Emma erklärt: Dunning-Kruger-Effekt – die Krux mit der Selbstüberschätzung

Emma erklärt

Dunning-Kruger-Effekt - die Krux mit der Selbstüberschätzung

“Melde dich unbedingt in der Gruppe an, die kennen sich dort richtig gut aus!” - Ein Satz, den man in den sozialen Medien häufiger liest, wenn es um Krankheiten bei Katzen geht. Hin und wieder ist es so, dass dem wirklich der Fall ist und in Gruppen kompetente Menschen unterwegs sind, die ihre Grenzen kennen und im Rahmen dieser gezielt helfen können. Weitaus häufiger vertreten ist jedoch leider der personifizierte Dunning-Kruger-Effekt. Darüber möchte ich euch heute ein wenig erzählen, nachdem wir im letzten "Emma erklärt" schon ein ähnliches Thema hatten.

Genauer gesagt, möchte ich euch eine Geschichte erzählen. Die Namen der Protagonisten sind willkürlich gewählt und haben nichts mit realen Personen zu tun.

weisse katze dunning kruger

© cocozi / pixabay.com

Wenn du nicht weißt, was der Dunning-Kruger-Effekt ist, dann sieh dir vielleicht erst einmal dieses kurze Video  an, in dem der Effekt kurz und knackig erklärt wird.

***

Bacardi

Eine Frau, nennen wir sie Sonja, lebt mit einem schon etwas älteren Kater namens Bacardi zusammen und liebt das Fellknäul natürlich sehr. Da Bacardi in letzter Zeit etwas abgenommen hat, viel trinkt und pinkelt und auch sonst nicht so fit wirkt, stellt sie ihn ihrer Tierärztin vor, die den Kater schon seit vielen Jahren betreut, und leider stellt diese eine Diagnose, die Sonja in große Sorge versetzt. Sie hat Angst, ist verunsichert und möchte ihrem Kater Bacardi natürlich gerne bestmöglich helfen. Soweit so verständlich.

Da sie sich mit ihren Sorgen nach dem Tierarztbesuch recht allein gelassen fühlt, erzählt sie in einer Facebook-Gruppe davon und bekommt dort die Empfehlung, in eine bestimmte “Fachgruppe” einzutreten. Die Gruppe sei DIE Gruppe zu dem Thema, so wird ihr gesagt, in der sich die richtigen (Anm. d. Red. selbsternannten) Experten tummeln würden. Außerdem wird sie schon einmal darauf hingewiesen, dass Tierärzten nicht zu trauen sei und dass diese pauschal von dieser (Anm. d. Red.: leider recht häufigen) Krankheit meist keine Ahnung hätten. Zumindest nicht annähernd so viel wie die Experten in der Gruppe.

Sonja in ihrer Sorge um Bacardi tritt also in diese Gruppe ein. In dieser Facebook-Gruppe tummelt sich unter anderem auch die Christel. Die Christel hat - wie in ihrem Profil zu lesen ist - die Schule des Lebens besucht (weitere Qualifikationen nicht ersichtlich) und ist quasi der Mensch gewordene Dunning-Kruger-Effekt. Soll heißen, Christel kann eigentlich gar nichts, leidet aber unter gewaltiger Selbstüberschätzung und ist der festen Überzeugung, sie sei die absolute Expertin zu dem Thema. Da sie sehr von sich überzeugt ist und sich auch entsprechend verkauft, wird Dunning-Kruger-Christel von den anderen Gruppenmitgliedern verehrt und fühlt sich durchwegs in ihrer Ansicht bestätigt.

Sonja stellt jetzt also ihren Fall in der Gruppe dar, woraufhin natürlich sofort Christel markiert wird. Dunning-Kruger-Christel ist jetzt voll in ihrem Element. Sie schlüpft zu Hause vorm PC in ihren weißen Kittel, legt sich ihr - eigens zu diesem Zweck angeschafftes - Stethoskop um den Hals, überlegt ob sie vielleicht auch noch den Kasack und das Otoskop... entscheidet sich aber dann aus Zeitgründen dagegen und lässt sich erst einmal alle Befunde samt Laborergebnissen schicken (Blutbilder sind nämlich absolut ihr Ding, da kann sie so richtig zeigen, was sie kann).

Auf Basis dieser Daten erstellt Sie dann (Anm. d. Red.: Wir vermuten schwer, dass sie dafür eine Glaskugel oder alternativ ein Pendel zur Hilfe nimmt, genau wissen wir es nicht - anders als Christel können wir nämlich leider nicht hellsehen.) aus der Ferne ohne den Kater je gesehen zu haben, eine Diagnose, die selbstverständlich vollkommen von der der Tierärztin abweicht. Entsprechend ist die von der Tierärztin angedachte Therapie nach Einschätzung von Dunning-Kruger-Christel natürlich vollkommen falsch und diese eine inkompetente Vollidiotin.

Christel, nach wie vor felsenfest von sich überzeugt, erstellt nun erst einmal einen neuen Therapieplan für Bacardi, der zunächst einmal ganz viele Produkte enthält, die irgendetwas mit Schwingungen zu tun haben, aber keine nachgewiesene Wirkung aufweisen und erklärt Sonja ganz genau, dass sie diese Mittel nur mit Wasser oder in Schleckpaste geben darf, damit diese über die Maulschleimhaut aufgenommen werden können, aber keinesfalls in Futter, da die aggressive Magensäure der Katze die Mittel ansonsten zerstören würde.

Hier jetzt erstmal eine gewaltige La-Ola-Welle und ein großes OOOOOOOOOOOHH WOW!!! bitte für unsere Magensäure, die so aggressiv ist, dass sie sogar nicht nachweisbare Schwingungen abtöten kann. So Kleinigkeiten wie die, dass es ziemlich irrelevant ist, ob entsprechende Mittelchen mit Schleckpaste, Futter oder Wasser im Magen landen, lassen wir hier jetzt mal außen vor. Ist ja auch nicht wichtig, ne.
 

Aber ich schweife ab. Weiter mit unserer Geschichte.

