Studie: Kater und Katzen reagieren auf Kittenlaute unterschiedlich
Rufen Kitten, dann reagieren Kater und Kätzinnen unterschiedlich. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Medizinischen Hochschule (MHH) und der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) Hannover, die am 12.08.2016 im Open-Access-Journal „BMC Evolutionary Biology“ veröffentlicht wurde.
Ziel der Studie war es, herauszufinden, ob Katzen die emotionale Erregung von Katzenjungen anhand ihres Miauen erkennen können und ob die übliche Aufzucht durch die Mutter zu unterschiedlichem Verhalten bei Katern und Katzen führt. Man verglich männliche und weibliche Tiere und Kätzinnen mit und ohne Erfahrung in der Jungenaufzucht.
Nachdem das Forscherteam in einer vorangegangenen Untersuchung bereits herausgefunden hatte, dass sich Dauer und Tonhöhe der Kittenrufe mit der Dringlichkeit der Hilfsbedürftigkeit verändern, zeichneten sie die Rufe von 14 Kätzchen im Alter von 9 bis 11 Tagen in zwei unterschiedlichen Situationen auf. Einmal wurden die Katzenkinder lediglich für 3 Minuten räumlich von Mutter und Geschwistern getrennt (geringe Dringlichkeit), ein anderes Mal wurden sie für 3 Minuten auf den Boden gesetzt und auf den Rücken gedreht (hohe Dringlichkeit). Die Kitten standen in keiner Beziehung zu den Testkatzen.
Die Rufe der Kitten in diesen Situationen wurden in Folge 17 erwachsenen Katzen – 9 Kater, 8 Kätzinnen – im Alter von 1 bis 8 Jahren vorgespielt. Die Hälfte der weiblichen Tiere hatte vorher noch nie Nachwuchs aufgezogen.
Es zeigte sich, dass Weibchen – unabhängig etwaiger vorangegangener Erfahrungen - etwa 10 Prozent schneller auf Kittenlaute reagierten, die auf eine hohe Dringlichkeit hinwiesen. Kater zeigten in ihrer Reaktion keinen Unterschied, ganz gleich ob die Rufe dringlich erschienen oder nicht.
Diese Beobachtungen zeigen, dass Kätzinnen anders als Kater in der Lage sind, den emotionalen Gehalt von Kittenrufen zu beurteilen und entsprechend zu reagieren. Sie erkennen durch Wechsel der Stimmlage und Rufdauer, wie dringend ein Eingriff ihrerseits erforderlich ist. Es scheint sich hier um einen tief verwurzelten Geschlechtsunterschied zwischen Katern und Katzen zu handeln, der durch Erfahrung nicht beeinflusst wird.
Man nimmt an, dass Kittenrufe für Kater nicht dieselbe Relevanz besitzen, wie für Kätzinnen, was wiederum dazu führen könnte, dass Männlein und Weiblein das was sie hören unterschiedlich verarbeiten. So könnte sich das Hörsystem der Kätzin im Laufe der Zeit an die spezifischen Merkmale von Kittenlauten angepasst haben.
Jedoch müssen weitere Untersuchungen durchgeführt werden, um herauszufinden, inwiefern sich das Hörsystem von Kater und Katze unterscheidet. Auch gilt es noch herauszufinden, ob Katzen empfindlicher auf die Stimmen ihres eigenen Nachwuchses reagieren, als auf die Stimmen fremder Kitten.
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Neolithische Revolution führte auch in China zur Domestikation der Katze
Unsere Hauskatze hat ihre Wurzeln in Ägypten und im Nahen Osten, wo sich laut einer Studie aus dem Jahr 2004 etwa zwischen 9000 und 7000 vor Christus erste Beziehungen zwischen der Falbkatze (Felis silvestris lybica) und dem Menschen entwickelten. Es handelt sich um eine Zeit, die in der Fachsprache als neolithische Revolution bezeichnet wird, eine Zeit, in der die Menschen begannen sesshaft zu werden und Ackerbau und Viehzucht zu betreiben. Angelockt von den Nagern, die die Kornspeicher der damaligen Menschen als wertvolle Nahrungsquelle betrachteten, begannen die Katzen sich in der Nähe der Menschen heimisch zu fühlen. Und so wurde die Falbkatze zur Urahnin aller unserer heutigen Hauskatzen.
