Katzen päppeln – wenn die Katze zunehmen muss

Gesundheit

Katzen päppeln - wenn die Katze zunehmen muss

Gewichtsverlust bei Katzen beginnt oft unauffällig. Die Katze frisst ein wenig schlechter, wirkt ruhiger oder ihr Fell verliert an Glanz  und erst nach einiger Zeit merkt man, wie viel sie wirklich abgenommen hat.

Die möglichen Ursachen sind vielfältig: Erkrankungen oder Parasiten wie Giardien und Würmer, Zahnprobleme, aber auch besondere Lebenssituationen wie Trächtigkeit, Kittenaufzucht oder sogar Käfigruhe können ursächlich sein. Oder es handelt sich um Katzen, die zuvor unter schlechten Bedingungen leben mussten und bereits abgemagert aufgefunden werden, sodass Päppeln notwendig wird.

Bei der Wahl des passenden Ansatzes kommt es hier ein wenig darauf an, ob die Katze eigentlich gut frisst aber trotzdem an Gewicht zulegen muss oder ob sie das Futter ganz oder teilweise verweigert. Für beide Szenarien findest du im Folgenden verschiedene Ansätze.

Wenn du mehr Orientierung brauchst, findest du im nächsten Abschnitt zunächst einige Grundlagen, wie du Untergewicht bei Katzen erkennst und wann und wie schnell tierärztliche Abklärung notwendig ist. Falls du eine schnelle Hilfestellung brauchst, kannst du hier aber auch direkt zu den Päppeltricks für Katzen springen.

dünne, kränklich wirkende Katze sitzt im Freien im Schatten, mit struppigem Fell und sichtbarem Untergewicht

Eine stark abgemagerte Katze – ein Beispiel dafür, wann dringend Unterstützung beim Fressen und Zunehmen nötig ist.

Untergewicht bei Katzen erkennen…

Bevor wir einschätzen können, welche Maßnahmen sinnvoll sind, lohnt es sich genauer hinzusehen, ob deine Katze tatsächlich untergewichtig ist. Das ist im Alltag gar nicht so einfach. Viele Katzen nehmen über Wochen oder Monate langsam ab, sodass es zunächst kaum auffällt. Andersherum werden normalgewichtige oder schlanke Katzen manchmal für untergewichtig gehalten, obwohl sie es nicht sind, einfach weil heute so viele Katzen übergewichtig sind, dass ein etwas pummeligerer Körperbau als normal angesehen wird. Zudem übersieht man speziell eine schleichende Gewichtsabnahme schnell, weil man die eigene Katze jeden Tag sieht und kleine Veränderungen so leicht übersehen werden.

Eine gute Orientierung bieten hier der Body Condition Score (BCS) und der Muscle Condition Score (MCS). Vom BCS existieren zwei gebräuchliche Systeme (1–5 und 1–9), die aber beide nach dem gleichen Prinzip funktionieren: Niedrige Werte zeigen Untergewicht an, mittlere Normalgewicht und höhere Werte Übergewicht. Beim MCS wird der Zustand der Muskulatur unabhängig vom Körperfett bewertet. Den Muscle Condition Score neben dem Body Condition Score zu bewerten, ist wichtig, da gerade ältere oder chronisch kranke Katzen häufig zuerst Muskulatur verlieren.

Typische Anzeichen für Untergewicht können sein:

  • Die Rippen und bei sehr untergewichtigen Tieren auch Beckenknochen und Rückenwirbel sind (deutlich sichtbar)
  • Schmale Taille
  • Verlust von Muskelmasse
  • Kein bis kaum Bauchfett
  • Die Bauchlinie ist sehr stark bis deutlich eingezogen.

Falls du dir unter der Beschreibung nur wenig vorstellen kannst: In dieser übersichtlichen Darstellung zum Body Condition Score und Muscle Condition Score bei Katzen findest du beide Systeme mit Bildern und Beispielen erläutert.1Dechra Veterinary Products Deutschland GmbH (o. J.) Beurteilung des Ernährungszustandes einer Katze: Body Condition Score (BCS) & Muscle Condition Score (MCS). Verfügbar unter: https://tierhalter.dechra.de/Files/Images/Countries/DE_Petowner_concept/Pri_Katze_Zustand.pdf
(Abgerufen am: 23. November 2025).

Speziell bei Langhaarkatzen ist der optische Eindruck oft wenig zuverlässig, da das Fell Unebenheiten verdeckt. Hier ist vorsichtiges Abtasten wesentlich aussagekräftiger als der Blick auf die Silhouette.

Regelmäßig wiegen lässt Veränderungen rechtzeitig erkennen

Weil man die eigene Katze täglich sieht, übersieht man subtile Veränderungen schnell. Regelmäßiges Wiegen hilft, Gewichtsverlust (oder auch Gewichtszunahme) früh zu erkennen. Bei gesunden erwachsenen Katzen ist hier in der Regel ein monatlicher Check ausreichend, während Kitten, ältere Katzen und Tiere mit chronischen Erkrankungen häufiger kontrolliert werden sollten. Am besten erstellst du dir hier eine Gewichtskurve.

Du bist dir unsicher, ob deine Katze zu dünn ist oder Muskulatur verliert? In deiner Tierarztpraxis kann man dir bei der Einschätzung helfen.

Um bei Tierarztpraxis zu bleiben: Im nächsten Schritt beschäftigen wir uns damit, wann eine tierärztliche Untersuchung sinnvoll oder notwendig ist.

Wann tierärztliche Abklärung notwendig ist…

Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, regelmäßiges Mäkeln oder völlige Futterverweigerung gehören bei Katzen immer zeitnah tierärztlich abgeklärt. Katzen zeigen Krankheitszeichen häufig erst spät, und viele Ursachen lassen sich nur durch tierärztliche Untersuchung und ggf. weiterführende Diagnostik (z. B. Blutuntersuchung, bildgebende Verfahren) erkennen. Päppeln allein reicht dann nicht aus.

Bevor du mit Päppelmaßnahmen beginnst, sollte immer eine Tierärztin oder ein Tierarzt prüfen, warum deine Katze abnimmt oder schlecht frisst. Das ist wichtig, weil nicht jede Maßnahme für jede Katze geeignet ist – besonders bei Kitten, Senioren oder Tieren mit chronischen Erkrankungen.

Damit du besser einschätzen kannst, wie schnell eine Vorstellung in der Tierarztpraxis oder Tierklinik notwendig ist, findest du hier eine kurze Orientierung.

Sehr zeitnah zum Tierarzt

Es gibt Situationen, in denen Katzen schnell tierärztliche Hilfe brauchen. Das gilt vor allem dann, wenn zusätzlich zum Gewichtsverlust oder dem verminderten Appetit weitere Warnsignale auftreten oder die Katze gar nicht mehr frisst. Folgende Fälle sollten immer als dringlich eingestuft werden:

  • Die Katze frisst seit 24 Stunden oder länger gar nichts. Katzen vertragen keine längeren Hungerphasen. Schon kurze Nüchternheit kann das Risiko einer hepatischen Lipidose (Fettleber) erhöhen. Besonders Kitten, übergewichtige Katzen sowie Tiere mit chronischen Erkrankungen können bereits nach 12-24 Stunden ohne Nahrung ernsthafte Probleme entwickeln.
  • Es treten zusätzliche besorgniserregende Symptome auf. Erbrechen, Durchfall, Fieber, deutliche Mattigkeit, vermehrtes Trinken, sichtbare Schmerzen oder ein auffälliges Atemverhalten sind einige der Alarmzeichen, bei denen du schnell aufmerksam werden solltest. Die Kombination aus Appetitverlust und einem weiteren Symptom sollte immer zeitnah tierärztlich abgeklärt werden.
  • Der Gewichtsverlust ist plötzlich und deutlich sichtbar. Rasche Abnahme innerhalb weniger Tage ist immer ein Warnsignal und sollte immer tierärztlich untersucht werden.
  • Kitten, alte Katzen oder chronisch kranke Tiere fressen schlecht oder nehmen ab. Diese Tiere bauen schneller ab als gesunde erwachsene Katzen. Wenn sie weniger fressen, gar nicht fressen oder sichtbar abnehmen, sollte möglichst schnell eine tierärztliche Untersuchung erfolgen.
  • Es liegen bekannte Vorerkrankungen vor. Bei Katzen mit CNI, Diabetes, Pankreatitis, Schilddrüsenerkrankungen oder Leberproblemen ist Appetitverlust grundsätzlich ein ernstes Zeichen. Schon kleine Veränderungen im Fressverhalten können hier auf eine Verschlechterung hinweisen.

Wann du ggf. erstmal kurzzeitig beobachten kannst…

In manchen Situationen kannst du deine Katze zunächst über einen sehr kurzen Zeitraum zu Hause beobachten. Verbessert sich der Appetit nicht nach kurzer Zeit wieder oder wirst du unsicher, solltest du zeitnah einen Termin in der Tierarztpraxis vereinbaren. Gewichtsverlust und schlechtes Fressen (auch häufiges Mäkeln) müssen immer tierärztlich abgeklärt werden.

  • Die Katze frisst weniger, aber nicht komplett gar nicht. Leichter Appetitverlust kann z. B. durch Stress, Hitze, Futterwechsel oder kleinere Probleme im Magen-Darm-Trakt entstehen.
  • Der Gewichtsverlust ist eher schleichend und nicht akut aufgefallen. Eine tierärztliche Abklärung ist trotzdem sehr zeitnah sinnvoll, aber nicht innerhalb von 24 Stunden notwendig. Also kein Fall für den Notdienst, aber schon etwas, das zeitnah untersucht werden sollte.
  • Die Katze verhält sich ansonsten normal. Sie ist aktiv, bewegt sich, putzt sich, trinkt und zeigt keine zusätzlichen Symptome.
  • Es gibt eine nachvollziehbare harmlose Ursache, z. B. eine Impfung, ein stressreicher Tag, Besuch oder Umzug. In solchen Fällen kann der Appetit vorübergehend vermindert sein.

Wichtig: Wenn du unsicher bist oder dein Bauchgefühl sagt, dass „irgendetwas nicht stimmt“, ist es immer besser, die Katze einmal zu früh tierärztlich vorzustellen, als einmal zu spät. Katzen kompensieren lange und zeigen Krankheitszeichen oft erst spät. Gerade Zahnprobleme können sich sehr unspezifisch zeigen und sind in ihrem ganzen Ausmaß erst durch geeignete bildgebende Verfahren, i. d. R. intraorales Röntgen (Dentalröntgen), beurteilbar. Dass eine Katze noch frisst, heißt NICHT, dass sie kein Problem mit den Zähnen hat.

Allgemeine Hinweise zur Fütterung von untergewichtigen Katzen

Untergewicht bei Katzen kann viele Ursachen haben, die wie bereits erwähnt tierärztlich abgeklärt werden sollten. Grundsätzlich gilt: Damit eine untergewichtige Katze wieder zunimmt, muss sie mehr Energie aufnehmen, als sie verbraucht. Am besten gelingt das mit hoch verdaulichem Futter mit hoher Energiedichte, das in mehreren kleinen Mahlzeiten über den Tag verteilt angeboten wird.

Damit die Katze das Futter gut akzeptiert, sollte es möglichst schmackhaft sein. Bei Bedarf kann man es mit kleinen, geeigneten Schmankerln etwas attraktiver machen. Welche Futterzusätze, Spezialfuttermittel, Päppelnahrungen oder Hausmittel hier infrage kommen, erkläre ich weiter unten genauer.

Die Energiedichte des Futters wird langsam erhöht, besonders im Hinblick auf den Fettgehalt. Nur den Fettanteil zu steigern ist dabei nicht sinnvoll. Ziel ist eine langsame und gesunde Gewichtszunahme und damit einhergehend der Aufbau von Muskulatur. Als Orientierung empfiehlt sich eine stetige, sanfte Steigerung von etwa ein Prozent des aktuellen Körpergewichts pro Woche.

Wichtig: Katzen richtig anfüttern!!!

Wenn eine Katze während einer Erkrankung längere Zeit wenig oder gar nichts gefressen hat oder stark abgemagert gefunden wurde, möchte man sie natürlich schnell wieder aufpäppeln. Hier ist aber Vorsicht geboten. Eine zu rasche Fütterung nach einer Hungerphase kann das sogenannte Refeeding-Syndrom auslösen. Dabei geraten wichtige Mineralstoffe wie Phosphat, Kalium und Magnesium aus dem Gleichgewicht, was wiederum zu ernsthaften Problemen führen kann, etwa zu Herzrhythmusstörungen oder einer hämolytischen Anämie. 2Ernährung von Intensivpatienten. In: Iben C, Liesegang A, Wichert B, Wolf P, Hrsg. Ernährung der Katze – Grundlagen – Fütterung – Diätetik. 1. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2021.

Deshalb sollte eine Katze nach einer Hungerphase immer langsam und kontrolliert wieder an Nahrung gewöhnt werden. Fachliche Empfehlungen raten dazu, bei stark geschwächten Katzen zunächst mit etwa 20 bis 25 Prozent des Ruheenergiebedarfs (RER) zu beginnen und die Menge in den folgenden Tagen schrittweise zu erhöhen.3Taylor, S.S., Chan, D.L., Villaverde, C. et al. (2022): 2022 ISFM consensus guidelines on management of the inappetent hospitalised cat. Journal of Feline Medicine and Surgery, 24(7), 614–640. Verfügbar unter: https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/1098612X221106353 (Abgerufen am: 30. November 2025).

So füttert man eine geschwächte oder untergewichtige Katze richtig an:

  • mit sehr kleinen Portionen beginnen, etwa 20 bis 25 Prozent des RER am ersten Tag 4Der sogenannte Ruheenergiebedarf (RER) beschreibt die Energiemenge, die eine Katze in völliger Ruhe benötigt, um grundlegende Körperfunktionen aufrechtzuerhalten. Die Berechnung erfolgt nach einer veterinärmedizinischen Formel, die in Fachquellen festgelegt ist. Da die benötigte Futtermenge je nach Katze und Futtersorte individuell unterschiedlich ausfällt, lässt sich an dieser Stelle keine verlässliche Grammangabe machen. Bitte frag im Zweifel deine Tierärztin oder deinen Tierarzt, mit welcher Menge du bei deiner Katze am besten starten solltest.
  • die Futtermenge über mehrere Tage (4-10) langsam steigern
  • gut verdauliches, proteinreiches Futter verwenden

Eine Katze in diesem Zustand sollte engmaschig tierärztlich begleitet werden, damit mögliche Komplikationen früh erkannt und die Gewichtszunahme sicher überwacht werden kann.

Tipps zum Katzen päppeln

Im Folgenden habe ich verschiedene Maßnahmen und Produkte zusammengestellt, die dir – wenn die Katze nicht frisst – beim Päppeln helfen können. Es handelt sich dabei überwiegend um Produkte, mit denen ich selbst gute Erfahrungen gesammelt habe und daher auch wirklich empfehlen kann.

Wichtig:

  • Zugrundeliegende oder begleitende Probleme wie Übelkeit oder Schmerzen müssen im Vorfeld und/oder begleitend tierärztlich behandelt werden, wenn man die Katze zum Fressen animieren will.
  • Neue Zusätze sollten immer langsam eingeführt werden, um zu sehen, ob sie von der Katze gut vertragen und akzeptiert werden.
  • Sprich die Gabe von Futterzusätzen und anderen Päppelmitteln außerdem  immer mit der behandelnden Tierärztin bzw. dem behandelnden Tierarzt ab, insbesondere bei kranken, geschwächten, alten Katzen oder Kitten.