Christel betont noch einmal die Wirksamkeit der von ihr verordneten Mittel, die von Pankreatitis und Krebs heilen bis hin zu Harnstoff senken und die Schwanzspitze pink färben so ziemlich alles können und beschwört Sonja, sich von der Tierärztin bloß nichts aufschwatzen zu lassen und das vorgeschlagene Diätfutter und die verordneten Medikamente auf keinen Fall zu geben.

Alternativ solle sie sich aber bei Dunning-Kruger-Christel nach einer Woche noch einmal melden, wie die Therapie angeschlagen habe. Christel würde dann entscheiden, ob die Therapie so fortgeführt würde oder ob noch eine Anpassung notwendig sei.

Um dem Ganzen noch einen intellektuellen Touch zu geben, führt Christel nun zum Abschluss auch noch einige englischsprachige Quellen an. Dass in der Schule des Lebens kein Englisch gelehrt wurde und Christel - nun sagen wir mal - einige Lücken hat, was die englische Sprache noch dazu im fachlichen Kontext angeht, lassen wir jetzt einfach einmal unter den Tisch fallen. Wen interessieren solche Kleinigkeiten schon.

Soweit so gut. Halten wir einmal kurz fest. Wir haben jetzt einmal die Einschätzung der Tierärztin, die die Katze samt Personal schon jahrelang kennt und betreut, sie live gesehen und untersucht hat, paar Jährchen Studium und noch ein paar Jährchen mehr Berufserfahrung hinter sich hat und wir haben die Einschätzung einer Person, die Sonja völlig fremd ist, von der Schule des Lebens abgesehen, nicht einmal annähernd mit einer Qualifikation glänzen kann, sich aber - in grenzenloser Selbstüberschätzung - aufführt als wäre sie allwissend und einfach mal so aus der Ferne - ohne die Katze je gesehen zu haben - die Diagnose der Tierärztin auseinandernimmt und einen eigenen Therapieplan erstellt.

Wem wird Sonja nun vertrauen? Ihr ahnt was kommt...

Sonja findet das, was Christel da von sich gibt, alles sehr einleuchtend. Schließlich hat die Christel das sehr überzeugend erklärt und sie hat ja jetzt auch schon häufiger gelesen, dass die alle keine Ahnung hätten und einem nur das Geld aus der Tasche ziehen wollten und überhaupt. Also macht sie alles ganz genau so, wie von Dunning-Kruger-Christel vorgeschlagen. Sie setzt die von der Tierärztin mitgegebenen Medikamente ab, sie gibt kein anderes Futter und sie sucht auch nicht mehr - wie besprochen - die Tierärztin zum vereinbarten Kontrollbesuch auf, die ihr in den letzten Jahren zur Seite gestanden hat.

Innerhalb von drei Wochen hat Bacardi so sehr abgebaut, dass als einzige Option bleibt, ihn einschläfern zu lassen, um ihn vor weiterem Leid zu bewahren. Diesen Dienst darf dann (natürlich) wieder die Tierärztin übernehmen (kann und darf die Christel ja schließlich nicht und selbst wenn sie es könnte, wäre ihr das psychisch natürlich keineswegs zumutbar, könnte ja schließlich passieren, dass ihr Ego dann einen Knacks bekäme #ironieoff), während Christel in der Zwischenzeit schon wieder 12 andere Katzen “ferntherapiert” hat. Hätte man Bacardi direkt richtig behandelt, hätte er ohne Weiteres noch einige schöne Wochen, Monate oder sogar Jahre haben können.

Eine Geschichte ohne Happy End.

***

Gerne würden wir es jetzt mit Jonathan Frakes halten und “Sie glauben diese Geschichte ist wahr. Falsch, sie ist frei erfunden.” schreiben, aber leider ist dem nicht so. Vielleicht ist manches ein wenig überzeichnet dargestellt (wir wissen beispielsweise natürlich nicht, ob Christel wirklich mit dem Stethoskop vor dem PC sitzt), aber im Kern ist sie wahr und es handelt sich dabei beileibe nicht um einen Einzelfall.

***

Wer ist nun schuld an der ganzen Misere? Dass Dunning-Kruger-Christel unter gewaltiger Selbstüberschätzung leidet, ist das eine und leider kann man solchen Menschen nicht wirklich Einhalt gebieten, aber die Verantwortung für eure Tiere liegt bei EUCH.

Und wir sagen es auch gerne noch 50-mal: Ihr dürft kritisch sein, ihr dürft euch selbst informieren und Dinge hinterfragen und selbstverständlich auch gerne eine Zweit-, Dritt- oder Viertmeinung von anderen Tiermedizinern einholen, wenn ihr Zweifel habt oder das Gefühl, ihr kommt nicht weiter, aber bitte, BITTE seid doch (Pardon, my French!) nicht so BLÖD, das Leben eurer Tiere irgendeinem dahergelaufenen Mensch gewordenen Dunning-Kruger-Effekt im Internet anzuvertrauen!

Ihr kennt diese Menschen nicht, sie haben euer Tier weder je gesehen noch untersucht, ihr wisst nicht, was die wirklich können, egal wie überzeugend, das was sie von sich geben, auch klingen mag, und sobald sie euch auch nur annähernd an Dunning-Kruger-Christel erinnern, dann nehmt die Beine in die Hand und lauft. Denn dann handelt es sich mit 200%iger Sicherheit nicht um einen Menschen, dem ihr unser Leben anvertrauen solltet!

Wir haben nur dieses eine Leben und wir möchten uns bitte, BITTE darauf verlassen können, dass ihr alles dafür tut, dass wir unser Leben so lange wie möglich lebenswert führen können.

Wir sind keine Versuchskaninchen für Menschen, die in gnadenloser Selbstüberschätzung und ohne jedwede (oder zumindest ausreichende) Fachkompetenz Glaskugeldiagnosen und Therapievorschläge aus dem Ärmel schütteln.

Herzlichen Dank!

PS: Wer an Homöopathie glaubt und diese NEBEN DER TIERÄRZTLICHEN BEHANDLUNG (nicht stattdessen!!!) und in Absprache mit dem Tierarzt/der Tierärztin gerne einsetzen möchte (wie z. B. die SUC-Therapie bei Nierenerkrankungen), kann das natürlich gerne tun. Darum geht es hier nicht.