Nun wurden aber im Jahr 2001 von Forschern der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking im Norden des Landes (in der Provinz Shaanxi) Katzenknochen in einer jungsteinzeitlichen, landwirtschaftlichen Ansiedlung entdeckt, die etwa aus der Zeit um 3500 vor Christus stammten. Unklar war bisher, ob diese Überreste von chinesischen Kleinkatzen stammten, die sich dort unabhängig von den Vorgängen in Afrika dem Menschen anschlossen oder ob es sich um die ersten Hauskatzen handelte, die aus dem Nahen Osten nach China kamen. In China sind vier Kleinkatzenarten verbreitet, es gibt jedoch keinen Beleg dafür, dass die Falbkatze dort jemals heimisch gewesen wäre.
Um die Frage zu klären, ob es sich um Überreste von Falbkatzen handelte oder um die einer in China heimischen Kleinkatzenart, führte ein Forscherteam nun eine geometrisch-morphometrische Analyse durch. Dieses Analyseverfahren ist (wenn keine DNA mehr zur Verfügung steht) die einzige Möglichkeit, die Knochen von Kleinkatzen zu unterscheiden, die eine sehr ähnliche Morphologie aufweisen. Mithilfe konventioneller Techniken sind diese feinen Unterschiede oft nicht wahrnehmbar.
Untersucht wurden dabei die Unterkieferknochen von fünf Katzen aus Shaanxi und Henan, die aus der Zeit zwischen 3500 und 2900 v. Chr. stammten. Mit einem eindeutigen Ergebnis. Die Knochen konnten alle der Bengalkatze (Prionailurus bengalensis) zugeordnet werden, die auch heute noch in Ostasien weit verbreitet ist. Wie ihre „Schwester“ in Afrika wurde auch sie wohl von den Nagern angezogen, die sich in den Getreidespeichern der sesshaft gewordenen Menschen tummelten.
Nichtsdestotrotz ist die Bengalkatze nicht die Urahnin der heutigen chinesischen Hauskatzen. Auch diese stammen von der Falbkatze ab, die die Bengalkatze in den chinesischen Siedlungen nach Ende der Jungsteinzeit ablöste. Ob sie China mit Eröffnung der Seidenstraße erreichte oder auf anderem Weg? Das ist eine weitere Frage, die es zu lösen gilt.
Quelle: Cats domesticated in China earlier than 3000 BC
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Studie: Trockenfutter als Risikofaktor für Übergewicht bei einjährigen Katzen
Übergewicht und Adipositas bei Hauskatzen sind in vielen Ländern ein wesentliches Problem und stellen ein Risiko für verschiedene Erkrankungen dar. Am bekanntesten ist hier Diabetes mellitus (Typ 2), aber auch Erkrankungen des Harntrakts, der Atemwege und degenerative Gelenkerkrankungen können neben anderen gesundheitlichen Problemen mit Übergewicht oder Adipositas in Verbindung stehen.
Im Rahmen einer groß angelegten Studie wurden im Vereinigten Königreich wurden nun Risikofaktoren für felines Übergewicht oder Adipositas bei Katzen im Alter von etwa einem Jahr ermittelt. Man schätzt, dass in Großbritannien aktuell 39 bis 52 % aller Katzen übergewichtig oder adipös sind. Als übergewichtig gelten hierbei Katzen, deren Gewicht 10 bis 19 % über ihrem individuellen Idealgewicht liegt und als adipös all jene Tiere, die ein Gewicht von 20 % oder mehr über dem Idealgewicht auf die Waage bringen.
