Studie: Gen beeinflusst Verhalten

Wissenschaft

Studie: Gen beeinflusst Katzenverhalten

Katzen gehören zu den beliebtesten Heimtieren weltweit und leben eng mit uns Menschen zusammen. Anders als ihre wilden Vorfahren – wie die afrikanische Wildkatze (Felis lybica) – zeigen Hauskatzen ein erstaunlich breites Repertoire an sozialen Verhaltensweisen. Sie kommunizieren mit Artgenossen und Menschen über Gerüche, Körpersprache, Berührungen und verschiedene Lautäußerungen. Besonders auffällig: das Schnurren.

Schnurren, im Englischen auch „Purring“ genannt, ist eine einzigartige Form der Lautkommunikation bei Katzen. Es wirkt beruhigend, signalisiert häufig Zufriedenheit und dient zugleich als Mittel zur Kontaktaufnahme – etwa zur Futterforderung. Zugleich schnurren Katzen auch in Stresssituationen oder bei Schmerzen und Krankheit. Forschende vermuten, dass es dann der Selbstberuhigung dient oder sogar heilende Effekte haben könnte. Die genaue Funktion des Schnurrens ist allerdings bis heute nicht abschließend geklärt. Jedoch tritt es in vielfältigen sozialen Kontexten auf: als Ausdruck von Wohlbefinden, zur Konfliktvermeidung oder in Form des sogenannten „Solicitation Purr“ – einer Variante mit hoher Frequenz, die besonders fordernd klingt und oft gezielt gegenüber Menschen eingesetzt wird.

Neben Umweltfaktoren und Lernerfahrungen könnten auch genetische Unterschiede eine Rolle spielen. In der Verhaltensforschung gilt das Zusammenspiel von „Anlage und Umwelt“ als entscheidend. Während bei Hunden der Einfluss der Genetik auf Verhalten gut dokumentiert ist, steckt die entsprechende Forschung bei Katzen noch in den Anfängen. Die aktuelle Studie aus Japan leistet hier wichtige Pionierarbeit – und stellt das Androgenrezeptor-Gen ins Zentrum der Analyse.

Ziel der Studie

Ziel der Untersuchung war es, herauszufinden, ob bestimmte Varianten des Androgenrezeptor-Gens (AR-Gen) das Verhalten von Hauskatzen beeinflussen. Solche Zusammenhänge sind bei Menschen und anderen Tierarten bereits bekannt – bei Katzen wurde dieser Zusammenhang nun erstmals systematisch untersucht.

Methodik

An der Studie nahmen 280 kastrierte Hauskatzen teil (145 männliche, 135 weibliche Tiere). Die Halterinnen und Halter füllten einen umfassenden Fragebogen aus, den sogenannten Fe-BARQ (ein wissenschaftlich entwickelter Fragebogen zur Einschätzung des Katzenverhaltens, kurz für Feline Behavioral Assessment and Research Questionnaire). Mit diesem wissenschaftlich erprobten Instrument wurden 23 verschiedene Verhaltensmerkmale erfasst.

Parallel dazu analysierten die Forschenden eine genetische Sequenz im ersten Exon des AR-Gens der Tiere. In diesem Abschnitt variiert die Anzahl sogenannter CAG-Wiederholungen, also kleiner genetischer Bausteine, die je nach Häufigkeit unterschiedliche Genvarianten (sogenannte Allele) erzeugen. Je nach Länge dieser Wiederholungen wurden die Katzen in zwei Gruppen eingeteilt:

  • Kurz-Typ: bis zu 18 Wiederholungen
  • Lang-Typ: 19 oder mehr Wiederholungen

Die Ergebnisse der Verhaltensauswertung wurden dann mit den genetischen Daten in Beziehung gesetzt.

Ergebnisse der Studie

Die Studie zeigte mehrere interessante Zusammenhänge zwischen Genotyp und Verhalten:

  • Schnurren: Katzen mit dem Kurz-Typ schnurrten laut Angaben ihrer Halterinnen und Halter deutlich häufiger.
  • Lautäußerungen bei männlichen Katzen: Kater mit der Kurz-Variante des Gens zeigten signifikant mehr gezielte Lautäußerungen (z. B. Miauen zur Kommunikation).
  • Aggression bei weiblichen Katzen: Weibliche Kurz-Typ-Katzen zeigten mehr Aggression gegenüber fremden Personen.
  • Domestikationsspur: Lange Allele (20–22 Wiederholungen) traten ausschließlich bei Hauskatzen auf, nicht bei Wildkatzen. Dies deutet darauf hin, dass diese Genvariante möglicherweise im Zuge der Haustierwerdung positiv selektiert wurde.

Fazit

Die Studie liefert erste klare Hinweise darauf, dass genetische Faktoren – konkret die Länge eines CAG-Repeat-Abschnitts im AR-Gens – das Verhalten von Hauskatzen mitbestimmen können. Schnurren, Kommunikationsverhalten und soziale Reaktionen auf Menschen sind demnach nicht nur erlernt oder umweltbedingt, sondern könnten auch genetisch vorgeprägt sein.

Das macht die Ergebnisse besonders interessant für Katzenhalter:innen, Verhaltenstherapeut:innen, Tierärzt:innen und die Forschung. Langfristig könnte genetisches Screening eine neue Rolle in der Verhaltenseinschätzung und -beratung spielen. Bis dahin liefert die Studie aber vor allem eines: neue Denkanstöße über das Zusammenspiel von Erbanlagen und Verhalten.

Referenz: Yume Okamoto, Madoka Hattori, Miho Inoue-Murayama. Association between androgen receptor gene and behavioral traits in cats (Felis catus). PLOS One, 2025; 20 (5): e0324055 DOI: 10.1371/journal.pone.0324055

Katze Nussschale

In a Nutshell / Zusammenfassung

  • Was wurde untersucht?

     
    Der Zusammenhang zwischen Varianten im Androgenrezeptor-Gen (AR-Gen) und dem Verhalten von Hauskatzen.

  • Wie wurde geforscht?

     
    Kombination aus Verhaltensfragebogen (Fe-BARQ) und genetischer Analyse (CAG-Wiederholungen).

  • Was kam heraus?

     
    Katzen mit der Kurz-Variante des Gens schnurrten mehr, männliche Tiere äußerten sich häufiger stimmlich, weibliche Tiere zeigten mehr Aggression gegen Fremde.

  • Warum ist das relevant?

     
    Die Ergebnisse liefern neue Erkenntnisse über die genetische Basis von Katzenverhalten – mit Bedeutung für Haltung, Forschung und tiermedizinische Beratung.

Katzen stressfrei füttern

Stressfrei füttern

Ein gut durchdachtes Futtermanagement ist die Grundlage für ein stressfreies, harmonisches Zusammenleben mit deiner Katze. Es geht dabei nicht nur darum, was oder wie viel gefüttert wird, sondern vor allem wie das Futter angeboten wird.

Mit der richtigen Organisation rund um Napf, Fressplatz, Fütterungszeiten und kleine Futterrituale kannst du nicht nur Stress vermeiden, sondern auch das natürliche Verhalten deiner Katze fördern und ihr Wohlbefinden nachhaltig steigern.

Viele kleine Details, die wir Menschen oft kaum wahrnehmen, machen für Katzen einen großen Unterschied. Schon die Wahl des Napfes, der Platz zum Fressen oder der Zeitpunkt der Mahlzeiten können entscheidend dafür sein, ob eine Katze sich beim Fressen sicher und wohl fühlt – oder ob sie unter Stress steht, ohne dass wir es gleich merken.

In diesem Artikel erkläre ich dir, worauf es beim stressfreien Füttern ankommt und wie du das im Alltag Schritt für Schritt ganz einfach umsetzen kannst.

Katze richtig füttern

Was ist Futtermanagement und warum kann man durch gutes Katzen stressfreier füttern?

Futtermanagement, was ist das eigentlich und warum braucht man das? Man könnte den Katzen ja auch einfach nur den Napf hinstellen, oder? Bitte nicht. Katzen stressfrei und artgerecht zu füttern, trägt nämlich wesentlich zum Wohlbefinden deiner Stubentiger bei. Ich erkläre es dir…

Stell dir einmal vor, du hast einen Teller voll leckerem Essen. Es duftet lecker und du hast so richtig Kohldampf. Und dann… stellt dir das jemand direkt neben das Klo.

Außerdem wurde der Teller das letzte Mal vor drei Jahren gespült und um dich herum sitzen auch noch der Hund und dein oller Katerkumpel, die versuchen, auch noch etwas von deinem Essen abzubekommen… Eklig und nervig, nicht wahr?

Aber schließlich hast du Hunger, also stopfst du das viele Futter in Windeseile in dich hinein und hast danach auch noch Bauchschmerzen oder dir wird schlecht und du erbrichst alles wieder. Auch nicht schön, oder?

So geht es vielen Haustigern. Häufig nicht ganz so extrem, wie im Text dargestellt, aber oft ist das Fütterungsmanagement zumindest in Teilen noch nicht optimal. Und das meist nicht einmal aus Absicht, sondern einfach, weil es noch an Wissen oder passenden Anregungen fehlt. Dabei steckt gerade im Futtermanagement – ähnlich wie bei der Toilettensituation – großes Potenzial, das Wohlbefinden der eigenen Katzen durch wenige kleine Anpassungen immens zu verbessern.

Passt das Futtermanagement nicht, kann es z. B. passieren, dass deine Katze mäkelt oder dass der Haustiger sein Futter schlingt und dann erbricht. Beides nicht so schön. Auch wenn man Katzen päppeln muss, weil sie schlecht fressen und/oder abgenommen haben, ist es wichtig, eine stressfreie Fütterung sicher zu stellen.

Im Folgenden findest du einige praktische Tipps zum Futtermanagement, die dir dabei helfen können, deine Katzen stressfrei und artgerecht zu füttern.

Die 6 wichtigsten Bausteine in der stressfreien Katzenfütterung

agsdi-food

Napf

Katzen mögen es, wenn ihre empfindlichen Schnurrhaare beim Fressen nicht anstoßen. Ein flacher, breiter Napf sorgt dafür, dass das Fressen angenehm bleibt und beugt sogenanntem Whisker-Stress vor.

Fressplatz

Der Futterplatz sollte ruhig, geschützt und abseits von Durchgängen oder der Katzentoilette liegen. So kann deine Katze ungestört fressen und fühlt sich beim Fressen sicher und wohl.

Mahlzeiten

Katzen sind von Natur aus „Häppchenfresser“. Mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt kommen ihrem natürlichen Jagd- und Fressverhalten näher und sorgen für mehr Zufriedenheit.

Activity Feeding

Futterspiele und Intelligenzspielzeuge machen die Fütterung spannender und abwechslungsreicher. Gleichzeitig fördern sie geistige Auslastung und verhindern Langeweile im Alltag.

Hygiene

Sauberkeit rund um den Futterplatz ist wichtig. Reinige Näpfe regelmäßig und entferne Futterreste rechtzeitig, damit keine Keime entstehen und das Fressen immer appetitlich bleibt.

Struktur

Wenn mehrere Katzen zusammenleben, braucht jede ihren eigenen Futterplatz. So vermeidest du Stress, Futterneid und Konkurrenz und sorgst dafür, dass jede Katze in Ruhe fressen kann.

Stressfrei Katzen füttern im Detail

Katzen wählen den richtigen Futternapf

Der passende Napf: so soll er sein

Futtermanagement beginnt mit dem richtigen Napf. Der perfekte Katzennapf ist so gestaltet, dass deine Katze bequem daraus fressen kann – ohne mit den empfindlichen Schnurrhaaren am Rand anzustoßen (Stichwort: „Whisker Stress“). Besonders gut geeignet sind daher flache Näpfe oder Teller, die ausreichend Platz bieten.

Beim Material sollte auf hygienische, leicht zu reinigende und geschmacksneutrale Varianten gesetzt werden: Keramik, Edelstahl oder Glas sind hier die beste Wahl. Wichtig ist dabei, dass das Material unbedingt lebensmittelecht ist – so lässt sich sicherstellen, dass beispielsweise in der Glasur keine gesundheitsschädlichen Stoffe enthalten sind (glasierte Blumenuntersetzer sind z. B. ggf. ungeeignet). Plastiknäpfe gelten hingegen als problematisch, da sie mit der Zeit porös werden und Bakterien eine ideale Angriffsfläche bieten. Außerdem stehen Näpfe aus Kunststoff im Verdacht, die Entstehung von Katzenakne zu begünstigen. Der Napf sollte stabil und rutschfest stehen, damit die Katze in Ruhe stressfrei fressen kann.

Für Katzen mit besonderen Bedürfnissen – zum Beispiel bei Gelenkproblemen, Ataxie oder Übelkeit – sind erhöhte Futternäpfe eine sinnvolle Option. Auch kurznasige Rassen wie Perserkatzen kommen ggf. mit speziellen Napfformen besser zurecht.

Der ideale Futternapf für Katzen ist flach, breit und standfest. Er besteht aus Keramik, Edelstahl oder Glas und ist an die individuellen Bedürfnisse der Katze angepasst.