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Interview: Katzen und Feuer – richtiges Verhalten im Brandfall

Interview

Richtiges Verhalten im Brandfall

Im Gespräch mit anderen Katzenhaltern, ganz gleich, ob online oder offline taucht die Frage immer wieder auf. "Plant ihr für den Notfall?", "Habt ihr euch schon einmal darüber Gedanken gemacht, was mit euren Tieren passiert, wenn bei euch zu Hause ein Feuer ausbricht?" usw.. Ich habe und habe gottseidank auch jemanden gefunden, der mir meine neugierigen Fragen beantwortet. ;-)

Haustiger: Hallo Ingo, erzähl doch mal ein wenig von dir, damit unsere Leser auch wissen, mit wem sie es zu tun haben.

Ingo: Mein Name ist Ingo Behring, 43 Jahre alt. Ich bin seit über fünfundzwanzig Jahren bei der Feuerwehr aktiv, zum einen bei der Freiwilligen Feuerwehr in Bad Driburg und seit 1997 bei der Berufsfeuerwehr. Daneben bin ich Autor des Buches „112- der tägliche Wahnsinn“.

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Haustiger: Lebst du selbst mit Katzen zusammen? Und hast du dir schon einmal Gedanken zu dem Thema Katze und Brandfall gemacht?

Ingo: Ich lebe selbst in einer Wohngemeinschaft mit einer Europäisch Kurzhaar und habe mir natürlich auch schon mal Gedanken darüber gemacht, wie schnell ich meiner Katze im Ernstfall habhaft werden könnte. Das ist aber, wie ich aus Einsatzerfahrungen gelernt habe, nicht so einfach: Katzen verstecken sich unter Stress in den tiefsten Ecken. Sie sind eben auch heute noch Höhlenbewohner.
Der Nachteil: Man kommt oft sehr schlecht an sie heran, was Zeit kostet – wenn man das Tier überhaupt in der Hektik der Situation findet. Hier muss man leider sagen, dass man zunächst an sein eigenes Leben denken sollte. Auch für die Rettungskräfte, die im schwarzen Rauch häufig nur tastend die Wohnung erkunden können, ist es schwer, sie zu entdecken.
Der Vorteil dieser Verstecke: In diese kleinen Winkel, z.B. unter einer Eckbank oder hinter dem Sofa, dringt der Brandrauch als letztes vor. So habe ich es schon mehrfach erlebt, dass wir in einer stark brandgeschädigten Wohnung, in der kein Mensch überlebt hätte, bei den Aufräumarbeiten eine verängstigte, aber unverletzte Katze gefunden haben. Im Gegensatz zum Menschen können Katzen alleine aufgrund ihrer geringen Größe also auch in stark verrauchten Wohnungen begrenzte Zeit überleben. Dabei sind die Chancen höher als bei einem Hund, bei dem es wahrscheinlicher ist, dass er im Rauch herumläuft und einen Ausgang oder sein Herrchen sucht.

Haustiger: Ein Wohnungsbrand ist für viele Menschen eine Horrorvorstellung. Besonders Tierhalter fragen sich in diesem Zusammenhang häufig, wie sie nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Tiere vor den Flammen retten können. Angenommen, ich befinde mich bei Ausbruch eines Feuers samt meinen Tieren im Haus. Wie verhalte ich mich am besten? Wie viel Zeit habe ich im Schnitt, um meine Katzen zu finden, einzupacken und mitzunehmen?

Ingo: Ein Zimmerbrand kann sich innerhalb von drei bis vier Minuten zum Vollbrand ausweiten. Das Überleben ist dann für Menschen nicht mehr möglich. Eine Zeit zu bestimmen, die man sich im Brandfall für die Suche nehmen könnte, ist daher nicht abzugrenzen. Sie hängt davon ab, wie früh das Feuer überhaupt entdeckt wird und wie schnell sich Rauch und Feuer ausbreiten. Denn das Gefährlichste an einem Zimmer- oder Wohnungsbrand ist nicht das Feuer, sondern der Rauch:

Wird es heiß, merkt man ziemlich schnell, wann man in Gefahr ist und zieht sich zurück. Ist der Raum aber mit Rauch gefüllt, wird die Situation oft unterschätzt! Eine Rauchvergiftung, die auch tödlich sein kann, ist die Folge.

Ist die Raumluft also bei einem kleinen Entstehungsbrand nur leicht mit Rauch verhangen, kann man schnell noch die wahrscheinlichsten Verstecke nach seiner Katze absuchen. Hat man jedoch schon Mühe, die gegenüberliegende Wand zu erkennen, ist man selbst in Lebensgefahr! Diese Grenze ist sehr diffus und kann von einem Laien leider nicht wirklich eingeschätzt werden. Feuerwehrleute bekommen nicht umsonst eine sehr umfangreiche Ausbildung.

Haustiger: Angenommen, ein Feuer bricht aus und ich befinde mich nicht im Haus, aber meine Katzen. Wie kann ich die Feuerwehr auf meine Tiere aufmerksam machen? Bringen Schilder an der Tür etwas, wie zum Beispiel die Notfallaufkleber von PETA? Wie müsste ein solcher Hinweis beschaffen sein, damit er im Eifer des Gefechts bemerkt wird?

Ingo: Der einfachste Weg ist natürlich der Hinweis eines Nachbarn oder vielleicht sogar vom Halter selbst an den Einsatzleiter. Dieser kann es dann über Funk an seinen Trupp vor Ort weitergeben.
Aufkleber wie der beschriebene sind auch eine wertvolle Information, zumal die Kollegen dann auch wissen, welcher Art das Haustier ist: Eine Katze würde ängstlich in einer kleinen Ecke sitzen und lässt sich einfach nehmen und heraustragen - wenn man sie überhaupt im ersten Angriff findet. Ein großer Hund hingegen würde womöglich trotz Panik sein Revier verteidigen.
Aufkleber dieser Art gehören, sofern man sie anbringen möchte, in den unteren Bereich der Tür: Da Rauch und Hitze nach oben ziehen, betreten Feuerwehrleute eine Brandwohnung nur tief gebückt bzw. im Kriechgang. Im unteren Türbereich können wir einen Hinweis am besten finden. Das gleiche gilt auch für die Aufkleber für Kinderzimmertüren.