Diverse Risikofaktoren für Übergewicht/Adipositas bei Katzen
Verschiedene Faktoren aus vorangegangenen Studien brachten verschiedene Faktoren zu Tage, die mit dem Risiko übergewichtig oder adipös zu werden, in Verbindung stehen können.
Genannt wurden hier z. B.:
• Männliches Geschlecht
• Kastration
• Mix/Keine Rassekatze
• Wohnungshaltung
• Inaktivität
• Mittleres Alter
• Ad-libitum-Fütterung
• Einzelhaltung
• Zweikatzenhaushalt
• Leben in ländlicher/halbländlicher Umgebung
• Unterschätzung des Halters hinsichtlich des körperlichen Zustands der Katze
• Enges Verhältnis zwischen Katze und Halter
Eine vorangegangene kleinere Studie zeigte zudem, dass eine höherprozentige Veränderung des Körpergewichts im Alter von 3 bis 12 Monaten (jenseits des normalen im Rahmen des Wachstums) sowie männliches Geschlecht das Risiko einer Katze, als erwachsenes Individuum übergewichtig zu werden wesentlich erhöht.
Das wurde in der aktuellen Studie untersucht
Im Rahmen der „Bristol Cats“-Studie ((Rowe E, Browne W. Risk factors identified for owner-reported feline obesity at around one year of age: Dry diet and indoor lifestyle. Prev Vet Med 2015;121:273-81.)), die wir uns hier ein wenig genauer ansehen, wurden Katzenbesitzer (min. 18 Jahre alt) mit Kitten im Alter von 2 bis 4 Monaten befragt. Insgesamt wurden dabei die Daten von 2189 Katzen im Zeitraum von 2010 bis 2013 gesammelt. Es gab drei Fragebögen. Fragebogen 1 war zu Anfang zu beantworten, Fragebogen 2, als die Katzen 6,5 bis 7 Monate alt waren und Fragebogen 3 schließlich im Alter von 12,5 bis 13 Monaten. Der letzte Fragebogen beinhaltete ein 5-punktiges BCS-System mit Bildern und Beschreibungen zu jedem Body Condition Score auf der Skala. (Anm. d. Red.: Es gibt auch einen BCS mit 9 Punkten, hier wurde mit dem mit 5 Punkten gearbeitet). Die Besitzer mussten hier den entsprechenden BCS für ihre Katze auswählen, wobei ein BCS von 4-5 auf übergewichtige/adipöse Tiere hinwies und ein BCS von 1-3 auf nicht-übergewichtige Tiere. Die so gewonnenen Daten wurden analysiert, wobei im Endeffekt für die multivariable Analyse nur 768 Katzendaten in Frage kamen, da in den anderen notwendige Angaben fehlten. Von diesen Katzen waren nur 52 (6,8 %) übergewichtig/adipös. Die geringe Zahl lässt sich möglicherweise dadurch erklären, dass die Besitzer den BCS selbst bestimmten und dass Besitzer, die an einer solchen Studie teilnehmen, möglicherweise mehr auf den BCS achten, als andere Katzenhalter.
Die Ernährungsdaten sprechen eine deutliche Sprache
Im letzten Fragebogen ergab die univariable Analyse, dass es bei der Wahrscheinlichkeit, ob eine junge erwachsene Katze übergewichtig oder adipös wird, einen deutlichen Unterschied gab, was die Art der Fütterung anging. So lag die Wahrscheinlichkeit bei Katzen, die rein mit Trockenfutter gefüttert wurden, deutlich höher, als bei denen, die eine Kombination aus Nass- und Trockennahrung erhielten, nur Nassfutter erhielten oder „frisch“ (also Fleisch und/oder Fisch roh oder gekocht) gefüttert wurden.