Der richtige Standort: bitte ruhig und ungestört

Ebenso wichtig wie der Napf selbst ist im Hinblick auf das Futtermanagement sein Standort: Katzen bevorzugen einen ruhigen, sauberen Platz, an dem sie ungestört fressen können. Der Futternapf sollte bei der stressfreien Katzenfütterung daher nicht in der Nähe der Katzentoilette oder stark frequentierter Durchgangsbereiche stehen – Lärm, Hektik und unangenehme Gerüche stören das Fressverhalten erheblich. Auch in der Nähe der Wasserquelle ist der Napf nicht ideal platziert, da viele Katzen es instinktiv vermeiden, direkt neben ihrer Trinkstelle zu fressen. Ein fester, rutschfreier Untergrund sorgt zusätzlich dafür, dass der Napf nicht verrutscht und die Katze stressfrei fressen kann. Achte außerdem darauf, dass der Bereich leicht sauber zu halten ist, um Hygiene und Wohlbefinden sicherzustellen.

Der ideale Standort für den Futternapf ist ruhig, sauber und gut erreichbar – fernab von Toilette, Trinkstelle und Durchgangsverkehr.

 

Richtiger Standort für den Napf der Katze
Viele kleine Mahlzeiten für die Katze

Viele kleine Mahlzeiten bitte

Katzen fressen in freier Wildbahn etwa acht- bis sechzehnmal täglich kleinere Beutetiere, was ihrer natürlichen Ernährungsweise entspricht. 1 Delgado M, Dantas LMS. Feeding Cats for Optimal Mental and Behavioral Well-Being. Vet Clin North Am Small Anim Pract. 2020 Sep;50(5):939-953. doi: 10.1016/j.cvsm.2020.05.003. Epub 2020 Jul 8. PMID: 32653265; PMCID: PMC7415653. Auch bei Hauskatzen ist es aus verhaltensbiologischer und ernährungsphysiologischer Sicht empfehlenswert, dieses Muster bei der Katzenfütterung nachzuahmen. Häufige, kleinere Portionen entlasten den Magen-Darm-Trakt und fördern artgerechtes Verhalten, insbesondere wenn die Futteraufnahme mit Beschäftigung – etwa durch Futterbälle, Intelligenzspielzeug oder versteckte Futterstellen – kombiniert wird. Für berufstätige Halter, die das Futtermanagement etwas praktikabler gestalten möchten, bieten sich zudem programmierbare Futterautomaten an, um eine gleichmäßige Futterverteilung sicherzustellen, ohne die Gesamtenergiemenge zu überschreiten. Diese sind im Handel auch mit Kühlfunktion erhältlich.

Mehrere kleine Mahlzeiten pro Tag fördern die Gesundheit und unterstützen ein artgerechtes, ausgeglichenes Fressverhalten. Ein wichtiger Schritt im Hinblick auf das Futtermanagement, damit du alle deine Katzen stressfrei und artgerecht füttern kannst. 

Activity Feeding: „Lass mich jagen!“

 Katzen sind Jäger und verbringen in freier Wildbahn viele Stunden damit, ihrer Beute aufzulauern und sie im Idealfall auch zu fangen und zu erlegen. Ein natürliches Verhalten, das insbesondere unsere Wohnungskatzen nicht ausleben können, wenn ihnen immer nur der gefüllte Futternapf kredenzt wird, ohne dass sie etwas dafür tun müssen.

Hier setzt Activity Feeding an. Durch die Integration von Futterpuzzles, Fummelbrettern und ähnlichen Spielzeugen erhalten die Katzen geistige Stimulation und müssen körperlich aktiv werden. Denn die Katzen müssen sich der Herausforderung stellen und selbst Strategien entwickeln, um an ihr Futter zu kommen. Die Folge: Im Idealfall mehr Zufriedenheit, körperliche Aktivität und weniger Langeweile.2Dantas LM, Delgado MM, Johnson I, Buffington CT. Food puzzles for cats: Feeding for physical and emotional wellbeing. J Feline Med Surg. 2016 Sep;18(9):723-32. doi: 10.1177/1098612X16643753. Epub 2016 Apr 21. PMID: 27102691; PMCID: PMC11148901. Bei Freigängern, die Vögel, Feldhasen oder Mäuse mit nach Hause bringen, können Activity Feeding und viele kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt auch helfen, den Jagdtrieb der Samtpfoten ein wenig einzudämmen.3International Cat Care (2024) Understanding the hunting behaviour of cats. Verfügbar unter: https://icatcare.org/articles/understanding-the-hunting-behaviour-of-cats (Aufgerufen am: 12 April 2026)

Es gibt verschiedene Arten von Futterpuzzles, von einfachen DIY-Optionen wie einem Eierkarton mit Trockenfutter bis hin zu komplexeren Produkten aus dem (Online-)Fachhandel. Wichtig ist, mit einfachen Varianten zu beginnen und den Schwierigkeitsgrad schrittweise zu erhöhen, um die Katze nicht zu überfordern. Es lohnt sich, hier auch ein wenig im Hundebedarf zu stöbern, dort findet sich oft mehr Auswahl. 

Daneben muss der Teil der Ration der in Beschäftigungsspielzeugen gereicht wird, unbedingt in die Gesamtfuttermenge mit eingerechnet werden, um eine Überfütterung und in Folge die Entwicklung von Übergewicht zu vermeiden.

Die meisten Beschäftigungsspielzeuge funktionieren nur mit trockenen Futtermitteln. Hier ist es eine gute Idee, auf hochwertiges Trockenfutter anstelle von Leckerlis zurückzugreifen, um eine ausreichende Versorgung mit allen für die Katze wesentlichen Nährstoffen sicherzustellen. Nassfutter (oder nach professioneller Rationsberechnung ggf. auch B.A.R.F.) sollte nichtsdestotrotz den größeren Teil der Tagesration ausmachen.  Möglichkeiten, um Activity Feeding auch mit Nassfutter anzubieten, sind Schleckmatten (Licky Mats). Diese können z. B. auch zerschnitten werden und die gefüllten Mattenteile im Haus verteilt werden, damit die Katze danach suchen kann. Einige weitere Anregungen in englischer Sprache sind hier zu finden: Puzzle feeders for your cat | icatcare.org

Activity Feeding ist eine hervorragende Möglichkeit, um Katzen geistig und körperlich zu beschäftigen. 

Activity Feeding für Katzen
Futtermanagement

Hygiene: Sauberes Tellerchen bitte.

Ein sauberer Fressplatz ist für Katzen nicht nur eine Frage des Wohlbefindens, sondern auch wichtig für ihre Gesundheit und eine stressfreie Fütterung. Futterreste, Speichel und Feuchtigkeit begünstigen die Vermehrung von Bakterien und Schimmel – gerade bei warmem Wetter. Zudem reagieren Katzen sehr empfindlich auf Gerüche und Verunreinigungen, die für uns oft unbemerkt bleiben.

Futternäpfe gehören deshalb täglich gereinigt – idealerweise mit heißem Wasser und ggf. einem milden, unparfümierten Spülmittel. Modelle aus Edelstahl, Keramik oder Glas sind besonders hygienisch und lassen sich in der Regel auch problemlos in der Spülmaschine reinigen, was das Futtermanagement vereinfacht. Wichtig dabei: Falls Trockenfutter im Napf gereicht wird – was weniger empfehlenswert ist, da Futterarbeit (Activity Feeding) eine artgerechtere Alternative darstellt – sollte der Napf nicht einfach nachgefüllt, sondern vollständig entleert und frisch befüllt werden. So lassen sich ranzige Rückstände und Feuchtigkeit vermeiden.

Auch der Wassernapf oder Katzenbrunnen sollte nicht vernachlässigt werden. Tägliches Spülen und frisches Wasser sind Pflicht, um eine hygienische Wasserquelle sicherzustellen.

Wer Futterautomaten nutzt, reinigt diese am besten regelmäßig – besonders in Futterkammern, Spendermechanismen oder Deckeln sammeln sich schnell Futterreste und Staub. Das gilt ebenso für Futterspielzeuge wie Puzzle-Feeder oder Fummelbretter: Auch sie werden im Idealfall nach Benutzung gründlich gereinigt, unabhängig davon, ob Nass- oder Trockenfutter verwendet wurde.

Nicht zuletzt lohnt sich beim Futtermanagement ein Blick auf die Umgebung: Eine glatte, gut abwischbare Unterlage erleichtert die Reinigung und sorgt dafür, dass der gesamte Fressplatz hygienisch bleibt.

Ein sauber gehaltener Futterbereich trägt maßgeblich dazu bei, dass die Katzen gesund bleiben und sich beim Fressen wohlfühlen.

Mehrkatzenhaushalt: Jedem sein Plätzchen

In einem Haushalt mit mehreren Katzen wird das Thema Fütterung schnell komplexer – vor allem, wenn einzelne Tiere unterschiedliche Bedürfnisse haben oder sich nicht gut verstehen. Schließlich soll jede Katze stressfrei fressen können. 

Grundsätzlich gilt: Jede Katze braucht ihren eigenen Fressplatz und ihren eigenen Napf. Immer. Katzen sind zwar je nach Individuum mehr oder weniger sozial, aber nichtsdestotrotz Einzeljäger, die ihre Beute allein verzehren.

Die Näpfe sollten daher auch nicht nebeneinander aufgereiht stehen, sondern räumlich klar getrennt platziert werden – am besten so, dass Sichtkontakt vermieden wird. 4
1. Sadek T, Hamper B, Horwitz D, Rodan I, Rowe E, Sundahl E. Feline feeding programs: Addressing behavioural needs to improve feline health and wellbeing. Journal of Feline Medicine and Surgery. 2018;20(11):1049-1055. doi:10.1177/1098612X18791877
Ein Sichtschutz (z. B. durch Möbel, Trennwände oder strategische Platzierung) sorgt für mehr Ruhe beim Fressen. Bei besonders sensiblen Tieren oder ungleichen Fressgewohnheiten – etwa wenn eine Katze langsam frisst und die andere schnell – kann ein separates Zimmer mit Katzenklappe oder eine DIY-Lösung (z. B. eine große Kunststoffbox aus dem schwedischen Möbelhaus oder eine andere selbstgebaute Lösung mit chipgesteuerter Katzenklappe) im Hinblick auf das Futtermanagement eine gute Lösung sein.

Gerade, wenn einzelne Katzen Spezialfutter erhalten und/oder zu- oder abnehmen sollen, bieten sich chipgesteuerte Futterautomaten an, die sich nur für die jeweilige Katze öffnen. Diese verhindern im Idealfall, dass andere Katzen das nicht für sie bestimmte Futter fressen. Im weniger idealen Fall sind die anderen Katzen im Haushalt recht rabiat und drücken sich trotzdem mit in den Napf. Dann braucht es eine andere Lösung.

Wichtig ist in jedem Fall, regelmäßig zu beobachten, ob jede Katze in Ruhe stressfrei fressen kann, da Stress bei der Futteraufnahme auch zu diversen gesundheitlichen Problemen wie etwa Erbrechen durch zu hastiges Fressen führen kann. Andere mögliche Probleme sind Über- oder Untergewicht durch übermäßiges oder zu weniges Fressen. 5Amat M, Camps T, Manteca X. Stress in owned cats: behavioural changes and welfare implications. J Feline Med Surg. 2016 Aug;18(8):577-86. doi: 10.1177/1098612X15590867. Epub 2015 Jun 22. PMID: 26101238; PMCID: PMC10816390.

Im Mehrkatzenhaushalt benötigt jede Katze ihren eigenen Futternapf und Fressplatz, im Idealfall getrennt von den anderen Katzen. 

Füttern im Mehrkatzenhaushalt
Merke-Katze

Häufige Fragen und Antworten

  • Welcher Futternapf ist für Katzen geeignet?
    Flache, breite und standfeste Näpfe aus Keramik, Edelstahl oder Glas sind ideal. Kunststoff ist weniger geeignet, da er porös wird und mit Katzenakne in Verbindung gebracht werden kann.
  • Wo sollte der Futternapf stehen?
    Am besten an einem ruhigen, sauberen und leicht erreichbaren Ort – nicht neben der Katzentoilette, nicht in Durchgangsbereichen und möglichst getrennt von der Trinkstelle.
  • Wie oft sollte man Katzen füttern?
    Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt sind artgerecht. Bei Bedarf können Futterautomaten helfen, die Gesamtmenge in kleinere Portionen aufzuteilen.
  • Was ist Activity Feeding und warum ist es sinnvoll?
    Activity Feeding bedeutet Futterarbeit über Puzzles, Fummelbretter oder Suchspiele. Es fördert Beschäftigung, reduziert Langeweile und unterstützt artgerechtes Verhalten.
  • Wie hält man den Fressplatz hygienisch?
    Näpfe täglich reinigen, Futterreste entfernen und frisches Futter nachfüllen. Auch Wasserstellen und Automaten regelmäßig säubern; eine leicht abwischbare Unterlage erleichtert die Pflege.
  • Was ist bei mehreren Katzen zu beachten?
    Jede Katze braucht einen eigenen Napf und möglichst getrennte Fressplätze. Sichtschutz, separate Räume oder chipgesteuerte Automaten verhindern Stress und Futterklau.
  • Sind erhöhte Futternäpfe sinnvoll?
    Für Katzen mit Gelenkproblemen, Ataxie oder Übelkeit sowie für kurznasige Rassen können erhöhte oder spezielle Näpfe hilfreich sein.

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Studie: Können Katzen Menschen am Geruch erkennen?

Wissenschaft

Studie: Katzen erkennen Menschen am Geruch

Können Katzen Menschen am Geruch erkennen? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine aktuelle Studie.