Katzen päppeln mit Futterzusätzen

verschiedene Futterzusätze und Snacks für Katzen, darunter Brühe, Probiotika und Leckerli zur Unterstützung beim Päppeln

Futterzusätze wie Brühen, Probiotika oder gefriergetrocknete Snacks können Appetit und Verdauung unterstützen.

Im Fachhandel oder auch in der heimischen Küche finden sich verschiedene Mittelchen, mit denen der Appetit von Katzen angeregt werden kann und die zum Teil auch gut zum Katzen päppeln hergenommen werden können, da sie nicht nur die Akzeptanz des Futters verbessern, sondern das Futter in der Päppelphase teilweise auch energiereicher gestalten können.

  • Kittenaufzuchtmilch (Pulver zur Aufzucht von Katzenkindern, nicht die fertige Katzenmilch aus dem Supermarkt): Kann den Geruch und Geschmack des Futters attraktiver gestalten. Eine dünne Schicht Pulver oder eine kleine angerührte Menge reichen oft aus. Ich arbeite hier gerne mit KMR, Carnilac oder FarmFood No. 1.
  • Salzarme, ungewürzte Hühnerbrühe: Hühnerbrühe kann zur Appetitanregung hilfreich sein oder wenn Katzen eine flüssigere Konsistenz bevorzugen. Die Brühe sollte immer ohne Gewürze und maximal leicht gesalzen sein. Hier findet ihr eine detaillierte, bebilderte Kochanleitung für eine Hühnerbrühe für kränkelnde Katzen.
  • Thunfischwasser: Die Flüssigkeit aus den Thunfischdosen im eigenen Saft wird häufig gut akzeptiert. Schon wenige Tropfen reichen meist, um den Geruch zu intensivieren. Bei empfindlichen Katzen bitte sparsam verwenden.
  • Katzen-Smoothies und Katzendrinks: Flüssige Katzenleckereien wie z. B. Miamor Trinkfein oder Flüssigfleischnahrung wie z. B. Tjure können die Akzeptanz des Futters erhöhen und bringen zudem ein wenig Flüssigkeit ins Futter.
  • Bierhefeflocken: Viele Katzen finden den Geschmack von Bierhefeflocken sehr attraktiv. Jedoch werden sie nicht von allen Haustigern vertragen. Daher eher vorsichtig einführen.
  • Tierische Fette wie Geflügelfett oder Rinderfettpulver können sowohl den Geruch als auch die Energiedichte verbessern. Was erfahrungsgemäß gut funktioniert, ist Gänseschmalz (ohne Gewürze, ohne Zwiebeln), das erwärmt einen Geruch verströmt, der ein wenig an Brathähnchen bzw. gebratene Gans erinnert. Auch bei Fett sollte man eher vorsichtig sein und die Gabe ggf. mit der Tierärztin/dem Tierarzt abstimmen. Maximal ein Teelöffel pro Tag, verteilt auf mehrere Portionen, reicht in der Regel aus.
  • Prä-/Probiotika: Wenn die Katze zunehmen muss, sollten Nährstoffe natürlich im Darm möglichst gut aufgenommen werden und die Verdauung reibungslos funktionieren. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass das Mikrobiom nicht nur durch Stress beeinflusst wird, sondern dass es selbst auch Einfluss auf Stressreaktionen hat (Stichwort: gut-brain axis). 5 Dodd, S. (2023). Small animal microbiomes and nutrition (S. 65-67). Newark: John Wiley & Sons, Incorporated.. Es ist daher immer eine gute Idee, dem Mikrobiom etwas Gutes zu tun. Ein Produkt, das hier eingesetzt werden kann und häufig auch appetitanregende Wirkung hat ist PURINA PRO PLAN Feline FortiFlora®. Alternativ können auch andere Probiotika wie z. B. SivoMixx hergenommen werden, um das Mikrobiom der Katze zu unterstützen.
  • Fortan Fortain: Funktioniert bei Katzen, die es lieben, oft gut. Sollte aber auch eher sparsam und in Absprache mit der Tierarztpraxis eingesetzt werden.
  • Katzenleckerli: Können feingebröselt über dem Futter die Akzeptanz erhöhen. Das klappt oftmals mit gefriergetrockneten Katzenleckerlis gut. Es können aber auch andere Snacks oder Katzenfutter-Toppings aus dem Zoofachhandel hergenommen werden, die in vielen verschiedenen Varianten und Geschmacksrichtungen verfügbar sind.
  • gedünstetes Gemüse: Unterschiedliche Katzen haben unterschiedliche Vorlieben. So gibt es auch Katzen, die gedünstetes Gemüse sehr attraktiv finden, so dass man damit in kleinen Mengen das Futter aufwerten kann. Was häufig gut geht, ist Kürbis und Karotte. Diese kann man als Babygläschen kaufen (Achtung: Die reinen Gemüsegläschen für „ab dem 5. Monat“ verwenden), man kann aber Gemüse natürlich auch selbst dünsten und dann in Eiswürfelformen einfrieren.
  • Zur Fütterung geeignete Katzenminze: Funktioniert individuell sehr unterschiedlich, kann aber bei einigen Katzen das Interesse am Futter erhöhen. Futtertaugliche Katzenminze gibt es z. B. bei lillysbar.de.

Wichtig: Futterzusätze ersetzen kein ausgewogenes Alleinfuttermittel. Es ist wichtig, dass der Hauptteil der Nahrung nach wie vor aus einem bedarfsdeckenden Alleinfuttermittel besteht. Ergänzungsfuttermittel und Leckerli sind nicht bedarfsdeckend. Hier drohen Nährstoffmängel.

Katzen päppeln mit Spezialfuttermitteln

Spezialfutter für geschwächte Katzen: Hill’s Prescription Diet On-Care und Royal Canin Recovery

Spezialfutter wie Hill’s On-Care oder Royal Canin Recovery erleichtert geschwächten Katzen die Nährstoffaufnahme.

Über deine Tierarztpraxis oder den (Online-)Fachhandel können auch verschiedene Spezialfuttermittel für Katzen in der Rekonvaleszenz und zur Gewichtszunahme bezogen werden. Diese Futtersorten sind leicht verdaulich, haben eine hohe Energie- und Nährstoffdichte und verfügen meist über eine weiche, gut aufzunehmende Konsistenz. Dadurch muss die Katze im Vergleich zu normalem Katzenfutter eine geringere Menge fressen, um trotzdem ausreichend Kalorien und Nährstoffe zu erhalten. Das ist ein großer Vorteil, wenn die Katzen schlecht fressen und nur geringe Futtermengen aufnehmen (können).

Im Folgenden findest du eine Übersicht über häufig genutzte Spezialfuttermittel (alphabetisch sortiert):

  • Hill’s a/d
  • Hill’s Prescription Diet ON-Care
  • Kattovit Aufbaukur / Recovery
  • Royal Canin Recovery
  • Specific F C IN W Intensive Support
  • Vet-Concept Cat Revital

Diese Futtersorten sind als Übergangslösung gedacht, nicht für die dauerhafte Fütterung. Generell gilt auch hier: Die Gabe sollte immer mit der behandelnden Tierärztin / dem behandelnden Tierarzt abgesprochen werden.

Häufig gibt es in der Tierarztpraxis auch die Möglichkeit, erst einmal nur eine Dose zu erwerben oder Proben zu erhalten. Das ist praktisch, da der Geschmack der Katzen ja individuell unterschiedlich ist und man manchmal ein wenig ausprobieren muss, bis man das passende Spezialfutter gefunden hat.

Kittenfutter als Zwischenlösung:

Wenn Spezialfutter kurzfristig nicht verfügbar ist oder deine Katze es nicht akzeptiert, kann hochwertiges Kittenfutter eine sinnvolle Alternative sein. Es ist energiedichter als Adultfutter, meist sehr schmackhaft und wird häufig gut gefressen. Sobald sich der Zustand verbessert, sollte jedoch wieder auf ein reguläres Adultfutter umgestellt werden.

Trockenfutter als Päppelfutter?

Trockenfutter besitzt im Vergleich zu Nassfutter eine höhere Energiedichte, wodurch die Katze eine geringere Menge aufnehmen muss, um ihren Energiebedarf zu decken. Das kann ein Vorteil bei Katzen sein, die nur kleine Portionen fressen und zunehmen sollen. Zudem hat es oft eine gute Akzeptanz. Allerdings decken Katzen ihren Flüssigkeitsbedarf überwiegend über die Nahrung 6Grundlagen. In: Bolbecher G, Hrsg. Ganzheitliche Ernährung für Hund und Katze. 1. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2020. und eine ausreichende Versorgung mit Flüssigkeit ist auch für unsere Haustiger wichtig. Eine reine Trockenfutterfütterung ist daher nicht optimal.

Trockenfutter kann jedoch durchaus als ergänzende Komponente in den Futterplan integriert werden, wenn keine gesundheitlichen Gründe dagegen sprechen.

Folgende Einsatzmöglichkeiten sind z. B. denkbar:

  • als Teil der täglichen Futterration, wenn die Katze fit genug ist gerne auch in Form von Activity Feeding
  • gemörsert als Topping über das Nassfutter
  • anstelle von Leckerli

Ein Trockenfutter, das nach meiner Erfahrung auch dann häufig noch gefressen wird, wenn sonst nichts mehr akzeptiert wird, ist RENAL SELECT von Royal Canin. Das Futter ist jedoch speziell für nierenkranke Katzen konzipiert. Insbesondere bei Katzen ohne diagnostiziertem Nierenproblem sollte die Gabe daher auf jeden Fall vorab mit der Tierärztin oder dem Tierarzt abgesprochen werden.

Katzen päppeln mit appetitanregenden Päppelmitteln

hochkalorische Päppelpräparate für Katzen, darunter Reconvales Energy und eine Lachs-Päppelpaste

Hochkalorische Präparate wie Reconvales® Energy oder Päppelpasten regen Appetit und Energieaufnahme an.

In der Tierarztpraxis oder auch in verschiedenen Online-Shops kannst du unterschiedliche Päppelmittel erwerben, die den Appetit anregen und/oder deine Katze gleichzeitig mit Energie und wichtigen Nährstoffen versorgen können, wenn sie ihr gewohntes Futter nicht mehr frisst. Die Produkte sind in flüssiger Form sowie als Pasten oder Gels erhältlich.

Einige gängige Präparate, alphabetisch sortiert:

  • Aufbaukur / Recovery Drink (Kattovit)
  • Bioserin Serumprotein (WDT)
  • Calo-Pet® (Vétoquinol)
  • Immun Tonicum (RECOACTIV)
  • Liquidocare Appetitanreger Katze
  • Nutribound Katze (Virbac)
  • Nutri-Cal (Dechra)
  • Nutri-Plus-Gel (Virbac)
  • ReConvales Energy (alfavet)
  • ReConvales Päppelpaste (alfavet)
  • ReConvales Power (alfavet)
  • ReConvales Tonicum Katze (alfavet)
  • Recovery Immun (RECOACTIV)
  • Recovery Liquid (Royal Canin)
  • Recovery Liquid CCL (Trovet)
  • RecoVital Tonicum Katze (Virbac)
  • Tomlyn Nutri-Cal

Viele dieser Produkte schmecken Katzen sehr gut und können so den Appetit anregen. Manchmal sind sie zu Beginn das Einzige, was überhaupt gefressen wird. Welche Präparate eine Katze annimmt, ist allerdings sehr unterschiedlich und man muss oft ein wenig ausprobieren, wenn die Katze das Fressen verweigert.

Wichtig: Päppelmittel sind immer nur für den kurzfristigen Einsatz gedacht. Das Ziel ist, deine Katze so schnell wie möglich wieder auf ein vollwertiges Alleinfutter umzustellen.

Achte außerdem darauf, dass die Gabe zur gesundheitlichen Situation deiner Katze passt. Besprich daher am besten immer mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt, welche Produkte geeignet sind und ob sie nur den Appetit anregen oder auch zur Energie- und Nährstoffversorgung beitragen. Die Päppelmittel können im Anschluss unter genauer Berücksichtigung der angegebenen Fütterungshinweise ggf. während der Rekonvaleszenz auch weiterhin zusätzlich zum Hauptfutter gegeben werden.

Katzen päppeln mit Gutem aus der Küche

Schale mit milchiger Flüssigkeit,  Babygläschen mit Rind und Joghurt – Beispiele für schonende Küchenzutaten zum Päppeln von Katzen

Schonende Küchenzutaten wie Babybrei oder Joghurt können Katzen bei der Rekonvaleszenz helfen.

Neben den genannten Futtermitteln kann man Gewichtszunahme und Futteraufnahme auch durch „Menschenessen“ fördern, soweit es vertragen wird.

Milch und Milchprodukte

Milch und Milchprodukte mögen viele Katzen gerne. Sie sind eiweißreich, das Protein besitzt eine hohe biologische Wertigkeit und sie sind hochverdaulich. Zudem kann die Gabe von laktosehaltigen Milchprodukten insbesondere auch bei Katzen mit Leber- oder Nierenproblemen vorteilhaft sein.

Warum können Katzen mit Leber- und Nierenproblemen von Milchprodukten profitieren?

Beim Abbau von Lactose oder Lactulose entstehen kurzkettige Fettsäuren und Milchsäure, die eine pH-Wert-Reduktion im Darm bewirken können, wodurch Ammoniak (NH3) vermehrt zu Ammonium (NH4+) umgewandelt und mit dem Kot ausgeschieden wird. 7Niereninsuffizienz. In: Zentek J, Hrsg. Ernährung des Hundes – Grundlagen – Fütterung – Diätetik. 9., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2022. So werden Leber und Nieren entlastet, da Ammoniak ansonsten in der Leber zu Harnstoff entgiftet und dann über die Nieren ausgeschieden werden müsste, was bei geschädigter Leber und geschädigten Nieren nur noch bedingt funktioniert.

Was aber problematisch sein kann: In Milch ist Laktose (Milchzucker) enthalten. Damit diese verdaut werden kann, benötigt der Darm das Enzym Laktase in ausreichendem Umfang. Die Produktion des Enzyms geht jedoch nach Absetzen der Katzenwelpen und der Umstellung auf feste Nahrung nach und nach zurück und bleibt dann auch gering. Das bedeutet, dass Lactose nicht mehr so gut abgebaut werden kann, was wiederum zu Durchfällen führen kann.

Daher sollte deine Katze pro Tag nicht mehr als 2 g Laktose/ kg Körpergewicht erhalten. Kuhmilch enthält etwa 50 g Laktose /kg uS, entsprechend ist mehr als 40 ml Milch / kg Körpergewicht nicht zu empfehlen. Starte hier aber lieber vorsichtig mit geringeren Mengen. Joghurt, Quark oder Hüttenkäse enthalten deutlich weniger Laktose, daher sind hier rein auf den Laktosegehalt bezogen auch größere Mengen möglich. 8Grundlagen der Fütterung. In: Iben C, Liesegang A, Wichert B, Wolf P, Hrsg. Ernährung der Katze – Grundlagen – Fütterung – Diätetik. 1. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2021. Eine denkbare Alternative wäre die Gabe von laktosefreien Produkten.

