Katzenhaltung
Richtig mit Katzen spielen
„Mit Katzen spielen ist, wenn du 15 Minuten dem Ball nachjagst und deine Katze dir dabei interessiert zuschaut.“ Kennst du das? Du möchtest mit deiner Katze spielen, gibst alles, schwingst die Spielangel, rollst das Bällchen über den Boden und deine Katze sitzt da, schaut und macht… nichts. Frustrierend, oder?
Also versuchst du es noch einmal. Etwas schneller, etwas näher, etwas auffälliger. Du wirst ungeduldig. Vielleicht landet der Anhänger schließlich direkt vor ihren Pfoten oder sogar auf ihrem Kopf. Und trotzdem reagiert sie nicht groß. Vielleicht sieht sie sich deine Bemühungen eine Zeitlang an oder vielleicht geht sie auch einfach.
Oft wird dann angenommen, die Katze möchte einfach nicht spielen. Aber so ist es häufig nicht.
Denn es kommt nicht nur darauf an, dass du mit deiner Katze spielst, sondern es kommt auch und vor allem darauf an, wie du mit ihr spielst.

Sprich, das Spielangebot sollte zum einen für die Katze logisch und als solches verständlich sein und zum anderen aber auch individuell auf den jeweiligen Stubentiger und seine Persönlichkeit abgestimmt sein. Aber beginnen wir am Anfang.
Spielen ist für Katzen mehr als nur reine Beschäftigung
Wenn man an das Spielen mit Katzen denkt, denken viele zuerst an möglichst viel Action. Die Katze soll rennen, springen, dem Bällchen hinterherjagen und sich so richtig auspowern, damit sie danach müde und zufrieden ist und Ruhe gibt. Aus menschlicher Sicht verständlich, aus Katzensicht eher unbefriedigend. Schließlich sind Jagdspiele für die Katze so viel mehr als nur Action und speziell für reine Wohnungskatzen auch und vor allem eine Alternative zur Jagd auf echte Beutetiere.
Sprich, wie auch bei der Jagd geht es nicht nur um das Hinterherjagen und Fangen der Beute, sondern auch um die „Vorbereitung“. Es geht um Lauern, um Aufmerksamkeit, um Spannung, die sich aufbaut, und um die Auseinandersetzung mit einem Reiz. Die Katze hetzt der Maus nicht einfach nur stumpfsinnig hinterher, sondern sie entwickelt eine Strategie, wie sie ihrer Beute am besten habhaft werden kann. Und genau diese Elemente sind es, die sich auch im Spiel mit der Katze wiederfinden sollten, damit es für den Haustiger logisch und attraktiv wirkt.
Ein Blick aufs Jagdverhalten
Um zu verstehen, wie man mit Katzen richtig und für die Tiere logisch spielt, lohnt zunächst ein Blick auf das natürliche Jagdverhalten unserer Haustiger. Schließlich jagen Katzen, wie bereits angedeutet, nicht einfach impulsiv los, sondern folgen dabei einer mehr oder weniger festen Abfolge.
Vereinfacht lässt sich dieser Ablauf oft so beschreiben:
- Wahrnehmen und orten: Die Katze bemerkt einen Reiz und richtet ihre Aufmerksamkeit darauf.
- Beobachten und fixieren: Sie verfolgt die mögliche Beute genauer und schätzt Distanz, Bewegung und Situation ein.
- Annähern und pirschen: Die Katze bewegt sich kontrolliert, oft geduckt und mit hoher Körperspannung näher heran.
- Innehalten und vorbereiten: Kurz vor dem Zugriff stoppt sie häufig noch einmal, prüft Timing und Abstand und bereitet die Bewegung vor.
- Zugreifen und fangen: Es kommt zum Sprung, Pfotenschlag oder direkten Fangversuch.
- Kontrollieren und bearbeiten: Die Beute wird festgehalten, neu positioniert oder weiter bearbeitet.
- Töten und fressen: Wenn es sich um eine echte Jagd handelt, steht am Ende in der Regel das Erlegen und Verzehren der Beute.