Hauskatzen (Felis catus) und Hunde (Canis familiaris) sind sozial lebende Haustiere, deren Interaktion mit Menschen zunehmend Gegenstand verhaltensbiologischer Forschung ist. Während Hunde nachweislich in der Lage sind, menschliche Emotionen aus Mimik und Stimme zu erkennen1Müller, C. A., & Schmitt, K. (2015). Can dogs read human facial expressions? Learning & Behavior, 43(2), 89–97. , zeigen auch Katzen komplexe soziale kognitive Fähigkeiten 2Vitale Shreve, K. R., & Udell, M. A. R. (2015). What’s inside your cat’s mind? Behavioural Processes, 117, 67–72. , etwa im Erkennen der Stimme ihres Halters 3Saito, A., & Shinozuka, K. (2013). Vocal recognition of owners by domestic cats. Animal Cognition, 16(4), 685–690. oder beim Interpretieren von Blickrichtungen4Miklósi A, Pongrácz P, Lakatos G, Topál J, Csányi V. A comparative study of the use of visual communicative signals in interactions between dogs (Canis familiaris) and humans and cats (Felis catus) and humans. J Comp Psychol. 2005 May;119(2):179-86. doi: 10.1037/0735-7036.119.2.179. PMID: 15982161. .

Anders als bei Hunden ist die Forschung zur sozialen Kognition von Katzen jedoch vergleichsweise wenig entwickelt 5Galvan, M., & Vonk, J. (2016). Man’s other best friend: Domestic cats and their discrimination of human emotional faces. Animal Cognition, 19(1), 193–205.. Sozialkognition wird definiert als die Fähigkeit eines Individuums, Absichten, Emotionen und Wahrnehmungen anderer zu erkennen und daraus Handlungen abzuleiten 6Premack, D., & Woodruff, G. (1978). Does the chimpanzee have a theory of mind? Behavioral and Brain Sciences, 1(4), 515–526.. Viele grundlegende Aspekte der sozialen Wahrnehmung bei Katzen – etwa die Frage, ob und wie sie menschliche Individuen anhand sensorischer Reize unterscheiden – sind bislang kaum untersucht.

Dabei ist bekannt, dass der Geruchssinn (Olfaktion) für die soziale Kommunikation von Katzen eine zentrale Rolle spielt 7Miyairi, Y., Kimura, Y., Masuda, K., & Uchiyama, H. (2025). Behavioral responses of domestic cats to human odor. PLOS ONE, 20(5), e0324016. Über Pheromone, Urinmarkierungen und Analdrüsensekrete 8Pageat, P. (1997). Cat pheromones: An update. Advances in Veterinary Science., 9MacDonald, D. W., et al. (1985). Urine marking in wild cats. Behaviour, 95(3–4), 234–256., 10Pageat, P. (2001). Functions and uses of the facial pheromones in the treatment of behaviour problems. Veterinary Research Communications, 25(Suppl 1), 157–160. erhalten sie Informationen zu Geschlecht, Reproduktionsstatus und individueller Identität. Katzen reiben sich im Rahmen von Allorubbing gegenseitig ab, um Gerüche auszutauschen 11Crowell-Davis, S. L. (2007). Social organization of the cat. JAVMA, 231(9), 1371–1375., erkennen den Nestgeruch ihrer Mutter 12Crowell-Davis, S. L. (2007). Social organization of the cat. JAVMA, 231(9), 1371–1375. und speichern deren Körpergeruch langfristig 13 Hudson, R., et al. (2002). Long-term memory of the mother’s odor by young rabbits. Physiology & Behavior, 76(1), 77–81.. Auch zur Individualerkennung über Geruch gibt es Hinweise 14Miyazaki, M., et al. (2006). A major urinary protein of the domestic cat regulates the production of felinine. FEBS Letters, 580(25), 6147–6152.

Ob Katzen diese ausgeprägte olfaktorische Kompetenz auch zur Unterscheidung von Menschen nutzen, war bislang ungeklärt. Bekannte Studien zeigen, dass Katzen zwischen menschlichen Stimmen differenzieren können 15Saito, A., & Shinozuka, K. (2013). Vocal recognition of owners by domestic cats. Animal Cognition, 16(4), 685–690., auf Blicke reagieren 16Miklósi, Á., et al. (2005). Visual communicative signals in dogs and humans. Animal Cognition, 8(1), 60–66. und emotionale Gerüche verarbeiten 17Takagi, S., et al. (2020). Human olfactory cues affect cats’ preference for human contact. Behavioural Processes, 181, 104243. Die Frage, ob sie individuelle Menschen anhand ihres Körpergeruchs unterscheiden, blieb bisher offen.

Hinzu kommt: In anderen Arten wurde eine funktionale Lateralität der Sinnesverarbeitung festgestellt, z. B. bei Hunden oder Pferden – diese zeigen eine Präferenz für das rechte Nasenloch beim Schnuppern unbekannter Reize 18Siniscalchi, M., et al. (2011). Tail wagging laterality in dogs. Current Biology, 21(2), R54–R55.. Auch bei Katzen gibt es Hinweise auf eine solche Asymmetrie, etwa bei der Verarbeitung auditiver Reize 19McComb, K., et al. (2006). Perception of emotion in cat vocalizations. Current Biology, 16(17), 1748–1752.. Ob eine analoge olfaktorische Lateralität besteht, war unklar.

Ziel der Studie

Die Studie von Miyairi et al. (2025) verfolgte das Ziel, zu untersuchen, ob Katzen bekannte und unbekannte menschliche Gerüche unterscheiden können und ob sie dabei einseitige (lateralisierte) Schnupperreaktionen zeigen. Zudem wurde der Einfluss individueller Merkmale wie Geschlecht, Alter, Persönlichkeit (Feline Five 20Gartner, M. C., & Weiss, A. (2013). Personality in felids. Applied Animal Behaviour Science, 144(1–2), 1–13.) und Beziehungsqualität zur Bezugsperson (CORS 21Zasloff, R. L. (1996). Measuring attachment to companion animals. Applied Animal Behaviour Science, 47(1–2), 43–58.) analysiert.

Methodik

Es wurden 30 Hauskatzen in ihrer gewohnten Wohnumgebung getestet. Jede Katze wurde mit drei Geruchsproben konfrontiert:

  • Geruch der Bezugsperson
  • Geruch einer unbekannten Person gleichen Geschlechts
  • Geruchsneutrale Watteprobe als Kontrolle

Die Geruchsproben wurden beim Menschen gewonnen, und zwar über standardisierte Hautabstriche an drei körpernahen Stellen: hinter dem Ohr (präaurikulär), unter der Achsel (axillär) und zwischen den Zehen (interdigital). Diese Bereiche wurden gewählt, weil dort besonders viele apokrine Schweißdrüsen sitzen, die individuelle Geruchsstoffe produzieren. Die Katzen konnten frei zwischen den Proben wählen. Die Dauer des Schnupperns sowie die bevorzugte Nasenlochseite wurden videobasiert erfasst und quantifiziert.

Ergebnisse der Studie

Die Auswertung ergab, dass die Katzen signifikant länger an der Geruchsprobe der fremden Person schnupperten als an der des Halters oder der Kontrollprobe (p < 0,01). Das weist auf eine klare olfaktorische Unterscheidung zwischen bekannten und unbekannten menschlichen Gerüchen hin 22Miyairi, Y., Kimura, Y., Masuda, K., & Uchiyama, H. (2025). Behavioral responses of domestic cats to human odor. PLOS ONE, 20(5), e0324016..

Zudem zeigte sich eine Präferenz für das rechte Nasenloch bei der Erstbegegnung mit dem unbekannten Geruch, ein Hinweis auf die Beteiligung der linken Gehirnhälfte an der Verarbeitung neuartiger olfaktorischer Reize – analog zu Ergebnissen bei Hunden 23Siniscalchi, M., et al. (2011). Tail wagging laterality in dogs. Current Biology, 21(2), R54–R55..

Bei der Verhaltensanalyse ergab sich ein Zusammenhang mit der Persönlichkeitsstruktur: Männliche Katzen mit hoher Neurotizismus-Ausprägung – also Tiere, die laut Haltereinschätzung zu Nervosität, Unsicherheit oder Schreckhaftigkeit neigen – schnupperten länger und wiederholter. Bei weiblichen Tieren zeigte sich kein signifikanter Effekt.

Das Reiben des Gesichts an der Probe (Bunting) trat vor allem nach dem Kontakt mit der Halterprobe auf und wird als soziales Markierverhalten interpretiert.

Fazit

Die Studie liefert erstmals Belege dafür, dass Katzen zwischen menschlichen Individuen anhand des Körpergeruchs unterscheiden können. Die olfaktorische Verarbeitung ist dabei lateralisiert und in Teilen persönlichkeitsabhängig. Diese Ergebnisse erweitern das Verständnis der Mensch-Katze-Beziehung um eine sensorische Dimension, die für die Verhaltenstherapie, Katzenhaltung und tiermedizinische Praxis von Bedeutung sein kann.

Merke-Katze

In a Nutshell / Zusammenfassung

  • Können Katzen Menschen am Geruch erkennen?

     

    Ja. Laut Studie erkennen Katzen bekannte Menschen anhand ihres Körpergeruchs und unterscheiden diesen von fremden Personen.

  • Nutzen Katzen eine bestimmte Nasenseite beim Schnuppern?

     

    Viele Katzen zeigten eine Präferenz für das rechte Nasenloch, insbesondere bei unbekannten Gerüchen.

  • Spielt die Persönlichkeit der Katze dabei eine Rolle?

     

    Ja. Männliche Katzen mit ängstlich-unsicherem Verhalten schnupperten intensiver. Die Reaktion scheint also auch von individuellen Merkmalen abzuhängen.

Interview: Die Katze und das Herz mit Dr. Kim Hege

Interview: „Die Katze und das Herz“ mit Dr. Kim Hege

Herzerkrankungen bei Katzen sind ein ernstes, aber nichtsdestotrotz oft unterschätztes Problem. Ein Thema, bei dem sich viele Fragen stellen und ein Thema, das Angst macht, gerade wenn man sich plötzlich damit konfrontiert sieht, dass der eigene Haustiger eine entsprechende Diagnose erhalten hat.

Daher freue ich mich sehr, Dr. Kim Hege bei uns im Interview begrüßen zu dürfen, die ich ein wenig zum Thema „Katze und Herz“ löchern durfte und die uns in diesem Rahmen auch ihre neue Online-Akademie vorstellen wird.

Interview

Haustiger: Hallo Kim, schön, dass du dir ein wenig Zeit für uns genommen hast! Stell dich doch kurz vor, damit unsere Leser wissen, mit wem sie es zu tun haben.
Kim Hege mit Holly

Dr. Kim Hege: Hallo liebe Anika, ich freu mich auch sehr über die Einladung! Ich bin Kim Hege, selbst übermotivierte Tierbesitzerin und Kleintierärztin aus Leidenschaft mit den Schwerpunkten Kardiologie, Augenheilkunde und Innere Medizin.

Ich lebe mit meinem Mann, unserer Husky-Hündin, drei zahmen Waschbären und zwei Ponys in Hessen und habe gerade Zwangspause vom Praxisalltag, da ich schwanger bin und dadurch leider nicht mehr am Tier arbeiten darf.

Daher hab ich mich nun einem weiteren Herzensprojekt gewidmet: der Gründung einer Online-Akademie für Tierhalter:innen. So hab ich am 01.01.2025 die Akademie für Tiermedizin-Wissen ins Leben gerufen.

Haustiger: Herzerkrankungen sind bei Katzen ja leider ein doch recht häufiges Thema. Welche Herzerkrankungen kommen denn bei Katzen am häufigsten vor und sind manche Katzen häufiger davon betroffen als andere? Also bestimmte Rassen z. B.?

Dr. Kim Hege: Da hast du absolut Recht. Herzerkrankungen sind ein riesiges Problem unserer Hauskatzen, aber glücklicherweise werden wir ja immer schlauer, was dieses Thema betrifft und können immer besser helfen! Die mit Abstand häufigste Herzerkrankung der Katze ist die Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM), eine Herzmuskelerkrankung, bei der vor allem die Muskulatur der linken Herzkammer immer dicker wird.

Es sind zwar viele Rasseprädispositionen beschrieben (z. B. für die Norwegische Waldkatze, BKH und Maine-Coon-Katzen), allerdings fallen in der Praxis auch super viele Europäisch Kurzhaar Katzen damit auf, sodass man sagen muss: die HCM betrifft sie leider alle! Ab einem Alter von > 9 Jahren sind tatsächlich 1/3 aller Katzen mehr oder weniger stark betroffen.

Haustiger: Man liest und hört ja häufiger, dass Katzen mit fortgeschrittener HCM erst relativ spät in der Tierarztpraxis oder Tierklinik vorgestellt wurden, weil es ihnen plötzlich sehr schlecht ging und vorher nichts aufgefallen war. Auf welche Anzeichen sollte man denn hier achten und diese tierärztlich abklären lassen, um die Herzerkrankung im Idealfall früher zu erkennen und entsprechend reagieren zu können?

Dr. Kim Hege: Das ist richtig. Leider werden viele Katzen erst als „herzkrank“ diagnostiziert, wenn die Erkrankung schon dekompensiert ist, das heißt wenn z. B. bereits ein Lungenödem (Wasser in der Lunge) entstanden ist und die Katze akut eine schwere Atemnot bekommt. Das liegt daran, dass gerade Herzmuskelerkrankungen häufig eine lange Zeit über absolut gar keine Symptome hervorrufen und selbst bei der jährlichen Impf-Untersuchung nicht auffallen, da in der Hälfte der Fälle nicht einmal ein Herzgeräusch zu hören ist beim Abhören mit dem Stethoskop.