Fleisch und andere tierische Produkte

  • Selbst für die Katze kochen:
    Wenn Diätfuttermittel wie die bereits genannten nicht akzeptiert oder gewünscht werden, gibt es auch die Möglichkeit, selbst für die Katze zu kochen.Hier könnte man als Proteinquelle ggf. mit Lammhack (gibt es beim türkischen Metzger) arbeiten, das recht energiereich ist und oft gut akzeptiert wird. Auch gekochtes Hühnchen oder gedünstetes Fischfilet funktionieren häufig gut. Bitte keine Knochen oder Gräten mitverfüttern.
  • Babynahrung: Babynahrung im Gläschen wird von vielen Katzen sehr geliebt und lässt sich auch gut schlecken oder per Spritze füttern, wenn die Katze gerade nichts Festes aufnehmen kann oder möchte. Hier können die Fleisch-Zubereitungen mit Huhn oder Rind verwendet werden. Es wird immer wieder kritisiert, dass diese neben Fleisch auch Reismehl enthalten, das ist aber in dieser Situation durch die oftmals wirklich herausragende Akzeptanz und die schnelle Verfügbarkeit vernachlässigbar.
  • Eier: Eier sind eiweißreich. Das Protein besitzt eine hohe Verdaulichkeit und – sofern gekocht – auch hohe biologische Wertigkeit. Zudem sind Fett, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente enthalten. Das macht hartgekochte Eier auch zum Päppeln interessant, wenn die Katze an Gewicht zunehmen muss.

    Warum die Eier gekocht sein sollten?

    Rohe Eier enthalten zum einen Avidin, das Biotin bindet, und zum anderen Trypsininhibitoren, die die Proteinverdauung beeinträchtigen und zu Verdauungsstörungen führen können.  

Katzen päppeln – Tipps und Tricks

Neben der Wahl des geeigneten Futters kann man auch durch andere Maßnahmen die Futteraufnahme verbessern. Dabei gilt grundsätzlich: Umso zufriedener die Katze ist und umso mehr ihre Bedürfnisse erfüllt werden, umso besser kann man sie in der Regel animieren, Futter aufzunehmen. Dazu gehört zum Beispiel auch das richtige Katzenklomanagement.

Hier wollen wir uns aber auf Tipps und Tricks zur Futtergabe beschränken:

  • Geeigneter Futternapf: Viele Katzen fressen lieber aus flachen Tellern, statt aus normalen Näpfen, da sie hier nicht mit ihren empfindlichen Schnurrhaaren anstoßen. Letzteres kann für unsere Haustiger so unangenehm sein, dass es sogar einen eigenen Ausdruck dafür gibt: Whisker Stress.Gerade, wenn die Katze Probleme mit den Gelenken hat oder unter Übelkeit leidet (was z. B. bei Katzen mit CNI/CNE häufiger der Fall ist), kann ein erhöhter Futternapf die Futteraufnahme ebenfalls erleichtern.
  • Viele Angebote schaffen: Manchmal verbinden Katzen die Futteraufnahme oder den bisherigen Fressplatz mit etwas Unangenehmem. Hier können ein neuer Futterplatz mit neuer Futterschüssel und ggf. neuem Futter helfen. Auch mehrere gefüllte Futterschalen im Haus verteilt, animieren Katzen im Idealfall dazu, im Vorbeigehen immer wieder einen Happen aufzunehmen.Leider ist die Umsetzung einer solchen „Fressstraße“ im Mehrkatzenhaushalt in der Regel schwierig. Hier kann man sich ggf. mit einem chipgesteuerten Futterautomaten oder einem separaten Zimmer, das per Katzenklappe nur für die zu päppelnde Katze zugänglich ist, behelfen.Generell gilt: Viele kleine Portionen über den Tag verteilt, sind näher an der natürlichen Nahrungsaufnahme der Katze und machen es dem Tier zum einen leichter mehr Futter über den Tag verteilt aufzunehmen und sind zum anderen bekömmlicher, als große Portionen morgens und abends.
  • Buffet anbieten: Gerade bei kranken Katzen ist es oft schwierig. Was am einen Tag noch gefressen wird, wird am nächsten komplett verweigert. Hier kann es helfen, wenn man der Katze ein Buffet aus verschiedenen Futtermitteln anbietet, so dass sie jeden Tag frei entscheiden kann, was sie möchte. Auch hier muss man jedoch im Mehrkatzenhaushalt ggf. ein wenig kreativ werden.
  • Aus der Hand füttern / Futter bringen: Geht die Katze nicht zum Futternapf, kannst du das Futter auch zu ihr bringen und/oder sie mit der Hand oder mit dem Löffel füttern. Oft hilft es auch, der Katze das Futter vor die Nase zu stellen, wenn sie gerade schläft. Häufig nehmen sie dann im Halbschlaf zumindest einige Bissen zu sich. Manche Katzen entwickeln auch Interesse am Futter, wenn man so tut, als würde man es selbst essen.Was zudem nie schadet, ist eine gute Portion TLC (Tender, Love and Care). Viele Katzen fressen z. B. besser, wenn man ihnen dabei Gesellschaft leistet, ihnen gut zuredet, sie lobt und/oder streichelt.Wenn sich die Katze noch putzt, kann man ggf. auch versuchen, eine kleine Menge Futter auf die Pfote zu geben, um sie wieder auf den Geschmack zu bringen, wenn sie sich die Pfötchen ableckt. Aber: Pfoten unbedingt vorsichtig säubern, wenn die Katze das nicht selbst erledigt!
  • Futter anwärmen: Futter, das auf leicht unter Körpertemperatur angewärmt wurde, riecht intensiver. Das kann insbesondere dann die Akzeptanz erhöhen, wenn die Katze z. B. unter Katzenschnupfen leidet und der Geruchs- und damit auch der Geschmackssinn eingeschränkt ist. Bei Katzen, die eine erlernte Futteraversion entwickelt haben, kann das Anwärmen kontraproduktiv sein. 9Der Ernährungsstatus von Katzen mit Tumorerkrankungen: Diagnose und diätetische Empfehlungen. In: Pibot P, Biourge V, Elliott D, Hrsg: Royal Canin S. A. – Enzyklopädie der klinischen Diätetik der Katze. Paris: Aniwa SAS (2008)Achtung: Immer prüfen, dass das Futter auch im Kern nicht zu heiß ist, insbesondere wenn es in der Mikrowelle erwärmt wurde.

    Wichtig ist dabei immer, dass die Nahrungsaufnahme durch eine stressfrei gestaltete Fütterung möglichst angenehm gestaltet wird.

Katzen päppeln mit Zwangsfütterung / Assistenzfütterung / assistierter Fütterung

Fütterungsspritze vor Katzennassfutter als Hilfsmittel für die schonende Zwangsfütterung von stark geschwächten Katzen, die gepäppelt werden müssen.

Bei starker Appetitlosigkeit kann eine behutsame Fütterung mit Spritze nötig sein – immer in Absprache mit der Tierärztin oder dem Tierarzt.

Assistenzfütterung ist ein Thema, das in der Regel weder der Katze noch den zugehörigen Menschen gefällt. Leider ist es jedoch manchmal notwendig, um dem eigenen Haustiger über eine Krise hinwegzuhelfen und das Leben des Tieres zu retten.

Wie füttert man richtig zu?

Bei der Assistenzfütterung sind vor allem zwei Dinge wichtig: Ruhe und Geduld. Keinesfalls darf die Katze mit Zwang „gestopft“ werden. Die Fütterung erfolgt immer in aufrechter Position mit erhobenem Kopf, langsam und behutsam. Die Fütterung darf nicht in Rücken- oder Seitenlage erfolgen und auch der Hals sollte nicht überstreckt werden, sonst erhöht sich die Gefahr, dass sich die Katze beim Füttern verschluckt.

Ein Handtuch, das sanft um die Katze gelegt wird, hilft, das Fell möglichst sauber zu halten. Nach der Fütterung müssen Verunreinigungen im Gesicht (und wenn vorhanden) an anderen Stellen des Katzenkörpers mit körperwarmem Wasser vorsichtig entfernt werden. Mullwaschlappen oder -tücher aus dem Babybedarf funktionieren hier recht gut und sind sanft zur empfindlichen Haut rund um Maul und Nase. Es kann aber natürlich auch jedes andere geeignete Tuch verwendet werden.

Bei der Fütterung sind viele kleine Portionen über den Tag verteilt häufig die bessere Wahl (Aufteilung mindestens auf 4 bis 6 Portionen). Kleine Portionen sind insbesondere auch dann wichtig, wenn die Katze nach einer längeren Zeit ohne Nahrungsaufnahme wieder angefüttert werden muss. Die Fütterung funktioniert gut per Spritze. Diese sollte leichtgängig sein und ein gleichmäßiges Austreten des Futters ermöglichen. Mit welcher Spritzengröße man am besten zurechtkommt, kommt ein wenig auf die individuellen Vorlieben an. Hier haben sich 5-ml- und 10-ml-Spritzen für die Assistenzfütterung bewährt. Das Futter selbst sollte nicht mit Wasser verdünnt werden.

Welches Futter eignet sich zum Zwangsfüttern?

Viele Diätfuttermittel, die bei Katzen mit schlechter Nahrungsaufnahme eingesetzt werden können (in diesem Abschnitt gelistet), besitzen eine feine Konsistenz (Mousse) und lassen sich auch gut mit der Spritze füttern. Ich nehme gerne das Royal Canin Recovery, aber Hills a/d funktioniert ebenfalls gut. Zur Überbrückung kann man auch vorübergehend (z. B. bis das Spezialfutter geliefert wird) mit Mousse aus dem Supermarkt oder Zoofachhandel arbeiten. Gut spritzengängig ist zum Beispiel das Coshida Selection – Feine Mousse von Lidl.

So bekommst du das Futter für die Assistenzfütterung gut in die Spritze:

  1. Futterdose öffnen, auf Zimmertemperatur temperieren lassen und mit einem Teelöffel gut durchrühren.
  2. Prüfe einige Male, ob die Spritze leichtgängig ist, indem du den Kolben einige Male hin- und herbewegst (sollte bei unverwendeten Spritzen der Fall sein).
  3. Baue die Spritze auseinander, so dass du einmal den Zylinder, also das hohle Röhrchen, und einmal den Kolben oder Spritzenstempel hast.
  4. Befülle dann langsam mit einem Teelöffel den Zylinder. In der Regel ist die Mousse fest genug, damit sie unten nicht aus der Düse / dem Konus fließt. Falls dem doch der Fall sein sollte, kannst du dir mit einem Verschlussstopfen behelfen. Die Spritze mit dem Konus beim Befüllen immer wieder einmal auf eine feste Unterlage zu klopfen, hilft dabei, dass das Futter nach unten rutscht. Es reicht, wenn du die Spritze zu etwa 2/3 befüllst.
  5. Steck den Kolben vorsichtig wieder in den Zylinder. Mach das am besten über der Dose oder einem anderen Behälter, um Sauerei zu vermeiden, falls dabei Futter die Spritze über den Konus wieder verlässt.
  6. Reinige die Spritze von außen, wenn nötig.

Befülle dir dabei am besten gleich so viele Spritzen, wie du für die aktuelle Futtergabe benötigst. Bei manchen Futtermitteln funktioniert es auch, wenn man das Futter direkt mit der Spritze aufzieht.

Hygiene ist wichtig: Futterspritzen können mehrmals verwendet werden, wenn sie nach der Fütterung heiß (ohne Spülmittel) gereinigt werden. Spätestens, wenn die Spritzen nicht mehr leichtgängig sind, sollten sie aber ausgetauscht werden.

Wann solltest du deine Tierärztin bzw. deinen Tierarzt konsultieren?

Eine Katze, die die Nahrung verweigert, sollte ohnehin engmaschig tierärztlich betreut werden. Bitte nimm aber umgehend Kontakt zu deiner Tierarztpraxis auf, wenn die Zwangsfütterung nur unter erheblichem Stress gelingt, das Futter erbrochen wird oder andere Faktoren verhindern, dass die Katze ausreichend frisst. In solchen Situationen ist schnelle Unterstützung wichtig, um eine weitere Verschlechterung zu vermeiden.

Künstliche Ernährung als Alternative zur Assistenzfütterung?

Wenn es zu Hause nicht möglich ist, die Katze über assistierte Fütterung ausreichend zu versorgen, gibt es auch noch die Option, die Katze in der Tierarztpraxis oder Tierklinik temporär über eine Sonde zu ernähren. Je nach Situation kann man diese auch noch mit der parenteralen Versorgung über einen venösen Zugang kombinieren. Beide Maßnahmen sind dazu gedacht, die Katze stabil zu halten, bis sie wieder selbstständig genügend Nahrung aufnehmen kann.

Ziel muss aber in jedem Fall immer die Rückkehr zur freiwilligen, eigenständigen Futteraufnahme sein. Zudem muss man immer abwägen, inwieweit eine Zwangsfütterung über einen längeren Zeitraum sinnvoll ist und wie allgemein die Prognose für den Haustiger ist. Hier gilt es je nach Fall und in Absprache mit der Tierärztin oder dem Tierarzt eine Entscheidung im Sinne der Katze zu treffen.

Deine Katze zeigt eigentlich Hunger, aber frisst nicht?

Schuld daran kann neben gesundheitlichen Beschwerden (z. B. Zahnschmerzen) eine erlernte Futteraversion sein. Was ist das?

Wenn die Katze mit einer bestimmten Nahrung eine schlechte Erfahrung verbindet, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie dieses Futtermittel in Zukunft meidet. Es kann z. B. sein, dass ihr nach dem Verzehr der Katzennahrung übel wurde und sie Bauchschmerzen bekam oder aber auch, dass ihr die Nahrung in einer unangenehmen Situation vorgestellt / gefüttert wurde, wie etwa während eines stationären Aufenthalts in der Tierklinik.

Es handelt sich hierbei um eine Form der negativen Konditionierung und an sich ist so eine Aversion auch sinnvoll, da sie dazu dient, dass ungeeignete oder gefährliche Nahrung künftig vermieden wird. Geht es darum, die Katze wieder ans Fressen zu bringen, kann sie einem das Leben aber leider deutlich erschweren.

Denn bei Katzen entwickelt sich eine solche Futteraversion sehr schnell. Schon eine einzige Mahlzeit, die als unangenehm empfunden wird, kann ausreichen, damit die Katze das Futter oder mitunter insgesamt die Nahrungsaufnahme verweigert. Zudem kann die Aversion Untersuchungen zufolge bis zu 40 Tage anhalten.10Bradshaw JWS, Goodwin D, Legrand-Defretin V, et al. – Food selection by the domestic cat, an obligate carnivore. Comp Biochem Physiol. 1996; 114A: 205-209

Bei manchen Katzen geht diese Ablehnung soweit, dass schon der Geruch des Futtermittels, gegen das sie eine Aversion entwickelt haben, in der Umgebungsluft ausreicht, dass die Futteraufnahme verweigert wird.11Der Ernährungsstatus von Katzen mit Tumorerkrankungen: Diagnose und diätetische Empfehlungen. In: Pibot P, Biourge V, Elliott D, Hrsg: Royal Canin S. A. – Enzyklopädie der klinischen Diätetik der Katze. Paris: Aniwa SAS (2008) Es kann also tatsächlich auch ein Problem sein, wenn andere Katzen im Haushalt das betreffende Futter noch bekommen, obwohl man der betroffenen Katze etwas anderes anbietet.