Haustiger: Manche Katzenhalter trainieren ihre Katzen mithilfe von Clickertraining dahingehend, bei Ertönen des Rauchmelders in ihre Transportboxen zu gehen, um die Evakuierung zu erleichtern. Im Brandfall tönt jedoch ja nicht nur der Rauchmelder, sondern die Katzen bekommen es mit Hitze, Rauch, panischen Menschen... zu tun. Kannst du dir dennoch vorstellen, dass das im Ernstfall funktioniert?

Ingo: Man kann Katzen bekanntlich eine Menge beibringen. Allerdings sind Katzen nicht so menschenfixiert wie Hunde: Während Hunde ihren Menschen als „Rudelführer“ akzeptieren und auch (oder gerade) in Krisensituationen Hilfe von ihm erwarten, machen Katzen ihre „Kunststückchen“ meist nur gegen Leckerlies. Das heißt aber im Umkehrschluss, dass Katzen im Brandfall den Fluchtinstinkt höher einstufen als die Aussicht auf ein schnödes Leckerli. Sie werden also wahrscheinlich nicht in der gewünschten Art handeln, wenn sie das Feuer bemerkt haben, wie sie überhaupt auf Veränderungen der Umgebung empfindlich reagieren. Dieses wird in der Regel schon sein, bevor ein Rauchmelder anschlägt, da dieser einiges an Rauch zum Alarm geben braucht.
Für den Fall, dass das Feuer noch nicht von dem Tier bemerkt (und als Gefahr verstanden) wurde, kann es aber hilfreich sein, wenn sie z.B. bei Rauchmelderalarm einen bestimmten Ort aufsucht.
Schaden kann so ein Training sowieso nicht, die Katze ist im Training zumindest beschäftigt. Ihr ist es gleich, ob sie für das Leckerchen Pfötchen geben soll (nur niedlich), oder an einen sicheren Ort geht (vielleicht lebensrettend).

Haustiger: Hast du davon ab, eine Idee, wie ich mich auf einen möglichen Brand bestmöglich vorbereiten kann bzw. gibt es sinnvolle Maßnahmen, die die „Flucht“ aus dem brennenden Haus bzw. das Löschen im Ernstfall erleichtern?

Ingo: Es ist immer gut, sich auf einen Notfall vorzubereiten, indem man sich z.B. Fluchtpläne überlegt. Alleine durch diese Vorbereitung beschäftigt man sich mit dem Thema, ein Notfall erscheint einem dann nicht als etwas, was nur den anderen passieren kann. Im Ernstfall ist man dementsprechend nicht schon von vornherein überfordert und reagiert darum nicht kopflos.
− Die Wohnung sollte, wenn möglich, keine unzugänglichen Verstecke bieten. Wenn sich eine Katze hinter ein Sofa flüchtet, können wir sie nicht finden. Sind die möglichen Verstecke gut zugänglich (Kratzbaumhöhle, Kleiderschrank), habe ich eine Chance, die Katze schnell zu finden und zu retten.
− Katzen haben ihre „Lieblingsecken“, in die sie sich auch bei Stress verkriechen. Kennt man diese, weiß man auch, wo man im Brandfall nach ihr suchen muss. Meine zum Beispiel schlüpft bei Stress gerne in den Kleiderschrank.

− Rauchmelder mindestens in den Schlafzimmern und im Flur (Fluchtweg!) sollten eine Selbstverständlichkeit sein.
Genauso wie Wohnungsschlüssel sollte auch eine Hundeleine oder ein Katzenkorb immer an der gleichen Stelle zu finden sein: Wo ich etwas bereits tausendmal vorgefunden habe, werde ich es auch im Notfall automatisch finden. Zudem sollte alles für die Flucht benötigte in der Nähe des Ausganges liegen, damit ich nicht erst tiefer in eine vielleicht schon brennende Wohnung eindringen muss, um es zu erreichen.

− Für Entstehungsbrände habe ich in meinem Wohnungsflur ein geprüftes Feuerlösch- Spray parat stehen. Diese Spraydosen enthalten kein Pulver, welches im Einsatzfall eine große Verschmutzung verursachen würde, und sind intuitiv zu bedienen, da sie wie eine Haarspray- Dose funktionieren. Geprüfte Sprays gibt es zum Beispiel von der Firma Prymos.

− Bei Feuerlöschern sollte man sich grundsätzlich bereits vor einem Notfall die Gebrauchshinweise in aller Ruhe ansehen. Wenn es brennt, hat man diese Ruhe nicht mehr.
− Eigene Löschversuche sollte man nur dann unternehmen, wenn alle Personen und Tiere bereits in Sicherheit sind, der Notruf abgesetzt oder veranlasst wurde und man sich nicht selbst in Gefahr begibt (Rauchvergiftung!)
− schmorende elektrische Geräte sofort vom Stromnetz trennen. Kommt man an die Stecker nicht heran, weil sie z.B. hinter einem Schrank angeschlossen sind, am Sicherungskasten sofort die Sicherungsautomaten abschalten. Kleingeräte wie Toaster, DVD- Recorder oder ähnliches kann man unter Umständen schnell wegtragen, in der Wanne ablöschen oder (wenn gefahrlos möglich) aus dem Fenster werfen. Große Geräte wie Fernseher oder Mikrowellenherd kann man – wenn sie stromlos sind! - mit einem nassen Handtuch oder Saunatuch abdecken.
− Brennende Kochtöpfe und Pfannen vorsichtig vom Herd ziehen (Gefahr des Überschwappens beachten) und mit einem passenden Deckel abdecken. Ein Handtuch, welches zum Ersticken der Flammen über eine Pfanne oder Fritteuse geworfen wird, kann übrigens einsinken und sich mit brennendem Fett vollsaugen. Das Feuer wird dann über dem Handtuch weiterbrennen!
− Rauch unterkriechen, um ihn nicht einatmen zu müssen.
− Bei der Flucht alle Türen schließen, damit der Rauch sich nicht weiter ausbreitet und das Feuer weniger Luft bekommt. Insbesondere die Wohnungstür heranziehen, um den Bewohnern der oberen Stockwerke die Flucht durchs Treppenhaus zu ermöglichen. Türen aber nicht abschließen! Den Wohnungsschlüssel für die Feuerwehr bereithalten.
− Die Nachbarn warnen.
− Vor dem Haus auf die Feuerwehr warten und sich sofort bei ihr melden. Bewohner, die sich melden, müssen nicht gesucht werden. Zudem kann man den Einsatzkräften wertvolle Hinweise geben.