Eigentlich sollte jede Katze ab einem mittleren Alter (ca. 8 Jahren, Rassekatzen gerne sogar noch früher) jährlich einem Kardiologen / einer Kardiologin zum Herzultraschall vorgestellt werden, da das die einzige Möglichkeit ist, Erkrankungen im Frühstadium bereits zu erkennen.

Spätestens wenn die eigene Katze sich ungewöhnlich verhält, eine Leistungsschwäche oder gar beschleunigte Atmung zeigt, oder eben doch ein Herzgeräusch auffällt, sollte dies kardiologisch abgeklärt werden!

Haustiger: Angenommen, ich vermute bei meiner Katze ein Herzproblem. Wie geht es dann weiter? Kann ich das bei meinem Haustierarzt abklären lassen oder sollte ich zum Spezialisten? Welche Untersuchungen sollten nicht fehlen?
Kim Hege mit schwarzer Katze

Dr. Kim Hege: Der erste Weg zum Haustierarzt ist immer schon eine super Idee! Es kann dort zum Beispiel ein Screening mithilfe eines kardialen Biomarkers im Blut durchgeführt werden, der – sollte er niedrig sein – eine schwere Herzerkrankung schonmal ausschließen kann.

Außerdem sollte die Katze natürlich gut abgehört werden, da man beim Abhören oft bereits erste Hinweise auf eine Herzerkrankung finden kann (Herzgeräusch, Galopprhythmus, Rhythmusstörungen).

Optimal ist jedoch natürlich immer die Abklärung durch einen Spezialisten / eine Spezialistin, denn nur ein Herzultraschall kann eine klare Diagnose liefern.

Oder eben beruhigende Gewissheit darüber geben, dass alles in bester Ordnung ist.

Haustiger: Die gewählten Medikamentenkombinationen bei HCM z. B. sind ja immer individuell auf den jeweiligen Katzenpatienten abgestimmt. Kannst du vielleicht trotzdem kurz allgemein erklären, welche Medikamente hier in der Regel eingesetzt werden und was man damit jeweils erreichen möchte?

Dr. Kim Hege:Tatsächlich sind die wichtigsten Säulen der Therapie einer herzkranken Katze ab einem gewissen Stadium Medikamente, die eine Thrombose verhindern sollen (Gerinnungshemmer) und Entwässerungsmittel (Diuretika).

Da wir leider noch keine Medikamente zur Verfügung haben, die die Ursache bekämpfen (im Falle einer HCM z. B. die Herzmuskelverdickung), müssen wir uns auf Symptomtherapie beschränken und versuchen, Symptome und Komplikationen zu vermeiden.

In einigen Fällen können auch Medikamente zum Einsatz kommen, die die Herzfrequenz senken (z. B. Betablocker), oder eine vorliegende Rhythmusstörung bekämpfen sollen (andere Antiarrhythmika).

Zudem werden gelegentlich Medikamente eingesetzt, die die Blutgefäße weitstellen und den Blutdruck etwas senken, um die Kraft, die das Herz bei jedem Schlag aufwenden muss, zu reduzieren (z. B. ACE-Hemmer). Man muss nur ehrlicherweise ganz klar sagen, dass es studientechnisch zum aktuellen Zeitpunkt keine Beweise dafür gibt, dass Betablocker oder ACE-Hemmer die Erkrankung aufhalten, oder gar im Frühstadium schon irgendwie helfen!

Auch Pumpkraftstärker können im Endstadium sinnvoll sein, oder natürlich bei Intensivpatienten auch eine Therapie mit Sauerstoff.

Haustiger: Wie ist das denn, wenn die herzkranke Katze in Narkose muss (z. B. für eine Zahnsanierung)? Geht das überhaupt? Wenn ja, auf was sollte man hier als Tierbesitzer achten? Welche „Sicherheitsmaßnahmen“ sollten auf jeden Fall gegeben sein?
Tierärztin Kim Hege mit Katze in der Praxis

Dr. Kim Hege: Eine Narkose ist auch bei einer herzkranken Katze gut machbar, solange gewisse Sicherheitsstandards erfüllt sind.

Erstens muss beim Herzpatienten auf bestimmte Medikamente verzichtet werden (das ist dann der Job der gut ausgebildeten Anästhesist:innen) und die Infusionstherapie sollte der Herzerkrankung angepasst (meist etwas reduziert) werden. Die Atemwege müssen mit einem Tubus gesichert sein und die Katze braucht in jedem Fall einen venösen Zugang! Eine rein intramuskuläre Narkose (die klassische Spritze in den Po) ist nicht geeignet.
Die Narkose muss zudem von entsprechend geschultem Personal kontinuierlich überwacht werden. Wichtige Parameter hierbei sind unter anderem der Blutdruck, die Herzfrequenz, das EKG, die Pulsoxymetrie (O2-Überwachung), die Kapnographie (CO2-Überwachung) und die Überwachung der Temperatur.

Am besten fragt man in der Tierarztpraxis des Vertrauens einfach mal nach, wie die Narkose dort standardmäßig abläuft. „Green flags“ sind hierbei immer, wenn ein Kollege / eine Kollegin nur für die Anästhesie zuständig ist, immer ein Venenzugang geschoben und intubiert wird und eine ausführliche Narkoseüberwachung erfolgt.

Haustiger: Kann man den Katzen bei bestehender Herzproblematik neben den verordneten Medikamenten und Kontrolluntersuchungen zusätzlich noch etwas Gutes tun? Zum Beispiel durch Nahrungsergänzungsmittel?

Dr. Kim Hege: Es gibt neben den klassischen Medikamenten verschiedenste „Kardio-Futter“ im Handel und Nahrungsergänzungsmittel, die zum Beispiel aus Taurin, Carnitin und Omega-3- & -6-Fettsäuren bestehen, die alle eine einen kardioprotektiven, also das Herz schützenden Effekt haben sollen.

Bei der Fütterung der herzkranken Katze sollte zudem immer auf Schmackhaftigkeit und die Deckung des individuellen Kalorien-Bedarfs geachtet werden, da gerade Katzen im Endstadium der Erkrankung sehr dazu neigen, Gewicht zu verlieren. Außerdem sollte immer unbedingt Kalium substituiert werden, wenn ein Mangel besteht. Diesen Mangel kann man im Blut feststellen.

Ganz wichtig: Einer herzkranken Katze soll es gut gehen 😊. Sie darf ihren Hobbys nachgehen, ganz viel betüddelt werden und auch gerne ein ausgeklügeltes Enrichment erfahren, um ihr das bestmögliche Leben zu bescheren. Zudem hilft frühzeitiges Medical Training enorm dabei, einer Katze Medikamente zu verabreichen, sodass dieses immer eine wichtige Säule der Therapie einer jeglichen Erkrankung bei der Katze darstellt!

Haustiger: Im Idealfall erkennt man gesundheitliche Probleme ja, bevor die Katze Symptome zeigt. Welche Vorsorgeuntersuchungen machen in Bezug auf das Herz bei der Katze Sinn und in welchem Alter und in welchen Abständen? Wie aussagekräftig sind die kardialen Biomarker, die man bei der jährlichen Blutuntersuchung mit bestimmen lassen kann?
Kim Hege mit Katze auf dem Behandlungstisch.

Dr. Kim Hege: Die klassische Vorsorgeuntersuchung im Sinne von klinischer Allgemeinuntersuchung (angucken, abtasten und abhören lassen durch die Tierärztin) kann schon erste Hinweise liefern.

Im Blut darf gerne auch auf Schilddrüsen- und Nierenwerte geachtet werden, da Erkrankungen dieser beiden Organsysteme Auswirkungen auf die Herzgesundheit haben.

Zudem sollte bei Katzen > 8 Jahren unbedingt eine halbjährliche Blutdruckmessung erfolgen, um einen Bluthochdruck frühzeitig zu erkennen und therapieren zu können. Nicht umsonst nennt man den Bluthochdruck auch den „Silent Killer“ der Katze, denn meist bemerkt man diesen erst, wenn sogenannte Endorgan-Schäden auftreten, also z. B. eine schwere Schädigung des Herzens oder der Netzhaut der Katze durch einen chronischen Bluthochdruck.

Ersteres kann gerade in Kombination mit einer bestehenden Herzmuskelerkrankung bis zum Herzversagen führen, zweiteres zur akuten Erblindung.

Als kardialen Biomarker lässt sich NT-proBNP zum Screening durchaus empfehlen. Katzen mit sehr niedrigen Spiegeln haben mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine klinisch relevante Herzerkrankung.

Bei erhöhten Werten muss dann aber immer der Herzultraschall erfolgen, um die Erkrankung zu bestätigen oder näher zu charakterisieren.

Haustiger: Gerade, wenn man das erste Mal mit HCM bei der Katze zu tun hat oder auch mit einer anderen Herzerkrankung, hat man ja in der Regel viele Fragen. Viel mehr, als wir hier in diesem Interview abarbeiten können. Aber wie wir mitbekommen haben, bietest du ja speziell zur HCM bei der Katze einen Online-Kurs an. Magst du den Kurs vielleicht an dieser Stelle kurz vorstellen?
Dr. Kim Hege:Nichts lieber als das 😉. Der Kurs besteht aus intensiven Selbstlern-Online-Lektionen, an die sich ein 90-minütiges Webinar anschließt, das man flexibel zu jeder Tages- & Nachtzeit anschauen kann.

Das Modul „Herzmuskelerkrankungen bei der Katze“ widmet sich, wie der Name schon sagt, nicht nur der HCM, sondern auch anderen, etwas selteneren Herzmuskelerkrankungen und beschäftigt sich breitgefächert und anhand von Praxis-Beispielen mit Ursachen, Entstehungsmechanismen, Diagnostik, Therapie und Prognose, sodass am Ende eigentlich keine Fragen mehr offen sein sollten.

Und wenn doch, dann darf man sich jederzeit per Mail melden!

Haustiger: Deine Akademie für Tiermedizin-Wissen ist ja noch ganz neu. Was gibt es da neben deinem HCM-Kurs denn sonst noch so und auf was kann man sich gegebenenfalls noch freuen?
Logo der Akademie für Tiermedizin-Wissen

Dr. Kim Hege: Aktuell online (und für Katzenbesitzer:innen relevant) sind bereits Module zu Herzerkrankungen, Tumorerkrankungen, Blasenentzündung und Harnsteinen und der Pankreatitis bei Katzen. Nächste Woche wird noch ein Modul zur akuten und chronischen Nierenerkrankung folgen und für die nächsten Monate ist auch noch ganz viel geplant!

Ziel der Akademie ist es, sämtliche relevanten Kleintier-Erkrankungen langfristig abzudecken und für eine größtmögliche Besitzer:innen-Information zu sorgen. Vor allem hab ich auch einige richtig coole Gastdozent:innen rekrutiert, auf die ich mich selbst total freue.

Neueste Infos zum „Lehrplan“ gibt’s dann immer ganz frisch und aktuell auf der Homepage oder im Newsletter.

Ich freu mich sehr auf alle Teilnehmenden und hoffe, wir können alle viel voneinander lernen!

Haustiger: Na, bestimmt. Liebe Kim, herzlichen Dank für die ausführliche Beantwortung der vielen neugierigen Fragen!

Und wenn ihr jetzt neugierig geworden seid, werft doch mal einen Blick in die Akademie und bucht den ein oder anderen Kurs. Auslernen tut man ja schließlich nie. Und/oder ihr folgt Kim auf Instagram und erfreut euch an viel Wissenswertem aus der Welt der Tiermedizin (und an Waschbär-Content natürlich. 😉.)

Alle verwendeten Fotos: © Kim Hege – www.tiermedizin-wissen.de

35+ Gründe für Unsauberkeit + Lösungen

35+ Gründe für Unsauberkeit bei Katzen

Pinkelt die Katze in die Wohnung oder pinkelt sie sogar ins Bett oder auf den Teppich, ist guter Rat oft teuer. Unsauberkeit bei Katzen ist ein Phänomen, das wohl mehr Katzenhalter kennen, als ihnen lieb ist, das Nerven kostet und mitunter zu großen und kostspieligen Schäden an der Wohnungseinrichtung führt. Leider hat die „Wildpinkelei“ daher nicht selten zur Folge, dass Tiere abgegeben oder sogar entsorgt werden.

Unnötig zu sagen, dass die Vermittlungschancen für Katzen mit Pipihintergrund nicht gerade die besten sind. Doch warum machen die Miezen das, wo doch auf den ersten Blick alles in Ordnung zu sein scheint. Wir haben 35 mögliche Gründe für euch zusammengestellt und wie ihr diesen begegnen könnt.

Katze pinkelt

Im Detail

Unsauberkeit Katze

Einige wichtige Anmerkungen zu Beginn.

Katzen sind überaus reinliche Tiere und vergraben ihre Ausscheidungen – wenn sie nicht als Reviermarken gesetzt werden – instinktiv abseits des Nestes, damit Beutegreifer ihren Geruch nicht aufnehmen können. Fühlt sich eine Katze dazu gezwungen, von diesem natürlichen Verhalten Abstand zu nehmen und außerhalb der Katzentoiletten ihre Geschäfte zu verrichten, besteht immer unmittelbarer Handlungsbedarf.

Sie tut dies NIEMALS, um ihre Menschen zu strafen, weil sie beleidigt ist („Protestpinkeln“) oder um dem Menschen eins auszuwischen. Nach aktuellem Stand der Wissenschaft besitzen Katzen wahrscheinlich nicht die hochentwickelten, kognitiven Fähigkeiten, um eine „Auge um Auge, Zahn um Zahn“-Mentalität auszuleben. Darüber hinaus sind Kot und Urin für unsere Haustiger etwas ganz Natürliches und nichts per se Unangenehmes, was die Schlussfolgerung auch unsinnig macht, Katzen würden Kot und Urin als „Waffe“ gegen ihre Besitzer einsetzen.