Diese Zeichen können u. a. auf eine erlernte Futteraversion hinweisen

  • Die Katze zeigt Interesse am Futter oder bettelt, zieht sich aber zurück, nachdem sie das angebotene Futter beschnuppert oder probiert hat.
  • Die Katze speichelt, schluckt wiederholt oder dreht den Kopf zur Seite, wenn ihr Futter angeboten wird.
  • Die Katze versucht so viel Raum wie möglich zwischen sich und das Futter zu bekommen, also positioniert sich z. B. im Stationskäfig soweit davon entfernt wie möglich.

Es ist in dem Zusammenhang wichtig, zu erwähnen, dass (Diät-)Futter, das die Katze künftig noch fressen soll (z. B. eine bestimmte Nierendiät) nicht während eines stationären Aufenthalts oder per Zwangsfütterung eingeführt werden sollte und immer erst dann, wenn begleitende Probleme, wie etwa Übelkeit, angegangen worden sind.

Katzen päppeln mit medikamentöser Unterstützung

Eine Katze, die nicht frisst und/oder Gewicht verliert, braucht tierärztliche Unterstützung. Und damit die Rekonvaleszenz im besten Fall gelingt, müssen dafür die Voraussetzungen geschaffen und die zugrundeliegenden Ursachen angegangen werden.

Eine Katze, die Schmerzen hat (z. B. bei Pankreatitis), braucht passendes Schmerzmanagement. Eine Katze, der übel ist, benötigt entsprechende Medikamente gegen Übelkeit. Eine Katze, deren Nase verstopft ist und die dadurch kein Interesse an Futter zeigt, braucht entsprechende Gegenmaßnahmen, damit die Nase frei wird und Geruchs- und Geschmackssinn wieder funktionieren. Auch dehydriert frisst es sich als Katze schlecht, d. h. man muss dafür sorgen, dass diese Katzen wieder ausreichend mit Flüssigkeit versorgt sind usw. usf.

Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, wird es ungleich schwerer, die Samtpfote dazu zu bringen, dass sie wieder frisst.

Zusätzlich kann deine Tierärztin oder dein Tierarzt deine Katze je nach Fall mit Medikamenten unterstützen, die den Appetit anregen. Ein Wirkstoff, der hier gerne verwendet wird, ist z. B. Mirtazapin®. Der Wirkstoff ist u. a. in einer Formulierung verfügbar, die als Salbe innen an der Ohrmuschel aufgebracht wird. Sprich deine behandelnde Tierarztpraxis im Fall des Falles darauf an.

Einige abschließende Gedanken von mir für dich zum Schluss

Das Wichtigste beim Päppeln ist, dass du den Weg gemeinsam mit und im Interesse deiner Katze gehst. Nicht jeder Tag wird gleich gut laufen, es kann Rückschläge geben, was frustrierend sein kann und es braucht oftmals Geduld und Durchhaltevermögen, um Krisen zu überstehen.

Es ist hier absolut in Ordnung, pragmatisch zu sein. Wenn deine Katze vorübergehend nur bestimmte Futtersorten akzeptiert oder diese in der aktuellen Situation einfach sinnvoller sind, dann ist das so. Auch, wenn das Futtermittel sind, die du unter normalen Umständen nicht füttern würdest. Wichtig ist, dass wieder Nahrung aufgenommen wird und sich die Situation stabilisiert. Manchmal heiligt einfach auch der Zweck die Mittel und es braucht Kompromisse. Jeder kleine Schritt nach vorn ist ein Erfolg.

ABER: Hoffnung ist wichtig und es ist wichtig zu kämpfen! Mit den eigenen Tieren und für sie. Und zwar immer dann, wenn eine Chance besteht, dass sich der Zustand der Katze wieder soweit bessert, dass man vielleicht nicht von Heilung, aber wieder von Leben und Lebensqualität sprechen kann.

Besteht keine Hoffnung auf Heilung und ist klar, dass der Weg (zeitnah) zum Lebensende führen wird, dann liegt die Priorität darauf, der Katze die restliche Zeit so angenehm wie möglich zu gestalten oder eben eine endgültige Entscheidung zu treffen, um deiner Katze weiteres Leid zu ersparen. Hol dir bei dieser Entscheidung Hilfe von jemandem, der die Situation professionell einschätzen kann. In der Regel wird das die Tierärztin / der Tierarzt deines Vertrauens sein. Keinesfalls werden das Möchtegern-Experten aus den sozialen Medien sein, v. a. nicht, ohne das Tier je gesehen zu haben.

Denn egal, wie viel Mühe man sich gibt, die Einschätzung des Gesundheitszustands der eigenen Tiere ist immer irgendwo subjektiv. Das lässt sich gar nicht vermeiden. Dafür ist man emotional viel zu sehr involviert. Bin ich auch. Man kann sich noch so sehr einreden, dass man objektiv ist, man ist es einfach nicht.

Am Ende zählt nicht Perfektion oder was andere denken, sondern dass du gemeinsam mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt den Weg findest, der für deine Katze richtig ist.

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Häufige Fragen und Antworten (FAQ)

  • Was kann ich tun, wenn meine Katze gar nicht frisst? Frisst eine Katze länger als 24 Stunden gar nichts (bei Kitten, chronisch kranken (z. B. Diabeteskatzen) oder übergewichtigen Katzen auch schon nach 12 Stunden), sollte sie immer zeitnah tierärztlich untersucht werden. Katzen vertragen keine längeren Hungerphasen, da sonst eine Fettleber (hepatische Lipidose) drohen kann. Bis zur Vorstellung kann man versuchen, sehr schmackhafte, weichere oder angewärmte Futtersorten anzubieten oder das Futter mit Leckerli oder anderen Futterzusätzen attraktiver zu gestalten.
  • Wie erkenne ich, ob meine Katze wirklich untergewichtig ist? Eine gute Orientierung bieten der Body Condition Score (BCS) und der Muscle Condition Score (MCS). Typische Anzeichen für Untergewicht sind tastbare Rippen, eine schmale Taille, sichtbare Hüftknochen oder nachlassende Muskulatur. Bei Langhaarkatzen ist Abtasten wichtiger als der optische Eindruck.
  • Wie schnell darf ich die Futtermenge steigern, wenn meine Katze sehr dünn ist? Nach einer längeren Hungerphase sollte die Futtermenge langsam gesteigert werden, besonders bei stark abgemagerten oder geschwächten Katzen. Sonst kann sich im schlimmsten Fall ein Refeeding-Syndrom entwickeln. Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt sind besser als große Portionen. Am besten erstellt ihr in Absprache mit der Tierarztpraxis einen Plan für die Anfütterung.
  • Welche Futtermittel eignen sich besonders zum Päppeln? Spezialfutter für die Rekonvaleszenz (z. B. Recovery-Futter), energiereiche Pasten, Kittenfutter oder allgemein gut verdauliche weiche Futtersorten werden häufig gut angenommen. Auch kleine Mengen an Futterzusätzen wie Hühnerbrühe, Thunfischwasser oder gefriergetrocknete Snacks können helfen, das Futter attraktiver zu machen.
  • Kann ich auch Hausmittel verwenden, wenn meine Katze zunehmen muss?Einige Küchenzutaten eignen sich gut als kurzfristige Unterstützung, z. B. etwas Joghurt, Hüttenkäse, hartgekochtes Ei oder Babygläschen mit Fleisch. Wichtig ist, dass solche Hausmittel nur ergänzend und nur kurzfristig eingesetzt werden, da sie kein ausgewogenes Alleinfutter ersetzen.
  • Wann ist Assistenz- oder Zwangsfütterung notwendig?Wenn eine Katze trotz aller Versuche kaum oder gar nicht frisst, kann vorübergehend eine behutsame Assistenzfütterung per Spritze nötig sein – immer nach tierärztlicher Rücksprache. Wichtig sind Geduld, kleine Portionen, eine aufrechte Position und gut spritzengängige Futtermittel wie Recovery-Mousse.

Referenzen (u. a.)

Bradshaw JWS, Goodwin D, Legrand-Defretin V, et al. – Food selection by the domestic cat, an obligate carnivore. Comp Biochem Physiol. 1996; 114A: 205-209

Dechra Veterinary Products Deutschland GmbH (o. J.) Beurteilung des Ernährungszustandes einer Katze: Body Condition Score (BCS) & Muscle Condition Score (MCS). Verfügbar unter: https://tierhalter.dechra.de/Files/Images/Countries/DE_Petowner_concept/Pri_Katze_Zustand.pdf (Abgerufen am: 23. November 2025)

Der Ernährungsstatus von Katzen mit Tumorerkrankungen: Diagnose und diätetische Empfehlungen. In: Pibot P, Biourge V, Elliott D, Hrsg: Royal Canin S. A. – Enzyklopädie der klinischen Diätetik der Katze. Paris: Aniwa SAS (2008)

Dodd, S. (2023). Small animal microbiomes and nutrition (S. 65-67). Newark: John Wiley & Sons, Incorporated.

Ernährung von Intensivpatienten. In: Iben C, Liesegang A, Wichert B, Wolf P, Hrsg. Ernährung der Katze – Grundlagen – Fütterung – Diätetik. 1. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2021.

Grundlagen. In: Bolbecher G, Hrsg. Ganzheitliche Ernährung für Hund und Katze. 1. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2020.

Grundlagen der Fütterung. In: Iben C, Liesegang A, Wichert B, Wolf P, Hrsg. Ernährung der Katze – Grundlagen – Fütterung – Diätetik. 1. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2021.

Niereninsuffizienz. In: Zentek J, Hrsg. Ernährung des Hundes – Grundlagen – Fütterung – Diätetik. 9., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2022.

Taylor, S.S., Chan, D.L., Villaverde, C. et al. (2022): 2022 ISFM consensus guidelines on management of the inappetent hospitalised cat. Journal of Feline Medicine and Surgery, 24(7), 614–640. Verfügbar unter: https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/1098612X221106353 (Abgerufen am: 30. November 2025).

Referenzen

Giardien bei Katzen

Giardien bei Katzen

„Meine Katze hat da wieder diese Geranien? Oder waren es Gardinen?“ – manchmal tut man sich als Katzenpersonal mit der Bezeichnung für die Plagegeister schwer. Gemeint sind natürlich Giardien.

Aber auch wenn die Namensfindung hin und wieder in der Tierarztpraxis für ein Schmunzeln sorgt, die Stimmung ist bei Befund oft alles andere als heiter: In sozialen Netzwerken liest man von wochenlangen Putzmarathons, Rückfällen nach jeder Behandlung und sogar Gefahren für den Menschen. Schnell entsteht das Gefühl, dass Giardien eine absolute Katastrophe und ein nahezu unlösbares Problem seien.

Ganz so dramatisch wie dargestellt ist es aber meist nicht und Panikmache ist bei Giardien auch nicht angebracht. Die Einzeller kommen bei Katzen ähnlich wie Würmer recht häufig vor, sind aber in den meisten Fällen gut behandelbar.

In diesem Artikel erfährst du, was Giardien eigentlich sind, wie Giardien bei Katzen übertragen werden, welche Symptome typisch sind, wie die Diagnose gestellt wird und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt. Zudem gehen wir auf unterstützende Maßnahmen und auf das Thema „richtige Ernährung bei Giardienbefall bei der Katze“ ein. Insbesondere auch auf das häufig diskutierte Thema kohlenhydratfreie Ernährung bei Giardienbefall. 

Giardien unter dem Mikroskop (computergeneriert)

Im Detail

Giardien neben einem Mikroskop

Was sind Giardien?

Giardien sind mikroskopisch kleine, einzellige Parasiten. Genau gesagt, gehören sie zur Familie der Hexamitidae in der Ordnung Diplomonadia. Es gibt verschiedene Spezies, bei der Katze interessiert uns G. duodenalis (wird auch als G. lamblia oder G. intestinalis bezeichnet).

Von G. duodenalis existieren acht Genotypen (Assemblages) A–H, die jeweils bevorzugte Wirte haben. Genotyp F ist z. B. typisch für die Katze. Genotyp A und B haben ein breites Wirtsspektrum, zu dem auch der Mensch zählt. Die Assemblage A kann dann noch einmal in die drei Untergruppen AI, AII und AIII eingeteilt werden, wobei AI bevorzugt beim Tier vorkommt und beim Mensch eher AII.

Da der Genotyp A auch bei Katzen vorkommt, besteht ein zoonotisches Potenzial (Übertragung zwischen Katze und Mensch). Die Übertragung vom Tier auf den Menschen ist, sofern sie überhaupt vorkommt, selten.

Die einzelnen Genotypen sind aber nicht wirtsspezifisch und es können bei einem Tier auch verschiedene vorliegen. Andere Assemblages infizieren z. B. bevorzugt Hunde (C, D), Rinder (E), Ratten (G) oder Meeressäuger (H).

Um herauszufinden, welche Genotypen vorliegen, braucht es eine PCR.

Lebenszyklus der Giardien

Giardien kommen in zwei Formen vor: Trophozoiten und Zysten. Die Trophozoiten sind die vermehrungsfähige Form, die Zysten die infektiöse, umweltresistente Form, über die Giardien von einem Tier auf andere oder den Menschen übergehen können.

Lebenszyklus von Giardien im Diagramm

Zyklus:

1) Giardien-Zysten werden z. B. über durch Kot verunreinigte Nahrungsmittel oder Wasser aufgenommen.
2) Im Dünndarm exzystieren die Zysten (d. h. sie öffnen sich) und es entwickeln sich Trophozoiten. Damit sich die Giardien-Zysten öffnen können, braucht es vorbereitend das saure Milieu der Magensäure.
3) Die Trophozoiten vermehren sich asexuell in mehreren Zyklen und zystieren anschließend, bilden also wieder Zysten.
4) Zysten und Trophozoiten werden von der Katze über den Kot ausgeschieden. Allerdings können nur die Zysten außerhalb des Wirts überleben und andere Katzen mit Giardien anstecken.
5) Die Zysten sind sofort infektiös und können monatelang überleben. Um ein anderes Tier oder den Menschen mit Giardien zu infizieren, sind nur wenige Zysten notwendig.

Eine schwarze Katze trinkt aus einer Pfütze Wasser, das durch Giardien verunreinigt ist.

Ansteckung und Vorkommen

Giardien werden fäkal-oral übertragen, also wie bereits erwähnt z. B. über Wasser oder Nahrungsmittel, die mit Kot kontaminiert sind. Da die Zysten lange in der Umwelt überdauern können, ist auch eine indirekte Übertragung möglich.

Die genauen Zahlen schwanken je nach Population und Untersuchungsmethode. Grundsätzlich ist die Infektionsrate bei Katzen niedriger als bei Hunden und kann z. B. bei Streunern, in Tierheimen oder in Zuchthaushalten deutlich höher liegen, als im „normalen“ Katzenhaushalt. Als Richtwert kann man in Deutschland davon ausgehen, dass rund 12 Prozent der Katzen von Giardien betroffen sind.

Besonders bei Jungtieren sind die einzelligen Parasiten ein Thema. Hier kann die Prävalenz bei Katzen unter 6 Monaten auf 50 % ansteigen. Zudem scheint es einen Zusammenhang zwischen einer Giardieninfektion und dem männlichen Geschlecht, dem gleichzeitigen Vorkommen von Kryptosporidien und anderen parasitären Co-Infektionen sowie fehlender Entwurmung zu geben.