In der multivariablen Analyse wurden
• Rasse,
• Fortpflanzungsstatus (kastriert/unkastriert),
• Freigang/Wohnungshaltung,
• Häufigkeit, wie oft Nassfuttermahlzeiten gefüttert wurden,
• Häufigkeit, wie oft Trockenfutter gereicht wurde,
• Häufigkeit, wie oft Leckerlies gegeben wurden,
und das genaue Alter beim Ausfüllen des Fragebogens berücksichtigt.
Es stellte sich heraus, dass kein oder nur eingeschränkter Freigang und Trockenfutter unabhängig voneinander mit einem erhöhten Risiko für Übergewicht/Adipositas im Alter von 12,5 bis 13 Monaten in Verbindung stehen. [pullquote]Die Studie ergab, reine Trockenfutterfütterung und Wohnungshaltung standen unabhängig voneinander in Verbindung mit der Entwicklung von Übergewicht/Adipositas. [/pullquote]Im Rahmen eines zweiten Modells wurden die Angaben im Fragebogen 2 analysiert. Hier fielen die Ergebnisse nicht so deutlich aus, jedoch ist auch hier eine Tendenz hinsichtlich dieser beiden Faktoren sichtbar. Alle anderen Variablen wurden als nicht wesentlich erachtet. Alles in allem zeigte sich, dass die frühe Lebensumgebung und Ernährung hinsichtlich des Risikos in jungem Alter Übergewicht/Adipositas zu entwickeln von Bedeutung sind.
Empfehlungen auf Basis der Ergebnisse
Basierend auf den Ergebnissen dieser Studie empfehlen die Forscher speziell bei Wohnungskatzen ein besonderes Augenmerk auf die Ernährung und auf geeignetes Environmental Enrichment oder sofern möglich gesicherten Freigang zu legen, um die Tiere zu Bewegung anzuregen, Langeweile zu vermeiden und „Futtern aus Langeweile“ zu reduzieren. Ungesicherten Freigang empfehlen die Forscher aufgrund der erhöhten Gefahren für Leib und Leben im Vergleich zur Wohnungshaltung nicht zwangsläufig.
Trockenfutter enthält etwa viermal so viele Kalorien wie Nassfutter, so dass schon eine kleine „Übermenge“ die Kalorienaufnahme deutlich erhöhen kann. Auch die Angaben auf den Trockenfutterverpackungen suggerieren häufig eine höhere Futtermenge, als eigentlich für das Alter, den Fortpflanzungsstatus und den Aktivitätsgrad der Katze geeignet ist. Auch geben viele Katzenhalter zu viel Trockenfutter als angegeben, weil die Mengen optisch als zu gering erscheinen. Andere Studien weisen daraufhin, dass Katzen, die bei Trockenfutterfütterung übergewichtig/adipös werden, häufiger so genannte Prescription Diets und weniger häufig „normales“ Trockenfutter aus dem Supermarkt zu fressen bekommen. Diese weisen häufig eine höhere Energiedichte auf und sind schmackhafter, was sich dann wiederum in einer höheren Kalorienaufnahme widerspiegelt. Es wird empfohlen das Futter abzuwiegen, um sicherzustellen, dass die Katze nicht überfüttert wird und in jedem Fall den BCS ihres Tieres im Auge zu behalten.
Es wurde in der aktuellen Studie nicht ermittelt, ob das Futter durchgehend zur Verfügung stand oder in festen Mahlzeiten gereicht wurde. Die univariable Analyse zeigte jedoch, dass Katzen, die zwei bis drei Nassfuttermahlzeiten am Tag erhielten, weniger wahrscheinlich Übergewicht/Adipositas entwickelten. Nach Meinung der Forscher kann eine reine Nassfütterung aufgrund des hohen Wassergehalts und der im Vergleich geringeren Energiedichte vor der Entwicklung von Übergewicht/Adipositas bei jungen, erwachsenen Katzen schützen.