Was es aber ist: Es handelt sich immer um eine Form der Mitteilung und es liegt an uns, zuzuhören, aufmerksam zu sein und herauszufinden, was die Katze mit ihrem Verhalten sagen möchte.

Nur wenn man den Grund für die Unsauberkeit kennt, kann man diesem auch begegnen. Oft braucht es jedoch viel Geduld, Nerven und manchmal eingehende Detektivarbeit, um diesen herauszufinden und eine passende Lösung zu finden.

Wichtig ist es auch, zeitnah zu reagieren. Ist die „Wildpinkelei“ erst einmal zur Gewohnheit geworden oder wurde die Katze schon darauf konditioniert, dass sie Aufmerksamkeit (auch Schimpfen ist Aufmerksamkeit!) bekommt, wenn sie irgendwo eine Pfütze hinterlässt, ist es sehr schwer, das eingefahrene Verhalten wieder auszutreiben. Es ist daher wichtig, bei Unsauberkeit a) frühzeitig zu reagieren und b) um die Tat an sich kein großes Theater zu machen.

Verhalten, das Erfolge bringt („wenn ich an die Haustür pinkle, macht mir mein Mensch die Tür auf und lässt mich raus“) lohnt sich, zu wiederholen. Und das möchte man ja nun nicht.

Erste Maßnahme: Herausfinden, wer es gewesen ist

Im Mehrkatzenhaushalt kann man oft nicht auf den ersten Blick sagen, wer die Pfütze oder Spuren an Möbeln oder Türen hinterlassen hat. Und auch wenn eine Katze auf frischer Tat beim Pinkeln ertappt wurde, muss es nicht heißen, dass sie die erste war. Es könnte sich vor ihr auch schon eine Mitkatze verewigt haben, deren Geruch sie nun mit ihrem eigenen Urin zu überdecken versucht.

Möglichkeiten, um wirkliche Klarheit zu erlangen, sind neben gründlicher Beobachtung (über 24 Stunden meist eher schwierig), zum Beispiel Webcams. Dr. Mircea Pfleiderer und Birgit Rödder 1Pfleiderer M., Rödder B. (2010). Was Katzen wirklich wollen. GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH. S. 160. nennen in ihrem Buch „Was Katzen wirklich wollen“ als weitere Möglichkeit Farbstoffe, die unter das Futter gemischt werden, z. B. Fluorescein, das unter UV-Licht aufleuchtet und verwendet wird, um Urin zu markieren, oder Lebensmittelfarbe zum Einfärben des Kotes.

Katzengruppe. Wer pinkelt in die Wohnung?
Katze pinkelt überall hin

Der feine Unterschied: Wird beliebig gepinkelt oder wird gezielt markiert?

Für die Ursachenbestimmung ist es hilfreich zu bestimmen, ob die Katze markiert oder nur beliebig pinkelt, da beiden Phänomenen unterschiedliche Ursachen zugrundeliegen.

Markieren ist ganz normales Katzenverhalten, das bei Katern wie Katzen, bei kastrierten wie unkastrierten Tieren vorkommt. Jedoch sieht man es bei (rechtzeitig) kastrierten Katzen als territoriales Verhalten deutlich seltener. Charakteristisch ist das Spritzen im Stehen mit hoch aufgerichtetem (zuckendem) Schwanz, aber auch die sitzende Stellung (unter abstreifenden Bewegungen der Hinterbeine) ist möglich.

Finden sich Urinspuren z. B. an Möbelseiten oder -rückwänden, an der Stereoanlage, den Vorhängen, der Wand, Türen, der Katzenklappe oder gezielt auf Gegenständen am Boden, ist es wahrscheinlich, dass markiert wird.
Finden sich die Pfützen auf beliebigen (glatten) Oberflächen, wie dem Boden, dem Teppich, der Badewanne, dem Sofa etc. pp. wird wahrscheinlich eher wahllos uriniert.

Um euch ein wenig dabei zu helfen, den Grund für die Unsauberkeit eurer Katze herauszufinden, haben wir euch nachfolgend einige Tipps und eine Liste häufiger Ursachen für Unsauberkeit samt Lösungsmöglichkeiten zusammengestellt.

Gesundheitliche Gründe

Fällt eine Katze durch Unsauberkeit auf, sollte immer als erste Maßnahme, tierärztlich abgeklärt werden, ob das Verhalten eine gesundheitliche Ursache hat. Ist diese ausgeschlossen, kann man sich anderen möglichen Problemen zuwenden.

Fünf häufige gesundheitliche bzw. körperliche Ursachen, warum die Katze in die Wohnung pinkelt, sind nachfolgend beschrieben.

1) Die Katze leidet unter einer Blasenentzündung oder Harnsteinen/-gries und zeigt deshalb Unsauberkeit

Insbesondere mehrere kleine Pfützen (gegebenenfalls auch bräunlich oder rötlich verfärbt) oder erfolglose und/oder von Jammern begleitete Versuche auf dem Katzenklo Urin abzusetzen, können auf eine Blasenentzündung oder auch auf Harnsteine/-gries hinweisen. Eine Katze mit solchen Symptomen gehört unverzüglich in tierärztliche Behandlung. Ein Harnwegsverschluss ist lebensgefährlich!

Blasenentzündungen sind häufig stressbedingt (FLUTD, FIC), Harnsteine und -gries werden oftmals durch falsche Ernährung gefördert. Beides sind Punkte, an denen man insbesondere bei wiederholten Beschwerden ansetzen kann.

Gerade bei stressbedingten Problemen kann neben ordentlicher Aufarbeitung in Absprache mit dem behandelnden Tierarzt bzw. der behandelnden Tierärztin die Gabe von Nahrungsergänzungsmitteln (z. B. mit Alpha-Casozepin, L-Theanin oder Tryptophan) in Betracht gezogen werden.

Zudem lohnt es sich attraktive Wasserstellen anzubieten und die Katze zum Trinken zu animieren. Ist der Urin durch zu geringe Flüssigkeitszufuhr zu stark konzentriert, kann dies Blasenentzündungen und Harnsteine/-gries fördern.

Hat die Katze die Toilette einmal mit Schmerzen verknüpft, wird sie sie mitunter auch nach Abklingen der Beschwerden meiden. Hier kann es helfen, komplett neue Bedingungen zu schaffen, d. h. neuer Standort, neues Klo, anderes Streu, um das Problem zu lösen.

2) Die Katze leidet unter einer anderen Erkrankung, fühlt sich unwohl und/oder hat Schmerzen

Bei Unsauberkeit ist es naheliegend, zunächst einmal an den Harnapparat zu denken. Jedoch kann – auch wenn hier alles in Ordnung ist – ein gesundheitliches Problem an anderer Stelle zum Absetzen von Urin und/oder Kot außerhalb der Katzentoilette führen.

Das können Erkrankungen sein, die zu vermehrtem Wasserlassen (Polyurie) führen, wie z. B. Diabetes mellitus oder Nierenerkrankungen, aber auch alles andere, was der Katze Unwohlsein und/oder Schmerzen verursacht, wie zum Beispiel Zahnprobleme oder Arthrose.

Es ist daher bei plötzlicher Unsauberkeit wirklich unerlässlich, dass nicht nur eine Urinprobe, sondern die ganze Katze vom Kopf bis zur Schwanzspitze gründlich untersucht wird, um wirklich ausschließen zu können, dass keine gesundheitlichen Probleme vorliegen.

Eine zusätzliche Möglichkeit ist Indikatorstreu mit Gesundheitsanzeige* aus dem Fachhandel, das als „Frühwarnsystem“ von Zeit zu Zeit eingesetzt werden kann.

3) Die Katze schafft es nicht mehr auf die Katzentoilette

Gerade bei älteren Katzen ist es sehr wichtig, dass die Katzentoiletten leicht und schnell zu erreichen sind, damit die Katze den Weg auch noch meistern kann, wenn sie nicht mehr die Schnellste ist. Das bedeutet meist, dass die Zahl der Katzentoiletten erhöht werden muss. Auch wenn die Katze Gewicht verloren hat, kann es sein, dass sie vorübergehend zu schwach ist, um lange Wege zur Katzentoilette bewältigen kann.

Es kommt auch vor, dass die Seniorenkatze den Urin vielleicht einfach nicht mehr so gut halten kann wie früher. Bei Kitten ist es im Endeffekt wie bei kleinen Kindern, da wird gespielt und gespielt und wenn man dann merkt, dass man „muss“, ist es schon fast zu spät :-) . Auch hier können vorübergehend mehrere im Haus verteilte Katzentoiletten Abhilfe schaffen. Oder man setzt das Kitten zunächst nach den Mahlzeiten versuchsweise aufs Stille Örtchen.

Auch im akuten Krankheitsfall, z. B. bei Durchfall oder Blasenentzündung, können zusätzliche Katzentoiletten für die Zeit der Problematik hilfreich sein.

4) Die Katze leidet unter einer Blasenfunktionsstörung

Wirbelsäulenverletzungen im Bereich der Lendenwirbel, des Kreuzbeins oder der Schwanzwirbel („Schwanzabriss“) können zu Schädigungen des Rückenmarks führen, die die Motorik der Hintergliedmaßen und die Blasenfunktion beeinträchtigen können. Es kann sein, dass diese Katzen ihre Blase nicht mehr selbstständig entleeren können und ausmassiert werden müssen oder inkontinent werden, weil sie die Harnabgabe nicht mehr willkürlich steuern können.

Auch eine Muskelschwäche oder Verletzungen des Gehirns oder Rückenmarks in weiter oben liegenden Bereichen können ursächlich sein. Angeborene Blasenfunktionsstörungen werden z. B. bei schwanzlosen Katzenrassen, wie der Manx-Katze, berichtet.

5) Die Katze findet die Katzentoilette nicht mehr/versteht nicht wozu eine Katzentoilette gut ist

Die meisten Katzen benutzen die Katzentoilette instinktiv und werden relativ schnell stubenrein, auch wenn sie in ihrem bisherigen Leben keine Katzentoilette kannten. Es gibt jedoch auch Fälle, die ihr Leben lang keine Katzentoilette akzeptieren und in die Wohnung pinkeln. Spricht Dr. Ferdinand Brunner 2Brunner F. (1989) Die unverstandene Katze: (Die Katze als Heimtier; Haltung, Psychologie, Verhaltensprobleme und deren Lösung; Erfahrungen aus 30 Jahren tierpsychologischer Beratungsstelle)  Ferdinand Brunner.-Melsungen. Neumann-Neudamm. S. 274 in seinem Werk „Die unverstandene Katze“ aus dem Jahr 1989 in diesem Fall noch von „krassem Intelligenzmangel“ und „Verblödung“, so ist man da heute, über dreißig Jahre später, ein wenig weiter. ;-)

Gesundheitliche Gründe im weiteren Sinn, die zu Unsauberkeit führen, sind z. B. geistige Behinderungen von Geburt an oder durch einen Unfall oder andere Gewalteinwirkung (Tritte, Hundebiss etc.) verursachte Schäden am Gehirn.

Wird eine Katze älter, kann es sein, dass sie schlicht vergisst, wo sich die Katzentoilette befindet. Demenz gibt es auch bei unseren Haustigern.

Katze mit geöffnetem Maul
Katze im Katzenklo

Toilettensituation + Katzenklo-Management sind nicht optimal.

Verschiedene Verhaltensweisen können darauf hinweisen, dass eure Katze mit den Katzentoiletten an sich nicht zufrieden ist. In der Regel ist dieses Verhalten schon zu beobachten, so lange die Katze ihre Geschäfte noch in dieser verrichtet.

Kommt dann noch ein weiterer Faktor hinzu, vielleicht nur eine Kleinigkeit, beginnt das Urinieren außerhalb der Katzentoilette.

Anzeichen, dass die Katze mit der Toilette nicht zufrieden ist, können z. B. sein 3R.T.S.McGowan et al. 2017. The ins and outs of the litter box: A detailed ethogram of cat elimination behavior in two contrasting environments. Applied Animal Behaviour Science 194 (2017) 67-78:

  • die Katze zögert, bevor sie in die Katzentoilette geht4Cottam N.,Dodman, N. H. 2007. The effect of an odor eliminator on feline litter box behavior. J. Feline. Med. Surg. 9. 44-50.
  • die Katze hält den Urin ein und geht auffällig selten zur Toilette und pinkelt dann relativ lange (Einhalten erhöht das Risiko für Blasenentzündungen)
  • die Katze scharrt mit ihren Pfoten nach Verrichten des Geschäfts außerhalb der Katzentoilette oder schlägt gegen die Wand der Haubentoilette
  • die Katze braucht lange, um die richtige Position zu finden
  • die Katze behält eine oder mehrere Pfoten außerhalb der Katzentoilette
  • die Katze schnüffelt lange Zeit an ihrem Geschäft und scharrt immer wieder, ohne wirklich zufrieden zu wirken
  • die Katze möchte beim Toilettengang begleitet werden und vokalisiert ggf. dabei (kann auch auf Schmerzen hinweisen!) 

Im Umkehrschluss ist es ein gutes Zeichen, wenn die Katze ohne zu zögern ihre Katzentoilette betritt, diese spontan für gut befindet und dort ohne großes Spektakel ihr Geschäft verrichtet.