Haustiger: Ist die Feuerwehr angehalten, Haustiere im Brandfall zu retten (sofern dies ohne größere Gefahr für Leib und Leben möglich ist)?

Ingo: Der Grundsatz der Feuerwehr ist: Menschen – Tiere – Sachwerte retten, und zwar in dieser Reihenfolge. Natürlich werden wir bei allen Einsätzen (übrigens auch bei der Menschenrettung!) immer auf den Eigenschutz achten.
Wenn keine Menschen mehr gerettet werden müssen, achtet der vorgehende Trupp auch auf Hinweise wie Futternäpfe oder Katzenklos, falls ihnen noch nichts davon bekannt ist, ob sich überhaupt Haustiere in der Wohnung befinden oder nicht. Sieht ein Feuerwehrmann Hinweise auf ein Tier, wird er seine Augen offenhalten, um es zu finden, also auch z.B. unter Eckbänken oder dem Sofa kurz nachsehen.

Haustiger: Ist die Rettung von Haustieren, wie z. B. Katzen, bzw. der Umgang mit panischen Samtpfoten (theoretischer) Bestandteil der Ausbildung? Am lebenden Objekt lässt sich das ja eher schlecht üben.

Ingo: Die Tiere kennen uns nicht, wenn wir sie finden. Katzen können daher bei der Rettung auf zwei Arten reagieren: Sie versuchen zu flüchten oder krallen sich am Retter fest.
Hierbei machen sie aufgrund ihrer Größe keine Probleme, wenn man beherzt zupackt. Der Katze muss dabei vom ersten Griff an klar sein, dass sie keine Chance auf Gegenwehr hat: „Fluchtkandidaten“ würden sonst sofort alles daran geben, sich zu befreien. Dadurch steigt auf beiden Seiten das Verletzungsrisiko.
Eine spezielle Schulung ist für die Katzenrettung nicht notwendig. Anders ist es z.B. bei Reptilien, wofür einige Feuerwehren für ihre Kräfte Sonderausbildungen anbieten. Eine Schlange ist zum Beispiel wesentlich schwieriger zu handlen als eine Katze.
Im Einsatz haben Feuerwehrleute dicke Schutzkleidung an, die sie vor Verletzungen schützen würde. Viele Katzen krallen sich in der Schutzjacke fest, wenn man sie erst einmal hat, und lassen sich dann ohne Schwierigkeiten wegtragen.
Wir wissen auch, dass Katzenbisse höchst infektiös sind, und achten darum auch außerhalb der Brandstelle auf unsere Hände.

Ich hoffe, mit diesen Antworten weitergeholfen zu haben. Wie im Vorfeld erwähnt ist es nicht so einfach, pauschal Ratschläge zu geben. Bei aller Tierliebe muss der Mensch im Vordergrund stehen, und die Situation bei einem Brand lässt sich vom Laien sehr schlecht beurteilen.

Lieber Ingo, ich danke dir ganz, ganz herzlich für deine Mühe und deine ausführlichen und aufschlussreichen Antworten! Liebe Leser, "112 - der tägliche Wahnsinn" ist toll, von meiner Seite eine absolute Leseempfehlung!

Erstveröffentlichung: Juni 2014

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Sind Bromelien für Katzen giftig?

Katzenpflanzen

Sind Bromelien für Katzen giftig?

Zimmerpflanzen wie Bromelien können das eigene Zuhause nicht nur optisch aufwerten, sondern tragen auch nachweislich zum Wohlbefinden bei und schaffen eine angenehme Atmosphäre. Allerdings ist es im Katzenhaushalt mit den Pflanzen oft schwierig. Denn viele Zimmerpflanzen sind für Katzen giftig, mitunter so giftig, dass der Kontakt tödlich enden kann. Man tut daher gut daran, auf giftige Pflanzen im Katzenhaushalt zu verzichten und nur auf ungefährliche Pflanzen zurückzugreifen.

Eine Möglichkeit stellen hier die Bromeliengewächse dar, von denen sicherlich die Ananaspflanze die bekannteste ist. Es gibt aber auch noch zahlreiche weitere Bromelien, die als Zierpflanzen verkauft werden und den Haushalt auch mit Katzen verschönern können.

Herkunft der Bromelie

Bromelien haben ihren Ursprung in den üppigen Regenwäldern Mittel- und Südamerikas, wo sie seit Jahrhunderten in ihrer natürlichen Umgebung gedeihen. Sie sind äußerst anpassungsfähig und in einer Vielzahl von Lebensräumen zu finden. Insgesamt gibt es über 3.000 Arten, von denen die Ananas (Ananas comosus) wohl die bekannteste darstellt.

Ihre exotische Herkunft und ihre einzigartige Schönheit führten dazu, dass die Bromelien im Laufe der Jahre nicht nur in die botanischen Gärten und Gewächshäuser Europas gelangten, sondern dass die Bromelie auch zu einer der beliebtesten Zimmerpflanzen weltweit avancierte.

Aussehen der Bromelien

Bromelien sind für ihr ansprechendes Aussehen und ihre vielfältigen Formen und Farben bekannt. Es gibt hier verschiedene Arten mit unterschiedlichsten Blattstrukturen, Blütenformen und Größen. Die Blattformen der Bromelie reichen von dünn und grasartig bis hin zu festen, fleischigen Blättern. Manche besitzen auch scharfe Stacheln an den Blatträndern. Besonders attraktiv macht die beliebten Zimmerpflanzen aber ihre lebendige Farbgebung, die sich auch an den Blüten zeigt.