Nach einer Ansteckung mit Giardien dauert es etwa 10 Tage bis zwei Wochen, bis erste Zysten ausgeschieden werden. 1Belosevic M, Faubert GM, Guy R, MacLean JD (1984): Observations on natural and experimental infections with Giardia isolated from cats. Can J Comp Med 48(3), 241-244. Während der akuten Infektionsphase kann die Ausscheidung entweder durchgehend oder in Schüben erfolgen.

In den meisten Fällen gelingt es Katzen, die Parasiten innerhalb von vier bis sechs Wochen von selbst wieder loszuwerden. Bei experimenteller Infektion mit einer sehr hohen Anzahl an Zysten kann die Infektion in manchen Fällen bis zu 28 Wochen nach der Ansteckung anhalten 2 Stein JE, Radecki SV, Lappin MR (2003): Efficacy of Giardia vaccination in the treatment of giardiasis in cats. J Am Vet Med Assoc 222(11), 1548-1551.

Was machen die Giardien im Darm der Katze?

Giardien heften sich an den Bürstensaum der Darmzellen (Enterozyten) im Dünndarm und führen insbesondere im Zwölffingerdarm (Duodenum) und Leerdarm (Jejunum) zu strukturellen und funktionellen Veränderungen der Darmschleimhaut. Dabei entstehen mechanische Schäden, die Mikrovilli (winzige Fortsätze der Darmzellen zur Oberflächenvergrößerung) können sich verkürzen und die Oberfläche der Schleimhaut, über die Nährstoffe aufgenommen werden, wird kleiner. Zusätzlich sind die Parasiten in der Lage, den programmierten Zelltod (Apoptose) von Darmepithelzellen auslösen und die intestinale Barriere zu schädigen. In Folge sind sowohl die Verdauung (Maldigestion) als auch die Aufnahme (Malabsorption) von Nährstoffen gestört.

Da die durch die Malabsorption nicht aufgenommenen Substanzen osmotisch aktiv sind und Wasser in den Darm „saugen“, kann es zu osmotischem Durchfall kommen. Eine vermehrte Abgabe von Chloridionen in den Darm, die dazu führt, dass Wasser in den Darm nachströmt, trägt ebenfalls zur Durchfallentstehung bei (sekretorischer Durchfall). Entzündliche Reaktionen sind meist nur gering ausgeprägt, können die Schleimhaut aber zusätzlich beeinträchtigen.

Bei starkem Parasitenbefall bedecken Giardien große Abschnitte der Darmschleimhaut, was insbesondere bei Jungtieren oder immungeschwächten Katzen zu deutlichen Funktionsstörungen führen kann. Die geschädigte Schleimhaut begünstigt zudem bakterielle Sekundärinfektionen.

Giardien bei Katzen: Symptome

Ob bei Katzen mit Giardienbefall sichtbare Krankheitsanzeichen auftreten, hängt von verschiedenen Faktoren wie Alter, Immunstatus, allgemeinem Gesundheitszustand und Ernährungszustand ab.

Typische Symptome sind vor allem wiederkehrender oder chronischer Durchfall, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust. Der Kot betroffener Tiere ist häufig hell und fettig (Steatorrhoe), wässrig-schleimig und stark übelriechend; gelegentlich können Blutbeimengungen auftreten.

Weitere mögliche Symptome sind Gewichtsverlust, Mattigkeit, Erbrechen sowie ein struppiges, glanzloses Fell.

Der Durchfall kann sich über Wochen oder Monate hinziehen, besonders bei wiederholten Reinfektionen oder chronischen Verläufen. Junge Katzen unter einem Jahr zeigen meist die schwersten Krankheitsverläufe und müssen manchmal sogar gepäppelt werden, wenn das Kitten abnimmt oder nicht frisst. Adulte Tiere bleiben häufig symptomlos oder zeigen nur milde Symptome entwickeln. Allerdings scheiden auch asymptomatische Katzen infektiöse Zysten aus und können andere Tiere anstecken.

Auch nach erfolgreicher Behandlung kann es einige Zeit dauern, bis sich die Darmschleimhaut vollständig regeneriert hat, sodass der Durchfall noch fortbestehen kann, obwohl die Parasiten bereits eliminiert wurden.

Trophozoit und Zyste von Giardia intestinalis
Mikroskop und PCR illustrieren die Diagnose von Giardieninfektionen bei Katzen.

Diagnose eines Giardienbefalls

Die Diagnose einer Giardieninfektion erfolgt durch den Nachweis von Zysten, Trophozoiten, Antigenen oder Erbgut des Erregers im Kot. Da die Zystenausscheidung oft unregelmäßig verläuft, sollte stets Sammelkot aus zwei bis drei aufeinanderfolgenden oder alternierenden Tagen untersucht werden.

Um Giardien zu diagnostizieren, gibt es verschiedene Verfahren. Der Direktausstrich dient dem Nachweis beweglicher Trophozoiten unter dem Mikroskop. Für den Nachweis von Zysten kommen Flotationsverfahren zum Einsatz. Antigennachweise können zum Beispiel über Verfahren wie ELISA oder Immunfluoreszenztests (IFA) erfolgen.

Die Verfahren sind nicht alle gleich zuverlässig. Welches im individuellen Fall zum Einsatz kommt, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Zum Beispiel können nicht alle Verfahren direkt in der Tierarztpraxis durchgeführt werden.

Als empfindlichste Methode zum Nachweis von Giardien-DNA gelten derzeit molekularbiologische Verfahren wie die PCR. Über eine PCR kann auch der Genotyp (Assemblage) bestimmt werden. Das ist zum Beispiel dann wichtig, wenn man das Risiko für eine Übertragung auf den Menschen einschätzen möchte.

Wichtig: Eine Behandlung ohne gesicherte Diagnose ist nicht zu empfehlen, da sie zum einen das Darmmikrobiom beeinträchtigen kann und zum anderen andere Ursachen für Durchfall übersehen werden könnten.

Behandlung einer Infektion mit Giardien

Ob eine Giardieninfektion bei Katzen behandelt werden sollte, hängt in erster Linie vom klinischen Bild ab. Die ESCCAP (European Scientific Counsel Companion Animal Parasites) und die Leitlinie des European Advisory Board on Cat Diseases (ABCD) empfehlen eine Therapie standardmäßig nur bei Tieren mit Symptomen, also zum Beispiel bei anhaltendem Durchfall und Gewichtsverlust.

In bestimmten Situationen – etwa wenn Kleinkinder, ältere Menschen, Schwangere, chronisch Kranke oder immungeschwächte Menschen oder Tiere im Haushalt leben oder generell im Mehrkatzenhaushalt – kann es je nach Situation aber sinnvoll sein, auch asymptomatische Katzen gegen Giardien zu behandeln.

Ziel der Therapie ist in jedem Fall die Verbesserung der klinischen Symptome. Da Reinfektionen häufig sind, gelingt die vollständige Eliminierung der Parasiten nicht immer und/oder es sind mehrere Behandlungsdurchgänge notwendig.

Da schon wenige Zysten für eine Ansteckung ausreichen, ist es unerlässlich, dass die medikamentöse Behandlung immer mit Hygienemaßnahmen kombiniert wird, um eine Reinfektion nach Möglichkeit zu vermeiden.

Medikamente zur Behandlung eines Giardienbefalls

Zur Behandlung stehen zwei zugelassene Wirkstoffe zur Verfügung:

  • Fenbendazol: Fenbendazol hemmt die Vermehrung der Trophozoiten, schädigt deren Zytoskelett und führt so zu einer deutlichen Reduktion der Zystenausscheidung. Zwar gelingt nicht immer eine vollständige Eliminierung des Erregers, jedoch bessern sich die klinischen Symptome in der Regel deutlich. Fenbendazol ist in der Regel gut verträglich und führt nur zu vorübergehenden Veränderungen im intestinalen Mikrobiom.
  • Metronidazol: Metronidazol ist ein Antibiotikum aus der Gruppe der Nitroimidazole und wirkt über die Schädigung der DNA der Parasiten. Es kann die Zystenzahl ebenfalls verringern, sollte aber nur nach gründlicher Nutzen-Risiken-Abwägung angewendet werden, da es das Darmmikrobiom erheblich stören und neurologische Nebenwirkungen hervorrufen kann.
  • Deine Tierärztin oder dein Tierarzt kann dich bei der Frage beraten, ob eine Behandlung erfolgen soll und wenn ja, mit welchem Präparat und nach welchem Behandlungsschema.

    Es gibt daneben noch einige andere Substanzen, die gegen Giardien wirken. Allerdings sind diese in Deutschland nicht für diese Indikation zugelassen.

    In der Vergangenheit wurde von vielen Katzenhalter*innen zum Beispiel – häufig ohne Rücksprache mit der behandelnden Tierärztin oder dem behandelnden Tierarzt – Carnidazol eingesetzt. Dabei handelt es sich ebenfalls um ein Antibiotikum aus der Gruppe der Nitroimidazole.

    Giardienbehandlung hilft nicht?

    Die Bekämpfung von Giardien gestaltet sich häufig mühsam, was aber in der Regel nicht an Resistenzen gegenüber den zugelassenen Wirkstoffen liegt (wozu es bisher auch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse gibt), sondern an der hohen Reinfektionsrate. Es können mehrere Durchgänge notwendig sein, um Giardien bei der Katze erfolgreich zu bekämpfen.

    Zeigt die Katze auch nach (wiederholter) Giardienbehandlung noch Symptome, ist es eine gute Idee, auch andere Ursachen für die gesundheitlichen Probleme in Betracht zu ziehen. Gegebenenfalls sind die Giardien nur eine Begleiterscheinung und nicht das eigentliche Problem.

    Diese zugelassenen Medikamente stehen für die Behandlung von Giardien bei Katzen zur Verfügung.
    Hygienemaßnahmen sind bei Giardien unglaublich wichtig.

    Hygiene verbessert den Behandlungserfolg

    Die Behandlung einer Giardieninfektion ist nicht allein mit Medikamenten erledigt. Ein wesentlicher Grund dafür, dass Infektionen häufig wiederkehren, ist die hohe Reinfektionsrate. Bereits wenige ausgeschiedene Zysten reichen aus, um nach oraler Aufnahme erneut eine Infektion auszulösen.

    Daher ist eine konsequente Hygiene und Umgebungsdekontamination während und nach der Therapie entscheidend, um den Behandlungserfolg zu sichern.

    Einige wichtige Maßnahmen:

    • Kot so oft wie möglich aus den Katzentoiletten entfernen und in geschlossenen Plastikbeuteln über den Hausmüll entsorgen (da dieser verbrannt wird)
    • Alle Oberflächen reinigen, die möglicherweise mit Kot in Berührung gekommen sein könnten (z. B. Boden um die Katzentoilette); im Idealfall mit einem Dampfstrahler und einer Mindesttemperatur von 60° Celsius. Oberflächen nach der Reinigung trocknen.
    • Flächen soweit möglich mit einem gegen Giardien wirksamen Desinfektionsmittel desinfizieren
    • Futter- und Wassernäpfe täglich mit kochendem Wasser reinigen und gründlich abtrocknen
    • Katzentoiletten täglich mit kochendem Wasser reinigen und gut abtrocknen
    • Decken und Kissen bei mindestens 65° Celsius waschen
    • Nicht waschbare, aber möglicherweise kontaminierte Gegenstände (z. B. Kartons) über den Hausmüll entsorgen
    • Kratzbäume gründlich reinigen und regelmäßig absaugen
    • Hinterteil betroffener Katzen ggf. baden und shampoonieren; langhaarige Tiere können unter Umständen im Analbereich geschoren werden
    • Hände nach Umgang mit der Katze gründlich waschen

    Hier findet ihr eine Übersicht sinnvoller Hygienemaßnahmen bei Giardienbefall der ESCCAP.

    Giardien bei Katzen und Ernährung

    Immer wieder wird diskutiert, inwiefern die Ernährung Einfluss auf den Verlauf einer Giardieninfektion bei der Katze hat und ob es möglich ist, die Parasiten „auszuhungern“.

    Besonders häufig wird dabei empfohlen, auf Kohlenhydrate zu verzichten oder diese zumindest weitgehend zu reduzieren. Klingt auf den ersten Blick auch logisch, da Giardien ihre Energie aus mikroaerophiler Fermentation von Glucose beziehen. Allerdings gibt es bisher keinerlei wissenschaftliche Belege dafür, dass der Verzicht auf Kohlenhydrate den Verlauf der Infektion positiv oder negativ beeinflusst. Zudem können Giardien auch ohne erhöhte Zufuhr von Kohlenhydraten überleben, da sie auch in der Lage sind, andere Energiequellen zu nutzen (z. B. bestimmte Aminosäuren).

    Kohlenhydrate spielen darüber hinaus auch eine wichtige Rolle für die Gesundheit des Mikrobioms. Denn die nützlichen Darmbakterien sind auf bestimmte Faserstoffe und Stärkeabbauprodukte als Energiequelle angewiesen (Präbiotika).

    Das Ausmaß, in dem eine Giardieninfektion das intestinale Mikrobiom beeinflusst, ist bislang nicht abschließend geklärt. Eine Unterstützung des Mikrobioms ist aber dennoch immer eine gute Idee.

    Wird der Giardienbefall behandelt – und insbesondere wenn dafür Metronidazol zur Anwendung kommt – ist es sehr zu empfehlen, dass das Mikrobiom auf jeden Fall gezielt mit Biotika (Prä-, Pro- und Postbiotika) unterstützt wird. Gegebenenfalls kann auch eine Kottransplanation (FMT) erwogen werden. Eine solche Unterstützung erfolgt idealerweise bereits während der Behandlung und über mehrere Wochen danach.

    Was die Futterumstellung bei Giardienbefall bei der Katze angeht. In den meisten Fällen werden Katzen als obligate Fleischfresser ohnehin schon kohlenhydratarm ernährt. Sollte dies nicht der Fall sein, ist von einer radikalen Futterumstellung (z. B. auf BARF) bei ohnehin schon geschädigtem Darm aber dennoch eher abzuraten.

    Besser ist die Gabe einer leicht verdaulichen Schonkost, die durchaus auch einen gewissen Anteil an Kohlenhydraten enthalten darf (nicht muss). Hier kommt es darauf an, um welche Art von Kohlenhydraten es sich handelt, in welcher Menge diese enthalten sind und wie gut sie aufgeschlossen und damit verdaulich sind. Per se schlecht sind Kohlenhydrate nicht.

    Wenn du trotzdem die Ernährung umstellen willst: Sprich eine geplante Futterumstellung am besten mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt ab und/oder zieh eine Fachtierärztin oder einen Fachtierarzt für Tierernährung und Diätetik hinzu, um eine professionelle Rationsberechnung durchführen zu lassen, besonders wenn du selbst kochen oder roh füttern (barfen) willst.

    Ernährung bei Giardia-Infektion. Kohlenhydrate oder nicht. Probiotika auf jeden Fall.
    Referenzen

    Quellen (u. a.)

    ABCD – European Advisory Board on Cat Diseases (2025): Guideline for Giardiasis. Verfügbar unter: https://www.abcdcatsvets.org/guideline-for-giardiasis/ (abgerufen am: 10. Oktober 2025).

    Adam RD. Giardia duodenalis: Biology and Pathogenesis. Clin Microbiol Rev 2021; 34: e0002419

    Barutzki D, Schaper R. Results of parasitological examinations of faecal samples from cats and dogs in Germany between 2003 and 2010. Parasitol Res 2011; 109: S45-S60

    Beck W. Giardien – Nr. 1 der Parasiten bei Hund und Katze. team.konkret 2020; 16(04): 16 – 18. doi:10.1055/a-1243-4563

    Belosevic M, Faubert GM, Guy R, MacLean JD (1984): Observations on natural and experimental infections with Giardia isolated from cats. Can J Comp Med 48(3), 241-244.