Einige der wichtigsten Stellschrauben, die man an der Toilettensituation verändern kann, wenn die Katze überall hin pinkelt, sind im Folgenden zusammengestellt.

1) Es sind zu wenige Katzentoiletten verfügbar.

Als Grundsatz gilt, dass immer MINDESTENS eine Katzentoilette mehr im Haushalt zur Verfügung stehen sollte, als Katzen im Haushalt leben 5Borchelt P. L. Voith V. L., 1996. Elimination behaviour problems in cats. In: Voith, P. L. (Ed.), Readings in Companion Animal Behavior. Veterinary Learning Systems, Trenton, NJ, pp. 179-190.. Es handelt sich dabei um einen Mindestwert, d. h. es kann gut sein, dass in einem Drei-Katzen-Haushalt vier Katzentoiletten nicht ausreichen, sondern vielleicht fünf oder sechs notwendig sind, damit jeder glücklich ist.

Die Katzentoiletten sollten für optimales Katzenklomanagement nicht (alle) Klo an Klo stehen, sondern sich an verschiedenen günstigen Stellen im Haus oder der Wohnung befinden, damit jede Katze in Ruhe ihre Geschäfte verrichten kann und die Toiletten von den Tieren auch als separate Klostellen akzeptiert werden. Steht Klo an Klo wird dies von der Katze als nur ein Katzenklo gesehen.

Es gibt auch Katzen, die mit weniger Toiletten auskommen, aber als erste Maßnahme bei Unsauberkeit ist es eigentlich nie ein Schaden, eine weitere Toilette aufzustellen.

2) Die Katzentoiletten stehen an einem ungeeigneten Ort, was für Unsauberkeit sorgt.

Katzen sind in der Natur nicht nur Jäger, sondern mitunter auch Gejagte und während des Absetzens von Kot oder Urin angreifbar. Daher schätzen sie geschützte Orte, an denen sie ihre Ruhe, einen guten Überblick und Fluchtmöglichkeiten haben. Das sollte man auch beim Standort der Katzentoiletten im eigenen Heim berücksichtigen.

Ungeeignete Orte sind solche, an denen es laut zugeht (z. B. neben der Waschmaschine), an denen ständig Betrieb ist, an denen die Katze auf dem Präsentierteller sitzt (z. B. an der Glastür/Glasfassade), neben der Katzenklappe oder an Orten, die sich in unmittelbarer Nähe des Futter- oder Wasserplatzes befinden.

In jedem Fall sollten die Katzentoiletten leicht erreichbar sein, so dass die Katze keinen Hindernisparcours bewältigen muss, um ihr Geschäft dort verrichten zu können. Schon eine Klappe an der Haubentoilette kann dafür sorgen, dass das Stille Örtchen nicht mehr leicht erreichbar ist.

3) Der Katze sagt die Ausführung der Katzentoilette nicht zu.

Katzentoiletten gibt es in zahlreichen unterschiedlichen Ausführungen, von einfachen Schalentoiletten über Haubentoiletten mit und ohne Klappe, Katzentoiletten mit Einstieg von oben bis hin zu Modellen für gehobene Ansprüche mit Treppe oder Selbstreinigungsfunktion. Daneben gibt es Schränke, in denen die Katzentoiletten versteckt werden können.

Hier gelten im Endeffekt dieselben Punkte, wie beim Standort, wodurch sich erklärt, dass in vielen Fällen die einfache Schalentoilette aus Katzensicht die beste Wahl ist. Ausnahmen bestätigen die Regel, es gibt auch Katzen, die sich – Katzen sind keine Höhlenpinkler hin oder her – in der Haubentoilette wohler fühlen und/oder lieber Katzentoiletten mit Top-Entry benutzen.

4) Die Katzentoiletten sind zu klein.

Katzen sind je nach Rasse und Veranlagung unterschiedlich groß und haben daher auch einen unterschiedlichen Platzbedarf. Eine Faustregel besagt, dass bei einer optimalen Größe, die Diagonale der Katzentoilette der 1,5-2-fachen Körperlänge der Katze ohne Schwanz entsprechen sollte.

Viele der im Handel erhältlichen Katzentoiletten sind hier schlicht zu klein, insbesondere für große Katzenrassen. Manchmal reichen XXL-Katzentoiletten aus dem Fachhandel, manchmal bedarf es aber auch Eigenkonstruktionen etwa aus Mörtelwannen oder Kunststoffboxen. 

5) Die Katzentoiletten sind zu groß

Andersherum ziehen manche Katzen kleine Katzentoiletten (Kittenklos) normalen bis größeren Klolösungen vor. Das können zum Beispiel Katzen sein, die nicht gerne Katzenstreu an den Pfoten haben und in Kittenklos ihr Geschäft verrichten können, ohne dass die Pfoten im Klo stehen müssen.

6) Der Katze sagt die Konsistenz der Katzenstreu nicht zu

Auch bei der Katzenstreu gibt es große Unterschiede. Es gibt grobe und feine, klumpende und nicht klumpende Streu; Streu aus Bentonit, Silikatstreu, Streu aus pflanzlichem Material… und nicht jede Katze mag jede Streu. Da muss man teilweise einfach ausprobieren, was am besten akzeptiert wird.

Erfahrungsgemäß funktioniert feine Streu meist besser als grobe, da sie für die Pfötchen angenehmer ist. Akzeptiert die Katze z. B. weil sie es vom Leben als Streuner nicht kennt, keine gewöhnliche Katzenstreu, kann manchmal Kleintierstreu oder Erde eine vorübergehende Lösung sein.

Wichtig ist, dass Streuwechsel niemals abrupt erfolgen, sondern dass Streusorten nach und nach ausgetauscht werden oder zunächst nur eine Toilette mit der neuen Streu befüllt wird.

Wird die Lieblingsstreu nach langer Zeit von einem Tag auf den anderen nicht mehr akzeptiert, ist es – speziell bei Streu mit Duft – möglich, dass sich die Zusammensetzung geändert hat. Daher ist es von Vorteil, immer mindestens zwei Streusorten zu haben, die gut akzeptiert werden, um im Fall des Falles auf die andere zurückgreifen zu können, sollte eine aus dem Handel genommen oder verändert werden.

Manche Katzenstreuarten stauben relativ stark und können die empfindlichen Atemwege der Katze reizen, auch ein Punkt, den man im Auge behalten sollte.

7) Die Katze mag keine Katzenstreu an den Pfoten.

Die meisten Katzen scharren erst einmal, bevor sie ihr Geschäft verrichten. Es gibt aber auch Katzen, die mit Katzenstreu generell einfach nichts anfangen können oder nicht mehr (Stichwort: empfindliche Pfötchen, z. B. durch Pododermatitis). Es kommt vor, dass diese Katzen dann auf den Teppich oder an andere Stellen im Haus pinkeln, obwohl die Toilettensituation an sich eigentlich gut ist. 

In diesem Fall können alternative Lösungen, wie der Puppy Trainer* oder auch einfach Zeitungspapier, Küchenrolle oder eine andere saugfähige Unterlage in der Katzentoilette das Problem womöglich lösen.

Auch Handicats, wie z. B. Ataxisten, ziehen saugfähige Unterlagen manchmal Katzenstreu vor, da sie auf diesen besseren Halt finden. Einige Katzen mit einer Abneigung gegen Katzenstreu lassen sich auch dazu trainieren, ein Babytöpfchen oder sogar das „Menschenklo“ zu benutzen.

Wichtig: Solche alternativen Lösungen sind an sich nicht katzengerecht, weil der natürliche Kot- und Urinabsatz so einfach nicht abläuft. Das heißt, sie sind keine Option, um Katzenstreu zu sparen.

Aber nichtsdestotrotz braucht es bei besonderen Katzen manchmal einen besonderen Kompromiss und das können mitunter auch solche Lösungen sein.

8) Der Einstieg der Katzentoilette ist zu hoch.

Verrichtet die Katze ihre Geschäfte nicht mehr in, sondern zum Beispiel vor der Katzentoilette können auch Gelenkbeschwerden, wie Arthrose, die Ursache sein, wenn sie den Einstieg in die Katzentoilette zu einem schmerzhaften Erlebnis werden lassen. Hier kann eine Katzentoilette mit niedrigem Einstieg – neben einer geeigneten tierärztlichen Behandlung (z. B. Gabe von vom Tierarzt / der Tierärztin verordneten Schmerzmitteln bei Arthrose) das Problem lösen.

Dabei kommen z. B. SAMLA-Boxen von ikea, Hundekörbchen, Mörtelwannen, Industriebackbleche und viele Eigenbauten mehr in Betracht. Auch Ataxisten tun sich mit dem Einstieg in normale Katzentoiletten teilweise schwer.

9) Es wird mit Duftstoffen gearbeitet, die die Katze stören

Wie dem nun einmal so ist, so riechen auch die Ausscheidungen der Katze nicht nach Veilchen, wobei man über die Ernährung hier ggf. Verbesserungen erzielen kann.

Nichtsdestotrotz wird bei vielen Katzenstreumarken mit Duftstoffen gearbeitet, die den Geruch des Stillen Örtchens angenehmer gestalten sollen. Das gleiche Ergebnis versucht man mit Deos für die Katzentoilette zu erreichen.

Oft riechen diese Produkte schon für die menschliche Nase relativ stark und können bei empfindlichen Personen auch zu Kopfschmerzen oder Unwohlsein führen. Man kann sich vorstellen, wie stark der Geruch für eine Katze sein muss, die über ein 14x besseres Riechvermögen verfügt als der Mensch. Insbesondere dann, wenn sich die parfümierte Streu auch noch in einer geschlossenen Katzentoilette befindet.

10) Die Einstreutiefe ist zu gering/zu hoch.

Um Streu zu sparen, wird in Katzentoiletten oftmals nur eine dünne Schicht Katzenstreu eingefüllt. Jedoch bevorzugen gerade die Buddelweltmeister unter den Haustigern ausreichend Material, um ausgiebig graben zu können und ihre Hinterlassenschaften so tief zu verscharren, dass auch das feine Katzennäschen mit dem Ergebnis zufrieden ist.

Auch die Reinigung wird durch eine ausreichende Streuschicht erleichtert. Andersherum findet manche Katze gerade bei sehr leichter Streu vielleicht nicht ausreichend Halt und fühlt sich mit einer dünnen Schicht wohler.

11) Die Katzentoiletten werden zu selten gereinigt.

Wer kennt das nicht, da ist man längere Zeit unterwegs und dann muss man wohl oder übel auf eine öffentliche Toilette, die alles andere als einladend aussieht. Wenn es einem dann nicht gleich vergeht, dann ist es zumindest mit einem gewissen Ekel verbunden, an diesem Ort seine Geschäfte zu verrichten. So geht es der Katze auch, wenn die Katzentoiletten nicht regelmäßig gereinigt werden und sich dort die Hinterlassenschaften ansammeln. Daher ist es sehr zu empfehlen, dass die Katzentoiletten mindestens einmal am Tag, besser zweimal, von den Hinterlassenschaften befreit werden und die Einfüllhöhe bei Bedarf wiederhergestellt wird.

Ein kompletter Austausch mit Nassreinigung des Katzenklos empfiehlt sich grob alle 4 Wochen. Je nach Qualität der Streu, Anzahl der Katzen, Anzahl der Klos und „Etepetete-Faktor“ der Samtpfoten usw. usf. kann ein häufigerer oder auch ein seltenerer Komplettaustausch notwendig sein.

Wer gerade bei geschlossenen Toilettenmodellen dazu neigt, die regelmäßige Reinigung zu vergessen, weil ihm die Hinterlassenschaften nicht direkt ins Auge fallen, dem hilft es vielleicht, sich dies als tägliche Erinnerung ins Smartphone zu speichern oder ganz altmodisch mit Zetteln zu arbeiten.

Speziell geschlossene Katzentoiletten müssen häufiger und penibler gereinigt werden, da in ihnen Klumpen langsamer austrocknen und sich der Geruch hartnäckiger im Klo hält, als bei offenen Modellen.

12) Es wird ein ungeeigneter Reiniger für die Katzentoiletten verwendet.

Neben der Streu an sich, kann auch der Reiniger, mit dem die Katzentoilette gereinigt wird, ein Problem sein. Scharfe Reiniger oder Desinfektionsmittel sollten nicht zum Einsatz kommen. Problematisch sind zum Beispiel chlor- und ammoniakhaltige Reiniger sowie Reiniger mit Zitrusduft. Wir haben hier die besten Erfahrungen mit Enzymreiniger, wie z. B. Biodor®*, gemacht.

13) Es wird ein ungeeigneter Reiniger für die Pipistellen verwendet.

Hat die Katze bereits außerhalb der Katzentoilette ihr Geschäft verrichtet, ist es unerlässlich, dass die Pipistellen so gereinigt werden, dass auch für die empfindliche Katzennase kein Pipigeruch zurückbleibt. Auch hier eignet sich Enzymreiniger nicht nur für Hartböden, sondern auch für Polster und Teppiche sehr gut.

Da es in einigen Fällen zu ganz üblen Reaktionen kommen kann, wenn vor der Arbeit mit dem Enzymreiniger mit chemischen Reinigern (z. B. Teppichschaum) gearbeitet wird, würden wir empfehlen, bei vorbehandelten Polstern und Teppichen mit Enzymreiniger eher vorsichtig zu sein. Auf die im vorhigen Punkt aufgeführten ungeeigneten Reiniger sollte auch hier verzichtet werden.

Teilweise wird auch empfohlen, Pipistellen mit hochprozentigem Alkohol (z. B. Wodka) oder Essig zu reinigen, wobei jedoch der Kontakt zwischen Katzen und Flüssigkeit auf jeden Fall vermieden werden sollte.