Nicht immer kommen alle diese Elemente vor oder werden in der beschriebenen Reihenfolge gezeigt, sondern die Sequenzen können auch unvollständig oder nur in Teilen sichtbar sein. Das zeigt sich zum Beispiel auch dann, wenn eine Katze ein Wildtier als Beute lebend nach Hause bringt.
Wichtig zu wissen ist außerdem, dass in freier Natur nicht jeder Jagdversuch erfolgreich ist. Jagd besteht demnach nicht nur aus dem Fangen der Beute selbst, sondern auch aus vielen erfolglosen oder abgebrochenen Anläufen.
Bei einer Untersuchung mit tierkopfmontierten Kameras an frei lebenden Katzen in Australien war beispielsweise nur rund ein Drittel der beobachteten Jagdversuche erfolgreich (32 von 101 registrierten Jagdereignissen).1McGregor, H., Legge, S., Jones, M. E., & Johnson, C. N. (2015). Feral Cats Are Better Killers in Open Habitats, Revealed by Animal-Borne Video. PLOS ONE, 10(8), e0133915. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0133915
Für das Verständnis von Spiel ist das wichtig, weil es auch beim Spielen nicht nur um das Schnappen der Beute geht, sondern auch um die Phase davor.
In dieser nimmt der Haustiger die Umgebung genau wahr und lokalisiert mögliche Beute, wobei ihm seine ausgeprägten Sinne zugutekommen, und legt sich eine Strategie zurecht, bevor er einen Versuch startet. Dabei spielen nicht nur Sichtreize eine Rolle, auch feine Geräusche helfen, Beute überhaupt erst zu bemerken.
Die Strategien können dann je nach Situation ganz unterschiedlich sein. Vielleicht pirscht sich die Katze an die Beute heran und schlägt dann zu, vielleicht wartet sie auch mit großer Geduld vor einem Mauseloch auf den einen günstigen Moment, um der Beute habhaft zu werden.
Beobachtungsstudien deuten zudem darauf hin, dass männliche und weibliche Hauskatzen zum Teil unterschiedliche Jagdstrategien nutzen. So zeigte sich im Rahmen einer Untersuchung, dass männliche Tiere häufiger umherstreiften, bis sie Beute wahrnahmen, während weibliche Tiere öfter in einer Position verharrten, bis sich eine gute Gelegenheit zum Zugriff ergab. 2Macdonald D. W. und P. J. Apps (1978): The social behaviour of a group of semi-dependent farm cats, Felis catus: a progress report. Carinivore Genetics Newsletter 3: 256 - 269
Soweit so gut. Sehen wir uns an, wie wir aus dieser Abfolge aus Wahrnehmen, Anpirschen und Zugreifen einen stimmigen Spielablauf ableiten können. Wir konzentrieren uns hier vor allem auf Spiele mit der Katzenangel.
So kann ein stimmiger Spielablauf bei Katzen aussehen
Ein stimmiges Spiel für Katzen besteht in der Regel nicht aus 10-15 Minuten Daueraction, sondern folgt, angelehnt an die Jagd, eher einem Spannungsbogen.
Zunächst haben wir eine ruhigere Phase, in der die Katze entscheidet, ob sich ein Einstieg ins Spiel überhaupt lohnt. Eine Phase, die für den Menschen erstmal eher unspektakulär wirkt, aber für die Katze sehr wichtig ist. Und eine Phase, in der häufig fälschlicherweise das Urteil fällt, die Katze wolle doch überhaupt nicht spielen.
Steigt die Katze ins Spiel ein, folgt eine aktivere Phase, in der die Katze den Reiz verfolgt, zugreift oder kurze jagdnahe Sequenzen zeigt. Danach flacht das Spiel oft wieder ab und findet schließlich seinen Abschluss.
Bildlich kannst du dir das wie eine Glockenkurve vorstellen:

Den Spannungsbogen im Spiel praktisch nutzen
Wenn du diesen Spannungsbogen in seinen Grundzügen einmal verinnerlicht hast, kannst du daran gehen, die Spieleinheiten für deinen Stubentiger darauf basierend aufzubauen. Sehen wir uns das nochmal ein wenig detaillierter an.