Am bekanntesten unter den Bromelien ist mit Sicherheit die beliebte Ananas, aber auch Tillandsien, die bekannten „Luftpflanzen“, sind sehr beliebt. Durch diese Vielfalt kann man bei den Bromelien unter zahlreichen Vertretern wählen und trotz Katzen ein wenig Abwechslung in den heimischen Pflanzendschungel bringen.

Sind Bromelien giftig für Katzen?

Nein. Bromeliengewächse oder Ananasgewächse werden als ungiftig für Katzen und andere Haustiere betrachtet und stellen keine unmittelbare Vergiftungsgefahr dar, wenn sie von Katzen gefressen werden. Was jedoch immer besteht, ist die potentielle Gefahr einer Vergiftung durch Pestizide oder Dünger. Zudem wurden bei einigen Vertretern hautreizende Stoffe (z. B. in Bromelin) in den Blättern nachgewiesen. Heißt, auch wenn die Pflanzen nicht unmittelbar giftig sind, so sollte man trotzdem darauf achten, dass sie von den Katzen nach Möglichkeit nicht gefressen werden.

Mögliche Gesundheitsprobleme bei Katzen durch Bromelien

Auch wenn Bromelien als ungiftig und relativ sicher für Katzen gelten, sollte man einige Vorsichtsmaßnahmen treffen, um gesundheitliche Probleme zu vermeiden. Unter anderem kann das Kauen an den Pflanzen zu Magen-Darm-Problemen (z. B. Erbrechen, Durchfall) führen.

Ein weiteres mögliches Risiko besteht durch die spitzen Blätter und Stacheln mancher Ananasgewächse, die zu Verletzungen an Maul und Pfoten führen können. Es sind allergische Reaktionen möglich und das Verschlucken größerer Pflanzenteile kann unter Umständen zu Schwierigkeiten in der Magen-Darm-Passage führen.

Man tut daher gut daran, zum einen möglichst ungefährliche Bromelien zu wählen und zum anderen das Verhalten der Katzen im Auge zu behalten und sicherzustellen, dass die Pflanzen und deren Früchte von der Katze nicht gefressen werden.

Liste möglicher Bromelienarten, die für Katzen relativ ungefährlich sind:

1) Guzmania
2) Neoregelia
3) Cryptanthus
4) Tillandsia
5) Vriesea

Exkurs: Superfood Ananas – Bromelain für Katzen?

Die Ananas wird beim Menschen als Superfood gehandelt, was nicht zuletzt am enthaltenen Stoff Bromelain liegt. Der Wirkstoff setzt sich aus zwei eiweißspaltenden Enzymen zusammen und wird beim Menschen unter anderem gegen Schwellungen nach Verletzungen oder Operationen eingesetzt. Zudem wird eine entzündungshemmende und verdauungsfördernde Wirkung beschrieben.

Zur vorteilhaften Wirkung bei Katzen liegen bislang keine gesicherten Erkenntnisse vor. Im Rahmen einer klinischen Studie, bei der 30 Katzen nach der Ovariohysterektomie (Entfernung von Eierstöcken und Gebärmutter im Rahmen der Kastration), je nach Gruppe entweder Bromelain oder ein Placebo erhielten, konnte jedoch kein Unterschied zwischen den Gruppen festgestellt werden. Entsprechend bot Bromelain hier keine signifikanten schmerzlindernden und entzündungshemmenden Vorteile gegenüber dem Placebo ((Ribeiro MR, Conceição MEBAM, Bezerra DKO, Teles JPP, Giuffrida R, Cassu RN. Bromelain does not provide significant analgesic and anti-inflammatory benefits over placebo in cats undergoing ovariohysterectomy. J Am Vet Med Assoc. 2023 Apr 21;261(9):1297-1304. doi: 10.2460/javma.23.02.0117. PMID: 37085147.)).

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Emma erklärt: Sch… im Internet zu Geld machen leicht gemacht

Emma erklärt...

Sch... im Internet zu Geld machen leicht gemacht

Geld können wir ja alle immer irgendwie brauchen. Du doch sicher auch, oder? Dachten wir uns. Wir haben daher hier einige Tipps für dich, wie du - ohne fundiertes Fachwissen zu haben - im Internet mit Online-Kursen MIT LEICHTIGKEIT die große Kohle verdienen kannst.

1) Bezeichne dich als Experte für dein Thema, egal ob du Ahnung davon hast oder nicht. Studium oder Ausbildung braucht auch keiner. Wird völlig überbewertet. Wenn du dich als Experte fühlst, dann bist du auch einer. Fertig. Alles eine Frage des richtigen Mindsets.

2) Betitle alle anderen als inkompetente Vollidioten, die keine Ahnung von deinem Thema haben. Besonders Tierärzt:innen. Die darfst du nicht vergessen. Wenn du nicht besser bist als der Tierarzt, ist dein Kurs nichts wert.

3) Such dir ein Thema, bei dem der Personenkreis aus Punkt 2 deiner Meinung nach regelmäßig versagt. Besonders erfolgsversprechend sind hier Themen wie “Handauflegen gegen Inkontinenz” oder “Homöopathie zum Aufmalen gegen Parvovirose”. Protipp: Wenn dich jemand als Schwurbler bezeichnet, bist du definitiv auf der richtigen Fährte. Weiter so!

4) Du weißt noch nicht, welches Thema es werden soll? Telegram eignet sich hervorragend als Inspirationsquelle.

5) Gib deinem Thema einen wissenschaftlichen Touch, indem du z. B. statt über Homöopathie über “Quantenphysik” oder - bei Schüssler Salzen - über “Biochemie” sprichst. Fußnoten machen sich auch immer gut. Aber Achtung: Verweise hier auf keinen Fall auf seriöse Quellen! Das würde nur vom Thema ablenken.

6) Versprich deinen Interessenten, dass sie mit Leichtigkeit perfekt werden können, aber mach deutlich, dass sie es allein in der Hand haben und dich keine Schuld trifft, wenn es dem Tier mit deiner Methode nicht besser geht. Schließlich bist du der Experte und es ist absolut unmöglich, dass dich eine Schuld trifft, wenn dein unglaubliches Wissen, das du gnädigerweise weitergibst, nicht korrekt umgesetzt wird. PS: Natürlich bist du auch nicht schuld, wenn ein Tier stirbt, weil die Leute dir vertraut haben, statt das Tier zeitnah tierärztlich versorgen zu lassen. Wäre ja noch schöner.