Katzenflüsterin Vicky Halls 6Halls V. (2007). Die Katzenflüsterin. Erfolgreiche Kommunikation, vertrauensvolles Miteinander.S.136.empfiehlt Zeolith, um vor allem saugende Böden, wie z. B. Holzdielen oder Betonböden von „Katzenpipiduft“ zu befreien. Wird Zeolith reichlich auf die betroffenen Stellen aufgebracht, kann es Geruchsstoffe binden, die eventuell noch im Boden vorhanden sind. Nach 48 Stunden wird es wieder aufgesaugt. Während dieser Zeit sieht die Wohnung bzw. der betroffene Raum aus wie ein Katzenklo und riecht entsprechend. Die Behandlung sollte daher in Abwesenheit der Samtpfoten durchgeführt werden.

Eine UV-Lampe (Schwarzlicht) erleichtert es, auch eingetrocknete Pipistellen aufzuspüren.

13) Die Katze verbindet die Katzentoilette mit einem schlechten / furchteinflößenden Erlebnis

Neben den bereits erwähnten Schmerzen, die eine Katze möglicherweise mit dem Besuch der Katzentoilette in Verbindung bringt, können es auch viele andere Ereignisse sein, die der Katze den Besuch der Katzentoilette verleiden. So zum Beispiel ein lauter Knall auf der Straße oder der Besen, der plötzlich neben der Katze auf den Boden fällt, wenn sie gerade ihr Geschäft verrichtet. Leider ist es jedoch häufig so, dass man diese Situationen nicht beobachtet und später nicht nachvollziehen kann.

Nichtsdestotrotz kann man auch hier versuchsweise wie im Fall der Blasenentzündung beschrieben neue Bedingungen schaffen. Niemals sollte die „hilflose“ Situation während eine Katze ihr Geschäft verrichtet dazu genutzt werden, ihr zum Beispiel Medikamente zu verabreichen! 

14) Es gibt keine Katzentoilette im Haus oder der Lieblingskloplatz draußen ist nicht mehr zugänglich.

Manchmal wird Freigängern im Haus keine Katzentoilette zur Verfügung gestellt. Doch was im Sommer noch gut funktioniert, könnte sobald es draußen kalt oder auch nur regnerisch wird, schnell zum Problem werden und die Katze sucht sich im Haus ein Plätzchen, um ihr Geschäft zu verrichten. Das können z. B. Blumenkübel sein.

Auch überzeugte Freigänger sollten daher immer auch an die Katzentoilette gewöhnt werden, um im Fall des Falles (wenn die Katze z. B. in den Stubenarrest muss) vorbereitet zu sein. Verrichtet die Katze trotz Klomöglichkeiten im Haus ihr Geschäft in den Blumenkübeln, weil sie die Erde als passender Untergrund anzieht, kann es helfen, diese mit Steinen abzudecken.

Territoriale und emotionale Gründe

Unsauberkeit kann immer auch territoriale und emotionale Gründe haben. Oft wird hier einfach von „Stress“ gesprochen. Stress an sich ist zunächst einmal ein wertneutraler Begriff. Denn Stress kann sowohl positiv als auch negativ sein. Und auch wie Stressoren wahrgenommen werden ist von Katze zu Katze unterschiedlich und hängt u. a. von der Genetik, der frühen Entwicklung und den bisherigen Erfahrungen des jeweiligen Tieres ab.

So kann eine Situation, die die eine Katze ganz cool wegsteckt, für die andere den Untergang ihrer heilen Welt bedeuten. Das Risiko, dass der letztere Fall eintritt, ist höher, wenn die Katze nicht richtig sozialisiert, also zu früh von Mutter und Geschwistern getrennt wurde. Besonders chronische Angststörungen äußern sich häufig in Unsauberkeit bzw. in immer wiederkehrenden Blasenentzündungen, die dann wiederum zu Unsauberkeit führen. Die Katze versucht bei Angst oder Verunsicherung sich durch intensiven Eigengeruch Sicherheit zu verschaffen. Harn hat für die Katze keine negative Konnotation wie für uns Menschen. Ein Hinweis darauf kann z. B. sein, dass die Katze bevorzugt auf ihre eigenen Liegeplätze pinkelt.

Feliway* hat sich in einigen wissenschaftlichen Untersuchungen als hilfreich erwiesen, um stressbedingte Verhaltensprobleme zu reduzieren, und kann unterstützend eingesetzt werden. 7Gaultier E., Pageat P., Tessier Y.1998. Effect of a feline appeasing pheromone analogue on manifestations of stress in cats during transport. In: Proceedings of the 32nd Congress of the International Society for Applied Ethology.Clemont-Ferrand. p. 198 8Griffith C. A., Steigerwald, E.S., Buffington, C.T.,2000. Effects of a syntheticfacial pheromone on behaviour of cats.J.Am. Vet.Med. Assoc. 217, 1154-1156. 9Pereira J.S., Fragoso S., Beck A., Lavigne S., Varejão, A.S., daGracaPereira, G., 2015. Improving the feline veterinary consultation: the usefulness of Feliway spray in reducing cats’ stress. J. Feline Med. Surg. p. 1098612X15599420. Ebenso kann man hier in Absprache mit dem Tierarzt oder der Tierärztin mit geeigneten Nahrungsergänzungsmitteln unterstützen.

Grundsätzlich profitieren Tiere mit stressbedingten Verhaltensproblemen und/oder „Angstkatzen“ im Allgemeinen aber immer von professioneller Unterstützung, etwa durch auf Verhaltensmedizin spezialisierte Tiermediziner*innen. 

Es ist wichtig zu verstehen, dass der begrenzte Lebensraum einer Wohnungskatze ihrem ganzen Kosmos entspricht („My Home is my Castle“) und daher schon kleinste für uns unscheinbare Veränderungen wesentliche Bedeutung für die Katze haben können. So werden ungünstige Bedingungen in den eigenen vier Wänden womöglich lange Zeit ertragen, bis dann ein winziger Auslöser das Fass zum Überlaufen bringt.

Die Umwelt der Katze lässt sich dabei in die drei Dimensionen des Raums, der Zeit und der sozialen Beziehungen einteilen. Es ist daher nicht nur wichtig wo sie sich befindet, sondern auch wann und mit wem, wenn es darum geht, die Ursache für die Unsauberkeit herauszufinden. Einen Hinweis geben z. B. die Orte, an denen Pipimarken hinterlassen werden.

Neben Angst und Verunsicherung können auch starke positive wie negative Erregung z. B. in unharmonischen Mehrkatzenhaushalten, bei Neuzugängen oder bei ausgeprägter Erwartungshaltung (z. B. bei verspäteter Fütterung) zu Harnmarkieren führen.

Einige wesentliche Faktoren sind im Folgenden im Detail beschrieben.

1) Es gibt Probleme mit den anderen Katzen im Haushalt

Probleme innerhalb der Katzengruppe können dazu führen, dass eine oder sogar mehrere Katzen ihre Geschäfte außerhalb der Katzentoilette verrichten. Auflauern an der Katzentoilette und das Opfer im unschönen Fall innerhalb der Katzentoilette festsetzen, ist ein häufiges Phänomen, dem man im Vorfeld begegnen kann, indem man der Katze bei Platzierung der Katzentoiletten immer mindestens zwei Fluchtwege offenlässt. Umso größer die Katzengruppe, umso größer die Gefahr, dass es zu Harnmarkieren bzw. zu Unsauberkeitsproblemen kommt.

Man muss die Katzen hier sehr genau lesen können, nicht selten berichten Katzenhalter, dass ihre Samtpfote plötzlich aufgeblüht ist, als der Artgenosse verstorben war, obwohl man jahrelang der Meinung war, es wäre alles in Ordnung zwischen den Samtpfoten. Meist ist es daher auch hier sinnvoll, eine professionelle Fachkraft hinzuzuziehen, um die Situation unter den Katzen zu analysieren und nach Möglichkeit zu verbessern.

In seltenen Fällen und wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, ist die Abgabe einzelner Tiere bzw. die Trennung der Katzengruppe die letzte Möglichkeit, um wieder für Harmonie und ein „pipifreies“ Zuhause zu sorgen. Hier findest du Tipps, wenn du für eine deiner Katzen ein neues Zuhause finden musst. 

1) Es herrscht eine schwierige Stimmung unter den Menschen

Katzen besitzen sehr feine Antennen für die Stimmung ihrer Menschen und spiegeln diese auch häufig. So kann es sein, dass z. B. häufiger Streit, weniger Zeit durch einen neuen Arbeitsplatz, Stress mit dem Vermieter, eine anstehende Operation, eine baldige Prüfung usw. usw., die euch selbst belasten, zur Folge haben, dass eure Katze auf die Stimmung im Haus mit Unsauberkeit reagiert, um auf diese Weise ihr Unwohlsein auszudrücken.

Es ist daher nie verkehrt, sich auch einmal das eigene Verhalten bzw. die eigene Situation unabhängig von der Katze genau vor Augen zu führen und ggf. an der Situation selbst oder am Umgang damit etwas zu verändern.

3) Die Konstellation unter den Katzen hat sich verändert

Gibt es Veränderungen im Katzenrudel, z. B. durch einen Neuzugang oder auch weil eine Katze die Gemeinschaft verlassen hat, kann dies dazu führen, dass es zu Unsauberkeit in Form von Pinkeln oder Markieren kommt. Hier kann auch schon vorübergehende Abwesenheit (z. B. durch einen Tierarztbesuch) ausreichend sein. Insbesondere Marken an Zimmertüren und -wänden weisen darauf hin, dass sich das Problem im Haus befindet.

Auch hier braucht es Geduld, gute Nerven und mitunter professionelle Hilfe, um das Problem zu lösen. Vergesellschaftungen sollten insbesondere bei erwachsenen Tieren sanft erfolgen (z. B. neues Tier erstmal durch Gittertür separieren), um von Beginn an gute Voraussetzungen für ein harmonisches Zusammenleben zu schaffen.

Ebenso sollte, wenn ein Neuzugang geplant ist, darauf geachtet werden, dass die Tiere charakterlich und vom Alter her zueinander passen. Das Geschlecht spielt nicht zwangsläufig eine Rolle. Auch bei der Auswahl der passenden Partnerkatze kann und darf man sich gerne vom Profi helfen lassen.

4) Die Konstellation unter den Menschen hat sich verändert

Auch ein Neuzugang unter den Menschen kann zu Problemen führen. Hat die Katze den Eindruck, dass ihr Territorium durch diesen Neuzugang ernsthaft gefährdet wird, kann es sein, dass dessen Kleidungsstücke oder andere Besitztümer oder auch Möbelstücke markiert werden.

Der Stress für die Katze, der mit den mitunter einschneidenden Veränderungen einhergeht, kann aber auch dazu führen, dass die Katze wahllos in der Wohnung uriniert oder kotet. Handelt es sich bei dem Neuzugang um ein Baby sind zum Beispiel die Wiege oder der Laufstall naheliegende Pinkelstellen.

Wenn es sich bei der neuen Person, um einen neuen Partner/erwachsenen Mitbewohner handelt…

… kann es neben viel Zeit und Geduld helfen, die Beziehung zwischen dem Partner und der Katze zu verbessern. Dabei sollte jedoch immer der Katze die Initiative überlassen und die Katze vom neuen Partner nicht bedrängt werden. Bestechungsmittel wie leckeres Futter oder Leckerli können nichtsdestotrotz hilfreich sein. Je nach Charakter ist auch Spielen mit der Katze (z. B. mit der Federangel) möglich.

Wenn es sich bei der neuen Person, um ein Baby handelt…

…handelt es sich um eine Veränderung, die sich nicht einfach ausschalten oder „programmieren“ lässt. Die Katze muss lernen, sich an den neuen Erdenbürger und alles was mit diesem zusammenhängt, zu gewöhnen.

Speziell bei empfindlichen Katzen kann es helfen, diese gezielt auf die Ankunft des Babys vorzubereiten (z. B. Windel aus der Klinik mitbringen, getragene Kleidung mitbringen, Babygeschrei im Vorfeld zur Desensibilisierung abspielen etc.). Soll die Katze nicht ins Kinderzimmer oder Schlafzimmer, wenn das Baby einmal da ist, sollte dieses bereits einige Monate vorher zur Tabuzone erklärt werden.

Später kann und sollte die Katze – wenn sie möchte – in den Umgang mit dem Baby miteinbezogen werden, aber auch die Möglichkeit haben, sich zurückzuziehen. Und auch Zeit für ausgiebige Spiel- und Kuschelstunden sollte wo möglich freigeschaufelt werden.

Andersherum darf auch das Kind von Anfang an den Umgang mit der Katze lernen. Keinesfalls sollte der Katze „die Erziehung überlassen werden“.

5) Ein neuer Artgenosse ist in der Nachbarschaft aufgetaucht

Katzenkonkurrenten müssen sich nicht zwangsläufig innerhalb der eigenen Katzengruppe befinden. So kann der neue Nachbarskater, der regelmäßig vor der Terrassentür oder am Fenster auftaucht schon ausreichend sein, dass die eigene Katze Anlass sieht, deutliche Harnmarken zu setzen. Insbesondere Markieren an Fenstern und Außentüren, Vorhängen oder der Katzenklappe legen den Verdacht nahe, dass sich der Feind außerhalb des Hauses befindet. Manche Fremdkatzen sind sogar so dreist, dass sie durch die Katzenklappe zu Besuch kommen und dadurch ins Revier der eigenen Katzen, ihren sicheren Rückzugsort, eindringen.