Wichtig ist im gesamten Spielverlauf, dass du dir überlegst, wie sich potenzielle Beute verhalten würde und welches Beutetier du gerade imitieren willst. Schließlich bewegt sich eine Maus ganz anders als ein Vogel oder ein Insekt.
1) Ruhig beginnen
Am Anfang steht nicht die Bewegung, sondern es geht erst einmal darum, der Katze die Möglichkeit zu geben, den Reiz wahrzunehmen, die „Beute“ zu beobachten und eine Strategie zu entwickeln, wie sie dieser habhaft werden kann.
Überleg dir, wie sich eine Maus verhalten würde, die von deiner Katze erspäht wird. Würde sie ganz unbekümmert vor einer Katze herumhüpfen? Oder läuft sie eher an der Wand entlang, hält immer wieder inne und versteckt sich vielleicht hinter einem Kissen, unter einer Decke, in einem Karton oder hinter einem Stuhlbein? Eher letzteres vermutlich.
Die Maus rennt auch nicht einfach wild im Eiltempo von links nach rechts, sondern bewegt sich vermutlich eher langsam und vorsichtig.
Im Idealfall erlangst du so die Aufmerksamkeit deines Haustigers, der die Beute dann gespannt beobachtet. Dieses Beobachten und Lauern gehören zum Spiel und es ist wichtig, der Katze die Möglichkeit dazu zu geben.
2) Aktiver werden
Hat die Katze „angebissen“, darf das Spiel auch ein wenig dynamischer werden. Bleib aber trotzdem in der Rolle. In dieser Phase darf die Katze den Reiz durchaus fangen, festhalten und mit den Pfoten kontrollieren, ohne dass er ihr direkt wieder entzogen wird.
Ein Problem kann hier sein, dass das Spiel kippt. Wenn eine Katze die „Beute" nur noch festhält, knurrt, sich mit großen Augen hineinsteigert und gar nicht mehr aus der Situation kommt, ist kein sinnvoller Spielfluss mehr möglich. Dann geht es nicht mehr um ein wechselseitiges Spielgeschehen, sondern eher um Ressourcenverteidigung.
In so einem Moment ist es meist sinnvoller, die Situation ruhig zu beenden, statt weiter an der Angel zu ziehen und zusätzlichen Frust aufzubauen. Dabei geht höchstens die Angel kaputt, oder die Katze verbeißt sich und verletzt sich dabei.
Früher oder später verlieren die Samtpfoten oft selbst das Interesse, wenn die Angel nicht mehr festgehalten wird, manche lassen sich auch auf ein Tauschgeschäft ein. Wichtig ist dabei vor allem, dass sich die Katze nicht verletzen kann und am Anhänger keine Bestandteile zu finden sind, die sie versehentlich verschlucken könnte.
3) Ruhig ausklingen lassen
Wie unser Spannungsbogen endet auch das Spiel nicht abrupt, sondern läuft eher langsam aus. Die Beute bewegt sich vielleicht langsamer und weniger oder bleibt liegen, was der Katze die Möglichkeit gibt, langsam wieder aus der aktiven Spielphase herauszufinden. Auch hier kann man zum Abschluss mit einem kleinen Futterelement arbeiten, damit die Katze am Ende der Jagd auch etwas Handfestes verzehren kann.
Einige Katzen wollen einfach nicht spielen. Oder wollen sie vielleicht doch?
Springt die Katze auf Spielangebote nicht an, wird das schnell der Katze zugeschrieben. Sie sei eben nicht verspielt, zu alt, zu faul oder gerade nicht in Stimmung. Daran liegt es in der Regel nicht. Das Jagdverhalten ist evolutionär so tief in der Katze verwurzelt, dass es sich als eigenständiges motivationales System auch unabhängig von Hunger zeigen kann. 3Adamec, R.E. (1976). The interaction of hunger and preying in the domestic cat (Felis catus): An adaptive hierarchy? Behavioral Biology, 18(2), 263–272. https://doi.org/10.1016/S0091-6773(76)92166-0
Oft liegt es daran, dass auch der Mensch das für die Katze passende und logische Spiel mit der Angel erst lernen muss. Es hilft hier, wenn du dir ansiehst, wie sich einzelne Beutetiere bewegen.