7) Biete deinen Kurs absolut überteuert an und betone mehrfach, dass der Kurs seinen Preis wert ist, weil du einzigartiges Wissen vermittelst, mit dem deine Teilnehmer künftig Tieren bei Problemen helfen können, bei denen die Gruppe aus Punkt 2 deiner Meinung nach regelmäßig versagt. Betone hier unbedingt nochmals, dass du der unfehlbare Experte bist und alle anderen inkompetente Vollidioten.

8) Schwadroniere ausgiebig über die Mängel der Idioten aus Punkt 2. Und wenn du schon einmal dabei bist, weise unbedingt auf die Gefahren von Impfungen und diversen Medikamenten hin. Ach, Antibiotika, Cortison und Schmerzmittel verringern Leid und retten Leben? Pfff, völlig überbewertet. Hallo, du bist der Experte und deine Methode heilt alles. Und falls nicht, dann wurde dein Wissen mit Sicherheit nicht korrekt umgesetzt. Schließlich ist es völlig unmöglich, dass du Mist erzählst, der Tierleben gefährdet.

9) Sorge dafür, dass du über Google gut gefunden wirst. Deine Zielgruppe wird dich dort suchen. Alternativ lohnt es sich, ausführlich und ungefragt bei jeder sich bietenden Gelegenheit in den sozialen Medien über deine unglaubliche Methode zu sprechen. Du wurdest gesperrt? Lass dich davon nicht abhalten. Alles Banausen, deren Horizont der Wahrheit - deiner Wahrheit - nicht gewachsen ist. Hey, immerhin bist DU der Experte und hast immer Recht. Schon aus Prinzip.

10) Erstelle eine Prüfung und versprich deinen Teilnehmern ein Zertifikat, so dass sie sich danach “zertifizierter Experte für [dein Thema]” nennen können. Achtung: Die Prüfung muss so einfach sein, dass sie jeder ohne zu lernen besteht. Schließlich willst du deine Teilnehmer nicht überfordern.

Du hast alle Punkte abgehakt? Hervorragend. Dann steht der ersten Million nichts mehr im Weg. Feuer frei!

Im Ernst: Liebe Dosenöffner, bitte schaut genau hin, wem ihr vertraut. Wir haben nur dieses eine Leben. Und wir möchten nicht als Versuchskaninchen für die Methoden selbsternannter Experten dienen, denen suggeriert wird, sie müssten nichts wissen, sondern nur die richtige Strategie haben, um mit ihrem Thema sechsstellige Monatsumsätze zu generieren. Im schlimmsten Fall bringt ihr uns mit diesen Methoden direkt oder indirekt um und schießt noch dazu viel Geld in den Wind, das ihr sicherlich sinnvoller verwenden könntet. 

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Emma erklärt: Von Experten und Dampfplauderern

Emma erklärt

Von Experten und Dampfplauderern

Die Welt ist groß und es gibt dort viele Menschen, die etwas zu sagen haben oder das zumindest meinen. So ist es auch im Internet. Allerdings ist es für Katzenhalter oft gar nicht so einfach zu erkennen, ob es sich beim Gegenüber wirklich um einen echten Experten handelt oder um einen Dampfplauderer, der zwar viel Meinung, aber nur wenig Ahnung hat. Mitunter gefährlich für uns Katzen, wenn wir durch diese Tipps dann Schaden nehmen.

Die Martina Fuchs bezeichnet diese Möchtegern-Experten in ihrem Podcast als Luftpumpen („viel heiße Luft“) und hat drei Tipps genannt, wie man echte Experten von Dampfplauderern unterscheiden kann.

Experten finden

© Alexas_Fotos / pixabay.com

Diese greife ich heute für euch auf. Und sie gelten nicht nur für das Internet, sondern insbesondere auch für die nicht reglementierten tierischen Berufe wie Tierheilpraktiker, Ernährungsberater, Katzenpsychologen und so weiter und so fort. Schaut genau hin, wem ihr unser Wohlergehen und im Ernstfall unser Leben anvertraut!

Der Experte besitzt tiefgehendes Wissen

Echte Experten können im Idealfall nachprüfbare Ergebnisse (z. B. Kundenstimmen) und vor allem nachprüfbare Erfahrung in der Praxis vorweisen und sind in der Lage, nicht nur an der Oberfläche ihres Themas zu kratzen, sondern auch tiefer einzusteigen. Eine Ausbildung, Fachbücher oder Zertifikate sind zwar schön, sagen aber nicht unbedingt aus, dass man es auch wirklich mit einem Experten zu tun hat. Auch langjähriges Zusammenleben mit Katzen macht einen nicht zwangsläufig zum Katzenexperten. Man kann auch zwanzig Jahre lang dieselben Fehler machen.

Tipp: Wenn du wissen willst, was dein Gegenüber wirklich kann und was nicht, dann stelle tiefgehende Fragen, die sich nicht mit allgemeinem Geplänkel beantworten lassen.

Der Experte zeigt Profil und ist ein Original, keine Kopie

Einer schreibt etwas und andere schreiben ab und mit der Zeit wird aus einer Aussage eine unumstößliche „Forenwahrheit“, von der man gar nicht so genau weiß, wer sie letzten Endes in die Welt gebracht hat. Ihr kennt das?

Ein Beispiel dafür ist die oft unreflektiert übernommene Aussage, von wegen Kater-und-Katze-Konstellationen könnten aufgrund des unterschiedlichen Spielverhaltens niemals funktionieren. Echte Experten plappern nicht einfach nach oder labern um den heißen Brei herum, sondern haben eine eigene Meinung, die sie auch mit Fakten untermauern können. Und das auch, wenn diese von dem abweicht, was die Mehrheit von sich gibt.