Die Haustiger-Redaktion empfiehlt aus diversen Gründen den Verzicht auf Trockenfutter, die Gabe einer hochwertigen Nassnahrung oder nach entsprechender Einarbeitung die Umstellung auf Rohfutter (B.A.R.F.). Dazu grundsätzlich mindestens einen Katzenkumpel und artgerechte Beschäftigung, speziell für Katzen in Wohnungshaltung. Auch die Nahrungsaufnahme lässt sich mithilfe von ein wenig Erlebnisgastronomie im Katzenhaushalt spannender gestalten.
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Der Geschmack einer Speise ist ein wesentliches Element bei der Beurteilung, ob eine Nahrung genießbar ist oder nicht. Er spielt daher eine wesentliche Rolle beim Schutz der Katze vor schädlichen Einflüssen. Während „umami“ zum Beispiel dazu dient, Futter auszuwählen, das reich an Aminosäuren ist, ist das Erkennen von Bitterem in der Regel dazu gedacht, Giftstoffe zu vermeiden, wie man sie primär in diversen Pflanzen oder unreifen Früchten findet.
An sich geht man davon aus, dass Säugetiere im Großen und Ganzen ähnliche Fähigkeiten besitzen, was die Wahrnehmung der fünf primären Geschmacksrichtungen angeht. Es gibt jedoch zum einen Unterschiede in der Wahrnehmung der einzelnen Stoffe zwischen den Spezies, zum anderen aber auch zwischen einzelnen Individuen (bei Mensch wie Tier). Das kann zum Beispiel an unterschiedlichen Aminosäurezusammensetzungen innerhalb der Rezeptoren liegen. Vermittelt wird die Wahrnehmung von „bitter“ durch Tas2R.
Ein anderer ganz wesentlicher Punkt sind die Ernährungsgewohnheiten und die Lebensumgebung. So kommt es zum Beispiel vor, dass funktionstüchtige Rezeptoren im Laufe der Evolution verlorengehen. Bei der Katze ist das in bemerkenswerter Weise das Tas1r2, Bestandteil des Rezeptors für „süß“, das zu einem nicht mehr funktionsfähigen Pseudogen verkommen ist, also zu einem DNA-Abschnitt, der zwar wie ein Gen aufgebaut ist, aber nicht mehr als Vorlage für ein funktionelles Protein dienen kann. Der Grund dafür ist nachvollziehbar. Katzen benötigen Zucker aus Pflanzen nicht zur Energiegewinnung, diese kommen in der natürlichen Ernährung der Katze nicht vor, also besteht auch kein Bedarf, sie erkennen zu können. Ganz einfach.
Jetzt haben wir aber besagte Bitterstoffe ebenfalls vorwiegend in Pflanzen, die wie wir ja wissen, von einem obligaten Karnivoren wie der Katze wenig bis nicht konsumiert werden. Welchen Sinn hat es nun, „bitter“ zu behalten und „süß“ abzuschaffen bzw. kann die Katze überhaupt bitter schmecken? Diesen Fragen sind die Forscher des Monell Chemical Senses Center in Philadelphia nachgegangen.
Studien, die sich damit beschäftigen, ob und in welchem Maße Katzen bitter schmecken können, gab es im Vorfeld nur wenige. Hier zeigte sich u. a. eine Reaktion auf Chinin. In der aktuellen Studie stellte sich nun heraus, dass die Geschmacksrezeptoren der Katze auf Bitterstoffe reagieren, die auch menschliche Bitterrezeptoren aktivieren. So reagierte der Tas2r2 Rezeptor zum Beispiel auf Denatonium, eine bittere Substanz, die zum Beispiel Putzmitteln zugegeben wird, um ein versehentliches Verschlucken durch Kleinkinder zu verhindern. Insgesamt ergaben sich mindestens 7 unterschiedliche Bitterrezeptoren mit unterschiedlichen Wahrnehmungsbereichen, die viele Ähnlichkeiten, aber auch Unterschiede zu denen des Menschen aufwiesen. Getestet wurde das Ganze in zellbasierten Untersuchungen.