    Bouzid M, Halai K, Jeffreys D. et al. The prevalence of Giardia infection in dogs and cats, a systematic review and meta-analysis of prevalence studies from stool samples. Vet Parasitol 2015; 207: 181-202

    Caylor KB, Cassimatis MK. Metronidazole neurotoxicosis in two cats. J Am Anim Hosp Assoc 2001; 37: 258-262

    Einarsson E, Ma’ayeh S, Svard SG. An up-date on Giardia and giardiasis. Curr Opin Microbiol 2016; 34: 47-52

    ESCCAP Deutschland (2022) Giardien bei der Katze. Verfügbar unter: https://www.esccap.de/parasiten/einzeller/giardien-bei-der-katze/
    (abgerufen am: 10. Oktober 2025).

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    Würmer bei Katzen

    Würmer bei Katzen

    „Meine Katze hat keine Würmer – das würde ich doch merken! Und außerdem geht die nicht raus.“ – Ein Satz, der unter Katzenhalter*innen häufig fällt – und leider ebenso beliebt wie falsch ist.

    Denn Wurmbefall bleibt oft unsichtbar: Viele Katzen zeigen keine Symptome, und auch im Kot ist nicht immer etwas zu erkennen. Besonders Spul- und Bandwürmer sind in Mitteleuropa weit verbreitet – und bleiben lange unentdeckt.

    Auch Wohnungskatzen sind nicht automatisch geschützt: Wurmeier gelangen z. B. über Schuhe in die Wohnung. Weitere Infektionsquellen sind Flöhe oder rohes Fleisch.

    Aber wie groß ist das Risiko wirklich – und was hilft zuverlässig gegen Würmer bei Katzen?

    Auf dieser Seite erfährst du, welche Wurmarten relevant sind, wie sich die Katze infiziert, welche Symptome auftreten und was man gegen Würmer bei der Katze tun kann.

    Katze entwurmen

    Die wichtigsten Würmer

    Spulwürmer Katze

    Spulwürmer (Toxocara spp.)

    Spulwürmer gehören zu den häufigsten parasitären Darmbewohnern bei unseren Katzen, wobei Toxocara cati (oder mystax) am häufigsten auftritt, während Toxascaris leonina eher selten gefunden wird. Laut einer groß angelegten Studie in Deutschland waren 26,2 % der positiv getesteten Katzen mit Spulwürmern infiziert – der häufigste Endoparasitenbefund nach Giardien.

    Infektionswege: Wie sich Katzen mit Spulwürmern anstecken

    Katzen infizieren sich mit Spulwürmern hauptsächlich über Eier mit infektiösen Larven, die sie in der Umwelt aufnehmen. Das kann z. B. über kontaminierte Erde, Kotreste oder Beutetiere der Fall sein. Besonders Freigänger sind hier gefährdet, die die Eier beim Putzen des Fells oder über das Fressen infizierter Ratten oder Mäuse aufnehmen können.

    Diese Beutetiere sind so genannte paratenische Wirte, d. h. in ihrem Körper nisten sich die Wurmlarven zwar ein, entwickeln sich aber nicht weiter. Jedoch bleiben sie infektiös, so dass sich die Katze durch den Verzehr der Wirte anstecken kann.

    Aber auch reine Wohnungskatzen sind nicht sicher: In einer Untersuchung an der Tierärztlichen Hochschule Hannover wurde bei 18 % der Wohnungskatzen ein Befall mit Toxocara cati festgestellt. Das erklärt sich dadurch, dass Wurmeier z. B. auch über Schuhe, Kleidung oder Blumenerde in die Wohnung und zur Katze gelangen können.

    Kitten können sich zudem beim Säugen über die Milchdrüsen der Mutter mit Spulwürmern (v. a. Toxocara cati) infizieren. Eine pränatale Übertragung wie beim Hund wurde bei der Katze jedoch nicht beobachtet.

    Spulwürmer im Körper der Katze: Entwicklung und Symptome

    Nach der Aufnahme infektiöser Spulwurmeier schlüpfen die Larven im Darm und wandern über Blut- oder Lymphgefäße zunächst zur Leber und dann weiter in die Lunge. Von dort gelangen sie über die Luftröhre in den Rachen, werden abgeschluckt und siedeln sich schließlich im Dünndarm an, wo sie zu erwachsenen Würmern heranreifen. Die adulten Würmer können bis zu 20 cm lang werden. Bei Toxascaris leonina bleibt die Entwicklung meist auf die Darmschleimhaut beschränkt.

    Welche Symptome auftreten, hängt stark vom Alter und allgemeinen Gesundheitszustand ab.

    Speziell Jungtiere zeigen oft:

    • breiigen Kot oder Durchfall
    • Erbrechen
    • Struppiges, glanzloses Fell
    • Aufgeblähten Bauch („Wurmbauch“)
    • Gewichtsverlust

    Bei starkem Befall können sich auch eine Anämie, Dehydratation, Wachstumsstörungen oder in seltenen Fällen sogar ein Darmverschluss entwickeln. Häufig wird es dann auch nötig, die Katzen zu päppeln, weil sie wieder Gewicht zulegen müssen. Gesunde, erwachsene Katzen zeigen bei leichtem Befall häufig keine Symptome, scheiden aber nichtsdestotrotz infektiöse Eier aus und stellen somit ein Risiko für andere Katzen und auch den Menschen dar.

    Hakenwürmer (Ancylostoma)

    Hakenwürmer zählen ebenfalls zu den häufigeren Darmparasiten bei Katzen. In Mitteleuropa ist vor allem Ancylostoma tubaeforme weit verbreitet, während Uncinaria stenocephala etwas seltener vorkommt. Tropische Arten wie Ancylostoma braziliense spielen bei uns kaum eine Rolle, können aber bei Reisen oder Importkatzen auftreten. In einer Untersuchung von Katzen in Brandenburg lag die Hakenwurmrate bei etwa 17 %, vergleichbare Werte wurden auch in der Schweiz festgestellt.

    Infektionswege: Wie sich Katzen mit Hakenwürmern anstecken

    Die Ansteckung mit Hakenwürmern erfolgt entweder über den Mund (z. B. beim Putzen oder durch das Fressen von Beutetieren) oder durch die Haut, wenn die Larven aus der Umwelt aktiv eindringen. Bei oraler Aufnahme gelangen die Larven direkt in den Dünndarm. Bei einer Infektion über die Haut wandern sie zunächst durch den Körper, bevor sie sich ebenfalls im Darm ansiedeln. Eine Übertragung über die Muttermilch wurde bei Katzen bisher nicht nachgewiesen.

    Ob Beutetiere wie Mäuse oder Ratten als sogenannte paratenische Wirte eine Rolle spielen, ist noch nicht abschließend geklärt – wird aber vermutet. Besonders gefährdet sind Freigängerkatzen, die viel Kontakt zu Erde oder kleinen Wildtieren haben. Aber auch Wohnungskatzen können sich anstecken, wenn infektiöse Larven etwa über Schuhe oder Pflanzenerde ins Haus gelangen.

    Hakenwürmer im Körper der Katze: Entwicklung und Symptome

    Einmal aufgenommen, entwickeln sich die Larven im Dünndarm der Katze zu ausgewachsenen Würmern. Ancylostoma tubaeforme heftet sich mit seinem hakenförmigen Maul an die Darmschleimhaut und saugt Blut, Uncinaria stenocephala ernährt sich eher von Gewebeteilen. Beide verursachen Reizungen, Entzündungen und Gewebeverluste im Darm.

    Wie stark die Symptome ausgeprägt sind, hängt vom Alter, dem Immunsystem und der Anzahl der Würmer ab. Besonders Jungtiere sind anfällig für schwere Krankheitsverläufe.

    Typische Symptome sind:

    • Blutiger oder anhaltender Durchfall
    • Gewichtsverlust
    • Struppiges, glanzloses Fell
    • Aufgeblähter Bauch
    • In schweren Fällen: Blutarmut (Anämie) und Austrocknung

    Gesunde, erwachsene Katzen zeigen bei leichtem Befall oft keine auffälligen Symptome – können aber trotzdem infektiöse Eier ausscheiden und andere Katzen anstecken.

    Hakenwurm Katze
    Bandwurm Katze

    Bandwürmer

    Bandwürmer zählen zu den häufigsten Darmparasiten bei Katzen. Sie parasitieren meist im Dünndarm und verursachen selten schwere Symptome, besitzen aber ein hohes Vermehrungspotenzial über Zwischenwirte wie Flöhe und Nagetiere. Die bedeutendsten Arten bei Katzen sind Taenia taeniaeformis („Katzenbandwurm“), Dipylidium caninum (Gurkenkernbandwurm) und gelegentlich Echinococcus multilocularis.

    Infektionswege: Wie sich Katzen anstecken

    Katzen infizieren sich, wenn sie infizierte Zwischenwirte fressen:

    • Taenia taeniaeformis-Finnen in Mäusen, Ratten, Bisamratten;
    • Floheier, aus denen Dipylidium caninum-Larven entstehen.

    Im Darm entwickeln sich daraus adulte Bandwürmer. Die Wurm-Segmente (Proglottiden) wandern aktiv aus dem After oder werden mit dem Kot ausgeschieden und verteilen sich durch Umweltfaktoren wie Regen oder Insekten. Unter günstigen Bedingungen (kühl & feucht) überdauern die Eier bis zu einem Jahr und können erneut Zwischenwirte infizieren.

    Freigängerkatzen sind durch Jagd auf Beutetiere besonders gefährdet, während Wohnungskatzen vornehmlich durch Flohbefall infizieren können. Europaweite Studien zeigen eine Prävalenz von Dipylidium caninum bei Katzen zwischen 1,8 % und 52,7 % je nach Haltung und Region.

    Bandwürmer im Körper der Katze: Entwicklung und Symptome

    Im Dünndarm entwickeln sich die Bandwürmer: Taenia taeniaeformis kann bis zu 60 cm lang werden und haftet mit Haken und Saugnäpfen an der Darmwand.

    Meist verläuft der Befall symptomlos, mögliche Anzeichen sind:

    • Appetitsteigerung bei Gewichtsverlust;
    • wechselhafte Verdauungsstörungen (z. B. schleimiger Kot);
    • Analjucken durch wandernde Proglottiden („Schlittenfahren“);
    • sichbare Segmente wie „Reiskörner“ im Fell oder auf Decken.

    In seltenen Fällen kann starker Befall zu Darmverschluss führen. Extraintestinale Zystenbildungen sind bei Katzen äußerst selten.

    Lungenwürmer

    Lungenwürmer (Helminthen, die sich außerhalb des Darms aufhalten) besiedeln Atemwege und Lunge von Katzen. Sie gelten als häufig übersehene Endoparasiten, die Atembeschwerden bis hin zu schweren Lungenerkrankungen verursachen können. Besonders Aelurostrongylus abstrusus stellt einen bedeutsamen Lungenwurm bei Katzen dar.

    Verbreitung und Bedeutung von Lungenwürmern

    Der Lungenwurm Aelurostrongylus abstrusus wird in Mitteleuropa zunehmend häufiger festgestellt. In einer Studie lag die serologische Antikörper-Prävalenz bei Katzen bei bis zu 12 %. In anderen Untersuchungen wurden je nach Region 0,5 % bis 6,6 % positiv getesteter Katzen nachgewiesen. Damit zählt A. abstrusus zu den wichtigsten extraintestinalen Parasiten bei Katzen in Europa.

    Infektionsweg: Wie sich Katzen mit Lungenwürmern anstecken

    Die Infektion erfolgt in der Regel über sogenannte Zwischen- oder Transportwirte. Dazu zählen:

    • Schnecken und Nacktschnecken (Zwischenwirte)
    • Vögel, Mäuse, Reptilien (Transportwirte, die Schnecken fressen)

    Frisst eine Katze einen dieser Wirte, gelangen die Larven über den Verdauungstrakt in den Körper. Die Wanderung erfolgt über Blutgefäße zur Lunge, wo sich die adulten Würmer in Bronchiolen und Alveolen ansiedeln. Dort legen sie Eier oder gebären direkt Larven, die abgehustet, abgeschluckt und mit dem Kot ausgeschieden werden – der Infektionszyklus beginnt von Neuem.

    Symptome bei befallenen Katzen

    Einige Tiere zeigen keinerlei klinische Anzeichen. Kommt es jedoch zu einem massiven Befall, können folgende Symptome auftreten:

    • Husten oder rasselnde Atemgeräusche
    • Nasenausfluss
    • Atemnot, Kurzatmigkeit
    • Gewichtsverlust, reduzierte Leistungsfähigkeit

    In schweren Fällen kann die Infektion mit Aelurostrongylus abstrusus zu einer chronisch-entzündlichen Reaktion im Lungengewebe führen, die unbehandelt tödlich verlaufen kann.

    Lungenwurm Katze
    Herzwurm Katze

    Herzwürmer

    Herzwürmer – wissenschaftlich Dirofilaria immitis genannt – sind Fadenwürmer, die über Mückenstiche auf ihre Wirte übertragen werden. Während sie ursprünglich vor allem im Mittelmeerraum vorkamen, zeigen neue Studien, dass die Parasiten zunehmend auch in Mitteleuropa Fuß fassen. Besonders problematisch: Bei Katzen ist die Infektion schwer zu erkennen und kann ohne Behandlung tödlich verlaufen.

    Verbreitung: Auch Deutschland ist betroffen

    Lange galt der Herzwurm als klassischer Mittelmeer-Parasit – doch das hat sich geändert. Der Klimawandel, die zunehmende Urbanisierung und globaler Tierhandel begünstigen seine Ausbreitung. In Deutschland wurden bereits mehrere importierte Fälle von Katzen mit Herzwürmern registriert, insbesondere aus dem Auslandstierschutz. Katzen aus Regionen wie Spanien, Italien, Griechenland oder Rumänien tragen damit ein erhöhtes Risiko in sich.

    Gleichzeitig breiten sich potenzielle Überträgermücken immer weiter aus: Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) wurde bereits in Baden-Württemberg und Thüringen nachgewiesen. Sie ist ein effektiver Vektor für Dirofilaria immitis und damit ein wachsendes Risiko – auch für Katzen, die nie im Ausland waren.

    Übertragung und Entwicklung der Herzwürmer

    Die Infektion beginnt mit dem Stich einer infizierten Stechmücke. Dabei werden sogenannte L3-Larven in die Haut eingebracht. Diese wandern durch das Gewebe, reifen heran und erreichen nach mehreren Wochen über den Blutkreislauf das Herz und die Lungenarterien. Dort wachsen sie zu adulten Würmern heran, die bis zu 30 cm lang werden können.

    Im Gegensatz zum Hund ist die Katze ein sogenannter atypischer Wirt: Nur wenige Larven reifen vollständig heran, was die Erkrankung schwer vorhersehbar macht – die Folgen können jedoch dramatisch sein.