Der Experte bringt auch komplexe Themen verständlich auf den Punkt

Man kann nur einfach und verständlich erklären, was man auch selbst versteht. Wer sich hinter langatmigem Geschwafel und unzähligen Fachbegriffen versteckt, am besten noch garniert mit gefühlten drei Millionen Fußnoten (4,6,63), wirkt zwar vielleicht gebildet, hat aber oft maximal im Ansatz begriffen, über was er oder sie da eigentlich schreibt. Ein Experte, der sein Thema wirklich beherrscht, ist in der Lage Wichtiges von Unwichtigem zu trennen und die Inhalte auch für den Laien verständlich wiederzugeben. Und klar, sind Fußnoten in wissenschaftlichen Publikationen Pflicht und auch sinnvoll, aber Fußnoten unter einem Blogposting oder in einem Facebook-Beitrag sagen nicht automatisch aus, dass der Autor die zitierten Quellen auch richtig verstanden und interpretiert hat.

Und last but not least:Fragt nach, prüft nach, lasst euch Dinge erklären, bildet euch weiter und scheut euch auch nicht, eine zweite Meinung einzuholen, wenn euch die erste suspekt ist. Vertraut niemandem blind. Ihr allein seid für unser Wohlergehen verantwortlich.

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Emma erklärt: Katzen und der Winterspeck

Emma erklärt

Katzen und der Winterspeck

Gerade im Herbst liest man immer wieder neugierige oder sogar besorgte Fragen, was denn mit der Katze los sei, weil sie plötzlich fresse „wie ein Scheunendrescher“. Zudem wird – mal davon abgesehen, dass wir nicht fressen, sondern dinieren bitteschön – auch noch mit solch bösen Wörtern wie Tierarzt oder Blutabnahme um sich geworfen. Dabei ist das, was wir machen vollkommen logisch und natürlich. Und warum dem so ist, erzähle ich euch in dieser Ausgabe von „Emma erklärt“.

Eigentlich hätte die ja schon viel früher fertig sein sollen, aber – ihr ahnt es – ich war mit dem Aufbau meiner Isolierungsschicht beschäftigt. ;-)

Aber beginnen wir am Anfang. Wie ihr ja sicherlich wisst, ist es im Sommer länger hell als im Winter. Fachsprachlich nennt man das auch Photoperiode. Viele Tiere, darunter wir Katzen, reagieren auf diese Unterschiede in der Tageslichtlänge recht empfindlich, was sich zum Beispiel bei unseren unkastrierten Kollegen im Sexualzyklus zeigt.

Denn unter natürlichen Verhältnissen (also draußen, ohne Kunstlicht) setzt die Rolligkeit in der Regel wenn die Tage kürzer werden aus, und das Zyklusgeschehen beginnt erst dann erneut, wenn die Tage wieder länger werden und eine Tageslichtlänge von 12 bis 14 Stunden täglich erreicht wird.

Damit unser Körper weiß, wann diese Tageslänge erreicht ist, haben wir (wie auch andere Wirbeltiere) eine praktische Einrichtung namens Pinealorgan, besser bekannt als Zirbeldrüse, die das Schlafhormon Melatonin bildet. Melatonin wird nur in der Dunkelheit gebildet, entsprechend wird im Winter (kurze Tage) am meisten und im Sommer (lange Tage) am wenigsten Melatonin ausgeschüttet.

Soweit so gut. Diese durch Melatonin gesteuerten Jahresrhythmen haben aber nicht nur Einfluss auf unsere Fortpflanzung, sondern helfen uns auch dabei, viele weitere Anpassungen durchzuführen, die notwendig sind, um mit saisonal unterschiedlichen Lebensbedingungen klarzukommen.

So wird zum Beispiel auch der Fellwechsel über die Tageslichtlänge und die Melatoninproduktion aktiviert und – um nach diesem Exkurs dann auch mal wieder zum Thema zu kommen – beide haben (neben den Umgebungstemperaturen) auch Auswirkungen auf die Futteraufnahme. Deshalb futtern wir im Spätherbst und Winter (etwa von Oktober bis Februar) am meisten und in den Sommermonaten (etwa von Juni bis August) am wenigsten.

„Also setzen wir euch in der kalten Jahreszeit künftig auf Diät damit ihr nicht fett werdet?“

Auf keinen Fall! Schlaue Leute, die das was ich euch eben erzählt habe, untersucht haben, haben nämlich herausgefunden, dass sich das vorübergehende „Mehr Futtern“ (anders als bei euch Menschen *duck*) bei uns langfristig nicht auf unser Körpergewicht auswirkt. Ha!

Nehmt also bitte Rücksicht auf unsere natürlichen Bedürfnisse und lasst uns im Herbst und Winter nicht hungern. Pocht auch nicht so sehr auf feste Futtermengen, sondern passt die Futtermenge gegebenenfalls saisonal an. Entspannender für euch und entspannender für uns. Gleicht sich in der Regel auch wieder aus. Denn was wir in der kalten Jahreszeit mehr verdrücken, futtern wir im Sommer oft weniger.

Und ganz wichtig: Bei Jungkatzen gibt es diese saisonalen Anpassungen noch nicht. Die sollen und dürfen unabhängig von der Jahreszeit soviel futtern, wie sie mögen, um große, starke Katzen zu werden.

Quellen u. a.

  • Von Engelhardt W, Breves G, Diener M, Gäbel G (2015). Physiologie der Haustiere (5. Auflage). S. 512-513
  • Serisier, Samuel et al. “Seasonal variation in the voluntary food intake of domesticated cats (Felis catus)”  PloS one 9,4 e96071. 23 Apr. 2014, doi:10.1371/journal.pone.0096071
  • Bermingham, Emma & Weidgraaf, Karin & Hekman, Margreet & Roy, Nicole & H Tavendale, M & Thomas, David. (2012). Seasonal and age effects on energy requirements in domestic short-hair cats ( Felis catus ) in a temperate environment. Journal of animal physiology and animal nutrition. 97. 10.1111/j.1439-0396.2012.01293.x.
  • Kappen, K. L., Garner, L. M., Kerr, K. R. and Swanson, K. S. (2014), Effects of photoperiod on food intake, activity and metabolic rate in adult neutered male cats. J Anim Physiol Anim Nutr, 98: 958-967. doi:1111/jpn.12147

Sonst noch in der Reihe "Emma erklärt" erschienen:

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