Es bleibt die Frage, warum die Katze bitter schmecken kann. Hierzu werden in den zu Rate gezogenen Veröffentlichungen drei mögliche Gründe genannt:
1) Katzen nehmen trotz allem auch Pflanzliches auf
Im Magen wildlebender Hauskatzen und Hybriden fand sich auch pflanzliches Material. Dieses kann durch die direkte Aufnahme oder über Pflanzliches im Verdauungstrakt der verzehrten Beutetiere dorthin gelangt sein. Jedoch sind von Beutetieren verzehrte Pflanzen nicht unbedingt bitter und giftig. Dazu kommt, dass die Häufigkeit, wie oft Pflanzliches aufgenommen wird, unklar ist und in jedem Fall einen geringen Teil ausmacht.
2) Auch Beutetiere enthalten bittere Stoffe
Über tierisches Gewebe von Beutetieren und über die Galle dieser kann die Katze ebenfalls mit Bitterem in Kontakt kommen. Einige potenziell von der Katze erbeutete Tiere sondern auch giftige bzw. sehr unangenehm schmeckende Sekrete ab (manche Säugetiere, Gliederfüßler, Amphibien und Reptilien). Die Fähigkeit bitter schmecken zu können, verhindert eventuell, dass diese Tiere verzehrt und die toxischen Komponenten somit aufgenommen werden.
3) Bitterrezeptoren befinden sich nicht nur im Maul.
Vom Menschen ist bekannt, dass sich auch im Herzen und in der Lunge Bitterrezeptoren befinden und in den Atemwegen dazu dienen, schädliche Komponenten zu erkennen (z. B. pathogene Bakterien). Man nimmt an, dass sie ein Grund dafür sind, warum auch bei Spezies die Funktionalität der Bitterrezeptoren aufrechterhalten wird, die anderweitig womöglich keine andere Verwendung dafür haben.
Die mäkelnde Katze und die Bitterstoffe
Kommerzielles Katzenfutter kann (z. B. durch Maillard-Reaktionen) ebenso wie Medikamente bittere Komponenten enthalten, die zumindest einige Katzen abstoßend finden und die die „Mäkelei“ mancher Katzen erklären könnten. Die Geschmacksrezeptoren für „bitter“ erkennen zudem auch bakterielle Abbauprodukte und können helfen, verdorbene Nahrung zu erkennen.
Einige der Geschmacksrezeptoren der Katze reagieren zudem sehr stark auf bestimmte bittere Komponenten, mitunter noch stärker als Mensch oder Hund oder sind in der Lage mehr bittere Komponenten zu erkennen als diese. Ein Futtermittel, das für Mensch und Hund mehr oder weniger fad schmeckt, kann für die Katze unangenehm sein.
Referenzen
Michelle M Sandau et al. A functional comparison of the domestic cat bitter receptors Tas2r38 and Tas2r43 with their human orthologs, BMC Neuroscience (2015). DOI: 10.1186/s12868-015-0170-6
Robert J. Lee et al. Bitter and sweet taste receptors regulate human upper respiratory innate immunity, Journal of Clinical Investigation (2014). DOI: 10.1172/JCI72094
Weiwei Lei et al. Functional Analyses of Bitter Taste Receptors in Domestic Cats (Felis catus), PLOS ONE (2015). DOI: 10.1371/journal.pone.0139670
Xia Li et al. Pseudogenization of a Sweet-Receptor Gene Accounts for Cats' Indifference toward Sugar, PLoS Genetics (2005). DOI: 10.1371/journal.pgen.0010003
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Studie: Die Verbindung zwischen Fellfarbe und aggressivem Verhalten der Hauskatze
Die Fellfarbe soll Aufschluss darüber geben, wie aggressiv eine Katze sei. Und ausgerechnet die Dreifarbigen sollen am angriffslustigsten sein. So die Meldung in diversen englischsprachigen Medien. Wir haben uns die Originalstudie The Relationship Between Coat Color and Aggressive Behaviors in the Domestic Cat angesehen, da wir wissen wollten, was denn da wirklich untersucht wurde und wie aussagekräftig das alles ist. Die gewonnenen Erkenntnisse möchten wir gerne mit euch teilen.