Hierzu findest du z. B. auf YouTube verschiedene Videos. Das ist etwa interessant, wenn es um das Bewegungsmuster von Tieren geht, die man im Alltag nicht allzu häufig sieht, z. B. von Libellen. Zudem lohnt sich ein Blick auf folgende Faktoren, die die Lust auf Spielen beeinträchtigen können.
Zu lange Spieleinheiten oder zum falschen Zeitpunkt
Viele Menschen neigen dazu, eine längere Spielsession pro Tag einzuplanen. Meist abends vor dem Schlafengehen, damit die Haustiger müde sind und schlafen, statt die Nacht zum Tag zu machen. Erst einmal verständlich. Nun ist es aber so, dass Katzen in der Natur über den Tag verteilt viele kleine Mahlzeiten zu sich nehmen. 4Bradshaw, J.W.S. (2006). The evolutionary basis for the feeding behavior of domestic dogs (Canis familiaris) and cats (Felis catus). The Journal of Nutrition, 136(7 Suppl), 1927S–1931S. https://doi.org/10.1093/jn/136.7.1927S Diese einzelnen kleinen Beutetiere muss die Katze erst einmal jagen. Entsprechend sind mehrere kleine Einheiten über den Tag verteilt näher an der Natur der Katze.
Im Idealfall orientieren sich diese Einheiten auch noch am Aktivitätsmuster der Stubentiger. Häufig sind Katzen etwa in den Morgen- und Abendstunden aktiver als zur Mittagszeit. Diese Spielangebote müssen auch nicht immer aus klassischem Spiel mit der Katzenangel bestehen, sondern können z. B. auch Elemente aus dem Activity Feeding oder Medical Training umfassen.
Gleichzeitiges Spiel im Mehrkatzenhaushalt
In Mehrkatzenhaushalten liegt es nahe, mit allen Katzen gleichzeitig spielen zu wollen. Im Alltag funktioniert das aber oft nur begrenzt. Katzen gelten als fakultativ sozial: Sie können soziale Beziehungen zu Artgenossen eingehen, sind aber nicht in allen Lebensbereichen auf Kooperation angewiesen. Die eigentliche Jagd erfolgt deshalb meist allein, auch wenn sich Streifgebiete einzelner Katzen überschneiden können. 5Crowell-Davis, S. L., Curtis, T. M., & Knowles, R. J. (2004). Social organization in the cat: a modern understanding. Journal of Feline Medicine and Surgery, 6(1), 19–28. https://doi.org/10.1016/j.jfms.2003.09.013
Gerade weil Spiel viele jagdnahe Elemente aufgreift, kann ein gemeinsames Angebot schnell zu Konkurrenz führen: Eine Katze ist vielleicht sehr schnell, körperlich oder stark auf den Reiz fokussiert, während eine andere gar nicht richtig zum Zug kommt, auf Abstand bleibt oder sich zurückzieht. Oft ist es sinnvoller, Katzen nacheinander oder getrennt zu bespielen, damit jede in ihrem eigenen Tempo beobachten, lauern, zugreifen und wieder aus dem Spiel herausfinden kann.
Zu wenig Abwechslung
Wird jeden Tag gleich gespielt, wird es auch der Katze irgendwann langweilig. Daher sollte Spielzeug regelmäßig gewechselt werden (z. B. auch die Anhänger an den Angeln), da die Reize sonst mit der Zeit ihren Neuigkeitswert verlieren. 6Hall, S. L., Bradshaw, J. W. S., & Robinson, I. H. (2002). Object play in adult domestic cats: the role of habituation and disinhibition. Applied Animal Behaviour Science, 79(3), 263–271. https://doi.org/10.1016/S0168-1591(02)00153-3
Zudem kannst du dir auch eine Liste oder kleine Zettel mit Beutetieren schreiben, die du simulieren willst. So gehen dir die Ideen nicht aus und du kannst immer wieder variieren. Beutetiere glaubwürdig nachzuspielen darf man auch als Katzenpersonal tatsächlich ein bisschen üben. Hier hilft es oft, wenn man sich selbst bei den Spielsessions filmt, um im Nachhinein zu sehen, wo es vielleicht noch ein wenig Optimierungsbedarf gibt. Noch viele Ideen und Anregungen mehr findest du z. B. bei @happy_little_predators auf Instagram oder im Buch Spielstrategien für Stubentiger* von Christine Hauschild.
