problematisch sein können, greife zu deiner moralischen Hauptwaffe: Empörung. Etwas Natürliches kann schließlich unmöglich schaden. Das ist biologisch ungefähr so belastbar wie ein Kartenhaus im Windkanal, aber das muss dich nicht kümmern. Hauptsache, keine böse Chemie!

6) Diskreditiere Tierärzt*innen mit bedauerndem Unterton

Dieser Punkt ist unverzichtbar. Denn bevor du Menschen verunsichern, belehren und später kostenpflichtig erlösen kannst, musst du ein anderes Problem aus der Welt schaffen: dass sie Fachleute um Rat fragen könnten.

Sage daher möglichst oft, Tierärzt*innen hätten von Ernährung leider praktisch keine Ahnung. Trage das mit dem tiefen Bedauern einer Person vor, die schwere Wahrheiten verkünden muss. Lass beiläufig fallen, im Studium sei das ja kaum Thema. Über Staatsexamensprüfungen, weiterführende Qualifikationen oder fachtierärztliche Ernährungsberatung muss man in diesem Zusammenhang wirklich nicht unnötig sprechen. Das würde nur stören.

Viel wichtiger ist die Behauptung, Tierärzt*innen seien von der Futtermittelindustrie beeinflusst. Diese These ist im Internet ungefähr so robust wie Unkraut zwischen Pflastersteinen. Du hingegen bist natürlich vollkommen unabhängig. Selbst dann, wenn du nebenbei Nahrungs­ergänzungs­mittel, Kräutermischungen oder Katzenfutter in einem Geschäftsmodell vertreibst, das auffällig viele Empfehlungslinks und auffällig wenig Distanz enthält.

7) Arbeite mit Angst und subtiler Schuldzuweisung

Nun kommen wir zum eigentlichen Herzstück jeder erfolgreichen Ernährungspanik, nämlich zur emotionalen Dramaturgie.

Erzähle den Menschen, dass sie ihre Katze womöglich seit Jahren falsch ernähren. Sage es nicht zu direkt, sondern mit genau jener Mischung aus Sorge und stiller Überlegenheit, in der Schuldgefühle besonders zuverlässig gedeihen. Wiederhole, wie gefährlich Futter ABC sei. Sprich davon, dass unzählige Katzen unwissentlich krank gefüttert würden. Male aus, wie Krokette für Krokette der frühe Tod näher rückt und die Nieren allmählich zu kleinen Trockenfrüchten des Elends zusammenschrumpfen.

Je dramatischer die Formulierung, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende jemand dein Produkt oder deinen Kurs kauft oder zumindest deine Story speichert.

Angst ist im Internet eine erstaunlich verlässliche Währung. Sie lässt sich leicht erzeugen, hervorragend teilen und nur mit Mühe wieder einfangen.

8) Erfinde eine Futterampel.

Jede ernstzunehmende Scheinexpertise braucht ein System.

Also entwickelst du eine Futterampel. Ampeln sind wunderbar, weil sie Komplexität auf Farben reduzieren und Farben bekanntlich mehr Überzeugungskraft besitzen als Rationsberechnungen.

Grün bekommt das Futter, das du gerade selbst fütterst, magst oder verkaufst. Gelb erhält alles, bei dem du noch nicht entschieden hast, ob es verdammenswert oder monetarisierbar ist. Rot bleibt für den gesamten Rest des Marktes reserviert, also für alles, was gerade nicht in dein Konzept passt.

Wie genau du zu diesen Bewertungen kommst, bleibt selbstverständlich dein wohlgehütetes Expertengeheimnis. Transparenz ist schließlich nur etwas für Menschen, die überprüfbar sein wollen. Wer Genaueres wissen möchte, kann sich die Hintergründe in deinem Onlinekurs erarbeiten, in dem du dann mit ernster Miene erklärst, warum ausgerechnet die Futtermarke grün ist, die es zufällig. in deinem Shop zu kaufen gibt.

8) Erfinde eine Futterampel.

Jede ernstzunehmende Scheinexpertise braucht ein System.

Also entwickelst du eine Futterampel. Ampeln sind wunderbar, weil sie Komplexität auf Farben reduzieren und Farben bekanntlich mehr Überzeugungskraft besitzen als Rationsberechnungen.

Grün bekommt das Futter, das du gerade selbst fütterst, magst oder verkaufst. Gelb erhält alles, bei dem du noch nicht entschieden hast, ob es verdammenswert oder monetarisierbar ist. Rot bleibt für den gesamten Rest des Marktes reserviert, also für alles, was gerade nicht in dein Konzept passt.