Dreifarbige Katzen sollen besonders aggressiv sein.
Warum wurde diese Studie überhaupt durchgeführt?
Dass die Fellfarbe mit bestimmten Eigenschaften in Verbindung gebracht wird, ist nichts Neues. Dazu wurde auch schon geforscht und es stellte sich heraus, dass es bei verschiedenen Hunderassen, Silberfüchsen, Nerzen und Wanderratten eine Verbindung zwischen sozialem oder aggressivem Verhalten und der Färbung des Fells zu geben scheint.
Zur Katze gibt es zu diesem Thema bisher nur wenige wissenschaftliche Arbeiten. Neben der aktuellen gibt es eine aus dem Jahr 2011, in der jedoch keine Verbindung zwischen Fellfarbe und Verhalten nachgewiesen werden konnte. ((Dantas-Divers, L. M. S. (2011). Questions about coat color and aggression in cats (author response). Journal oft he American Veterinary Medical Association, 239, 1288-1289)) ((Dantas-Divers, L. M. S., Crowell-Davis, S. L., Alford, K., Genaro, G., D’Almeida, J. M., & Paixao, R. L. (2011). Agonistic behaviour and environmental enrichment of cats communally housed in a shelter. Journal oft he American Veterinary Medical Association, 239, 796-801.)) Was es gibt sind Annahmen/Vorurteile bestimmte Fellfarben betreffend. So sollen Glückskatzen ein bisschen „verrückt“ sein (Anm. d. Red.: Ähm nun ja, was soll ich sagen... * hust * ), rote Katzen eher freundliche, lebenslustige Gesellen sein, während man den Schwarzen zumindest im englischsprachigen Raum nachsagt, dass sie eher wild und unberechenbar wären. Und bei den „Torties“ hat sich für ihr stures, unabhängiges und unverhersehbares Verhalten im Englischen sogar ein eigener Begriff etabliert: „Tortitude“.
Diese (erworbene) Wahrnehmung trägt möglicherweise dazu bei, dass Katzen mit bestimmten Fellfarben – wenn es beispielsweise um die Adoption von Tierheimtieren geht – häufiger übersehen werden. Nachgewiesen ist, dass speziell schwarze Katzen tendenziell länger warten müssen, bis sie ein Zuhause gefunden haben. ((Lepper, M. K., Kass, P. H., & Hart, L. A. (2002). Prediction of adoption versus euthanasia among dogs and cats in a California animal shelter. Journal of Applied Animal welfare Science, 5, 29 – 42)) ((Kogan, L. R., Schoenfeld-Tacher, R., & Hellyer, P. W. (2013). Cats in animal shelters: Exploring the common perception that black cats take longer to adopt. Open Veterinary Science Journal, 7, 18 – 22)) Unklar ist jedoch, ob hier nur ästhetische Gründe zugrundeliegen oder eben auch die oben beschriebene Wahrnehmung.
Im Rahmen der vorliegenden Studie wurde nun untersucht, ob eine Beziehung zwischen der Fellfarbe und aggressivem Verhalten besteht.
Wie wurde dies in der vorliegenden Studie untersucht?
Grundlage dieser Studie war eine etwa 20-minütige Umfrage über Survey Monkey, die über verschiedene Kanäle (u. a. Facebook) beworben wurde. Man konnte 4 Monate lang an der Umfrage teilnehmen.