    Symptome der Herzwurmerkrankung bei Katzen

    Die Symptome sind unspezifisch und reichen von mild bis lebensbedrohlich. Häufig beobachtet werden:

    • Husten, Atemnot, Tachypnoe
    • Erbrechen, teils mit Blut
    • Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust
    • Lethargie bis hin zu plötzlichem Tod

    Eine spezifische Komplikation bei Katzen ist das sogenannte „Heartworm Associated Respiratory Disease“ (HARD) – eine immunvermittelte, akute Entzündung der Lunge, ausgelöst durch absterbende Larven.

    Verlauf und Folgen

    Während beim Hund oft eine große Zahl an adulten Würmern festgestellt wird, genügt bei Katzen oft schon ein einzelner Herzwurm, um schwere Lungenschäden hervorzurufen. Die Würmer siedeln sich meist in den Lungenarterien an, können aber auch ins rechte Herz wandern. Das führt zu Gefäßverengungen, Thrombosen und einer reduzierten Sauerstoffversorgung der Organe.

    Zusätzlich werden durch die absterbenden Parasiten starke Entzündungsreaktionen ausgelöst, die insbesondere das Lungengewebe schädigen. Ein plötzlicher Tod ohne vorherige Symptome ist leider keine Seltenheit.

    Blasenwürmer

    Blasenwürmer wie Capillaria plica (auch Pearsonema plica) und der wesentlich seltener vorkommende Capillaria feliscati gehören zur Familie der Haarwürmer. Sie parasitieren vor allem in der Harnblase, gelegentlich auch in Harnleitern oder dem Nierenbecken von Katzen. Die Prävalenz liegt schätzungsweise zwischen 1 % und 5 % bei Haustieren, bei Wildtieren deutlich höher.

    Übertragung und Entwicklung von Blasenwürmern

    Katzen infizieren sich mit Blasenwürmern meist über den Verzehr infizierter Regenwürmer, in denen die L1-Larven heranreifen. Nach oraler Aufnahme wandern die Larven in den Verdauungstrakt und setzen sich in der Harnblase fest, wo sie zu mehreren Zentimetern langen Würmern heranreifen. Weibchen werden bis ca. 60 mm lang, Männchen sind deutlich kleiner.

    Symptome

    Die meisten Fälle verlaufen symptomlos und werden zufällig entdeckt. Bei symptomatisch infizierten Katzen zeigen sich Zeichen wie:

    • häufiger Harndrang in kleinen Mengen
    • Strangurie (Schmerzhaftes Urinieren)
    • Harnabsatz außerhalb der Katzentoilette
    • Hämaturie (Blut im Urin)

    Seltene, aber ernstere Verläufe können zu Nierenveränderungen einschließlich Amyloidose oder Verlegung der Harnwege führen.

    Blasenwurm Katze
    Peitschenwurm Katze

    Peitschenwürmer

    Peitschenwürmer (Gattung Trichuris) zählen zu den Fadenwürmern (Nematoden), die bei Hunden deutlich häufiger vorkommen als bei Katzen. In Mitteleuropa sind sie bei Katzen eher selten – Trichuris felis wurde bislang nur vereinzelt in Süd- und Osteuropa nachgewiesen. Dennoch sollten diese Parasiten insbesondere bei Auslandstieren oder bei Importen aus südlicheren Regionen in Betracht gezogen werden.

    Biologie und Entwicklung

    Peitschenwürmer siedeln sich im Blinddarm (Caecum) und im Dickdarm an. Charakteristisch ist ihr Aussehen: ein langer, dünner Vorderkörper („Peitschenschnur“) und ein verdicktes Hinterende („Griff“) verleihen ihnen ihr namensgebendes Erscheinungsbild. Die gelbbraunen Eier sind zitronenförmig mit auffälligen Polpfropfen. Die Entwicklung erfolgt direkt: Nach der Aufnahme infektiöser Eier durch das Maul schlüpfen Larven im Dünndarm und siedeln sich später im Dickdarm an. Die Präpatenz (Zeit bis zur Eiausscheidung) beträgt etwa 11 Wochen.

    Vorkommen im deutschsprachigen Raum

    In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind Peitschenwürmer bei Katzen bislang nur selten dokumentiert. Eine Untersuchung der Vetmeduni Wien ergab bei Hauskatzen eine Prävalenz von unter 2 % für Fadenwürmer (einschließlich Capillaria und Trichuris).

    Weitere Studien aus der Schweiz bestätigen vereinzelte Funde bei Tierheimkatzen, insbesondere bei Tieren mit unklarem oder ausländischem Herkunftshintergrund.

    Mögliche Symptome

    Ein leichter Befall bleibt meist symptomlos. Bei stärkerem Wurmbefall kann es zu folgenden Beschwerden kommen:

    • Schleimiger oder blutiger Durchfall
    • Abgeschlagenheit und Gewichtsverlust
    • Tenesmen (Pressen beim Kotabsatz)
    • In seltenen Fällen: Anämie (Blutarmut)

    Diese Symptome ähneln jenen bei anderen chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, weshalb eine korrekte Diagnostik wichtig ist.

    Diagnose von Wurmbefall bei Katzen

    Die zuverlässige Diagnose parasitärer Wurmerkrankungen bei Katzen ist essenziell, um zielgerichtet behandeln und einer Weiterverbreitung vorbeugen zu können. Die meisten Wurmarten lassen sich über die Analyse von Kot- oder Urinproben nachweisen, wobei Art, Nachweismethode und Zeitpunkt eine wichtige Rolle spielen.

    Spulwürmer (Toxocara cati, Toxascaris leonina)

    Der Nachweis erfolgt hauptsächlich durch den mikroskopischen Fund von Spulwurmeiern im Kot. Die sogenannte Flotation ist das Standardverfahren, dabei werden Wurmeier durch spezielle Lösungen aus dem Kot herausgelöst und mikroskopisch untersucht. Die Eiablage beginnt etwa 3 bis 5 Wochen nach Infektion, daher ist eine zu frühe Untersuchung nicht immer aussagekräftig. Wiederholte Kotuntersuchungen über 3 aufeinanderfolgende Tage erhöhen die Diagnosesicherheit.

    Hakenwürmer (Ancylostoma tubaeforme, Uncinaria stenocephala)

    Auch hier erfolgt die Diagnose meist durch Nachweis der charakteristischen Eier im Kot. Die Eier der verschiedenen Hakenwurmarten lassen sich morphologisch jedoch kaum unterscheiden. In Regionen mit hoher Prävalenz, wie Mitteleuropa, empfiehlt sich eine regelmäßige parasitologische Kotuntersuchung – insbesondere bei Freigängern und Tieren mit Jagdkontakt.

    Herzwürmer (Dirofilaria immitis)

    Die Diagnostik ist bei Katzen komplex, da sie oft nur wenige oder gar keine adulten Würmer entwickeln und Mikrofilarien selten im Blut nachweisbar sind. Ein kombinierter Ansatz wird empfohlen, bestehend aus Antigentest (Nachweis von Proteinen weiblicher Würmer), Antikörpertest (früher Infektionskontakt) und bildgebender Diagnostik wie Röntgen oder Ultraschall. Ein negatives Testergebnis schließt eine Infektion nicht sicher aus.

    Blasenwürmer (Capillaria plica / Pearsonema plica)

    Die Diagnose erfolgt über den Nachweis typischer, zitronenförmiger Eier im Urinsediment – häufig ein Zufallsbefund. Die Eier sind mikroskopisch gut von anderen Parasiten zu unterscheiden. Mehrere Proben können nötig sein, da die Eiausscheidung intermittierend erfolgt.

    Peitschenwürmer (Trichuris felis)

    Peitschenwürmer sind bei Katzen in Mitteleuropa selten, können jedoch über charakteristische Eier im Kot nachgewiesen werden. Diese sind dickwandig, symmetrisch und besitzen auffällige Endkappen (Polpfropfen). Auch hier erhöht die Untersuchung über mehrere Tage hinweg die Trefferquote. In tropischen Regionen ist der Befall häufiger.

    Katze Würmer erkennen
    Entwurmung Katze

    Behandlung von Wurmbefall bei Katzen

    Die Behandlung parasitärer Wurminfektionen bei Katzen richtet sich nach der jeweiligen Wurmart, dem Alter und Gesundheitszustand des Tieres und anderen Faktoren. Daneben spielt der Schweregrad des Befalls eine Rolle. Ziel ist es, die Parasiten vollständig aus dem Organismus zu entfernen und die klinischen Symptome zu lindern. Eine tierärztliche Diagnose muss der Therapie stets vorausgehen.

    Wichtig!

    Viele Wurminfektionen zeigen einen Entwicklungszyklus mit mehreren Stadien, in denen die Parasiten nicht empfindlich auf die Therapie ansprechen. Daher ist häufig eine Wiederholungsbehandlung nach zwei bis vier Wochen notwendig, um einen vollständigen Behandlungserfolg sicherzustellen.

    Bitte besprecht den Behandlungsplan individuell mit eurem Tierarzt oder eurer Tierärztin.

    Wichtig im Zusammenhang mit Wurmmitteln für Katzen

    Zugelassene und nachweislich wirksame Präparate zur Entwurmung von Katzen sind in Deutschland verschreibungspflichtig und rechtlich einwandfrei nur in der Tierarztpraxis oder gegen Vorlage eines tierärztlichen Rezepts erhältlich. Deine Katze muss außerdem in der Praxis vorgestellt werden, bevor solche Medikamente herausgegeben werden dürfen. Das ist wichtig, damit Dosierung, Wirkstoffkombination und Behandlungsintervall individuell auf deine Katze abgestimmt und ihr Gesundheitszustand fachgerecht beurteilt werden kann.

    Leider tauchen im Internet – etwa auf Plattformen wie eBay – immer wieder Fälschungen von bekannten Antiparasitika auf. Diese sehen dem Original oft täuschend ähnlich, können jedoch eine ungeeignete Menge an Wirkstoff oder gar keinen Wirkstoff enthalten oder sogar gesundheitsschädliche Substanzen beinhalten. Man spart hier also definitiv am falschen Ende.

    Auch andere im Internet frei verkäufliche „Wurmmittel“ besitzen häufig keine nachgewiesene Wirksamkeit. Manche enthalten zudem pflanzliche Inhaltsstoffe, die für Katzen ungeeignet oder sogar giftig sein können – denn nicht alle Kräuter, die für Menschen oder Hunde unproblematisch sind, werden auch von Katzen vertragen.

    Würmern bei Katzen vorbeugen

    Die wirksamste Maßnahme gegen Wurminfektionen bei Katzen ist die regelmäßige Entwurmung. Da einige Würmer, die bei Katzen vorkommen, auch ein Infektionsrisiko für Menschen darstellen (Zoonose), ist ein verantwortungsvoller Umgang insbesondere in Haushalten mit Kindern, älteren Menschen sowie Menschen oder Tieren, die von einer Immunschwäche betroffen sind, unerlässlich. Die Wurmkur an sich wirkt jedoch nicht vorbeugend, sondern bekämpft nur den aktuellen Befall.

    Empfohlene Entwurmungsintervalle

    Der ESCCAP empfiehlt eine Entwurmung abhängig von den individuellen Lebensumständen der Katze und ihres Personals bei:

    • Freigängern: mindestens alle 3 Monate
    • Wohnungskatzen: mindestens 1 bis 2x pro Jahr

    Ob häufigere Entwurmungen notwendig sind und welches Medikament am besten für eure Katze geeignet ist, besprecht ihr am besten mit der Tierarztpraxis eures Vertrauens. Das kann z. B. bei Flohbefall, Kontakt zu Babys, immungeschwächten Personen/Tieren, Aufenthalt in einer Tierpension, Rohfütterung, bei Katzenwelpen und bei säugenden Katzen der Fall sein.

    Wird die Katze mit BARF gefüttert, sollten Rohfleisch und Innereien vor Fütterung an die Katze mindestens eine Woche bei -20° C tiefgefroren worden sein.

    Regelmäßige Kotuntersuchungen können einzelne Entwurmungen ersetzen, sind aber nur positiv beweisend, d. h. es kann sein, dass in der Kotprobe kein Hinweis auf Würmer gefunden wird, bei der Katze aber dennoch ein Befall vorliegt.

    Gerade bei Freigängern, die Vögel, Mäuse und Co. mit nach Hause bringen und draußen ihr Geschäft verrichten, ist eine regelmäßige Entwurmung daher im Zweifelsfall die sicherere Wahl. 

    Wie oft Katze entwurmen?
    Katzenwürmer für Menschen gefährlich

    Zoonosegefahr für den Menschen durch Würmer

    Wurmbefall betrifft nicht nur die Gesundheit der Katze, sondern kann auch ein Risiko für den Menschen darstellen. Vor allem Kinder, ältere Menschen und immungeschwächte Personen sind gefährdet.

    Spulwürmer: Spulwürmer sind häufige Endoparasiten bei der Katze. Menschen infizieren sich durch die Aufnahme von Eiern aus der Umwelt. Im „Fehlwirt“ Mensch entwickeln sich die Larven nicht zu adulten Würmern, sondern wandern durch Organe und Gewebe. Das führt zu unterschiedlichen Krankheitsbildern (Toxokarosen), von Bauchschmerzen über Lungensymptome bis hin zu Augenschäden (okuläre Larva migrans). In Österreich zeigten serologische Untersuchungen Antikörper bei 27 % der Tierärzte und 44 % der Landwirte – ein Hinweis auf häufigen Kontakt. Für Deutschland wird von mehreren hundert Fällen pro Jahr ausgegangen.

    Hakenwürmer: Diese blutsaugenden Dünndarmparasiten verursachen bei Katzen v. a. Anämien und Durchfälle. Für den Menschen sind die Larven relevant: Sie können über die Haut eindringen, z. B. beim Barfußlaufen auf kontaminierter Erde, und die typische Larva migrans cutanea (Hautmaulwurf) hervorrufen. In seltenen Fällen können sie weiter wandern und Organe befallen.

    Bandwürmer: Der Gurkenkernbandwurm (Dipylidium caninum) wird über Flöhe übertragen. Menschen, meist Kinder, können sich z. B. durch das versehentliche Verschlucken von infizierten Flöhen infizieren. Das ist aber recht selten und die Erkrankung verläuft meist mild.Der Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) stellt dagegen eine erhebliche Gefahr dar. Eine Infektion beim Menschen führt zur alveolären Echinokokkose, die lebensbedrohlich verlaufen kann. Katzen können in seltenen Fällen infektiöse Eier ausscheiden.

    Da Katzen Würmer nicht nur für sich selbst, sondern auch für den Menschen zu einem relevanten Gesundheitsrisiko machen können, ist es auch zum Eigenschutz und zum Schutz seiner Mitmenschen eine gute Idee, regelmäßige Wurmkuren oder Kotuntersuchungen durchzuführen. Zudem sind regelmäßige Flohprophylaxe und allgemeine Hygienemaßnahmen, wie Händewaschen nach Kontakt zu den Katzen und dem Reinigen der Katzentoiletten, sinnvoll.

    Hausmittel gegen Würmer bei Katzen

    Immer wieder kursieren Empfehlungen zu natürlichen Hausmitteln, die angeblich gegen Würmer bei Katzen helfen sollen. Diese reichen von rohen, geriebenen Karotten und getrockneten Hasenohren, die die Parasiten mechanisch aus dem Darm ‚herausschieben‘ sollen, bis hin zu klein geschnittenen Pferdehaaren, denen nachgesagt wird, dass sie Würmer aufspießen und dadurch unschädlich machen könnten. Für keine dieser Methoden gibt es wissenschaftliche Belege.