Persönlichkeit wird nicht mitgedacht
Nicht jede Katze spielt gleich. Manche sind schnell dabei, andere vorsichtiger. Manche mögen intensive Jagdspiele, andere eher kurze Sequenzen, Suchaufgaben oder eine ruhigere Form der Beschäftigung. Das allein ist noch kein Problem: Spielverhalten ist individuell und hängt unter anderem von Temperament, Erfahrung, Alter, Alltag und der bisherigen Geschichte der Katze ab.
Manche Katzen haben wenig Erfahrung mit interaktivem Spiel, andere sind schneller gelangweilt, wenn Reize immer gleich angeboten werden, wieder andere sprechen stärker auf futterbezogene oder suchorientierte Angebote an als auf klassische Spielangeln.
Auch körperliche Voraussetzungen spielen eine Rolle: Eine junge, bewegliche Katze spielt oft anders als eine ältere, eine Katze mit Übergewicht anders als eine sehr fitte, eine Katze mit Gelenkbeschwerden anders als eine körperlich unauffällige.
Weniger spektakuläres Spiel bedeutet deshalb nicht automatisch weniger Interesse.
Schmerzen, andere gesundheitliche Probleme und Stress
Trotz aller Unterschiede sollten Veränderungen ernst genommen werden. Spielt eine Katze deutlich weniger als früher, bewegt sie sich nicht mehr so wie gewohnt oder vermeidet sie bestimmte Bewegungen, kann mehr dahinterstecken, als nur fehlende Lust auf Spielen.
Katzen sind Meister im Verbergen von Schmerzen und zeigen gesundheitliche Probleme oft eher subtil. 7Evangelista, M.C. et al. (2019). Facial expressions of pain in cats: the development and validation of a Feline Grimace Scale. Scientific Reports, 9(1), 19128. https://doi.org/10.1038/s41598-019-55693-8 Vielleicht springt die Katze nicht mehr so gerne, vielleicht bewegt sie sich vorsichtiger oder ist allgemein nicht mehr so aktiv wie früher. Bei solchen Veränderungen ist eine zeitnahe tierärztliche Abklärung wichtig!
Daneben kann auch Stress der Samtpfote das Spielen verleiden, gerade im Mehrkatzenhaushalt. Manche Katzen spielen dann insgesamt weniger, andere nur noch in bestimmten Situationen oder nur, wenn andere Katzen gerade nicht in der Nähe sind. Auch hier lohnt ein genauerer Blick.
Fazit
Mit Katzen zu spielen heißt nicht nur, ein Spielzeug zu bewegen und auf eine sichtbare Reaktion zu warten. Spiel ist oft komplexer, stiller und strukturierter, als es im Alltag auf den ersten Blick wirkt. Gerade weil es viele jagdnahe Elemente aufgreifen kann, lohnt es sich, genauer auf Ablauf, Distanz, Timing und Eigeninitiative zu achten. Ein stimmiges Spielangebot muss nicht spektakulär aussehen, es muss für die Katze passen.
Spielt eine Katze nicht oder reagiert anders als erwartet, ist das nicht automatisch ein Zeichen von Faulheit oder mangelndem Interesse, sondern es ist an dir, genauer hinzuschauen und die Ursache zu finden.
Häufige Fragen und Antworten (FAQ)
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Warum will meine Katze nicht mit der Angel spielen? Oft liegt es nicht daran, dass die Katze grundsätzlich kein Interesse am Spiel hat. Das Jagdverhalten ist evolutionär tief verwurzelt, ein Grundinteresse an jagdnahen Reizen ist bei den meisten Katzen vorhanden. Häufiger liegt es daran, wie gespielt wird: zu schnell, zu direkt, ohne Pausen oder ohne der Katze die Möglichkeit zu geben, erst zu beobachten und sich eine Strategie zurechtzulegen.