Wie genau du zu diesen Bewertungen kommst, bleibt selbstverständlich dein wohlgehütetes Expertengeheimnis. Transparenz ist schließlich nur etwas für Menschen, die überprüfbar sein wollen. Wer Genaueres wissen möchte, kann sich die Hintergründe in deinem Onlinekurs erarbeiten, in dem du dann mit ernster Miene erklärst, warum ausgerechnet die Futtermarke grün ist, die es zufällig. in deinem Shop zu kaufen gibt.

9) Verschenke ein Freebie und verkaufe dann die Erlösung

Noch keine riesige Community? Kein Problem. Das Internet hat für alles eine Lösung, und in diesem Fall heißt sie: Freebie mit maximal alarmierendem Titel.

Etwa:

„Die 5 größten Katzenfutter-Lügen, die dir deine Tierärztin regelmäßig auftischt.“

Oder:

„Warum du deine Katze vielleicht seit Jahren falsch fütterst, ohne es zu merken.“

In diesem PDF wiederholst du dann einfach alles, was du ohnehin schon gesagt hast: Trockenfutter böse, BARF heilig, Kräuter geheimnisvoll segensreich. Anschließend betonst du mit sorgenvoller Stimme, dass Katzenernährung ein unglaublich komplexes Thema sei, das man in einem kostenlosen Dokument unmöglich vollständig erklären könne.

Welch glücklicher Zufall, dass es dafür deinen Kurs gibt.

Dort lernen die Menschen dann nicht nur, die Dinge endlich richtig einzuordnen, sondern auch, selbst zu genau jener Art von Expertin zu werden, wie du eine bist: ausgestattet mit Überzeugung, WLAN und der seltenen Gabe, fehlendes Wissen mit maximaler Empörung als Unabhängigkeit zu verkaufen.

10) Bau dir eine Community auf und lass sie neue Gurus hervorbringen.

Am Ende zählt nicht Wissen. Am Ende zählt Reichweite.

Sorge also dafür, dass deine Community deine Inhalte verteidigt wie eine mittelalterliche Festung ihre letzten Vorräte. Wenn jemand es wagt, nach Quellen, Einordnung oder Differenzierung zu fragen, werden deine treuesten Anhänger*innen schon erklären, diese Person werde entweder von der Futtermittelindustrie bezahlt oder sei einfach noch nicht aufgewacht.

Und sobald deine Fans lange genug deinen Content konsumiert haben, folgt der nächste logische Schritt: die Vervielfältigung des Systems.

In deinem Kurs lernen sie dann, selbst zu genau jener Art von Katzenernährungsguru zu werden, die das Internet mit so rührender Regelmäßigkeit hervorbringt. So kann deine Meinung weitergetragen werden, von Algorithmus zu Algorithmus, von Kommentarspalte zu Kommentarspalte, bis schließlich niemand mehr genau weiß, woher eine Behauptung eigentlich kam, aber alle sicher sind, dass sie irgendwo einmal sehr überzeugend vorgetragen wurde.

Und das, liebe Leute, ist im Internet oft schon fast dasselbe wie die Wahrheit.

Im Ernst Leute:

Katzenernährung ist ein unglaublich wichtiges Thema, das unheimlich komplex sein kann, bei dem man aber vieles auch einfach differenziert betrachten muss. Dafür braucht es Hintergrundwissen, das die Mehrzahl dieser selbsternannten Katzenfutterexpert*innen aber schlicht nicht hat.

Daher: Glaubt nicht alles, was im Internet erzählt wird. Recherchiert, hinterfragt und vertraut im Zweifelsfall lieber der fachtierärztlichen Ernährungsberatung als Menschen, die sich nach einem Wochenendkurs (oder manchmal nicht mal dem) als Experten darstellen und im Internet ihre Meinung als allgemeingültige und unumstößliche Wahrheit darstellen.

Das Allerwichtigste an einem Katzenfutter ist nicht, dass es ins eigene Weltbild passt, sondern dass es den Energiebedarf eurer Katzen deckt und sie mit allen notwendigen Nährstoffen im richtigen Verhältnis versorgt. Das ist mit BARF umsetzbar, wenn man wirklich weiß, was man tut, ebenso wie mit einem geeigneten Alleinfuttermittel.

Trockenfutter ist dabei weder der heilige Gral noch automatisches Todesurteil. Es ist kein Muss. Es kann aber in kleinen Mengen, etwa für Activity Feeding oder als Leckerli, durchaus sinnvoll eingesetzt werden, ohne dass die Katze dadurch spontan in eine medizinische Tragödie kippt.

Mitunter liegt das größere Risiko sogar in jenen vermeintlich besonders natürlichen oder „ganzheitlichen“ Alternativen, die online mit viel Pathos empfohlen werden und bei näherem Hinsehen vor allem eines sind: gefährliches Halbwissen, das überzeugend verpackt wurde.

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