    Auch für Pflanzen wie Wermut oder Knoblauch liegen keine gesicherten Daten zur Wirksamkeit bei Katzen vor – im Gegenteil, beide können für die Tiere sogar giftig sein. Ebenso werden immer wieder Kürbiskerne empfohlen, da sie den Inhaltsstoff Cucurbitin enthalten, der angeblich Bandwürmer lähmen soll. Auch hier ist bei Katzen kein Effekt nachgewiesen.

    Da Katzen insgesamt sehr empfindlich auf sekundäre Pflanzenstoffe reagieren, ist bei der Verwendung von Kräutermischungen und ätherischen Ölen grundsätzlich Vorsicht geboten. Ursache ist die sogenannte Glucuronidierungsschwäche: Katzen verfügen nur über eine eingeschränkte Aktivität bestimmter Leberenzyme (UDP-Glucuronyltransferasen) und können viele Pflanzeninhaltsstoffe daher nur unzureichend entgiften. Diese Substanzen können sich im Körper anreichern und bereits in geringen Mengen toxisch wirken.

    Den einzige zuverlässige Methode stellen daher nachweislich wirksame, zugelassene Entwurmungspräparate dar, die individuell angepasst an die Lebensumstände der Katze und auf Basis der Empfehlungen der Tierärztin oder des Tierarztes eingesetzt werden.

    Und last but not least: Nach aktuellem Kenntnisstand haben die in der Tierarztpraxis erhältlichen, zugelassenen Entwurmungsmedikamente keinen langfristig negativen Effekt auf das Darmmikrobiom – Entzündungen durch einen Wurmbefall dagegen durchaus.

    Katze entwurmen ohne Tierarzt
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    Sind Grünlilien für Katzen giftig?

    Katzenpflanzen

    Sind Grünlilien für Katzen giftig?

    Zimmerpflanzen wie Grünlilien verschönern das Zuhause, sind pflegeleicht und gelten als äußerst robust. Doch gerade im Katzenhaushalt stellt sich die Frage, ob diese beliebten Pflanzen auch wirklich sicher sind. Denn viele Zimmerpflanzen enthalten Stoffe, die für Katzen giftig sein können – in manchen Fällen sogar lebensbedrohlich. Wer Katzen hat, tut daher gut daran, genau hinzuschauen und nur ungiftige Pflanzen in der Wohnung zu platzieren, die keine Gefahr darstellen.

    Eine Möglichkeit stellen hier die Grünlilien (Chlorophytum comosum) dar, die als anspruchslose und nichtsdestotrotz attraktive Zimmerpflanzen gelten. Im Folgenden gehen wir genauer auf Herkunft, Aussehen und mögliche Gefahren durch das Beamtengras, wie die Grünlilien auch genannt werden, ein.

    Grünlilien

    Herkunft der Grünlilie

    Grünlilien stammen ursprünglich aus Afrika und sind dort im Osten, von Äthiopien bis Südafrika und im Westen des Kontinents zu finden. Die Pflanzen wachsen in Südafrika im Unterholz bewaldeter Flusstäler, im Gebüsch und in den Bergen. Auf dem Kilimandscharo findet man Grünlilien in Höhen von nahezu 2500 Metern.

    Die Pflanze gehört zur Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae). Ihre große Anpassungsfähigkeit und ihr schnelles Wachstum machten sie nicht nur in botanischen Sammlungen populär, sondern auch in privaten Haushalten. Heute zählt die Grünlilie zu den „Klassikern“ unter den Zimmerpflanzen, die nahezu jeder kennt – oft auch als pflegeleichte „Einsteigerpflanze“.

    Aussehen der Grünlilie

    Das charakteristische Merkmal der Grünlilie sind ihre langen, schmalen Blätter, die in dichten Rosetten wachsen. Typisch ist die grün-weiß gestreifte Musterung vieler Sorten, es gibt aber auch rein grüne Varianten. Die Blätter können bis zu 45 Zentimeter lang werden.

    Ein charakteristisches Merkmal der Pflanzen sind die Kindel: Kleine Ableger, die an langen, herabhängenden Trieben entstehen. Diese erinnern an Spinnen, weshalb die Pflanze im Englischen auch „Spider Plant“ genannt wird. Aus den unscheinbaren weißen Blüten, die in den Sommermonaten erscheinen können, entwickeln sich die Pflänzchen, die sich leicht abtrennen und einwurzeln lassen.

    Grünlilien werden gerne in klassischen Blumentöpfen oder auch in Blumenampeln gepflegt. Gerade in Haushalten mit Katzen sind die herabhängenden Blätter allerdings eine Einladung zum Spielen und Knabbern.

    Sind Grünlilien für Katzen giftig?

    Die Grünlilie gilt für Katzen als ungiftig. Allerdings wurden in den unterirdischen Teilen der Pflanzen Toxine (Saponine) nachgewiesen. Allerdings sind dazu bisher in der Literatur keine Vergiftungsfälle beim Tier beschrieben worden 1Chlorophytum comosum – https://www.vetpharm.uzh.ch/. Abgerufen am: 03.09.2025

    Jedoch kann die Aufnahme größerer Mengen der Pflanze zu Magen-Darm-Beschwerden führen, daher sollte das „Beamtengras“ von Katzen dennoch nicht im Übermaß verzehrt werden. Zudem besteht bei der Grünlilie wie auch bei anderen Pflanzen, durch die Blätter grundsätzlich das Risiko von Verletzungen im Mund-Rachenraum. Des Weiteren nehmen die Pflanzen Schadstoffe aus der Raumluft auf, was ebenfalls eine Gefahr darstellen kann.

    Es ist daher auch bei der Grünlilie sinnvoll, die Katzen zu beobachten und die Pflanze gegebenenfalls aus der Reichweite der Stubentiger zu entfernen, sollten sie zu großes Interesse am Beamtengras zeigen.

    Warum knabbern Katzen so gerne an Grünlilien?

    Viele Katzenbesitzer kennen das Problem: Kaum steht die Pflanze irgendwo erreichbar, schon macht sich die Katze daran zu schaffen. Dafür gibt es mehrere Gründe:

    • Instinktives Verhalten: Katzen fressen Gras oder andere Pflanzen, um Haarballen loszuwerden und die Verdauung anzuregen.
    • Spieltrieb: Die langen, hängenden Blätter sind eine spannende „Beute“.
    • Neugier: Gerade junge Katzen probieren alles aus.

    Dass Katzen Grünpflanzen anziehend finden, ist also im Endeffekt ganz normal, kann aber unter Umständen für die Haustiger problematisch sein.

    Merke-Katze

    In a Nutshell / Zusammenfassung

    • Ist die Grünlilie für Katzen giftig?

      Nein, die Grünlilie (Chlorophytum comosum) gilt laut ASPCA und Vetpharm-Datenbank als ungiftig für Katzen. Weder Blätter noch Stängel enthalten toxische Substanzen, die bei normalem Kontakt gefährlich wären.

    • Darf meine Katze an der Grünlilie knabbern?

      In kleinen Mengen ist das Knabbern in der Regel unbedenklich. Frisst die Katze jedoch große Mengen, kann es zu leichten Magen-Darm-Beschwerden wie Erbrechen oder Durchfall kommen. Daher sollte der Verzehr möglichst eingeschränkt werden.

    • Welche Pflanzenteile der Grünlilie können problematisch sein?

      Einige Quellen berichten, dass unterirdische Pflanzenteile (z. B. Wurzeln) geringe Mengen Saponine enthalten. Diese gelten als reizend, aber nicht akut giftig. Auch Samenstände sollten sicherheitshalber entfernt werden.

    • Ist die Grünlilie katzenfreundlich?

      Ja, sie zählt wie die Bromelie zu den katzenfreundlichen Zimmerpflanzen – vorausgesetzt, die Katze frisst nicht regelmäßig große Mengen.

    • Kann meine Katze durch Grünlilien vergiftet werden?

      Nein, eine Vergiftung durch Grünlilien ist sehr unwahrscheinlich. Es kann aber zu Unverträglichkeitsreaktionen wie Durchfall kommen, wenn zu viel gefressen wird. In Raucherhaushalten kann die Pflanze zusätzlich Schadstoffe aus der Luft aufnehmen

    • Was passiert, wenn eine Katze zu viel Grünlilie frisst?

      Typische Reaktionen sind: Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen. Diese Beschwerden verschwinden meist von selbst. Im Zweifelsfall sollte aber die Tierarztpraxis des Vertrauens konsultiert werden.

    • Was ist, wenn meine Katze ständig an Pflanzen knabbert?

      Dann ist es eine gute Idee, Alternativen anzubieten und die Pflanzen unzugänglich für die Katze zu platzieren (z. B. in einer Hängeampel). Zudem ist es – wie bei jedem auffälligen Verhalten – sinnvoll, die Katze gut zu beobachten und vorsorglich in der Tierarztpraxis vorzustellen, um gesundheitliche Probleme (z. B. Magen-Darm-Beschwerden) oder Schmerzen nicht zu übersehen.

    Studie: Gen beeinflusst Verhalten

    Wissenschaft

    Studie: Gen beeinflusst Katzenverhalten

    Katzen gehören zu den beliebtesten Heimtieren weltweit und leben eng mit uns Menschen zusammen. Anders als ihre wilden Vorfahren – wie die afrikanische Wildkatze (Felis lybica) – zeigen Hauskatzen ein erstaunlich breites Repertoire an sozialen Verhaltensweisen. Sie kommunizieren mit Artgenossen und Menschen über Gerüche, Körpersprache, Berührungen und verschiedene Lautäußerungen. Besonders auffällig: das Schnurren.

    Schnurren, im Englischen auch „Purring“ genannt, ist eine einzigartige Form der Lautkommunikation bei Katzen. Es wirkt beruhigend, signalisiert häufig Zufriedenheit und dient zugleich als Mittel zur Kontaktaufnahme – etwa zur Futterforderung. Zugleich schnurren Katzen auch in Stresssituationen oder bei Schmerzen und Krankheit. Forschende vermuten, dass es dann der Selbstberuhigung dient oder sogar heilende Effekte haben könnte. Die genaue Funktion des Schnurrens ist allerdings bis heute nicht abschließend geklärt. Jedoch tritt es in vielfältigen sozialen Kontexten auf: als Ausdruck von Wohlbefinden, zur Konfliktvermeidung oder in Form des sogenannten „Solicitation Purr“ – einer Variante mit hoher Frequenz, die besonders fordernd klingt und oft gezielt gegenüber Menschen eingesetzt wird.

    Neben Umweltfaktoren und Lernerfahrungen könnten auch genetische Unterschiede eine Rolle spielen. In der Verhaltensforschung gilt das Zusammenspiel von „Anlage und Umwelt“ als entscheidend. Während bei Hunden der Einfluss der Genetik auf Verhalten gut dokumentiert ist, steckt die entsprechende Forschung bei Katzen noch in den Anfängen. Die aktuelle Studie aus Japan leistet hier wichtige Pionierarbeit – und stellt das Androgenrezeptor-Gen ins Zentrum der Analyse.

    Ziel der Studie

    Ziel der Untersuchung war es, herauszufinden, ob bestimmte Varianten des Androgenrezeptor-Gens (AR-Gen) das Verhalten von Hauskatzen beeinflussen. Solche Zusammenhänge sind bei Menschen und anderen Tierarten bereits bekannt – bei Katzen wurde dieser Zusammenhang nun erstmals systematisch untersucht.

    Methodik

    An der Studie nahmen 280 kastrierte Hauskatzen teil (145 männliche, 135 weibliche Tiere). Die Halterinnen und Halter füllten einen umfassenden Fragebogen aus, den sogenannten Fe-BARQ (ein wissenschaftlich entwickelter Fragebogen zur Einschätzung des Katzenverhaltens, kurz für Feline Behavioral Assessment and Research Questionnaire). Mit diesem wissenschaftlich erprobten Instrument wurden 23 verschiedene Verhaltensmerkmale erfasst.

    Parallel dazu analysierten die Forschenden eine genetische Sequenz im ersten Exon des AR-Gens der Tiere. In diesem Abschnitt variiert die Anzahl sogenannter CAG-Wiederholungen, also kleiner genetischer Bausteine, die je nach Häufigkeit unterschiedliche Genvarianten (sogenannte Allele) erzeugen. Je nach Länge dieser Wiederholungen wurden die Katzen in zwei Gruppen eingeteilt:

    • Kurz-Typ: bis zu 18 Wiederholungen
    • Lang-Typ: 19 oder mehr Wiederholungen

    Die Ergebnisse der Verhaltensauswertung wurden dann mit den genetischen Daten in Beziehung gesetzt.

    Ergebnisse der Studie

    Die Studie zeigte mehrere interessante Zusammenhänge zwischen Genotyp und Verhalten:

    • Schnurren: Katzen mit dem Kurz-Typ schnurrten laut Angaben ihrer Halterinnen und Halter deutlich häufiger.
    • Lautäußerungen bei männlichen Katzen: Kater mit der Kurz-Variante des Gens zeigten signifikant mehr gezielte Lautäußerungen (z. B. Miauen zur Kommunikation).
    • Aggression bei weiblichen Katzen: Weibliche Kurz-Typ-Katzen zeigten mehr Aggression gegenüber fremden Personen.
    • Domestikationsspur: Lange Allele (20–22 Wiederholungen) traten ausschließlich bei Hauskatzen auf, nicht bei Wildkatzen. Dies deutet darauf hin, dass diese Genvariante möglicherweise im Zuge der Haustierwerdung positiv selektiert wurde.

    Fazit

    Die Studie liefert erste klare Hinweise darauf, dass genetische Faktoren – konkret die Länge eines CAG-Repeat-Abschnitts im AR-Gens – das Verhalten von Hauskatzen mitbestimmen können. Schnurren, Kommunikationsverhalten und soziale Reaktionen auf Menschen sind demnach nicht nur erlernt oder umweltbedingt, sondern könnten auch genetisch vorgeprägt sein.

    Das macht die Ergebnisse besonders interessant für Katzenhalter:innen, Verhaltenstherapeut:innen, Tierärzt:innen und die Forschung. Langfristig könnte genetisches Screening eine neue Rolle in der Verhaltenseinschätzung und -beratung spielen. Bis dahin liefert die Studie aber vor allem eines: neue Denkanstöße über das Zusammenspiel von Erbanlagen und Verhalten.

    Referenz: Yume Okamoto, Madoka Hattori, Miho Inoue-Murayama. Association between androgen receptor gene and behavioral traits in cats (Felis catus). PLOS One, 2025; 20 (5): e0324055 DOI: 10.1371/journal.pone.0324055

    Katze Nussschale

    In a Nutshell / Zusammenfassung

    • Was wurde untersucht?

       
      Der Zusammenhang zwischen Varianten im Androgenrezeptor-Gen (AR-Gen) und dem Verhalten von Hauskatzen.

    • Wie wurde geforscht?

       
      Kombination aus Verhaltensfragebogen (Fe-BARQ) und genetischer Analyse (CAG-Wiederholungen).

    • Was kam heraus?

       
      Katzen mit der Kurz-Variante des Gens schnurrten mehr, männliche Tiere äußerten sich häufiger stimmlich, weibliche Tiere zeigten mehr Aggression gegen Fremde.

    • Warum ist das relevant?

       
      Die Ergebnisse liefern neue Erkenntnisse über die genetische Basis von Katzenverhalten – mit Bedeutung für Haltung, Forschung und tiermedizinische Beratung.

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