Wie lange sollte eine Spieleinheit dauern? Es gibt dafür keine feste Regel. Viele Katzen kommen aber besser mit mehreren kurzen Einheiten über den Tag verteilt zurecht als mit einer einzigen langen Session, ähnlich wie sie in der Natur mehrmals täglich kleinere Beutetiere jagen würden.
Wie merke ich, dass meiner Katze ein Spielangebot gefällt? Nicht nur an wilden Sprüngen. Aufmerksames Beobachten, wiederholtes Einsteigen oder vorsichtiges Nachsetzen sind ebenfalls gute Zeichen. Entscheidend ist weniger, wie actionreich das Spiel aussieht, sondern ob die Katze im Ablauf bleibt und den Reiz immer wieder aufnimmt.
Kann ich mit mehreren Katzen gleichzeitig spielen? Das funktioniert im Alltag oft nur begrenzt. Katzen jagen von Natur aus meist allein, und gemeinsames Spiel kann schnell zu Konkurrenz führen. Meist ist es sinnvoller, die Katzen eines Mehrkatzenhaushalts nacheinander oder getrennt zu bespielen.
Was tue ich, wenn das Spiel kippt und die Katze zu knurren beginnt? Dann ist es meist sinnvoller, die Situation ruhig zu beenden, statt weiter an der Angel zu ziehen. Es geht in diesem Moment nicht mehr um wechselseitiges Spiel, sondern eher um Ressourcenverteidigung.
Warum spielt meine Katze plötzlich weniger als früher? Das kann an Alter, Erfahrung oder individuellem Temperament liegen, muss aber nicht automatisch harmlos sein. Spielt eine Katze deutlich weniger als früher oder vermeidet bestimmte Bewegungen, kann auch Schmerz, ein anderes gesundheitliches Problem oder Stress dahinterstecken, zum Beispiel im Mehrkatzenhaushalt. Eine zeitnahe tierärztliche Abklärung ist dann sinnvoll.
Spielt jede Katze gleich? Nein. Spielverhalten ist individuell und hängt unter anderem von Temperament, Erfahrung, Alter und Gesundheit ab. Manche Katzen spielen intensiv und körperlich, andere eher zurückhaltend und beobachtend. Weniger spektakuläres Spiel bedeutet nicht automatisch weniger Interesse.
Referenzen (u. a.)
Adamec, R.E. (1976) 'The interaction of hunger and preying in the domestic cat (Felis catus): an adaptive hierarchy?', Behavioral Biology, 18(2), pp. 263–272. Verfügbar unter: https://doi.org/10.1016/S0091-6773(76)92166-0
Bradshaw, J.W.S. (2006) 'The evolutionary basis for the feeding behavior of domestic dogs (Canis familiaris) and cats (Felis catus)', The Journal of Nutrition, 136(7 Suppl), pp. 1927S–1931S. Verfügbar unter: https://doi.org/10.1093/jn/136.7.1927S
Crowell-Davis, S.L., Curtis, T.M. and Knowles, R.J. (2004) 'Social organization in the cat: a modern understanding', Journal of Feline Medicine and Surgery, 6(1), pp. 19–28. Verfügbar unter: https://doi.org/10.1016/j.jfms.2003.09.013
Evangelista, M.C. et al. (2019) 'Facial expressions of pain in cats: the development and validation of a Feline Grimace Scale', Scientific Reports, 9(1), 19128. Verfügbar unter: https://doi.org/10.1038/s41598-019-55693-8
Hall, S.L., Bradshaw, J.W.S. and Robinson, I.H. (2002) 'Object play in adult domestic cats: the role of habituation and disinhibition', Applied Animal Behaviour Science, 79(3), pp. 263–271. Verfügbar unter: https://doi.org/10.1016/S0168-1591(02)00153-3
Macdonald D. W. und P. J. Apps (1978): The social behaviour of a group of semi-dependent farm cats, Felis catus: a progress report. Carinivore Genetics Newsletter 3: 256 - 269
McGregor, H., Legge, S., Jones, M.E. and Johnson, C.N. (2015) 'Feral cats are better killers in open habitats, revealed by animal-borne video', PLOS ONE, 10(8), e0133915. Verfügbar unter: https://doi.org/10.1371/journal.pone.0133915