Ihr könnt euch das in etwa so vorstellen, wie wenn ihr in einer Wohnung lebt, in der ihr die Wohnungstür nicht abschließen könnt und immer damit rechnen müsst, dass plötzlich jemand auf der Matte steht.

In solchen Fällen kann es helfen, die Katzenklappe erst einmal zu entfernen/zu versperren, damit sich die Katzen wieder sicher fühlen können. An den Fenstern sind manchmal schon Jalousien ausreichend.

6) Es gab Veränderungen im Haushalt.

Katzen sind opportunistische Gewohnheitstiere und können Veränderungen oft nur wenig abgewinnen. So kann es durchaus vorkommen, dass sie eure Freude über das neue Sofa oder die neue Matratze so gar nicht teilen und auf die fremd riechenden Objekte mit Verunsicherung reagieren und versuchen diese mit ihrem Eigengeruch zu versehen. Hier kann es helfen, den neuen Geruch mit angenehmen Aromen (wie z. B. Katzenminze) zu überlagern und z. B. erst einmal die alten Decken auf der neuen Couch zu belassen, damit diese nach wie vor vertraut riecht.

Auch andere Veränderungen wie eine plötzlich geschlossene Tür, Renovierungen in und um die Wohnung (Hämmern, Bohren etc.) können die Katze zum „Wildpinkeln“ veranlassen.

7) Es steht auf einmal mehr Platz zur Verfügung

Eine größere Wohnung wird von den meisten Katzenhaltern in der Regel erst einmal als positiv angesehen. Schließlich haben die Katzen mehr Platz, vielleicht jetzt auch einen Balkon oder sogar eine gesicherte Terrasse bzw. einen gesicherten Garten zur Verfügung.

Für die Katze wird jedoch ihr Revier erst einmal unübersichtlicher und fremd, was die Katze verunsichert und sie möglicherweise dazu veranlasst, durch Harnmarken wieder etwas vertrauten Geruch in den eigenen Kosmos zu bringen. Hier kann es helfen, vertraute Möbelstücke und Textilien mitzunehmen und die Katzen ziemlich am Schluss umziehen zu lassen, wenn die Wohnung schon halbwegs eingerichtet und der Umzugsstress (viel Lärm, viele Leute…) verflogen ist. Katzentoiletten sollten nach dem Umzug an ähnlichen Stellen platziert werden, wie in der alten Wohnung.

Empfehlenswert ist außerdem, die Katzen ihr Revier nach und nach erkunden zu lassen. So sollte die Katze zuerst einige Zimmer erkunden dürfen und wenn sie sich in diesen normal verhält (nicht mehr geduckt läuft, normal frisst, spielt, schläft…) nach und nach mehr Raum erhalten. Freigang ist frühestens nach 4-6 Wochen zu empfehlen. Auch im Nachhinein kann es noch helfen, den Wohnraum zu reduzieren.

Andererseits können die Wege zur Katzentoilette in einer größeren Wohnung vor allem für Kitten und ältere oder behinderte Tiere plötzlich einfach zu weit sein, was sich ggf. durch weitere Katzentoiletten oder eine Umplatzierung der bestehenden Klos lösen lässt.

8) Es steht auf einmal weniger Platz zur Verfügung

Gerade im Mehrkatzenhaushalt kann es problematisch sein, wenn nach einem Umzug plötzlich weniger Platz zur Verfügung steht und es schwieriger wird, sich aus dem Weg zu gehen. Lässt sich ein Umzug in eine kleinere Wohnung nicht vermeiden, sollte versucht werden, den Katzen in dieser so viel Raum wie möglich zu gewähren. Eine Möglichkeit dafür wäre zum Beispiel der Ausbau der dritten Dimension mithilfe von Catwalks, Wandbettchen etc.. Je nach Fall kann auch ein Rückzugszimmer mit chipgesteuerter Katzenklappe für eine oder mehrere Katzen eine Lösung sein.

9) Die Katze möchte Freigang

Gerade bei Katzen mit unklarer Herkunft (z. B. Fundtiere/ausgesetzte Tiere aus dem Tierschutz) weiß man oft nicht, wie diese früher gelebt haben. Manche Tierschutzvereine vermitteln auch ausschließlich in Wohnungshaltung. Das ist aus Sicht des Tierschutzvereins und zur Sicherheit der Katze auch sinnvoll, jedoch gibt es auch Katzen, die für eine reine Wohnungshaltung einfach nicht gemacht sind und Freigang oder zumindest einen gesicherten Garten brauchen, um glücklich zu sein.

Kann man dies selbst nicht sicher bieten, ist es manchmal unumgänglich ein neues Zuhause für die Katze zu suchen, um die Unsauberkeit im besten Fall Vergangenheit werden zu lassen. 

10) Die Katze bekommt zu wenig Mahlzeiten am Tag/zu wenig Futter/anderes Futter

Spätestens seit der Snickers-Werbung wissen wir es alle. Hunger macht schlechte Laune, Stress, Frust und kann schon mal dazu führen, dass man zur Diva wird. Bei der Katze kann sich dies auch in Unsauberkeit äußern. Es ist daher nicht verkehrt, auch das bisherige Futtermanagement einmal genau unter die Lupe zu nehmen und zu sehen, was sich dort noch optimieren lässt.

Ist das Futtermanagement so gestaltet, dass alle Katzen stressfrei fressen können?

Sind vielleicht die Abstände zwischen den einzelnen Mahlzeiten zu lang (die Katze nimmt in freier Natur viele kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich, so dass Experten auch empfehlen, mindestens fünfmal täglich zu füttern)?
Ist die Katze eigentlich ein Häppchenesser, hat aber einen gefräßigen Mitbewohner, der ihr sofort den Napf leerfuttert?

Ist die Futtermenge zu gering? Fütterungsempfehlungen ob nun die auf der Dose oder beim Barfen sind immer nur Richtwerte, die für die einzelne Katze entsprechend angepasst werden müssen.

Ist der Napf vielleicht zu eng und die Katze leidet unter Whisker Stress?

Oder gibt es neues Futter, das die Katze nicht wirklich mag?

11) Die Katze ist nicht ausgelastet

Auch aufgestaute Energie, die die Katze nicht loswerden kann, kann zu Frust führen, der dann oftmals an den oder einer der Mitkatzen ausgelassen wird. Infolge kann es zu Unsauberkeit bei der betroffenen Katze selbst oder ggf.der Mitkatze kommen.

Um die Katze auszulasten und Wildpinkeln vorzubeugen, sollte zunächst ein geeigneter Katzenkumpel vorhanden sein, der ebenso aktiv ist und mit dem sich die Miez nach ihrer Fasson auspowern kann. Zudem ist es sinnvoll vor allem abends interaktiv mit den Katzen zu spielen und sie jagen zu lassen. Am besten eignen sich hier fassbare Spielzeuge. Wird mit Spielzeugen wie etwa dem Laserpointer oder dem Tablet gespielt, sollte die Spielstunde immer mit fassbarer Beute sprich Federangel, Bällchen etc. beendet werden. Neben der körperlichen Auslastung ist auch geistige Auslastung z. B. durch Clickern, Intelligenzspielzeug oder ähnliches von Bedeutung. Das Reichen ganzer Beutetiere wie Eintagsküken oder Futtermäusen kann ebenfalls dazu beitragen, dass gerade Wohnungskatzen ihr natürliches Jagdverhalten ausüben können.

12) Die Wohnung ist nicht katzengerecht eingerichtet

Für Wohnungskatzen ist die Wohnung/das Haus die ganze Welt und dieser Lebensraum sollte katzengerecht eingerichtet werden, um den arttypischen Bedürfnissen des felinen Mitbewohners soweit möglich gerecht zu werden. Hierzu stehen mittlerweile im Fachhandel nicht mehr nur „Ungetüme aus Plüsch“ zur Verfügung, sondern auch eine Vielzahl von Katzenmöbeln, die sich auch in die modern gestaltete Wohnung perfekt einfügen. Pinterest eignet sich hier z. B. prima als Inspirationsquelle. Konkret ist es in einer katzengerechten Wohnung wichtig, jedem Tier Rückzugsorte zu schaffen, an denen die Katze beobachten kann, ohne gesehen zu werden, es sollte ausreichend geeignete Kratzmöglichkeiten geben und gerne auch die Möglichkeit, die dritte Dimension zu nutzen, was sich z. B. über Catwalks usw. realisieren lässt.

13) Eine andere Katze im Haushalt ist erkrankt

Nicht nur eine Erkrankung der Katze selbst, sondern auch die Krankheit einer Mitkatze kann zu Unsauberkeit führen, wenn die betroffene Katze etwa durch verändertes Verhalten oder einen anderen Geruch der erkrankten Katze verunsichert wird. Daher lohnt es sich, auch weil man oft nicht sagen kann, wer pinkelt, auch die anderen Katzen genau zu beobachten bzw. tierärztlich durchchecken zu lassen.

14) Die Katze ist nicht oder nur unvollständig kastriert/ wurde zu spät kastriert

Ein häufiger Grund für Markieren ist, dass die Katze bzw. der Kater noch nicht kastriert ist oder möglicherweise auch nur unvollständig kastriert wurde, weil z. B. durch Kryptorchismus beim Kater ein Hoden im Bauchraum verblieben ist oder bei der Katze ein Ovarian-Remnant-Syndrom vorliegt. Besteht der Verdacht darauf, dass bei der Kastration vielleicht etwas schiefgelaufen ist (z. B. weil der Kater nach wie vor streng riecht oder die Katze Zeichen von Rolligkeit zeigt), kann eine Nach-OP helfen. Leider kommt es bei Katzen bzw. Katern, die vor der Kastration bereits markiert haben vor, dass sie dieses Verhalten auch nach der Kastration nicht mehr ablegen. Daher und auch aus diversen anderen Gründen am besten frühzeitig kastrieren lassen.

15) Die Katze entwickelt unabhängig von anderen Gründen eine Vorliebe für bestimmte Untergründe (z. B. Handtücher, Wäsche, gummierte Matten)

Manche Stoffe (ein Klassiker sind Badematten) üben auf Katzen eine magische Anziehungskraft aus, was das Bepinkeln angeht. Hier hilft es zur Vermeidung von Unsauberkeit bei der Katze am besten auf entsprechende Textilien zu verzichten und/oder zum Beispiel Handtücher und Kleidung nicht auf dem Boden herumliegen zu lassen (so manch Katze hat hier schon Erziehungsarbeit geleistet, bei der Lebensgefährten bzw. Eltern jahrelang gescheitert sind ;-) ).

Zum Weiterlesen: AAFP and ISFM Guidelines for Diagnosing and Solving House-Soiling Behavior in Cats. Journal of Feline Medicine and Surgery (2014)

territoriale Gründe für Unsauberkeit
Katze macht in die Wohnung

Unsauberkeit in a Nutshell

Wenn die Katze unsauber ist und überall in die Wohnung pinkelt, ist dies eine belastende Situation. Für den Menschen, aber insbesondere auch für die Katze.

Hier sind die wichtigsten Punkte noch einmal zusammengefasst.

1) Gesundheitliche Ursachen abklären lassen: Katzen sind Meister im Verbergen von Schmerzen und verbergen Erkrankungen und Schmerzen häufig. Statistisch gesehen haben 90 % aller Katzen ab 12 Jahren ein Problem mit Arthrose und bei den Zähnen ist jede 2. Katze ab 3 Jahren und unter 3 Jahren auch schon jede dritte Samtpfote betroffen.

Dazu kommen diverse andere mögliche Probleme, wie z. B. Magen-Darm-Beschwerden und natürlich Probleme mit den Harnwegen an sich. Der erste Schritt ist daher immer die Abklärung gesundheitlicher Ursachen!

2) Toilettensituation und Lebenssituation optimieren: Sehr viele Probleme mit Unsauberkeit sind dadurch bedingt, dass die Katzenklo-Situation im Haus nicht optimal ist. Hier gibt es immer Optimierungsbedarf.

3) Rechtzeitig Hilfe holen: Pinkelt die Katze in die Wohnung, ist dies eine belastende Situation und oft braucht es zum einen Detektivarbeit, um die Ursache zu finden und zum anderen ein gezieltes Vorgehen, um die Probleme zu beheben.

Professionelle Hilfe durch Tiermediziner*innen, die sich auf Verhaltenstherapie spezialisiert haben, erleichtert die Verbesserung der Situation. Diese findet ihr z. B. auf der Website der GTVMT. Es gibt auch sehr gute Katzentrainer*innen, die helfen können. Allerdings ist die Berufsbezeichnung nicht geschützt, so dass nicht jeder, der sich so nennt, auch zwangsläufig kompetent und qualifiziert sein muss.

Sollte die Katze noch nicht kastriert sein, sollte dies natürlich schnellstmöglich nachgeholt werden.

Absolute No-Gos bei Pinkelproblemen

  • Die Katze darf keinesfalls für ihr vermeintliches „Fehlverhalten“ bestraft werden, indem man sie zum Beispiel mit der Nase in ihre Hinterlassenschaften drückt, sie schlägt oder auf der Katzentoilette festhält. Dies zerstört die Beziehung zum Menschen, führt ggf. zu einer Aversion gegen die Katzentoilette und verbessert nichts an der Situation!

 

  • Keinesfalls darf der Katze das Wasser entzogen und/oder nur noch Trockenfutter gereicht werden, um die Wasseraufnahme und damit auch die Urinabgabe zu vermindern!

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