Die Teilnehmer konnten dabei mithilfe verschiedener Skalen das Verhalten ihrer Tiere in verschiedenen Situationen bewerten und beurteilen und wie häufig und in welchen Situationen ihre Katzen welches aggressive Verhaltensmuster zeigen. Katzen unter einem Jahr wurden ebenso wenig berücksichtigt wie Katzen, die ausschließlich draußen leben.
Als Fellfarben konnten die Teilnehmer zwischen schwarz, schwarz-weiß, grau, grau-weiß, tabby, „Katzen mit Rot und Schwarz“ (Calicos, Torties, Torbies), Points und „Anderen“ wählen.
Insgesamt kamen so 1274 auswertbare Fragebögen zustande. Die meisten Teilnehmer waren Frauen (1126 Frauen/130 Männer), bei den Katzen war die Verteilung ausgewogener. 657 Kater standen hier 617 Katzen gegenüber.
Zu welchem Ergebnis kam die Studie?
Zunächst einmal zeigte sich, dass die Scores hinsichtlich aggressiven Verhaltens bei allen Katzen sehr niedrig ausfielen und dass die Unterschiede zwischen den einzelnen Fellfarben gering waren.
Die Katzen mit rot und schwarz im Fell führten hier bei den Kätzinnen die Liste an, während bei den Katern, die schwarz-weißen Exemplare leicht die Nase vorn hatten. Beim Handling (bewertet wurden Bestrafung, „Liebkosen“ und Bürsten) führten die Calicos, Torties und Torbies, die „Tiger“ (braun, grau, schwarz) und die grau-weißen, während in Bezug auf die Tierarztbesuche keine Fellfarbe besonders hervorstach.
Alles in allem scheinen Kätzinnen etwas „biestiger“ zu sein, als Kater.
Wie aussagekräftig ist die Studie?
Die Aussagekraft der Studie ist durch verschiedene Faktoren eingeschränkt. So sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Fellfarben sehr gering und die Bewertung erfolgte subjektiv durch die Halter. Es gibt keine objektiven Beobachtungen der Katzen oder auch der Teilnehmer an sich. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass sich die Unterschiede durch unterschiedliche Interpretation von Verhaltensweisen durch die Halter ergeben.
Die Umfrage wurde nicht bei einer zufälligen Auswahl Katzenhalter durchgeführt, sondern bei Menschen, die leicht über die jeweiligen Kanäle zu erreichen waren und daher vermutlich sehr interessiert an Katzen im Allgemeinen und ihren Katzen im Speziellen sind.
Dazu kommt, dass einige Katzen nur recht schwach vertreten waren. So gab es zum Beispiel wenig rote und weiße Kätzinnen und allgemein wenige ganz graue Katzen. Darüber hinaus können natürlich auch Rasse, Kastration, heimisches Umfeld und andere Faktoren zur Entwicklung von aggressivem Verhalten beitragen, die im Rahmen der Umfrage nicht ermittelt werden konnten.
Um die Beobachtungen zu stützen oder auch zu widerlegen, sind – aufgrund genannter Einschränkungen - nach Meinung der beteiligten Forscher weiterführende Untersuchungen nötig.
Fazit: Den medialen "Hype" um die Studie kann ich nicht wirklich nachvollziehen.
Alles in allem lagen die durchschnittlichen Werte
beim Alltäglichen Umgang auf einer Skala von 0 - 20 bei 1,8.
beim Handling auf einer Skala von 0-27 bei 3,4.
bei Tierarzt auf einer Skala von 0 - 9 bei 1,7.
Also schon einmal von sich aus sehr geringe Werte. Dazu kommt, was bewertet wurde. Fauchen beim Tierarzt zum Beispiel. Hat meine Katze Schmerzen oder fühlt sich anderweitig unwohl beim Tierarzt = aggressives Verhalten in der Bewertung. Fasse ich der Katze an den Bauch, und "fange" mir eine = aggressives Verhalten in der Bewertung.Für mich persönlich hat das mehr etwas von freier Meinungsäußerung. ;-)
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